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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 99.

Mittwoch, den 39. April

1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* (D i e nächste Volkszählung.) In den letzten Jahren sind zwischen dem Reichsamt des Innern und den Regierungen der größeren Einzel­staaten Verhandlungen über die Frage geführt worden, ob aus Sparsamkeitsgründen die seit Gründung des Reiches alle fünf Jahre fällige Volkszählung nur noch nach Ablauf von je zehn Jahren veranstaltet werden solle. Die größeren Bundesstaaten, besonders Preußen, haben sich für ein Festhalten an der bis­herigen Uebung ausgesprochen. Es gilt somit als sicher, daß die nächste Volkszählung im Deutschen Reich, im nächsten Jahre, und zwar wie üblich am 1. Dezember, stattftndet. Die Vorbereitungen hierfür sind bereits im Gange. Mit der nächsten Volks­zählung soll zum erstenmale auch eine allgemeine Wohnungsaufnahme verbunden werden.

* (M a ß n a h m e n f ü r d a s K a i s e r m a n ö v e r.) Aus Thüringen und Hessen werden Ende des Sommers sehr viele Reservisten auf die Dauer von vier Wochen zu einer militärischen Uebung eingezogen. Es ist nämlich verfügt worden, daß sämtliche Bataillone der Infanterie des 11. Armeekorps, das bekanntlich an dem Kaisermanöver teilnimmt, für dessen Dauer durch Zuziehung von Reservisten auf 700 Mann zu ver­stärken sind, während die Bataillone sonst nicht ganz 600 Mann zählen. Während des Kaisermanövers wird also jedes Infanterie-Regiment 2700 Mann stark sein. Auch die Jäger- und Pionierbataillone sind auf 700 Mann zu verstärken. Als Fahrer für die Feldkiichen, für die Schanz- und Werkzeugwagen usw. der In­fanterie sollen eine weitere große Anzahl Reservisten des Trains ebenfalls auf vier Wochen einberufen und gleich den einzelnen Jnfanterietruppenteilen zuge­wiesen werden. Es haben sonach außerordentliche zahlreiche Einberufungen anfangs September statt- zufinden.

):( Hersfeld, 28. April. Diejenigen Militär- Pflichtigen, welche sich zu dem diesjährigen Ober- Ersatzgeschäft zu stellen haben, werden darauf auf­merksam gemacht, daß die Losungsscheine auf der Polizeiwache am Marktplatz zur Abholung bereit liegen.

):( Hersfeld, 28. April. Gestern abend gegen ' -'7 Uhr wurde hier eine Flugmaschine beobachtet.

* (Die Jagd auf Rehböcke.) Durch Ver­ordnung des Bezirksausschusses ist die Eröffnung der Jagd auf Rehböcke für den Regierungsbezirk Cassel auf Sonnabend den 16. Mai festgesetzt worden.

Rotenburg, 27. April. In der heutigen Kreistags­sitzung wurde mit Stimmenmehrheit der Anschluß an die staatlichen Kraftwerke der Ueberlandzentrale an der Eddertalsperre beschlossen.

Fulda, 27. April. Als erster Zug passiert den schlüchterner Tunnel in der Nacht vom 30. April auf 1. Mai der V-Zug 1 auf der Fahrt von Frankfurt am Main nach Berlin um 12 Uhr 5 Min.

Cassel, 28. April. Um zehn Pfennige sind dem Vrehhändler L. aus Hoheneiche mehrere hundert Mark Gerichtskosten entstanden. Er hatte seinerzeit die Station Hoheneiche durchfahren und wollte von Nieder- Hone aus ohne Fahrkarte nach Hoheneiche zurückkehren. Das Schöffengericht hatte ihn in dieser Angelegenheit wegen versuchten Betruges zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, die Strafkammer in Cassel hatte die Strafe

Mark herabgesetzt. Das Oberlandesgericht ?a» Urteil aufgehoben und die Sache an die zurückverwiesen, die nun heute das Äe Urteil bestätigte. Dagegen soll nun Revision I/^^rrchsgericht angemeldet werden. In juristischen ^reijen jchatzt man die Kosten, die dieser zehn Pfennige wegen bis jetzt entstanden sind, auf über 500 Mark.

