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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Melier

für den Kreis Hersfeld

Äreisölatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 94. Donnerstag, den 23. April 1914.

Bus der Heimat.

* IN der Brutzeit der Vöael halte man nicht nur die Katzen, sondern auch die Kinder von den Nestern fern. Die Vögel dürfen im Brüten nicht gestört werden, und die Nester müssen unberührt bleiben. Von den Katzen ist zu sagen, daß diese zwar die natürlichen Feinde der Vögel sind - aber das gibt dem Menschen noch kein Recht, gegen sie unmenschlich vorzugehen, z. B. in Schnappfallen ihnen die Bein­knochen zu zerbrechen, und die Tiere stundenlang eingeklemmt liegen zu lassen. Eine ordentliche Peitsche und tüchtige Wasserspritzer helfen schon viel, wenigstens bei Tage. Allerdings bei Nacht sind die Vogelnester gegen die umherstreifenden Katzen schutzlos, wenn man nicht Dornhecken oder Blechstachelkränze um die Baumstämme herumlegen kann, was freilich nur die Hochbrüter zu sichern vermag. Hier muß noch die Gesetzgebung eingreifen und das Zuviel au Katzen einschränken, indem sie die Mitte zwischen Vogelschutz und Katzenschutz zu treffen sucht: denn unzweifelhaft sind die Katzen als Mäusefänger auch nützlich.

§ Hersfeld, 22. April. (Wie wird ö e r M a i 1914?) Diese Frage, die für die Landwirtschaft, ins­besondere für unseren Obstbau, äußerst wichtig ist, beantwortet Oberlehrer Thraen in der Zeitschrift Das Wetter". Er hat an sechs Normalstationen der Deutschen Seewarte die monatlichen Luftdruck-Durch- schnittsmittel für die letzten 28 Jahre, also seit dem Jahre 1891, festgestellt. Dabei zeigte sich eine über­raschende Regelmäßigkeit der Luftdruckschwankungen. Die Jahre des größten Tiefstandes des Barometers sind 1894, 1898, 1902, 1906, 1910. Es stellt sich also mit Regelmäßigkeit eine Zeitperiode von 4 Jahren heraus, die auch mit der Maikäferperiode zufällig übereinstimmt. Währeud der drei Zwischenjahre steigt jedesmal der Luftdruck wieder. Da nun seit dem letzten tiefsten Barometerstand im Jahre 1910 wieder drei Jahre verflossen sind, in denen das Barometer höher stand, so ist es höchst wahrscheinlich, daß wir in diesem Jahre wieder im Mai relativ niedrigen Luftdruck, verhältnismäßig große Wärme und viel Niederschläge zu erwarten haben. Der Gang des Luftdruckes zeigt im Mai nach dem vieljährigen Durchschnitt 4 Erhöhungen, und zwar am 5., 15., 23. und 29. Mai. Es ergibt sich aus den obigen Aus­führungen, daß die so gefürchteten Mainachtfröste, denen meist unsere Obstblüte zum Opfer fällt, in diesem Jahre nicht eintreten werden, unb daß man sich also auf ein gutes Obstjahr gefaßt machen darf. Vorausgesetzt, daß alles stimmt ....

):( Hersfeld, 22. April. In einer Gemeinde des Kreifes Hersfeld versuchte ein unbekannter Mann sich dadurch G e l d zu erschwindeln, daß er Be­träge für die vom Hersfelder landwirtschaftlichen Kreisverein zu veranstaltende landwirtschaft­liche Ausstellung sammelte. Die Bewohner unseres Kreises seien daher vor diesem Schwindler dringend gewarnt, und wollen sofort den nächsten Gendarmen benachrichtigen, sofern der unbekannte Mann nochmals einen Versuch zur Einziehung von Geldbeträgen machen sollte.

