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420 Millionen für die österreichische Alolke.

Die Ministervegegnnng von Abbazia.

Der italienische Minister des Aeußern Marquis di San Giultano ist mit dem leitenden österreichischen Staatsmann Grafen Berchtvld in Abbazia zusammenge­troffen. Neben der rumänischen und albanischen Frage bildeten den wichtigsten Punkt ihrer Besprechungen der österreichische Marinevoranschlag, der einen Kostenauf- wand von 420 Millionen Kronen erfordert, die auf sechs Jahre verteilt werden sollen. An diesem weiteren Aus­bau der österreichischen Kriegsmarine besitzt naturgemäß Italien das größte Interesse, da beide Staaten nament­lich im Mittelmeer mit gemeinsamen Gegnern zu rechnen haben. Aber auch der Dreibund stellt damit eine Macht dar, die jeder Gefahr gewachsen erscheint, eine Warnung für den Feind bildet und eine Anziehungskraft auf den Schwankenden ausübt.

Das ordentliche Erfordernis des österreichisch-unga­rischen Marinebudgets stellt sich auf 35199 050 Kronen, das außerordentliche auf 2 674 530 Kronen. Beide Be­träge sind zusammen um 1210 000 Kronen höher, als sie für das erste Halbjahr 1913 festgesetzt waren. Bei diesen Zahlen sind nicht Inbegriffen die außerordentlichen Kre­dite, die sich folgendermaßen verteilen: für den Ausbau der Flotte 47 500 000 Kronen (als letzte Rate für das Ge- samterfordernts von 312 400 000 Kronen), 2. für Rü­stungen, die durch die Balkankrisis verursacht wurden, in Höhe von 40 433 860 Kronen, 3. zur Beschaffung be­sonderer Marineerforöernisse 7 207 500 Kronen und end­lich 4. für Hafenbauten iu Pola % Million« Kronen.

Der neue Marineminister, Admiral Haus, ist bei diesen Forderungen nicht über das Programm seines Vorgängers, des Admirals Grafen Montecuculi, hin­ausgegangen. Wie dieser verfolgt er das Ziel, die ver­alteten und nicht mehr kampffähigen Schiffe durch neu­zeitliche zu ersetzen und die österreichisch-ungarische Flotte auf 16 Schlachtschiffe, 12 Kreuzer, 24 Torpedofahrzeuge, 72 Torpedoboote, 12 Unterseeboote, 8 Monitore und einige Trainschiffe zu bringen.

In letzter Zeit tauchten wiederholt Meldungen über russische Truppenverschiebungen und Probemobilisierun- geu auf, die zwar starke Völker, die auf der Hut sind, nicht zu beunruhigen brauchen, da sie ihre Gegenmaß- regeln treffen, ohne viel Aufhebens zu machen. Dazu kommt noch die unerquickliche Lage auf dem Balkan, die von österreichischer wie italienischer Seite aus eine er­höhte Kriegsbereitschast erforderte. Deutschland selbst ist seinen Verbündeten mit einer gewaltigen Heeresreform vorausgegangen. Italien 'chloß sich ihm an, und Oester­reich-Ungarn hat nunmehr ebenfalls die nötigen Schritte getan, seine Seemacht kriegsstark und krtegstüchtig zu machen. Diese Rüstungen der Dreibundmächte sind er­forderlich gewesen, um den Weltsrieden zu erhalten, und bilden zugleich für den Freund ein starkes Rückgrat bei der Verfechtung seiner jeweiligen Interessen. Diesem Zweck dient auch die Besprechung der beiden Staats­männer in Abbasia, die zur Klärung der noch schweben­den Fragen in der auswärtigen Politik wesentlich bei­tragen wird.

Die Allpenfionöre in Preußen.

Während bis vor kurzem die Frage, ob eine ge­setzliche Regelung der Bezüge der Altpensionäre und der Althinterbliebenen nach dem Vorgänge des Reiches anch in Preußen erfolgen soll, noch nicht entschieden war, ist jetzt die Entscheidung dahin gefallen, daß, trotz vorliegen­der Anträge im Parlament, von der Einbringung eines entsprechenden Gesetzentwurfes abgesehen wird. Eine manchmal offiziös bediente Berliner Korrespondenz schreibt hierzu:

Gegen eine gesetzliche Regelung werden sowohl staatsrechtliche wie vor allem finanzielle Gründe geltend gemacht, da nach den letzten Erhebungen über die Alt­pensionäre (einschließlich der Lehrer) sowie über Alt- hinterbliebene die Aufwendung von nicht weniger als 48 Millionen notwendig wären, um die Bezüge gesetzlich festzulegen, während im Reiche eine verhältnismäßig viel geringfügigere Summe (ca. 7 Mill. Mark) ausretcht, um die Regelung durchzuführen. Diese stellt sich außer­dem als eine Notwendigkeit für das Reich dar, weil die Bereitstellung erhöhter Zuwendungen aus Unterstütz zungsfonds nach den geltenden reichsgesetzlichen Be­stimmungen nicht angängig ist.

