Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 86. (Erster Blatt)
Sonntag, den 12. April
1914.
Litern.
Jauchze meine Seele, frohlocke mein Herz Zerrissen der Finsternis Banden Der König der Könige, Der Herr der Welt
Ist vom Tode auferstanden.
Durch ihn wird vergeben uns alle Schuld Erlöst wir von allen Sünden Laßt uns frohlocken der göttlichen Huld, Es der ganzen Welt verkünden.
O, Heiland der Welt, auch ich komm zu dir, Nimm mich segnend in deine Arme Und war ich getreu, gib die Krone mir, Reich mir huldvoll die Siegespalme.
Mathilde Sauer.
* * *
Man pflegt zu Ostern allerlei Frühlingsbetrachtungen anzustellen. Die starren Bande, welche Winter und Frost um die Erde gelegt, werden von der still wirkenden, unwiderstehlichen Kraft der jungen Sonnenstrahlen gesprengt, überall steigt neues Leben aus dem dunkeln Grab der Erde hervor. — Das ist eine schöne Symbolik. Aber der Dinge Kern, nach dem unser ganzes Forschen und Trachten geht, ist das noch nicht. Wir Menschen haben den Drang in uns, von der Gleichheit mit der Natur uns loszureißen. Wir finden keine innere Befriedigung in dem Gedanken, daß wir ein Stück Erdrinde sind, welches wird und vergeht. In uns ist mehr Leben, ein anderes Leben, als in der Pflanze; und wir wollen noch mehr, noch mehr Leben, ein noch viel höheres Leben. Darum können wir nicht gleichgültig über die Ostertatsache hinweggehen. Sollte nicht darin etwa der Dinge Kern sein? Das Wort von der Auferstehung Christi hat eine mächtige Bewegung in die Welt gebracht. Der Altmeister Goethe hat davon schon gesagt: „Dauert nichts so lang in den Landen, als das: Christ ist erstanden. Das dauert schon achtzehnhundert Jahr und ein paar drüber, das ist schon wahr." Wer das abtun will mit der geistlosen, oberflächlichen Bemerkung: Die Jünger waren betrogene Betrüger oder sie haben sich geirrt, der muß es sich gefallen lassen, daß man ihn naiv nennt, weil er eine weltgeschichtliche Bewegung mit einer Farce zu erklären versucht. Mit Anbetung einer Leiche hätte das Christentum nicht so lange bestehen können, es wäre längst morsch geworden und in sich zusammengebrochen. Wer nur etwas Verständnis für geschichtliche Bewegung und Größe hat oder weiß, daß die Bewegung des Christentums trotz aller Agitation zum Austritt aus der Kirche nicht am Ende ist, sondern steigt; sie ist etwas Lebendiges, Lebensvolles, darum muß ihr innerster Kern und Quellpunkt ein unüberwindliches Leben sein. Das ist der auferstandene Christus; und es gibt kaum einen zwingenderen Beweis seines fort und fort neues Leben zeugenden Weiterlebens, kein glänzenderes Zeugnis der von ihm ausgehenden Lebenskraft, als die Geschichte der christlichen Liebestätigkeit, der inneren und äußeren Mission.
Ein bekannter deutscher Forscher wurde im Jahre 1900 gefragt, was er für die größte Kulturerrungen- Ichaft des verflossenen Jahrhunderts halte. Keiner Erfindung oder Entdeckung erkannte er diesen Wert zu. „Das Größte, was uns das verflossene Jahrhundert gebracht hat," so schrieb er als Antwort, „ist das Wiedererwachen des Liebesgeistes innerhalb der Christenheit gewesen." Ist die christliche Kirche reich an ^rebestat, an Kräften zur Erneuerung des sitt- nchen und religiösen Lebens, so bekennt und preist rhren Gliedern an jedem Osterfest den Auf- schen kt-NEN aI§ ^"- der ihr Lebenskräfte und Liebestat
„Herr dies glaub ich dir zum Ruhm Und mein itoft ist nicht vergebens,
i enn ich bin dein Eigentum,du die Quelle meines Lebens. Hoch erfreut stng td) dir, jetzt und ewig Dank dafür.
