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Deutschland in der Aviatik voran.

Der Segen der Nationalflugspende.

Was das letzte Vierteljahr 1913 erhoffen ließ,..hat das erste Quartal 1914 zur Tatsache werden. laßen: Deutschland hat sich die erste Stelle in der Aviatik er- overr! Das beweisen nicht nur die Leistungen unserer Flieger, das erkennen andere Staaten offen an. »elbü einige französische Zeitungen haben den Mut gehabt, zu schreiben, daß die deutsche Aviatik der französuchen über- "legen sei. Und das will viel sagen. Ja, es ist die größte Anerkennung, die unseren Flugpiloten ausgesprochen wurde. Man bedenke: noch im Sommer 1913, als Bnu- dejonc seinen Europaflug ausfirbrte, lächelten die Fran­zosen über die deutschen Fliegerleistungen,- noch im De­zember, als Legagneux mit 6100 Metereinen neuen Hö- henweltrekorö aufstellte, triumphierten sie: Das sind wir! Und kaum drei Monate später fordern sie ihre Flieger auf, die deutschen Höchstleistungen zu uberbieten, bestellt die französische Regierung deutsche Fluamotore, erkennen gallische Fachzeitschriften und Tageszeitungen die Ueber- legenüeit der deutschen Aviatik an! _ ...

Schwerfällig, aber gründlich, wie der Deutsche ist, ging er auch in der Aviatik aus Werk. Er ließ sich nicht einschüchtern durch das mitleidige Lächeln der westlichen Nachbarn, kam nicht aus der Ruhe, als jenseits der Vo- gesen eine Höchstleistung die andere jagte. Fast schien es jedoch, das deutsche Kapital sei zu schwerfällig. Da kam die Nationalflugspende. Ihr günstiges Ergebnis und die praktische Verwendung brachten den deutschen Fliegern den Ansporn zu besonderen Leistungen. We­nige Monate haben genügt, und die wichtigsten Rekorde gingen in deutsche Hände über. ' .

Bis zum 81. März 1914 stellten nch die Hochitlei- stungen wie folgt: Linnekogel im Alleinflug 6300 Me­ter Höhe, Linnekogel mit einem Passagier 5500 Meter Höhe, Thelen mit drei Passagieren 2750 Meter Höhe, V. Stöffler im Alleinslug (24 Stunden) 2078 Kilometer, Jngold im Alleinflug (Ueberland) ohne Zwischenlan­dung 1700 Kilometer, Langer im Alleinflug Dauer 15 Stunden 7 Min. , ...

Alle Höchstleistungen in diesen Konkurrenzen, die bisher von Franzosen gehalten wurden, gingen inner­halb weniger Monate in deutschen Besitz über. Wenn es auch im Monakosternflug nicht gelang, den Sieg in deutschen Besitz zu bringen, so hat der deutsche Flieger Hirth doch mit seinen glänzenden Flugleistungen eben­falls dem deutschen Namen höchste Ehre gemacht. Nur ein Mißgeschick, wie es alle Tage möglich ist, schaltete ihn mit seinen vorzüglichen Aussichten aus. Nun gilt es, diese glänzenden Leistungen durch neue zu überbie- ten. Die Franzosen werden alles daransetzen, um Deutschland von der Spitze in der Aviatik zu verdrän­gen. Diese Konkurrenz dürfte interessante Kämpfe und hervorragende Leistungen bringen. Französischer Ehr­geiz wird mit ernstem deutschen Streben ringen.

Wie schon erwähnt, hat die Nationalflugspende ganz erheblich dazu beigetragen, daß unsere Flieger und Flug- zeugfabrikanten aus der Reserve heraustreten konnten. Deutsche Flieger sprechen auf internationalen Wettbe­werben ein gewichtiges Wort mit. Unsere Flugzeugin­dustrie ist in vollem Aufblühen begriffen. Bereits haben ausländische Staaten deutschen Fabriken größere Liefe­rungsaufträge gegeben. Das sind die Zinsen aus den Kapitalien der Nationalflugspende. Jetzt, wo die Gelder der Flugspende bis auf eine geringe Summe erschöpft sind, müßten die Flugzeugindnstriellen die Flieger nir neue, große Leistungen angemessen belohnen. Unsere Flugzeugführer werden zeigen, daß diese Belohnung weitere Zinsen bringt. Adolf Abter.

