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Hersfeld er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^j^ für den Kreis Hersfeld

Herzfelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 81. (Erstes Blatt) Sonntag, den 5. April ^ 1914.

Aus rum Turnen.

Eine Bitte an die Eltern, Lehrherren nnd Arbeit­geber richtet der Ausschuß der Deutschen Turnerschaft aus Anlaß der Schulentlassung in einem besonderen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: Wieder naht die Zeit, in der Tausende von jungen Leuten die Schule verlassen, um die Lehrjahre für den Lebens­beruf zu beginnen. Zur Erweiterung der im Beruf notwendigen Kenntnisse erhalten sie in Fortbildungs­und Fachschulen Unterricht. Wie steht es aber mit der gesunden Entwicklung des Körpers? Bei vielen Berufen wird der Körper nur einseitig beansprucht und die Arbeit in Räumen verrichtet, in denen Licht nnd Luft viel zu wünschen übrig lassen. Es ist des­halb dringend notwendig, daß diese jungen Menschen in ihrer freien Zeit eine Beschäftigung erhalten, welche die durch die Berufsarbeit vernachlässigten Körperteile in erhöhtem Maße in Anspruch nimmt und ausbildet. Der oft von Eltern gehörte Einwand, der Junge wäre schon von der Arbeit müde genug unb hielt weitere Anstrengungen in Turn- oder Spielstunden nicht aus, zeigt von einer falschen Auf­fassung. Im Gegenteil, frisch und dadurch leistungs­fähiger erwacht der Turner am Morgen nach einer fleißig ausgenützten Turnstunde des vorhergehenden Tages. In den Vereinen der Deutschen Turnerschaft, mit ihren über 1300 000 Angehörigen, turnten am 1. Januar 1913 außer 90 548 Knaben und 33 229 Mädchen nahezu 200 000 Jünglinge im Alter von 1417 Jahren! In diesen Vereinen werden die Knaben und Mädchen mit Altersgenossen in den altbewährten Uebungen des Leibes unterwiesen, hier spielen sie fröhlich, hier erweitern sie durch Wanderungen unter geeigneter Führung ihre Natur- und Heimatkenntnisse, soöaß ein Erlaß des preußischen Kultusministeriums auf die Vereine der deutschen Turnerschaft besonders empfehlend hinweist. Die heutige Jugend wächst anders auf, wie früher. Genußsucht und Verlock­ungen drohen überall. Mehr als je braucht aber die jetzige Zeit und wird die kommende Zeit Männer brauchen, die stark sind für den wirtschaftlichen Kampf; Männer, die fähig und bereit sind, nötigenfalls das Vaterland, den heimischen Herd zu verteidigen. Sorge jeder dafür, daß die ihm anvertraute Jugend sich durch Leibesübungen gesund erhält und gebe ihr die nötige Zeit dazu. Den Nutzen davon hat die All­gemeinheit, das deutsche Vaterland und vor allem die Jugend selbst! In jedem Orte bestehen Vereine der deutschen Turnerschaft, in denen die jungen Leute unter geeigneter Leitung der Segnungen des Turnens, Spiels, Wanderns und Sports teilhaftig werden.

* Ueber die Einstellung der Rekrnten in diesem Herbst ist bestimmt worden, daß sie nach Anordnung der Generalkommandos bei der Kavallerie, der reitenden Feldartillerie, den Bespannungsabteilungen der Fuß­artillerie und des Luftschifferbataillons 1, beim Train sowie für die als Fahrer bestimmten Rekruten der Maschinengewehrkompagnien, der Festnugs- und der Maschinengewehrabteilungen, der Scheinwerferzüge wwie der Telegraphenbataillone möglichst bald nach dem 1. Oktober erfolgen soll, jedoch erst nach dem Wiedereintreffen aus dem Manöver in den Stand­orten. Die Rekruten für die Bezirkskommandos und ^nteroffizierschulen, die Oekonomiehandwerker und Militärkrankenwärter, sowie für die Fußartillerie­regimenter Nr. 2 und 17 sind einzustellen am 1. Oktober, bte aller übrigen Truppenteile in der Zeit vom 14. bis zum 16. Oktober.

