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hersselder Tageblatt v Amtlicher Anzeiger ^^g^ für den Kreis Hersfeld Hersselder WW KreisbM

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 87. Mittwoch, den 15. April 1914.

Bus der Heimat.

Spaziergänge im Frühling.

Daß das Spazierengehen, zumal in der Zeit des erwachenden Frühlings, eine günstige Wirkung auf unser Wohlbefinden ausübt, ist eine allgemein an­erkannte Tatsache. Aber im allgemeinen wird hierbei, besonders ärztlicherseits, vorwiegend an die hygienische Bedeutung der Sache gedacht. Gewiß: nachdem wir, und zwar besonders die Städter, uns den Winter hindurch mehr in der Stubenluft sitzend aufgehalten haben, als draußen in der frischen Atmosphäre bei freier Bewegung, ist eine Wanderung durch die auf­blühende Frühlingslandschaft von außerordentlichem gesundheitlichen Werte für den Körper, die Lunge iveitet sich, der Atmungsvorgang wird gesteigert, es findet eine lebhaftere Bluterneuerung statt, und durch die Bewegung, hauptsächlich bei unebenem Gelände, in einer Hügelgegend oder im Gebirge, wird der ganze Lebensprozeß erhöht. Dazu wirken die neuen Farben, in die die wiedererwachende Schöpfung sich kleidet, die aufbrechenden Knospen, der Gesang der Vögel und alles, was sich als Ueberwindung des winterlichen Todesschlafes darstellt, gleichfalls belebend auf unsern Organismus ein.

Aber auch rein seelisch betrachtet, ernten wir von einem Gange durch den Lenz in Feld und Wald unschätzbaren Gewinn. Durch den Anblick der im ersten zarten Grün prangenden Natur, durch die fröhlichen Laute, mit denen die Vogelwelt uns beglückt, wird unser Schönheitsempfinden neu geweckt. Denn hehrste Schönheit in all ihrem trüber Ein­tönigkeit entgegengesetzten Wechsel, der dennoch dem Gesetz unterworfen ist, ohne freilich der Freiheit, die aber nicht Willkür ist, zu entbehren, finden wir gerade in der Natur: und der Künstler kommt dann seinem erhabensten Ziele am nächsten, wenn er von der Natur lernt, freilich nicht durch stumpfsinniges Kopieren des Zufälligen, nicht als gefühlloser, geistes- armer Sklave, sondern indem er das, was die Gott­heit als Gedanken in die Schöpfung gesenkt hat, erfaßt und widergibt, denGedanken der Schöpfung" wie Klopstock sagtnoch einmal denkt".

Hier betreten wir schon das ethische Gebiet. Die Betrachtung der Schöpfung führt uns auf den Schöpfer. Und indem wir erkennen, wie er ewig lebendig, geheimnisvoll die Natur durchwirkt, die, neu verjüngt nach langer Nacht, dem Tage froh entgegen- lacht, zieht neben dem Dank des Herzens gegen ihn frischer Lebensmut und Hoffnung in uns ein, und wir fühlen, wie der Wille zu neuem Wirker in feinem Sinne nachhaltiger in uns sich regt, und kehren, gehobener gestimmt, von jedem Gange durch die Schöpfung heim.

Darum: hinaus ins Freie jetzt, wer's irgend möglich machen kann! Hinaus in die lachende Frühlings­welt, wo der Himmel blaut, die Erde grünt, der Vogel singt, und die Luft so lau und wohlig uns um Stirn und Schläfen weht, damit auch in uns der Lenz seinen Einzug hält!

Na

*(DieHypothekenbewegunginHessen-

s s a u.) Nach dem vorläufigen Ergebnisse der Statistik der Hypothekenbewegung in Hessen-Nassau für das Rechnungsjahr 1912 stellt sich der Jahres- überschuß der Hypothekeneintragungen über die Löschungen in Hessen-Nassau in den städtischen Be- zrrken auf 64,48 Millionen Mk., gegen 81,10 in 1911 unb 76,90 in 1910. In den ländlichen Bezirken stellt M) dagegen das Resultat in 1912 auf 27,37 Mill. Mk. gegen 26,01 tn 1911 und 29,58 in 1910.

