Einzelbild herunterladen
 

Set Ausbau der Selchs-vermSgeusstaM.

Der Wehrbeitrag als Handhabe.

Die Veranlagungen zum Wehrbeitrag und deren Gesamtergebnisse bieten endlich erwünschte Gelegenheit, an die Verwirklichung eines langgehegten Wunsches und an die Ausfüllung einer Lücke zu gehen, die sich bet der Beurteilung der wirtschaftlichen und kulturellen Ver­hältnisse des Reichs als sehr störend erwiesen hat. Bis­her beruhten alle Angaben über das deutsche Volkvver- mögen auf privaten Schätzungen, die auf große Zuver- Sigkeit keinerlei Anspruch machen konnten. Die Er- nisse der Veranlagungen zum Wehrbeitrag bieten die denkbar beste Grundlage, um darauf eine zuverlässige Reichsvermögensstatistik aufzubauen. Das hat auch die Reichsregierung sofort erkannt und ist demgemäß be­strebt, die Wehrbeitragsergebnisse zum Aufbau einer ge­diegenen Reichsvermögensstatistik zur Feststellung des deutschen Volksvermögens zu verwerten.

Wie die „Jnf." erfährt, sind sowohl seitens des Reichskanzlers wie des Bundesrats dahinzielende Maß­nahmen getroffen worden. Alle Veranlagungsbehörden sind durch den Kanzler angewiesen worden, bis spätestens zum 1. November 1914 die wichtigsten Veranlagungs- ergebniffe auf einheitlichen Formularen auszufüllen und sie dem Kaiserlichen Statistischen Amt zur Bearbeitung einzusenden. Gleichzeitig beschäftigt sich der Bundesrat mit den Ausführungsbestimmungen zu einer Wehrbei­tragsstatistik gedacht ist. Der Entwurf der Reichsregie­rung bezüglich der Wehrbeitragsstatistik in der Gestalt, in der er augenblicklich dem Bundesrat vorliegt, sieht umfangreiche Erhebungen vor. Die Angaben gliedern sich in genaue Mitteilungen über den Wehrbeitrag der natürlichen Personen vom Bernrögen ' und über den Wehrbeitrag der Aktiengesellschaften und Kommandit­gesellschaften auf Aktien.

In Uebereinstimmung mit der Anweisung des Reichskanzlers regeln die Ausführungsbestimmungen das dabei einzuschlagende Verfahren derart, daß die Ver- anlagungsbehörden für ihren Bezirk Uebersichten auf- tellen, die wiederum ihrerseits zu Hauptübersichten zu- ammengezogen werden, in welcher Form sie dann dem Kaiserlichen Statistischen Amt zur Veröffentlichung zu ibergeben sind. Von großer Bedeutung ist es auch, daß die Veranlagung zum Wehrbeitrag zum ersten Mal eine genauer gegliederte Reichseinkommen-Statistik ermög­licht. Zwar tollen nach dem erwähnten Entwurf der Aus- führungsbestimmungen die Wehrbeitragspflichtigen Ein­kommen natürlicher Personen nur mit dem Gesamter­gebnisse der Veranlagung als solcher ohne strenge Glie­derung aufgeführt werden, da aber für den größten Teil Deutschlands schon in den einzelnen Bundesstaaten Er­hebungen über das Einkommen stattfinden, so dürften sich diese in glücklichster Weise mit der Einkommensteuer­statistik auf Grund der Veranlagung zum Wehrbeitrag ergänzen.

Die Steuerpflichtigen selbst werden übrigens zu Zwecken der Statistik weder durch Rückfrage noch durch besondere Erhebungen in Anspruch genommen werden. Die Veröfffentlichung der Statistik über das Gesamt­ergebnis der Veranlagung erfolgt spätestens im März 1915.

SalsekAanzZosephsvesindenuiweriinderl.

