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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Arsselder WW Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Zernsprech-slnschluh Nr. 8

Nr. 83» Mittwoch, den 8. April 1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* Vorsicht bei letztwilligen Verfü­gungen lehrt eine Verfügung des Ministers des Innern. Die eigenhändige Niederschrift des Ortes der Testamentserrichtung ist ein wesentliches Former­fordernis, ohne welches das ganze eigenhändige Testament nichtig ist. Dieser Standpunkt wird auch von dem Reichsgericht und dem Kammergericht ge­teilt. Beide Gerichte haben eigenhändige Testamente deswegen für nichtig erklärt,weil der Ort der Errichtung mit Hilfe eines Vordruckes bezeichnet war.

* Der Saaten stand in Preußen Anfang April ist für Weizen gutmittel (April 1913: Mittel bis gutmittel), Spelz gutmittel (Vorj. Mittel), Roggen über gutmittel (Vorj. Mittel bis gutmittel), Gerste mittet bis gutmittel (wie im Vorjahre), Raps und Rübsen gutmittel (Vorj. etwas über Mittel), Klee fast gutmittel (wie Vorj.), Luzerne gutmittel bis Mittel (Vorj. fast gutmittel), Rieselwiesen fast gutmittel (wie Vorj.), andere Wiesen über Mittel (Vorj. etwas über Mittel). Es wird wieder über starke Vermehrung der Mäuse und weite Verbreitung der Ackerschnecken geklagt. Die Durchwinterung der Saaten war in den mittleren und östlichen Landesteilen sowie in den Küstengebieten gut, in den westlichen Landesteilen nur teilweise gut. Der Roggen steht stellenweise zu üppig und zeigt eine rotbraune Farbe, läßt auch Lagerung befürchten, doch können diese Ausnahmen bei Eintritt wärmeren Wetters bald ausgeglichen sein. Jedenfalls berechtigt der Roggen ebenso wie der Weizen zu den besten Hoffnungen. Der Klee steht, soweit er nicht viel durch die Mäuse geschädigt ist, recht üppig. Die nasse Witterung behinderte die Be­stellung der Aecker zur Sommersaat gauz erheblich.

*(MitwirkenderGeistlichenbeiFeuer- b e st a t t u n g e n.) Unter Bezugnahme auf den Be­schluß der letzten Gesamtsynode veröffentlicht das Königl. Konsistorium zu Cassel mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-An- gelegenheiten eine allgemeine Anweisung über das Verhalten der Geistlichen bei Feuerbestattungen. In Uebereinstimmung mit der evangelischen Auffassung von der Bedeutung des kirchlichen Begräbnisses hält auch das Konsistorium daran fest, daß die Kirche alles zu vermeiden habe, was einer Gleichwertung der Feuerbestattung mit der Erdbestattung oder einer Förderung der ersteren gleichkommt. Jedem Geist­lichen ist gestattet, die amtliche Beteiligung an Trauer­feiern vor einer Feuerbestattung für seine Person zu versagen. Versagt der zuständige Geistliche seine Mitwirkung, so ist jeder Pfarrer der deutschen Landes­kirche, der von den Angehörigen des Verstorbenen zur Mitwirkung gebeten wird und für seine Person keine Bedenken trägt, ermächtigt, die Amtshandlung vorzunehmen. Voraussetzung jeder amtlichen Be­teiligung ist, daß nicht ein Fall vorliegt, in welchem die Ablehnung des kirchlichen Begräbnisses aus kirchen- rechtlichen Gründen geboten ist. Die kirchliche Trauer­feier kann im Hause, in der Friedhofskapelle oder in einem würdig ausgestatteten Raume der Ver­brennungsanlage stattfinden. Sie beschränkt sich auf Schriftverlesung, Leichenrede, Gebet, Vaterunser und Segen. Sie kann mit Gesang begonnen und beendet werden. Die kirchliche Feier und damit das Mit­wirken des Geistlichen endet vor dem Versenken der Lerche rn den Feuerofen.

