Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Mslelter
für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. SS Sonnabend, den ÄS. April 1914.
Bus der Heimat«
* (Schont den Maulwurf!) Er ist im allge- meinen doch ein nützliches Tier. Wo er aber, wie in Gärten, durch Aufwerfen von Hügeln unangenehm wird, sei folgendes Mittel, ihn ohne Tötung zu vertreiben, bestens empfohlen: Wenn der Maulwurf einen Hügel aufgeworfen hat, ebne man denselben und stecke in die Laufröhre einen mit Petroleum getränkten Lappen, — der Geruch vertreibt dann die Tiere. Maulwürfe zu töten, um aus ihnen Pelzwerk herzustellen, ist ein Frevel, der sich, im Großen betrieben, an den Feldern bitter rächt.
):( Hersfeld, 24. April. Nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen zu der im Juli statt- findeuden B e z i r k s ti er sch au verspricht dieselbe recht umfangreich zu werden. Angemeldet sind bis jetzt ungefähr 400 Stück Rindvieh, 83 Pferde, 120 Schweine, 87 Ziegen, und 50—60 Schafe.
§ Hersfeld, 24. April. Im Abgeordnetenhause wünschte gestern bei fortgesetzter Beratung des Eisenbahnanleihegesetzes der Abgeordnete für Rotenburg- Hersfeld, Tuercke (kons.) den baldigen Ausbau derLinieHersfeld-Homberg-Wabern. Der Redner meinte, hoffentlich richte sich hier die Verwaltung nach den Wünschen der Bevölkerung. Nötig sei auch die Herstellung einer Verbindung zwischen den Bahnlinien Bebra-Eisenach und Bebra-Göttingen. Dringend nötig sei auch die Erschließung des Ringgaues und des Eicheldorfer Gebirges durch Eisenbahnen. In diesem Gebiet liegen reiche Kupferlager und andere Mineralien. Auch für die Landwirtschaft zur Herbeischaffung inländischer Arbeiter aus abge- legnen Gegenden ist der Bahnbau notwendig. Es sollte auch nicht vergessen werden, daß das königliche Hauptgestüt Graditz in diese Gegend, nach Altefeld verlegt wird. Da können sehr erhebliche Transporte an Fourage usw. nötig werden. Ferner wiederholte Redner den alten Wunsch nach Schaffung einer Güterladestelle auf dem Bahnhof Ober- tz aun, deren Notwendigkeit von der Eisenbahnverwaltung schon anerkannt ist.
§ Hersfeld, 24. April. Die im April ganz ungewöhnliche Schö nwetterperiodegehtnunmehr ihrem Ende entgegen. Das sehr umfangreiche und kräftige Hochdruckgebiet, das in der letzten Zeit den ganzen europäischen Kontinent beherrschte und klares, warmes Frühjahrswetter brächte, ist allmählich schwächer geworden und verflacht sich über Mitteleuropa immer mehr. Wir werden allmählich in das Randgebiet zwischen Hoch und Tief kommen; die bei dieser Luftdruckverteilung einsetzenden Südwestwinde werden uns vom Ozean her feuchte Lust zuführen und der zunächst noch heitere Himmel wird sich wieder mit Wolken überziehen. Dann dürften auch die gerade in der jetzigen Jahreszeit nützlichen Niederschläge nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Gewitterregen den Witterungsumschlag einleiten. Wir haben also in nächster Zeit wieder mit trübem, milden und niederschlagsreicherem Wetter zu rechnen.
-h- Hersfeld, 24. April. In Anwesenheit des Königlichen Lanorats Herrn v. Grunelius sowie des Herrn Kreissekretärs Funke fand am 21. April vor dem Prüfungsausschuß der hiesigen Schneider- r n n u n g unter Leitung des stellvertretenden Obermeisters Herrn Wilhelm H i l d die Gesellenprüfung dreier ländlicher Schneiderlehrlinge: Heinrich Hartwig, Niederaula, Felir Miete, Kirchheim und Heinrich Wiegand, Eitra, statt. Reges Interesse brächte Herr Landrat den Verhandlungen entgegen und brächte orefes durch praktische Fragen und Anregungen, sowie zum Schluß durch Worte der Anerkennung zum Ausdruck. Die Prüflinge bestanden, ebenso am 23. April M derselben Weise 6 Lehrlinge der hiesigen Schneider- rnnung: Otto Köhler, Wilhelm Ley, Georg Junger- Mann, Andreas Pfaff, Heinrich Seitz und Friedrich Völker. Es war erfreulich, erkeunen zu können, wie sämtliche Prüflinge mit Fleiß, Geschick und Eifer sich ihrer Aufgabe entledigten.
