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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld SeM« Wlott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr.97. Sonntag, den 26. Aprtt 1914,

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

* (Neue prakti sche Fahrpläne.) Die preußisch-hessische Eisenbahnverwaltung hat unter dem Vorsitz eines Mitgliedes der Eisenbahndirektion Frankfurt eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Umgestaltung der Aushang- und Taschenfahrpläne beschäftigt. Die in den Bahnhöfen aushängenden Fahrpläne sind seit Jahrzehnen unverändert geblieben, sie enthalten die Stationen nur einmal, ein Pfeil deutet an, in welcher Richtung Ankunft oder Abfahrt eines Zuges zu finden ist. Auf diesen Fahrplänen findet man leicht nur die Station, auf der man sich befindet, weil sie mit Buntstift unterstrichen ist, in^. übrigen ist es ganz unmöglich, sich zurechtzufinden. Diese Fahrpläne werden verschwinden, um praktischeren Platz zu machen. Ebenso werden in den amtlichen Taschenfahrplänen Aenderungen getroffen, welche es unmöglich machen, daß man sich in der Zeile irrt, was jetzt sehr leicht vorkommt. Die Aushänge in den Stationen, welche die Ankunfts- und Abfahrtszeit der Züge, den Bahnsteig usw. angeben, werden eben­falls vervollkommnet und weiter ausgestaltet, alles Neuerungen, die für das reisende Publikum sehr wesentlich sind.

* Die Sprungschnur beim Turnunter - richt kann gefährlich werden, wenn sie nicht lose aufgelegt wird. In einem Falle ist diese Vorschrift nicht beachtet worden. Es wurde dadurch ein Schüler schwer verletzt. Die Berechtigten haben im Wege des Prozesses Schadenersatzansprüche erhoben. Einzelne Schulverwaltungen haben deshalb ihre Kreisschul- inspektoren ersucht, bei den Schulrevisionen die nötigen Anweisungen zu geben. Die Vorschrift lautet, daß beim Turnunterricht die Sprungschnur lose auf die Ständer zu legen ist. An den Ständern sönnen Schüler aufgestellt werden, um die Schnur möglichst schnell wieder aufzulegen, wenn sie heruntergefallen ist. Es ist unter keinen Umständen zu gestatten, daß sie die Schnur festhalten.

):( Hersfeld, 25. April. Der Vorstand des Ver- bandes der Geflügelzuchtvereine für den Regierungs­bezirk Caffel veröffentlicht im Amtsblatt der Land­wirtschaftskammer folgendes: Infolge verschiedener Anfragen aus landwirtschaftlichen Kreisen zwecks A us stel l u n g vo n G es lüg e l a u f der B ezi rks- ausstellung in Hersfeld teile ich mit, daß nicht nur die Mitglieder der angeschlossenen Ver­bandsvereine die Ausstellung beschicken können, sondern auch die Mitglieder der Landwirtschaftlichen Kreisvereine ausstellungsberechtigt sind. Ich kann daher den Herren Landwirten nur empfehlen, die Geflügel-Abteilung zu beschicken, einmal wird für die Unterbringung und Verpflegung bestens gesorgt, zum andern stehen zahlreiche Preise zur Verfügung, außerdem bietet die Beschickung und der Besuch unserer Abteilung wertvolle Anregungen für einen rationellen Zuchtbetrieb. Die Anmeldepapiere sind durch den Unterzeichneten zu beziehen. Der Schluß der An­meldung ist unwiderruflich auf Sonntag, den 8. Mai festgesetzt.

):( Hersfeld, 25. April. Auf den im amtlichen Anzeiger der heutigen Nummer abgedruckten -s-ommerfahrplan der Hersse lder Kreis- v a h n möchten wir besonders aufmerksam machen.

. M M HerAeld, 25. April. Am nächsten Dienstag, den 28. d. DUZ mittags IV2 Uhr findet die landes-

5 i N ch e Abnahme des neuen Haltepunktes Eisfeld Bad" statt, der bekanntlich am 1. Mai m Betrieb übergeben werden soll.

