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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Herricker fireisölatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 7t». " Freitag, den 3. April 1914.

Bus der Heimat«

* (L a u d w i r t s ch a f ts ka mm e r - B e i t r a g.) Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel hat mit Genehmigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten beschlossen, für das Rechnungsjahr 1914 2/3 vom Hundert als Bei­trag zu den Unkosten der Landwirtschaftskammer zu erheben.

):( Hersfeld, 2. April. Die neue fünfsktige historische Tragödie:Die H e rr i n d e s N i l s", welche von heute Donnerstag an im Hersfelder Licht­schauspielhaus vorgeführt wird behandelt in spannender Szenenfolge die Schicksale der ägyptischen Königin Kleopatra, die, zu unerhörter Macht emporgetragen, an ihrer Liebe zu dem römischen Triumvirn Marc Anton zugrunde ging und schließlich, um aller Schmach zu entgehen, sich durch den Biß einer Natter tötete. Die Vorgänge geben wiederum Anlaß zu höchster Prachtentfaltung am Hofe der Kleopatra. Große szenische Technik ist in einer bewegten Sitzung des römischen Senats entwickelt, in der der Kampf gegen den gegen Vaterland und Familie ungetreuen Antonius beschlossen wird. Sein Schwager Oktavian setzt sich an die Spitze des Heeres und landet mit seinen Truppen an der Mittelmeerküste, um Alexandrien an- zugreifen. Diese Flottenlandung, der Vormarsch der römischen Krieger längs der vom Mondlicht erhellten brandenden Wogen und die folgenden Kämpfe bilden die glanzvollen Höhepunkte desDramas. Bewunderung erregt in gleicher Weise die malerische Schönheit der prächtigen Bilder, wie die staunenswerte Anordnung und Beweglichkeit in den imposanten Massenszenen,» in denen mehrere tausend Personen den Vorschriften einer hochkünstlerischen Regie folgen. Die Darsteller der Hauptrollen, der Kleopatra, des Oktavianus, des Antonius und der Sklavin Hagar sind wiederum die ersten Künstler des Königlichen Theaters in Rom, die ihre schwierigen Rollen vollendet zur Durchführung bringen.

§ Hersfeld, 2. April. Man schreibt uns: Dem Beispiele verschiedener Städte unseres Regierungs­bezirks folgend hat nunmehr auch die Stadt Eschwege einen Einheitspreis bei dem Bezüge von Gas eingeführt. Derselbe beträgt für alle Ver- wendungsarten 15 Pfg. pro cbm und ermäßigt sich bei dem Bezüge von über 1000 cbm auf 14 Pfg. Dieser Einheitspreis bedeutet außer einer großen Verbilligung des früheren Leuchtgaspreises eine wesentliche Vereinfachung des Geschäftsganges bei dem Werke. Auch werden die Jnnenleitungen in den Häusern einfacher und demzufolge billiger, da nur eine Leitung, und nicht wie früher zwei, nötig ist. Die Verwaltung erhofft von dieser Maßnahme, daß eine größere Anzahl neuer Abnehmer für Leuchtgas gewonnen werden.

):( Hersfeld, 2. April. In der heutigen Schöffen- g e r i ch t s s i tz u n g gelangte nur ein Fall zur Ab­urteilung. Ein hiesiger Arbeiter erhielt wegen Dieb­stahls ein Tag Gefängnis.

):( Hersfeld, 2. April. Aus dem soeben erschienenen Jahresbericht des städtischen Lyzeums l L u i s e n s ch u l e) ist zu entnehmen, daß die Schule im abgelaufenen Jahre (nach dem Stande am t. Februar 1914) von 193 Mädchen und 18 Knaben besucht wurde. Wad) den Religionsverhältnissen waren von denselben 173 evangelisch, 8 katholisch, 2 Dissidenten, 28 Juden. 167 e^üler und Schülerinnen stammten aus Hersfeld ausserhalb. An Lehrkräften verfügt die Anstalt außer dem Direktor über 2 Oberlehrer, einen ordentuchen Lehrer, vier ordentliche Lehrerinnen, drei vollbeschaftlgte Hilfslehrerinnen und eine technische Lehrerm. Aus der Geschichte der Anstalt ist er- wahnenswert, daß die Schulräume aus dem seitherigen Gebäude in die frühere städtische Bürgerschule verlegt wurden, weil das seitherige Gebäude an die Militär­verwaltung zur Vergrößerung der Kriegsschule ab­getreten werden mußte. Durch diese ttebersiedelung korrute nunmehr auch nach langjährigen Verhand­lungen der äußere Ausbau der Schule zum Abschluß gebracht werden, indem die Anstalt nunmehr über die vorgeschriebenen Räumlichkeiten verfügt. Am Morgen des 14. Oktober fand in feierlicher Weise der Umzug der Anstalt von der Stätte, in welcher sie 21 Jahre untergebracht war, statt. Da indessen die Räume bei der stetig wachsenden Schülerzahl zu klein geworden waren, so wurde die Veränderung dennoch freudig begrüßt. Herr Provinzialschulrat Kanzow unterzog noch an demselben Tage die Räume einer eingehenden Besichtigung und sprach seine vollste Zu- Niedenhert aus. Die Anstalt besitzt jetzt 14 teilweise leljr geräumige Zimmer, die den Anforderungen bis aus werteres genügen werden, und zwar 10 Klassen- eur Physikzimmer, ein Zeichensaal (zugleich auch «chulsaal), ein Bibliotheks- und Lehrmittelzimmer,

