Ein englischer Armeebefehl.
Wies in einem Parlamentsheere aussieht.
Bei feuchtfröhlichen Bierabenden in Offizierkasinos gibt es gelegentlich eine Bierzeitung, in der witzige Köpfe mit militärischen Einrichtungen, Kameraden und Vorgesetzten ihren harmlosen Spott treiben. Wie ein Ausschnitt aus solch einer Bierzeitung mutet uns im ersten Augenblick ein Armeebefehl an, den der englische Heeresrat ausgegeben hat, um die Wiederholung von „Mißverständnissen" zu verhüten, die zwischen dem Kriegsamte und einer größeren Anzahl von Offizieren in Irland in jüngster Zeit vorgekommen waren. Der Kriegsminister hatte nämlich die Absicht gehabt, gegen die Bewohner der irischen Provinz Ulster, die sich aus religiösen und politischen Gründen der Einführung der Selbstverwaltung in Irland widersetzen wollen, eventuell mit Waffengewalt vorzugehen. Ehe überhaupt irgend ein Befehl dahin ergangen war, erklärten die Offiziere einer ganzen Kavallerie-Brigade mit ihrem Kommandeur an der Spitze, daß sie gegen die Ulsterleute niemals zu Felde ziehen würden. Das hierbei vorgekommene Mißverständnis hier aufzuklären, würde zu weit führen. Kurzum, der Armeebefehl setzt fest, daß erstens in Zukunft kein Offizier oder Soldat von fernen Vorgesetzten Offizieren befragt werden solle, welche Haltung er einnehmen werde, falls er aufgefordert werden sollte, einem Befehle zu gehorchen, der von zukünftigen, oder angenommenen Möglichkeiten abhängig ist; zweitens, daß es jedem Offizier oder Soldaten in Zukunft unter- sal ' ist, in Bezug auf Befehle, zu bereit Befolgung er aufgefordert werden könnte, Zusicherungen zu verlangen,- drittens, daß es insbesondere die Pflicht jedes Offiziers und Soldaten ist, allen gesetzmäßigen Befehlen zu gehorchen, die ihm durch die zuständigen Stellen gegeben werden, um das Staatseigentum zu schützen, die Zivilgewalt in der regelmäßigen Ausübung ihrer Pflicht zu unterstützen oder Leben und Eigentum der Bewohner im Falle einer Störung des öffentlichen Friedens zu sichern.
Für uns Deutsche, die wir mt die schärfste Disziplin im Heere gewöhnt sind, ist die Notwendigkeit des vorstehenden Befehls völlig unfaßbar. Um ihn zu verstehen, muß man sich die englischen Verhältnisse vor Augen halten. Das persönliche Verhältnis, wie es in der deutschen Armee zwischen dem Allerhöchsten Kriegsherrn und dem Offizierkorps besteht, ist in England völlig unbekannt. Der König steht nur dem Rennen nach au der Spitze der Armee, irgendwelche Kvmmandvgewalt oder einen Einfluß auf das Avancement der Offiziere besitzt er nicht. Er ernennt, ohne je Widerspruch zu erheben, die ihm vom Ministerpräsidenten vorgeschlagene Persönlichkeit zum Kriegsminister, der dann alle Verordnungen und Befehle erläßt, die zwar die Unterschirft des Königs, aber nur der Form wegen, mittragen. Das englische Heer ist eben ein Parlamentsheer, das durch die Beauftragten der jeweilig herrschenden Partei seine Befehle erhält. Dazu kommt noch, daß das englische Heer — als das einzige in Europa — sich durch Werbung ergänzt. In diesen Söldnern, die sich entweder aus Abenteurerlust, oder weil sie zu einem anderen Berufe weder taugen noch Neigung haben, anwerben laßen, steckt ein Stück Landsknechtstum, das von blindem Gehorsam nie viel gehalten hat und nur durch die schwersten, barbarischsten Strafen zusammen und in Zucht gehalten werden kann. Demgegenüber rekrutiert sich das Offizierkorps aus Bevölkerungskreisen, die zu den besten des Landes gezählt werden müssen. Sein Korpsgeist läßt nichts zu wünschen übrig, und auch seine Erziehung ist tadellos. Daran kann auch wenig die Tatsache ändern, daß das Duell in ganz England verpönt ist und an seine Stelle hin und wieder die kameradschaftliche körperliche Züchtigung mißliebiger Kameraden tritt.