8 Hersfeld, 25. April. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unter dem 24. mschrieben: Die jetzt eingetretene Bewölkung und germge Abkühlung hat die Befürchtung laut werden daß wir einem Kälterückschlag entgegengehen, »er besonders in Rücksicht auf die Obstblüte sehr un- angenehm werden könnte. Die allgemeine Wetterlage mßt jedoch erkennen, daß diese Befürchtungen vor­läufig grundlos sind. Die Maifrostlage entsteht meist oaourch, daß sich über Nordosteuropa ein Hochdruck- gevret ausbilöet, dafür liegen aber Anzeichen jetzt Ulcht vor. Es erscheint daher ausgeschlossen, daß Fröste eintreten. Anderseits dürfte aber auch der schon von vielen Seiten gewünschte durchgreifende -uegen vorläufig noch ausbleiben.

. Riederaula, 17. April. Einer der größten Dar- lehnskassen-Bereine Hessens ist der hier bestehende, gehörten ihm doch Ende 1913 391 Mitglieder an, die auch in echt genossenschaftlichem Sinne die Kasse gut benutzen. Es ist deshalb auch erklärlich, daß die Um­

sätze des Vereins bedeutende sind. Die Aktiva be­tragen cn. 581000 Mk., die Passiva 579 000 Mk., der in 1913 nach Deckung aller Unkosten verbleibende Gewinn betrug 1810 Mk. Die Reservefonds sind da­mit auf ca. 33 000 Mk. angewachsen.

Philippsthal an der Werra, 24. April. In der Generalversammlung der Aktiengesellschaft Kaliwerke Hattorf dahier am 19. März d. Js. ist das Grundka­pital um zwei Millionen Mark erhöht worden. Dasselbe beträgt nunmehr acht Millionen Mark und ist einge­teilt in 8000 Aktien über je 1000 Mark. Infolge der Erhöhung des Grundkapitals werden 2000 neue, auf den Inhaber lautende Aktien über je 1000 M. ausgegeben. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist ausgeschlossen. Der Ausgabekurs der neuen Aktien ist 110 Prozent. In der Generalversammlung wurde ferner beschlossen, daß die bisherigen Aktien, die auf Namen lauten, in Inhaber-Aktien umgewandelt werden sollen.

Fulda, 24. April. Ein gestern über unsere Stadt gezogenes Gewitter war von einer Windhose begleitet. Von dem Ziegeleigebäude am Pröbel wurden zwei Dächer abgehoben, wirbelnd in die Höhe gezogen und fielen dann mit donnerähnlichem Getöse zur Erde. Der Nachbarschaft bemächtigte sich ein kolossaler Schrecken.

Kleinalmerode, 22. April. Gestern jährte sich zum ersten Male der Tag, an dem Kaufmann Franz Wey- land auf jener Unglücksfahrt mit dem kleinen Ballon Ilse" den Tod fand. Aus diesem Anlaß wurde am Sonntag das an der Unfallstelle errichtete Denkmal des unglücklichen Luftfahrers durch Herren des Kur- hessischen Vereins für Luftfahrt mit Blumen geschmückt. Das Denkmal erhebt sich bekanntlich auf dem Günters­berge, der am besten noip Büste in zu erreichen ist.

Caffel, 24. April. Ein 73jähriger Greis mit silber­weißem Vollbart, der frühere Schäfer Christoph Ahl- born, hatte sich in gestriger Strafkammer-sitzung wegen Betrugs im strafschärfenden Rückfalle zu verant­worten. Der Alte ist, wie der Herr Vorsitzende bei Feststellung der Personalien bemerkte, unzählige Male vorbestraft, er habe dreißig Jahre seines Lebens hinter Zuchthausmauern verbracht, sechs Jahre in Gefängnissen. Es wurde ihm diesmal zur Last gelegt, am 4. Nov. v. I. sich einer Schuhmachersfrau in Sontra, die ein krankes Kind hatte, alsWunder­doktor Goldmann" vorgestellt und erboten zu haben, das Kind zu heilen. Die Frau solle sein Rezept aufschreiben und sich das Heilmittel aus der Apotheke besorgen. Das Rezept lautete auf geringe Gewichts- mengen: Fuchsfett, Dachsfett und Fliedertee und kostete 2 Mk., die die einfältige Frau dem alten Be­trüger auslieferte. Ahlborn hatte derartige Kunst­reisen alsWunderdoktor Goldmann" schon früher gemacht, wenn er sich der goldenen Freiheit erfreute. Die Strafkammer verurteilte den gewerbsmäßigen Betrüger mit Rücksicht auf das geringfügige Objekt zu dem geringsten gesetzmäßigen Strafmaß von einem Jahr Zuchthaus, außerdem zu dreijährigem Ehrver­lust und 150 Mark Geldstrafe, hilfsweise 10 Tagen Zuchthaus.