):( Hersfeld, 24. April. Die Verhandlungen der gestrigen Schöffengerichtssitzung zogen sich bis zum Nachmittag hin. Zunächst hatten sich vier Einwohner von Friedlos wegen Körperverletzung zu verantworten. Drei der Angeklagten wurden zu je 4 Wochen Gefängnis verurteilt, einer wurde freigesprochen. — Ebenfalls wegen Körperverletzung stand ein Einwohner von Hersfeld vor dem Gericht, derselbe erhielt auch 4 Wochen Gefängnis. — Wegen Beleidigung wurde ein Arbeiter von Rohrbach mit einer Woche Gefängnis bestraft. — Ein Einwohner von Kalkobes wurde in der gegen ihn schwebenden Anklage freigesprochen. — Wegen Jagdvergehens hatte sich ein Einwohner aus Frielingen zu verantworten. Das
Gericht erkannte auf 60 Mark Geldstrafe und Einziehung des Jagdgewehrs.
Dorndorf a. d. Werra, 23. April. In den chemischen Werken der Kaliwerke „Großherzog von Sachsen" verunglückte gestern abend der Arbeiter Fleisch tödlich. Der Verunglückte hinterläßt vier mutterlose Waisen. Die Ursache des Unglücks konnte noch nicht festgestellt werden) man glaubt jedoch, daß Fleisch infolge eigener Unvorsichtigkeit den Tod gefunden hat.
Gaffel, 23. April. Ueber die angeblichen Fremdenlegionäre besagt nach dem „Cass. Tgbl." der Polizei- bericht: Die von einzelnen Zeitungen in den letzten Tagen gebrachten Nachrichten über fünf junge Leute, die zur Fremdenlegion angeworben seien, entsprechen nicht den Tatsachen. Es handelt sich nicht um zur Fremdenlegion angeworbene und nicht um fünf, sondern nur um zwei junge Leute, die nach Verübung strafbarer Handlungen von hier flüchtig gegangen sind. Die beiden Flüchtlinge sind inzwischen in Emmerich angehalten worden, werden hierher transportiert und sehen ihrer gerechten Strafe entgegen.
Cassel, 24. April. Durch unvorsichtiges Hantieren mit einer Schußwaffe zu Tode gekommen ist ein Bäckergeselle im Stadtteil Rotenditmold. Der Schuß war losgegangen und hatte den jungen Menschen in die linke Brustseite getroffen. Im Marienkranken- Haus, wohin er zur Behandlung gebracht morden war, ist er seinen Verletzungen erlegen.
Schmalkalden, 23. April. Dienstag nachmittag ereignete sich in der Nähe von Schwallungen ein Automobilunfall. Der Vertreter des Wasunger Arztes kam mit dessen Auto von Zillbach weiter. Kurz vorder Werrabrücke wollte das von dem Arzte selbst gesteuerte Automobil einem Fuhrwerk ausweichen, fuhr dabei gegen das Brückengeländer und stürzte in die an dieser Stelle ziemlich tiefe Werra. Der Arzt konnte sich durch Schwimmen retten. Den Chauffeur, der des Schwimmens unkundig war, zog man, nachdem der Arzt einige Male ihn zu retten versucht hatte, schließlich ans Ufer. Auch das Auto konnte man an Land bringen. Beide Insassen kamen mit dem Schrecken davon.
Hesferode, 21. April. Beim Holzspalten hat sich der Sohn der Witwe Fennel hier eine sehr schwere Verletzung zugezogen, indem sich derselbe den Daumen der linken Hand fast gänzlich abgehauen hat.
