Auch bte französischen Aerzte zählen in ihren Reihen einen solchen Helden, der durch die Röntgenstrahlen bereits mehrere Finger verloren hat. Es ist Dr. Jnfroit, dessen Hände bereits völlig von einem krebsartigen Ausschlag befallen sind, der aber unentwegt mit den gefährlichen Strahlen weiterarbeitet, um der Menschheit zu dienen. Der Direktor des radiographischen Instituts am Genfer Bundeshospital Dr. Simon geht einem ähnlichen Schicksal entgegen. Jahr um Jahr bat er einen Finger nach dem anderen hingeben müssen, bis man ihm schließlich die rechte Hand über dem Handgelenk amputieren mußte. Auch er harrt getreulich auf feinem Posten im Dienste der Wissenschaft aus, ohne der Gefahren zu achten, die ihm schon zum Verhängnis geworden sind.
Gegen die „Radiodermitis" der Aerzte hat man bislang wenig ausrichten können, erst in allerneuester Zeit gelang es einem Franzosen, ein Erfolg versprechendes Schutzgewebe gegen Röntgenstrahlen zu konstruieren, das die Hoffnung zulützt, es möchte sich nunmehr die Zahl der ärztlichen Märtyrer auf diesem Gebiete beträchtlich
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vermindern.
Vermischtes.
Wie Hirth aus dem Meer gerettet wurde! Erst jetzt werden aus Schilderungen Hirths selbst Einzelheiten über seine Rettung aus dem Meere bekaunt. Bei Toulon gingen wir aufs Wasser nieder, um die bei Tamaris vorgeschriebene Berührung des Wassers auszuführen. Die Maschine wurde gut von mir abgefangen und flog parallel von der Wasseroberfläche dahin. Zentimeterweise ließ ich sie weiter hinuntergehen, um nach der ersten Wellenberührung sofort wieder zu steigen. Aber bei der ersten Berührung waren wir vollständig im Wasser verschwunden. Man pflegt sonst bei Stürzen oder beim Ueberschlagen Ueberlegung zu behalten, in diesem Falle vollzog sich jedoch alles so unerwartet schnell, daß keine Zeit dafür blieb. Wir waren wohl 3—4 Meter in die See hineingeschossen, und als ich wieder anftauchte, fand ich die schwimmenden Splitter meiner Schwimmkörper und das sich langsam aus dem Wasser hebende Schwanzende meiner Maschine. Von meinem Partner war aber nirgends etwas zu entdecken. An den ruckweisen Bewegungen der Maschine merkte ich, daß er noch unter Dem Wasser sein müsse, und da er nicht mit einer Schwimmweste versehen war, mußte er eingeklemmt sein und vergeblich an seiner Befreiung arbeiten. Wir waren kaum 100 Meter vom Ufer entfernt, doch nirgends war etwas von den beiden Torpedobooten zu entdecken, die hier zu etwaiger Hilfeleistung stationiert sein sollten, auch sonst war von der Hilfe nichts zu sehen. Eine Wut packte mich, dem unten Eingeklemmten keine Hilfe bringen zu können. Er mußte reichlich 2 Meter unter der Wasseroberfläche sitzen, und so oft ich versuchte, mich an den Spanndrähten nach unten zu arbeiten, rutschten meine Hände ab, da die Luft in meiner Lederjoppe mich wieder hoch zwang. Da plötzlich schoß etwas neben mir fußhoch aus dem Wasser, es war Schlüter, dem es nach einer letzten Anstrengung gelungen war, sich mus dem zufammengeschobenen Vordersitz zu befreien. Endlich näherten sich auch Boote vorn Ufer aus, um uns Hilfe zu leisten, gerade rechtzeitig genug, denn unsere Maschine begann langsam weiter zu sinken.
