Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ÄAwrfftlhAI» zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei j|u5|"IUn Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 84.
Donnerstag, den 9. April
1914.
Bus der Heimat.
Gründonnerstag.
Der Name Gründonnerstag knüpft an eine Sitte der alten Kirche an. Am Donnerstag vor Ostern wurden die mit einer Kirchenstrafe belegt gewesenen Büßer wieder losgesprochen und durften an der Abendmahlsfeier der Gemeinde teilnehmen. Sie waren nun also rein, frei, gleichsam frisch grünend. Andere Erklärungen des Namens Gründonnerstag weisen auf altheidnisch-germanische Frühlingsbräuche hin, auf Opfersitten, bei denen die ersten grünen Kräuter eine beträchtliche Rolle spielten. Damit mag es Zusammenhängen, daß man noch jetzt allerlei Gründonnerstagspeisen kennt, wie Salat, Spinat, Grünkohl, Kräutersuppen und Aehnliches. Mannigfach ist als Gründonnerstagsspeise auch der Honig beliebt, und es geht dabei die spaßhafte Rede, wer am Gründonnerstag keinen esse, der bleibe das ganze Jahr dumm. Auf dem Lande ist vielfach der Aberglaube verbreitet, daß am Gründonnerstag kein Brot gebacken werden dürfe, da sonst eine regenarme Zeit kommen- werde. Für segensreich wird es gehalten, am Gründonnerstag wenigstens ein paar Stunden mit den Pferden auf den Acker zu fahren und dort zu arbeiten. An katholischen Fürstenhöfen, wie in München und Wien, wird in Anlehnung an den bekannten biblischen Bericht die Zeremonie der Fußwaschung vollzogen, wobei arme, würdige Greise in Frage kommen, die dann auch reichlich bewirtet und beschenkt werden. In der evangelischen Kirche ist der Gründonnerstag einer der Hauptkommunion tage, und gewöhnlich, namentlich auf dem Lande, erhalten die Neukonfirmierten an diesem Gedenktage der Einsetzung des heiligen Abendmahles das Sakrament zum erstenmal. Im siebenten Jahrhundert wurde der Gründonnerstag zum offiziellen Festtage erhoben, aber im Zeitalter der Reformation, als man gründlich aufräumte mit den allzuvielen Festen und freien Tagen, wnrde auch der Gründonnerstag von einem Feiertage erster Ordnung gewissermaßen zu einem Festtage zweiten Ranges herabgesetzt, und gegenwärtig hat er seinen festtäglichen Charakter ganz verloren. Handel und Verkehr ruhen nicht, und alles geschäftliche und dienstliche Leben geht ebenso seinen Gang weiter wie an jedem anderen Werktage auch.
* (Zu sch lagfre i er Ueber gang auf D-Züge.) Nach neuer Bestimmung des preußischen Eisenbahnministers, soll es Reisenden, die eine Fahrkarte für einen Personenzug oder einen zuschlagfreien Eilzug besitzen, gestattet werden, einen vorher fahrenden zuschlagpflichtigen Schnell- oder D-Zug, nötigenfalls sogar in einer höheren Klasse ohne Zuschlag zu benutzen, wenn der Personen- oder zuschlagfreie Eilzng soviel Verspätung hat, daß mit ihm voraussichtlich der nächste Anschluß in der Uebergangsstation nicht mehr erreicht werden kann.
* D e r V o r st a n d d e s H e s s i s ch e n Städte- tages versendet die Einladung zu der am 5. und 6. Juni in Arolsen stattfindenden 24. Versammlung^ Auf der Tagesordnung steh, folgende Vorträge: Ps die Stadtverwaltun
len außer geschäftlichen Sachen r siege des Heimatschutzes durch die Stadtverwaltungen. Berichterstatter: Herr Professor Dr. Gaebel Cassel, Vereinfachungen im Geschäftsgänge derStaötverwaltungen. 1. Berichterstatter: Herr Stadtsteuersekretär Remmert-Fnlda. Kinder- fürsorge. Berichterstatter: Herr Gerichtsassessor Tietz-
®tc Beschaffung zweiter Hypotheken. 1. Berichterstatter: HerrOberbürgermeister Troje-Marburg. ArOterstatter: Herr Justizrat Meyer-Frankfurt S 1er ^^vofsverhältnisse in Hesfen. Berichterstatter.Herr Bürgermeister Jochmus-Caffel.
