tat Die aufgeschobeue Kanzlerreise. Die am Mittwoch eingetretene Besserung im Befinden der Gattin des Reichskanzlers hielt auch am Donnerstag au. Jedoch wird Herr von Bethmann 1 einen endgültigen Entschluß über die Reise nach Korfu, für die bereits die notwendi- gen Anordnungen getroffen waren, erst zu Anfang der kommenden Woche fassen können.
tat Die Erkrankung des Königs Gustaf. Wie die Kopenhagener Zeitung „Politiken" aus Stockholm meldet, stellt es sich heraus, daß die Krankheit des Königs von Schweden durch eine Krebsgeschwulst verursacht worden ist. Am Donnerstag ist eine Operation vorgenommen worden.
tat DretzeHnftnudenflug eines FliegerlentnantS. Donnerstag morgen 6,12 Uhr startete in Johannisthal Leutnant Soren auf einer Taube zu dem großen Fern- flug, als dessen Endziel Gotha ausersehen ist. Soren hat die Absicht, dreizehn Stunden in der Luft zu bleiben und führt 500 Liter Benzin mit sich. Um 7,15 Uhr verließ der Flieger den Flugplatz in der Richtung nach Hannover.
tat Ein Mädchenhändler erwischt. Auf dem Posener Hauptbahnhofe wurde ein Mädchenhändler namens Cohn aus Ostrowo verhaftet, der sich mit mehreren Mädchen auf der Reise nach Amerika befand.
tat Diebe im Juwetenladen. Aus dem Juwelengeschäft von Grüufeld in der Schönhauser Allee zu Berlin wurden in der Nacht zum Donnerstag mittels Einbruchs Juwelen und andere Gegenstände im Werte von 15 000 Mark gestohlen.
tat Eine geheimnisvolle Ehetragödie wird aus Bologna gemeldet. Der Rittmeister Nassi ist verhaftet worden. Seine Frau hatte sich mit Sublimat vergiftet und dem herbeigerufenen Ärzte erklärt, sie sei von ihrem Manne zum Selbstmord gezwungen worden.
Gericht und Recht.
Eine grausame Pflegemutter, Die Leidensgeschichte eines Pflegekindes beschäftigte das Spandauer Schöffengericht, vor dem sich unter der Anklage, die 7^jährige Herta W. in der schlimmsten Art und Weise mißhandelt zu haben, die verehelichte Frau Helene O. zu verantworten hatte. Das Kind wurde von der Angeklagten vor zwei Jahren in Pflege genommen. Bei der geringsten Veranlassung schlug die Pflegemutter unbarmherzig auf das Kind ein. Bei strenger Kälte blieb es oft viele Stunden in der Küche eingeschlossen. Schließlich benachrichtigten Nachbarn die Polizei. Der Körper der Kleinen war über und über mit Striemen bedeckt. Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu zwei Monaten Gefängnis.
Verurteilung zweier Jugendlicher wegen versuchten Mordes. Der 15jährige Lehrling Peter Leuther tlud der 15 Jahre alte Laufbursche Schultz standen wegen versuchten Mordes vor der Cölner Strafkammer. Ersterer hatte seinem Vater ein Gewehr mit Patronen entwendet und zusammen mit seinem Genossen eine Verwandte aufgesucht. Sie überfielen die Frau, ver- letzteu sie lebensgefährlich und flohen unter Mitnahme von 400 Mark. Das Gericht nahm Straßenraub an und verurteilte die jugendlichen Verbrecher zu je einem Jahre Gefängnis.
Die Lalaslrophe der RMensüngerslotle.
Entsetzliche Leiden der Opfer.