Homberg, 27. April. In den zwei letzten Nächten Mtten mir starke Abkühlung mit fingerdickem Eis. Man befürchtet, daß die schon weit vorgeschrittene ^-bjtbaumblüte vernichtet ist.

Beiseförth, 27. April. Ein eigenartiger Vorgang, welcher die größte Beachtung verdient, ereignete Nchhier vergangenen Freitag. Als die Frau des bangen Unterbeamten T. beim Kartoffelpslanzen mit einem Eßlöffel Kunstdünger in jedes Pflanzenloch brächte, wurde dieselbe plötzlich unwohl und betäubt, wdaß selbige, nachdem ihr Mann hinzugeholt worden war, von mehreren Männern für tot nachhause getragen werden mußte. Etwa zwei Stunden hat die l^rau ohne Bewußtsein gelegen. Nach Meinung des ivsort hinzugezogenen Arztes wäre die Frau jeden­falls nicht zu retten gewesen, wenn nicht gleich hilfs­

bereite Leute zugegen gewesen wären. Nach Ansicht des Arztes ist nur der Kunstdünger die Ursache dieses Vorfalles gewesen. Also, Vorsicht bei Kunstdünger!

Göttingen, 26. April. Der Sägemühlenbesitzer Karl Grothey in der Knochenmühle bei Göttingen be- kam mit einem seiner Gehilfen Streit, der ihm jetzt sehr teuer zu stehen kommt. Nach Bekundung des Gehilfen warf er ihn vom Stuhle und stieß ihn dann mit dem Kolben eines geladenen Gewehres vor die Brust, wobei ein Schuß losgegaugen sei. Grotey sei über­haupt ein gefährlicher Wilderer, der oft, namentlich nachts im Luttertal auf die Jagd gehe. Kurz vor dem Streite war in Herberhausen Treibjagd gewesen. Die Jagdpächter gaben Göttinger Fuhrleuten mehrere Säcke voll Wild mit. Die Fuhrleute kehrten auf der Knochenmühle, mit der auch eine Wirtschaft verbunden ist, ein. Als sie weiter fuhren, war ein Sack mit Hasen gestohlen. Der Sägemüller bekundete, von diesem Tage an habe es alle Tage zum Frühstück, zu Mittag und zu Abend Hasenfleisch gegeben. Die Felle seien in die Lutter geworfen worden. Fünf davon hat tatsächlich ein Gendarm kurz unterhalb der Knochenmühle aus der Lutter herausgefischt. Der Angeklagte gibt zu, Hasenfleisch auf unreele Weise bekommen zu haben.Sein Hund pflege, wenn Treibjagden gewesen seien, am anderen Tage das Jagdrevier nach krank geschossenem Wilde abzusuchen nnd es nach Hause zu bringen!" Bei einer Haus­suchung ist jedoch in Grvtheys Wohnung ein sorgfältig verstecktes, zerlegbares Wilddiebsgewehr, von ähnlicher Art, wie es der zum Tode verurteilte Wilddieb Fuhrmann bei der Erschießung des Försters Knoche benutzt hat, zu Tage gefördert worden. Wegen Körper­verletzung, Jagdvergehens und Wilddiebstahls wird Grothey 8it insgesamt sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Katzhütte (Thüringen), 26. April. Von den ge­waltigen Schneebrüchen im Januar herrührend, wur­den auf der letzten Holzauktion hier vom Fürstlichen Oberforstamt Rudolstadt 10400 Kubikmeter Nutzholz verkauft. Die Forsttaxe betrug 194000 Mk., erlöst wurden 202 394 Mk.

Hanau, 27. April. Im Hanauer Rathaussaal fand am Samstag eine Konferenz von Vertretern der sechs südlichen Stadt- und Landkreise des Regierungsbezirks Kassel statt. Die Konferenz, die auf Veranlassung des Oberpräsidenten der Provinz Hannover und des Regierungspräsidenten in Kassel einberufen war, hatte sich mit der Frage der Ausnutzung der Wasserkräfte des Mains zu elektrischer Kraft in Verbindung mit der Mainkanalisation zu befassen. Bindende Beschlüsse wurden vorläufig nicht gefaßt, sie sollen einer späteren Konferenz vorbehalten bleiben.