Heinebach, 21. April. Ein schwerer Unfall er­eignete sich gestern auf dem Felde. Man fand nämlich den 11jährigen Sohn des Landwirts Wilhelm S., der dre Pferde heimbringen wollte, schwer verwundet und ohne Bewußtsein auf dem Acker. Der Arzt, der als- Otld zu Rate gezogen wurde, stellte eine schwere ^ch??klverletzung fest. Auch ein Auge scheint anscheinend Sesahrdet zu sein. Wie das Unglück geschehen ist, ist noch M Wx festgestellt. Wahrscheinlich ist der Knabe

Pferde abgeworfen und entweder durch einen w 8 "der durch den Pflug so schwer beschädigt

|V ^st/da, 21. April. Der ReisevereinigungFuldatal", .^"her 12 Brieftauben-Liebhabervereine, und zwar

herein in Bebra, Flieden, Fulda, Günthers, n^^^»^^^, -Schlächtern, Horas, Hünfeld, Lauterbach und Neuhof, und zwei Vereine in Hersfeld angehörten, mo nun / weitere Brieftaubenvereine beigetreten, J1; .. Zwar Heimatliebe-Göttingen und Umgegend, pseu-Euhwege, tue Brieftaubenvereine Oberufhausen, ^^n-Stolzenberg und Dorndorf, der Brieftanben- klub Altengronau und Luftsport-Florenberg. In Jahre erfolgen 10 Reisen mit alten nnd 5 mit Jungen rauben. Die weitesten Touren finden am A August von Posen bezw. Thorn statt. Suruckzulegende Luftweg beträgt von Posen bis !M^ F)Aba ca. 542 und von Thorn bis hierher ca. 874 Kilometer.

der Edertalsperre, 21. April. Der über die hallte gefüllte Stausee ist zurzeit das Ziel vieler Redenden, Touristen und Naturfreunde. Und in der -t-at bietet er dem Auge die mannigfachsten Land­

schaftsbilder von entzückender Schönheit, die uns ein Rundgang auf dem neu angelegten Randwegen er­schließt. Vorerst freilich ist die Benutznng der Rand­wege auf das linksseitige Seeufer beschränkt, da die im Ausbau begriffenen Wege auf der rechten Seite kaum zu passieren sind. Auch fehlt zurzeit noch die Verbindung zwischen beiden Ufern, welche durch die über die Sperrmauer führende, noch im Bau begriffene Straße hergestellt wird. Die Wasserstauung macht sich bis oberhalb Asel bemerklich. Die Brücke bei Asel, welche man bis zum Herbste zur Verkehrserleichterung stehen lassen will, steht unter Wasser, und nur einige Geländerspitzen deuten ihr Vorhandensein an. Der Personenverkehr zwischen beiden Ufern wird dnrch eine Kahnfähre aufrecht erhalten. Das Werbetal steht bis einige hundert Meter unterhalb Niedermerbe unter Wasser. Mit der Füllung des beim Orte ange­legten Stauweihers soll demnächst begonnen werden, doch ist an ein erhebliches Steigen des Wasserstandes vor Herbst und Winter wohl kaum zu denken.

Cassel, 21. April. Die Stadtverordnetenversamm­lung genehmigte eine Magistratsvorlage, wonach die Stadt künftig Bürgschaften für zweite Hypotheken bis zum Gesamtbetrage von vorerst 8 Millionen Mark übernimmt.

Gießen, 21. April. Ueber den Absturz der Unter­offizier-Flieger, der sich, wie gemeldet, auf der Fahrt von Cassel nach Darmstadt zutrug, berichtet ein Augenzeuge imGieß. Anz.": Um ' 28 Uhr stieg im Schiffenberger Tal ein Militär-Doppeldecker mit einem Flieger-Unteroffizier auf. Ein Sergeant der Flieger­abteilung, der augenscheinlich zu dem Flugzeuge gehörte, blieb auf dem Platze, von dem der Abflug erfolgt war, zurück. Der Apvarat konnte nicht recht hoch kommen, da allem Anschein nach der Motor defekt war. Der zurückgebliebene Sergeant rief dem Flieger einHalt!" nach. Der Flieger hörte aber nicht mehr. Er riß im Fluge von einem Gartenhäuschen das Dach ab und brach dadurch eine Stange der Tragfläche. Das Flugzeug verlor das Gleichgewicht, überschlug sich und fauste zertrümmert auf den Erdboden. Der Führer wurde hinaus geschleudert und war erst nach einer Weile fähig, sich zn erheben. Er hatte an äußeren Verletzungen nur Hautabschürfungen an der Nase unb dem Munde erlitten. Bald nach dem Unfall erschien ein Arzt und bemühte sich um den Verletzten.