^"Hasenjagd im nächsten Herbst Aussichten. Der erste Satz vom Feoruar- ging durch den andauernden Regen zugrunde, emch der Märzsatz gefolgt. Ueberall finden die Landwirte bei der Frühjahrsbestellung die Kadaver der kleinen Tierchen in den Ackerfurchen und Graben.

):( Hersfeld, 14. April. Am 1. Mai wird der H g l t e p u n k tH e r s f e l d B a d" für den Personen- unb Gepackverkehr eröffnet.

Rotenburg, 10. April. In Richelsdorf starb im Alter von 74 Jahren der Einwohner Löwenstein. Von seiner Todesstunde an blieb seine alte Katze regungslos unter dem Sterbebett und nahm bis nach verendete d^u^S^tag feine Nahrung zu sich, sodaß sie

Rotenburg a. F., 13. April. Landgraf Chlodwig v^^^bN hat für das demnächst im Rathaufe einzu- rtchtende Heimatmuseum unserer Stadt, für dessen Z ündung bereits eine Stiftung vorhanden ist, eine

Schloß befindlicher alter, noch gut erhaltener geschnitzter Heiligenbilder gestiftet.

Eschwege, 10. April. 203 Inhaber von offenen Geschäften sind beiden städtischen Behörden um Erlaß eines Ortsstatnts eingekommen, wonach die Geschäfts­zeit an Sonntagen nur noch von 111 Uhr sein soll. Ebenso soll die Stunde abends von 89 Uhr am Sonnabend in Wegfall kommen.

Cassel, 11. April. Durch eine Verkettung unglück­licher Umstände kam, wie erst jetzt bekannt wird, kürzlich die Witwe St. in der Schillerstraße ums Leben. Aus dem Geschäft zurückkehrend, fand eine Aftermieterin der Frau St. ihre Wirtiu in der Küche ausgestreckt auf dem Fußboden liegend und stark röchelnd. Das erschrockene Mädchen holte sofort Hilfe herbei. Als es nach kurzer Zeit mit einem Arzt zurückkehrte, konnte dieser den inzwischen eingetretenen Tod der in den siebziger Jahren stehenden Frau konstatieren. Nach einer genauen Untersuchung er­gab sich, daß die Frau zunächst einen Schlaganfall er­litten hatte. Bei dem hierdurch verursachten Sturz war die Bedauernswerte auf den Rücken gefallen und das von ihr getragene künstliche Zahngebiß in die Luftröhre gerutscht. Da die Frau infolge des er­littenen Schlaganfalls nicht imstande war, das Gebiß zu entfernen, ist sie daran erstickt.

Caffel, 11. April. Die Unsitte der Kinder, auf dem Treppengeländer hinabzurutschen, hat in einem Hause der Unterneustadt einen schweren Unglücksfall zur Folge gehabt. Ein gjähriger Knabe stürzte dabei vom 2. Stockwerk in den Hausflur hinab, wo er be­wußtlos liegen blieb.

Bad Brückenau, 10. April. Der in Mnckental amtierende Hauptlehrer Stößer stürzte auf einer Tour vom Rade und brach das Genick. Stößer war ver­lobt und wollte zu Ostern heiraten.

Marburg, 13. April. Die Leiche des seit etwa zwei Monaten vermißten Bauunternehmers und Stadtrats W. Weishaupt ist heute beim Klärbecken aus der Lahn geländet worden. Die Ursache des Selbstmordes dürfte in einem Nervenleiden zu suchen sein.

Oftheim (Eisenacher Oberland), 11. April. Beim Rangieren von Güterwagen auf dem Anschlußgleis nach dem Sägewerk bei Stockheim geriet der 19jährige Arbeiter Anton Sauer zwischen die Puffer und wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.

Göttingen, 11. April. Der vom hiesigen Schwur­gericht am verflossenen Mittwoch zum Tode und Nebenstrafen verurteilte Ztgarreuarbeiter August Fuhrmann, der Mörder des Försters Knoche, hat durch seinen Verteidiger Revision anmelden lassen.

