Die Union und Mexiko.
Kriegsbereitschaft der amerikanischen Flotte.
Eine Zeitlang schien es, als würden sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika den zweiten Platz " 1 '..... d für lange
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kanischen
unter allen Seemächten der Erde sichern und Zeit bewahren. Noch unter der Präsidentscha velts war das Tempo des amerikanischen Flottenbaues ein ungemein rasches, aber schon unter seinem Nachfolger Taft ließ sich ein deutliches Abflauen der amerikanischen Flottenbaupolitik konstatieren. Nur so war es möglich, daß allmählich die Flotte des Deutschen Reiches sich an die Stelle der amerikanischen setzte und zur zweitmach- tigsten Seemacht der Welt wurde. Solange das drohende Schreckgespenst eines Krieges mit Japan den Amerikanern'dauernd im Kopfe herumspukte, so lange blieb auch das Interesse der Vereinigten Staaten an einer überaus starken Flotte unermüdlich. Mählich aber schwand diese Gefahr in nichts, da Japan selbst infolge wirtschaftlicher Bedrängnis garnicht daran denken konnte, seine Flotte auf einen Status zu bringen, der dem amerikanischen auch nur einigermaßen angenähert war.
So hat sich denn auch von Jahr zu Jahr immer offenbarer gezeigt, daß die amerikanische Flotte, obwohl ihr Budget mcl)t größer wurde, immer noch zum mindesten quantitativ der japanischen Marine überlegen blieb. Im allgemeinen muß man der amerikanischen Flotte auch heute noch eine wichtige Rolle zugestehen in der Verteilung der maritimen Herrschaft unter den acht Seemächten. Sind auch im Einzelnen bedenkliche Lücken und Mängel des amerikanischen Seewesens festzustellen, so muß doch anderseits hervorgehoben werden, daß die Flotte der Vereinigten Staaten durchaus kriegsbereit und in jeder Weise zeitgemäß ausgerüstet ist. Mit einem Gegner wie Mexiko dürfte die Flotte der Union kaum viel Federlesens machen, und sprechen erst die amerikanischen Kanonenboote vor Tampico ein donnerndes Wort, so dürfte sich die Regierung Huertas doch auf sich selbst besinnen und den besseren Teil, die Vernunft, erwählen.
Vergleicht man die Schiffsliste Amerikas mit denen anderer Mächte, so springt ein offenbarer Mangel an neuzeitlichen Linienschiffskreuzern in die Augen. Selbst die neuesten Kreuzer der „Tennessee"-Klafse können Linon Vergleich mit unseren neuen Schlachtschiffkreuzern aushatten. Ein weiterer wunder Punkt der amerikanischen Flotte ist die schwache Ausbildung des Torpedobootswesens und der auffällige Mangel an kleinen Kreuzern. Immerhin aber sind diese Lücken in einem Kampfe mit einem Gegner wie Mexiko nicht so sehr ins Gewicht fallend wie in einem Seekrieg der Union gegen eine
fallend wie in einem Seekrieg der Union gegen eine wirkliche maritime Macht. Reicht der Bestand der amerikanischen Flotte, von ihren Fehlern und Schwächen abgesehen, mehr als genügend aus, um sich gegenüber Mexiko die Präponderanz zu wahren, so ist es noch sehr die Frage, ob sich nicht in einem Kampfe gegen eine der großen Seemächte die Verhältnisse zu Ungunsten der Union verschieben können. Kenner der Verhältnisse allerdings bezweifeln es stark, da Amerika vor der französischen oder gar der russischen Flotte einen gewaltigen Vorsprung beanspruchen darf.
Amerikas Vorhaben.
Präsident Wilson erklärte mehreren nach dem Weißen Haus beschiedeuen Kongreßmitgliedern, falls Huerta die geforderte Genugtuung verweigere, werde der nächste Schritt der Vereinigten Staaten die Besetzung von Tampico und Veracruz sein. Offiziös wird die Mobilisation nicht nur mit dem Tampico-Zwischen- fall, sondern auch mit dem Abfangen und der Ver- ftümmelung offizieller Depeschen begründet sowie mit anderen, die Ehre der Vereinigten Staaten berührenden Maßnahmen. Infolge der Zuspitzung der Lage in Tampico ist zum Schutze der Reichsangehörigen von Veracruz auch der deutsche Kreuzer „Dresden" nach Tampico beordert worden.
Uebetgtiffe russischer Grenzsoldaten.
Deutsche Fischer beschossen.