Unsere überseeischen Erfolge.

Auf deutscher Tüchtigkeit begründet.

Der außerordentlich freundliche und herzliche Ver­lauf des Besuches des Prinzen Heinrich in Rio de Ja- neiro, Buenos Aires, Montevideo, Valparaiso und San­tiago ist sicherlich nichts weiter als ein allerdings bedeut­sames und erfreuliches Symptom eines bestehenden Zu­standes. Es ist bekannt, daß die auf Erziehung, Bildung und Blutmischung beruhenden geistigen Beziehungen der Völker des lateinischen Amerika früher im allgemeinen viel mehr nach Paris und allenfalls noch nach London als nach Berlin gravitiert haben. Es ist aber auch be­kannt, daß gerade in den letzten Jahrzehnten andere starke Faktoren dieser Neigung entgegen gewirkt und lebendige und fruchtbare Beziehungen zwischen eüb» Amerika und dem Deutschen Reich hergestellt haben.

Mit dem Steigen der eigenen geistigen Kultur hat man dort die Arbeit der deutschen Forscher von Alexan­der von Humboldt an anerkennen und schätzen gelernt; man hat deutsche Offizere an der Arbeit gesehen und die Früchte ihrer hingebenden und selbstlosen Tätigkeit am eigenen Leibe verspürt; man hat in den Hafenstädten Woche für Woche die herrlichen deutschen Schiffe vor Augen, die ihresgleichen in der Welt nicht haben, und

Tauschender Schein.

Original-Roman von Ludwig B l ü m ck e.

24) (Nachdruck verboten.)

„Ach — mein liebes Fräulein," erwiderte er mit Pathos, „da verkennen Sie mich denn doch vollständig! Wenn Sie wüßten, wie ich mit Ihnen fühle und mit Ihnen das Unglück Ihres Vaters beklage! Wie gern hätte ich Ihnen längst schon meinen Rat und meine Hilfe angeboten, wenn es mir nur möglich gewesen wäre! Doch Sie gingen mir aus dem Wege, Ihr Haus war verschlossen, wenn ich es betreten wollte, die brum­mige Jnspektorsfrau wies mich ab wie einen Land­streicher.

Fräulein Agnes, fassen Sie doch Vertrauen zu mir. Ich will Ihnen gern helfen, und ich kann es."

Doch sie traute dem Mann mit den lauernden Blik- ken nicht, sie fürchtere ihn wie das Täubchen den Ha­bicht und ahnte, daß er ihr keinen Dienst ohne Lohn er» weisen würde. Darum wünschte sie sehnlichst, von ihm loL zu sein. Aber er hielt ihre Hand noch immer in der seinen und sprach, durch ihre Sprödigkeit gereizt, in weniger sanftem, einschmeichelndem Ton leise weiter: „Fräulein, ich kann nützen und schaden, helfen und ver­nichten, glauben Sie mir das auf mein Wort!

Niemand meint es ehrlicher mit Ihnen, als ich. Lassen Sie mich ganz offen gegen Sie sein, Agnes: Ich habe Sie von der ersten Minute unserer Begegnung ge­liebt wie noch kein weibliches Wesen vordem. Ich liebe Sie von ganzem Herzen und will Sie, mag auch alle Welt dagegen sein, zu meiner Gattin machen. Erschrecke;; Sie nicht, liebes Mädchen, es ist mir heiliger Ernst! Herrin von Schloß Heinrichswalde sollen Sie werden, Herrin über mich und alles, was mein ist."