Bad Wildungen, 26. April. Ein Autounfall er­eignete sich auf dem Lindeuwege, auf dem das 5jährige Töchterchen des Herrn Güterexpedienten Bambrma von einem Paderborner Automobil angefahren und schwer verletzt wurde. Wen ein Verschulden trifft, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.

Langewiesen (Thüringen,) 24. April. Bei der Feier der goldenen Hochzeit des Wilhelm Möller'jchen Ehepaares klagte der Jubelgatte unmittelbar nach der kirchlichen Wiedereinsegnung über Unwohlsein. Er legte sich zu Bett und nach wenigen Stunden raffte ihn der Tod dahin.

Darmstadt, 27. April. Von den Liquidatoren der zusammengebrochenen Landwirtschaftlichen Genossen­schaftsbank gegenüber den früheren Aufsichtsrats- und Vorstandsmitgliedern werden große Forderungen geltend gemacht. Wie derF-G. A." Hort sind gegen die einzelnen Herren je nach der Lange ihrer Amts­tätigkeit und Art der Verantwortlichkeit Klagen von 30,000 Mark, 50,000 Mark, 100,000 Mark bis zu 750 000 anhängig gemacht. Da verschiedene der Herren schon verstorben sind, sollen die Erben herangezogen werden. Für viele Beklagte ist dieses Vorgehen sehr hart, wenn auch wahrscheinlich anzunehmen ist, daß aus gütlichem Wege eine Verständigung auf geringere Summen herbeigeführt wird. sehr unangenehm wird hierbei auch ein bekannter Abgeordneter betroffen, der gleichsam zur Repräsentation vor einigen Jahren in den Aufsichtsrat gewählt wurde, obwohl er gar nicht im Besitz von Aktien war, was gegen die Statuten verstößt Er hat auch in der Tat keiner Sitzung bei­gewohnt und nur einmal geschrieben, das er verhindert ei, an einer Verhandlung terlzunehmen. Auf Grund dieses Briefes will man ihn nun sur 100,000 Mark verantwortlich machen.

Mellrichstadt (Rhön), 26. April. Der 10 jährige Sohn des Gutsbesitzers Konstantin in Mühlfeld hat sich in der Göpelhalle erhängt. Er hatte vom Vater eine Züchtigung erhalten, diese soll die Ursache des Selbstmordes sein.

Frankfurt, 24. April. Der Salvarsanprozeß nimmt

nun doch seinen Anfang. Dem Schriftsteller Waßmann, der in seiner ZeitschriftDer Freigeist" in 2 Artikeln die nach seiner Meinung schädlichen Wirkungen des Salvarsans in scharfer Weise gegeißelt und zugleich die Behandlung durch Salvarsan im städtischen Krankenhause kritisch beleuchtet hatte, ist heute die umfangreiche Anklageschrift zugestellt worden. Erst wenn der Waßmannprozeß, bei dem die ganze Sat- varsanfrage aufgerollt wird, beendet ist, beginnt der Prozeß gegen denTürmer".

Weilburg, 25. April. Zwischen Westerwald und Taunus, wo Lahn und Weil sich vereinigen, bei der Felswand, an der am 25. April 1910 derZeppelin n" zu Grunde ging, ist Hente am Jahrestag des Un­glücks der Grundstein zu einer Zeppelinpyramide gelegt worden. Der Gedanke ist, daß sich an dem Weiterbau jeder Deutsche, der Interesse daran hat, beteiligen kann, indem er aus seiner Heimat einen Baustein zu dem Bau bringt und selbst einmauert. Die Weihe wurde von Redakteur H. Zipper vorge­nommen. Eine Urtnnbc über den Vorgang auf altem Papier der ehemaligen Weilbnrger Papierfabrik ge­schrieben, Reste des verunglückten Zeppelin n, Münzen des Tages, dasWeilburger Tageblatt" wurden in den Grundstein eingemauert. In dem 1779 gebauten Jagdpavillon, der den Gipfel des Felsen krönt und auf dem seinerzeit der verunglückte Zeppelin n ruhte, liegt ein Buch auf, in das sich die am Ball der Pyramide Beteiligten einzeichnen können.