Der letzte Gang der Marketenderin. Mit militärischen Ehren wurde die im Alter von 78 Jahren verstorbene Marketenderin des Regiments „Bremen", Frau Luise Pflaster in Bremen, zu Grabe getragen. Sie hat das Regiment während des Krieges 1870/71 nach Frankreich begleitet und ist ihm anch später noch lange Jahre -hindurch auf die Uebungsplätze und ins Manöver mit ihren Mundvorräten gefolgt. Bei einem seiner Besuche im Bremer Ratskeller wurde vor mehreren Jahren der Kaiser auf die mehrfach dekorierte Marketenderin aufmerksam,- der Kaiser unterhielt sich mit ihr eine Zeitlang und lud sie schließlich zu einem Glase Wein ein. Das Musikkorps und eine Abordnung des Regiments „Bremen" erwiesen jetzt der toten Marketenderin am Grabe die letzten Ehren.
Die Rache eines Blinden. In Petersburg hatte ein seit einigen Monaten erblindeter Arbeiter, Njeshdanow, in Erfahrung gebracht, daß ihn seine Gattin, mit der er 15 Jahre glücklich gelebt hatte, seit seiner Erblindung mit ihrem Zimmerherrn, Lipin, hinterging. Er faßte den Entschluß, den letzteren zu töten, schlich sich nachts, mit einem Beile bewaffnet, in dessen Schlafzimmer und führte dann einen Hieb nach der Stelle, wo sich nach seiner Vorstellung der Kopf des schlafenden Lipin befinden mußte. Er hatte aber seine eigene Frau getroffen und ihr eine lebensgefährliche Verletzung beigebracht. Wegen versuchten Gattenmordes vor das Schwurgericht verwiesen, wurde er nach kurzer Verhandlung freigesprochen, — in fünf Minuten hatten sich die Geschworenen über ihren Freispruch geeinigt.
Die Leibbinde des Herrn Ministers. Bor kurzem wohnte der englische Minister des Innern, Mister Mac Kenna, in London einem großen Diner bei, das von einer, der höchsten Aristokratie angehörenden Persönlichkeit gegeben wurde. Die Herrin des Hauses, die autzer- ordeutlich zuvorkommend mar und die Schweigsamkeit des Ministers auf die ernsten Vorgänge in Ulster schob, erkundigte sich diskret nach seiner Appetitlosigkeit. Der stille Gast entschuldigte sich und gestand, daß er sehr viel an Magenschmerzen leide. Sofort riet die Hausfrau ihm darauf, eine Flanellbinde zu tragen, weil das ein unfehlbares Heilmittel sei, und machte dem Minister nach beendetem Diner eine zum Geschenk. Zu Hause angekommen, hatte Herr Mac Kenna nichts Eiligeres zu tun, als die heilbringende Binde umzuschnallen. Aber wie groß war sein Erstaunen, als er. nachdem er sie ange- auf der Mitte seines Körpers: "S^ulrMeMi^r die Frauen!" las. Die graziöse Wirtin inefeit 6 Ct r ße Anhängerin von Mrs. Pankhurst ge-
Die abstinente. Marine. Herr Bryan, der als ame- nkamfcher Staatssekretär den europäischen Diplomaten öre Freude an einem guten Glase Wein oder Sekt in feinem Haufe w tatkräftig abgewöhnt, macht Schule, sem Verspiel hat den Marineminister der Bereinigten Staaten, Daniels, nicht schlafen lassen. Unter den See- vfflzteren Onkel Sams herrscht höchste Erregung; mit einem emzigen Federzuge hat Daniels über Nacht die abstinente Marine geschaffen, eine Marine, in der nicht etwa nur den Matrosen, nein, auch den Offizieren und Kommandanten der Genuß eines Glas Weines oder eines Whisky-Soda auf das strengste verboten ist. Soda allein dürfen sie trinken, aber mit dem Whisky hat es ein Ende. Wie Bryan, so sollen auch fortan die Seehelden Onkel Sams Limonaden und bunte Fruchtsäfte genießen und fröhlich den Himbeersasthumpen kreifen lassen. Alkohol aber gibt es nicht mehr, es sei denn zu Heilzwecken auf ausdrückliche Berordnuug des Arztes. Und nicht nur für das Leben an Bord gilt dies, auch den Küstenstationen und in den Werften ist sowohl das Trinken wie auch das Borrätighalten von alkoholischen Getränken fortan verboten. Daniels soll sich bei seinem Erlasse auf den Rat des Generalarztes Braistedt gestutzt haben: der Generalarzt behauptet, daß in der Marine zu viele Fälle von Alkoholmißbrauch und Trunken- Hafen — aus Höflichkeit bei Banketten Wein gegeben
die Versuchung gebracht werden dürften, in ihrer Messe Alkohol trinken zu können. Immerhin war ursprünglich vorgesehen, daß bei der Bewirtung auswärtiger Gäste — bet Kreuzfahrten und beim Aufenthalt in fremden Häfen — aus Höflichkeit bei Banketten Wein Gegen, werden sollte, aber diese Absicht hat der gestrenge Ma- rineminifter fallen lassen, so daß künftig bei offiziellen Festlichkeiten an Bord amerikanischer Schiffe anch die fremdeit Gäste nur mit Limonade bewirtet werden. Im Seeofsizierkorps hat der Erlaß böses Blut gemacht, weil man in ihm einen Eingriff in die persönlicheFreiheit erblickt, nnd auch in amerikanischen Heereskreisen fürchtet man das Kommen ähnlicher drakonischer Abstinenzver- ordnnngen.
