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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hersjelder

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. SS. Freitag, den 24. April ' ' 1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* fWarnun g.) Die trockene Witterung be­günstigt die Waldbrände. Solche werden bereits ans den verschiedensten Gegenden gemeldet. Es kann nicht dringend genug zur größten Vorsicht gemahnt werden. Spaziergänger seien davor gewarnt, im Walde, Zigarrenstummel oder Streichhölzer unacht­samer Weise wegzuwerfen oder Tabakspfeifen auszu- klopfen. Am besten tut man daran, im Walde gar nicht zu rauchen.

* (Sd)onet die Hecken und Sträucher zwischen den Feldern!) Der starke Rückgang unserer heimischen Vogelwelt macht sich durch Ueber- handnehmen des Ungeziefers empfindlich bemerkbar. Die Ursache des Abnehmens an Zahl und Arten der Vögel unserer Heimat liegt wesentlich mit in dem Beschränken und Beseitigen der Nistgelegenheiten. Beispielsweise jede abgebrannte oder ausgerodete Hecke auf Oedland, jede Ersetzung einer natürlichen Hecke durch Stacheldraht raubt einer Menge nützlicher Vögel Nistgelegenheit und alle sonstigen Vorbe­dingungen zum Gedeiheu. Wenn unsere Landwirte deshalb über die ständige Abnahme der Insekten vertilgenden Vögel klagen, so liegt ein Teil der Schuld an ihnen selbst. Abgesehen von der Schädigung, welche die Schönheit der Landschaft erfährt, ist daher die Vernichtung der Hecken, Büsche und Sträucher zwischen den Feldern eine für die Landwirtschaft recht bedenk­liche Maßnahme. Laßt die Hecken und Büsche stehen, Ihr Landwirte! Sie sind Euch mehr zum Nutzen als zum Schaden, keine Schande für Eure Wirtschaft, wohl aber eine Zierde für Euer Land!

* 3ur Hebung der hessischen Pferde­zucht, welche in den letzten zehn Jahren einen be­deutenden Aufschwung genommen hat, will die Land­wirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel in diesem Jahre wieder Prämien an kaltblütige Stuten verteilen. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern der ausgewählten Stuten eine Beihülfe von 5 Mk. zum Deckgeld und für die in diesem Jahre geborenen Fohlen ein Zuschuß von 10 Mk. zu dem Fohlengeld gewährt wird. Außerdem müssen auch die im vorigen Jahre mit Unterstützung der Landwirt­schaftskammer angekauften Stutfohlen vorgeführt werden. Es sollen auch ferner auf Grund einer Prämiierungsordnung Zuchtmaterialerhaltungs­prämien an Stutfohlen des belgischen und rheinisch­belgischen Schlages erteilt werden. Die einzelnen Prämien sind mit 100 Mk. bemessen, die Besitzer dieser prämiierten Fohlen müssen sich jedoch verpflichten, die Fohlen im 3. oder 4. Jahre von einem angekörten Hengste der rheinisch-belgischen oder belgischen Rasse 6 Jahre lang decken zu lassen, und alle 2 Jahre auf den Stutenschauen vorzuführen. Ein Verkauf darf nur stattfinden innerhalb des Regierungsbezirks Cassel, worüber der Landwirtschaftskammer eine Be­scheinigung beizubringen ist, auch ist von dem et­waigen Tode des Fohlens durch amtliche Bescheinigung der Landwirtschaftskammer Kenntnis zu geben. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, so ist der Besitzer eines solchen prämiierten Fohlens verpflichtet, die Prämie an die Landwirtschaftskammer znrückzu- zahlen.

):( Hersfeld, 23. April. Im Interesse der Hebung und Förderung der Landwirtschaft ist auf Veran- lapung der Landwirtschaftskammer Cassel die Veran- naltung von F e l d p r ä m i i e r u n g e n eingerichtet worden, welche sich auf die Mitglieder des Hersfelder ^^dwirtschaftlichen Kreisvereins erstreckt. In diesem ckahre findet diese Felöprämiierung in den Gemeinden derAmtsgerichtsbezirkeSchenklengsfeld und Fri ed e w ald statt. Bei der Wichtigkeit.der- arnger Prämiierungen für die gesamte Landwirtschaft unseres Kreises ist eine recht zahlreiche Beteiligung «ehr zu wünschen. Anmeldungen müssen bis spätestens zum 10. Mai d. Js. an den Vorstand des Landwirt- ichaftllchen Kreisvereins erfolgen. Betreffs der näheren Bestimmungen verweisen wir auf die im Inseratenteil der heutigen Nummer abgedruckte Be­kanntmachung.