Abgeordnetenhaus.

Am Montag begann das Haus die auf fünf Tage berechnete Beratung des Knltus-Etats. Eilt Zentrums­antrag, der bei der allgemeinen Besprechung behandelt wird, fordert Beseitigung der Beschränkungen die den Krankenpflege ausübenden katholischen Orden oder oröensähnltchert Kongregationen und sonstige Uebungen werktätiger Nächstenliebe treibenden Bereinigungen. Ein konservativer Antrag fordert das Wortsonstige" zu ersetzen durchgleichartige". Ein zweiterZentrums- antrag will den Ordensniederlassungen die Erlangung der Rechtsfähigkeit ermöglichen. Abg. Dr. Dittrich (Ztr.) begann seine Ausführungen mit dem Rufe nach Geistesfreiheit für die katholische Kirche und Zulassung der Jesuiten. Der vorliegende Antrag solle dem konfessionellen Frieden dienen und bezwecke, die überreichen Kräfte der katholischen Kirche der All­gemeinheit dienstbar zu machen. Sofort erhob sich Kultusminister Trott zu Solz und wies darauf hin, daß die Regierung ihre 1903 gegebene Zusage erfüllt habe, der Niederlassung der Orden, die sich der Krankenpflege widmen,wohlwollend gegenüberzustehen. 1902 habe es in Preußen nur 19 000 Ordenspersonen dieser Art gegeben, 1913 aber 36841. Eine ungleich­mäßige Behandlung komme denOrdensleuten durchaus nicht zu. Sie seien aber weder mit den evangelischen noch mit den anderen Krankeupflegeorgauisationen auf gleiche Stufe zu stellen. Ueber den katholischen Orden stände dem Staat das Hoheitsrecht zu, wie es auch Spanien, Oesterreich und Bayern ausüben. Die Frage nach der Rechtsfähigkeit der Ordensnieder- laffungen werde zurzeit geprüft, den anderen Antrag bitte er abzulehnen. Abg. Dr. v. Campe (natl.) be­zeichnete die Anträge als eine Art Scharfmacherpolitik auf religiösem Gebiet,' sie dienten nicht dem konfessio­nellen Frieden. Noch zittere die Borromäus-Enzyklika in den evangelischen Herzen nach. Er hoffe, daß Regierung und Parteien nicht für die Aufhebung des 8 1 des Jesuitengesetzes zu haben sein werden. Abg. Viereck (freik.) geißelte die von Hohn und Spott getragenen Angriffe Andersgläubiger des Komitees Konfessionslos. Dem Staat müsse das Hoheitsrecht über die Orden erhalten bleiben, der charitativen Tätigkeit der Orden stehe er freundlich gegenüber, doch seien die allgemeinen Klagen des Zentrums unberechtigt. Abg. Eickhoff (Fortschr.) gab der Hoff­nung Ausdruck, daß auch das Zentrum die Fälschung des Kaiserbriefes verurteilen werde. Der von ihm geforderten Vermehrung der Universitäten glaubte Abg. Frhr. Schenk zu TchweinSberg (kons.) nicht zu­stimmen können, da sie eine Vermehrung des wissen­schaftlich gebildeten Proletariats nach sich ziehen müßte. Seine Freunde hätten zur Unterrichts­verwaltung das Zutrauen, daß sie das Schulwesen ruhig ausbaue. Der Religionsunterricht in den Schulen müsse vertieft werden, doch dürfe durch den wissenschaftlichen Ausbau nicht das Christentum hcraus- getrieben werden. Die charitativen Orden müßten loyal behandelt werden. Dann beklagte Abg. Styczynski (Pole) die Behandlung polnischer Kinder, die zum Unterricht in der deutschen Sprache gezwungen würden.

Wetteraussichten für Mittwoch den 29. April.

Meist heiter, trocken, warm, schwache östliche Winde.