Frankenau, 21. April. Das etwa vierjährige Kind des Landwirts M. aus Frebershausen erlitt durch den Sturz von einer Leiter den Bruch eines Armes. Der ältere Bruder war in der Scheune, um dort Heu abzuwerfen: das kleine Kind eilte ihm nach und stieg ebenfalls die Leiter empor. Hierbei fiel es aber so unglücklich, daß es sich erwähnte Verletzung zuzog.

Friedrichroda, 20. April. Beim Bedienen der elektrischen Wäscherolle wurde hier im Kurhaus einem Mädchen der Brustkorb ciugedrückt. Die Verletzte starb nach zwei Tagen im Krankenhaus.

Laasphe, 20. April. In Eisern im Siegerlande er­trank das dreijährige Söhnchen der Familie Horchler in einer Jauchegrube.

Saatfeld, 21. April. Bei der Aufführung der OperetteTangofieber", die dasNeue Berliner Operetten-Ensemble" hier veranstaltete, wurden der mit der Kasse betrauten Schauspielerin, während sie in der Schlußszene mitwirkte, aus einem verschlossenen Korbe ca. 400 Mk. der Tageseinnahme gestohlen. Der Dieb blieb bisher unermittelt.

Hildburghansen, 21. April. Der aus dem Justiz- dienste des Herzogtums Sachsen-Meiningen hervor­gegangene Präsident der Schwurgerichte in Weimar, Rudolstadt, Sondershausen und Eisenach, Oberlandes­gerichtsrat Höfling, hat sich gestern in nervöser Ueberreizung in seiner Vaterstadt Hildburghansen er­schossen. Er weilte hier auf Urlaub.

Uslar, 21. April. Das fünfjährige Söhnchen des Musikers Tecklenburg wollte sich auf eine des Weges kommende Ringelwalze setzen, glitt aus, kam unter die Walze und wurde lebensgefährlich am Kopfe ver­letzt. Das Befinden des Kleinen ist hoffnungslos.

Frankfurt a. M., 21. April. (Kindermund auf dem ersten Schulgang.)Es ist recht, Kinder," sagte der Lehrer,nun sollt ihr auch als Belohnung eure Zuckertüte haben." Glückstrahlend nimmt jeder ber Meinen seine Zuckertüte mit all den leckeren Herr­lichkeiten als Inhalt, in Empfang Nur einer bleibt übria der keine Zuckertute bekommt, etn Wanenknabe. Trauria steh er in eine Ecke gedrückt, alle haben eine gute Mama, nur er nicht, und eine Zuckertüte soll er auch nicht bekommen. Krampfhaft unterdrückt er ein lautes Schluchzen. Auf einmal spricht zu ihm der Lehrer, der die Traurigkeit des Kleinen be­merkt: Du bekommst später Deine Zuckertüte, mein Junge, sie ist nur noch nicht reif und hängt noch auf dem Baume". Schluchzend ertönt es da aus der Ecke

zurück:Herr Lehrer, s'is mer egal, ich freß' se voch grin!"

Frankfurt a. M., 21. April. Der gegenwärtig im Zuchthause von Diez befindliche, zu einer längeren Strafe verurteilte Eduard Renner wird beschuldigt, den Mord im Eisenbahnzuge Fraukfurt a. M.-Darm- stadt an dem Holzhändler Brechner verübt zu haben. Er gibt an, einen Komplizen gehabt zn haben.

Oberursel, 21. April. In der Nacht zum Montag hat die Ehefrau des Ingenieurs Müller auf entsetzliche Art Selbstmord verübt. Die erst 89 Jahre alte Frau, deren Gatte sich gegenwärtig auf Geschäftsreisen be­findet, übergoß sich mit Petroleum und zündete sich an. Hausbewohner fanden später die verkohlte Leiche der Frau vor, die ihre Tat wahrscheinlich in einem Anfall von geistiger Umnachtung verübt hat.