Es waren erschütternde Szenen, die sich am Samstag abend und am Sonntag in St. Johns auf Neufundland abspielten, als die erstarrten und zum Teil furchtbar entstellten irdischen Ueberreste der bei der Schneesturmkatastrophe in so tragischer Weise ums Leben ge- kommenen Robbenfänger an Land gebracht wurden. Bleiche Frauen, deren dunkelumranoete Augen von tränenschweren und schlaflosen Nächten erzählten, machten sich stumm aus Werk, in der endlosen Reihe der auf- gebahrten leblosen Körper ihre Lieben, ihren Manm ihren Vater, ihren Bruder, zu suchen; und wenn jäh ein Aufschrei kam oder ein Schluchzen, das nach langer Unterdrückung endlich hervorbrach, dau wußte man: nun ist wieder ein letzter schwacher Hoffnungsfunken verloschen und hat die furchtbare und trostlose Gewißheit zurückgelassen.
Dort lagen engumschlungen zwei erstarrte Leichen, die selbst im Tode nicht voneinander lassen wollten, ein bärtiger Mann und ein junger frischer Bursche. Vater und Sohn waren es, in den Armen des Vaters war der Sohn gestorben, und ehe der Alte sein totes Kind wieder freigab, erlöste auch ihn der Tod. Bei einem anderen Toten fand man die Finger abgeschnitten; die Ueber- lebenüen erzählten es später; die erfrorenen Finger bereiteten dem Aermsten so entsetzliche Pein, daß er sie in der Verzweiflung mit seinem Seemannsmesser abhieb. Neben ihm lagen vier Tote aus derselben Familie; und bald mußte man die Hinterbliebene Frau, Tochter und Schwester hinwegtragen, denn sie wahr ohnmächtig zusammengebrochen. Und doch ist noch erschütternder fast als all diese stumme Sprache des Todes die Sprache der Lebenden: was sie zu erzählen wissen, läßt ein furchtbares Bild von dem Sterben und Leiden der Robbe «- fänger erstehen. Das Traurigste ist der Gedanke, daß die 70 Toten der „Newsoundland" wahrscheinlich, ja sicher gerettet worden wären, wenn sie nicht nach dem Einbruch des Schneesturmes dem unheilvollen Rat des Kapitäns der „Stephans" gefolgt und wieder auf das Eis gegangen wären, um ihr eigenes Schiff zu suchen.
Der Kapitän der „Bellaventure" erzählt, daß er am Donnerstag nach dem Sturme seine Leute wieder zur Robbenjagd aussetzen wollte, als er Fremde auf sein Schiff zukommen sah. Die mühsamen und taumelnden Bewegungen erweckten böse Ahnungen; und bald darauf erfuhr man von der Tragödie. Als man zur Unglücks- stelle kam, sah man ein erschütterndes Bild. Die Leichen zeigten ine sonderbarsten Stellungen; die meisten be- fanden »ch auf einer großen Eisscholle, andere trieben daneben im Wasser. Man sah deutlich, wie einzelne sich von dem Haupttrupp getrennt hatten, sie waren auf eigene Faust gegangen und dann nach kurzer Frist kraft- los niedergesunken, um zu sterben. Die Ueberlebenden erzählen, daß sie keine Nahrungsmittel mitgeführt hat- ten und auch keine Extrakleidung. Nur jene Männer, die sich nicht zu Boden legten, haben die Katastrophe Überdauert; wer sich hinlegte, war gerichtet. Man zwang sich gegenseitig immer wieder, zu laufen und sich in Bewegung zu erhalten, ja man schlug hingesunkene Freunde mit Knütteln, um sie dazu zu bringen, wieder aufzusteheu und umherzulaufen. Aber wer hinstürzte, blieb meistens liegen und starb. Im Laufen stolperte man über die Leichen bereits erstarrter Kameraden; und wehe dem, der nicht mehr die Kraft aufbrachte, sich wieder aufzurichten.
Einige der Leute begannen, von gesinterten gemar- furmtbar zu schreien und schlugen immer wieder lyr Gesicht gegen die Eisfläche; andere wurden wahn- üunig unb stürzten sich ins Wasser. Jedoch es fehlte auch nicht an Mutigen, die immer wieder die Kameraden aufmunterten. Einige kamen auf den Einfall, tote ^°bben aufzuschneiden und Kopf und Hände in Magen- w^-dauchhöhle der Tiere zu legen, um sich so vor dem «rfrtex^n zu schützen. Auf den Gedanken, den Toten
einen Teil ihrer Kleidungsstücke abzunehmen, um die noch Lebenden womöglich zu retten, verfiel niemand. Die Ueberlebenden sind zum Teil auf immer zu einem Krüppeldasein verurteilt. Drei von ihnen müssen beide Füße und beide Hände abgenommen werden, fünf verlieren beide Füße, acht einen Fuß, elf eine Hand oder die Finger beider Hände.