Um den Wünschen der Althinterbliebenen weiter ent- gegenzukommen, sind verschiedene Erleichterungen ange­ordnet, und die Pensionsfonds sind gegen das Vorjahr um ca. 4 Millionen Mark höher bemessen. Die Zuwen­dungen sollen in möglichst weitherziger Weise den Pen- ßonaren zugute kommen. So sollen Pensionäre sowie Witwen und Waisen, die wegen Krankheit oder aus fon= Pöen ^rünöen besonderer Fürsorge bedürfen, be on- ders Berücksichtigung finden. Ferner in jüngeren Jah- ren pensionierte Pensionäre, oder solche, die unversorgte Kinder haben. und Witwen und Waisen von Beamten,

(Zehn dientet Schein.

Original-Roman von Ludwig Blümcke.

21) (Nachdruck verboten.)

W»ÄttÄ ÄW* "O '°"°- '""M unÄ W ^"8- "' «* *« ., "^^s tzi Agnes!" sagte Erwin sich und wollte sich ihr nähern, ^.och wie ein Wiesel glitt sie behende über den Hofplatz und verschwand hinter den Tannen.

®$ folgte ihr und glaubte sie auf dem nach dem Katzenberg führenden Weg wieder au tauchen zu sehen Schon öffnete er den Mund, ihren Namen zu rufen Dock da bewegte sich im Buschwerk rechts ihn nicht alles trügte, so war

SÄE ÜUebEE1^ botwärts strebte w6 ä S ÄS "0£Ä 35 wohl nicht, daß der Junker schon da^und alaubt I weiter ab. O Himmel, sollte es wirklich so se/n?^»!« willst du denn nur noch, weißt du noch nicht aemtnS

Es trieb ihn weiter, immer weiter f?rt A^ und nun konnte er auf eimnai lüK

Stelle. Ein Gefühl der Schwäche überkam iSiSS er zu Boden sinken. Ach, es mo<Ae wohl wahr sein daß mar^ini^ sjch^ "^l zu früh abgereist ^^^ uno fid) twei) einige ntüifßtT wie der Arzt ihm geraten. Es flimmerte ihm gew E rot und schwarz vor den Augen, als sollte er in Ohn­macht fallen. '

Bis an eine große Birke schleppte er sich noch dann sank er in dem welken Land, das unter ihr lag, nieder,

die vor dem 1. April 1907 oder in jüngeren Jahren pen­sioniert oder verstorben sind.

Politische Rundschau.

Deutschlands militärischer Nachwuchs. Ueber die Tauglichkeit der Ausgehobenen beim Ersatzgeschäft läßt sich auf Grund des vorliegenden Maicrials im letzten Be­richtsjahre feststellen, daß von je 10t, endgültig Abgefer­tigten 55,5 Prozent tauglich, 14,3 Prozent künftig taug­lich, 24 Prozent mindertauglich, 6 Prozent untauglich, 0,2 Prozent unwürdig waren. Vergleich man diese Er­gebnisse mit denen früherer Jahre, so ergibt sich: Die Gesamtzahl der in den Listen geführten Leute hat ständig zugenommen entsprechend der stetig anwachsenden Be­völkerungszunahme. Dabei ist die Zahl der Unwürdigen und Untauglichen zurückgegangen. Der Prozentsatz der Tauglichen hat abgenommen,- er betrug im Jahre 1903 noch 57,1, jetzt nur noch 55,5! Zuaenommen haben die minder Tauglichen: von 19,5 auf 24,0 Prozent. Die in Rußland geborenen Rekruten stellen den größten Teil der Analphabeten.

Unter den Kandidaten für den Statthalterpo sie« -er Reichslande ist schon vor längerer Zeit der frühere Ober­präsident von Schlesien Fürst Hatzseld, Herzog zu Tra- chenberg, genannt worden. Wie demBcrl. Tgbl." mit- geteilt wurde, wäre neuerdings wieder mit dem Für­sten wegen Uebernahme des Postens verhandelt wor­den. Das Blatt gibt aber die Nachricht selber nur mit allem Vorbehalt.