Rudolstadt, 21. April. Dem Gastwirt Hofmann im benachbarten Mörla sind aus einem verschlossenen Behälter 3000 Mk. bares Geld und mehrere Spar­kassenbücher gestohlen worden. Die Bücher konnten gesperrt werden. Von dem Diebe hat man keine Spur.

Abgeordnetenhaus.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag seine Tagungen nach dem Osterfeste wieder auf. Zur Beratung stand das Eisenbahn-Anleihegesetz. Vize­präsident Dr. Porsch eröffnete die Sitzung um 12/i Uhr. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, v. Breitenbach, begründete zunächst den Entwurf. Er führte etwa aus: Um die Staatseisenbahnen den Verkchrsbedürf- nissen entsprechend auszugestalten, würden in den nächsten Jahren erhebliche Mittel erforderlich sein. Der vorliegende Entwurf fordere 506 211000 M. zum Bau von Haupt- und Nebeneisenbahnen und für den Ausbau vorhandener Strecken,- im ganzen seien 8 Hauptbahnen und 10 Nebenbahnen geplant. Der Betrag bleibe um 86 Millionen hinter der vorjährigen Forderung zurück, stehe aber in finanzieller Trag­weite in gleicher Höhe, da es sich diesmal vielfach nur um Teilforderungen handle. Nach wie vor sei bie Verwaltung bestrebt, den Verkehrsbedürfnissen Rech­nung zn tragen. Erst wenn das Eisenbahnnetz voll ausgebaut sei, könne man auf ein Zurückgehen ber Neufordernngen rechnen. Abg. v. Quast (fonf.) be­tonte, daß die Verwaltung den steigenden Verkehrs­bedürfnissen dauernd Rechnung tragen müsse. Er­freulich sei, daß bisher so große Mittel für Neubauten aufgewendet werden konnten. Abg. Wallenborn iZtr.j gab der Genugtuung Ausdruck, daß die Vorlage Osten und Westen berücksichtige. Abg. Dr. Macco (natl.) erklärte, daß seine Freunde besonders das Fehmarn- Projekt eingehend in der Kommission prüfen würden. Bei Neubauten sei den wachsenden Verkehrsbedürf­nissen Rechnung zu tragen, da dadurch Nachfordernngen erübrigt würden. Abg. Dr. v. Woyna (freit.) be­mängelte, daß der Entwurf hauptsächlich Landesteile berücksichtige, die schon gute Verkehrswege besäßen. Im Interesse der inneren Kolonisation sei die Er­schließung der zn kultivierenden Ländereien. Die Bewohner der ärmeren Landesteile dürften nicht zu den Beiträgen für Bahnbauten herangezogen werden. Abg. Munsterberg (Fortschr.) bat um den Bau von Nebenbahnen zur besseren Erschließung der Bäder auf Rügen. Abg. Dr. Wolff-Gorki (fonf.) unterstrich die Ausführungen des Abg. v. Woyna. In Posen herrschte seit langem der Wunsch nach besseren Verbindungen. Der Ban von Nebenbahnen solle nach Möglichkeit gefördert werden. Freudig begrüßte Abg. Graf v. Moltke (freit.) die geplante Linie Altona-Neumünster. Die Verkehrswege nach dem Norden seien sehr verbesserungsbedürftig. Minister v. Breitenbach nannte den Wunsch nach besserer Verbindung Schleswig- Holsteins berechtigt. Aus diesem Grunde wäre der Neubau geplant, statt des sonst üblichen Ausbaus der alten Strecken. Abg. Fürbringer tnatl.) wandte sich gegen die beabsichtigte Abtretung der Linie Oldenburg- Wilhelmshaven an den oldenbnrgischen Staat. Das würde die preußische Stadt Rüstringen schädigen. Abg. Waldstein fFortschr.j äußerte Bedenken gegen den Bau der neuen Linie Altona-Neumünster: das müsse nachteilig auf die alten Strecken einwirken. Minister v. Breitenbach bemerkte, daß von einer Schädigung der alten Linie keine Rede sein könne. Der größte Teil der Provinz habe den Neubau gewünscht. Darauf vertagte sich das Haus auf Mitt­woch 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß 5 Uhr.

Wetteraussichten für Donnerstag den 23. April.

Noch meist heiter und trocken, warm, südwestliche Winde, Gewitterneigung.