Feldzugsbriese aus dem Zähre 1861
Erinnerungen eines Hohenzollernfürsten.
Packende Bilder aus dem Ringen von Düppel vor 50 Jahren bieten die Feldzugsbriefe des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern an seine Gemahlin, die K. Th. Zingeler im neuesten Heft der bei der Deutschen Ver- lags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Deutschen Revue veröffentlicht. Auf seinen dringenden Wunsch hatte der König dem Fürsten erlaubt, sich am 15. März 1864 nach dem Kriegsschauplatz zu begeben, zu dem auch bereits der Kronprinz abgegangen war. Im Lager von Kolding, wo er am 17. eintrifft. herrscht bei grimmiger Kälte viel froher Mut; unter den preußischen Generalen aber ist man über die Leitung des Oberkommandos sehr aufgebracht. Auch Karl Anton klagt immer wieder über die „unausstehliche Opposition zwischen dem Hauptquartier des alten Wrangel und dem Prinzen Friedrich Karl". „Die Konfusion dauert fort; es ist eine wahre Misere," schreibt er einmal. Zunächst wird ein Angriff gegen das verschanzte Lager von Fridericia unternommen; doch mit wenig Erfolg.
„Unsere Kriegstaten um Fridericia waren ganz miserabel," heißt es in einem Schreiben des Fürsten vom 23. März, „Nur eine Stimme herrscht über die Unfähigkeit des Feldmarschalls Wrangel. Es ist für die Armee sehr traurig, und die Oesterreicher tanzen dem altersschwachen Mann auf der Nase herum. Die Geschichte um Fridericia dauerte drei Tage. Die Stadt brannte an allen Ecken, aber die Festung blieb intakt, also kein Resultat, denn die zerstörte Stadt kümmerte die Verteidigung nicht." Dabei erhält der Fürst zusammen mit seinem Sohn Anton die Feuertaufe: „Die Gefahr ist nicht groß, die Dänen schießen schlecht mit Artillerie, und der Feldmarschall hält des Kronprinzen wegen stets ungeheuer auf. Anton brannte vor Neu- gieröe, die Feuertaufe zu erlangen, und will immer näher heranreiten. Damit er keine Unvorsichtigkeit begehen konnte, beschloß ich, mit ihm in eine Batterie zu gehen. Auf dem Wege dorthin schlug eine 24-Pfund- Kugel etwa zwanzig Schritte vor uns in den Boden, uns es krepierte ein Schrapnellschuß über unsern Köpfen. Alles ging fo glücklich als möglich ab, weil ich die Geschosse daherpfeifen hörte, also Deckung nehmen konnte. Auf diese Weise haben Anton und ich die Feuertaufe erhalten, was notwendig ist und vor weiteren Heldentaten bewahrt, denn man muß nur einmal gezeigt haben, daß man kaltblütig ist."
Ostern naht heran mitten unter den angestrengte- Uen Vorbereitungen zu dem entscheidenden Sturm. „Heute ist Gründonnerstag," schreibt der Fürst am 24. März, „man erwartet nichts von der stillen Woche hier; denn unabsehbare Wagenzüge fahren durch die Straßen mit Proviant, Munition, Kranken usw. Es ist eine ernste feierliche Karwoche, in welcher Tausende am Vorabende ihres Lebens stehen. Doch sind die Truppen alle heiter, ausdauernd, vergnügt, und keine trüben Wolken liegen über der Armee." Prächtig schildert Karl Anton das heftige Bombardement, das unterdessen gegen die Düp- peler Schanzen eröffnet wurde. „Gestern war ich bei den Batterien rechts von Broacker," heißt es am 27. „Es wurde lebhaft geschossen, und in der Luft pfiffen, sausten und tönten die Kugeln und Granaten. Die Entfernung beträgt eine halbe Meile. Wir trafen Schuß für Schutz die feindlichen Batterien, von jenseits traf kein Schutz, obgleich links und rechts Kugeln einschlu- gen. Gestern war ein warmer, lauer Frühlingstag, und die Gegend gewann an Weichheit. Einen merkwürdigen Kontrast bildet der Lobgesaug der Lerchen und Singvögel zum Sausen der Kugeln. Alles ist mit Truppen vollgestopft, fortwährend begegnet man Krankentransporten,' die Kranken sind sehr gut gepflegt." Außerdem erfüllen heftige und blutige Vorgefechte diese „abscheulichen Ostertage/ die auch noch vom schlechtesten Wetter beglestet sind.