Agnes hatte ihre Hand aus seiner Rechte;! befreit Bnd erwiderte furchtsam: „Herr von Schultental, so Wertvoll Ihr Antrag für mich armes Mädchen auch ist,

man hat gesäubert, daß auf den deutschen Kaufmann Ver­laß ist. Das alles hat zusammengewirkt, das Ansehen des deutschen Namens zu heben und dem deutschen Ge­schäft mit die erste Stelle in dem Wirtschaftsleben Süd- Amerikas zuzuweisen, soweit es auf Beziehungen zum Ausland beruht, und das, obwohl die Emrvanoerungs- verhältnisse an und für sich diesem deutschen Einflüsse nicht günstig sind.

Als treue Hüter ihrer heimischen Eigenart haben sich bekanntlich die deutschen Gemeinwesen insbesondere in Südbrasilren bewährt und erhalten, aber sie erfahren keine nennenswerte Ausdehnung mehr und die Ein­wanderung aus Deutschland weist in allen süöamerika- nischen Staaten recht bescheidene Zahlen auf. In Bue­nos Aires z. B. sind im Jahre 1912 über See etwa 350 000 Personen eingewandert, darunter waren aber nur etwa 4500 Deutsche, während die Zahl der einge- wanderten Spanier fast das Vierztgfache und die der Italiener fast das Zwanzigsache betrug. Aber der An­teil der deutschen Reederei an dieser Eurwanderung mit etwa 25 000 Einwanderern steht nur ein klein wenig hinter der italienischen zurück, obwohl den drei deut­schen Gesellschaften sieben italienische gegenüber stehen, und übertrifft den anderer Nationen ganz erheblich.

Und so ist es eben überall nur die deutsche Leistungs­fähigkeit und Tüchtigkeit, auf der unsere Beziehungen beruhen, und es kann ja auch nicht anders sein. Das wirtschaftliche Leben rechnet zumal in so ernster Zeit, wie sie gegenwärtig noch auf Südamerika lastet, nicht mit irgendwelchen Sentimentalitäten und mehr oder minder oberflächlichen Sympathien und Antipathien, sondern mit den harten Realitäten der kaufmännischen Welt.

Rückkehr der 99er nach Zobern.

In etwas ungewöhnlicher Form wird auf dem Um­wege über Zaberu die Meldung bestätigt, daß das 99. Infanterie-Regiment in seine alte Garnison zurückver­setzt ist. Das war nach den mannigfachen Gerüchten, die schon seit Wochen im Umlauf waren, zu erwarten. Wenn auch sicher diese Entscheidung der Militärbehörde nicht leicht geworden ist. Zabern ganz ohne Garnison zu las­sen, war schon aus ftrategücben Gründen unmöglich. Ein anderes Regiment aber dorthin zu legen, woran lange gedacht wurde, das Hütte so ausgesehen, als ob nachträglich doch dem Militär die Verantwortung für die Novemberunruhen zugeschoben werden sollte, und so blieb schließlich nur der eine Weg: Die Rückkehr des alten Regiments.

Dem Regiment selbst, das am 6. Dezember wie ein geschlagener Feind mit aufgerollten Fahnen die Stadt verlassen mußte, um auf den öden Truppenübungs- plützen unbehagliche Winterquartiere zu versehen, ist diese verspätete Genugtuung schon zu gönnen. Hvstent- lich ist damit endgültig der Schlußstrich unter ein Kapitel gezogen, das von kleinen Anfängen an unsere ganze innere Politik für Monate ausfüllte, und in seinen Folgewirkungen zu einer gründlichen Reform des gan­zen Verwaltungssystems in Elsatz-Lothringen geführt hat.

Politische Rundschau.

