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Ein Milliottendefraubant festgenomme». Die Pari­ser Polizei hat den Geschäftsführer Ziwelschi aus Trieft verhaftet, der beschuldigt wird, Unterschlagungen von über einer Million Francs bei der Filiale einer großen Bank in Smyrna verübt zu haben.

Eine» tollkühnen Flug, der für die Betroffenen noch glimpflich abgelaufen ist, haben am Donnerstag die beiden Flieger Schlegel und Rohrbach gemacht. Die Flieger gerieten am einem Fluge Gotha-Schwerin- Lambura in der Nähe von Woltersdorf bei Hamburg in ein Gewitter, das die Gothataube etwa eine halbe Stunde lang wie ein Spielzeug durch die Lüfte warf und schließlich die Maschine zu Boden schmetterte. Beide Flieger konnten sich selbst befreien. Sie blieben un­verletzt.

Die Tat einer nervösen Frau. Die Frau des Ge­meinderates Detrod in Seysel (Hocodavoyeu) stürzte sich in einem Anfall von nervöser Erregung nach vor­aufgegangener längerer Diskussion auf ihre vierzehn­jährige Tochter, erwürgte sie und versuchte sich zu er­hängen. Sie wurde von Nachbarn daran gehindert und der Polizei übergeben.

Tödlich verunglückte italienische Militärflieger. Auf dem Flugplätze Mirafiori bei Turin stürzten der Leutnant Bataglioni und sein Passagier Nafoli infolge Bruches der rechten Tragfläche aus 200 Meter Höhe ab. Beide waren sofort tot.

tat Eine neue Anklage gegen den falschen Bürger­meister. Die Bromberger Staatsanwaltschaft hat die Ausgrabung der Leiche eines Mädchens angeordnet, welches sich angeblich wegen des Bürgermeisters Ale­xander vergiftet hatte. Es besteht der Verdacht, daß es sich um einen Giftmord handelt, an dem Alexander be- ^ ^ ^Schwerer Unfall eines Flugschülers. Der Mün­chener Fliegerschüler Dr. Ludwig Hörmann ist am Sonn­abend bei Ablegung der Pilotenprüfung verunglückt. Als er ans 200 Meter Höhe in vorgeschriebenem Gleit- fluge mederging, verlor er schließlich die Orientierung und landete cm Steilfluge in einem Wäldchen bei Ober- wiesenfeld. Er wurde unter dem zertrümmerten Flug­zeug bewußtlos und mit einer schweren aber nicht le­bensgefährlichen Verletzung hervorgezogen.

tat Ein Waldbrand von ungewöhnlicher Ausdeh­nung wütet seit Freitag in einem großen Fichtenwalde in der Nähe der französischen Stadt Marcillas. Das Feuer brach aus noch unbekannter Ursache in einer Kichtenschonung aus und dehnte sich mit ungeheurer Ge­schwindigkeit über eine Fläche von 160 Hektar aus. Trokdem die Feuerwehren der gesamten Umgebung m Aktion traten, gelang es bisher nicht, den Waldbranö erfolgreich zu bekämpfen. Man befürchtet, daß riesige Bestände des Waldes den Flammen zum Opfer fallen werden.

Geridif und Recht«

Abermals eine Gattenmörderin in Parts freige- sprochen. Die Pariser Geschworenen haben abermals eine wegen Gattenmordes angeklagte Frau freigesprv- chen. Vor einigen Wochen erschoß die in der Pariser Ge­sellschaft sehr bekannte Frau Debiesse ihren Gatten, den sie in einem kleinen Hotel in flagranti ertappte. Obwohl sich nun in der Verhandlung herausstellte, daß Frau Debiesse ihr Verbrechen schon seit längerer Zeit vorbe­reitet hatte, haben die Geschworenen ihren Wahrspruch auf uichtschuldig ab, sodaß die Angeklagte freigesprochen werden mußte. Dieser abermalige Freispruch begeg­net in der Pariser Presse lebhaftem Interesse. Man will darin ein deutliches Anzeichen für die Stellungnahme der Geschworenen im Falle der Gemahlin des Finanzmini­sters Caillaux, die bekanntlich den Chefredakteur des Figaro" erschoß, erblicken.

