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Antideutsche Volilik in Ungarn.

Kaiser Franz Josefs Erkrankung und die Ungarnkrise.

Obwohl Kaiser Franz Josef noch nach Wiener of­fiziösen Meldungen täglich die üblichen Empfänge ab- hält, unterliegt es doch keinem Zweifel, daß man in der Umgebung des Monarchen von ernsten Besorgnissen um seine Gesundheit erfüllt ist. Bet dem hohen Alter des Kaisers ist es gewiß begreiflich, daß man auf Wendun­gen gefaßt ist, die nach menschlicher Berechnung nicht mehr sehr fern sein können. Immerhin hat Kaiser Franz Josef Erkältungszustände, von denen er augen­blicklich henngesucht ist, wiederholt glücklich überwunden, sodaß auch jetzt für seine baldige Genesung die besten Hoffnungen bestehen. Sehr bedauert wird es in den leitenden ungarischen Kreisen, daß der Kaiser die Reise zur Eröffnung der Delegationen in Budapest aufgeben muß, denn von der persönlichen Anwesenheit des Kö­nigs hatte man sich eine günstige Einwirkung auf die Haltung der oppositionellen Führer versprochen, die in ihrer Verbitterung und Leidenschaft ganz und gar das Wohl des Vaterlandes vergessen, indem sie sich immer offener auf die Seite der Gegner des Dreibundes schlauem ^aro^§ und feiner Genossen be­schäftigt diepolitischen und diplomatischen Kreise Wiens in hohem Maße, und die Reisen, die die parlamenta­rischen Führer der Opposition nach Paris gemacht haben und demnächst nach Petersburg machen wollen, sind keineswegs erfreulich. Selbstverständlich triumphiert man an der Seine und an der Newa über den Abfall eines Teiles des Ungarnvolkes vom Dreibund, und auch uns kann es nicht gleichgültig sein, daß sich zu den Tschechen und Südslaven auch noch ungarische Heiß­sporne gesellen, die nicht abgeneigt sind, Oesterreich-Un­garn in den Rücken zu fallen, wenn es in einen Krieg verwickelt werden sollte, dessen Entfachung die Pansla- visten unaufhörlich betreiben. Darin beruht bekanntlich die Rechnung von Franzosen und Russen, daß sich zu Serben und Montenegrinern noch die inneren Feinde des Doppelreiches gesellen, um einen großen Teil der österreichisch-ungarischen Militärmacht zu binden, damit das Zusammenwirken mit der deutschen Macht möglichst behindert wird. Die russischen Versuche, mit allen Mit­teln die Rumänen in den Heerbann des Zaren hinüber- zuziehen, verfolgen selbstverständlich den gleichen Zweck wie die Aufreizungen der Serben gegen den nördlichen

Nachbarstaat.

Sehr angenehme Ausblicke bietet die verwickelte Lage in Oesterreich-Ungarn auch für Deutschland nicht, und es ist wohl durchaus glaubhaft, daß Kaiser Wilhelm bei seinem jüngsten Besuch in Wien die Gelegenheit ergriff, sich von dem ungarischen Ministerpräsidenten in einer längeren Audienz über den Lauf der Dinge in Ungarn Bortrag halten lassen. Graf Tisza versicherte dem Kaiser zwar, daß die Handlungsweise Karolys, die von der Regierung aufs entschiedenste bekämpft werde, nicht von der gesamten ungarischen Opposition gebilligt werde, doch immerhin müssen wir unser Augenmerk auf das Treiben der Feinde von Ungarns Staatspolitik richten. Aus Paris erfahren wir heute, daß der deutsche Botschafter Baron Schoen nach dem Empfange Karolys durch den Präsidenten Poincatee eine Eingabe nach Berlin sandte, worin er den Vorgang erörterte. Auch hält der deutsche Generalkonsul in Budapest die Ber­liner Regierung über die antideutsche Bewegung in Ungarn um so mehr auf dem Laufenden, weil die Ueber­einstimmung der Ansichten Karolys mit denjenigen ge­wisser Kreise in Wien bekannt ist. Verbreitete unga­rische Organe, in denen die Gesinnung der Opposition vertreten wird, führen seit Monaten einen offenen Krieg gegen das deutsch-österreichische Bündnis und drängen beständig auf eine Verständigung der Monarchie mit Rußland und Frankreich.