Kompromiß! Die Tochter der Vermieterin (zum Zimmerherrn, der sie küssen will): „Ich werfe das Kaffeegeschirr hin." Herr: „Na, wenn schon, Fräulein SinnetP — Anna: „Es ist aber unser allerbestes Dann lassen Sie mich wenigstens zuerst das andere holen."
Die beiden Rivale». (In der Dorfschänke.) Gast (für sich): „Wenn ich nur müßt', wen von uns beiden die Vroni am Besten leiden mag? Mir hat sie ja eben heimlich ein Buhl gegeben — aber dem Loisl reserviert sie immer die schönsten und größten Kalbshaxen."
Aus dem Leben der Taucher.
Erzählungen eines Seemanns.
„Reges Leben nnd Treiben", so schreibt ein Seemann dem „Berl. Lvk.-Anz^, „herrschte am Strande von Helgoland, als wir unsere Manöver um Helgoland aus- führten. Mehrere Schiffe waren schon nach Wilhelms- Haven detachiert,' nur noch eine Halbflottille von der Tor- peöobvotsdivision und eine Division Linienschiffe wa- reit zum Torpedoschießeu zurückgeblieben. Nachdem einige Torpedoboote verschiedene Dnrchbruchsversuche gut ausgeführt hatten, Begann das eigentliche Torpedoschie- tzen. Zuerst schössen die Boote auf uns ihre Torpedos ab, und Bei jedem einzelnen Schutz wurde genau notiert, wie und wo derselbe im Ernstfalle getroffen hätte.
Die Torpedoboote greifen die Linienschiffe mit großer Fahrt an, schießen ihre Torpedos ab und suchen so schnell wie möglich das Weite, verfolgt von dem Kugel- regen der 8.8-Zentimeter-Geichütze, die am Tage mit sehr großer Sicherheit schießen und vor allen Dingen Schnelligkeit dabei erzielen. Nachts gestaltet sich die Verfolgung schwieriger, denn die Torpedoboote blenden den Geschützführer mit ihren Scheinwerfern, sodatz die Treffsicherheit sehr erschwert wird. Greift eine ganze Flottille von Torpedobooten (elf Boote) ein Geschwader von Linienschiffen (acht Schiffe) an, so rechnet man damit, daß von den elf Angreifern vielleicht zwei Boote glücklich entrinnen, während die anderen dem verderbenbringenden Kugelregen der Artillerie zum Opfer fallen. Die Linienschiffe signalisieren nun die einzelnen Treffer nach den Torpedobooten, und jeder Kommandant frente sich, wenn seine Leute gute Leistungen erzielt hatten.