Für uns Deutsche werden diese seltsamen Verhältnisse stets unverständlich bleiben. Wohin es aber führt, wenn das Heer nicht einem einheitlichen Willen, dem Willen einer Person, unterstellt ist, sondern von bett jeweils herrschenden politischen Strömungen beherrscht wird, sehen wir wieder am englischen Heere, bei dem Insubordination unter den Offizieren bisher allerdings eine Seltenheit war. Noch deutlicher treten uns aber die Folgen im französischen und besonders im türkischen Heere, zumal vor den letzten Kriegen, vor Augen.
Die Albanien mobilisiert.
Die besonderen Eigentümlichkeiten der albanischen Stammesorganisation bedingen ein ganz eigen geartetes Mobilisierungssystem, das von dem unsrigen erhebliche Abweichungen zeigt. Jetzt, da die Regierung des Landes ihre Spitze in dem Fürsten Wilhelm gefunden hat, kann natürlich nur eine Mobilisierungsoröre von ihm allein ihren Ausgang nehmen. In dem „Moret" verkörpert sich nunmehr die zentrale Macht des Landes. Gleichwohl darf der Fürst nicht davon absehen, die Jahrhunderte alte Stammesorganisation zu berücksichtigen.
Täuschender Schein.
Original-Roman von Ludwig Blümcke.
16) (Nachdruck verboten.)
Udo täuschte sich: Der Oberförster in eigener Person hatte sich durch die milde Witterung und den Hellen Mondschein einmal verleiten lassen, selber auf den 9ln= Nv Zu gehen. Der nämliche Hirsch, auf den Junker Udo ev abgesehen, reizte auch seine Beutelust. In eine dicke Decke gehüllt, saß er denn sehnsüchtig wartend hinter einem Wachholderbusch, die Büchse schußbereit.
Da raschelt etwas von der Waldwieser Grenze her! Der alte Herr hebt seinen Kopf und lauscht und späht mit angestrengten Sinnen.
Das ist kein Hirsch, sondern ein Mensch.
Ganz deutlich erkennt er, trotzdem seine Brillen- beschlagen sind, die hohe Gestalt Ro- tragt einen Federhut und einen Um- Gewehrlauf6ie ^uein* Äu seinem Arm blitzt der
UEH die beste Beute! Du bist ein Glückspilz, und es brächte Dir einen neuen Orden ein, wenn du eigenhändig diesen gefährlichsten aller Wilderer gefangen nähmest!" So schießt es dem Oberförster ^eiM^h-S setzt durch den Kopf, ^oland zu, daß er sich in der Not ener- scher Sommer- brod halt mit dem Fuhrwerk in der Nähe und könnte, ^enn nötig, schnell zur Hilfe kommen. Wenn ein Schutz sEie er, wie verabredet war, ohnehin gleich zur Tteue sein.
Der vermeintliche Roland schleicht vorsichtig näher. Jetzt ist er etwa nur noch 25 Schritte entfernt von dem Wachholderbusch, hinter dem Weidenbaum wohlgedeckt fitzt.