Vermischtes.
Die Notlage des Hans- und Grundbesitzes charakterisieren deutlich einige Beispiele von Grundstückswechsel aus jüngster Zeit. Bor dem Amtsgericht Berlin-Mitte mußte vor einigen Sagen ein Termin aufgehoben werden, weil zur Zwangsversteigerung eines Eckgrund- stücks mit einem Nutzungswert von 15 800 Mark niemand als Bietender erschienen war. Ein Grundstück in Wilmersdorf hat der frühere Besitzer B. von Bismarck einfach aufgegeben; er verzichtete auf den Besitz; das Haus, das einen Nutzungswert von 8700 Mark haben soll, kam als herrenlos zur Versteigerung. Der Kaufmann Robert Bork in Charlottenburg erstand es vor wenigen Tagen für 187 000 Mark. Auch ein anderes herrenloses Grundstück in Wilmersdorf mit einem Nutzungswert von 13 800 Mark kam zur Versteigerung; der Käufer übernahm die erste Hypothek und zahlte die Kosten sowie die rückständigen Zinsen mit 6700 Mark. Alle anderen Hypotheken sielen aus. Die Berliner Handelsgesellschaft erwarb in der Zwangsversteigerung in einem Termin drei Grundstücke für je 1000 Mark. Andere Käufer waren nicht vorhanden.
Ein Freund und Genosse Hopfs. In Altenkessel im Hunsrück hat der Gastwirt und Metzgermeister Spiel- inami seinen 28 Jahre alten Schwager Johann Kanzler erschossen, als dieser seine Schwester vor Mißhandlungen durch ihn schützen wollte. Spielmann hat seine Frau wiederholt schwer mißhandelt und auch seinen Schwager bedroht, als dieser kein Geld für die zurückgekommene Wirtschaft geben wollte. Spielmann war mit dem Gift- Mörder Hopf eng befreundet und rühmte sich dieser Freundschaft. Eine schwerwiegende Aussage machte Spielmanns Schwiegervater. Er äußerte, daß man bisher einen Familienskandal vermeiden wollte. Nachdem aber dieser Mord passiert sei, sage er offen heraus, daß Spielmann auch seine erste Frau getötet habe, indem er sie die Treppe hinabwarf.
Die Sensation der Neuyorker Gesellschaft. Die Sensation des Tages ist die Ehescheidung der Frau Moro- stni Werner von ihrem (Satten, einem früheren Schutzmann. Frau Morosini Werner ist die Tochter eines der reichsten Neuyorker, des Baukiers Werner, der Teilhaber des Hauses Jay Gould und Besitzer eines Vermögens von etwa 150 Millionen ist. Frau Morosini Werner galt als Erbin eines Vermögens von etwa hundert Millionen Mark. Sie hatte vor einigen Monaten einen Unfall im Seebad und wurde durch einen Schutzmann gerettet. Sie war von dem Mann so begeistert, daß sie ihn heiratete. Dieser gab natürlich seinen Posten auf und lebte vom Gelde seiner Frau. Als er dieser Tage in sein Palais zu seiner Frau zurückkehreu wollte, fand er die Türen verschlossen und von einem Dutzend Geheimpolizisten bewacht. Man überreichte ihm einen Brief seiner Frau, in welchem ihm diese mitteilte, daß sie sich scheiden lassen wolle und ihm den Zutritt zu dem Hause verbiete. Ihr Papa werde ihm eine anständige „Abfindung" zahlen . . .