Der Schlutzangriff auf Düppel und die Entscheidung verzögern sich noch. Am 11. April erzählt der Fürst von dem „unerhörten Feuer unserer Batterien": „Achtzig schwere Geschütze waren in steter Arbeit. Es fiel kein einziger dänischer Schutz, denn kein Mann durfte sich auf den Schanzen sehen lassen, ohne im Nu wegaeblasen zu werden. Es war fürchterlich erschütternd und hoch tragisch, datz die Dänen trotz ihres unbestreitbaren Mutes und ihrer Energie keinen Widerstand mehr leisten konnten. Man hätte gestern nachmittag ganz Düppel bekommen können. Es ist ein trauriges Schauspiel, ein so mutiges Heer ohne die ihm nötige Führung zu sehen. Stündlich muß Düppel fallen. Datz es eine Woche später doch zum entscheidenden Angriff kam, daran hat auch Fürst Karl Anton ein Verdienst, denn er verfatzte zusammen mit dem Kronprinzen, den er „ungemein reif geworden" findet, ein militärisches Memoire, in dem Äe bisherige Kriegs- führung scharf kritisiert und eine Aenderung gefordert wurde.
Täuschender Schein.
Original-Roman von Ludwig Blümcke.
19) (Nachdruck verboten.)
Dunkle Schatten nisteten sich ein in seinem Zimmer, sie störten ihm die Ruhe, sie verfolgten ihn in die Wälder wie Gespenster der Nacht und machten ihn o» einem unsteten Menschen. Täglich ging er mehrmals nach Waldwiese, um Agnes zu trösten und seinen Beistand anzubieten. Doch sie war niemals zu sprechen, schien gar nichts von ihm wissen zu wollen.
Die Aermste litt Höllenqualen in ihrer Ungewißheit bei dem Gedanken an die Zukunft. Hätte sie doch jetzt den Geliebten wenigstens als Berater zur Seite gehabt! Aber wo war Erwin? Warum gönnte er ihr
e^ einzige Zeile? Sollte er wirklich das Geld gestohlen haben und nun geflüchtet sein auf pUmmerwiederfehert, wie die Leute sich in die Ohren tuschelten, wie der Händler Jakob es behauptete?
^arum ersparte Erwin ihr diese nagende Sorge nicht?
Ach, daß er selber in seinem Vertrauen zu ihr !^^L^Nd ^worden und nichts sehnlicher wünschte, als ' Gewißheit zu haben, das ahnte sie nicht. Und dann bestand leider ein sehr triftiger Grund, der ihn hinderte, an irgend jemand zu schreiben: Er lag schwer erkrankt am Typhus darnieder. Diese Seuche grassierte nämlich in ferner Heimatstadt, hatte seine Mutter, die er nicht mehr lebend antreffen durfte, dahingerafst, wie so viele andere, und befiel auch ihn gleich am ersten Tage.
Der Frau Oberst machte eine Krankenschwester in aller Kürze Mitteilung davon. Wenn Agnes noch nichts erfahren, so trug Udo allein die Schuld daran.---
Rolands Zustand hatte sich in den ersten Tagen derart verschlimmert, daß das Aergste zu befürchten stand, i Wohl war es dem Einsiedler, der sich mit rührender Hin- : gebung für ihn aufopferte, gelungen, die Kugel aus der '
Vandallsmus in der berliner Siegesallee.