Unschuldig zum Tode verurleill.

Ein Seitenstück zum Fall der Witwe Hamm.

Im November 1910 wurde der Besitzerssohn Gustav Sprenger vom Schwurgericht in Elbing zum Tode ver­urteilt, weil er für schuldig befunden worden war, den Besitzer Guddeck in Reimanswalde im Kreise Marren- burg ermordet zu haben. Die Geschworenen kamen in der Hauptsache deshalb zu ihrem Schuldig, weil sie am Grund der Aussagen einer Stiefschwester der Frau Gud- deck, einer Frida Barwig, zu der Ueberzeugung gekom­men waren, Sprenger sei derart in die Frau Guddeck verliebt gewesen, daß er um ihretwillen den Mann aus dem Wege geschafft hätte. Im weiteren stützten »ch die Geschworenen auf die Zeugenaussagen eines gewnsen Klingenberg, der bekundete, er habe wenige Tage vor dem Morde einen Revolver bei Sprenger gesehen.

Schon bei der Verkündigung des Todesurteils wur­den Stimmen taut, die Sprenger für unschuldig und den lediglich auf Indizien hin erfolgten Spruch der Ge­schworenen für einen Fehlspruch hielten, zumal der Ver­urteilte es ablehnte, ein Gnadengesuch an den König abzusenden, mit der Begründung, er wolle sein Recht, keine Gnade. (Die Begnadigung Sprengers zu lebens­länglichem Zuchthaus wurde später ohne Zutun des Verurteilten erwirkt.) Namentlich war es der Vater des Verurteilten, der jetzt 73 Jahre alte Besitzer Spren­ger aus Ellerwald, der kein Mittel unversucht ließ, die Unschuld seines Sohnes, von der er fest überzeugt ist, auszudecken. Aber die Gerichte lehnten die Gesuche um Wiederaufnahme des Verfahrens ab.

Jetzt ist die Angelegenheit insofern in ein neues Stadium getreten, als auf Veranlassung des alten Sprenger eine Broschüre erschienen ist, die alle die Punkte anführt, die zugunsten des Verurteilten sprechen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Hauptbelastungv- M6 n die genannte Frida Barwig nach Fällung des Meils mehreren Personen gegenüber behauptet hat, ihre Schwester, die Frau Guddeck, habe ihren Mann ge- totet. Zwar habe die Barwig später vor dem Uuter- ,'Uchmrgsrichter erklärt, diese Aussage sei ihreingeredet worden, doch kommt die Broschüre auf Grund eingehen- der Erwägungen zu dem Ergebnis, es sei unmöglich, daß einem mit gesundem Verstände begabten mensch- Uchen Wesen von der Art der Zeugin, eine derart wich­tige Aussage gegen die eigene Schwester hat eingeredet werden können. Für unzulässig wird es auch erklärt, wenn auf die Aussage eines Mannes wie Klingenberg Wert gelegt werde von dem feststehe (das war bei der Hauptverhandlung noch nicht bekannt), daß er wegen Brandstiftung vorbestraft und auch bereits in ettler Irrenanstalt auf seinen Geisteszustand hin beobachtet worden ist.

, . Die Broschüre bringt weiter Material dafür, daß kem Liebesverhältnis zwischen Sprenger und der Frau Guddeck bestanden habe, und erörtert dann die. Mög­lichkeiten, daß ein Gattenmord vorliegen oder da» viel­leicht ein Einbrecher die Tat begangen haben könne. So kommt die Broschüre zu dem Schluß, daß ein Mord von Sprengers Seite vom psychologischen Standpunkt aus eine Unmöglichkeit, ein direkter Unsinn sei, und daß es