Jetzt wurde ein Gefecht nur zwischen den Linien- schiffen dargestellt, wobei die Torpedowaffe auch eine sehr große Rolle spielt. Schiff gegen Schiff feuert bald einen Breitseit-, bald einen Bug- und beim Wenden einen Heckschutz auf den Feind ab, nnd man wartete nur auf die Wirkung der einzelnen Schüsse. Da — das Signal: „E." . . . „außer Gefecht!" Der Kommandant beglückwünscht den jungen Torpedooffizier, der den sicheren Treffer „los" gemacht hat. „Nur so weiter!" „Klar zum Bugschutz!" befiehlt er nach dem Bugraum. „Los!" Und der Torpedo saust mit großer Geschwindigkeit aus dem Rohr. Da plötzlich ist er an der Oberfläche, dreht sich wie ein Kreisel und rast mit voller Kraft senkrecht in die Tiefe. „Grunögänger!" ertönt es, und sofort gibt der Kommandant den Befehl: „Klar zum Ankern!"
Das Schiff steht, und der schwere Anker saust rasselnd in den Grund. Das Torpedoboot, das den Lauf des abgeschossenen Torpedos verfolgte, wirft sofort eine Boje zur näheren Bezeichnung der Grundgängerstelle. Nun heißt es, so schnell wie möglich den Torpedo an die Oberfläche bringen. Wir zwei Taucher begeben uns sofort in die zum Aussetzeu klare und mit allen Tauch- ausrüstungen versehene Ruderbarkasse. Das Boot mit uns und mit den Bedienungsmannschaften ist im Wasser. Die Pumpenmannschaften gehen auf Position. Inzwischen sind wir fertig zum Tauchen. Schönes, klares Wetter Begünstigt unsere Arbeit. Zuerst taucht der Obermaat. Nach zirka 25 Minuten gibt er das Signal zum „Aufholen". Der Torpedo ist noch nicht gefunden. Jetzt komme ich an die Reihe. Auf dem Meeresgrunde ange- langt, suche ich nach der entgegengesetzten Richtung, und siehe da, ich sehe den Torpedo mit dem Propeller nach oben im Schlamm stecken.
Ich gebe das Signal zum Herablassen einer Leine, um den Torpedo anzuschleifen. Nach kaum zwei Minuten habe ich die Leine in der Hand und bin im Begriff, dieselbe um den Propeller festzumachen. Da bekomme ich einen Schlag aus meinen Arm, denn der Propeller war noch nicht abgelaufen, und der Torpedo fing noch einmal an zu arbeiten, bis die eingestellte Meterzahl abgelaufen war. In diesem Moment hatte ich noch so viel Geistesgegenwart, das Notsignal zu geben, und man zog mich mit größter Schnellmkert an die Oberfläche. Ich hatte durch den plötzlichen Schreck und Schmerz die Besinnung verloren. Das Blut kam mir aus Mund und Nase. Nachdem ich von meinem Taucheranzug Befreit und vom Blut gereinigt war, kam ich langsam zu mir. Ich konnte noch genaue Angaben über den Ort und die Lage des Torpedos machen. Dann verfiel ich in einen tiefen Schlaf.
Als ich erwachte, erbrüte mir mein Obermaat im Lazarett freudestrahlend, daß es ihm nach einstündigem Tauchen gelungen sei, den Torpedo so zu befestigen, daß er groben werden könnte. Die Hälfte der ausgesetzten Prämie erhielt ich von ihm als Schmerzensgeld, denn ich hätte beinahe die ausgesetzte Prämie um ein Haar mit dem Leben bezahlen müssen.'
wie der Sturm auf Düppel vor sich ging
Ein preußischer Gedenktag.
Der 18 Avril des Jahres 1864 bildet stets ein unvergängliches goldenes Ruhmesblatt in der Geschichte preußischer Waffentaten. Mit,der Erstürmung der Dnp- peler Schanzen war ja recht eigentlich der danifche Feldzug zu Gunsten Preußens entschieden. Am SOjahrigen Gedenktag wird ein Bericht,über die Einzelheiten unter welchen sich der Sturmangriff der. preußischen Kolonnen vollzog besonders willkommen sein.