Der Täter verhaftet.
In der Nacht zum Karfreitag bald nach 11 Uhr bemerkte der in der Berliner Siegesallee partouillierenoe Schutzmann, datz an mehreren Denkmälern Beschädigungen vorgenommen waren. Bet näherer Besichtigung stellte er fest, daß an dem Denkmal Friedrichs des Großen der Schnabel des Adlers des linken Bankprovils, an dem Denkmal des Kurfürsten Joachim Friedrich der Schnabel des Adlers des rechten Bankprovils, an dem Denkmal des Kurfürsten Joachim II. die Schnäbel der Adler der beiden Äankprovile und an dem Denkmal des Markgrafen Heinrichs des Kindes der Schnabel des Adlers des linken Bankprofils abgeschlagen worden waren. Die Beschädigungen sind anscheinend mit einem stumpfen Gegenstände ausgeführt, den der Täter so kräftig gebraucht hat, daß die abgeschlagenen Schnabelteile sämtlich in zahllose kleine Stücke zersplittert sind. Als der Tat verdächtig wurde ein Mann festgenommen, der während der fraglichen Zeit die vor dem Denkmal Heinrichs des Kindes befindliche Kette überstiegen und sich kurze Zeit am Denkmal aufgehalten hatte. Man fand bei dem Manne, der den Eindruck eines Geistesgestörten macht, in seinen Taschen außer einigen Papieren und einem Brillenfutteral einen mittelgroßen dunklen Stein und ein starkes Messer, jedoch keinerlei Barmittel. Der mutmaßliche Täter hat anscheinend die auf Posten ziehenden Schutzmänner genau beobachtet und die Beschüdi^rn- gen ausgeführt, wenn sich die Beamten auf ihrem Pa- trouillengang möglichst entfernt von den Denkmälern befanden.
Der Täter.
Der unter dem dringenden Verdacht, die Denkmäler m der Siegesallee beschädigt zu haben, festgenommene Mann ist der am 26. 5. 1873 zu Vitry geborene pensionierte Stabsarzt der französischen Marine A n t o i n e A st i e r. Bei seiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium machte er derartige Angaben, daß man zu der Ueberzeugung kommen mußte, einen Geisteskranken vor sich zu haben. Er behauptete mit dem glücklichen Lächeln eines Kindes, Besitzer des Raffaelschen Gemäldes „La belle Jardiniörs", das sich in Paris Befindet, zu sein und äußerte die Absicht, dieses kostbare Werk um vier Millionen in Berlin zu verkaufen. Er fragte auch, ob sich Je- fuiten in Berlin befänden und ob der Jesuitengeneral schon eine Zusammenkunft mit dem deutschen Kaiser gehabt hätte. Auf Erkundigung bei der französischen Botschaft erfuhr man, daß Astier auch dort bekannt sei und sich seit mehreren Monaten in Berlin aufhalte. Man habe ihm bereits zweimal das Reisegeld nach Frankreich gegeben, jedoch sei er nicht abgereist, habe das Geld vielmehr für andere Zwecke verbraucht. Auch auf der Botschaft ist mau der Ansicht, daß Astier geistesgestört ist. Uebriaens hat der Sistierte bereits vor einiger Zeit ohne jede Veranlassung eine Schaufensterscheibe emgeschla- gen. Ein Geständnis, die Tat begangen zu haben, hat er noch nicht abgelegt.
Einführung von Mnderzulagen an Reichsbeamle.
