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Der Wiederbegitin der beichlagsarbeil. I l !en. dMerkwli rd^gerrve?se^war auch die Beteiligung ^an ” * den Wahlen nicht die erwartete, namentlich die beWen-

1 den Kreise haben von ihren» Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht, wie denn überhaupt die bemerkenswerte Er- | Meinung sich seit einer Reihe von Jahren bemerkbar macht, daß das Interesse für die Wahlen in der fran­zösischen Bevölkerung mehr und mehr zurückgeht.

Worin der Grund hierfür zu suchen ist, ist unschwer zu erraten, das Publikum kommt zur Einsicht, daß die Politik von einer Reibe ehrgeiziger Persönlichkeiten ge­macht wird, und gerade verschiedene Ereignisse der letz­ten Zeit haben zweifellos ungemein dazu beigetragen, im Volke Verstimmung hervorzurufen.

Viel Reden, wenig Arbeit.

Die Osterferien sind nun auch für den Reichstag zu Ende, und am Dienstag hat die Arbeit wieder begonnen. Da noch ein ziemlich bedeutender Teil der Etatsberatung zu erledigen ist, ist wenig Aussicht vorhanden, Mb in den drei Wochen, die bis Himmelfahrt noch.zur^^Ver­fügung stehen, noch viel Beratungssiof» aufgearbeltet wird, obwohl dies an und fiir sich angesichts öer mehr als bescheidenen Resultate der bisherigen TaMe.it sehr wünschenswert wäre. Aber zumal wenn die Regierung sich entschließt, den Reichstag auch düsmal wieder zu vertagen, wie es neuerdings den Anschein hat, so wird der Drang, die Reste aufzuarbeiten, nicht sehr groß sein, so, deru inan wird das meiste auf die Spatherbsttagung versc^ekeu. ^^ eßCn immer wieder, daß im Reichstag zuviel gesprochen wird. Ein namhafter Abgeordneter der Linken hat unlängst ausgeführt, daß der Reichstag „un­zweifelhaft überbürdet" sei. In Wirklichkeit überbürdet er sich selbst, indem alles, was die Herren Abgeordneten ohnedies schon in zahllosen Zeitungsartikeln der Welt kundgetan haben, noch drei- bis viermal im Reichstag vorgetragen wird, ein- bis zweimal in der Konmnssion und mindestens ein- bis zweimal im Plenum. Das ist ein falsches System, das auf einer starken Ueberschatzung des Redeflusses beruht und die errlsthafte Arbeit Hindert, statt sie zu fördern. Die Debatte»» iiber den, Etat des Reichsamts des Innern z. B. sind geradezu, ein L-chrek- ken für jeden, der sich innerlich oder äußerlich verpflich­tet fühlt, ihneil einigermaßen zu folgen, und bedeuten eine Vergeudung der Zeit nicht nur des Reichstags selbst, sondern namentlich auch der BeaMten der Reichs- ämter, die monatelang ihren sonstigen Arbeiten entzogen werden, was bann natürlich auf die Vorbereitung der I " »»günstig wirken muß. Soll also eine Besse­rung'erzielt werden, und in der bisherigen Art und Weise kann es allerdings kaum weitergehen, so müßte der Reichstag selbst die reformierende Hand anlegen.

Das dem Reichstag von den verbündeten Regierun­gen vorgelegte Arbeitspensum war, wie man sich erin­nert, nach den schweren Mühen des Wehrvorlagensom- mers verhältnismäßig fleht. Aber daß auch nicht einmal dieses kleine Pensum aufgearbeitet worden ist, zeigt dra­stisch, daß die Schuld nicht am Stoffe liegt, sondern an der Arbeitsmethode. Es macht also auch »licht soviel aus, daß der Bundesrat, der schor» an» Sonnabend, seine Ferien beendet hat, jetzt seinerseits noch das Rennwettgesetz und die Novelle zu den» Gesetz über den Absatz von Kalisalze»» vorlegt und wohl auch noch das Gesetz iiber die Bezüge der Ältpensiouüre, das mauche schwer drückende Härte beseitige»» soll, wird folgen lassen. Bei einigem guten Willen wären ja sicherlich diese Gesetze noch zu erledigen, aber allerdings unter der Voraussetzung, daß dieser gute Wille zu einem kräftigen „Ja — also" sich ent­schließt und mit dem System bricht, das Dutzende von Händen an jeden» Gesetzentwurf zurecht schneiden und herumslicker» läßt, bis schließlich ein Produkt entsteht, für das niemand verantwortlich sein will, das schließlich nie­mand »nehr kennt und das sich höchstens zu seinem Nach­teil von dem ursprünglichen Entwürfe unterscheidet.