Suhl, 23. April. Gestern nachmittag wurde die hier auf Besuch weilende Pantine Schmidt aus Mül- feld durch eine explodierende Spiritusflasche, die sie zum Feueranzünden gebrauchte, schwer verletzt. Sie erlitt derartige Brandwunden, daß sie ins Kranken­haus übergeführt werden mußte. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt.

Limburg (Lahn), 24. April. In der Burckhartschen Ziegelei wurde unter Strohbündeln eine bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche gefunden. Die Untersuchung hat ergeben, daß Merkmale für einen gewaltsamen Tod nicht vorliegen. Man nimmt an, daß der zirka 30jährige Mann, der eine Quittungs- karte aus den Namen Robert Zieger aus Großtiez (Kreis Riesa, Königreich Sachsen) lautend, mit sich führte, im letzten Winter aus der Wanderschaft in der Ziegelei genächtigt hat und dabei erfroren oder erstickt ist.

Die Rüben und ihre Düngung.

Die Futterrüben bilden gewissermaßen das Grün­futter des Winters. Ueberall dort, wo nicht durch Rückstände des Zuckerrübenbaues reichliche Futter­mengen vorhanden sind, sollte die Futterrübe in ausgedehntestem Maße zum Anbau herangezogen werden Sie ist besonders wertvoll durch den Gehalt an leicht verdaulichen Kohlehydraten und über trifft hierin unsere Körnerfrüchte ganz erheblich.

An das Klima stellt ine Futterrübe nicht so hohe Ansprüche als die Zuckerrübe. Wird sie doch bis zum 71. Grad nördlicher Breite angebaut. Was die Boden­arten anbetrifft, so bevorzugt sie zwar die tiefgründigen

humosen Lehmböden, doch gedeiht sie auch auf sandigem Lehm, lehmigen Sand und Humosensandböden. Böden flacher Krume, welche den Zuckerrübenbau nicht mehr lohnen, ermöglichen noch den Altbau der Futterrübe. Auch auf sehr schweren Böden läßt sich Dränage, starke Kalkung und starke Stallmistgabe Futterrübenbau noch mit Erfolg betreiben. Wegen des mehr flachen Wurzelnetzes der Futterrüben ist sie gegen Dürre empfindlicher als die Zuckerrübe, die tiefer in den Boden eilldriltgt und daher der Trocknis besser zu widerstehen vermag. In früheren Jahren hielt man den Zuckerrübenbau nur auf besseren Böden für an­gebracht. Durch ausgedehnte Anwendung der Grün­düngung und der Kalisalze ist auch auf mittleren und leichten Böden der Zuckerrübenbau möglich geworden. Selbst die Moorböden hat man durch die günstige Wirkung der Kalisalze für den Rübenbau erschlossen. Die Rübe ist eine gute Vorfrucht für Sommergetreide. Die Rübe ist auch mit sich selbst verträglich, jedoch ist es zweckmäßig, sie nicht öfter als alle 3 Jahre aufberfelben Stelle anzubauen, besser schon alle 4 Jahre. Wenn der Rübenbau kurz hinter­einander getrieben wird, dann tritt leicht Verseuchung der Aecker mit Nemadoten ein, wodurch die Rüben- erträge sehr stark leiden.