Das zuständige Reichsressort hat in diesen Tagen den Behörden die nötigen Anweisungen zugehen lassen, die sich auf die Ermittlungen über den Familienbestand der Reichsbeamten beziehen. Es handelt sich hierbei um die Gewinnung von Unterlagen für die Prüfung der Frage der Gewährung von Erziehungsbeihilfen für die Beamten. Die Zulagen sollen bei höheren Beamten jährlich 200 Mark für ein Kind betragen. 400 Mark sollen für zwei Kinder in Betracht kommen, und 600 Mark für drei und mehr Kinder. Die entsprechenden Sätze für mittlere Beamte würden 150, 300 und 450 Mark, für Unter beamte 100, 200 und 300 Mark betragen. Als notwendig wird erachtet, daß die Kinöerzulagen nicht besteuert werden. Im Westen des Reichs sind diese Gehaltserhöhungen schon vielfach von Stadtverwaltungen eingeführt worden. Im Osten hat die Stadtverwaltung von Allenstein jetzt gleichfalls als erste Kommunalbehörde solche Beihilfen bewilligt. Sie ist für mittlere Beamte bei drei Kindern auf 150 Mark, bei jedem weiteren Kinde auf 60 Mark mehr normiert. Bei den Unterbeamten stellen sich diese Mehrbezüge auf 100 bezw. 40 Mark. Angestellte und Arbeiter mit einem Jahresverdienst bis ausschließlich 1500 Mark erhalten bei drei Kindern 60, bei jedem weiteren Kinde 24 Mark.
Politische Rundschau.
Karfreitag im Achilleion. Der Kaiser, die Kaiserin und die Königin der Hellenen wohnten Freitag vormittag dem Gottesdienst in der Schlotzkapelle bei, welchen Militäroberpfarrer Goens abhielt. Die Königin der Hellenen nahm an der Mittagstafel teil.
Die ungelöste Kandidatenfrage. Herr von Dallwitz kommt, wie eine Korrespondenz aus gut unterrichteten
Wunde zu entfernen, doch es bestand fast gar keine Hoff- , nung auf Besserung. Einen Arzt wollte der Verwundete unter keinen Umständen haben, auch nicht einen aus entfernterem Ort. „Der Mann könnte etwas verraten," sagte er, „und dann bin ich verloren. Oberförster Wei- denbaum will mein Verderben, mich kann darum nichts retten. Er hat den Plan klug ersonnen. Ich vermag meine Unschuld nicht zu beweisen. Es wird ohne ärztliche Hilfe besser werden und ich fliehe ins Ausland. Meine Tochter verkauft das Gut und folgt mir." —
Sobald es denn ein klein wenig bester mit ihm ging, mußte Grundmüller auf seinen dringenden Wunsch sich nach Walbwiese begeben, um Agnes in das Geheimnis einzuweihen. Sie würde es schon wahren.--
Wenn man auf dem Hof zur Ruhe gegangen war und sie vor Spähern sicher zu sein glaubte, dann verließ Agnes in den nächsten Wochen Abend für Abend das Haus und schlich nach dem Katzenberg, um die Nacht bei ihrem Vater zu sein, der ihrer Pflege so dringend bedurfte und mit ihr genau besprach, was in der Wirtschaft vorzunehmen sei. Erst mit dem Morgengrauen pflegte sie zurückzukehren. Alles wurde ganz unter der Hand in die Wege geleitet, um das Gut zu einem nicht allzu geringen Preis zu verkaufen.
4. Kapitel.
Wie ein beutelttsterner Fuchs umlauerte Udo nun bereits seit mehreren Wochen den Waldwieser Hof. „Du mußt jetzt dein Ziel erreichen," sagte er sich. „Das Mädel steht einsam und verlassen da, hat keinen Berater und weiß weder ein noch aus. Wenn du ihr, ohne daß es weiter Aufsehen erregt, deine Hilfe anbietest, dann wird sie dir in allem zu Willen sein. Ha, und was käme es da auf ein paar hundert Mark an! Es fehlt an Viehfutter, es fehlt an Geld für das Notwendigste; Du , hilfst aus, dann wird dein Gewissen ruhiger werden, i und sie muß dir Vertrauen schenken." I
Kreisen wissen will, für die Nachfolge des Grafen Wedel kaum mehr in Frage. Es scheint, daß sich Schwierigkeiten, ihn zu ersetzen, herausgestellt haben. Der schlesische Oberpräsident von Günther soll die zeitgemäße Aenderung des preußischen Wahlrechts als Bedingung für die Uebernahme des Portefeuilles des Innern gestellt haben. Man nennt nunmehr als Kandidat für Straßburg wieder den Oberpräsidenten der Rheinprovinz Frhr. von Rheinbaben und den Landwirtschaftsminister Frhr. von Schorlemer.