Im Befinden des Kaisers ist am Sonntag den gan­zen Tag keine Veränderung eingetreten. Um 7 Uhr abends nahm der Monarch mit großem Appetit dcm Abendessen ein. Bald darauf erschien Hofrat Pro­fessor Dr. Ortner beim Kaiser und nahm in Gemein­schaft mit dem Leibarzt Dr. Kerzl eine genaue Unter­suchung vor. Professor Ortner äußerte sich nach der Visite über den Befund des Kaisers in sehr opti­mistischer Weise. Das Abendbulletin besagt das­selbe wie das Sonnabend-Bulletin. — Wie von infor­mierter Seite verlautet, wurde dem Kaiser von seiner nächsten Umgebung dringend geraten, nach Ueberwin­dung seines jetzigen Unwohlseins ein südliches Kli­ma aufzusuchen, doch weigert sich vorläufig der Kaiser dies zu tun. Es ist aber wahrscheinlich, daß der Monarch den dringenden Bitten seiner Familie und seines Leibarztes nachgeben und einen längeren Aufent­halt im Schlosse Miramare bei Trieft nehmen wird.

Ueber die Stimmung der Wiener, wenn der Kaiser krank ist, plaudert ein Mitarbeiter des „Bert. Lokalanz." wie folgt: „Man sieht sie nicht, sie tritt in Erscheinung, diese Art Lähmung, die über die Stadt kommt, wenn der Kaiser krank wird. Die Menschen ziehen wie sonst ihre Straße, und die elektrischen Bahnen und Autos lärmen wie sonst. Und doch hält jeder den Atem an und wird nachdenklich. Ein unsichtbarer Schleier senkt sich gleichsam herab, als ob er eine Zukunft zu verhüllen hätte. Und so manch einer findet, daß man einmal nach Schönbrunn hinauswandern könnte, fo, als ob man dort ein wenig nach dem Rechten sehen müßte. Und wenn man draußen ist, wundert man sich, wie viele den

Täuschender Schein.

Original-Roman von Ludwig B l ü m ck e.

31) (Nachdruck verboten.)

„Ihren Vater will ich Ihnen zum Dank wieder geben, Fräulein Roland," sprach Agathe weiter. „Zum Dank und um mein Gewissen zu erleichtern. Nicht er bat auf Weidenbaum geschossen, sondern Herr von Schul- tetttal. Der Kutscher Sommerbrod hat schlagende Be­weise dafür in seinen Händen, einen Tuchfetzen, die Kugel usw. Ich habe eine Unterredung zwischen diesem Mann und dem Herrn von Schultental belauscht. Es ist, wie ich sage."

Weiter kam sie nicht, denn die Kräfte verließen sie, eine tiete Ohnmacht befiel sie.

Das konnte nicht der eigenen Phantasie entstam- Rehfeld soeben gesprochen, das mußte die Wahrheit sein, daran zweifelte Agnes wenig- m mochten die beiden andern auch den Kopf schütteln. Sie wollte Ssornmerbrod nun sofort selber auf- suchen, um ihn zur Rede zu stellen. Doch als sie das

^Em Zweck verlassen wollte, da kam der greise Rittmeister von Stolten, der zurzeit in Ver- tretung des Oberförsters Weidenbaum die Amtshaupt- mannsgeichnste leitete, auf den Hof, nahm ehrerbietig seine Fuchspelzmutze ab und rief ihr zu: „Oh nicht so eilig, mein tapferes Fräulein'. Gestatten Sch önem al­ten Soldaten wenigstens erstmal ein gebührendes Kompliment für Ihr Bravourstück! Darum komme ich eben. Will mir das Genauere mal an Ort und Stelle berichten lassen und dann dafür sorgen, daß die junge Heldin als Ehrenzeichen die Rettungsmedaille erhält." Agnes errötete und nötigte den juvialen alten Herrn, der früher öfter in ihrem Hause gewesen, in die gute Stube. Er besaß in der Nähe von Heinrichswalde eben- W ein MtWs Mut und galt Ur eitlen Sonderling.