Weiterode, 6. April. Gestern abend gegen V210 Uhr r lchleswig-holsteinischer Arbeiter, der im Logis berm ^^chiwachter Bube lag, mit diesem einen Streit an. Ern Böhme kam dem Nachtwächter zu Hilfe und ftach den Holsteiner Arbeiter mit einem Dolch zwischen die Schulterblätter, sodaß der Tod sofort eintrat. Der Bohme verschwand darauf. Von seinem Verbleib hat man keine Spur.

_ Rotenburg a. F., 6. April. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag kam es nach einem Wirts­hausgelage zwischen zwei hiesigen Arbeitern zu einem heftigen Streit. In dessen Verlauf wurde dem einen der Schädel fast auseinandergeschlagen, sodaß noch in der Nacht der Arzt gerufen werden mußte.

; . Marburg, 6. April. Einen Taucher in Ausübung fernes Berufes zu sehen, das war ein Ereignis, das wert über 1000 Menschen nach der IV2 Stunden südlich öer jstabt gelegenen Nahebrücke lockte. Im letzten

£ ^eignete sich auf dieser Brücke ein Autounfall. Das Automobil rannte damals mit voller Wucht gegen dre auf der Brücke im Geländer angebrachte ß^^/sfErne Jnschriftentafel, sodaß diese mitsamt

"Steiniockel aus großer Höhe in die dort sehr tiefe x.ahn nel. Um ein Haar hätte auch das dicht besetzte

Automobil dasselbe Schicksal ereilt. Gestern gelang es dem aus Köln herbeibeorderten Tancher, die Tafel und den Brückenstein nach halbstündiger Arbeit an einem Flascheuzug zu befestigen und wieder auf die Brücke zu bringen.

Duderstadt, 4. April. Die Frau Katharina Fried­rich und ihr Sohn, der Maler und Produktenhäudler Johannes Friedrich aus Seeburg (Kreis Duderstadt) wurden von der Göttinger Strafkammer wegen Brand­stiftung zu je vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagten hatten während der Weihnachtsfeiertage ihr hoch versichertes Wohnhaus nebst Mobiliar vor­sätzlich in Brand gesteckt.

Blankenhai«, 4. April. Der Schauspieler und Regisseur Eduard Kautzki von der seit 14 Tageu hier gastierenden Welzel'schen Theatertruppe hat sich im nahen Walde erhängt. Der Beweggrund zum Selbst­mord wird in den schlechten Einnahmen der Theater­gesellschaft gesucht.

Salzschlirf, 5. April. Unmittelbar am Knrhaus ist in 216 Meter Tiefe eine außerordentlch ergiebige und kohlensäurereiche Solgnelle festgestellt worden. Die Bohrung wurde vom Geh. Oberbergrat Professor Dr. Richhard Lepsius (Darmstadt) geleitet. Der Svle-Ge- Halt der neuen Quelle beträgt 3 Prozent. Die übrigen Salzschlirfer Quellen, insbesondere der Salzschlirfer Bonifaeiusbrunnen, siud durch die Neubohrungen in keiner Weise beeinflußt worden. Der Reichtum der neuen Quelle dürfte für die Entwicklung Salzschlirfs von weittragender Bedeutung werden.

Eisenach, 3. April. Der Gerichtsvollzieher Nehring aus Eifeuach, der am Sonnabend nachmittag geschäft­lich in Wutha war, wollte dort das Gleis der Sieben- bahn nach Ruhla überschreiten. Er blieb dabei mit einem Fuß zwischen zwei zusammenstoßenden Gleisen hängen, sodaß der wenige Augenblicke später Heran­brausende Zug ihm beide Beine abfuhr. Der Ver­unglückte starb auf dem Wege zum Krankenhause in Eisenach an Verblutung.

Hanau, 6. April. Aus Furcht vor einer Gerichts­verhandlung beging gestern der Dienstknecht Arnold Ohr in Unsleben bei Bad Brttckenau Selbstmord. Ohr sollte in einem Prozesse wegen Körperverletzung als Zenge vernommen werden. Da er aber eine krankhafte Furcht vor den Gerichtsbehörden hatte, er­tränkte er sich in dem Wassertümpel eines Steinbruches.