Vermischtes

war die kleine Residenzstadt

Hochstapler in Amt und Würde». Der Fall des fal­schen Bürgermeisters in Köslin erinnert an ähnliche Betrügereien. Derartiger Bluff kommt viel häufiger vor, als unsereSchulweisheit sich träumen läßt". So war die kleine Residenzstadt Neustrelitz vor einigen Jahren in heller Aufregung, als sich herausstellte, daß der Stadtbaumeister ein gewöhnlicher Techniker fet, der auf Grund gefälschter Zeugnisse diese Stellung erlangt hatte. Er wurde wegen Urkundenfälschung und Betruges zu 2% Jahren Zuchthaus verurteilt, diese Strafe aber vom Großherzog aus dem Gnadenwege in Gefängnis umgewandelt. Noch eigenartiger war der Fall des Schlosser-geselle», der kurze Zeit Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts am Gymnasiurn zu Dort­mund natürlich auch auf Grund gefälschter Zeugnisse als Mathematiklehrer seines Amtes waltete, schlecht und recht, d. h. mehr schlecht als recht, da er wohl vom Rechnen etwas verstand, aber von Mathematik, wofür er sich wohlweislich nur die Lehrbcfähiguug für untere und mittlere Klassen zuerkannt hatte, keine Ahnung hatte. So ließ er die Schüler in Tertia beständig in Geo­metrie Dreiecke, Vierecke, Kreise usw. zeichnen. Vor Lehrsätzen aber mit Beweisen oder gar Ko»str»ktio»s- aufgaben hütete er sich wie vor Feuer. Das mußte na­türlich auf die Dauer herauskomme». Der Schwindler wurde gefaßt und zn längerer Strafe verurteilt. Di­rektor des Gymnasiums war damals der spätere Dozent an der Berliner Universität und Honorarprofessor für

Philosophie und Pädagogik, Dr. August Döring. Aber einerseits herrschte damals kurz nach oem Kriege Lehrer­mangel, sodaß sogar vorübergehend manchmal Kandi­daten ohne Zeuguts beschäftigt wurden, anderseits hatte der Mann sonst ein ganz sicheres Auftreten, sodaß selbst ein erfahrener Pädagoge sich dadurch täuschen lassen konnte. Gegen den Schwindel ist eben wie gegen bett Todkein Kraut gewachsen".

VomWrack desL. 1". Nachdem erst unlängst ein holländischer Fischdampfer Gestäugeteile von dem int Herbst v. J. bei Helgoland verloren gegangenen Marine­luftschiffL. 1" zutage gefördert hat, hat jetzt das Minen­suchbootT. 52" einen Propeller mit Antrieb von dem LuftschiffL. 1" südlich von Helgoland aufgefischt. Diese Funde und namentlich die Fundstellen lassen darauf schließen, daß das Wrack inzwischen weiter auseinander­gebrochen ist. Bekanntlich hatte der Hamburger Fisch­dampferLauenburg" Anfang Dezember v. I. das Wrack des LuftschiffesL. 1" 17 Seemeilen nordwestlich von Helgoland aufgefunden, und so war an der Fundstelle auf 54 Grad 17 Minuten Nord, 7 Grad 26 Minuten Ost eine Boje auf 39 Meter Wassertiefe ausgelegt worden. Als man dann in diesem Frühjahre nähere Nachfor­schungen anstelle» wollte, war es verschwunden und alles Suchen blieb erfolglos. Die jetzige Auffindung von Wrackteilest wird dazu beitragen, daß die mit Eintritt andauernd ruhigeren Wetters erneut aufzunehmenden Nachforschungen über ein weit ausgedehntes Gebiet aus­geführt werden. Man rechnet damit, daß sich in dem Wrack noch Leichen befinden, denn von den 13 Toten des L. 1" sind bisher erst drei geborgen worden.

Zwillings- »nd Drillingösege». Einen ganz besou-

Zwillings- und Drillingssegen. Einen ganz beson­deren Hausstorch hat ein Ehepaar in Wildberg (Ober- schwabest). Schon zweimal hatte er in dieser Familie Zwillinge abgegeben. Pünktlich kam der Storch dieses Jahr wieder, aber diesmal brächte er statt der Zwillinge Drillinge, lauter. Buben. Auch in Weiler (bayer. All- gäu) haust in einer Familie ein besonders fleißiger Storch. Sechs Knaben und fünf Mädchen saßen schon um den Tisch der Eltern, als Freund Storch wieder er­wartet wurde. Bisher war dieser immer artig und brächte elfmal immer nur einen strammen Jungen oder ein strammes Mädel. Die dutzendste Einkehr feierte er aber durch Ueberbringung von gleichzeitig einem Jun­gen und einem Mädel. So sind es nun dreizehn ge­worden ; und König Ludwig bekam den siebenten Jun­gen als Patenkind. Die Kindtaufe wurde ein Fest. Am gleichen Tage wurden zwei Kinder getauft, zwei Kinder gingen zur ersten Kommunion, zwei Kinder zur Fir­mung und eines feierte Verlobung.