Einige Tage vor Ostern hat an der russisch-deutschen Grenze nördlich von Memel ein Zusammenstoß zwischen deutschen Fischern und russischen Grezsoldaten stattge- funden, bei dem einer der ostpreußischen Fischer sehr schwer verletzt wurde und die übrigen in Lebensgefahr gerieten. Allem Anschein nach liegt ein Uebergriff allzu eifriger Grenzsoldaten vor, die bereits ihrer Bestrafung entgegensehen. Ueber die Einzelheiten des Vorfalles wird aus Memel berichtet: . ,
Am Mittwoch der Karwoche waren mehrere Fischer, die am Kurischen Haff ansässig sind, mit einer Ladung Fische in den Grenzfluß Szeszuppe hinausgefayren, um das Dorf Klein-Dorgussen zu erreichen, wo ste Stinte absetzen wollten. Die Grenze geht mitten durch den S. Die Fischer waren bemüht, sich möglichst auf der chen Seite zu halten. Die Szeszuppe führte jedoch Hochwasser, und die Strömung scheint das Boot der Fi-
CSui^cnbtr Schein.
Original-Roman von Ludwig Blümcke.
22) (Nachdruck verboten.)
Ob man ihm das glaubte? Ach, wenn er vor Gericht müßte, stände es schlimm um ihn, daran zweifelte er nicht. Gleichviel, er wollte mit der Frau Oberst sofort nach ihrer Heimkehr sprechen. Und nun schlug es zehn Uhr vom Dorfkirchturm. Da könnte sie angelangt sein im Schloß. Er verließ also die mit Pflügen beschäftigten Knechte, bei denen er sich so lange aufgehalten, und schritt auf dem nächsten Wege dem Gutshos zu, sich noch immer sehr krank und elend fühlend, sodaß er nur langsam vorwärts kam. Die Straße führte durch dichtes Tannengehölz, vorüber an einem festgetretenen Stege, auf dem er gar manches Mal nach Waldwiese gegangen
Mit einem tiefen Seufzer schaute er ganz unwill- kurllch nach dieser Richtung. Und da zuckte er jäh zn- fammen, denn — Agnes eilte gerade auf ißn zu mit Hoch- roten Wangen und Tränen in den Augen. Sie hatte erst heute cruh erfahren, daß der Geliebte wieder da sei, daß er eine schwere Krankheit überstanden und noch sehr
’üc• Nun sah sie ihn selber gebeugt ein- herichrelten wie ein Greis. Da zürnte sie ihm nicht ^.?^t einmal geschrieben, sondern eilte voll herzlichen Müleids auf ihn zu, um ihn zu trösten, selber des Trostes so dringend bedurfte, wollte ihn trösten. Aber wie schaute er sie an mit seinen geisterhaften Augen? Sollte seine Liebe zu ihr erkaltet sein wegen des Vaters Schuld?
Glaubte er denn daran?
_ War das überhaupt Erwin, dieser Mann mit den eisigkalten Augen und den zuckenden Gesichtsmuskeln?
„Erwm — mein Erwin!" stieß sie, vor ihm stehen bleiben-, mit ungewisser Stimme aus, ihm zaghaft die zitternde kleine Hand entgegenstreckend.
Ach, hätte sie einen Blick in sein Herz werfen kön
Wer nach der russischen Seite hinübergetrieben zu haben. Als sie in die Nähe des russischen Ufers kamen, tauchten am Rand des Flusses Soldaten auf, die ihnen etwas zuriefen. Die Fischer gaben sich jetzt alle Mühe, wieder nach der preußischen Seite Hinüberzugelangen. Ehe sie jedoch die Mitte des Flusses erreicht hatten, fielen vorn Ufer her mehrere Schüsse und Kugeln prasselten gegen das Boot.
Zwei der Fischer warfen sich sofort auf den Boden des Kahns und entgingen so der Gefahr, getroffen zu werden. Der dritte blieb zu lange stehen und wurde durch mehrere Kugeln an den Armen und Beinen sowie durch einen Streifschuß am Kopfe verwundet. Die Fischer zählten im ganzen zehn Schüsse. Als das Gewehr- feuer aufgehört hatte, brachten die beiden unverletzten Fischer das Boot unter Aufbietung aller Kräfte zum preußischen Ufer hinüber und trugen den Schwerverletzten in den nächsten Ort, wo ein Arzt sich seiner an- nahm. Sodann erstatteten sie Anzeige. Inzwischen war schon ein Offizier der russischen Grenzwache, der durch das Schießen aufmerksam gemacht worden war, herbeigeeilt und hatte die Grenzsoldaten, die die Schüsse abgegeben hatten, durch einige andere Soldaten entwaffnen und abführen lassen. Der Vorfall dürfte durch das Vorgehen des russischen Offiziers im Prinzip erledigt sein.