Da erhebt sich dieser ein wenig, bringt seine Büchse W Anschlag und schreit mit seiner blechernen, krächzen
Er erläßt also den Mobilisierungsbefehl in Uebereinstimmung mit dem albanischen Ministerrat, indem Vertreter aller Hauptstämme zu Gehör gelangen. So ist bekanntlich der große Stamm der Mirditen im Kabinett des Fürsten durch seinen Häuptling Prenk Bibdoöa vertreten. Aehnlich liegen die Verhältnisse mit den übrigen hauptsächlichsten Stämmen. Vom Ministerrat wird sodann der Befehl, die waffenfähige Mannschaft unter die Fahnen zu berufen, an die Stammeshäuptlinge weitergegeben, in deren Händen nun die weitere Ausgestaltung der Mobilisation ruht. Die Häuptlinge der einzelnen Stämme, die auf ihre Gewaltunterworfenen einen unbedingten Einfluß im Sinne striktesten Gehorsams ausüben, bieten dann die Stammesangehörigen zum Kampfe auf, in dem sie sie nach einem bestimmt bezeichneten Sammelpunkt berufen. Hier hat sich jeder waffenfähige Albanier zur angegebenen Zeit ausgerüstet einzufinden. Von jedem dieser Sammelpunkte aus ziehen dann die Mannschaften in kleinen Trupps nach einem zentralen Sammelpunkt, wo sie alle zu einem einheitlichen Heereskörper zusammengeschweißt werden.
Dieses auf Jahrhunderte langer Tradition beruhende Einberufungssystem ist gleichwohl nicht so schwerfällig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die genaue Kenntnis des Landes, die alte Vorliebe für Kampf und Krieg, die in jedem Albanier schlummert, ermöglicht es, in einer bei dem Fehlen von Eisenbahnen erstannlich kurzen Zeit, die wehrhaften Scharen unter die Fahnen zu versammeln. Dies nimmt auch nicht Wunder, da von Alters her die Bewohner des albanischen Gebirgslandes als rauhe Krieger bekannt und gefürchtet waren. Das Kriegs- und Waffenhandwerk ist einem jeden von ihnen von Kindesbeinen an liebvertraut und die einzige eines Mannes würdige Beschäftigung. Man weiß, daß dieser unendlich kriegerische Menschenschlag den Türken immer ihre besten Soldaten geliefert hat. Die Janitscharen des Sultans, die Ar- nauten des türkischen Heeres waren immer die kampf- und siegerprobten Albanier. Aus dem albanischen Hirten und Jäger im Augenblick einen waffenstarrenden Krieger zu machen, bedarf es nur des Werks einiger weniger Minuten, da jeder Skipetare im Besitze ausgezeichneter Schußwaffen sich befindet und sein Haus zu einer natürlichen Festung ausgestaltet hat.
Es dürfte also auf die geschilderte Art und Weise wohl gelingen, ein albanisches Heer auf die Beine zu bringen, das dem Gegner böse Nüsse zu knacken gibt. Nichts wäre verfehlter, als eine eigene albanische Mobilisierung im Augenblick für eine Unmöglichkeit zu erklären. Die Organisation ist da, wenn sie auch mit der in einem europäischen Heere üblichen nur wenig gemein hat. Die „Heiligen Bataillone" werden sich, wenn erst einmal der allgemeine Mobilisierungsbefehl von Wilhelm I. erlassen ist, einem Feind gegenüber sehen, dem sie auf die Dauer nicht gewachsen sein können, weil hierein fanatisches, ungeheuer kriegerisches Volk mit dem verhaßten griechischen Todfeind um feine Existenz ringt.
Politische Rundschau.
Der Reichskanzler als Gast des Kaisers. Der Reichskanzler wird seine Reise nach Korfu so einrichten, daß er bereits vor den Osterfeiertagen im Achilleion ein- trifst. Die Einladung des Kaisers wird in politischen Kreisen als eine ganz besondere Auszeichnung des Kanzlers aufgefatzt, die gleichzeitig als ein nicht mißzuver- stehendes Dementi der in letzter Zeit vielfach verbreite- ten Rücktrittsgerüchte angesehen werden kann. Auch die Annahme, daß der Kanzler bei Gelegenheit der Kieler Woche seinen Abschied einreichen werde, wie dies bei den letzten Krisen behauptet worden ist, wird in unterrichteten Kreisen als gegenstandslos erklärt.