Sch.
Bus der Heimat.
* DasWegenetzin Hessen-Nassau. Nach »er jetzt veröffentlichten Statistik waren am Schlüsse des Jahres 1912 in der Provinz Hessen-Nassau vor- b^uden 5977,885 Km. Kunststraßen (Chausseen), ferner o407,527 Km. sonstige auSgebaute öffentliche Straßen, zusammen 11885,412 Km. Davon wurden ausgebaut 1911 rund 144,696 Km. und im Jahre 1912 rimö 49442 Km. Ausgebaute nicht öffentliche Straßen handen^ch bCr Statistik in Hessen-Nassau nicht vor-
Hersfeld, 11. April. Am Donnerstag vormittag “^ ^ der Kaiserstraße ein Fahrrad end- wendet. Es gelang jedoch den Dieb in Bebra fest
zunehmen, als er dortselbst in ein Haus getreten war und das Rad vor demselben stehen gelassen hatte.
):( Hersfeld, 11. April. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 10. d. Mts. geschrieben: Ein südlich von Island neu aufgetauchter Tiefdruckwirbel bringt uns seit heute morsten neue Bewölkung und Niederschläge. Er dürfte in der Hauptsache zwar nach Norden abziehen, doch werden dabei uns seine südöstlichen und südlichen Randgebilde beeinflussen, sodaß wir für die nächsten Tage mit zwar veränderlichem, aber meist wolkigem, zeitweise auch trübem Wetter und einzelnen Regenfällen bei zeitweise lebhafteren, ziemlich milden südwestlichen Winden zu rechnen haben.
):( Hersfeld, 11. April. Groben Unfug verübten in der Nacht vorn Donnerstag zum Freitag eine Anzahl junger Burschen in der Frauenstraße, indem sie daselbst Fensterläden aushingen und anch solche zertrümmerten. Da man den Tätern auf der Spur ist, so dürften sie ihrer Strafe nicht entgehen.
-n- Friedlos, 11. April. Der K r i e g e r v e r e i n beschloß in seiner letzten Versammlung sein diesjähriges Stiftungsfest am 19. Juli zu feiern.
Lischeid (Kr. Ziegenhain), 7. April. Das zweijährige Töchterchen des hiesigen Försters verbrannte sich kürzlich auf dem Bahnhof Zimmersrode am Ofen des Wartesaals. Jetzt ist das Kind seinen Verletzungen erlegen.
Weisbach, 8. April. Der Zimmermann K. Hergenhau dahier traf beim Holzhauen in der Feldabteilung „Rhönlein" durch einen unglücklichen Beilhieb seinen Fuß derartig, daß dieser fast vom Körper getrennt wurde.
Mellrichstadt (Rhön), 8. April. Der Stations- meister Karl Schappach stürzte von einem Eisenbahnwagen und erlitt schwere innere Verletzungen.
Eschwege, 8. April. Da die Zuwachssteuer nur einen sehr geringen Ertrag für den Stadtsäckel ab- wirft haben Magistrat und Stadtverordneten beschlossen, diese Steuer vom 1. April d. I. nicht mehr zu erheben.
Fulda, 8. April. Wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz hatte sich heute der 36 Jahre alte Fuldaer Bäckermeister Maguus Hammer zu Horas vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Die Anklage wirft ihm vor und die neun Zeugen bestätigen es, daß er mit Wissen und Willen das Zermahlen alter und verdorbener Backwaren (Hörnchen, Brötchen, mürbes Gebäck usw.) geduldet, ja angeordnet und die daraus gewonnenen Substanzen dem Brotmehl beigemischt hat. Der Sachverständige Kreisarzt Dr. Marx (Fulda) bekundet, daß ein auf diese unlautere Weise hergestelltes Brot leicht Magen- und Darmkatarrhe verursachen und die Gesundheit des Menschen gefährden könne. Der Amtsanwalt beantragte unter Betonung der gewissenlosen und unverzeihlichen Hand- lungsweife des Angeklagten 200 Mark Geldstrafe, das Gericht ging bis auf 60 Mark herab.