Gesetze uti

Der Wahlsonntag in Frankreich.

Am Sonntag habe»» in Frankreich, wie gerneldet, die Kammerwahlen stattgefunden, indessen läßt sich noch kein abschließendes Bild über die Situativ»» geben, da an 250 Stichwahlen erforderlich sind. Erst nach bereit Entschei­dung, die für den 10. Mai vorgesehen ist, wird man wis­sen, woran man ist. Die Wähle»» sind diesmal ohne son­derliche Erregung vor sich gegangen, nur ganz verein­zelt ist es zu kleineren Ausschreitungen gekommen, ob- wohl man nach den heftigen Kammerdebatten es hätte anders erwarten können. Gleichwohl gab es einige scharfe Kämpfe, insbesondere stritt man heiß um das Mandat des früherer» Finanzministers Caillaux, der trotz aller Anstrengungen der Gegner mit beträchtlicher Mehr­heit siegte. Auch die Minister würben sämtlich wieöerge- wählt, andernfalls der eine oder andere fein Portefeuille hätte abgeben müssen. Desgleichen werden die bekann­teren Parlamentarier in der Kammer wieder erscheinen, vor allen Dinger» der Sozialistensührer Jaures, »näh­rend der bekannte Professor Thalamas, der in der leb­haftester» Weise für Frau Caillaux eingetreter» war, in seinem Wahlbezirk Versailles einem Nationalisten un­terlegen ist.

Soweit man aus den bisheriger» Wahlresultaten ir­gendwelche Schlüsse ziehe»» kann, ergibt sich, daß aller Voraussicht nach keine wesentlichen' Verschiebungen zu verzeichnen sein werden. Bor allen» ist das eine ersicht- l ch, daß die „Vereinigung der Linken", die als gefähr- licher Gegner der Regierung auftrat, bei ben Wahlen schwere Niederlagen erlitten hat. Insbesondere ist einer »hrer hervorragendster» Führer, der ehemalige Minister Lanessan, durchgefallen, wozu vielleicht seine übermätzi-

Täuschender Schein.

Original-Roman von Ludwig Blümcke.

82) (Nachdruck verboten.)

Der Rittmeister entließ ihn und kehrte sogleich »vie- der »»ach Waldwiese zurück, um Agnes die frohe Kunde zu uberbriugen, daß ihres Vaters Utlschuld erwiesen sei.

verschwieg die Ueberglückliche bem guten alten H^rn denn auch nicht, wo der Verfolgte sich aufhalte und wie es um ihn stehe.

„Wir fahren sofort zu ihm und nehmen den Doktor, wieder da ist, gleich mit uns!" bestimmte von Stolten darauf.

Und so geschah es.

^o^ ^w selben Abend verließ Roland das Haus Einsiedlers, der fortan nicht ÄS SteSS? der Erde zählen sollte, mtb ltc^te Rolands Wunde in der eigenen ^ gellte sich heraus, daß sich «och darin befanden, die um siand nicht mußten. Lebensgefahr be.

rnergehn Tagen würde alles gut sein. ban^müf^ Ueude nicht schon! Es war bem e n"en Stunde Ue 'hn schon in der aller Welt Ä Gerechtfertigt daz»»steher» vor neu tontnh , ntmen zu bürfen auf dem eige­nen Grund und Boden, ach, etwas Köstlicheres hätte SSVlttd1^uuen! Fegt wäre auch Ngnes Filter vollkommen gewcien, wenn der große °ie= bevichme» z nicht immerfort an ihrem Herzen aenam wenn sie den Mann niemals feinten gelernt hätte, ben in SaehattM^ "^ßte, trotzdem er so grausam