hor n^tf-te^m gegen Nachtfröste empfiehlt ^c Angeber im Obst- und Gartenbau in D. größere Planen, die aus billiger Sacklelnwand zummmengenäht und aufgerollt werden, "an umn pe namentlich an Spalierbüumen bei Frostgefahr ichnell herunterlassen und bei gutem Wetter ebensofchnell wieder aufrollen kann. Da nun in 3ioei fahren die guten Obsternteaussichten durch Fröste an vielen Orten vollständig zerstört worden sind und da auch in diesem Jahre die Blütenentwicklung schon weit vorgeschritten, also bei eintretenden Frösten gefährdet ist, verdient das einfache, zuverlässige Mittel Beachtung. Bei 5 Grad Frost sind die so geschützten blühenden Spaliere im vorigen Jahre nicht.erfroren. Diejenigen unserer Leser, die näheres zu erfahren wünschen, erhalten auf Wunsch die betreffende Ver­öffentlichung vom Geschäftsamt des praktischen Rat­gebers im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. O. tostenfrer zugesandt.

. 8 Hersfeld, 3. April. Zur Wetterlage wird Wetterdienststelle Weilburg unter dem 3. d. M. guchrieben: Bei dem schönen Wetter der letzten Tage

^s Barometers vielfach unliebsame ^I^b^Eiamkert erweckt. Nach der allgemeinen euro- qa^E^^^terlage ist die Gefahr jedoch nicht fo groß, ^.ohl in das Hochdruckgebiet, das uns so schönes

Wetter gebracht hatte, zerfallen und einzelne Teiltiefs haben sich eingestellt, die uns stellenweise Gewitter gebracht haben. Doch ist es sehr unwahrscheinlich, daß in nächster Zeit eine wirkliche Regenzeit eintritt. Höchstens werden nns wohl nur leichte Regenfälle und einzelne Gewitter bevorstehen.

):( Hersfeld, 4. April. Durch das unvorsichtige Umgehen mit einer sog. Schreckpistoleverletzte sich heute mittag ein hiesiger Schüler der Bürgerschule. Derselbe hantierte in der Rosengasse hinter dem Gymnasium an der Waffe, wobei ihm ein Schuß in die Hand ging. Herr Gymnasialdirektor Köhler, welcher den Vorfall bemerkte, legte dem Jungen sofort einen Notverband an.

§ Hersfeld, 4. April. (Lehrlinge undDienst- boten bei der K r a n k e n k a ss e.) Von der Orts- krankenkaffe der Stadt Hersfeld wird uns geschrieben : Jetzt werden wiederum Lehrlinge und Lehrmädchen aller Art in großer Zahl eingestellt. Sie nnterliegeu nach dem neuen Recht auch dann der Krankenver- sicherungspflicht, wenn sie keinen Entgelt (Lohn freie Kost und Wohnung) beziehen. An Beiträgen sind für sie wöchentlich 12 Pfg. (2 3 der Beiträge der Lohnstufe I von 18 Pfg.) von dem Lehrherrn (Meister usw.) zu entrichten. Die ohne Entgelt beschäftigten Lehrlinge erhalten im Falle der Krankheit die gleiche Kranken­pflege (ärztl. Behandlung und Versorgung mit Arznei Brillen, Bruchbänder usw. ivie die übrigen Ver­sicherten: Krankengeld steht ihnen dagegen nicht zu. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß Dienst­boten auch dann versicherungspslichtig sind, wenn sie das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, während ihre Jnvalidenversicherungspflicht erst vom vollendeten 16. Lebensjahr ab beginnt. Da auch gegen die Melde­pflichten von den Dienstherrschaften «sw. yaustg ver­stoßen wird, weisen wir darauf hin, daß alle gegen Entgeld beschäftigten Dienstboten binnen 3 Tagen nach Beginn und Ende der Beschäftigung mit dem vorgeschriebenen Formular bei der Allge­meinen Ortskrankenkasse anzumelden sind. Die Ver­säumnis der Meldepflichten kann erhebliche Geldstrafen nach sich ziehen.

