Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 93.
Mittwoch, den 22. April
1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat.
Sitzung der Stadtverordneten.
):( Hersfeld, 21. April.
Im Rathaussaale fand gestern nachmittag 4 Uhr eine Stadtverordnetensitzung statt, zu welcher 20 Herren erschienen waren. Außerdem nahmen Herr Bürgermeister Strauß, sowie Herr Beigeordneter Schimmelpfeng und die Herren Magistratsmitglieder H i r sch b e r g er und Roll an der Sitzung teil. — Gegen die im März stattgefundenen Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung war kein
Einspruch erhoben worden, so daß die Versammlung die Gültigkeit der Wahlen aussprach. Die neugewählten Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, die Herren Bauunternehmer Alfred Wölbing, Rechtsanwalt und Notar Schafft, Gerichtsvollzieher B e ck e r und Magazinverwalter Böttcher, wurden hierauf durch Herrn Stadtverordnetenvorsteher Becker begrüßt und willkommen geheißen. An Eidesstatt wurden die betreffenden Herren mittelst Handschlags
n Eidesstatt
verpflichtet.
Als Abgeordneter zu dem in Arolsen statt- findenden
Hessischen Städtetag wurde außer Herrn Stadtverordnetenvorsteher Becker Herr Fabrikant Alex Rehn gewählt. — Zur Deckung verschiedener außerordentlicher Ausgaben ist die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 72 800 Mark nötig, die bei der hiesigen städtischen Sparkasse ausgenommen und mit 4"/» verzinst und 212°/o getilgt werden soll. Die Stadtverordneten gaben hierzu ihre Zustimmung.
Die
Rechnung der Armenkasse für 1912 war geprüft worden und hatte zu Beanstandungen keine Veranlassung gegeben. Der Zuschuß der Stadtkasse hatte anstatt der etatsmäßig vorgesehenen Summe von 10 000 Mk. nur 7 782 Mk. betragen, was als ein Zeichen zunehmenden Wohlstandes auch in den ärmeren Kreisen unserer Bevölkerung zu betrachten ist. Die Rechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 11089 Mk. ab. Dem Rechnungsführer wurde Entlastung erteilt.
Die
Rechnung der Stadtkasse für 1912
war ebenfalls durch eine Kommission geprüft worden, die nichts zu erinnern gefunden hatte. Die Einnahmen betrugen 1487037,56 Mk. und die Ausgaben 1467299,24 Mk., so daß ein Kassenbestand von 19738,82 Mk. verblieb. Dem Rechnungsführer wurde Entlastung erteilt.
Auf Antrag von Interessenten war um Ein- legung der
Wasserleitung in die Hombergerstraße bis zu einem hinter der Grimmmühle errichteten Neubau gebeten worden. Nach eingehender Besprechung der Sache kamen die Stadtverordneten zu dem Entschlüsse, die Wasserleitung sofort bis zum Eingang in den Jägersgraben zu legen und bewilligten hierzu die erforderlichen Kosten.