Verhandlungen schließt sich am Sonnabend den 6. Juni ein Ausflug in das Edertal-Sperrgebiet.
™„ İJ?cIl&uH gefährlichste Feind unserer Vogel ist die wildernde Katze, welche mit Schlauheit und unter dem Schutze der Nacht ihrem räuberischen Werke nachgeht. Sie vernichtet massenhaft die erwach, enen Vögel und zerstört alle Bruten, die sie auf ihren Streifzügen antrifft. Und so ist es zu erklären, daß in vielen Obstgärten sich so wenig Singvögel aufhalten, obwohl die Vorbedingungen für den Aufenthalt nirgends besser sein können. Es ergeht deshalb die dringende Mahnung, besonders an die Landwirte, nicht mehr Katzen zu halten, als unbedingt nötig ist und jede wildernde Katze, weil unnütz und schädlich, Sutöten. - Auch das Wiesel, der Iltis, der Marder.
^ EO^rnchen kommen als Vogelfeinde in Betracht und müssen als solche behandelt werden.
Hersfeld, 8. April. Obwohl in den letzten in der Presse wiederholt auf das betrügerische logenannten „spanischen Schatz- Ich w i n d l e r" aufmerksam gemacht worden ist, haben
sich in letzter Zeit doch wieder Fälle ereignet, in denen Leute den äußerst plumpen Betrugsversuchen zum Opfer fielen. Wie bekannt, besteht die Handlungsweise dieser Schwindler darin, daß sie Personen mittelst aus Madrid datierten Schreibens auffordern, sich mit einem angeblichen Gefangenen, der Bankerott gemacht habe, telegraphisch in Verbindung zn setzen. Es handele sich darum, eine große Summe — 700 000 — Mk. — die der Briefschreiber in einem Geheimfach seines beschlagnahmten Koffers verborgen habe, zu retten. Zur Erlangung dieser Summe solle der Adressat nach Madrid kommen und den Koffer ans- lösen, indem er dem Gerichtsschreiber die Kosten des Urteils bezahle. Als Dank dafür erhalte er den dritten Teil der Gesamtsumme. Es kaun nur immer wieder vor dem Eingehen auf derartige Angebote gewarnt werden, zumal eine strafrechtliche Verfolgung der Betrüger bei den in Spanien herrschenden Zuständen aussichtslos erscheint.
-b- Heenes, 8. April. Gestern feierten Herr Landwirt Justus Neuber und seine Ehefran Katharina das Fest der silbernen Hochzeit im engsten Familienkreis. Möge es dem Silberpaare vergönnt sein, in ferneren 25 Jahren auch das Fest der goldenen Hochzeit zu feiern, da beide Eheleute sich heute der besten Gesundheit erfreuen.
-v- Heringen (Werra), 7. April. Der Dienstknecht des Landwirts und Bürgermeisters Wupert zu Sois- lieden (Kreis Hünfeld) ist unter Mitnahme von 235 Mark, welche er dem Bruder des Wupert gestohlen hatte, auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Cassel, 6. April. Ein gemeingefährlicher Hochstapler und Kautionsschwindler, der Kaufmamr. Karl Ebert von hier, der vor einigen Jahren in Cassel eine deutsche Bürgerzeitung gründen wollte, zugleich in Verbindung mit einem Zentralwohnungsnachweis und Versicherung gegen Mietausfälle, stand gestern wegen Betruges angeklagt vor der Casseler Strafkammer. Ebert wurde zu einer Gesamtzuchthausstrafe von drei Jahren, 900 Mk. Geldstrafe oder 60 Tage weitere Zuchthausstrafe und fünf Jahre Ehrverlust verurteilt. Ebert, der bereits vorbestraft ist, hatte durch die Zeitungen Filialleiter und kaufmännische Beamte gesucht und ihnen größere Kautionen abgeschwindelt, um sich die nötigen Mittel zu seinen Gründungen zu verschaffen.