Das Erscheinen des Kaisers Franz Josef in der Hofburg zu Budapest und ein Empfang Karolys würde jedenfalls zur Ernüchterung der Chauvinisten beitragen. Schon einmal hat der Kaiser den Thronfolger mit feiner Vertretung bei den Delegationen beauftragt, und es be­steht die Wahrscheinlichkeit, daß Erzherzog Franz Fer­dinand auch diesmal wieder in Budapest erscheinen wird.

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Das Dienstalter der preußischen Minister.

Der soeben erfolgte Wechsel im preußischen Mini­sterium des Innern läßt die Frage nach dem Dienst­alter der preußischen Minister nicht ohne Interesse er­scheinen. Den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht bildet im preußischen Staatsministerium immer noch der Staatssekretär des Reichsmarineamts Großadmiral von Tirpitz. Keiner seiner Ministerkollegen hat ein solches Dienstalter aufzuweisen, wie der verdienstvolle Organi­sator der deutschen Flotte. Seine Ernennung zürn Staatsminister geht auf den 28. März 1898 zurück. Ad­miral von Tirpitz ist somit dem Dienstalter nach un­bedingt der älteste Minister. An zweiter Stelle folgt der Präsident des Staatsministeriums Reichskanzler v.

Täuschender Schein.

Original-Roman von Ludwig B l ü m ck e.

26) (Nachdruck verboten.)

Jedenfalls wollte, so vermutete er stark, der schlaue Fuchs ihm irgend eine auf die Jagd bezügliche Mit­teilung machen, um sich ein Trinkgeld zu verdienen.

„Na Sommerbrod, so schieße er los," sagte Udo denn, als he drinnen waren und er sich auf einen Sesfel geworfen hatte. „Kann er mir augeben, wo der Sechs- zehuender herüberwechselt diesen Abend, oder was ist's?"

„Herr von Schultental, ich komme in ganz anderer Angelegenheit. Wir sind doch wohl ohne Zeugen?"

„Aber natürlich! Sie sehen doch, daß außer uns nie- mand hier ist. Also los, endlich!"

. , "AA^öchteSie um einen kleinen Gegendienst bit- ^ d^ Kutscher mit gedämpfter

^ ^^e lort doch laut genug, daß Agathe Rehfeld, die aufmerksam lauschend, das Ohr an's Schlüsselloch ge- konnte.. "Es geht mir schlecht zur Zeit. Ich verliere zu Neujahr, da unser Oberförster

Eine Stellung und sitze mit acht

NlEzn^Ihnen,^"^rkommen da. Nur deswegen komme

wagt Er mich aufzuhalten?!

Meine 3eit ist kostbar! Schere Er sich zum Teufel' Was gehell mich Seine acht Göhren an? Hier ist keine Stelle k slOstr£ ^ es auch, dann dankte ich doch schön für Kutscher Sommerbrods treue Dienste." J

„Herr von Schultental, Sie werden sofort anders urteilen. Beleidigen Lie mich gefälligst nicht, ich könnte mich schwer an Ihnen rächen. Ich weiß nämlich, wer auf den Herrn Oberförster geschossen hat, ich weiß, daß Roland unschuldig ist."

Wäre eine Bombe unversehens im Zimmer geplatzt, so hätte die Wirkung auf Udo nicht erschütternder, schrek-

Bethmaun-Hollweg. geht Patent als StaatSminister ist vom 21. März 19W datiert, verschafft ihm also das An­recht auf den zweiten Platz, soweit das Dienstalter in Frage kommt.