Futter- sowohl als auch Zuckerrübe sind aus­gesprochene Kalipflanzen, sie brauchen zu ihrer Er­nährung große Mengen Kali, »aber auch reichliche Mengen Stickstoff, weniger der Pyosphorsäure. Durch große Rübenernten werden dem Boden entzogen:

Futterrüben Zuckerrüben Stickstoff 180200 kg. pro ha 2yär220 kg. pro ha

Kali 280325

Phosphorsäure 80 - 85 80

Arr Stickstoff entnimmt t e Zuckerrübe dem Boden mehr, an Kali und Phosphorsäurc weniger als die Futterrübe.

Neben diesen künstlichen Düngemitteln sind die Rüben sehr dankbar für Stallmist und auch für Gründüngung. Nach in Bruchstädt gemachten Ver­suchen sind die höchsten Ernten an Rüben n u r durch Anwendung künstlicher Düngemittel nicht zu erzielen.

Stallmist und Gründüngung allein reichen aber auch nicht aus, um den hohen Nährstoffbedarf der Rüben zu decken. Man muß daher auch zu den künstlichen Düngemitteln greifen, um die höchsten Erträge und den höchsten Reinertrag herauszuholen.

Sehr dankbar sind die Rüben für Salpeterstickstoff. Sie bevorzugen diesen ganz entschieden; nebst den in demselben enthaltenen Natron. Handelt es sich um schweren Boden, wo Chili vertrustend wirkt, dann greife man zum schwefelsauren Ammoniak, welches am besten einige Zeit vor der Saat gegeben wird.

Bezüglich der Phosphorsäuredüngung sei bemerkt, daß die Rüben entschieden dankbar sind für die wasser­lösliche Phosphorsäure im Superphosphat als im Thomasmehl, deshalb zieht man auch das Super-phosphat zur Rübendüngung vor. Mau streut es kurz vor der Saat bei den Bestellungsarbeiten aus und bringt es durch die letzten Ackerarbeiten unter. Schwefelsaures Ammoniak kann damit gemischt werden.

Von den verschiedenen Formen der Kalisalze fommt beim Rübenbau hauptsächlich der Kainit, in zweiter Linie erst das 4O"/o Kalisalz zur Anwendung. Eine Zufuhr von Kali durch künstliche Düngemittel neben dem Stallmist hat sich auch auf den sogenannten kalireichen Böden bestens bewährt.

Das 40% Kalisalz kommt nur dann zur Anwen­dung, wenn ein frühzeitiges Ausstreuen des Kainits, (mindestens 34 Wochen vor der Bestellung) aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen nicht hat erfolgen können.

Kainit zieht man dem 40prozentigen Kalisalz des­halb vor, weil die chlor- und natronhaltigen Salze, die im Kainit in größeren Mengen vorhanden sind, von ben Rüben mit Vorteil ausgenutzt werden. Die Verwendung des 40prozentigen Kalisalzes kann auch noch einige Tage vor der Aussaat ohne Schaden ge­schehen. An Menge werden mit Stallmist vom Kainit 810 Doppelzentner pro ha gegeben, ohne Stallmist 1014 Doppelzentner. Bei der Anwendung von 40prozentigen Kalisalz genügt ' - der Menge des Kainits, um gute Rübenernten und haltbare Rüben zu erzielen.

Da die für den Rübenbau notwendigen hohen Gaben von salzhaltigen Düngemitteln auf schweren Böden sehr leicht Vertrustung herbeiführen, das Hacken er- chweren usw. ist mitunter eine Kalkung nicht zu umgehen. Ist jedoch auf diese Weise das Rübenfeld n zweckmäßiger Weise mit allen Nährstoffen versehen, ist ferner durch Bodenbearbeitung für ein lockeres und tiefgründiges Saatbeet gesorgt und die Witterung nicht ganz ungünstig, dann lohnt der Rübenbau Geldausgaben und Arbeiten reichlich. Dn.

Wetteransfichten für Sonntag den 2«. April.

Wolkig, zeitweise heiter, meist trocken, keine wesentliche Temperaturänderung, nördliche Winde.