Göttingen, 7. April. Der entscheidende Verlauf der gestrigen Verhandlung gegen Fuhrmann wurde heute durch den Augenscheinstermin in der Försterei Nonnendorf weiter gefördert. Nachdem hente vormittag zunächst in Göttiugen noch einige Sachverständigengutachten ihre Ergänzung und Abrundung gefunden hatten, begab sich der Gerichtshof mit dem gefesselten Angeklagten, einigen wichtigen Zeugen und der Verteidigung in acht Automobilen über Eichenberg, Witzenhansen nach der Försterei Nonnenholz bei lisch lag. Zwischen Hubenrode und Uschlag liegt ein zusammenhängendes Waldgebiet mit einigen Lichtungen in der Mitte. Das Gebiet besteht in der Hauptsache ans Fichten mit dichtem Unterholz. In diesem Gebiet ist ein außerordentlich schlechtes Vorwärtskommen, namentlich an der Stelle, wo am Heiligenabend der Förster Knoche tot aufgefunden wnrde. Hier mußte einer der Sachverständigen die Stellung des Försters in dem Waldgebüsch einnehmen, als ob aus der Lichtung heraus der Förster gekommen wäre und nun plötzlich dem Angeklagten gegenubergestanden hatte. Der Angeklagte hatte als Schutzbehauptung gestern und heute betont, daß er geschossen habe, als der Förster Knoche das Gewehr im Anschlag ihm gegenüber getreten sei. Sowohl der Waffen,achverstandlge Gewehrfabrikant Schröder aus Göttingen wie der Kreisarzt Dr. Meyer aus Munden, der die Lerche des erschossenen Försters untersucht hatte, und der Meinung, daß es vollständig ausge,chlos,en ser, daß der Förster mit dem Gewehr in der Hand dem Angeklagten gegenübergetreten sein könne. Kreisarzt Meyer schließt dies aus den Verletzungen, die der erschossene Förster aufwres. Hatte er das Gewehr in Anschlag gehabt, so hätte die Schrotladung Fuhrmanns den Arm oder den Gewehrkolben treffen müssen, da der Schuß gerade von dieser Seite aus abgefeuert worden ist. Der Schuß hat die Hauptschlagader zerrissen, wodurch Förster Knoche verblutete. Die Sachverständigen nehmen an, daß Knoche gar nicht erst dazu aekommen sein kann, sein Gewehr in Anschlag Ä !" er m Fuhrmann »ielmehr sofort niedergeschossen sein müne. Fuhrmann verwickelte sich bei der Vernehmung wiederholt in Widersprüche. U. a. entgegnete er dem Vorsitzenden, daß er in dem Augenblick, als er den Förster erkannt habe, gewußt habe, daß es hart aus hart gehen werde und daß er gedacht habe Du oder ich. $teie Bemerkung des Angeklagten rief lebhafte Bewegung hervor. Weiter gab Fuhrmann an, , daß Förster Knoche in etwas gebückter Stellung aus ihn zugeschritten sei und
daß er daraus geschlossen habe, daß er das Gewehr schußbereit gemacht habe. Die Sachverstäudigeu erklärten es für möglich, daß Knoche sich in gebückter Haltung befunden habe, denn nur so konnte er die Verletzung in den Hals erhalten. Darauf wurden noch einige Zeugen vernommen. Dann begab sich der Gerichtshof mit dem Angeklagten und den Zeugen nach Trubenhausen, wo der Angeklagte das Zusammentreffen mit den Gendarmen hatte. Auch hier hat der Angeklagte nadj vielen Kreuz- und Ouerfragen gestanden, daß er den strikten Vorsatz gehabt habe, die Gendarmen, wenn es nicht anders gehen sollte, zn erschießen, um sich seiner Verhaftung zu entziehen.
Wetzlar, 6. April. Die Ansschreibung der durch den Rücktritt des Herrn von Zengen erledigten Bürgermeisterstelle hat die Wirkung gehabt, daß nicht weniger als 105 Bewerbungen eingelaufen sind. Aus dieser stattlichen Zahl ist eine engere Wahl von sieben Bewerberit getroffen worden.