Der drittälteste im Dienste ist sodann der Staats­sekretär des Innern Dr. Delbrück. Er führt fein Amt seit dem 19. Oktober 1905. Wenig später wurde Dr. Beseler zur Leitung des Justizministeriums berufen, der mit einem Patent vom 20. November 1905 im Dienstalter an vierter Stelle rangiert. Der fünfte Platz gebührt dem Minister der öffentlichen Arbeiten, von Breitenbach, des­sen Patent das Datum des 17. Mai 1906 trägt. Mit dem Kultusminister Dr. von Trott zu Solz beginnt sodann die Reihe der dem Dienstalter nach jüngeren und jüng­sten Mitglieder des preußischen Staatsministeriums. Der Kultusminister sowohl wie der Hanöelsmintster Dr. Sydow gehören laut Patent seit dem 14. Juli 1909 dem Staatsministerium an. Der soeben zum Statthalter von Elsatz-Lothringen ernannte bisherige Minister des In­nern v. Dallwitz hätte am 18. Juni auf ein vierjähriges Dienstalter als preußischer Minister zurückblicken können, da er am gleichen Tage des Jahres 1910 gemeinsam mit seinem Kollegen von der Landwirtschaft, Freiherrn v. Schorlemer-Lreser, das Patent als Staatsminister erhielt.

Der Leiter des Finanzministeriums, Dr. Lenze, ist ebenfalls zu den dienstjüngsten Ministern zu rechnen, da sein Patent auf den 28. Juni 1910 lautet. Bislang war als „Jüngster" in der Reihe preußischer Minister der Kriegsminister v. Falkenhayn anzuseheu, dessen Patent vom 5. Juli 1913 lautet. Er hat nun in Herrn v. Loebell einen noch jüngeren Kollegen gefunden, der somit, was das Dienstalter anlangt, als der „Benjamin" der preußi­schen Minister bezeichnet werden kann.

Politische Rundschau.

Besuch des Kronprinzen in Braunschweig. Der Kronprinz hat sich, wie die „Tägl. Rundschau" meldet, entschlossen, mit seiner Gemahlin den in den ersten Mai­tagen in Braunschweig stattfindenden Tauffeierlichkeiten des jüngsten Welfensprosses persönlich beizuwohnen. Der Kronprinz will damit zum Ausdruck bringen, daß jeder Gegensatz zwischen ihm und dem derzeitig regierenden Welfenfürsten verschwunden ist.

Noch 380 000 Veteranen. Nach amtlichen Berechnun­gen wird die Zahl der am 1. April 1914 noch lebenden Kriegsteilnehmer auf etwa 380 000 geschätzt. Davon sind auf Grund der Versorgnngsgesetze abgefunden oder be­ziehen Geldunterstützungen etwa 34 OÖO, sodaß für die Kriegsteilnehmerbeihilfen noch rund 346 000 in Frage kommen. Am 1. März 1914 wurden die Beihilfen von 263 354 Veteranen bezogen, also von rund 76 v. H. aller in Betracht kommenden Anwärter.

Der Gesamtvorstand des Alldeutschen Verbandes hat in seiner Sitzung in Stuttgart einstimmig eine Entschlie­ßung angenommen, nach welcher seit dem Ende der Balkanknege keine Entspannung eingetreten sei, viel­mehr die Lage in Europa durch die außerordentlichen Rüstungen Frankreichs und Rußlands, durch die deutsch­feindliche Stimmung maßgebender Schichten in beiden Nachbarstaaten und durch unfreundliche Handlungen ihrer Regierungen verschärft worden sei. Der Vorstand ziehe aus all diesen Vorgängen den Schluß, daß Frank­reich und Rußland den entscheidenden Kampf gegen das Deutsche Reich und Oesterreich-Ungarn vorbereiten und daß beide loszuscblagen beabsichtigen würden, sobald sie die Gelegenheit für günstig hielten. Der Vorstand er­achtet es deshalb für die dringendste Aufgabe der Re­gierung, jede, auch die kleinste Lücke in unserer militäri­schen Rüstung unverzüglich zu schließen, insonderheit un­gesäumt für völlige rastlose Durchführung der allgemei­nen Wehrpflicht zu sorgen.