(ß) Hersfeld, 4. April. (Schulperson allen). Endgiltig angestellt die Lehrer Heinrich in Hersfeld, Weiß in Kerspenhausen, einstweilig 'eingestellt Schul- amtsbewerber Gras in Lautenhausen, versetzt Lehrer Roll von Heringen nach Schmalkalden, in den Ruhe­stand versetzt Lehrer Knörr Kerspenhausen.

Göttingen, 3. April. In Trögen bei Hardegsen spielte ein dreijähriges Mädchen auf der Straße mit scharfen Jagdpatroneu, die ihm sein Vater zum Spielen gegeben hatte. Der 13jährige Sohn des Schmiede­meisters Plenge ließ sich auch eine Platzpatrone geben und legte sie zu Hause in das Schmiedefeuer. Die Patrone explodierte, Metallteile flogen ihm ins Ge­sicht und verletzten ihn schwer, wodurch er das Augen­licht auf beiden Augen verlor. Der Unfall ist um so tragischer, als bereits zwei Schwestern des Knaben blind sind.

Falkenberg, 3. April. Der 40jährige verheiratete Lokomotivführer Beyer aus Herzberg, der während der Fahrt auf der Niederlausitzer Eisenbahn unweit Falkenberg an der Maschine entlang kletterte, um nach einer vermeintlichen Störung zu sehen, stürzte ab, wurde überfahren und sofort getötet.

Frankfurt a. M., 3. April. Wegen versuchter An­werbung eines deutschen Untertanen zum Militär­dienst für eine ausländische Macht wurde der 25jährige Stenograph Karl Neidhardt aus Bayern von der hiesigen Strafkammer zu 1 Monat Gefängnis ver­urteilt. Neidhardt wollte in bte holländische Kolvmal- armee eintreten und versuchte auf der Durchreise in Frankfurt einen Ausläufer ebenfalls zum Eintritt in die holländischen Dienste zu überreden. Den jungen Mann suchte er dadurch willfährig zu machen, daß er ihn in mehreren Wirtschaften freihielt.

Frankfurt, 3. April. Der Hingerichtete mehrfache Giftmörder Hopf (Bakterienvergiftungs- Prozeß") hatte vor seiner Hinrichtung seinen Anverwandten seinen letzten Willen brieflich übermittelt Wie fetzt bekannt wird, hat Hopf in feiner letzten Zuschrift an seine Anverwandten ein von ihm früher abgelegtes volles Geständnis seiner mehrfachen Verbrechen r^le- voll wiederholt. Hops ist bekanntlich ohne geistlichen Zuspruch zur Hinrichtung gegangen. Im Befinden der zweiten Frau Hopfs, die an den ihr von ihrem Manne beigebrachten Typhusbakterien schwer aber nicht tödlich erkrankte, ist in den letzten Tagen eine Verschlimmerung eingetreten.

Gera 3 April. Ein Musketier vom 96. Regiment in Gera,' der am 8. Februar b. J. in Greiz den Sinter eines seiner Kameraden um 3 Mark betrogen hatte wurde vom Kriegsgericht der 38. Division in

Erfurt zu 3 Monaten Gefängnis und Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes verurteilt.

Erfurt, 3. April. Das Militärluftschiff Z. 2, dasZ heute früh in Gotha aufgestiegen war, ist um 8,05 Uhr hier gelandet und um 6-9 Uhr wieder zur Rückfahrt nach Gotha anfgeftiegen. Landung und Aufstieg gingen glatt vonstatten.

Kreuznach, 3. April. Bei der Schlußfeier in der Aula des Gymnasiums vergiftete sich der nichtversetzte Schüler Sauermilch durch Zyankali.

Schalkan, (Sachsen-Meininaen), 3. April. Hier sind heute drei uebeueinauderliegeude Gasthöfe ein Raub der Flamme« geworden. Das Feuer kam im Wetterhahuschen Gasthvfe aus, griff sodann auf den GasthofThüringer Hof" und auf den Gasthof Trncken- brodt über. Es wird Brandstiftung angenommen.

Fabrik und Handwerk.