Den Kannibalen zum Opfer gefallen. Der frauzö- sische Dampfer „Jlle de la Ciodam", der in Sidney ein- traf, bringt die Nachricht von einem Ueberfall von Eingeborenen der Neuen Hebriden auf die Mannschaft des französischen Schoners „Guadeloupe". Der Schoner war damit beschäftigt, eingeborene Arbeiter anzuwerben und legte an der Insel Mallikolo an. Bereits früher hatte er auf dieser Insel Arbeiter angeworben, ohne daß es zu Feindseligkeiten gekommen wäre. Der Steuermann, ein Matrose und der Anwerber näherten sich in einem Boot vorsichtig der Küste. Bei ihrer Ankunft am Ufer war kein Eingeborener zu sehen. Als die drei Männer jedoch etwas weiter in das Innere der Insel vorgedrun- gen waren, trat plötzlich eine große Schar bewaffneter Eingeborener aus dem Gebüsch, die die drei Leute an= griffen. Dem Steuermann wurde durch Axthiebe der Schädel zertrümmert und seine Begleiter durch Pfeilschüsse getötet. Durch den Tumult wurde die übrige Besatzung des Schoners auf die Vorgänge aufmerksam. Der Kapitän begab sich darauf mit dem größten Teil der Bemannung an Land, sie wurden aber durch das von den Eingeborenen auf sie eröffnete Flinteufeuer zur Flucht gezwungen. Um Mitternacht landete der Kapitän nochmals und machte nun die schaurige Entdeckung, daß seine drei Gefährten verspeist worden waren. Das lodernde Feuer und die umherliegenden Knochen gaben von dem traurigen Ende der drei Männer Kunde. Die französische Behörde von Neukaledonien wird eine Expedition nach der Insel Mallikolo ausschicken, um die Eingeborenen zu bestrafen.
Die Zigarette der Dame«. Die Frauenbewegung hat dem schöneren Geschlecht auch den freien Genuß, der Zigarette zugebracht, der vordem nur tm Privatzirkel oder ganz insgeheim von den Damen gehuldigt werden konnte. Wenigstens bet uns. In anderen Ländern, so bei den romanischen Völkern, bet den Slawen und Orientalen, ist die Zigarette der Damen von jeher eine gewohnte Erscheinung gewesen, rote bei Zigeunern, Mexikanern, Indianern sogar die kleinen Kinder schon ihren „Glimmstengel" im Munde führen, was die Alten dort für ganz selbstverständlich erachten da sie es einmal selber so gemacht haben. In den Vereinigten Staaten, dem Lande der Extravaganzen und Exzesse, hat sich freilich das Rauchen der Samen geradezu zu einem „Laster" ausgebildet, derart, daß-gleichnue für Trmk^, Morphinisten und Cpinmiften Sanatorien M „rauch- kranke" Damen haben eingerichtet werden müssen. Immerhin — so äußern sich die Aerzte bei uns — hat das Zigaretteurauchen der Samen stark zugenommen, wenn auch Exzesse im Tabakrauchen noch zu den Seltenheiten gehören. In England war es vordem eine gewohnte Sache, ist den Westend-Restaurants Londons und anderer Hauptstädte eine Bitt-Tafel angebracht zu sehen mit der Aufschrift: „Damen werden höflichst gebeten, nicht zu rauchen!" Diese Warnungstafeln sind jetzt überall von der Bildfläche verschwunden. Aber auch der Geschmack, die Anforderungen der Damenwelt haben sich verändert und erhöht. Sie sogenannten „Damenzigaret- ten" gehören für sie zu den abgetanen Kindereien. Die Damen wählen dieselben Sorten rote die Herren und ^freuen sich an den stärksten Marken. In den englischeil Hospitttleru ist das Rauchen bet den Schwestern beson- ders stark im Schwünge, wahrichemlich weil diese Frauen bei ihrem schwere»,, nervenerregeiiden Berufe ein stimillierendes Gegeumst.U brauchen. ■
Henry Dunan» bei Solserino.