Das Abendbulletin über das Befinden des Kaisers Franz Josef am Montag lautet: Die Erscheinungen des in den kleinsten Luftröhrenenöen des rechten Lungen- oberlappens vorhandenen Katarrhs erweisen sich heute geringer als gestern, ebenso die fieberhafte Temperatur- steigerung. Der Puls ist langsamer. Appetit und Kräftezustand haben sich wesentlich gehoben. Der Hustenreiz ist noch vorhanden.

Der Abbruch der Beziehungen zwischen Amerika nnd Mexiko. Der amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen Bryan gab den fremden Regierungen in einer Note den Abbruch der Beziehungen zwischen Mexiko und den Bereinigten Staaten bekannt. Die militärischen Rüstungen werden eifrig fortgesetzt. Das Kriegsdepartement setzte alle Offiziere davon in Kennt­nis, daß sie sich für den Dienst im Auslande bereitzu­halten hätten.

Kleine üacfirldifen.

Die Oeffnung des Testaments des Kardinals Dr. von Kopp ergab, daß der Verblichene ein Privatvermö- gen von sieben Millionen Mark besaß. Als Universal-

kenlähmender sein können, als diese wenigen Worte es waren. Seine Arme sanken schlaff herunter, das Gesicht wurde aschfahl, die Augen quollen aus ihren Höhlen und der Mund stammelte nur: „Er — ist — von Sinnen, Mensch! Was — soll das?" —

Aber unbeirrt fuhr der Kutscher mit höhnischem Grinsen fort: „Ja, nun erschrecken Sie, mein Herr. Sie sehen, daß ich Sie in meiner Hand habe. Bleiben Sie ruhig sitzen und nehmen Sie ja keine drohende Haltung an. Ich brauche nur laut zu reden, dann ist Johann zur Stelle. Er steht vor der Tür. Ich habe so wichtige Beweisstücke in meinen Händen, daß ich Sie auf der Stelle in's Gefängnis bringen könnte. Sehen Sie nur mal hier diesen grünen Flecken aus Ihrem Umhang. Aber bleiben Sie sitzen, bleiben Sie mir drei Schritte vom Leibe!

Das Ding fand ich am Dornenbusch an der Grenze am nächsten Morgen. Ferner besitze ich — das log er — „genaue Matze von Ihren Fußspuren. Ja, sogar das Geschoß aus dein Kugelrohr Ihres neuen Drillings be­findet sich in meinem Besitz. Ich zog es aus dem Baum, der hinter dem Wachholderbusch steht, der dem Ober­förster als Deckung diente."

„Sommerbrod — um des Himmelswillen sprechen Sie nicht so laut! Meine Mutter könnte es hören. Ich habe mit der Sache nichts zu tun, ich kann klipp und klar beweisen, daß ich an jenem Abend wegen eines heftigen Unwohlseins still zu Bette lag, aber der Ver­dacht allein wäre mir meiner Herzleidenden alten Mutter wegen furchtbar unangenehm. Darum halten Sie den Mund. Geben Sie mir den Fetzen her. Wenn der von meinem Umhang stammen sollte, dann muß ihn der Wind nach dem Großherzoglichen Revier geweht haben.

Wo ist das Geschoß? Mit solchen Dingen schießt heute schon mancher, Roland natürlich auch."

„Nein, nein, mein Herr, Roland nicht; niemand außer Ihnen und dem Herrn Oberförster. Ich gebe

erbe ist das Domkapitel eingesetzt. Außerdem erhalten Beamte und Bedienstete im Domkapitel Legate und Gra, tiftkationen.