Statthalter Graf Wedel. Gegenüber der Meldung einer Berliner Korrespondenz, wonach der Statthalter von Elsaß-Lothringen Graf Wedel auf feinem Posten verbleiben soll, schreibt die „Deutsche Tageszeitung": Diese Gerüchte sind, wie wir bestimmt wissen, völlig hin- tergrundlos. Graf Wedel wird, wie bereits amtlich ausgesprochen ist, in kurzer Zeit aus seinem Amte endgül- tig scheiden. Vielleicht wird er etwas länger bleiben, als ursprünglich ins Auge gefaßt war, da die Ernennung seines Nachfolgers einige Schwierigkeiten zu machen scheint.
Eine Kundgebung für die Fortführung der Sozial- reform wird am 10. Mai in Berlin die Gesellschaft für soziale Reform veranstalten. Als Redner sind Staatsminister a. D. Dr. Frhr. v. Berlepsch und Prof. Dr. Ernst Francke in Aussicht genommen. Der Kundgebung geht am 9. Mai ein außerordentlicher Kongreß der Gesellschaft voraus, der sich besonders mit Privatangestell- tensragen beschäftigen soll.
Deutschland in der Lnft voran. Das Kuratorium der Nationalflugspende veröffentlicht folgende Mitteilung: Dem Weltrekord Stoefflers für den längsten Flug innerhalb 24 Stunden ist Langers Weltrekord im ununterbrochenen Dauerfluge gefolgt und durch Linne-
den Stimme sehr laut: „Herr, Sie sind mein Gefangener!
Gewehr nieder, oder ich schieße!"
Udo fährt zusammen, stößt einen Fluch aus, reißt unwillkürlich seinen Drilling an den Kopfs zielt auf die sich hinter dem in der Mitte etwas geteilten Busch bewegende Gestalt und reißt blitzschnell Feuer in seiner Aufregung. Der Oberförster erhält eine leichte Verletzung am rechten Arm, verfehlt infolgedessen, als auch er nun abdrückte, feinen Gegner und schreit jämmerlich: „Sommerbrod, Sommerbrod, schnell zur Hilfe! — Herr Roland ergeben Sie sich, Sie sind erkannt!"
Diese letzten Worte verstand Udo, der mit Riesenschritten davon raste, noch ganz genau, und sie gaben ihm neuen Mut, denn er wußte ja nun, daß er nicht erkannt war, sondern für beit ihm der Gestalt nach so ähnlichen Besitzer von Waldwiese galt.
„Wenn die Fußspur Dich nur nicht verrät, ober das abgefeuerte Geschoß!"
Das mußte er allerdings stark befürchten, und der Gedanke bereitete ihm schwere Sorge. Viel würde man ja freilich nicht spüren können, denn zu seinen Füßen befand sich nur weiches Moos, Farnkraut und hohes Riedgras.
Der Kutscher Sommerbroö, eiu sehr verschlagener, hinterlistiger Mensch, dessen Charakter genau so überschätzt wurde, wie die seines Herrn, war in wenigen Minuten zur Stelle. „Es nützt uns nichts," rief Weidenbaum ihm zu. „Mitnehmen können wir ihn nicht gleich, bemi eben ist er hinter dem Dornenbusch drüben an der Grenze verschwunden. Aber wir holen uns sofort den Hegemeister Schmidt und seinen Hilfsjäger. Die sollen bei der Verhaftung zugegen sein. Roland ist der Schurke. Ich habe ihn zum Glück ganz genau erkannt. Wenn er nicht einen Fluchtversuch unternimmt, fangen wir ihn in seinem eigenen Bau. — Eine Handbreit weiter, und die Kugel wäre mir in die Rippen gedrungen. So ging das noch glimpflich ab. Beim Hegemeister tanntt Du
kogels glänzende Leistung ist auch der Welthöhenrekorr zum erstenmal in deutschen Händen. Damit sind nunmehr sämtliche Gipfelleistungen im Flugwesen von deutschen Fliegern erstritten. Die Nationalflugspende hat für Linnekogels Leistung unter der Voraussetzung ihrer internationalen Anerkennung eine Ehrengabe von 5000 Mark in Aussicht gestellt. Der sportliche und ideelle Er- olg dieser deutschen Glanzleistungen findet auch bei den remden Nationen in steigendem Maße Beachtung und ißt eine erfreuliche materielle Wirkung auf das Auslandgeschäft aus.