Durch den Wehrbeitrag ist nach Dresdener Meldungen irgendwelche steuerliche Ueberraschung in Sachsen nicht zu erwarten, da die Veranlagung zur Ergänzungs- unö (Sintommeuftcuer die Vermögen scharf erfaßt. Nur in einigen Fällen ist hervorragendes verheimlichtes Vermögen festgestellt worden.
Der Verein der nationalliberalen Jngend in Eöln nahm eine Entschließung an, in der erklärt wird, daß der Vorstand das Ansinnen, den Reichsverband der na- tionalliberalen Jugend aufzulösen, entschieden ablehnt.
Russische Rüstungskredite. Die Reichsduma hat am Freitag Kredite in Höhe von 10 033 510 Rubel für Bau- arbeiten in den Kriegshäfen, Ausrüstung ihrer Fabriken und Werkstätten und für den Bau von Trockendocks sowie unter bestimmten Bedingungen Kredite in Höhe von 77 750 549 Rubel für den Bau von Kriegsschiffen und Ausrüstung der Fabriken des Marineministeriums angenommen.
Verzweifelte Lage in Tampico. Aus Mexiko eingetroffene Meldungen bezeichnen die Lage in Tampico als verzweifelt. Die Stadt steht in hellen Flammen. Der Brand ist durch die Geschosse der vor Tampico liegenden mexikanischen Kanonenboote verursacht worden. Viele Häuser sind vollständig niedergebrannt, darunter auch das Gebäude der Filiale eines deutschen Handelshauses. Die Kommandanten der vor Tampico liegenden internationalen Flotte, unter der sich auch der deutsche Kreuzer „Dresden" befindet, hatten eine gemeinsame Unterredung, in der die Zufluchtstätten der Flüchtlinge aus Tampico bestimmt wurden.
Kleine Radiriditen.
Der dritte Dampfer der „Jmperator"-Klasse, der größte Dampfer der Welt, wird am 20. Juni auf der Werft von Blohm u. Votz in Hamburg in (Gegenwart des Kaisers vorn Stapel laufen. Der Kaiser wird voraussichtlich die Taufe selbst vornehmen. Wie verlautet, werden auch die deutschen Bunüesfürsten zu diesen Feierlichkeiten eingeladen.
Neue Zeppelinkrenzer. Jm laufenden Jahre werden, wie aus Friedrichshafen gemeldet wird, noch vier neue Zeppelinkrenzer die Werft in Friedrichshafen verlassen. Davon werden zwei an die deutsche Heeresverwaltung, einer an die Marine und einer als Passagier- luftschiff abgeliefert werden.
Die Untersuchung im Fall Berliner ist nach Meldungen aus Petersburg beendet. Gegen die drei deutschen Luftschiffer wird vor dem Appelationsgericht in Kasan verhandelt werden, und zwar gegen Berliner wegen Spionage und gegen alle drei Luftschiffer wegen Ueberfliegens verbotenen Geländes. Die Gerichtsverhandlung soll gleich nach den russischen Ostern stattsinden.
Katastrophe auf dem Dresdener Flugplatz. Als der Flieger Re'chelt Freitag nachmittag um 5% Uhr auf einem Eindecker mit einer Dame als Fluggast eine Schleisenfahrt über dem Flugplatz Kaditz ausführte, explodierte plötzlich der Motor. Der Apparat stürzte brennend zur Erde. Die Dame ist tot, während Reichest schwer verletzt unter dem zertrümmerten Flugzeug hervorgezogen wurde.