Mrtr$l?itfein Rehzeld iah nun nicht mehr in Fräulein .Holanb allein einen rettende»» Engel, sondern »nehr auch in Doktor Kalau, der gch ane nur erdenkliche Mühe um

lab UnHie sollte nich vergebet fein Nachdem I t" seiner heute gedachte.

veigeoens sein. Nachdem t Eine Trane perlte ihm verstohlen über die Wange,

Politische Rundschau.

Zusammenkunft zwischen Kaiser und Statthalter. Statthalter von Dallwitz reist, wie die „Tägl. Rundschau" hört, am Mittwoch, 29. April, nach Siraßburg, und wird die Amtsgeschäfte am 1. Mai übernehmen. Eine Zu-

sammenkunft des Statthalters mit dem Kaiser in Kolmar ist für die ersten Maitage in Aussicht genommen. Der Kaiser reist von Karlsruhe nach Kolmar, Metz unb Die- Hofen. In Kolmar findet eine militärische Uebung t. In Metz und Diedenhofen beabsichtigt der Kaiser

deü

statt. In______ ___________________ _____ .. . den Fortschritt der Befestigungsarbeiten in Augenschein zu nehmen. Während der ganzen Zeit dürfte Statthalter von Dallwitz der: Kaiser begleiten. Ein Besuch in Straß- burg ist nicht vorgesehen.

Die Reise des Staatssekretärs des Reichsschatzamts an "die Höfe der süddeutschen Bundesstaaten ist in der „Boss. Ztg." und anderen Blättern mit angeblichen Steuerplänen zur Deckung neuer Heeresausgaben in Verbindung gebracht worden. Diese Kornbination, der man von vornherein keinen Glauben schenkte, wird in der „Nordd. Allg. Ztg." jetzt auch als völlig haltlos be- zeichnet. Die Reise des Schatzsekretärs war ausschließ­lich durch Höflichkeitsrücksichten veranlaßt und bezweckte weder die Regelung irgendwelcher Fragen des Wehr­beitrags, noch die Vorbereitung neuer Rüstungs- oder Steuervorlagen.

Fünf „unannehmbare" Reichsgesetzentwürfe. Nicht weniger als fünf Gesetzentwürfe (Beamtenbesoldungs- novelle, Kolouialgerichtshos, Militür-Strafgesetzbuchno- velle, Konkurrenzklausel und Beamtengesetznovelles be­finden sich gegenwärtig in einem Stadium, das ein Scheitern der Vorlagen im Plenum bei der zweiten Le­sung zur Folge haben muß, wenn in letzter Stunde nicht seitens der maßgebender» Reichstagsparteien eingelenkt

wird.

85 Millionen außerordentlicher Goldreserve. Bor» der nach dem Gesetz über Aenderungen im Finanzwesen vom Juni v. I. zu schaffenden außerordentlichen Gold­reserve in Höhe von 120 Millionen Mark sind bisher 85 Millionen in den Tresors der Reichsbank niedergelegt worden, nachdem im August vorigen Jahres mit der Ausgabe der neuen Reichskassenscheine zum Zwecke des Umtauschs in Gold begonnen war. Auch mit der An­sammlung der außerordentlichen Silberreserve in Höhe von ebenfalls 120 Millionen Mark ist inzwischen begon­nen worden.

Kleine nadirlehten.

Der Wehrbeitrag in Grotz-Berlin. In Berlin rech­net man auf Grund von vorläufigen Schätzungen damit, daß der Wehrbeitrag der Reichshanptstadt ungefähr die Höhe von 200 Millionen Mark erreichen dürfte. Durch den Generalpardon dürfte die Stadt Berlin im Höchst­fälle 800 000 Mark als dauernde Mehreinnahme aus der Einkommensteuer erzielen, was bei einem Etat von 408 Millionen Mark saunt in Betracht kommt. Die Stadt Schöneberg wird rund 6% Millionen Mark als Wehr­beitrag zahlen. Die mehr deklarierte dauernde Einnahme aus der Gemeinöeeinkornrnensteuer beträgt jährlich rund 90 000 Mark.