Keine 24stündige Zeiteinteilung. Die Schweizerische Regierung sollte, nach einer dieser Tage von verschiedenen Blättern gebrachten Meldung, neuerdings bei der deutschen und österreichischen Regierung die Einführung der 24stündigen Zeiteinteilung angeregt haben. Das ist aber, wie die „Neue politische Korrespondenz" erfährt, nicht der Fall. Die ganze Frage ist schon seit länger als einem Jahre entschieden. Es waren seinerzeit Erhebungen angeordnet und die größten Verkehrsressorts des Reiches und Preußens zu Gutachten aufgefordert worden,- es ergab sich, daß besondere Vorteile von der Durchführung der 24stündigen Zeitfestsetzung nicht erwartet werden können. Aus diesem Grunde wurde von der Reichsregierung der Anregung keine weitere Folge gegeben. ___________
Kleine lladiridifen.
Der Rücktritt des Kölner Polizeipräsidenten von Weegmann, der bereits unmittelbar nach dem Cölner Polizeiprozeß angekündigt wurde, wird nunmehr amtlich bekanntgegeben. Präsident von Weegmann ist die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienst unter Verlei- hung des Kronenordens zweiter Klasse bewilligt worden. Zu seinem Nachfolger würbe, dem Vernehmen nach, der Landesdirektor der Fürstentümer Waldeck und Pyr- mont von Glasenapp ernannt.
Leutnant Freiherr von Forstner wurde von einem Stadtarbeiter Murer in Zabern wegen Verführung seiner 15jährigen Tochter auf Entschädigung verklagt. Wie nach der „Voss. Ztg." verlautet, wurde diese Klage jetzt als unbegründet zurückgewiesen.
Ueber das Mißgeschick Hirths wird der Voss. Ztg. aus Montecarlo berichtet: Hirth führte in der 47 Kilometer von Marseille entfernten Bucht von Tamaris, dem Hafen von Toulon, eine Zwischenlandung aus. Als er dann wieder startete, geriet der Apparat in ein über dem Wasser nicht sichtbares Fischernetz. Hirth und sein Passagier wurden in die See geschleudert. Glücklicherweise befand sich eine Fischerbarke in der Nähe, die sofort herbeieilte und die Verunglückten aufnahm. Beide haben einige Schrammen erlitten. Der Apparat ist schwer beschädigt. Es ist nicht sicher, ob Hirth nach Erledigung der notwendigsten Reparaturen weiterfliegen wird oder aufgibt.
Der kleine Kreuzer „Karlsruhe" hat jetzt seine Probe- und Meilenfahrt in der Danziger Bucht beendet und geht sofort nach Kiel, um dort für die Auslandsreise instand gesetzt zu werden. Am 25. Mai tritt „Karlsruhe" von Kiel aus die Fahrt nach der amerikanischen Küste an, um dort den kleinen Kreuzer „Dresden" abzulösen.
Eine sozialdemokratische Schulentlassungsfeier, die für Sonntag in Königsberg i. P. angesetzt war, wurde von der Polizei für politisch erklärt und geschlossen. Der Leiter, Krüber, wurde verhaftet, aber bald wieder freigelassen.