Die Affäre Pegoud ist in juristischer Beziehung nunmehr erledigt. Der besonnte Sturzflieger nimmt den Apparat, den er dem Italiener Dal Mistro verkauft hatte, zurück und erstattet den Kaufpreis von 19 000 Lire sowie 36 000 Lire als Kosten- und Schadenersatz. Dal Mistro zieht die Klage gegen Pegoud zurück.

Todessturz eines Obersten vom Pferde. Der Oberst der Artillerie-Prüfungskommission Anton erlitt Montag früh bei einem Ausritt im Berliner Tiergarten einen Herzschlag und sank bewußtlos vom Pferde. Er starb kurz nach seiner Einlieferung auf der Unfallstation des Zoologischen Gartens.

Sturz eines Turners, der zum Tode führte. Im akademischen Krankenhause in Heidelberg starb der 22 Jahre alte Turnwart Heinrich Schuster aus Hüttenfeld bei Lampertheim, der in der vorigen Woche vom Reck fiel und schwere innere Verletzungen davongetragen hatte.

Ein Streckenwärter im Dienste ermordet. In der Nacht zum Sonntag wurde der Streckenwärter Bmtuer, dem der Dienst an der Eiseubahubrücke zu Frankfurt a. Oder obliegt, ermordet aufgefunden. Von der Station aus bemerkte man die Tat, als der Beamte in seinem Blockhaus auf mehrfaches Klingeln keine Antwort gab. Der Ermordete war kürzlich in einem Prozeß vor der Frankfurter Strafkammer Hauotzeuge Legen einen Wil­derer.

Die spionverdächtigen Franzosen frelgelassen. Die am Dienstag bei Neubreisach wegen Spionageverdachts verhafteten drei französischen Touristen sind am Sonn­abend wieder aus der Haft entlassen worden.

Nach dem Genuß von Rindfleisch erkrankten am Sonnabend und Sonntag in Leipzig etwa 70 Personen, von denen sich jedoch die meisten auf dem Wege der Besserung befinoen. Nach Mitteilung des Gesundheits- amts ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Erkran­kungen auf den Genuß des Fleisches einer notgeschlach­teten Kuh zurückzuführen sind, deren Stücke jedoch vor­schriftsmäßig abgestempelt worden waren.

Gericht und Recht«

Buchmacher und Gendarmen. Die Beweisaufnahme in dem Bestechungsprozeß gegen die Gendarmeriewacht- meister Hanberg, Suckland und Erxleben vor dem Kriegsgericht in Berlin erbrachte eine Reihe von Einzel­heiten, die interessante Streiflichter auf die Zustände im Buchmachergewerbe zu werfen geeignet sind. Die als Zeugen geladenen Buchmacher waren in ihren Aussagen mehr als vorsichtig. Sie erklärten ziemlich übereinstim­mend, daß sie sich auf die angeblichen Geschenke an die Wachtmeister nicht mehr erinnern könnten, und begrün­deten das damit, daß sie an großer Nervosität litten, der Berufskrankheit der Buchmacher. Einige von ihnen gaben offen zu, daß sie 40 und 50, ja 100 Mal wegen Aus­übung des Buchmachergewerbes bestraft worden seien, einer will sogar mehrere Tausend Mark Strafe gezahlt haben. Die Verurteilungen erfolgten meist wegen Haus­friedensbruchs, da den Buchmachern nach einer Bestra­fung das Wiederbetreten der Rennplätze verboten wird. Der Vorsitzende des Gerichtshofes machte am Schluß des letzten Verhandlungstages die Mitteilung, ihm sei die Nachricht zugegangen, die Buchmacher hätten eine Ver­sammlung in einem Cafee in der Königsstadt abgehalten und einmütig beschlossen, die Aussagen in bem weiteren Verlauf des Prozesses zu verweigern. OberwachtmeiM'r Heinemann, der den Aufsichtsdienst in Hoppegarten hatte, nahm bei seiner Zeugenvernehmung Anlaß, sich dagegen zu verwahren, daß alle Gendarmen auf der Rennbahn sich nach irgend einer Richtung hin vergangen hätten. Die Mehrzahl der Beamten sei durchaus pflichttreu. Be­züglich des Oberwachtmeisters Heinemann erklärte ein Buchmacher als Zeuge: Wenn Heinemann kam, dann flüchteten alle Buchmacher. Ein anderer Buchmacher gab selbst zu, daß das Buchmachergewerbe nur von der Hefe des Volkes ausgeübt werde, und hatte auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb er es denn betreibe, nur die er­staunte Gegenfrage' Wovon soll ich sonst leben?