Die Zaberner Garnison. Die Meldung elsatz-loth- ringischer Blätter, das Infanterieregiment Nr. 99 werde wieder nach Zabern versetzt werden, und seine Rückkehr dorthin werde bereits in den nächsten Tagen erfolgen, wird von antunterrichteter Seite als unzutreffend be­zeichnet. Eine Entscheidung der Frage, ob Zabern über­haupt wieder eine Garnison bekommen solle oder nicht, ist noch nicht getroffen.

Das amerikanische Ultimatum an Mexiko. Der Pa­riserTemps" veröffentlicht ein Privattelegramm aus Neuyork, wonach das mexikanische Kabinett nach länge­rer Beratung einstimmig beschlossen habe, die amerika­nische Forderung des Flottensaluts abzulebnen. da die Erfüllung mit dem mexikanischen Nationalgefühl nicht vereinbar sei. Die Vereinigten Staaten bestehen an­dererseits auf ihrer Forderung, doch scheint es, als ob das angedrohte Bombardement von Tampico noch nicht beginnen wird, da erst noch einMeinungsaustausch" stattfinden solle.

Kleine Oacfirlchten.

Die Uebersiedlnng derHansa" nach Hamburg. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch verließ das Passa­gierluftschiffHansa" den Potsdamer Luftschiffhafen, um nach Hamburg zu fliegen, wo es das LuftschiffSachsen", das als Uebungsschiff von der Reichsmarineverwaltung angekauft worden ist, ablösen soll. DieSachsen" kehrt nach Potsdam zurück und wird dort Erneuerungsar­beiten unterzogen. DieHansa" bleibt voraussichtlich noch bis zum 10. Mai in Hamburg.

Einen seltsamen Selbstmordversuch unternahm am Sonnabend eine Ehefrau in Hannover. Sie trank Ben­zin und zündete die Flüssigkeit im Munde an, um hier­durch eine Explosion zu verursachen (!) Die unglückliche Frau wurde mit schweren Brandwunden ins Kranken­haus gebracht.

In der Narkose gestorben. In Dessau schössen die beiden Schüler Burghausen und Anger, beide Söhne von Arbeitern, mit einer Luftbüchse. Dabei wurde Burg­hausen von einem Geschoß oberhalb eines Auges ge­troffen. Der Verletzte begab sich zu einem Augenarzt, der ihn zur Entfernung des Projektils nach dem Kran­kenhaus schickte. Hier wurde der Junge narkotisiert. Er starb aber während der Narkose, vermutlich an einem Herzschlag. Seine Leiche wurde beschlagnahmt.

Ein teilweiser Droschkenchanffenräusstand ist in Berlin eingetreten. Es handelt sich um die Wagenführer, die in kleineren Betrieben tätig sind. Sie wollen sich von den Autobesitzern den Abzug einer bisherigen Son­dervergütung für Gepäckbeförderung nicht gefallen las­sen. Die großen Automobilgesellschaften bleiben von dem Streik unberührt.

Drei Deutsche in der Fremdenlegion gefallen. Wie aus Saigon nach Paris gemeldet wird, sind bei den Kämpfen mit Cbinesenbanöen an der tonkinesischen Grenze u. a. drei deutsche Fremdenlegionäre gefallen, und zwar Manick aus Klangen in Elsaß-Lothringen, Mathis aus Mutzig uud Raick aus Naivlingen.

Verhängnisvolles Stelldichein. Wie aus Marseille gemeldet wird, ertappte dort der Zimmermaler Drap seine Gattin und deren Geliebten, den Gemeindebeamten Ferranti, bei einem Rendezvous und tötete beide, indem er sie mit einer Eisenstange erschlug.

Der Tod im Eismeer. Aus St. Johns (Neufund­land) wird gemeldet: Der Kapitän des Dampfers

hielt sich an ihren Stamm und starrte mit gläsernen Augen in die helle Mondlandschaft, die sich vor ihm bis zum Fuße des Katzenberges ausdehnte.

Da bewegte sich etwas: Richtig, das konnte nur Agnes sein. Und der Riese mit dem Federhut da stand er ja auch schon. Wie mochte er gelaufen sein! Ach nein, der Psad über die Wiese mußte ihn ja ein gut Teil früher au die verabredete Stelle führen. Und nun schloß er die Mädchengestalt in seine Arme, herzte und küßte sie; und dann schritten sie beide, gans engan- einander geschmiegt, weiter fort.