Vom Meißner, 23. April. Die ungeheuren Schäden, die die bei den letzten großen Schneefällen heruntergekommenen Schneemassen in den Wäldern angerichtet haben, werden erst jetzt, wo die Touristen wieder die Waldungen aufsuchen, recht offensichtlich. So ist z. B. der wundervolle Tannenhochwald zwischen dem Viehhaus und Schwalbenthal nahezu gänzlich vernichtet. Von den etwa vierzigjährigen Tannen sind wohl achtzig Prozent durch die Schneelast völlig umgebrochen. Stämme von zwanzig Zentimeter Durchmesser sind geknickt wie Zündhölzer. Der Schaden läßt sich demnach als außerordentlich bezeichnen.
Leimsfeld (Kreis Ziegenhain), 23. April. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich hier zugetragen. Der 20 Jahre alte Landwirt Johannes Bar hatte tn der Frühe, um die Kühe zu füttern, den Stall betreten. Kaum hatte er die Türe geöffnet, so wurde er auch schon von dem wütenden Bullen, der sich losgerlgen katte überfallen. Das Tier warf ihn zu Boden und verletzte ihn durch Hornstöße lebensgefährlich Erst nach aroßer Mühe gelang es dem Vater des lieber- fallenen mit mehreren Arbeitern, den Bullen von einem Opfer abzubringen. Der fvsort herbergerufene Herr San.-Rat Dr. med. Henkel aus Frielendorf leistete die erste Hilfe. Der Verletzte mußte tu dre Klinik nach Marburg gefahren werden.
Wikenhausen, 23. April. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich vor Eintntt in die eigentliche Tagesordnung wiederum mit der ,chon so oft angeschnittenen Frage der Aktenherausgabe. Bekanntlich weigert sich der Magistrat, Aktenstücke den Stadtverordneten ms Haus zu geben und beruft sich bei dieser Weigerung auf die gefetzliche Vorschrift, nach dem ihm die Au bewahrung der Akten zur Pflicht gemacht wird. Er hält die Akten in den Wohnungen ?e^ einzelnen Stadtverordneten nicht sicher genug aufbewahrt. Von einem größeren Teil der Stadtverordneten wird dieser Standpunkt des Magistrats als ein Mißtrauen angesehen, zumal die Akten rote in vielen anderen Städten auch hier früher anstandslos den einzelnen Stadtverordneten ausgehandigt worden sind. Ueber diese Frage ist in früheren Versammlungen schon oft und ausführlich verhandelt worden,"ohne daß die Parteien ihren Standpunkt geändert haben.
rund eine Flasche mit ohne nahm die Flasche
Ernstthal, 23. April. Hier füllten die Lehrlinge Bohne und Köhler aus Hüttena: Weißkalk und verkorkten diese. Vi ,
nochmals in die Hand. Im selben Augenblick explodierte diese. Die Wirkung war entsetzlich. Bohne wurde durch die Glassplitter das Nasenbein vollständig zerschnitten und die Kinnlade und der Hals schwer verletzt. Dem danebenstehenden Köhler wurden die Glassplitter und der heiße Kalk ins Gesicht geschleudert, sodaß wahrscheinlich Erblindung eintreten wird. Altch Hals und Kinn wurden schwer verletzt. Dem Lehr- lütg sofern wurde bei dein Unglück das Ohr durch Glassplitter zerschnitten.
Dillenburg, 23. April. Der Arbeiter Johann Martin Schmidt aus Offenbach a. M. erschien hierbei seiner getrennt von ihm lebenbeu Frau, die sich bei ihrer Mutter in der Marbachstraße aufhält. Da die Türe der Wohnuug verschlossen war, trat er sie ein. Die ihm entgegenkommende Schwiegermutter schlug er mit dem Knauf seines Dolches zu Boden. Dann drang Schmidt in die Wohnung ein und verletzte seine Frau durch Stiche mit dem Dolche tinb einer Gabel. Die Schwiegermutter war in der Zwischenzeit wieder zu sich gekommen, ergriff eine Axt und drang auf ihren Schwiegersohn ein. Der sprang aus einem Fenster des zweiten Stockes in den Hof und ging flüchtig. Schließlich wurde er in dem Hofe eines Hauses festgenommen.