Der neue deutsche özeunriese.

„Vaterland" in die Front.

Am 14. Mai wird es in Hamburg Ereignis gewor­den sein. Ein neues Buch in der Geschichte nationäldeut- scher Schiffahrt wird aufgeschlagen, ein neues Blatt im ruhmreichen, wogenöurckrauschten Seeschifferarchiv der alten, deutschen Hansestadt Hamburg. Der Hapag jüng­stes und gewaltigstes Rieseukind wird feine erste Ozean- fahrt antreten. Von Festland zu Festland hat in neun glänzenden Reisen der „Imperator", noch vor kurzem das prachtvollste Wunderwerk deutscher Schiffsbaukunst, die Alte mit der Neuen Welt verbunden und dabei spie-

nichts heraus. Kommen Sie mir nicht zu nahe! Ich will den Mund halten, wenn Sie mir dreitausend Mark Schweigegeld geben wollen. Sie sollen dann für immer Ruhe vor mir haben, denn ich würde in's Ausland ziehen. Besinnen Sie sich also nicht. Sind Sie nicht bereit, mir das Geld zu geben, so gehe ich zu Fräulein Roland und verlange das Doppelte von ihr. Sie wird es mir ohne weiteres geben, wenn ich ihr verspreche, dafür ihres Vaters Ehre zu retten, daß er wieder zurückkehren kann."

Er zog seine Uhr. „Drei Minuten Bedenkzeit, keine Sekunde länger, sage ich."

Udo perlte der Angstschweiß aus allen Poren. In einer so fatalen Lage hatte er sich noch nie in seinem bewegten Leben befunden. Wie sollte er sich verhalten? Sollte er sich auf Gnade und Ungnade ergeben oder —? Aber es ging ja gar nicht anders, es gab ja doch keinen Ausweg. Sich mit schlotternden Gliedern erhebend, stöhnte er, nachdem der Kutscher seine Uhr fortgesteckt und Lust zu verspüren schien, sich zu entfernen: „Som- merbrod, es ist wahrhaftig nur, um meiner Mutter die , Aufregung zu ersparen, Sie sollen 1000 Mark bekommen. Warten Sie — ich —"

„Dreitausend Mark verlange ich, nicht einen Pfennig weniger."

„Nun gut, 3000 Mark. Aber ich besitze kein Geld nn Hause, kann meine Mutter darum zu einem so un­gewöhnlichen Termin auch nicht angehen. Sie müssen sich also gedulden."

„Nicht länger als drei Tage, mein Herr. Sie brauch­ten sich das Geld ja nur aus der Wirtschaitskasse zu nehmen. Verkaufen Sie doch ein paar Stück Vieh, ein Reitpferd."

„Mensch — Sie besitzen eine beispiellose Unverschämt­heit. Ich bin außerstande, Ihnen in drei Tagen eine so hohe Summe, ohne Verdacht zu erregen, auszuzahlen. Es trifft sich eben gerade besonders ungünstig. Müßte mir das Geld erst borgen." (Forts, folgt.)