Bad Orb, 8. April. Dem Buchhalter Alfred Pfister in Klingenberg entfiel, als er von einem Ausflug zurückkehrte, zwischen den Stationen Wörth uni> Klingenberg sein Hut. Bei dem Versuche, öen Hut zu holen, geriet er unter die Räder des Zuges, wobei ihm beide Beine bis an das Knie abgefahren wurden. Er wurde uoch lebend in das nächste Krankenhaus gebracht, starb jedoch bald an den Folgen der Verletzungen.
Spangenberg, 0. April. Als vermißt gemeldet ist der hier ansässige Bankbeamte Karl H. Der im 40. Lebensjahr stehende Mann lebte in durchaus geordneten Verhältnissen und hat sich auch keinerlei Verfehlungen zuschulden fymu^n lassen, sodaß man sich sein Verschwinden nid)r erklären kann. Es wird vc- fürchtet, daß dem Vermißten ein Unglücksfall zugestoßen ist.
Bad Wildungen, 7. April. Ein erst 12 Jahre alter Schüler der hiesigen Realschule, der bei der vor einigen Tagen stattgefundenen Abschlußprüfung ein ungünstiges Zeugnis erhalten hatte und deshalb nicht in die höhere Klasse versetzt worden war, hat in der elterlichen Wohnung Selbstmord durch Erhäugen verübt.
Hanau, 7. April. Auf der Station Aschaffenburg ist gestern vormittag um 71/2 Uhr eine preußische Lokomotive bei der Einfahrt in ein Maschinenhaus auf einen besetzten Gepäckwagen aufgestoßen. Von dem auf dem Wagen befindlichen preußischen Personal ist der Lokomotivführer wahrscheinlich schwer, vier andere Beamte sind leichter verletzt worden.
Frankfurt a. M., 7. April. Als gestern morgen ein Wagen der Elektrischen mit Anhängewaren von der Hohen Mark herunterkam, passierte in Oberursel ein mit Backsteinen schwer beladenes Fuhrwerk, das mit vier Pferden bespannt war, den Uebergang an der Comeniusstraße. Der Führer des Wagens konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr in die Pferde. Eines wurde schrecklich verstümmelt und blieb tot auf dem Platze, ein zweites wurde so schwer verletzt, daß es nach kurzer Zeit einging. Die totgefahrenen Pferde waren das zweite Paar, direkt am Fuhrwerk, der Vorspann hatte bereits die Schienen passiert, als die Elektrische herailkam.
Höchst a. M., 7. April. In den Farbwerken trugen sich am Sonnabend schwere Vergiftungsfälle zu. Trotz der sorgfältigsten Sicherheitsmaßregeln strömten in der Abteilung fiir Hydrosulfide giftige (9afe aus, durch die die in dem Raum befindlichen Personen, Dr. Momberger, Dr. Zahn und Dr. Stock sowie zwei Aufseher bewußtlos wurden. Alle fünf Personen mußten sofort dem Krankenhaus zugeführt werden, wo sie sich wieder erholten.
Naumburg, 7. April. Durch den Hufschlag eines Pferdes wurde der Kanonier Zimmermann vom hiesigen Artillerieregiment Nr. 55 so schwer verletzt, daß er bald daraus im Lazarett starb. Dem Verunglückten, der aus Greiz gebürtig ist, war durch den Schlag die Hirnschale zerschmettert worden.
Halle a. d. Saale, 7. April. Ein Wirbelwind zerstörte in Eilenburg einen Neubau der Deutschen Celluloidfabrik Aktien.-Gesellschaft. Fünf Arbeiter wurden sechzehn Meter tief herabgeschleudert und sämtlich schwer verletzt.
Mehlis (Thür.), 7. April. Bei einer Schlägerei vor der „Gastwirtschaft zur Einkehr" wurde der neunzehnjährige Fabrikarbeiter Hugo Bader, ein als gutartig und friedliebend bekannter Mensch, durch einen Schlag gegen die Schläfe getötet. Wer den tödlichen Schl ag geführt hat, ist noch nicht festgestellt. Drei junge Leute wurden als mutmaßliche Täter verhaftet.
Wetterausfichten für Donnerstag den 9. April
Wechselnd bewölkt, zeitweise Regenschauer, kühler, westliche bis nordwestliche Winde.