-a- Hersfeld, 23. April. Das vom Obersulda- W er rag au der deutschen Turnerschaft für nächsten Sonntag angesetzte K r i e g s s p i e l scheint, den bis jetzt ^«gegangenen Meldungen nach, eine große Veran­staltung zu werden. Wie wir schon früher mitge­teilt haben, beginnt das Kriegsspiel auf beiden Seiten um 10 Uhr vormittags. Es marschieren eine weiße Partei von der Hersfelder Fuldabrücke und eine blaue Partei von dem Bahnhof Heimboldshaufen zu dem festgesetzten Zeitpunkt ab. Die Kriegslage wird

den Führern erst Sonntag früh zugestellt werden. Die Entscheidung dürfte wohl in der Nähe von Friedewald fallen. Größere Radfahrertrupps werdeu die Aufklärung übernehmen und wird es, in anbe- tracht des unübersichtlichen Geländes, zweifellos interessante Bilder geben. Nach Beendigung des Spieles wird bei Friedewald, an der Herfaerstraße, abgekocht werden. Es sei hiermit darauf hingewiesen, daß auch der deutschen Turnerschaft Fernstehende gerne sich anschließen können und wollen sich die Betreffenden einfach an einen der beiden vorhin erwähnten Sam­melplätze einfinden. Das Kriegsspiel findet bei jeder Witterung statt. Das Spiel steht unter der Leitung des Gymnastaloberlehrers Herrn Dr. Klauer. Meld­ungen und Auskünfte bei dem Bezirkstnrnwart Andree in Hersfeld.

):( Hersfeld, 23. April. Im amtlichen Anzeiger der heutigen Nummer befindet sich ein Artikel über Einrichtung von K o n t r o l l v e r e i n e n , die Organisation und Kosten derselben. Da ein derartiger Verein für alle Viehbesitzer, große wie kleine, außer­ordentlich wichtig ist, so empfehlen wir die Ausführ­ungen eingehender Beachtung.

Niederaula 22. April. Wieder hat der Tod eine Lücke in die Reihe der Veteranen aus dem Jahre 1870=71 gerissen. Gestern wurde der Schuhmachermeister Valeutin Zirchler dahier, der an zahlreichen Schlachten des Feldzuges im 2. Thür. Jnf.-Regt. Nr. 32 teilge- nommen hatte, mit militärischen Ehren zu Grabe ge­tragen. Das 47. Artillerie-Regt. stellte die Musik, die Gewehrsektion des Kriegervereins Niederaula gab den üblichen Ehrensalut übers Grab. Der Verstorbene war lange Jahre Kirchenältester und sehr beliebt. Der Großvater des Verstorbenen hatte an den Freiheits­kriegen 1813=14 teilgenommen. In die Schafherde des Landwirts Möller dahier ist nachts ein Hund ein= gebrochen und hat 8 Schafe zerrissen.

Cassel, 22. April. Auf dem Waldauer Exerzier­plätze landete heute vormittag ein Aviatik-Doppel­decker der Fliegerstation Darmstadt. Führer war Ober­leutnant von Brederlow und Begleiter Leutnant Prinz von Waldeck. Die Flieger waren um 7 Uhr zum Fluge nach Cassel aufgestiegen, sie sind abends nach Hannover weitergeflogen.

Eisenach, 22. April. Ein schweres Unglück hätte sich am Sonnabend nachmittag, wie erst jetzt bekannt wird, auf dem hiesigen Hauptbahnhof ereignen können. Die Tochter eines hiesigen Beamten wollte noch im letzten Augenblick in den nach Bebra abfahrenden Triebwagen einsteigen. Der Triebwagen fuhr aber gerade ab und das Mädchen kam zu Fall und blieb zwischen den Schienen und der Bahnsteigeinfassung liegen, während die Tasche zwischen die Schienen fiel. Nur der Geistesgegenwart des Mädchens, das regungs­los liegen blieb, bis der Zug vorbei war, ist es zuzu- schreiben, daß ein schweres Unglück vermieden wurde. Die Verletzungen sind gering.