Göttingen, 6. April. Bei Anwesenheit eines zahl­reichen Publikums begann heute vormittag ^io Uhr vor dem Göttinger Schwurgericht der Prozeß gegen den Zigarrenmacher Fuhrmann, der am Weihnachts­heiligabend den Förster Knoche im Kaufunger Walde erschossen hatte. Zu der Verhandlung sind 35 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Die Anklage lautet auf vorsätzlichen Mord, auf Mordversuch, begangen an einem Gendarmen und auf Jagdvergehen. Der An­geklagte wird gefragt, ob er sich schuldig bekenne und erwidertJa". Er habe aber den Förster nicht mit Absicht erschossen. Staatsanwaltschaftsrat Schütz ließ den Angeklagten eingehend über seine Personalien vernehmen, aus denen hervorgeht, daß sich der An­geklagte bisher im großen und ganzen ziemlich ordentlich geführt hat, sodaß er mit dem Strafgesetz nur wenig in Konflikt gekommen ist. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß er schon seit frühester Jugend einen unbändigen Drang zum Umherstreifen im Walde gehabt habe. Er habe gern gejagt, weniger, um sich durch das erlegte Wild einen Nebenverdienst zu verschaffen, als aus Lust am Jagen. So sei er auch am Weihnachtsherligenabend wieder auf der Jagd gewesen. Er habe seine alte Stockflinte mitgenommen, weil er so, ohne Verdacht zu erregen, durch das Dors hätte gelangen können. Dann sei er nach dem Mündener Forst zu gegangen und habe die Spur eines Rehs ausgenommen. DerSpur fer er nachgegangen und plötzlich habe im Dickicht der Förster Knoche vor ihm gestanden. Knoche habe fvsort fein Gewehr auf ihn in Anschlag gebracht, sodaß er glaubte, er habe auf ihn feuern wollen. In plötzlicher Angst und Bestürzung habe er die Stockstmte erhoben und einen Schuß abgegeben, bloß um den Förster zu ver­letzen und dann in der Dunkelheit zu verschwinden da er angenommen habe, daß ihn der Förster Nicht erkannt habe. Nachdem er den Schu« abgesenert hatte, habe er aus dem Schrei des Försters Knoche ent­nommen, daß er ihn doch wohl tödlich getrosten haben mußte. Er sei ganz nahe herangetreten und habe aeieben wie Knoche zusammengebrochen sei. Daran habe er voller Angst die Flucht ergriffen. Der An­geklagte trat sehr selbstbewußt auf und schien sich gar nicht bewußt zu sein, eine wie ichwere Tat er begangen hatte Die Vernehmung des Angeklagten und feine Schilderung des dramatischen Vorgangs im Walde dauerte fünfviertel Stunde. Das Renkontre mit dem Gendarmen stellte er ganz.harmlos hin. Der An­geklagte erklärte ferner, daß er sich mit dem Gedanken

getragen habe, nach Süddeutschland zu fliehen, wo er einen alten Bekannten habe, der ihm wohl Arbeit hätte verschaffen könne«. $ann schildert der Ange­klagte noch das Zusammentreffen mit den Gendarmen auf Witzenhänser Gebiet. Er gab zri, auf die Gen­darmen geschossen zu haben, weil er sich schon so gut wie ergriffen glaubte. Als der eine Gendarm stürzte, indem er ansglitt, hatte er den Gedanken, daß er auch den Gendarmen erschossen habe und lief in das Innere des Waldes zurück. Nun fürchtete er sich, über­haupt den Wald zu verlassen. Während der strengen Kälte in den letzten Tagen des Dezember habe er schrecklich gelitten mib sei oft so erfroren gewesen, daß er glaubte, sein Letztes sei gefommen. Die un­günstige Witterung habe ihm dann so zugesetzt, daß er sich entschlossen habe, sich zu erkennen zu geben und sich zu stellen. Das habe er auch in der Sylvester­nacht getan. Nach seiner Verhaftung in Witzenhausen habe er zum ersten Male den Vorwurf gehört, den Förster mit Vorbedacht erschossen zu haben. Er habe den Förster nicht töten wollen. Er habe zwar ge­schossen, weil er glaubte, der Förster sei ihm auf den Fersen und wolle ihn verhaften. - Morgen wird die Verhandlnng ausgesetzt, da der Ailgenscheinstermin vor sich gehen soll. In Juristenkreisen nimmt man an, daß am Mittwoch das Urteil gefällt werden wird.