Die Rache des Arztes. Der in der ganzen Umge­bung bekannte und beliebte Arzt war in den ersten Tagen des Frühlings von einer ermüdendenTour" bei seinen ziemlich verstreut wohnenden Patienten nach Hause gekommen und wollte sich eben zu seiner wohl­verdienten Nachtruhe in sein Bett begeben. Da klopfte es vernehmlich einige Male an die Haustüre. Nach kur­zem Ueberlegen fuhr der um den schönsten Teil seiner Nachtruhe gebrachte Arzt mit einem kräftigen Fluche aus dem Bett und in seinen Schlafrock. Aus der Dunkelheit klang es zu seinem Fenster herauf^Da Herr Dokter mecht zum Kreuzhofbauer kemma! s' pressiert!" Nach einem beschwerlichen Marsch durch die stürmische Nacht langt er auf dem Bauernhof an und findet seinen Pa­tienten ächzend und stöhnend vor. Nach einer kurzen Untersuchung wird es dem Arzte klar, daß die Ursache dieser fürchterlichen Krämpfe nichts anderes als eine Ueberfüllung des Magens mit allerhand schwer ver­daulichen Dingen, wie Sauerkraut, Knödelmm." ist. Er­bost darüber, daß man ihn wegen einer solchen alltag- lichen Beschwerde soweit hat herlausen lauen, beschließt er, dem furchtsamen Vielsresser eine Lehre zu geben. Hm, Hm!" machte er mit bedenklichem Stirnrunzeln und nachdenklichem Kopfschütteln, ^esmal hats was m der Gsmrdheit, Kreuzhofbauer. Dös is nix letchts! Ganz erschrocken fährt der kranke Bauer aus seinem Stöhnen auf:Wirtlt, Herr Dukta Is was gefahr- lichs?"Ja, mei!" sagte der Arzt,wir muhn das Schlimmste befürchten!" Dem Bauer kommt allmählich der Angstschweiß auf die Stirne:Aiso, ganz aus? Is gar koa Hoffnung mehr?"Dös will i ja net gsagt Kamm " erwidert der Doktor,aber an Deiner Stell' tast , Notarmid n Psairer komm» I°W!-- am mitten in da Nacht. Js's a so pressant?" fragt einge- schücktert der Kranke.Ja, unbedingt!!"I muay nachha sterbn . . ??" ,?Tös ja grad nöt," schmunzelt der Arzt,aber i mecht net der einzige sein, der wegn so einem .'. Schmarrn mitten tn da Nacht um sei Ruah bracht worden ist!!"

wie die Amerikaner in Veracruz landeten.

Erst jetzt treffen genaue Berichte über die Landung der Amerikaner in Veracruz und die ersten Kämpfe mit den Mexikanern ein. Nachdem sich die Verhandlungen zericklaae» fuhren ohne jede weitere Warnung zwölf ^oote mit Martnesoldaten beladen nach dem Zollpier. Es waren 250 Mann vom SchlachtschiffFlorida" unter Kavitän Rufe. Bei ihrer Landung fanden ste den fchon aemeldeten Widerstand. Der Pier und die Hafenanlagen waren von Äner großen Menge Mexikaner besetzt, die neuaieria und lachend der Ausbootung zusahen. Kaum waren mese jedoch gegen das Zollhaus ein paar hundert Nieter vorgerückt, als mexikanische Bürger mit Solda­ten vom Tuch eines Warenhauses aus auf die Amertta- ner zu feuern begannen. Die Folge war natürlich Ge- genfeuer, sodaß ein sArfer Gewehrkampf entstand. Zu- M E ei kMs Muffe auf amerikanischer Seite. Als

jedoch zwei Mann gefallen waren, stieg die Wut der Ma- rinesoldaten aufs höchste. Sie gingen zum Angriff vor und binnen fünf Minuten hatten sie die Dächer von Ntexikanern gesäubert. Nur wenige wurden zu Gefan- geneu gemacht, aber später wieder fretgelassen auf das Ehrenwort, daß sie keine Soldateit wären. Um Mittag hatten die Amerikaner das Zollhaus, das Post- und Te- legrapheuanit, das Kabelamt, das Eisenbahngebäude, das Rathaus und alldere staatliche Gebäude in Händen.