Taufgeschenk des Herzogs vor» Cumberland. Laut „B. T." sind zu den Tauffeierlichkeiten in Braunschweig als Geschenk des Herzogs von Cumberland mehrere Hof­galawage»» aus Gmunden dort eingetroffen. Die dazu gehörige»: Livree»» und Geschirre seien genau benen des früherer» königlich hannoverschen Hauses nachgebildet.

Die Stadtverordnetenversammlung in Cöslin be- chlotz, die durch die Verhaftung des zweite»» Bürgermei- ters Alexander freigeworbene Stelle nicht mehr auszu- chreiben, sonder»» unter drei in Frage kommende»» Kan- didate»» zu wählen.

Festnahme eines ungetreuen Postbeamten. In Sten- dal wurde der Geldbriefträger Thomas aus Wippra, der am vorletzte»» Sonntag nach Unterschlagung eines Wert­briefes mit über 8200 Mark Inhalt flüchtete, in einem Gasthof verhaftet. Der ungetreue Bearnte hielt sich meh­rere Tage in einer Gastwirtschaft auf. Er unternahm von dort aus Fahrten nach Magdeburg, Berlin usw., wobei er von dem entwendete»» Gelde ungefähr 2400 Mk. durchbrachte.

ihre Eltern und Geschwister sie in Waldwiese besucht unb erleichterte»» Herzens wieder abgereist waren, durste sie das Bett verlassen und in des Arztes Begleitung endlich wieder ins Schloß zurückkehren, wie die Frau Oberst es dringend wünschte.

Die alte Darne fühlte sich immer noch sehr leidend und durfte nicht mehr auf völlige Genesung hoffen. Sie wußte nun alles, und konnte selber nicht begreifen, daß der Gram um den verlorener» Sohn ihr nicht das Herz brach. Man hätte es ihr gern verborgen, daß Udo jenes Verbrechen begangen, wegen dessen Roland unschuldig verfolgt worben war. Doch da von ihr möglicherweise Anhaltspunkte über ben Verbleib des Flüchtigen zu erhalten waren, hatte die Behörde keine Rücksichten nehmen dürfen. Sie wußte alles und ertrug das schwere Leid ihres Alters mit stiller Gottergebenheit. Was aber ihr Sohn an Roland gesündigt, das suchte sie dadurch einigermaßen gut zu machen, daß sie sich diesen» in jeder Weise als hilfsbereite Nachbari»» erzeigte unb ihn vor Wucherer»» bewahrte, denen er vielleicht sonst nicht ent- gauge»» wäre.

7. Kapitel.

Mal» schrieb heute den 24. Dezember. Dichte Schnee­flocke»» glitten vom grauen Himmel auf die Winterstarre Erde, und wie ein Weihnachtsmärchen lag die stille Got- tesrvelt da. Ervin staub am Fenster des schlichter» Zim- »nercheus, das er in Sanitüisrat Schmollers Sanatorium bewohnte, und schaute voll ernster, trüber Gedanke»» hinaus in das eintönige Wiliterbild Sehnsucht erfüllte sei»» Herz, Sehnsucht nach eiitfchwmtbcnen Stunde»» sreudigen Hoffens, seliger Weihuachtsstimmung. Ach, ic^ besaß er keine Seele mehr auf Erden, die ihm nahe Uand, die ihm ein Christbäumche»» hätte schmücken mit gen! Vergessen hatten ihn feine Kameraden, das treue Mutterherz schlug nicht mehr in Liebe für ihn, es gab