. .In dem städtischen Wagehause, in dem seither die katholische Schule untergebracht war, soll das erste Stockwerk zur
Unterbringung von städtischen Geschäftszimmern ^^erichtet werden, und zwar sollen das Bauamt, ^?"^Eretarrat und das Vermessungsamt dorthin OiJrH^ Die erforderlichen Kosten betragen
5 . ' ri^3 .Herr Stadtverordneter Ludwig . ipEst sich gegen eine weitere Ver- n6 ;der GeIchaftsziimner aus und will dieselben ^vE^ zentralifwrt haben, wozu er das früher Munstermann jche Haus als sehr geeignet bezeichnet, etraub erklärt hierzu, daß der Magistrat die Raume in dem städtischen Wagehause deshalb genommen habe, weil diese Räume frei geworden waren, während die Wohnungen im Munstermann schen Hause gut vermietet sind. Die im Zickendraht'schen Hause untergebrachten ^chaftszimmer jollenwieder in das Rathaus zurück- werden, so daß eine weitere Auseinander- LEßung der Geschäftszimmer nicht stattfinde. Herr * tritt nochmals dafür ein alle Büros, Rathaus nicht.untergebracht werden können, sn,.^5»^^^rmann'fche Haus zu verlegen, was be- i.ur das Polizeiamt von großer Wichtigkeit roetl^terbui^ dasselbe näher zur Polizeiwache x? .^.Meldeamt komme. Herr Lorenz Mohr Mleßt gch dreserr Ausführungen ebenfalls an, ebenso a n r e l S t e r n. Schließlich wurde der Betrag sur Errichtung der Räume in dem städtischen Wage-
Hause bewilligt und gleichzeitig beschlossen, an den Magistrat das Ersuchen zu richten,das Münstermann'sche Haus daraufhin prüfen zu lassen, ob es sich für Verlegung der Büros eignet. — Zum
Anbau eines Flügels an das Kriegsschulgebäude ist die Summe von 80000 Mark nötig, die bei der hiesigen Sparkasse geliehen werden soll. Die Versammlung gab hierzu ihre Zustimmuug. Herr Vorsteher Becker teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß der Militärfiskus den Mietsvertrag bis zum Jahre 1946 verlängert habe.
Es folgte dann noch eine Reihe kleinerer Vorlagen.
Für Jnstandsetzungsarbeiten im Auguste Viktoria Haus wurde auf Antrag des Vaterländischen Frauen- vereins ein Zuschuß bewilligt. — Eine kleine Abänderung der Fluchtlinie am Hopfengarten fand ebenfalls die Zustimmung der Versammlung. — Weiter wurde ein Betrag von 130 Mark zur Reparatur an dem Abortgebäude der Kriegsschule bewilligt. —
Hiermit war die eigentliche Tagesordnung erledigt. Herr Lorenz Mohr regte dann noch an, den Magistrat zu ersuchen, die volle Wertzuwachssteuer für die Stadt zu erheben. Hierüber entspann sich eine recht lebhafte Debatte, in der verschiedene Ansichten zu tage traten.
Weiter regte Herr Löwer an, den Rathausplatz am Rainchen instand zu setzen und in dem jetzigen Zustande nicht mehr länger liegen zu lassen. Herr Gerichtsvollzieher Becker trat dieser Anregung ebenfalls bei, dabei der Meinung Ausdruck gebend, daß ein P^ mtmann einen Platz in solchem Zustande nicht liegen lassen dürfte. Herr Bürgermeister Strauß teilte betreffs Bebauung des Platzes mit, daß die Angelegenheit augenblicklich ruhe. Es seien eine Reihe von Gutachten eingegangen, auch wären Deputationen vorn Bund für Heimatschutz und anderen hier gewesen, desgleichen der Bezirkskonservator von Marburg, um Einsicht in das Projekt zu nehmen. Herr Lorenz Mohr ist der Meinung, daß gleichzeitig mit dem Bau der Straße die Herrichtung des Platzes verbunden werden könne. Auch Herr Alex Rehn bemängelt das unschöne Aussehen des Platzes, besonders da im Juli d. Js. zahlreiche Fremde hierherkommen würden, und ersucht um eine freundlichere Gestaltung, bis die Bebauungsfrage gelöst werden könne. Dieser Ansicht schließt sich die Versammlung an und ersucht um Herrichtung des Platzes. — Hiermit wurde die öffentliche Sitzung geschlossen und es fand eine vertrauliche Beratung statt.
):( Hersfeld, 21. April. In schwer verletztem Z u st a n d e wurde gestern ein Arbeiter aus Hedders- dori in das hiesige Landkrankenhaus eingeliefert, welcher in der dortigen Dampfziegelei verunglückt war. Der Mann war unter einstürzenden Lehmmassen begraben worden. Bald nach der Einlieferung in das Krankenhaus verstarb der Verunglückte.