Die Begründung des Roten Krenzes.
furchtbare Schlacht von Solserino im Jahre
1859, in der sich über 3 Oesterreicher, Franzosen
und Italiener gegellitberstande«, war der erste Anstoß zu Henry Dunants Lebenswerk, der Begründung des Roten Kreuzes. Damals hatte sich der junge Schweizer freiwillig zur Pflege der verwundeten Krieger auf das Schlachtfeld begeben, und die Grenelszenen, die er dort erlebte, ließen in ihm den Plan reisen, seine Stimme zur Bereitstellung von zuverlässigen, schon in Friedenszei- ten eiugeübten Krankenpflegern und -träger» zu erheben. In seinem weltberühmt gewordenen Werke „Eine Eri»»eru»g an Solserino" legte er feine Kriegserinne- rungen und -Erfalmmge» nieder, die noch heute kein Fühlender ohne tiefste Bewegung lesen kann.
Furchtbar siud die Szeue», die er schildert. Noch am Morgen nach der Schlacht sah er die armen Verwundeten sich hilflos im letzten Todeskampfe winden und war Zeuge, wie sie mit einem Fluche auf den Lippen stürben. Bei der drei Tage und drei Nächte dauernden Bestattung der Opfer ist manch einer lebendig begraben worden. Die Schwerverwnndeten mußten Tage lang auf Straßen und Platzen, notdürftig durch Bretter und Tücher vor Staub uud Hitze geschützt, liegen und schmachten, bevor sie in Spitäler gebracht wurden. Es fehlte überall an heilenden, helfenden, rettenden Händen. Du- nant selbst griff entschlossen eilt.
Aus Frauen des Volkes bildete er die ersten fliegenden Pflegerkolonnen. Sie trugen den Verwundeten Wasser zu und labten sie, auch sonst taten sie, was der Augenblick gebot uud eingab. Wie notwendig wären hier aber hundert gewaudter und geübter freiwilliger Krankenwärter uud -Wärterinnen gewesen! Unter ihrer Führung hätten auch die zerstreuten Hilfskräfte noch Hüben können, die ohne Kenntnisse und ohne Anleitung naturgemäß versagten. So mußte mau Verwundete, von denen der Arzt sagte: „Hier ist nichts mehr zu helfen", öahtusterben lassen ohne Trost und ßhtöerung. Und wie mancher andere mag geendet haben, den rascher und sachgemäßer Beistand noch hätte retten können. 12 000 Tote wurden in der Schlacht von Solserino gezählt, zu deneu man noch 40 000 Menschen rechnen kann, welche im Zeitraum zweier Monate hinterher au den Folgen verheerender Krankheiten und ausgestarcdener Strapazen dahinstarben.
Aber diese Opfer sind nicht umsonst gewesen. Die Schlacht von Solserino ist durch Duuauts herzbewegende Schilderungen die Geburtsstätte des großartigsten Samartterwerkes der Kulturwelt, des Roten Kreirzes, geworden, das sich zum Segeusboru für die leideude Menschheit in Krieg und Frieden entwickelt hat.
Sslergebräuche.
Die alten, schönen Ostergebräuche sterben immer mehr aus, wo sie noch zu finden sind, sind sie deshalb um so bemerkbarer. Am iveitesten verbreitet ist bis heute wohl noch das Schöpfen des Osterwassers. Geschöpft kann es eigentlich, nach altem Volksglauben, nur werden an bestimmten lind genau gefannten Orten, und zwar muß das Schöpfen vor Tagesanbruch geschehen. Die jungen Mädchen, von denen es meistens ' c sorgt wird, müssen daher schon in der Nacht misst, i und dürfen weder auf dem Hin- noch auf dem Rückmeg irgend einen Laut von sich geben oder sprechen; denn dadurch wird die Wirkuug des Wassers, das von allerlei Krankheiten besonders Augenkrankheiten heilt, und solche verhütet, wieder aufgehoben. Die Wasserschöpferin wird auch des Geschenkes der Schönheit teilhaftig, wecm sie das Wasser in vorgeschriebener Weise Heim- bringt. Es gelingt dies freilich ganz selten.