Vom Eichsfelde, 10. April. Der auf dem Königl. Salzwerk zu Kleinbodungen beschäftigte 19jährige Arbeiter Richard Kiel geriet beim Rangieren von Eisenbahnwagen zwischen die Puffer und wurde er­drückt. Der Tod trat auf der Stelle ein.

Hann. Münden, 10. April. Den Tod in der Fulda fand heute abend gegen 7 Uhr der 4 Jahre alte Sohn des Schlossermeisters Höhle hier, Marktstraße. Der Kleine war in einem unbewachten Augenblicke von Hause fortgelaufen. Er lief zum Mühlenarm der Fulda und turnte dort an dem Geländer. Dabei verlor der Junge das Gleichgewicht und fiel die zwei Meter hohe Mauer hinunter ins Wasser. Er griff noch mehrere Male an die Oberfläche und verschwand.

Herborn, 10. April. Vorgestern nachmittag wurde der Lokomotivheizer Feußner von hier von der Maschine des Niederwalgerner Zuges, bie mit einem Packwagen das Rangiergeleis am Lokomotivichuppen passieren wollte, erfaßt und uberfahren. Der Körper des Unglücklichen, der ra^ noch das Geleis über­schreiten wollte, wurde in zwei Teile getrennt. Feußner ist 28 Jahre alt und unverheiratet.

Frankfurt a. M., 9. April. Seit Ende März ist der 42jährige Exporteur F. Eugen Reininger aus Frankfurt verschwunden, nachdem es ihm gelungen war, auswärtige Firmen um sehr bedeutende Betrage, die zusammen mehrere 100 000 Mk. ausmachen, zu betrügen Vermutlich hat. sich Reininger, in dessen Begleitung sich die Frau eines Geschäftsfreundes be­findet, nach Amerika gewandt.

Frankfurt a. M., 11- April. In Neu-Ulm wurde ein Mann' namens Koch festgenommen, der im Ver­dacht steht am 26. Juli 1913 den Darmstädter Holz­händler Brechner auf der Fahrt von Frankfurt nach Darmstadt ermordet und beraubt zu haben. Bekannt- ttch folgten w dieser Angelegenheit bereits ver­schiedene Verhaftungen, bie jedoch wieder ausgehoben werden mußten.

Offenbach, 11. April. Der Schirmflicker Wein- aartner erschoß in der Karsreitagnacht den Gelegen­heitsarbeiter Preis, als.dieser in die Wohnung Wein- gartners einzudringen suchte.

Schlettstadt, 11. April. Vergangene Nacht ist im Jagdgebiet Ebersheim der Wilderer Ebele von dem Feldwebel Erdmenger vom Jägcrbataillou Nr. 8 durch einen Revolverschuß getötet worden. Der Feldwebel war bei einem Rundgang mit dem Jagdhüter von dem Wilderer mit dem Gewehr bedroht worden.

Vom Kyffhäuser, 9. April. Die diesjährige Sitzung des Vorstandes des Kyffhäuserbundes der deutschen Landes-Kriegerverbände findet am Dienstag den 26. Mai vormittags 10 Uhr auf dem Kyffhäuser statt.

Meiningen, 13. April. In der hiesigen Infanterie- kaserne stürzte der Maler Ansorg aus Henneberg zwölf Stufen von einer steinernen Treppe herab. Er erlitt bei dem Sturz einen schweren Schädelbruch. Ansorg war hier zur Musterung gewesen und hatte in angeheitertem Zustande einen Freund in der Kaserne besucht.

Miihlhausen, 11. April. Donnerstag mittag wurden in der Wanfrieder Straße an der Webschule drei Schulknaben im Alter von 12 bis 14 Jahren durch Schrotfchttsse an den Beinen nicht unerheblich verletzt. Der leichtsinnige Schütze ist unbekannt.