Politische Rundschau.
Der Reichskanzler auf Korfn. Herr von Bethmann Hollweg ist Mittwoch abend an Bord des Kreuzers „Breslau" in Korfu eingetroffen. Er wurde von dem Gesandten von Treutler empfangen und begab sich in das Achilleton.
Deutsches Geld für die Türkei? Die römische „Tri- buua" brächte die Meldung, ein deutsches Finanzkonsor- tium beabsichtige, der Türkei 300 Millionen Frank zu leihe» zur Ergänzung des soeben abgeschlossenen französischen Darlehens, und der deutsche Botschafter in Kon- stantinopel werde dem Kaiser in Korfu darüber Vortrag halten. An zuständiger Stelle in Berlin ist davon nichts bekannt.
Die kaiserliche Schutztruppe für Südwestafrika kann jetzt die Feier ihres 25jährigen Bestehens begehen. Mit der Geschichte der Schutztruppe für Südwest wird die Unterwerfung des schwersten Aufstandes dauernd verknüpft sein. Unter den schwierigsten Verhältnissen begonnen und fortgeführt, ist der Kampf in seinem ganzen Verlaufe ein beredtes Zeugnis für die Energie und Ausdauer des deutschen Soldaten gewesen.
Anläßlich der Zusammenkunft in Abbazia wird von einigen Seiten wiederum die Legende von einem bevorstehenden Mittelmeerabkommen der Dreibundmächte aufgetischt, die wohl auf französischen Ursprung zurück- zuführen ist. Das erscheint um so wahrscheinlicher, als bekanntlich der Präsident von Frankreich in nicht langer Zeit Zusammenkünfte mit den Herrschern Rußlands und Großbritanniens haben wird, für die man in Paris schon jetzt ein politisches Programm vorbereiten will. Um dieses wirkungsvoller zu gestalten, wird, wie der „Tag" schreibt, das Märchen von dem Mittelmeerabkommen der Dreibundstaaten aufs neue in die Welt gesetzt, ohne allerdings an Stellen, die über die Pläne des Dreibundes orientiert sind, einen tieferen Eindruck her- vorzurufen, denn das angebliche Abkommen besteht nur in der Phantasie gewisser Ententekreise.
Große französische Manöver, in denen mehrere Armeekorps einander gegenüberstehen, werden, wie soeben bekanntgegeben wird, in diesem Jahre nicht statt- finden. Die französische Militärverwaltung beabsichtigt, dafür eine Festungsübung größten Stils anzusetzen, bei der eine Belagerungsarmee gegen die Festung Epinal vorgehen soll. Ferner ist noch eine Reihe von Korpsmanövern in Aussicht genommen, außerdem noch kleinere, aber doch mehrtägige Divisions- und Brigademanöver. In militärischen Kreisen Frankreichs ist man mit dieser Maßregel nicht recht einverstanden.
Kleine Iladiridifeii.
Frost im Schmarzmald. In der Nacht zum Mittwoch traten die ersten bedeutenden Frühjahrsfröste im Schwarzwald auf. Die Temperatur sank bis auf vier Kältegrade.
Zwei Kinder am Osterfeuer verbrannt. In dem Dorfe Tannenhausen bei Aurich verbrannten beim An- zünden eines Osterfeuers zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren.
Deutsche Bermessungsbeamte in China Überfällen. Aus Schanghai wird gemeldet, daß eine deutsche Vermessungsabteilung der Canton-Hankau-Eisenbahn von Dorfbewohnern Überfällen wurde. Ein eingeborener Assistent sei getötet worden.
Serbische Soldatenleichen anfgesnnden. Eine große Anzahl Soldaten vom 14. serbischen Regiment ist im bulgarisch-serbischen Krieg spurlos verschwunden. Man reklamierte diefe bei den Bulgaren als Gefangene, dort
nen, in das zerrissene Herz zu dieser Sekunde! Wie wogte und tobte es da drinnen, wie wühlte und nagte es, wie rang heiße, alles vernichtende Liebe mit stolzem Ehrgeiz in furchtbarem Verzweiflungskampf in seiner schweratmenden Brust. Und der Maunesstolz, der da gebieterisch forderte: „Wirf sie von dir, die dich so schmählich betrog, trau ihren Tränen nicht, ihrem süßen Unschuldsgesicht, sei stark!" Dieser Mannesstolz behielt den Sieg.