):( Hersfeld, 21. April. Infolge der bis jetzt vorliegenden außerordentlich zahlreichen Anmeldungen zu der anfangs Juli hier stattfindeuden B e z i r ks t r e r- schau ist der vorgesehene Platz am Weerd mcht ausreichend. Es fand daher gestern nochmals eine genaue Ortsbesichtigung statt, deren Ergebnis ist, daß beabsichtigt wird, die V ie ha u sste llu n g je nict tS der Fulda auf der großen Wiefe der Domäne Bm- gartes unterzubringen. Auf dem Weerd selbst werden die Maschinenhalle und die Vergnugungszelte zur Aufstellung gelangen. Beide Plätze werden durch eine Brücke, die Agens für die Zeit des Festes geschlagen wird, verbunden. — Nunmehr hat sich auch der Haupt- ausschuß damit einverstanden erk art, daß der Fest- z u g am Sonntag den 5 Juli und nicht wie erst beabsichtigt war, am Sonnabend stattsindet.
Schnellrode, 19. April. An einem Abend der vorigen Woche gerieten in der Wirtschaft einige ältere Leute wegen Gemeindeangelegenheiten in Streit, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Brerglajer und Flaschen dienten als Waffen. Der Landwirt K wurde so arg zugerichtet, daß an demjelben Abend noch zwei Aerzte herbeigerufen werden mußten. Ern gerichtliches Nachspiel wird die Folge lein.
Vockerode bei Spangenberg, 19. April. In unserem Nachbardorfe Wickersrode ereignete sich dreier Tage ein beklagenswerter Unfall. Ein fahriger Knabe stach sich beim Pfeisenmachen mit dem Meper w unglücklich ins Auge, daß dasjelbe auslies Der Knabe wurde dem Landkrankenhause zugesuhrt.
Obervellmar, 20. April. Zwei Jungen im Alter von 18 und 14 Jahren vergnügten sich heute, indem sie mit einem Tesching Schießvermche machten. Dabei handhabte der 14jährige Knabe die Schußwaffe so leichtsinnig, daß er seinem Spielgefährten ein Auge ausschoß.
Bon der Lahn, 17. April. Beim Besteigen des
Koffelsteins, eines Felsens zwischen 'Braubach und Oberlahnstein, stürzte heute vormittags ein lßjähriger Gymnasiast aus Frankfurt a. M., der iu Koblenz 311 Besuch weilte, ab und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
Cassel, 20. April. Wie bereits gemeldet, war am Sonnabend vormittag auf dem Flugplatz bei Waldau ein Doppeldecker von der Flngstativn Darmstadt unter Führung des Unteroffiziers Schlichting gelandet. Wie aus Gießen gemeldet wird, stürzte am Sonntag der Aviatik-Doppeldecker der Flugstation Darmstadt auf dem Rückwege von Cassel nach Darmstadt im Schisfen- berger Tal ab und wurde vollständig zertrümmert. Der Führer, Unteroffizier Schlichting, erlitt nur leichte^ Hautabschürfungen.
Witzenhausen, 21. April. Am Weinberge vergnügte sich gestern gegen abend eine Anzahl Kinder beim Spiel. Plötzlich fiel ein Schuß. Der 3jährige Sohn eines Arbeiters wurde am Kopf von einer Kugel getroffen und war sofort tot. Es gelang bisher noch nicht, festzustellen, von wem der Schuß ab- gegebeu wurde.
Ohrdruf, 20. April. Voraussichtlich wird in diesem Jahre der Kaiser den neuen Truppenübungsplatz, der nunmehr in seiner Anlage ziemlich fertiggestellt ist, vor den Kaisermanövern besichtigen. Im vorigen Jahre war die Besichtigung des Truppenübungsplatzes in letzter Stunde aufgegeben worden. Auf dem Truppenübungsplätze wird in den kommenden Monaten ein reges militärisches Leben heA' ■ en. In der Zeit voiu 29. April bis zum v. Mai werden die Infanterie Regimenter Nr. 71 lSondersbausen und Erfurt) und Nr! 95 (Gotha, Koburg und Hildburghausen) dort ihre Brigadeübungen abhalten. Vorn 22. Juli bis zum 4. August wird daselbst eine große Uebung derSanitäts- kompagnie des 11. Armeekorps verunstaltet.