Um vier Uhr morgens öffneten bereits die Geschütze ihre Jeuerschlünde. Die preußischen Batterien donner- tenumer Kanonengebrckl gegen die dänischen Schanzen in denen der Tod reiche Ernte hielt. Ntcrk- würdigerweise aber erwiderten die Dänen das möröe- Asche Kuer der preußischen Batterien sehr wenig. Es war daher nicht verwunderlich, daß man aus preußischer Beste in dieser Unheil verkündenden Stille.irgend einen heimtückischen Angriff der dänischen Feinde wittern wollt? Um 9 Uhr erfuhr die Kanonade auf preußischer
mengeßrüd gegen die dänischen Tod reiche Ernte hielt. Merk-
Seite noch eine lebhafte Verstärkung. ES war die Bist' gade Goeben, die am Satruper Wäldchen gegen beu Feind operierte, um ihn möglichst von der Duppelstel« Imtg fernzuhalten.
Nachdem gegen ^10 Uhr noch einmal Offiziere und Mannschaften die letzte Instruktion erhalten hatten, richtete der allgemein beliebte Divisionspfarrer Müller an die Truppen eine tief zu Herzen gehende religiöse Ansprache, die die Soldaten zugleich auch mit glühender Begeisterung erfüllte. Der tapfere Geistliche ließ es sich auch nicht nehmen, beim späteren Sturmangriff getreulich unter den Truppen auszuharren. Die fürchterliche Kanonade erreichte allmählich ihren Höhepunkt, bis sie auf einmal mit dem Schlage 10 Uhr plötzlich verstummte. Diesen Moment ergriff der Sommanßeur der Sturm- kolonnen, Generalleutnant v. Manstein, um zum Sturm auf die Düppeler Schanzen vorzugehen. Sein Degen flog aus der Scheide, damit war das Signal zum Sturm gegeben. Obgleich die dänische Infanterie Salven auf Salven gegen die anstürmenden Preußen feuerte, obgleich ein Hagel von Kartätschen Tod und Verderben gegen die Sturmreihen spie, gab es kein Halten und kein Wanken für die todesmutig anstürmenden preußischen Bataillone. Wo das mörderische dänische Feuer Lücken in ihren Reihen ritz, da schlössen sich die Leute unter dem Zischen und Sausen der Kugeln immer wieder zusammen. Besondere Verminderung verdiente das Verhalten der Sturmsackträger, die neben ihrem Gewehr noch die Sturmsäcke auf dem Rücken zu tragen hatten und unaufhaltsam im dichteste« Kugelregen vorwärts draugen.
Als der Sturm bis dicht an die Palissaden Herange- führt war, da schlenderten die Stnrmsackträger ihre Säcke von sich und pflanzten die Bajonette auf. Die Tambours stimmen zur Attacke, und unter dauerndem Trommelwir- bel, unter furchtbarem dänischen Feuer drangen die Prentzen in die Schanzen ein. Mit welch furchtbarer Gewalt der Sturm auf die Düppeler Schanzen sich vollzogen haben mußte, kann man noch heute aus den gut erhaltenen Photographien jenes Tages erkennen, die ein Bild der Verwüstung und des Graueys darbieten.
** neuestes vom Cage.
Raubmord an einer Greisin.
Badenweiler, 16. April. (B. Z.) Die 77 Jahre alte Maria Barbara Sutter, die in einem kleinen Häuschen allein wohnte, wurde heute überfallen und erschossen. Der Einbrecher hat zweihundert Mark und eine goldene Uhr erbeutet. Auf die Ermittelung des Täters sind 500 Mark Belohnung ausgesetzt worden.
Ein Passagierflng Johannisthal-Wien.
o-$ Johannisthal, 16. April. Heute früh 4,40 Uhr startete der Sportflieger Fritz Netterer mit dem Hauptmann Neumann auf einer Etrich-Taube zu einem Flug nach Wien, um an der dortigerl Konkurrenz tetlzu- nehmen.
Tod unterm Bierfaß.
^ Potsdam, 16. April. (B. Z.) Der 53 Jahre alte Bierkutscher Willens fand heute früh dadurch seinen Tod, daß ihm beim Ausladen ein Faß Bier entglitt und ihm den Schädel zerschmetterte.
Die „Hansa" in Fnhlsbiittel gelandet.
Hamburg, 16. April. Das Luftschiff „Hansa", das in der Nacht Potsdam verlassen hatte, ist heute morgen 7,15 Uhr über Hamburg erschienen und bald darauf vor der Halle in Fuhlsbüttel gelandet.