gleichen Gedanken gehabt haben. Die Wiener willen, daß der Kaiser, wenn ihm seine geliebten Spaziergänge regelrecht verboten werden, um so öfter aus seinem Arbeitszimmer in den Schloßhof herabblickt. Dort stehen sie und warten. Vielleicht sieht man das wohlbekannte Antlitz und geht beruhigt nach Hause. Und der Monarch hat wenigstens gesehen, daß seine Wiener um ihn be­sorgt sind. Dann kommen wieder Sie merkwürdigen Briefe an das Schloßamt, von altgewordenen Feinden der Medizinmänner und runzligen Weiblein geschrieben, die unfehlbaren Brusttee empfehlen, und in denen der gute Dr. Kerzl beschworen wird, es doch einmal lieber bei dem „alten Herrn" mit Lungenkrank und Pfeffer­minze zu versuchen."

Politische Rundschau.

Sonntag auf Korfn. Der Kaiser hat am Sonntag den Gottesdienst in der Schlotzkapelle abgehalten,- auch die Königin der Hellenen wohnte ihm bei. Der Kaiser und die Kaiserin sahen später vom Balkon des Achil- leions der Prozession der Bewohner von Gasturi zu und folgten einer Einladung der griechischen Majestäten zur Tafel im Stadtschloß.

Die Geschäfte des Preußischen Landtags werden sich bis Pfingsten viel schneller erledigen lassen, als man bisher annahm. Durch den Personenwechsel im Mini­sterium des Innern veranlaßt, wird das Abgeordneten­haus die Gesetzentwürfe über die Landesverwaltungsre­form vor Pfingsten nicht mehr in Angriff nehmen, son­dern sie erst im Herbst zur ersten Lesung stellen, um dem neuen Minister Gelegenheit zu geben, sich in die Materie einzuarbeiten. Es werden also neben dem Etat nur die Besoldungsnovelle und kleine Vorlagen verabschiedet und das Fischerei- sowie das Fideikommitzgesetz in erster Lesung beraten werden.

Die Konkurrenzklausel. Aus parlamentarischen Kreisen wird bestätigt, daß eine Verständigung zwischen den bürgerlichen Parteien und der Regierung über die Frage der Konkurrenzklausel angebahnt sei, sodatz eine Verabschiedung des Gesetzentwurfs, die auch in zahl­reichen Kreisen der Handlungsgehilfen als wünschens­wert bezeichnet wird, möglich werde.

Zum 70. Geburtstag des Großadmirals von Koester wird in der Berliner Presse hervorgehoben, datz von Koester der grotze Exerzier- und Lehrmeister, der eigent­liche Erzieher der Flotte ist. Die grundlegende Taktik und Gefechtsexerzitien Koesterscher Schule hätten die periodisch zusammengezogene Uebungsflotte systematisch zum festen Verbände der aktiven Schlachtflotte ent­wickelt.

Griechisch-türkische Differenzen. Anscheinend, um ihren Forderungen in der Juselfrage stärkeren Nachdruck zu verleihen, üben die Türken gegen die in ihrem Reiche lebenden Griechen Zwangsmaßnahmen aus,- allerdings kommen die Nachrichten darüber aus griechischer Quelle und dürften daher, wie die früheren Klagen, aufge- bauscht sein.

Waffen und Munition für die Ulster-Rebellen. Die Ulster-Rebellen haben eine große Menge Waffen und Munition unter den Augen der Behörde eingeschmug­gelt. Anscheinend hat der deutsche Dampfer „Fanny", über dessen mysteriöse Bewegungen bereits seit Wochen aus deutschen und dänischen Häfen Mitteilungen eiuge- laufen sind, die Ladung nach Irland gebracht. Sie wurde auf hoher See auf kleinere Schiffe umgeladen und in drei kleineren Häfen von Ulster gelandet. Ein starkes Aufgebot von Freiwilligen war dazu herbeigezogen worden und die Beamten muhten ohnmächtig zusehen. Zollbeamte, Polizei- und Kttstenwachen wurden nämlich von den mit Stäben bewehrten Freiwilligen in einem förmlichen Kordon umgeben und von jeder Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten, bis die Kisten in Si­cherheit waren. Es sollen 70 000 Gewehre und entspre­chende Mnnitionswaqen eingeführt worden sein.