Ruchlose Diebe suchen in letzter Zeit in Cöln fork. während die 3 ' " ' heim, reißen Bronzeketten vor» Gräbern ab und meißeln Gedenktafeln aus den Grab- stei»rer» heraus. Bisher konnten sie noch nicht festge- ^^" Wohnungsnot in einer rheinischen Stadt. Die Woh­nungsnot ist in Ohligs so groß, daß am 1. April eine Reihe von kinderreichen Familien trotz Anbietung eines bis zu 50 Prozent erhöhte»» Mietpreises feine Unterkunft finden konnten. Jnsolgedesfen hat die Stadtverordneten- versammlung die Uebernahme einer Bürgschaft von 100 000 Mark zur Erbauung von Arbeiterwohnhäusern

beschlossen.

Furchtbare Tat eines Vaters. Der Fabrikarbeiter Schreyer in Harnburg hat seinen drei Kinder»» die Kehle durchschnitte»» und dann sich selbst erhängt. Schreyer, der von seiner Frau getrennt lebt, wohnte seit dem 23. April ‘ seinen Kinder»» in dein Hause Mühlenkamp 3. Mon-

mit seinen Kinder»» in dein Hause Mühleukamp 3. Mon­tag vormittag wollte die Frau ihre Kinder besuchen, fand jedoch die Tür verschlossen. Als schließlich die Polizei ge- waltiam eindrang, fand sie alle vier Personell tot vor.

Rekordleistung eines italienische» Militärluftschiffes. Nach einer Meldung aus Bracciano hat das italienische Militärluftschiff „M 3" am Montag eine Höhe von tau­send Metern und eine Stundengeschwindigkeit von„84 Kilometern erreicht und bamit, wie das Blatt erklärt, eine bisher von Luftschiffen noch nicht gezeigte Schnellig­

keit erreicht.

Neuer Erdrutsch am Pauaruakanal. An» Panamaka- nal hat ein Erdrutsch bet Cucharacha die Arbeiten der letzter» Monate vernichtet. Nach sachverständigen» Urteil droht hierdurch jedoch bem Kanal keine Gefahr.

Tod am Theaterschalter. Als er an» Billettschalter im Berliner Komödieuüause zwei Eintrittskarten kaufte, wurde ein Baror» von Rosenberg von einem Herzschlage getroffen und brach leblos zufarnruen. _____

koester. der Siebzigjährige.

3nm 70. Geburtstage des Großadmirals.

Unter den Männern, mit bereit Hilfe Kaiser Wil­helm II. die deutsche Flotte geschaffen hat, siud es vor allem zwei, bereit Namen im Gedächtnis des Volkes für immer mit dieser Großtat verknüpft bleiben werden. War der Staatssekretär des Reichs»»»arinea»nts, Groß­admiral von Tirpitz, der Schöpfer des Flottengesetzes imb Organisator der modernen deutsche»» Kriegsmarine, so fiel Großadmiral von Koester zuerst die nicht weniger bedeutende Aufgabe zu, dein fchwimmeitbeu Kampf­mittel die Seele einzuhauchen und sie zur gefürchteten Schutz- inib Trutzwaffe in der Harrd des Kaisers zu ge­stalten. An» 29. April, feinem 70. Geburtstage, gedenken darum nicht nur die Flotte, in der sein Geist noch weiter lebt, sonder»» weite Kreise des deutsche»» Volkes in Dank­barkeit der hohen Verdienste, die er sich als „Lehrmeister der Flotte" um Kaiser und Reich erworben hat.

Ganz besonderen Arilaß aber haben hierzu die Hun­derttausende der Gefolgs»»»ttn»»er des Deutschen Flotten- Vereins, beut er in kritischer Stunde ein starker und ge­schickter Führer wurde, denn es ist ihm nicht nur ge­lungen, die auseinander gehende»» Bestrebuugeu unter feinen Glieder»» wieder zu einem einzige»» machtvolle»» Strom zu vereinigen, sondern auch seiner Ausbreitung einen neuen Impuls zu geben. So zählt dieser Volks- verei»» zur Stunde mehr als 334 000 Einzelmitglieder, die in 3845 Ortsgruppen und 53 Hauptausschüssen zu- sammengefatzt sind, neben 790 054 körperschaftliche»» Mit­gliedern. Das Vereinsleben hat unter Großadiniral von Koester eine neue Blüte erlangt und betätigt sich Nia^ nur auf dem Felde der Aufklärung und Werbung für den Flottengedanken, sondern kommt auch ben verschie­densten mit der Handels- unb Kriegsflotte "zusammen­hängenden Bestrebungen zugute, so bem Deutschen Schulschiffsverein, ben Seemannsheimen im In- und Auslande, Jugendvereinigungen und verschiedenen Wohlfahrtsemrichtungen.