Cassel, 10. April. Einen verwegenen Fluchtversuch unternahm am Mittwoch abend ein junges Mädchen, das sich im Fürsorgeerziehungs-Asyl Emanuel aus dem Möncheberg befand. Das Mädchen hatte bisher zu Klagen keinen Anlaß gegeben. Mittwoch abend sprang es in einem unbewachten Augenblick aus einem Fenster des zweiten Stockwerks des Unterkunfts- aebäudes und stürzte dabei so unglücklich, daß es ?fnen Bruch der Schädeldecke erlitt. Von hilfreichen Personen aufgehoben, wurde es in das benachbarte Landkrankenhaus überführt, wo es alsbald verschied.
«aifel 10. April. Die Mitglieder der Gaue Cassel, Hannover,' Thüringen und Magdeburg des Deutschen Radfahrerbundes werden sich zu dem am Pstngst- sonnabend, -Sonntag und -Montag in Göttingen stattfindenden Frühjahrsgautag des Gaues 17 des Deutschen Radfahrerbundes begeben, gelegentlich denen u. a. für den Sonntag ein Preis- und Blumenkorw durch die Straßen Göttingens stattsinden wird.
Worbis 9 Avril. Der am hiesigen Katasteramt beschäftigt gewesener Landmesser Leutnant d. R. Paul Kluae der am 16 März ö. I. in Bitterfeld bei den Vorbereitungen zum Aufstieg mit dem Freiballon „Halle"schwer verunglückte ist jetzt in einer Privat- klinik zu Jena an den folgen der Verletzungen
gestorben.
Äanau 9 Avril. Im vergangenen Sommer ging hier^das Gerücht, daß der Direktor der Hanauer Kleinbahn, Otto Büßer, auf den Straßen im Bereiche der Kleinbahn Schuhnägel gestreut habe, um jo die
schädigen und viele gici^u^ » der Kleinbahn zu zwingen- Als Gerüchtes wurde der Zugführer
Adam Fuhr ermittelt,
der nach 17jähriger Dienstzeit wegen seiner unbedachten Aeußerung von der Kleinbahn entlassen und wegen Beleidigung an geklagt wurde. Das Schöffengericht verurteilte Fuhr zu 60 Mk. Geldstrafe. Auf die von Büßer gegen dieses Urteil eingelegte Berufung erhöhte die Strafkammer diese Strafe aus 300 Mk. Von der Verhängung einer Gefängnisstrafe imljm das Gericht nur wegen des Alters des Angeklagten, seiner bisherigen Unbescholtenheit und um ihn nicht in seinem weiteren Fortkommen zu schädigen, Abstand.
Eisenach, 9. April. Im hiesigen Stadtpark wurden gestern früh die Leichen eines Mannes und einer Frau aufgesnnden. Der Mann hat das Mädchen und dann sich selbst erschossen. Ans einem bei dem Mädchen gefundenen Briefe geht hervor, daß sie Marie Schleicher heißt und aus Zena stammt. Der Erschossene heißt Karl Rabe und stammt aus Ruhla.
Helmstedt, 10. April. Weil ihm seine Geliebte den Abschied gegeben hatte, feuerte heute abend der Eisendreher Friedrich Lang aus Berlin zwei Revolverschüsse auf sie ab, die das Mädchen sofort töteten. Dann verletzte sich Lang selbst dnrch zwei Schüsse lebensgefährlich. Die Tat geschah in der Wohnung des Mädchens.