Wiesbaden, 20. April. Als der Arbeiter Marck aus Geisenheim sich vor der Zeit durch ein Fenster aus der chemischen Fabrik entfernen wollte, stürzte er in einen Bottich, der 50 Zentimeter hoch mit Schwefelsäure gefüllt war. Ehe auf seine Hilferufe Arbeiter hinzueilten, hatte er schon so starke Brandwunden davongetragen, daß er starb. Marck hatte erst vor 4 Tagen geheiratet.
Hanau, 18. April. Ein Vater mit feinem Sohne verbüßen im Zuchthaus zu Wehlheiden eine längere Strafe wegen Meineids. Nun erschien vor einiger Zeit bei der Frau und Mutter der Inhaftierten in Anfenau ein Mann, der angab, Gefangenenaufseher der Strafanstalt Wehlheiden zu sein und Grüße der Angehörigen überbrachte. Er bemerkte hierbei, daß er Mann und Sohn manche Erleichterungen verschaffen könne und die Frau solle ihm nur ruhig mitgeben, was sie für gut hält. Selbstverständlich war die Frau hierzu bereit und gab dem Aufseher einen Korb voll Eßwaren mit. Bald darauf kam bei der Frau ein Koffer an, den sie mit 17 Mark einlösen sollte. Die Sache erschien ihr verdächtig, sie verweigerte die Annahme des Koffers, erstattete Anzeige und bald hatte man den Schwindler entdeckt in der Person eines vielfach vorbestraften Gelegenheitsarbeiters aus Hanau, der in Haft genommen wurde.
Coburg, 20. April. Das Automobil des Möb^l- fabrikanten Kämmerer aus Gotha, das von dem Besitzer selbst gesteuert wurde, fuhr gestern abend auf der Fahrt nach Gotha kurz vor Wiesenfeld bei einer scharfen Kurve gegen einen Baum, der umgeworfen wurde. Der mit sechs Personen besetzte Wagen über- schlug sich und stürzte die Böschung hinab. Vier Personen wurden verletzt, davon eine schwer. Die Verletzten wurden im Sanitätsautomobil und Sanitätswagen nach Coburg gebracht, zwei davon wurden in das Krankenhaus eingeliefert und zwar ein gewisser Bähr und ein gewisser Kalb aus Gotha. Das Automobil, das erst seine zweite Fahrt machte, wurde stark beschädigt.
Eisenach, 20. April. Abermals ist hier ein Riesentonkurs ausgebrochen und zwar über das Vermögen des Fabrikbesitzers Otto Kettembeil, des Besitzers der hiesigen Kork-Fußboden- und Estrichfabriken. Die Firma, die anfänglich ein fehr flottes Geschäft auf- zuweisen hatte, konnte feit 14 Tagen die Lohnzahlungen nicht mehr erfüllen und zwar wegen der Ueber- schuldungen. Schon seit einem halben Jahre war der voraussichtliche Zusammenbruch der Firma bekannt. Das Zweiggeschäft der Firma befindet sich in Düsseldorf. Der Konkurs wurde auf das Betreiben der Gläubiger eröffnet. Die Höhe der passiven ist recht bedeutend, jedoch noch nicht genau bekannt. Kettembeil galt als ein sehr reicher Mann. Der Konkurs soll durch bedeutende Geschäftsverluste entstanden sein.
Wetteraussichten für Mittwoch den 22. April.
Meist heiter, trocken, warm, schwache Luftbewegung, Gewitterneigung.