Vom Krankenlager des Königs Gnstav. Nach dem Freitag nachmittag ausgegebenen Krankheitsbericht hatte der Komg weniger Schmerzen als in der vorau- gegangenen Nacht. Der König schlief mit Unterbrechung drei Stunden und genoß Wasser, Tee und Hafersuppe in den wünschenswerten Mengen. Es folgte kein Erbrechen. Die Temperatur ist 38, der Puls 64. Das Allgemeinbefinden ist zufriedenstellend.
Von den eigenen Kindern umgebracht. In dem französischen Orte Bekes hat sich eine furchtbare Blutat abgewrelt, die das größte Aufsehen erregt. Der reiche Landwirt Pintner wurde von seinem 17jährigen Sohn und seinen beiden Töchtern durch zwei Axthiebe aus den Kopf getötet, weil er sich geweigert hatte, Geld zu neuen Feiertagskleidern Herzugeben. Die unnatürlichen Sünder wurden verhaftet.
™ M" schrecklicher Racheakt wurde gegen den Lehrer Blaham einer Ortschaft bei Kosteletz in Böhmen verübt. Der Lehrer hatte sich mit den Einwohnern verfeindet und eine Reihe von Ehrenbeleidigungsprozessen gegen sie angestrengt, die mit der Verurteilung der Beklagten endeten. Freitag nacht wurde nun eine Dynamitbombe an dem Schulgebäude zur Explosion gebracht, die das Haus zerstörte. Blaha wurden beide Beine vom Arme gerissen. Die Suche nach den Tätern verlief bisher ohne Erfolg.
Aber Agnes verließ das Haus nie ohne Begleitung einer alten Jnspektorswitwe aus der Stadt, die jetzt bei ihr wohnte und ihr behilflich in allem war. Und diese etwas derbe Person wies den Junker, als er einmal versuchte, die Stube zu betreten, ziemlich kühl ab. Da sie schwerhörig war oder sich so stellte, vermochte er ihr auch keine rechten Erklärungen zu geben.
Gestern abend, so etwas nach zehn Uhr, sah er nun aus seinem Hinterhalt ganz in der Nähe des Hofes, daß diesen eine vermummte Gestalt sehr eilig verließ und die Richtung nach dem Katzenberg einschlug. Dem Gange nach konnte Agnes die späte Spaziergängerin recht wohl sem. Er versuchte, ihr zu folgen, holte sie jedoch nicht ein. Heute vormittag betrachtete er die Fußspuren näher und fand seine Vermutung, daß sie es gewesen sei, vollkommen bestätigt. Was könnte sie zu nachtschlafender Zeit nur noch bei dem alten, übelberüchtigten Einsiedler zu tun haben? Sollte.der Mann etwas über ihres Vaters Verbleib wissen oder den Flüchtigen gar bet sich beherbergt haben?
Eigentümlich!
Und am heutigen Abend sah er die seltsame Gestalt in einem Herrenmantel, um den Kopf ein dickes Tuch ge- schlungen, abermals zu derselben Stunde vom Hof eilen. Wieder folgte er ihr. Doch die Finsternis machte es ihm unmöglich, sie zu erreichen. Und am nächsten Abend kam Agnes auf halbem Wege ein Mann von hohem Wuchs langsam entgegen, begrüßte sie zärtlich, nahm sie an den Arm, redete ganz leise mit ihr, und beide verschwanden dann auf dem Hof des Einsiedlers. Der Mann war niemand anders gewesen als ihr Vater, der sich, obwohl es mit seiner Wunde immer noch nicht gut stand, hiuansgewagt in die trotz der vorgerückten Jahreszeit sommerlich milde Abendlust, um sich wieder an iie Außenwelt zu gewöhnen. Er hielt es im dumpfen Keller nicht länger aus. —
(Fortsetzung folgt.)