Kleine Ilacfirichten.

Die Ankunft des Fürsten Wedel in Berlin. Fürst Wedel und Gemahlin trafen am Sonntag morgen aus dem Berliner Bahnhof Friedrichstratze ein. Offizieller Empfang fand nicht statt, am Bahnhof hatte sich nur der Verein der Elsatz-Lothringer eingefunden. Der Vor­sitzende des Vereins hielt eine kurze Begrüßungsan­sprache, gleichzeitig wurden der Gemahlin des Fürsten ein großer Blumenstrauß und ein Napfkuchen, geschmückt mit rotweißen Bändern, überreicht.

Der Wehrbeitrag der Stadt Charlottenburg. Als erste- der Stadtgemeinden Groß-Berlins hat die Stadt Charlottenburg die Veranlagung zum Wehrbeitrag be­endet. Der Wehrbeitrag der Stadt Charlottenburg be­trägt 28,1 Millionen Mark. Das mehrdeklarierte Ein- kommen wird höchstens etwa 1 % des Gesamteinkom­mens ausmachen.

Tod zweier Liebenden auf den Schienen. Sonntag j morgen kurz nach 5 Uhr warfen sich der 20jährige Ar- 1

„Herr Rittmeister, mir liegt an einem Orden herz­lich wenig," sagte Agnes, als sie drinnen waren. „Wenn Sie mir aber dazu verhelfen wollten, daß ich meinen Vater wieder hier sehen darf, dann will ich Ihnen zeit­lebens dankbar sein. Sie sind jetzt Amtshauptmann und werden sich nicht von Vorurteilen leiten lassen wie der uns von jeher feindlich gesinnte Oberförster. Hören Sie nur, was Fräulein Rehfeld soeben berichtete."

Sie erzählte das. Der Rittmeister strich seinen sil­berweißen Schnnrrbart, nahm nach alter Gewohnheit ein Prieschen und wurde dann sehr hellhörig.

„Wenn das Frauenzimmer, dem ich selbst in ge­sunden Tagen keinen klaren Gedanken zntraue, nichts erdichtet hat, dann hol' der Teufel alle irdische Justiz und den ölten Schweden von Weidenbaum dazu!" rief er, als sie zu Ende war. „Ich werde die Sache in die Hand nehmen. Sprechen Sie um des Himmelswillen nicht mit Sommerbrod, denn sonst könnte der schlaue Fuchs zu früh Lunte riechen und sich auch noch aus dem Staube machen. Ich möchte aber, ehe ich etwas unter­nehme, erst noch mal selber mit dem Fräulein Rehfeld reden. Hoffentlich ist sie dazu in der Lage." —

Nach einer Stunde verließ der Rittmeister den Gutshof wieder, klopfte Agnes, die ihn ein Stückchen begleitete, auf die Schulter und sagte: „Da kann Rat werden! Was das Fräulein angab, scheint mir auf Wahrheit zu beruhen. Ich werde den alten Fuchs schon überlisten."

Sommerbrod kehrte recht mißmutig vorn Schloß zurück auf die Oberförsterei. Daß der junge Herr noch immer nicht heimgekehrt war, erschien ihm höchst be­denklich. Aber sollte der Mensch denn um dreitausend Mark alles aufgeben und sich aus dem Staube machen? Kaum denkbar!