Erwin wollte sich aufraffen, um ihnen nachzustürzen, um Rechenschaft von der Treulosen zu »erlangen, die ihn in seinen heiligsten Gefühlen so bitter getäuscht, doch er fühlte sich zu schwach und taumelte, als er einen Schritt vorwärts tat, zurück, als versagten die Beine ihm gänzlich ihren Dienst:Sie ist es nicht wert, daß du sie überhaupt noch ansprichst," sagte er dann zu sich sel­ber.gleiße deine Leidenschaft heraus aus der Brust, laß diese Liebe abgetan seW für immer und sei ein Mann! Die Tochter eines verfolgten Zuchthäuslers, eine Treu­lose nein, kein Wort! Deine Entrüstung wäre für sie und ihn vielleicht nur ein Triumph. Sei stark!" Uud er biß die Zähne zusammen, troefnete den kalten Schweiß von der Stirn, atmete tief und wankte wie ein Schwer­kranker langsam des Weges zurück.

Zerrissen, vernichtet war da etwas in ihm, er ver- wunschte sein Dasein und haderte mit dem Schicksal, daß d in öer eben überstandenen Krankheit nicht lieber, Mutter, hatte sterben lassen.Was sollst du ??? Leben dir nichts als Enttäuschungen vielleicht ist dies dein Ende. Das Fieber n neuem' du bist schwerkrank."

AAfCt^ r^^ ?E der Mann, der Agnes umarmt unö kein anderer als der ihx eutgegeukom- m fwmL» « C1'' Udo aber stand, als Erwin das mit blcnnenden Augen und todwundem Herzen ansah,

Bloodhound" gibt an, daß er 80 Meilen südlich vom Kap Race große Mengen Schiffstrttmmer und eine große Anzahl schwimmender Leichen angetroffen habe. Man glaubt, daß es sich hier um Ueberreste des am 31. März gescheiterte« DampfersSouthern Crotz" handelt.

Unter furchtbaren Qualen ist der Krakauer Univer­sitätsprofessor Droba an der Rotzkrankheit, die er sich durch Ansteckung zugezogen hatte, gestorben. Als un­längst ein Bauer, der an bösartigen Geschwüren litt, im Krakauer Krankenhause von dem Professor mit einem Serum, das ein Veterinärarzt gegen die Rotzkrankheit erfunden hat, erfolgreich behandelt wurde, hat sich der Professor infiziert. Wie festgestellt wurde, war auf den Bauer die Krankheit von seinem Bruder übertragen worden, der als Diener im Krakauer Militärmagazin angestellt war und dort die Katzen mit Pferdefleisch zu füttern hatte, das wahrscheinlich von rotzkranken Tieren stammte.

Schwerer Unfall im Zirkus. Der Zirkusdirektor Stosch-Sarrasani wurde bei einer Vorführung in Leip­zig, als er unter ein stürzendes Pferd zu liegen kam, schwer verletzt.

Ein Händlerinnenstreik in Madrid. Die Gemüse- Händlerinnen in Madrid erklärten den Eintritt in den allgemeinen Streik und erzwängen die Schließung der Gemüseläden. Sie wollen die Preissteigerung von Ge­müse aufhalten, an der angeblich die Zwischenhändler die Schuld tragen.

Großen Wechselschwindeleien ist man in Wien auf die Spur gekommen, bei denen der Name des Direktors der Königlichen Museen in Berlin, des Geheimrats von Bode, mißbraucht worden ist. Die Behörden haben fest­gestellt, daß der vierzigjährige Schriftsteller Friedrich Pollack eine Reihe von Geldgebern um etwa 120 000 ,// durch Wechselfälschungen geschädigt hat, bei denen er sich einer gefälschten Unterschrift des Geheimrats von Bode bedient hat.

Gericht und Recht#

Wegen unmenschlicher Mißhandlung seiner Ehefrau stand der Bergmann Corr vor der Strafkammer in Aachen. Er hatte seine Frau, die wegen fortgesetzter Mißhandlungen zu ihrer Mutter geflüchtet war, veran­laßt, zu ihm zurückzukehren. Kaum hatte die Frau die Wohnung betreten, als Corr über sie herfiel, ihr einen Knebel in den Mund steckte, sie entkleidete und auf einem Stuhle festband. Er legte dann ein Rasiermesser neben sich und drohte die Frau zu töten, wenn sie sich wehre. Er schnitt darauf die Frau die Haare vom Kopfe und goß ihr heißes Wasser auf den Körper, sodaß die Un­glückliche vier Monate im Krankenhause liegen mußte. Das Urteil lautete auf 1% Jahre Gefängnis.