Die Frage der Abgrenzung vonFabrik und Handwerk" ist seit dem Erlaß des sogenannten Hanü- werkerschutzgesetzes vom Jahre 1897 nicht aus den Erörterungen der beteiligten und interessierten Kreise verschwunden. Das Gesetz von 1897 hatte die Schaffung einer scharf abgegrenzten Standesorganisation gebracht und dein Handwerkerstände eine Reihe von Pflichten auferlegt, die das Handwerk auch finanziell nicht un­erheblich belaste«. Die natürliche Folge war, daß die Handwerkerorganisationen bestrebt waren, möglichst viele Kräfte, finanzielle nnd technische, in ihren Bann zu bekommen und zur Förderung des Gewerbes heranzuziehen. Da es sowohl wissenschaftlich wie gesetzlich an einer scharf umrissenen Begriffsbestimmung des Handwerks fel l-, .mb die Erkenntnis immer mehr zum Durchbruch gelangte, daß die dahin zielende« Bemühungen überflüssig seien, wenn man nur praktisch die Frage beantwortete, welche Betriebe handwerks­mäßig sind und demgemäß unter die Bestimmungen der Handwerksgesetze gehören, so haben sich die Er­örterungen in letzter Zeit hierauf beschränkt. Die großen Verhandlungen über Handwerkerfragen bei den Etatsdebatten zum Etat des Reichsamts des Innern habe« nun die praktische Erledigung dieser Frage augenscheinlich einen Schritt vorwärts gebracht. Es ist erfreulich, daß die konservative Partei an diesem erfolg einen erheblichen Anteil hat.

Bekanntlich hatten die Konservativen unterm 7. Februar 1912 einen Juitiativ-Antrag (Drucksachen öes Reichstages 1912 Nr. 27) Malkewitz und Genossen eingebracht, welcher die Bildung örtlicher Gutachter- kommissionen in jedem Handwerkskammerbezirk zur außergerichtlichen Beurteilung in vorkommenden Streitigkeiten, ob ein Betrieb, eine Fabrik oder ein Handwerk sei, und die reichsgesetzliche Einsetzung von letzten Instanzen in jedem einzelnen Bundesstaat forderte. Der Antrag wollte als Großhandwerks- betriebe auch Betriebe größeren Umfangs betrachtet wissen, selbst wenn sie mechanische Triebkräfte und Werkzeugmaschine« benutzen, wenn nur die Art des Betriebes die vorwiege«dc Beschäftigung von Personen erfordert, die in mehrjähriger Lehrzeit die grund­legenden Kenntnisse und Fertigkeiten zur kunstgerechten Ausführung der in ihrem Gewerbe vorkommenden Arbeiten erworben haben, so daß sie imstande sind, auf Grund ihrer erlernten Tätigkeit ein selbständiges Gewerbe betreiben zu können. Der konservative Antrag verlangte ferner die Heranziehung der juristischen Personen, ein Gewerbe handwerksmäßig betreiben, zu den Beiträgen für die Havdwerksorganisatione« unb die Regelung der Frage der Heranziehung der Industrie zu den Kosten der Lehrli«gsausbildu«g im Handlverk.

Aehnliche Leitgedanken für die Regelung der Frage brächte die im vergangenen Jahre im Reichs- amt des Innern zusamme«getretene Ha«dlverker- konferenz zum Ausdruck. Bei deu Etatsverhandlungen im Reichstage am 28. Januar 1914 aber stellte sich der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Delbrück auf deu gleichen Standpunkt, in dem er (Stenographische Berichte S. 68067) ansführte:

Ich bin vorläufig der Meinung, daß es vielleicht am zweckmäßigsten ist, die Entscheidung über die Frage, inwieweit man diese (handwerksmäßigen Groß-) Betriebe den Organisationen des Handwerks erhalten muß, und ähnliche Zweifelsragen in die Hand von Schiedsgerichten zu legen, die sowohl von Vertretern des Handwerks wie auch von Vertretern der Großbetriebe paritätisch besetzt find und unter einem beamteten Vorsitzenden tagen. Alles, was ich hier erkläre, meine Herren, sind meine Ideen; ich habe mit den verbündeten Regierungen darüber noch nicht gesprochen. H

Wetteraussichten für Sonntag den 5. April.

Meist heiter, trocken, ruhig, tags warm, nachts kühl.