Erfurt, 11. April. DieStadtverordnetenbewilligten gestern abend 60 000 Mk. zu ben 1 Million Mk. be­tragenden Wiederherstellungskosten der Peterskirchc in Erfurt, ferner 145 500 Mk. zur Ausführung des östlichen Teiles des Nordparkes.

DieKailermanöver in Vberhessen.

Frhr. v. Seckendorff, Generalleutnant z. D., schreibt imB. L.-A." über die Kaisermanöver 1914: Vom 14. bis 18. September b. I. sollen 6 Armeekorps (7., 8., 11., 18., 2. und 3. bayerisches), sowie mehrere Kavalleriedivisivnen in Armeeverbänden vor dem Kaiser manövrieren. Vorher haben diese Korps 23 tägige Brigademanöver, 34 tägige Divisions- manöver und die erforderlichen Bewegungen in die Versammlungsbereiche für die Ausgangskriegslage zum Kaisermanöver bis 12. September abends zu erledigen. Für das 7. und 8. Armeekorps treten noch die Kaiserparaden bei Münster am 5. oder Coblenz am 8. September hinzu. Die Anlage der Kaiser­manöver wechselt stets auch in bezug auf die Stärke­verhältnisse der teilnehmenden Truppen. Kostenfrage, Friedensdislokation, Uebungsgelände, Bevölkerungs-, Eisenbahn- und Verkehrsverhältnisse, operative und taktische Beweggründe bilden die jedesmalige Unter­lage. Diese Rücksichten begünstigen die Zusammen- ziehung größerer Truppenmassen im Südwesten und namentlich auch im Bezirk des 18. Armeekorps nördlich der Kinzig und des unteren Mains. 1897 traten sich hier schon unter Graf Häselers und Prinz Leopold von Bayerns Führung vier Korps und zwei Kavallerie­divisionen gegenüber. Die diesjährige, bisher größte Manövertruppenmacht ermöglicht die Gegenüber­stellung zweier starker Armeen, benen für Anmarsch und Aufklärung die nötige Zeit zu lassen ist. Des­halb sind auch fünf Tage für die Kaisermanöver vorgesehen. Der Wert solcher Armeemanöver liegt in der praktischen Uebung der Aufgaben des großen Krieges als notwendige Ergänzung der fortlaufenden theoretischen Arbeit. Auf Grund praktischer Er­kundungsergebnisse auf und über der Erde, und unter dem Druck der der Wirklichkeit nahekommenden Ver­hältnisse gilt es für alle höheren Führer, rechtzeitig und glücklich zu kombinieren und zu befehlen, um sich die Initiative und den Erfolg zu sichern oder nach einem Mißerfolg die Scharte bald wieder auszuwetzen. Der zusammenhängende Kampf der Korps und Divi­sionen in wechselndem Gelände gegen einen eben­bürtigen Feind bildet schließlich den wertvollsten Teil der Uebungen. Die Anstrengungen für alle Truppen sind hierbei größer als bei den kleineren Manövern. Die Märsche und Gefechtsentwicklungen sind aus­gedehnter, Ortsbiwak nnd Biwak bilden die gewöhnliche Unterkunft. Ein Teil der Verpflegung muß kriegsmäßig aus den Ortschaften beschafft, der andere nachgeführt werden. Alle Mittel der Technik kommen zur ausgiebigen praktischen Verwendung und Erprobung, der Sanitätsdienst arbeitet im großen Rahmen des Ernstfalles, und Generalstab wie Eisen­bahnbehörden gelangen durch schnelle Bearbeitung der Eisenbahntransporte zu kriegsähnlichen Leistungen. Für die Manöver der Armeekorps unter Leitung der Generalinspekteure der Armeeinspektion istzu wünschen, daß die manöverierenden Truppen nicht noch am Tage des Manövers mit der Bahn abbefördert und die Einschiffungspunkte erst nach Schluß des Manövers bekannt gegeben werden, sodaß die Aufklärung voll zu ihrem Rechte kommen und die Bewegungen kriegs- mäßig auslaufen können.

Wetteraussichten für Mittwoch den 15. Aprit.

Wolkig, trocken, tags mild, nachts kühl, nord­westliche Winde.