Göttingen, 22. April. In einer gestern nach­mittag abgehaltenen sechsstündigen Sitzung der Straßenbahnkommission wurde nach einem längeren sehr instruktiven Vortrage des Herrn Senator Jenner der Magistratsantrag auf Erbauung einer elektrischen Straßenbahn einstimmig angenommen. Die Straßen­bahn soll in eigener Regie gebaut und betrieben werden.

Schmalkalden, 22. April. Der Thüringerwald- verein, welcher für die durchreisenden Schüler und Studenten 4 Freibetten als Nachtquartier zur Ver­fügung stellte, beschloß, eine eigene Schülerherberge mit 8 Betten zu errichten. Die Emrrchtung wird fleh auf 9000 Mark, die jährliche Unterhaltung aus 400 Mark belaufen. Die Einrichtungskosten werden zum größten Teil durch freiwillige Spenden aufgebracht. Im vergangenen Sommer besuchten über ol)0 Schüler und Studenten die hiesige Herberge.

Gilserberg, 21. April. Zwischen hiesigen und Moischeider Burschen kam es vorgestern abend vor der Bahnhofswirtschaft zu einer wüsten Schlägerei, wobei der Landwirt Conrad Kahl so übel zugerichtet wurde, daß sofort der Arzt herbeigerufen werden mußte, der schwere Verletzungen feststellte.

Lengefeld, 22. April. Der Müller Th. Melzert stürzte in der Untermühle in Horsmar mit dem Fahr­stühle in die Tiefe und trug schwere Verletzungen davon. Der Unfall ist auf Zerreißen eines Seiles im Fahrstuhlgetriebe zurückzufiihren.

Frankfurt a. M., 21. April. Die Delag hatte heute eine Anzahl von Preffevertretern zu einer Fahrt ge­laden Bei schönem Wetter erhob sich das Luftschiff Viktoria Luise" um 116 Uhr abends und fuhr mit hoher Geschwindigkeit nach Wiesbaden, wo es bereits um 6 Uhr eintraf. Hierauf wandte es sich zum Taunus nnü fuhr zwischen den Bergen hindurch durch das

Eppsteiner Tal nach Soden und Cronberg und von dort nach Frankfurt, das es in weitem Bogen um­kreiste. Um 7 Uhr erfolgte die Landung. Die Führung hatte Dr. Lempertz und Dr. Eckener. Die Durch- schnittsgeschwiudigkeit betrug 60 bis 70 Stunden­kilometer.

Koburg, 22. April. Das Großfeuer, von dem, wie bereits berichtet, in der Nacht zum Dienstag unser östlicher Stadtteil heimgesucht wurde, war das größte Feuer hier seit mehr als drei Jahrzehuten. Die Ur= sache des Brandes ist wahrscheinlich auf Unvorsichtigkeit zurückzufiihren. Weuige Minuten nachdem um '^o Uhr das Feuer in einer Holzniederlage bemerkt worden war, standen auch schon die benachbarten Scheunen in Flammen und nach einer halben Stunde war von der großen Häuserreihe, es kommen insgesamt 13 Gebäude in Betracht, nichts mehr zu retten. Zwei benachbarte Wohnhäuser wurden stark beschädigt, weiter wurde die Härtelsche Gärtnerei, der sämtliche Gewächs­häuser verbrannten, vollständig vernichtet. Von den abgebrannten Gebäuden gehörten drei der Domäne, während die übrigen sich in Privatbesitz befanden und zumeist als Materialniederlagen dienten. Die Lösch- arbeiten waren infolge der enormen Hitze sehr cr= schwert, auch war die Wasserleitung nicht sehr ergiebig, da der Brandplatz im Weichbilde der Stadt liegt.

Diez, 21. April. Die junge Frau eines Etsen- bahnbeamten in Steeden goß Petroleum ins Feuer, ihre Kleider gerieten in Brand,' sie erlitt schreckliche Brandwunden und starb.