Deutschfeindliche Kundgebungen durch Kroaten.
te^ Wien, 16. April. Aus Esseg tvird gemeldet: Gestern abend kam es im hiesigen Theater zu stürmischen Demonstrationen gegen eine deutsche Schauspielertruppe. Viele kroatische Studenten hatten schon vor Beginn der Vorstellung die Galerie besetzt. Als der Vorhang in die Höhe ging, erhob sich ein ohrenbetäubender Lärm und die Bühlie wurde mit faulen Eiern und Obst bombardiert. Erst ein zahlreiches Polizeiaufgebot konnte die Ruhe wiederherstellen.
Drei Kinder bei einem Mühlenbrande nmgekommen.
»-§- Zürich, 16. April. Ein schweres Brandunglück hat sich in Walauch im Kanton Graubünden ereignet. In einer Mühle brach ein Feuer aus, das so schnell um sich griff, daß drei Kinder, die sich in der Mühle befanden, in den Flammen umkamen. Ein anderes Kind würd, schwer verletzt.
Eine Tragödie auf den Schienen.
$-^ Brüssel, 16. April. Gestern abend erschien auf der Blockstation 79 ein junger Mann mit blutüberströmtem Gesicht und erklärte, er habe mit seiner Cousine einen Spaziergang gemacht, der sich bis in die späten Abendstunden ausgedehnt habe. Sie hätten die Orientierung verloren und seien auf den Bahnkörper geraten. Ein plötzlich heranbrausender Zug habe seine (Qmsine üBer- fahren und getötet, während er selbst nur mit leichten Verletzungen davongekommen sei. Die Polizei machte sich sofort auf die Suche nach dem Leichnam der angeblich Verunglückten, der auf den Schienen gefunden wurde. Die näheren Umstände ließen die Angelegenheit jedoch so verdächtig erscheinen, daß der junge Mann, der angab, Bruno Müller zu heißen und Deutscher zu sein, sofort in Haft genommen wurde.
Eine Büste Kaiser Wilhelms für Paris.
w Paris, 16. April. Der deutsche Bildhauer Pepler hat dem Bildhauer Merciere, dem Präsidenten der Gesellschaft der freien Künste, die Absicht unterbreitet, eine Büste Kaiser Wilhelms auszustellen. Merciere erwiderte, daß er dagegen nicht das Geringste einzuwenden habe. Das Mitglied des Ausstellungskomitees Coutani sprach sich aber gegen die Zulassung des Peplerschen Werkes aus, mit der Begründung, es sei zu befürchten, daß irgend ein Hitzkopf die Büste beseitigen ober besudeln könnte.
Zwei Deutsche beim Kampf um Tampico verletzt.
«> Mexiko, 16. April. (B. Z.) Von der Mannschaft des deutschen Tankschiffes „Osage", das von Tampico in Pampa eingetroffen ist, sind bei den Kämpfen um Mexiko zwei Mann an Bord des Schiffes verwundet worden, einer davon tödlich.
Mexiko zum Nachgeben geneigt.
^- Neuyork, 16. April. (B. Z.) Präsident Huerta hat, einer Meldung aus Mexiko zufolge, geäußert, Mexiko habe keine Streitigkeiten mit irgendeiner Macht, am wenigsten mit der großen amerikanischen Nation. Der Zwischenfall von Tampico habe keine besondere Wichtigkeit. — Huerta hat die Forderung der Vereinigten Staaten dem mexikanischen Senat unterbreitet.
w> Veracruz, 16. April. (B. Z.) Am vorigen Sonnabend hat sich in Tampico ein zweiter Zwischenfall ereignet. Eine amerikanische Ordonnanz in Uniform, welche die Schiffspost abholen sollte, wurde von mexikanischen Soldaten verhaftet, ius Gefängnis geworfen später aber mit ungenügender Entschuloigung wieder freigelafsen. Altch der amerikanische ©eneralronful wuröt in der Stadt Mexiko provoziert, inbem mehrfach amtliche Depeschen aus Washington augebalteu und bei mexikanischen Zensur unterworfen wuroerr.