Frankfurt a. M., 22. April. Der Flieger Georg Rieger unternahm gestern Abend über dem Flugplatz Rebstock einen Uebuugsflug. In 100 Meter Höhe platzte das Benzinrohr und die Maschine stürzte zu Boden. Der Flieger erlitt nur geringe Verletzungen, seine Maschine wurde stark beschädigt. Heute Vormittag 6 Uhr wollte der Flieger Willi Mann nach Dresden fliegen. Während des Aufstieges geriet die Maschine ins Schwanken uud stürzte aus 20 Meter Höhe ab; Mann erlitt einen Arm- und Schlüsselbein- bruch und kam ius Krankenhaus.
Brake, 23. April. Gestern abend um 11 Uhr wurde das Motorboot des Gemüsehändlers Schulz durch einen Dampfer auf der Weser bei Brake überrannt. Das Boot sank sofort. Von den sechs Insassen ertranken vier.
Sangerhausen, 23. April. Der bei dem benachbarten Postamt Wippra (Südharz) seit einem Jahre beschäftigte Landbriefträger Thomas ist seit einigen Tagen nach nachgewiesener Kassenunterschlagung von etwa 3300 Mk. flüchtig.
Abgeordnetenhaus.
Auch am Donnerstag beschäftigte sich das Haus mit dem Eisenbahn-Anleihegesetz. Verkehrsverbesserungen für Bauerwitz in Schlesien wünscht Abg. Nichtarsky (Ztr.), für M.-Gladbach-Pyrmont Abg. Bartscher (Ztr.), für den Kreis Lissa Abg. v. Kardorff (freik.), für Torsten und Recklinghausen Abg. Wildermann (Ztr.). Abg. Modrow (freik.) verzeichnete mit Genugtuung den Bau der Bahn Czersk-Lienfelde. Abg. Goebel (Ztr.) erbat eine Entlastung des Bahnhofs Kattowitz. Abg. Richter (Ztr.) forderte den Ausbau der Linie Glatz—Seitenberg. Abg. Möll (kons.) klagte über Vernachlässigung des Kreises Kassel, Abg. Dr. Cremer (ntl.) über Zurücksetzung der Stadt Hagen. Die Abgg. Lieber (Ztr.) und Frhr. Molss-Metternich (Ztr.) setzten sich für den Lahnkreis und für Wittlich- Bernkastel ein. Abg. Weissermel (Ztr.) bemerkte, daß, während die andern Redner um Verkehrsverbesserungen gebeten haben, müsse er überhaupt erst für die Schaffung von Verkehrswegen im Osten eintreten, besonders in dem Dreieck Neustettin Konitz—Schneide- mühl seien nur wenig Bahnen vorhanden. Dann erbat Abg. Gras; (freik.) eine neue Strecke Tvrgau— Riesa, Abg. v. Plehwe (kons.) eine solche für Gumbinnen —Graudenz. Abg. Dr. Neumann (Ztr.) wünschte Verkehrsverbesserungen für Troppau—Ratibor. Eine direkte Verbindung zwischen Eckernförde Schleswig bezeichnete Abg. Paulseu (freik.) für erforderlich. Abg. Dr. Brockmann (Ztr.) sprach sich für die Durchführung des Fehmarnprojektes aus zum Besten der nordwest- deutschen Industrie. Weitere Wünsche aus dem Westen brachten die Abgg. Underberg (Ztr.), Hasenclever (ntl.), Dr. Becker (Ztr.), Schmidt-Conz (Ztr.), Kühn (Ztr.) vor. Abg. Dr. Leeder (kons.) hielt eine Bahn Grünberg— Sagan—Beuthen a. d. Oder aus volkswirtschaftlichen Gründen für erforderlich. Die Abgg. Dr. Busse (kons.) und Dr. Levy (natl.) schildern die Notlage der Stadt Labischin, die keine Staatsbahnverbindung hat. Abg. v. Boehn (kons.) verlangte eine günstigere Verbindung Lauenburgs mit Danzig und Ausbau der Strecke Stolp—Posen. Abg. v. Kessel (kons.) empfahl eine direkte Verbindung zwischen Berlin und Oberschlesien, Abg. Mallee (kons.) schnellere Züge von Eydtkuhnen nach Berlin. Nach weiterer kurzer Erörterung vertagte sich das Haus auf Freitag.
Wolkig, meist trocken, keine Temperaturänöerung, westliche Winde.