Während er noch darüber nachsann, trat der Ritt­meister von Stolten, den er an seiner Fuchspelzmütze und dem großen Bärenpelz sofort erkannte, auf ihn zu und

Vetter Alfred Schwarz aus Berlin und seine Braut, die 16 Jahre alte Arbeiterin Elfe Ebert, hinter dem Bahn­hof Lichtenberg-Friedrichsfelde vor einen Eisenbahnzug. Das Mädchen wurde auf der Stelle getötet, der junge Mann mit schweren Verletzungen nach dem Kranken­haus geschafft.

Bei den Militär-Fußballspielen um die Gardemei- sterschaft siegte das Elisabeth-Gardegrenadierregiment mit 2:1 gegen das 1. Garderegiment, das 5. Telegraphen- bataillon schlug das 4. Eisenbahnregiment mit 5:0.

Schwerer Schiffszusammenstotz auf der Unterelbe. Sonnabend nacht um 1 Uhr ereignete sich in der Stör­mündung ein schwerer Zusammenstoß. Der von Ham- burg elbabwärts kommende Dampfer „Werner", mit einer Gersteladung nach Gefle bestimmt, stieß mit dem Hansa-Dampfer „Rolandseck" zusammen und wurde schwer beschädigt. Er liegt auf dem Störsteert unter Wasser. Der Matrose Hans Boysen aus Apenrade und ein Schiffsjunge find ertrunken. Der Dampfer „Ro­landseck" wurde mit eingedrücktem Vordersteven in den Hafen gebracht.

Gewaltiger Fabrikbrand bei Hamburg. Sonntag nachmittag entstand in den Fabrikanlagen der Wilhelms- burger Chemischen Fabrik Feuer, und zwar in den me­chanischen Trockenräumen der Leimfabrik. Das große vierstöckige Gebäude und das Kesselhaus wurden ein Raub der Flammen, die an den großen Leimvorräten reiche Nahrung fanden. Der Schaden ist sehr beträchtlich.

Raugierarbeiter als Güterdiebe. In Essen a. R. wurden sieben Personen des Rangierdienstes des Güter- bahnhofs festgenommen, die dringend verdächtig sind, in der letzten Zeit in vielen Fällen Güterwagen beraubt zu haben. Angeblich sollen weitere Verhaftungen bevor- stehen.

Für sein Kind in den Tod. Auf der böhmischen Sta­tion Klösterle ereignete sich ein erschütternder Unglücks­fall. Als ein Personenzug in die Station einfuhr, lief ein kleines Kind vor der Lokomotive über die Gleise. Der Vater des Kindes, ein Bahnwärter, der die Gefahr erkannte, in der sein Kind schwebte, stürzte hinzu und ritz es zur Seite, er selbst wurde jedoch von der Loko­motive erfaßt und zermalmt. Das Kind blieb völlig un­verletzt. Der Unglückliche hinterläßt sechs unversorgte Kinder.

Ein äußerst strenges Urteil fällte die Pariser Straf­kammer gegen den Parfümfabrikanten Rehus, der seit ca. einem Jahre falsche Deklarationen über den Alkohol­gehalt seiner Fabrikate abgegeben und dadurch den Fis­kus um erhebliche Summen geschädigt hat. Er wurde zu einer Geldstrafe von 283 000 Francs verurteilt, die er bei sofortiger Pfändungsdrohung innerhalb zweier Jahre au die Staatskasse zu zahlen hat.

Ein amerikanisches Ränberstückchen. Einem ein­zigen maskierten Banditen ist es gelungen, einen Ex- metzzug nach Neuyork vollkommen auszuplündern. Er drang in den Postwagen ein, zwang mit vorgehaltenem Revolver die Postbeamten ihm die Postsäcke ausznlie- fern, nahm bares Geld in Höhe von 5000 Dollars au sich, sprang aus dem fahrenden Zuge und verschwand spurlos.