In einem Tobsuchtsanfall warf der 36jährige Zi- garrenhänöler Paul Hilbig in Breslau gegen seine Ehefrau, mit der er sonst in bestem Einvernehmen lebte, eine Porzellanwaschschüssel und brächte ihr dann mit den Scherben furchtbare Verletzungen bei. Der Tobsüchtige wurde einer Nervenheilanstalt zugeführt.
Eine Stunde nach der Scheidung wieder gefreit. Montag mittag wurde die Mutter des englischen Marineministers, Winston Churchill, von ihrem Ehemann geschieden, der sich schon eine Stunde später mit der Schauspielerin Patricia Campbell verheiratete.
Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Der Postillon Weitzensee, der wegen Ermordung des Dienstmädchens Gersting in Zellingen vom Münchener Schwurgericht zum Tode verurteilt worden war, ist vom König von Bayern zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden.
Keine Oberammerganer Passionsspiele 1915. Wie die „Münch. N. N." aus Oberammergau melden, würbe in einer stark besuchten Gemeindeversammlung die Frage über die Aufführung von Passionsspielen im Jahre 1915 einstimmig abgelehnt, weil man in früheren Jahren schlechte Erfahrungen machte und hauptsächlich deshalb, weil in den Jahren nach dem Spieljahr der Fremdenverkehr sehr zurückgegangen ist.
Bluttaten eines Wahnsinnigen. In Birkenberg bei Pribram (Böhmen) hat der Bergarbeiter Schorner im Wahnsinnsanfall seinen 11jährigen Sohn und seine Frau erschlagen und dann Selbstmord verübt. Ein zweiter Sohn, der bei der Schreckenstat zugegen war, hat vor Schreck die Sprache verloren.
mir einen Verband anlegen. Ist nur ein unbedeutender Streifschuß. Also vorwärts, was die Gäule auslangen können."
Roland kehrte, bald nachdem die zwei Schüsse an der Lichtung gefallen waren, die er recht wohl gehört, sehr unmutig heim, denn wohl hatte er einen stattlichen Hirsch zu sehen bekommen, aber seine Kugel, die sonst so leicht ihr Ziel nicht zu verfehlen pflegte, sollte dieses Mal vorbeisausen. Das mußte ja den alten Weidmann aus dem Häuschen bringen.
Als er nun gerade dabei war, sich in seinem Schlafzimmer zu entkleiden, schlug Gettos, der getreue Hofhund, draußen dermaßen heftig an, daß auch Agnes aus dem Schlummer geschreckt wurde und ans Fenster eilte. Roland zog seine Jacke wieder an und eilte hinaus, zu sehen, was da sei: Drei Männer betraten den Hof. „Im Namen des Gesetzes!" krächzte Weidenbaum, der sich aus des stämmigen Hegemeisters Schulter stützte, da er sich jetzt doch etwas schwach fühlte. „Herr Roland, Sie haben uns auf der Stelle zu folgen. Machen Sie keine Schwierigkeiten, ich habe Sie genau erkannt."
„Waaas? — Herr Oberförster — mich erkannt?"
Der Riese prallte einen Schritt zurück und wußte nicht, wie ihm geschah.
„Bitte, schreiten Sie voran," fuhr Weidenbaum fort. „Sie sehen, der Krug geht solange zum Wasser, bis er zerbricht. Einmal mußten wir Sie fangen. Ja, ja, hätte Ihnen gefallen können, Ihren alten Widersacher einfach nieder zu knallen! Der Schutz satz zum Glück nicht."
„Mem Herr — das ist eine mir ganz unbegreifliche Verwechselung. Ich verstehe Sie nicht. Ich — ich sollte auf Sie geschossen haben?"
„Vorwärts, vorwärts, keine Anstellerei! Wir lassen uns nichts vormachen."
(Fortsetzung folgt),