Eine Kabinettsorder des Kaisers erinnert an den 50jährigen Gedenktag der Erstürmung der Düppeler Schanzen und führt dazu weiter aus: Ein Werk von weltgeschichtlicher Bedeutung war vollbracht, für Preutzen eine neue Zeit angebrochen. Nach vielen Jahren der Schwäche war Preußen sich der in ihm ruhenden gewal­tigen Straft jetzt wieder bewußt geworden. Aus der Morgenröte der Lage von Düppel und Alsen ist nach schweren, blutigen Kämpfen als Siegespreis die lang­ersehnte Einigung Deutschlands erblüht, Kaiser und Reich erstanden. Heute allen denen meinen königlichen Dank zu verkünden, die vor einem halben Jahrhundert Leben und Blut für Preußens Größe und Ehre einge­setzt haben, ist meinem Herzen ein tiefempfundenes Be­dürfnis. Die Taten der Väter leben im Gedächtnis der Söhne und Enkel. Ich weiß, daß diese es jenen in treuer Hingebung an mich und das Vaterland gleichtun wer­den, wenn jemals feindliche Hand das mit so teuren Opfern Errungene antasten sollte.

j-^ Der neue Kommandeur der Schutztruppe. Das Militttrwochenblatt meldet die Ernennung des Oberst­leutnants von Lettow zum Kommandeur der Schutz­truppe für Deutsch-Ostafrika und die Ernennung des Majors Zimmermann von der Schutztruppe in Kamerun zum Kommandeur dieser Schutztruppe. Den Oberstleut­nant Freiherrn von Schleinitz, Kommandeur der Schutz- truppe für Deutsch-Ostafrika, wird unter Verleihung des Charakters als Oberst mit der gesetzlichen Pension un3 der Erlausnis zum Tragen der bisherigen Uniform der Abschied erteilt.

Luftmanöver an der Ostseeküste. In Swinemünde begannen am Freitag kombinierte Luftmanöver, an öe-

— was Sie wollen, kann niemals geschehen. Ich bin Ihnen dankbar für alles, was Sie uns als Nachbar- Gutes erwiesen haben, aber — lassen Sie mich ganz offen sein — Liebe empfinde ich nicht für Sie."

Da flammte es auf in seinen weitgeöffneten Augen wie drohende Zornesblitze, er knirschte mit den Zähnen und keuchte:

„Mädchen, hast Du denn gar kein Herz! Ich würde Deinen Vater vernichten, wenn ich Dich nicht so rasend liebte! Ich weiß ganz genau, wo er sich versteckt hält — im Hause des Einsiedlers auf dem Katzenberg, ich weiß es, und ein Wort aus meinem Munde genügte, um ihn der Polizei auszuliefern. Aber ich schweige um Deinetwillen, Agnes, nur um Deinetwillen."

Sie glaubte vor Schreck in die Erde versinken zu müssen. Wie konnte er das wissen, wer hatte es ver­raten?

Oh, nun erkannte sie, daß der Mann da vor ihr sie wirklich ganz und gar in seiner Hand hatte. Sie durfte ihn nicht reizen, nicht mit einem unvorsichtigen Wort erzürnen, mußte vielmehr betteln um feine Gnade.

Vielleicht merkte er ihr diese plötzliche Erkenntnis an, denn von neuem ergriff er ihre Hand und sprach in gemäßigterem Ton: „Also, Agnes, verkenne mich nicht, fasse Vertrauen zu mir, denn ich halte zu Dir, zu Euch. Wenn Du es willst, kause ich Euch Waldwiese für den von Euch geforderten Preis ab und verhelfe Deinem Vater zur Flucht. Und magst Du von ihm nicht durch den Ozean getrennt leben, wohlan, wir werden drüben im Lande der Freiheit zusammenwohnen. Du kennst meine Vermögensverhältnisse noch nicht. Aber sei ver­sichert, ich bin einer der Reichsten im Lande und kann durchsetzen, was ich will. Meine Mutter ist gewöhnt, mir nachzugeben. Aus Liebe zu Dir täte ich alles.

Agnes, überlege Dir also, was ich gesagt habe.