Laugenselbold, 6. April. Ein schwerer Autvmobil- unfall ereignete sich gestern abend kurz vor 6 Uhr bei Laugeuselbold. Die beiden Inhaber der Viehhandlung Heilmann unternahmen gestern eine Autvmobiltonr. Am Ausgang der Abtshecken, wo die Straße etwas abfällt, hat der Führer des Autos die Kurve wahr­scheinlich etwas zu scharf genommen. Der Wagen kam auf der schlüpfrigen Straße ins SRutfdjen und wurde zur Seite geschleudert. Die Insassen wurden aus dem Wagen geschleudert. Der 46jährige Vieh­händler Hermann Heilmann erlitt eine schwere Schädelverletzung und verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhause. Seine Frau und sein Kind sowie die übrigen Insassen wurden nur leicht verletzt. Ein mit Offizieren besetztes Automobil, das an der Ballonverfolgung teilgenommen hatte, traf kurze Zeit darauf an der Unfallstelle ein. Die Offiziere nahmen sich des Verletzten an und verbrachten ihn in ihrem Auto nach dem Krankenhaus.

Münden, 6. April. Das endgültige Ergebnis des Generalpardons aus Anlaß des Wehrsteuergesetzes bringt im Kreise Münden ein Mehr von acht Millionen Mark, die bisher nicht versteuert waren. Hiervon kommen zwei Millionen auf Zensiten, die ein Ein­kommen von unter 3000 Mark haben. Die Stadt Münden erhält mit 168 Proz. Zuschlag ein Mehr an Einkommensteuer von ea. 15 000 Mark pro Jahr.

Erfurt, 6. April. Im Thüringer Walde wütete heute ein anhaltender heftiger Sturm. In Blanken- burg wurde ein leerer Lokomotivschuppen umgeworfen. Auch ein großer Schornstein fiel um, der in die Tele­graphen-, Fernsprech- und Starkstromdrähte fiel und eine große Anzahl Leitungen, so die nach Saalfeld und Nudolstadt zerstörte. Erheblicher Sturmschaden wird aus der Umgegend von Eichsfeld gemeldet. In Koburg wurden Schlote umgeworfen und die oberen Geschosse einiger Anwesen beschädigt. Auch aus anderen Orten wird von großen Schäden an Gebäuden und Bäumen berichtet.

Schmalkalden, 6. April. Der kommende Sommer wird unserem Thüringer Land wieder einige neue Autopost-Linien bringen, nachdem sich die bisherigen Kraftwagen verhältnismäßig gut bewährt haben. Die größte und bemerkenswerteste Linie wird von Schmalkalden über Roßdorf und Dermbach nach Hün- feld führen, also eine bisher nicht vorhandene Ver­bindung zwischen Thüringer Wald und Rhön schaffen. Abzweigungen sind vorgesehen von Kleinschmalkalden (im Anschluß an die Bahnstrecke Schmalkalden-Klein- schmalkalden) über den Renn stieg nach Friedrichroda, sowie eine Strecke Schweina-Liebenstein-Friedrichroda. Das Reichspostamt hat die Einrichtung der 64 Kilo­meter langen Linie bereits genehinigt. Größere Zu­schüsse zahlen das Großherzogtum Sachsen (5000 Mk.), das Herzogtum Meiningen (3000 Mk.), Kreis Hünfeld (2000 Mk.), Kreis Schmalkalden (1500 Mk.) und ver­schiedene Stadt- und Landgemeinden, zusammen jährlich 15500 Mk. zehn Jahre lang. Eine zweite Postautomobilverbindung, die ebenfalls gesichert ist, geht von Eisenach durch das Nessetal nach Großen- * behringen. Hier zahlt die Stadtgemeinde Eisenach zehn Jahre lang einen Zuschuß von 1500 Mk. Die Wagen gehen von Eisenach durch das Nessetal über Großenbehringen bis Eschwege. Für die Stadt Eschwege und Umgebung wird damit eine günstige Verbindung nach Eisenach geschaffen, die bisher ver­mißt wurde.

Meist trüb, Regenfälle, etwas kühler, teilweise auffrischende westliche Winde.