Ä»» eigenen Austalte»» z»» letzteren» Z»veck besaß der Bereir» schon seit Jahre»» einen China- und einen Süd- westafrikafonds für Krieger aus ben beide»» überseeischen Kämpfen des Reiches. Unter Großadmiral von Koesters Leitnng aber befaßt er sich neueröi»igs mit der Errich­tung eines Alters- und Jnvalide»»hein»s für die Kriegs- und Handelsmarine eir»schlietzlich der Seefischerei, mit bessert Anlage bereits begonnen ist. Unter den Gaben, die der Verei»» feinem verehrten Präsidenten zum 70. Geburtstage darbrachte, war auch das Ergebuis einer Sammlung für dieses Heim im Betrage von 155 000 ,//. Mit dieser Zuwendung, dem Ergebnis einer Lotterie und einer Spe»ide des Kaisers wirb im Oktober dieses Jahres der Fonds für die neueste Vereinsschöpfung eine Höhe von etwa 700 000 7Z erreicht und das Unter»»ehrnen damit eine sichere Grundlage erlangt haben.

Gericht und Recht*

Die Tragödie im Nechtsanrvaltsburean. Der dreißig Jahre alte Bureauvorsteher Müller in Berlin, der die

während er mit einem tiefen Seufzer so über fein Ver­lassen- und Vergessensein itachfaiut.

Jetzt hielt der mit Pakete»» überladene Postschlitten vor der Terrasse, und im Hause würbe es gar lebendig. Lachen und Jubeln hörte der Einsar»»e, »»»»ö was sonst krank und wehleidig war, trug in dieser Minute eine frohe Festtagsmiene zur Schau.

Ihm brächte die Post nichts, rein gar nichts außer der Zeitung, die er täglich erhielt.

Sich die Ohren zuhaltend, um nichts weiter von Freudenlauten zu hören, setzte er sich aufs Sofa und ver­suchte, sich in ben Inhalt der Zeitung zu vertiefen. Da eine stimmungsvolle Weihnachtsbetrachtung, eine Erzäh­lung mit dem Titel „Christbaumzauber", — überall Het- ligabendstirnmung, überall etwas vor» Kerzenglanz und Weihnachtsjubel. Nichts interessierte ihn davor», und schon wollte er das Blatt wieder aus der Hand werfen, als seine Blicke auf die Rubrik „Neues aus bem Lande" fielen und er das Wort „Heinrichswalde" las. „Nanu, sollte in dem Nest etwas passiert sein, das in die Zei­tungen kommt?" fragte er sich überrascht und überflog die Zeilen. Daß Rolands Unschuld erwiesen und daß Udo von Schultental der Täter sei, stand in »nächtiger» Worten da geschrieben, auch daß der verfolgte Besitzer von Waldwiese bei seinem Nachbar auf bem Katzenberge einen Unterschlupf gefunden und daß seine Tochter kürz­lich mit größter eigener Lebensgefahr eine junge Dame von» sicherer» Tode des Ertrinkerrs gerettet. „Roland wieder da, Agnes hat ihren Vater wieder! Das ist ja auch für dich eine frohe Weihtrachtsbotschaft!" rief Er- wm aus, nachdem er die Korrespondenz nochmals gele- fen. „Und eine dann vom Tode des Ertrinkens mit ei­gener Lebensgefahr gerettet?

Tapferes Mädchen!

(Schluß folgt.)