Am Osterwasser selbst halten sich gewöhnlich junge Männer versteckt, die die jungen Mädchen erfchrecten und sie dadurch zum Ausstößen von Schreckensrufeti veranlassen, oder sie begegnen ihnen auf dem Rückwege und stellen sich ihnen entgegen, um sie möglichst zum Lachen und Sprechen zu bringen. An vielen Orten brannte und bremst man häufig auch jetzt noch Oster- feuer ab. Das Breumnaterial mußte gemischt sein mit Knochen. Die Asche wurde daun sorgfältig gesammelt und aufbewahrt, um gegen Viehkrankheiten verwendet zu werden. Der Jugend bereiteten die Osterfeuers besonderes Vergniigen, weil um dieselben getanzt wurde. Die Feuer bräunte mau nach Möglichkeit auf Hügel« und Bergen ab, damit sie weit zu sehen waren. So weit der Feuerschein reichte, so weit sollte das Getreide gut geraten. Am wirksamsteil war aber das Feuer, wenn das Material dazu gestohlen war. Auch hieß man an manchen Orten am Ostermorgen den Sonnenaufgang erwarten, weil man bestimmt wissen wollte, daß die Sonue an dem Morgen nicht wie gewöhnlich auf- gehe, sondern drei Freudensprünge tue, beim Erfcheiueil über dem Horizont. Sichtbar sollen die Freudeuspriinge nur für Svuntagskiuöer fein.
Eine schöne Verklärung dieses Brauches ist die Sitte der Brstidergemeiude, in aller Frühe auf den Friedhof zu gehen und beim Aufgang der Ostersonue in Liedern gemeinsam den Osterfürsten zu preise«. Uralt ist der Brauch, als Sinnbild der wiedererwacheuöen Natur Ostereier zu scheuten. Schon in grauer Vorzeit schenkten unsere heidnischen Vorfahren bei ihren Früh- lingsfesten bunte Eier. Neben verschiedenen andereil Völkern kannten die Sitte auch die Chinesen. Die alte Zeit aber kannte stilistische Eier noch nicht; nur Tiereier dienten dem Zweck. Im 18. Jahrhundert tvitröeit der schlichten Gabe dadurch große Kostbarkeit verliehen, daß man sie von berühmten Meistern mit herrlichen Bildern bemalen ließ. Heute verfertigt man diese Oster- gabe ja, wie bekannt, aus allem möglichen Material. Juweliere schaffen aus Ostereier» die köstlichste» Behälter für Schmuckstiicke. Am meiste» sind die eiförmigen Kästchen mit feinem Leder, mit Sammet oder Seide überzogen. Ostereierverstecken und -suchen ist noch immer sehr beliebt; auch Goethe kannte es.
Mitzglückler Sesteiungsversuch eines Spions
tat- Eine ebenso sensationelle wie romantische Affäre beschäftigt augenblicklich die Behörden in Grau. Es handelt sich angeblich um einen Handstreich zur Befreiung des russischen Spions Alexander Jandritsch, der vor kurzen, von einem Wiener Gericht wegen Spionage zugunsten Rußlands zu mehrjähriger Kerkerstrafe verurteilt und nach dem Gratzer Strafgefangene gebracht wurde. Es verlautet, da« Jaudritsch auf Betreiben von russischen Agenten aus der Haft befreit werden sollte. Die ganze Sache kam dadurch an den Tag, daß die Befreier in einem Gratzer (Safthaufe den Plan ausarbeite- ten, ohne zu beachte», daß die sie bedieneude Kellnerin der russischen Sprache mächtig war. Sie belauschte das Gespräch der beiden und machte an zuständiger Stelle Mitteilung. Danach sollen sie vereinbart haven, Jandritsch in einer bestimmten Siacht zu befreien und ihn in einem Automobil über die Grenze zu bringen. Das Strafge- fängnts wurde scharf bewacht. Mittwoch nacht fuhren tatsächlich mehrere Männer in einem Automobil vor der Strafanstalt vor. Auf Anruf des Postens, der eigens aufgestellt war, machten sie kehrt, ohne daß es gelang, der Männer habhaft zu werden. Jandritsch selcht war von einer Mittelperson in den Plan eingeweiht worden.