Heiligeustadt (Eichsfeld), 9. April. Bei einem gewaltigen Feuer wurden in Kalteneber vier Bauerngehöfte eingeäschert. Der Schaden ist bedeutend.
Wabern, 7. April. Unsere Gemeinde ist in einen recht unangenehmen Prozeß vermittelt. Als im vorigen Jahre die neue Wasserleitung gelegt und deshalb in der Bahnhvsstraße Schächte znr Rohrlegung gegraben waren, stürzte eines Morgens in der Dunkelheit ein hiesiger Schmiedemeister auf dem Wege zum Bahnhof in einen Schacht und verletzte sich stark, sodaß er wochenlang krank war und auch heute noch nicht wieder so hergestellt ist, daß er seinen Beruf ausüben kann. Er hat nun die lsnternehmer- Firma Gräber n. Co. in Cassel und die hiesige Gemeinde auf Schadenersatz verklagt, indem er behauptet, der betr. Schacht wäre nicht genügend bedeckt und auch nicht beleuchtet geweseu. Heute war das LandgerichtCassel zum Augenscheinstermin hier. Dem Vernehmen nach ist der Termin für den Kläger sehr günstig ausgefallen, indem die Zeugen befundet haben, daß der Graben nicht beleuchtet war. Der Angestellte der Firma, der die Aufsicht hatte, ist wegen Fahrlässigkeit bereits mit 60 Mk. bestraft. Ob sich die Gemeinde an die Firma halten kann, ist noch zweifelhaft.
Bad-Nauheim, 7. April. In Rödgen hatten die 11 und 4 Jahre alten Knaben des Arbeiters Kern eine Flobertbüchse gefunden. Der älteste Knabe Inö diese mit einer Kugel, die er dem Anzug eines Arbeiters entnommen hatte und schoß seinem jüngeren Bruder in den Kopf. Das Kind wurde schwerverletzt in das Friedberger Krankenhaus verbracht.
Vergheim, 8. April. Der Landwirt Wilhelm Eigenbrodt in Königshagerr erlitt gestern einen schrecklichen Unglücksfall. Beim Festklopfen der Mistgabel durch Ausstößen des Stiels auf den Erdboden sprang die Gabel plötzlich ab. Die Spitzen drangen ihm unglücklicherweise in beide Augen. Schwer verletzt wurde er in die Augenklinik nach Marburg geschafft. Es ist leider wenig Aussicht vorhanden, daß die Augen gerettet werden können.
Altenrüthen (Sauerland), 10. April. Eine Kuh des hiesigen Landwirtes Humpert hat drei Kälber zur Welt gebracht, welche zusammen zwei Zentner wogen. Während die Kuh am Leben blieb, sind die Kälber sämtlich verendet.
Bestnng,8.Aprstl. In unserem Nachbarorte Langen- dreer hatten Kinder ein Gartenfeuer angezündet. Das 13 Jahre alte Mädchen Gertrud Waschinski war demselben unachtsam zu nahe gekommen und stand so plötzlich in Flammen. Die erlittenen Brandwunden sind lebensgefährlich und man zweifelt an ihrem Aufkommen.
Wetteraussichten für Sonntag den 12. März.
Wechselnd bewölkt, meist trocken, warm, schwache südliche Winde.
Wandervorschläge. a. 12 Tagestour: Hersfeld Bingartes—Johannesberg Hilperhausen Kerspen- Häuser Kuppe—Mengshausen—Niederaula (3 bis 4 Std.) Rückfahrt mit der Bahn.
b. Tagestour: Hersfeld—Svrga (mit der Bahn oder zu Fuß), Breitzbachsmühle, Alte Friedewalder Straße—Friedewald—Nadelöhr—Hönebach. (5 Std.) Von hier mit der Bahn über Bebra zurück.
c. 1/2 Tagestour: Hersfeld—Wehneberg Mittel- köpf—Tann—Hohe Buche—Rotenburg (4 Std.) zurück mit der Bahn.