DerDeserteur" in der Kaserne. Wie seinerzeit be­richtet, war im Februar dieses Jahres der Dragoner Berusee vom Dragonerregiment in Gnesen spurlos ver­schwunden und wurde dann als fahnenflüchtig erklärt. DerDeserteur" hielt sich aber innerhalb der Kasernen- mauern, und zwar nahezu fünf Wochen, versteckt auf. In dieser Zeit verübte er mehrere Einbrüche in die Vor­ratskammer der Kantine und des Offizierskasinos. Die Beute schaffte er in sein Versteck, woran er sich dann gütlich tat. Beim letzten Einbruch wurde er schließlich überrascht und am nächsten Tage in seinem Schlupf­winkel in der Kaserne festgenommen. Das Kriegsge­richt der 4. Division verurteilte Bernsee jetzt zu fünf Monaten Gefängnis.

die Belastung des Herzens.

Eine wissenschaftliche Plauderei.

Der Mensch ist eigentlich nur so lange ganz ge­sund, als er nichts von seinem Körper fühlt. In jungen Jahren weiß man dies Glück gewöhnlich nicht zu schät­zen. Auch ohne eine eigentliche Erkrankung stellen sich bei dem im vollen Getriebe stehenden Leben des Men­schen Beschwerden ein, die sich körperlich fühlbar machen, auch wenn sie ihren Ursprung in einer Anstrengung und Ueberlastung der geistigen Betätigung haben. Das edelste Organg nächst dem Gehirn, das Herz, erhebt öann zuerst seine warnende Stimme. Wenige machen sich eine rechte Vorstellung davon, welch ungeheure Arbeit das Herz zu leisten hat, obgleich es nicht schwer ist, darüber durch eine Rechnung inS Klare zu kommen. Von der Geburt an bis zum Tode führt es zwischen 70 und 150 Zusammenziehungen in jeder Minute aus, und jede Zufammeuziehung entspricht einer Arbeitsleistung, als ob es ein Gewicht von einem Kilogramm einen Fuß hoch heben würde. Man nehme nur einmal ein solches Gewicht auf die flache Hand und versuche die Arbeit des Herzens mit dem Arm nachzumachen.

Junge Leute bei voller Gesundheit und guter Er­nährung spüren von ihrem Herzen in der Regel nichts außer vielleicht in dem übertragenen Sinne, der mit dem körperlichen Sinne kaum etwas zu tun hat. Wird aber die Herzmuskel durch Bleichsucht oder vergiftende Eigenschaften bedrängt oder gar zu einem Sitz einer

ganz in dessen Nähe und wagte seinetwegen nicht hinter dem Gebüsch, das ihn versteckte, hervorzutreten. Da er vermutete, daß sein gefährlicher Nebenbuhler, öen er noch in weiter Ferne gewähnt hatte, irgendwo Agnes' 9tüct= kehr abwarten würde, wie er es ebenfalls zu tun vor­gehabt, so hielt er es für besser, unbemerkt heimzu- schleichen, denn er fürchtete den unheimlichen Menschen. Aber morgen wollte er es durchsetzen, daß seine Mutter ihn, wenn von einer gerichtlichen Untersuchung denn durchaus abgesehen werden sollte, wenigstens unverzüg­lich entließe.

Erst lange nach Mitternacht betrat Erwin, zu Tode erschöpft und zähneklappernd vor Fieberfrost, sein Zim­mer. Nach wenigen Stunden unruhigen Schlafes ver­ließ er sein Lager wieder, um Dienst zu tun. Als er den Pferdestall, wie sonst, betrat, um nach dem Füttern zu sehen, fiel ihm sofort auf, daß die Knechte ihn genau so mißtrauisch anschauten, wie der Diener es gestern getan, und mit seinen scharfen Ohren hörte er auch recht gut, daß einer der jungen Burschen zum anderen sagte: Was will der hier? Wir lassen uns von einem Spitz­buben keine Vm'schriften machen." Das trieb ihm das Blut siedend heiß ins Gesicht. Doch er tat, als habe er nichts gehört, weil er das für das Klügste hielt.

Wie hier im Stall, sah er denn auch draußen auf dem Felde nur mürrische, argwöhnische Gesichter- kaum daß die Leute seinen Gruß erwiderten. Selbst der alte Hof­meister, ein früherer Unteroffizier, der ihm sonst stets mit Achtung begegnet war, ging ihm wie einem Geäch­teten aus dem Wege und gab, als er ihn einholte und nach diesem und jenem fragte, recht einsilbige Antworten.

Srr konnte das nicht weitergehen. Die Diebstahls­angelegenheit müßte aus jeden Fall aufgeklärt werden. Freilich tvürde er, was ihm äußerst peinlich, offen be­kennen müssen, was ihn veranlaßt hätte, des jungen Herrn Zimmer 31t betreten.

(Fortsetzung folgte