Währenddessen wurde

der einzige wohlüberlegte Versuch

gemacht, gegen die Amerikaner vorzugehen. Eine An­zahl mexikanischer Soldaten versuchte die Marinesolda- ten zu umgehen und sie bei der Station der Union Rail- way zu überraschen. Das TransportschiffPrairie" er- warb sich aber die Lorbeeren des Tages: denn als die Wachoffiziere die Bewegnng der Mexikaner entdeckt hatten, eröffneten sie ein lebhaftes Geschlitzfener. Hier­durch wurden die Mexikaner eingeschüchtert mtö machten keinen weiteren Vorstoß. Um dieselbe Zeit bedrängte eine Anzahl Scharfschützen auf dem alten Turm des Forts Sau Juan Seit Ina die Amerikauer. Das Schlacht­schiffUtha" nahm sie sofort unter Feuer und setzte sie mit wenigen Schüssen außer Gefecht. Das Feuer dauerte den ganzen Nachmittags denn überall wurde auf die Amerikaner von den Dächern geschossen, haupt­sächlich von Bürgern. Deshalb sandte Admiral Fletcher ein Ultimatum an den Bürgermeister Diaz, das Schie­ßen müsse sofort aufhören, oder er werde ein energisches Bombardeuieut eröffnen. Da Diaz hierauf utcht antwor­tete, befahl der Mömiral dem KreuzerEhester" und der Prairie", einen Angriff gegen das Stadtzentrum zu decken. Beide Schiffe feuerten dann ihre fttufzölltgen Geschosse durch die dum Hafen führenden Straßen und säuberten dann den Stadtteil gründlich. Im Rathaus waren fast alle Beamten geflohen, und feiner wagte es, dem plündernden Mob entgegenzntrcten. Nachdem der Widerstand der Mexikaner gebrochen war, ließ Oberst Melville

Haussnchttnge» nach den verborgenen Schützen anstellen. Es wurden zahlreiche dieser Freischützen ge­fangen genommen. Am nächsten Tage begann jedoch das Schießen der Bürger von den Dächern von neuem. Admiral Fletcher kam um 8 Uhr morgens an Land und nahm formell Besitz von Veracruz. Der Admiral ließ weitere 3000 Mann lauden. In Veracruz herrschte inzwischen völlige Anarchie. Die ohne Offiziere zurück­gebliebenen mexikanischen Soldaten verübten große Ex­zesse. Sie plünderten die Schnapsläden. In sinnloser Trunkenheit terrorisierte der Pöbel die Stadt, raubte die Läden aus und verging sich an schutzlosen Frauett lind Kindern. Mexikaner und Fremde leiden gleichermaßen unter ihrem Angriff. Gegen diese Plünderer richtete sich der bei Tagesanbruch erfolgte Neuangriff des Ad­mirals Fletcher. Sie wurden irrs Stadttnuere getrieben. Unter dem Einfluß des Alkohols waren sie nicht mehr sehr gefährlich.

Die Kriegsberichte.

^ Aus Tuxpan sind amerikanische Flüchtlinge eiugetroffen, deren Berichten zufolge es in der Stadt zu erregten Szenen gekommerr ist, eine ganze Anzahl Baulichkeiten ivurden von der Volksmenge zerstört. Unter diesen befindet sich auch das Haus des amerika­nischen Konsuls, sowie amerikanische Hotels. Es ist für die Amerikaner direkt gefährlich, sich auf der Straße sehen zu lassen, da das Volk schwere Verwünschungen gegen sie ausstößt und alles Zlmerikanische beschimpft. Nach einem Telegramm aus L a r e d o in Texas erklärte der Richter Gonzales, er habe ein Telegramm aus Me­xiko erhalten, demzufolge Huerta abgedankt habe, um den Oberbefehl über die Arnrec übernehmen zu können.