Cambnrg, 22. April. Wie die Familie Iahn in Meuselbach, ,o hat auch die Familie Eckardt im be= nachbarten Schieben fünf Kinder durch Diphtherie verloren.

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Abgeordnetenhaus.

Das Haus setzte am Mittwoch die Beratung des Eisenbahn-Anleihegesetzes fort. Der Vorschlag des Präsidenten, die Redezeit auf 10 Minuten zu be­schränken, da noch 104 Redner auf der Liste ständen, wurde nach kurzer Geschäftsordnungsdebatte wieder zurückgezogen. Vorher war bei der allgemeinen Besprechung Abg. Hoff (Fortschr.) für die Linie Altona-Neumünster eingetreten, während Abg. Dr. Jderhoff (freit.) Bedenken gegen die Abtretung der Linie Oldenburg-WilhelmshavenanOldenburg äußerte. Diese Bedenken suchte Minister v. Breitenbach zu zerstreuen. In der Einzelberatung nannte dann Abg. Wiemer den Vertrag durchaus sachgemäß. Abg.Krause- Waldenburg (freit.) beklagte, daß durch die schlechte Verbindung des Waldenburger Bergreviers mit Liegnitz die Lebeusmittelpreise zu hoch seien. Abg. Reiner (tonf.) befürwortete bessere Eilzugsverbind- ungen zwischen Berlin und Ostpreußen. Für Bahu- Hofsverbesserungen in Neu-Barth und Wollin trat Abg. v. Böhlendorf-Kölpin (tonf.) ein und für Sonntags­fahrkarten nach den Ostseebädern. Abg. Dr. König sZtr.) hielt eine Vermehrung der Schlafwagen Berlin- Köln für notwendig. Für den Ausbau der Neben­bahnlinien in Weststernberg sprach Abg. v. Bockelberg (tonf.), Abg. v. Hagke-Schilfa (tonf.) wies auf die not­wendige Erschließung des Eichsfeldes hin, Eisenbahn­bauten seien erwünscht. Für LüdenscheidHagen erbat Abg. Haarmann snatl.) günstigere Verbindungen, während Abg. Dr. v. Kries den Wunsch nach Anschluß­strecken an die Vollbahn Schneidemühl-Posen und Beibehaltung der Breslauer Badezüge auch im Winter äußerte. Abg. Dr. Friedberg snatl.» trat für die Um­wandlung der Schmalspurbahnen in Kleinbahnen auf Rügen ein. Die Abgg. Dr. Schroeder-Kassel, Kra- minkel, Hausmann snatl.) nahmen sich des Oberweser­talbahnprojektes an und wünschten Zugverbesserungen zwischen KasselKöln Frankfurt. Abg. v. Conrad- Frvnza skons.) erbat für Westpreußen: Thorn, Grau- denz, Marienwerder schnellere Züge, Abg. Heckenroth skons.) solche zwischen Siegerland und Westerwald. Abg. Ecke-Tschammendorf sZtr.) forderte den Bau einer Linie Neumarkt-Obermois, Abg. Tielermann skons.) eine Linie Nienburg-Rahden, Abg. Wittrock sFvrtschr.) die Linie Flensburg-Husum. Um den Kindern recht­zeitigen Schulbesuch zu ermöglichen, befürwortete Abg. Badicke skons.) frühere Züge an der Strecke Wriezen JadickendorfKüstrin. Abg. o. Haffel skons.) be= klagte die schlechte Verbindung der Städte Eisleben und Hettstedt mit ihrem Hinterlands. Für Münster­berg und Wartha in Schlesien erbat Abg. Berndt sZtr.), für Labiau Wehlau Abg. Schrewe skons.), für den Kreis Pleß Abg. Frhr. v. Reitzenstein-Pilgrams- dorf bessere Zugverbindungen. Abg. Drinnenberg sZtr.) erbat eine direkte Linie FuldaKassel, Abg. Brors wünschte Verkehrsverbesserungen im Siegkreis.

Wetteraussichten für Freitag den 24. April.

Wolkig, meist trocken, etwas kühler, westliche Winde.