Ich frage Dich noch einmal, willst Du mein Weib werden, willst Du mir anaebören?"

neu sich Wasserflugzeuge. Landflugzeuge und das Mili. tärluftschiff „Z. 6" beteiligten. Zwei Apparate der Dö- beritzer Fliegertruppen sind eingetroffen. Die Uebung dauert bis zum 24. April. Den Lanöflugzeugen fällt die Aufgabe zu, die Schußwirkung der Küstenbatterien zu kontrollieren. Die Seeflugzeuge werden Aufklärungs- dienste auf der See zu leisten haben. In Leipzig ist Freitag morgen das Militärluftschiff „Z. 6" zu einer Seefahrt aufgestiegen. Das Luftschiff verließ Leipzig um 7 Uhr und wurde gegen 9% Uhr über Potsdam gesichtet, wo es über dem dortigen Luftschiffhafen kreuzte. Das Luftschiff nahm dann nordöstlichen Kurs auf Stettin und Swinemünde, um dort an den Uebungen teilzu- nehmen.

Die Gärung nutet den französischen Post- und Tele­graphenbeamten nimmt bedenklich zu. Seit zwei Tagen halten sie ihren Kongreß in der Pariser Arbeiterbörse ab. Aus allen bisher gehaltenen Reden klang tiefe Un­zufriedenheit mit den in Aussicht gestellten Ausbesse- rnngen ihrer Ruhegehälter durch. Es soll dem Minister erklärt werden, daß die Beamten mit einer Erhöhung der Ruhegehälter um durchschnittlich 560 Frcs., wie sie von der Regierung beabsichtigt ist. nicht zufrieden seien, sondern mehr verlangen. Sollte dieser Forderung nicht entsprochen werden, so drohen sie mit einem 24ftünbigen Generalstreik, eventuell noch mit weit schärferen Mit­teln, d. h. also mit Sabotage.

Verschlimmerung der Lage in Thrazien. Die Lage hat sich im türkischen Thrazien nach griechischen Mel- duiigen verschlimmert. Aus Viza wird gemeldet, daß tausend Griechen in Tyrolon mit Gewalt eingeschifft worden seien. Dreitausend weitere würden am Sonn­abend eingeschifft werden. Die Einwohner von Kryoneri feien von den Äehörden vertrieben worden.

Kleine Radiriditen.

Im Falle Berliner und Genossen wurde der An­walt der in Rußland gefangen gehaltenen Luftschiffer davon benachrichtigt, daß die Anklageschrift behufs Zu­stellung an die Angeklagten abgefaudt worden ist. Die Gerichtsverhandlung würde am 30. April in Perm statt- finden.

Düsseldorf als Erbin. Der Rentner Weiler in Düs­seldorf vermachte seiner Vaterstadt einen Betrag von 700 060 Mark. 250 000 Mark sollen zu Unterstützungen an Arme dienen, 100 000 Mark zur Erleichterung der Lage von Witwen. Aus dem Erträgnis von 100 000 Mark sollen Beihilfen an Kunststudierende gewährt werden. ■

Tod im Grubenschacht. Auf einer Zeche bei Dort­mund wurde am Freitag morgen gegen 11 Uhr der Bergmann Schmitz von hereinbrechenden Gesteinsmas­sen verschüttet. Bis gegen 12 Uhr hörte man noch Le­benszeichen von ihm. Etwa eine Stunde später wurde er von Rettungsmannschaften tot aufgefunden. Er war erstickt.

„Erhängen spielen" wollte der zwölfjährige Sohn einer Familie in Diepholz (Hannover). Er legte sich zum Spatz eine Schlinge um den Hals, konnte sich je­doch nicht wieder befreien und erstickte, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte.

Vollstrecktes Todesurteil. Der wegen Raubmordes zweimal zum Tode verurteilte, fahnenflüchtig gewesene Musketier Straskiewicz, gebürtig aus dem Kreis Culm, ist durch den Scharfrichter Schwietz im Hofe des Gerichts- gefängnisses zu Thorn hingerichtet worden.