Mord im Eisenbahnzug. Etwa zwei Kilometer von der Londoner Thras Bridge-Station bemerkte der Schaff­ner eines aus dem Seebad Brighton eingetroffenen Zü­gen das Ziehen der Notleine. Als der Zug hielt, stürzte ein Mann mit einem bluttriefenden besser aus einem Abteil dritter Klasse heraus. Bahnbeamte nahmen ihn fest. In dem Abteil fand man die Leiche eines gut ge­kleideten jungen Mädchens mit zahlreichen Schnitt- und Stichwunden. Der Mann ist ein früherer Kanonier der Flotte. Der Name des Mädchens und die Motive der Tat sind noch nicht bekannt. _____

Gericht und Recht.

Verurteilung eines Matrosen wegen Landesverrats.

Das Oberkriegsgericht der Marinestation der Ostsee ver urteilte den Obermatrosen Zitz vom Kanonenboot „Panther" zu fünf Jahren zwei Monaten Zuchthans, nachdem das Reichsmilitärgericht das frühere Urteil aufgehoben hatte. Zitz hatte vom „Panther", als er vor Kapstadt lag, Geheimpapiere entwendet und versucht, sie an ein englisches Fort zu verkaufen, worauf er fahnen­flüchtig wurde.

Ein Kassenarzt unter der Anklage der fahrlässigen Tötung. In Duisburg fand eine interessante Schwur- gerichtsverhaudlung statt, der folgender Tatbestand zu­grunde lag: Im November war der Bergmann Lasche- ivitz durch einen Messerstich schwer verletzt worden. Der Arzt Dr. Sondermann fuhr mit ihm zum Krankenhaus in Walsum, um dort eine Operation vorzunehmen, die durchaus notwendig war. Der im Krankenhaus anwe- sende Kassenarzt Dr. Schlaggermann weigerte sich jedoch, feinem Kollegen bei der Operation zu assistieren, weil Dr. Sondermann kein Kassenarzt sei. Dr. Sondermann wurde schließlich aus dem Operationssaal gewiesen. Der Verletzte starb dann nach zwei Tagen, ohne daß ein ope­rativer Eingriff gemacht worden war, an einer eitrigen

sagte: „Sommerbrod, Ihr habt Euch da etwas Böses eingebrockt. Wißt Ihr, welche Strafe auf Erpressung steht?"

„Erpressung?" wiederholte der Kutscher unsicher.

„Ja, ja, so nennt man Ihr Betragen Herrn von Schultental gegenüber. Ihr wolltet ein Schweigegeld von 3000 Mark von diesem Herrn.

Seid mir ein sauberer Patron! Jammerte es mich nicht um Eure acht Gören, dann ließe ich Euch bei der Hundekälte hinter die schwedischen Gardinen stecken. Kommt nun mal mit ins Amtsbüro. Wir wollen da ein Wort miteinander sprechen."

Nachdem der Amtsschreiber sich aus diesem in der Oberförsterei befindlichen- Raum hatte entfernen müs­sen, sprach der alte Schnauzbart weiter: „So, Sommer­brod, nun will ich Ihnen etwas sagen: Wenn Sie bei der vollen Wahrheit bleiben und mir genau angeben, was Sie über den Vorfall damals an der Grenze wissen, dann will ich mit Ihnen trotz Ihres lumpigen Verhal­tens, glimpflich verfahren. Was ist's also mit dem Tuch­fetzen, den Sie gefunden haben?" Der sonst so verschla­gene Kerl war ganz ratlos. Woher konnte denn der Rittmeister etwas von seinem Erpressungsversuch wis­sen? Sollte der Junker sich selber dem Gericht gestellt haben?

Sinn langen Ueberlegen wurde ihm indessen nicht Zeit gelassen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich offen auszusprechen und den Tuchfetzen, den er im Portemonnaie bei sich trug, vorzuzeigen. Auch daß er von Udo 3000 Mark Schweigegeld gefordert und daß dieser ihm versprochen, das Geld von der Bank abzuhe- ben, bekannte er. Das Geschoß und ein Matz der Fuß­spur besitze er nicht. Was er davon gesagt, sei erlogen gewesen.

. W (Fortsetzung folgt.)