Die mexikanischen Truppen räumten L a r e d v, nach­dem sie das anrerikanische Konsulat, das Zollhaus und die städtischen Gebäude in Brand gesteckt hatten. Die ganze Stadt gleicht einem Flammenmeer. Nach einer Kabelmeldung derDaily Mail" hat man sich in Wa­shington nun doch entschlossen, Tampico anzugreifen, das von einer 300 Mann starken Garnison gehalten wird. Nach einer Meldung des New York Herald aus Veracruz fanden die Arnerikaner unter den Trümmern der Kaserne und der Marineschule, die bei dem Bom­bardement zerstört wurden, die Leichen von 64 mexika­nischen Soldaten. Eine Meldung aus Neumexiko be­sagt, daß General Villa den General Carranza verhaftet habe und ihn gefangen halte. Nach einer weiteren De­pesche aus Veracruz sollen die Mexikaner amerikanische Flüchtlinge aus den Eisenbahnzügen geholt und in Cor-

doba standrechtlich erschossen habetl.

Die Amerikaner in Mexiko in Gefahr.

oe# 800 Amerikaner der Stadt Mexiko sind in größter Gefahr. Der Pöbel füllt die Straßen und steinigt die Amerikaner. Abgeordnete führen den Mob an. Huerta verbietet der Polizei das Einschreiten. Die Mällner und Frauen im Gesandtschaftsgebäude sind auf alles ge­faßt. Wilson gab Huerta eine letzte Frist von drei Tagen. Die Truppen werden in aller Eile zur Grenze gebracht. Eine besondere Miliz wird für den Grenzschutz gebildet.

Die unwillkommene Intervention.

e-fc Staatssekretär Bryan hat die in englischen Blät­tern erschienene Information von einer bevorstehenden Intervention zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko bestätigt. Der Staatssekretär weigerte sich zwar, irgendwelche offizielle Erklärungen darüber abzugeben, ließ jedoch durchblicken, daß der Versuch Englands voll­ständig zwecklos und anssichtslos sei, und daß es ver­nünftiger wäre, wenn der englische Gesandtschaftssekre- tär in Mexiko, Hooler, nicht erst nach Veracruz ginge, sondern sofort zurückkehren würde. Der englische Bot­schafter in Washington versuchte die Jnterventionspläne Englands zu Dementieren. Jedoch brachten sie die Er­klärungen Bryans zutage.

Handel und Verkehr.

Berlin, 25. April. Wöchentlicher Saatenstands» bericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirt­schaftsrats. Der Einfluß der Witterutlgsverüältnisse auf den Felderstand wird sehr verschieden beurteilt. In: allgemeine» waren die kalten Nächte und scharfen Ost- winde dem Wachstum nicht förderlich, doch haben die Weizensaaten nicht gelitten, sich bei der warmen Witte­rung, der letzten Tage vielmehr weiter gekräftigt, sodaß ihr Stand nach wie vor günstig beurteilt wird. Dagegen ist beim Roggen vielfach eine Verschlechterung einge­treten. Aus der Mehrzahl der Gebiete wird oerichtet, daß der Roggen ein spitzes Aussehen angenommen habe und daß seine Bestockung infolge der herrschenden Trok- kenheit namentlich auf leichten Böden zu wünsche» übrig lasse. Für eine gedeihliche Weiterentwicklung wird all­gemein schon Regen herbeigesehnt. Die Futterpflanzen und Wiesen haben ihren guten Stand beibehalten, dürf« ten aber auch bald eine Anfeuchtung brauchen. Die Früh« jahrsbestellurrg hat gute Fortschritte gemacht: die Körner­aussaat ist meist erledigt und auch die Bestellung der Rüden- und Kartoffeläcker geht flott von statten. Die frühbestellten Sommersaaten sind gut aufgelaufen, aller­dings droht die jetzt herrschende Trockenheit die Wetter- entwicklung bezw. den Aufgang der Spätsaaten zu ße* einträchtigen,