Folgenschwere Kesselexplosion in einer Fabrik. In Warnsdorf (Königreich Sachsen) ist in der Samtfabril von G. A. Fröhlich Söhne A.-G. ein großer Fabrikkessel explodiert. Dabei wurde der Ingenieur Schmidt und* ein Arbeiter Siebers getötet, während der Abteilungs­leiter Schmidt und mehrere andere nicht unerheblich verletzt wurden.

Noch eine französische Fliegerlanönng. Wie nach­träglich bekannt wird, landete am ersten Osterfeiertag in einem abgelegenen Teile des Taunus ein französischer Freiballon unter eigenartigen Umständen. Die beiden Insassen hatten vor der Landung verschiedene Utensi- lien, darunter französische Generalstabskarten, aus dem Ballon geworfen, dann den Bauern einen Äetrag für Rücksendung des Ballons nach Paris übergeben und sich ohne weiteren Aufenthalt entfernt. Der Ballon mit In­halt sei, wie gemeldet wird, vorn Gouverneur von Mainz beschlagnahmt worden.

Ein Hotelbrand in Neuyork. Das Hotel Heurretta in Neuyork, das meist von Schauspielern bewohnt wird, ist niedergebrannt. Elf Personen fanden dabei ihren Tod. Vier andere sind schwer verletzt ins Hospital ge­bracht worden.

** Ein Skandal in der Petersburger Gesellschaft. Die russische Gesellschaft ist durch einen Skandal in große Aufregung versetzt worden. Der in weiten Kreisen be­kannte Professor der Kasaner Universität, Prof. v. Nerez- kowsky soll während der letzten zehn Jahre eine große Anzahl von Vergehen gegen kleine Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren begangen haben. Diese Ver-

„Herr von Schultental, bitte, lassen Sie mich erst zur Besinnung kommen, erst mit meinem Vater sprechen. Ich will ganz ehrlich gegen Sie sein: Ich habe einmal geliebt in meinem Leben. Und der, den ich mit gan­zem Herzen liebte, verschmähte mich wegen des Ver­dachts, in dem mein Vater steht. Ich kann das nicht so leicht überwinden. Noch blutet mein Herz. Es ist alles zerrissen in mir. Ich glaube ganz gewiß, daß ich niemals wieder einen Mann lieben kann, wie ich als Gattin es ihm schuldig wäre." —

„Agnes, ich danke Dir, daß Du offen zu mir redest und mir endlich ein wenig Vertrauen schenkst. Wer der Mann ist, der Dich nun verschmäht, das errate ich: Rudorp.

Pfni über den Gemeinen, der ein so frivoles Spiel mit Dir getrieben hat! Die Liebe muß, wenn sie nicht bloß erlogen ist, stärker sein als der Tod. Lerne den Mann, der sich Deiner jetzt schämt, verachten, dann wirst Du an meiner Seite glücklich werden. Geliebtes Mäd­chen, heute nachmittag mußt Du für mich Zeit haben! Wir werden in Ruhe dann alles beraten. Die brummige Alte — das sei meine erste Bitte — schaffe Dir aus dem Hause. Ich spreche mit meiner Mutter gleich wegen des Kaufs von Waldwiese. Laß Deinen Vater heute und morgen noch nichts wissen von allem, was ich Dir ge­sagt habe. In seiner jetzigen Gemütsverfassung würde er alles ganz anders auffassen als unter anderen Um­ständen, würde mir vielleicht nicht trauen und sein Ver­steck voreilig verlassen.

Aber das bereden wir alles, teurer Schatz. Bestim­men wir nur eine Zeit, wann Dir mein Besuch ange­nehm ist. Ich würde unauffällig vom Garten aus durch die Hintertür schleichen. Schicke nur die Jnspektors- frau fort."

(Fortsetzung folgt.)