„Meirc Fräulein, wir beide haben nichts mehr miteinander zu schaffen. Meine Ehre verbietet es mir, in Ihrem Hause weiter zu verkehren." So klang es fest wie von eherner Stimme aus seinem Munde, und er erschrak über sich selber, als er diese eisigen Worte hörte. Dann tat er sich Riesengewalt an, wandte sich von dem erbleichenden Mädchen ab und lief davon, ohne sich noch einmal umzuschauen. Darum sah er nicht, wie Agnes wankte und in die Knie sank, wie sie mit der Gebärde wildesten Schmerzes die Hände rang und dann vollends zusammertbrach wie eine von des Herbststurms rauher Gewalt geknickte Blume.
„Dann ist seine Liebe eine Lüge gewesen! Unmöglich kann sie tief und wahr gewesen sein!" rief es in ihr voll Wehmut und Schmerz. „Wegeu des Vaters Schuld bist du seiner nicht mehr würdig. Oh, seine Ehre! Ach Gott, es ist ja richtig, ein ehemaliger Offizier. — — Und du würdest ihn lieben bis in den Tod, wenn ihn auch alles für einen Dieb hielte, du würdest die Zuchthauszelle mit ihm teilen wollen. — Nein, nein, er handelt fchlecht an dir, er ist nicht, wie du geglaubt, dieser stolze Mann ohne Herz."
Und der Tränen noch immer nicht versiegte Büchlein flossen überreichlich, Balsam spendend dem wunden, tod- traurigen Herzen.
Agnes besann sich ihrer Pflichten, richtete sich auf, flehte Gott um Kraft und Beistand an und tat ihre Arbeit. Aber wo sie ging und stand, sah sie sein bleiches,
wußte aber niemand von ihnen. Infolge einer Ueber- schwemmung ist man nun bet Raöovtste auf eine grausame Entdeckung gekommen. Das Wasser schwemmte dort die Erde weg, und dadurch sind jetzt über vierhuil- dert Soldatenleichen zum Vorschein gekommen, die, nach der Ausrüstung zu urteilen, zum 14. Regiment gehörten.
Schneestürme von außerordentlicher Heftigkeit werden aus Sibirien gemeldet. Verschiedene Dörfer sind unter den Schneemassen vollständig begraben. Der Eisenbahnverkehr erleidet tagelange Verzögerungen. Auf der Strecke nach Perm ist es nur einem einzigen Zuge gelungen, bis nach Jekaterinenburg durchzukommen. Mehrere Personen- und Güterzüge sind im Schnee stecken geblieben. Man mußte Tausende von Soldaten und Arbeitern auf die Strecke hinaussenden, um die verschneiten Wagen freizulegen.
Beim Spielen mit dem Revolver getötet. Der sechsjährige Knabe Elbing in Gästen spielte in Gemeinschaft mit einem Schulkameraden mit einem Terzerol. Plötzlich krachte ein Schutz und der kleine Elbing stürzte, in die Brust getroffen, tot zu Boden.
Im Schnellzug beraubt. In einem Abteil erster Klasse wurde am Mittwoch im D-Zug Nizza-Rom ein Juwelier, während er schlief, beraubt. Es wurden ihm Brillanten im Werte von 350 000 Franks gestohlen.
Gericht und Recht.
Ein Prozeß mit über 600 Zeugen. Ein Riesenbe- trugsprozeß begann vor der Strafkammer des Landgerichts in Berlin. Die Strafsache läuft unter dem Rub- rum „Hübner und Genossen". Die Anklage richtet sich gegen 31 Personen: 18 Angeklagte sind zur Verhandlung erschienen, ein Teil wird aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Neun Angeklagte, die außerhalb wohnen, sind vom persönlichen Erscheinen entbunden worden. Die übrigen Angeklagten haben der Gerichtsvorladung keine Folge geleistet. Es sollen daher gegen sie Vorführungs- bezw. Haftbefehle erlassen werden. Der Hauptangeklagte, Kaufmann Adolf Hübner, ist der Gründer der „Internationalen Finanz- und Sportsocietät". Er nennt sich „General-Manager und Subdirektor". Seine 30 Mitangeklagten, darunter eine Frau, sind seine früheren Agenten und Angestellten. Die „Internationale Finanz- und Sportsocietät" betrieb eine intensiv schwindelhafte Reklame in ganz Deutschland durch Ankündigungen und Prospekte, in denen Gelöbeöürftigcn Darlehen angeboten wurden. Die sich meldenden Personen erhielten dann den Besuch eines Agenten und mußten ein Formular mit Antragsbedingungen unterschreiben. Sie mußten die Vermittlungsgebühr im voraus bezahlen. In den An- tragsbeöingungen stand, daß bei Verweigerung des Darlehens keine Rückzahlung der Vermittlungsgebühr und keine Angabe von Gründen über die Verweigerung statt- finde. Die meisten Gelöbeöürftigen erhielten keinerlei Darlehen. Es sollen auf diese Weise über tausend Personen geschädigt worden sein. Ein Bücherrevisor hat 1100 derartige Fälle festgestellt,' in Wirklichkeit sind es aber noch viel mehr. Zu den Verhandlungen sind 600 bis 700 Zeugen geladen. Der Angeklagte Hübner hat vor dem Untersuchungsrichter ein Geständnis abgelegt, daß er sich des Betruges schuldig gemacht habe. Jetzt widerruft er dieses Geständnis mit der Angabe, öay diejenigen Personen, die keine Darlehen empfangen haben, den Anforderungen, die hinsichtlich der zu stellenden Forderung gemacht wurden, nicht genügt hätten. Möglicherweise, so erklärt Hübner, hätten die Agenten den Kunden falsche Vorspiegelungen gemacht. Von den Mitangeklagten wird diese Behauptung Hübners energisch bestricken.
Aerzte als Märtyrer ihres Serufes.
Wahrhafte Wohltäter der Menschheit.
Aus Anlaß der Meldung vom Tode des Krakauer Professors Dr. Stanislaus Droba, der bei der Behandlung eines Bauern im Krankenhause sich selbst mit Rotz- krankheit mfizierte und unter furchtbaren Qualen daran starb, wird der „Jnf." geschrieben:
Der wahrhaft , tragische Fall des Krakauer Arztes Prof. Dr. Droba rst leider nicht der erste und einzige in seiner Art geblieben. Er ruft nur zu sehr die lebhafte Erinnerung an ähnlich erschütternde Vorgänge wach, bei denen Aerzte als Märtyrer ihres Berufes, oft in wahrhaft heroischer Weise, ihr Leben dahingeben. Ganz oe- sonders häufig sind die Opfer des ärztlichen Berufes unter, den Rontgenologen zu suchen, die bei der bekannten Gefährlichkeit der Röntgenstrablen größeren Gefahren ausgesetzt sind, als ihre übrigen Kollegen. Enden diese ergreifenden Vorfälle auch nicht immer gerade mit dem Tode des Arztes wie jetzt bet dem furchtbaren Krakauer 8HH, sind doch die Schädigungen meist schwerster Na- tur. Man erinnert sich gewiß noch des heldenmütigen engliichen Arztes Hall-Edwards, der durch eine Krebs- behandlung mit Röntgenstrahlen beide Hände verlor und seitdem von der englischen Regierung eine Staatspeunon bezieht.
geisterhaftes, zuckendes Antlitz, die sonst so liebevoll leuchtenden, jetzt so kalten, starren Augen, und wieder und wieder mußte sie seufzen: „O Herr im Himmel, warum mußte doch alles so kommen! Gib mir Kraft, daß ich nicht verzweifle!"
Sie war ein starkes Mädchen, in ihrem zierlichen Körper wohnte eine Heldenseele und festes Gottver- trauen. Das half ihr hinweg über die schwersten Stunden ihres jungen Lebens.
Da die Frau Oberst noch nicht zu sprechen war, so begab Erwin sich zunächst in Udos Wohnzimmer. Der hatte soeben seine Morgentoilette beendet und glaubte, als jemand an die Tür klopfte, Johann wolle ihn sprechen.
„Herein!" schnarrte er also und verschluckte nur mit Mühe eins jener zierenden Beiworte, an die der Alte nur zu sehr von ihm gewöhnt war. Aber wie erschrak der schneidige Junker, als statt des jederzeit demütigen Dieners der Volontär Rudorp mit totenbleichem Gesicht und entsetzlich anzusehenden Augen hereintrat, sich ein klein wenig verbeugte und dann in keineswegs unterwürfigem, sehr entschiedenen Ton sprach: „Herr von Schultental, ich stehe nicht als Untergebener Ihrer Frau Mutter vor Ihnen, sondern als ehemaliger Offizier, dem seine Ehre bis zum letzten Hauch das Heiligste von allen Erdengütern ist. Ich habe mit Ihnen zu reden."
Udo wurde sehr unruhig, schaute sich nervös nach allen Seiten um, trat einen Schritt näher an die zu seinem Schlafzimmer führende Tür und stotterte: „Bitte sehr, mein Herr."
Kurz und bündig brächte Erwin vor, was er betreffs der verschwundenen elfhundert Mark gehört und fragte dann mit gehobener Stimme: „Behaupten Sie, mein Herr, daß ich das Geld gestohlen habe, oder ist das nur Gerede des Gesindes?"
(Fortsetzung folgt.)