ein Direktorzimmer, ein Lehrer- und Beratungs- zimmer. Sämtliche Räume sind mit Zentralheizung und zum Teil mit elektrischem Licht versehen. Zum Schlüsse dankt der Direktor der Anstalt den städtischen Behörden für die Bereitstellung der erforderlichen Mittel, wodurch es möglich war, den äußeren Ausbau der Schule zu vollenden, die nunmehr einer Zeit ruhiger Entwicklung entgegen sehen darf.

):( Hersfeld, 2. April. Heimat, Abschied, Wandern und Vaterland war der gestern vom Königlichen G y m n a s i u m veranstaltete Unterhaltungs­abend in der neuen Turnhalle gewidmet. Die alten schönen deutschen Volkslieder übten auch hier wieder ihre ergreifende und erhebende Wirkung auf das Menschenherz aus. Sämtliche Lieder wie auch die zwischendurch folgenden Deklamationen wurden von den Schülern mit wohltuender Frische und mit Ver­ständnis vorgetragen. Wanderlieder mit Guitarren- und Mandolinenbegleitung brachten eine besonders ansprechende Wirkung hervor, und gerne hätte man noch mehr gehört. Dankbar nahmen wir Abschied von der munteren Sängerschar mit dem stillen Wunsche, daß uns noch öfters solche Genüsse geboten würden, um die Freude an dem schönen Vaterland und der engeren Heimat, die Lust zum Wandern in der er­wachenden Natur zu beleben. - Der größere Teil der zahlreich erschienenen Gäste blieb noch zu einem gemütlichen Beisammensein, zu welchem turnerische Vorführungen unterhaltend beitrugcn.

* (L a ndw i r t sch a f t l i ch es.) Eine rastlose Tätig­keit hat sich allenthalben schon auf den Feldern und Fluren entfaltet. Gilt es doch, das Samenkorn der Mutter Erde anzuvertranen und sämtliche Vorbe­dingungen zu erfüllen, die ine richtige Entwicklung derselben gewährleisten. Aver nicht umm« reichen dazu eine richtige Zubereitung des Bodens, sachgemäße Düngung und sorgfältige Auswahl des Saatgutes aus,- zu oft machen lästige Unkräuter unseren Kulturpflanzen den Platz streitig, und entziehen denselben Licht, Luft und Nährstoffe. Eine direkte Vernichtung dieser Schmarotzer ist fast immer der beste und kürzeste Weg. Eine ganz vorzügliche Bekämpfungsmethode ist das Bestreuen der Felder mit Kalkstickstoff, Hederich,Disteln und Ackersenf, Ackermelder und Kornblumen ver­schwinden vollständig, wenn man ca. 4070 Pfd. Kalkstickstoff früh morgens bei Tau oder «ach einem Regen auf die verunkrauteten Felder streut. Die Unkrautpflauzen müssen jedoch noch klein sein, der Hederich und Ackersenf darf höchstens das 46. Blatt gebildet haben. Vorbedingung für einen richtige Er­folg ist, wie schon oben erwähnt, daß die Blätter naß sind.

Cassel, 1. April. Die Kaiserin traf um 2 Uhr aus Braunschweig auf dem hiesigen Oberstadtbahnhof ein. Die Kaiserin war heute vormittag 10.05 Uhr mit eigenem Salonzuge aus Braunschweig abgefahren. Bei der Anfahrt des Prinzen Joachim zum Bahnhof kurz vor 2 Uhr ereignete sich ein kleiner Unfall. Der Prinz lenkte seinen Dogcart selbst. Gerade an der Ecke des Bahnhofsgebäudes sprang das Pferd des Prinzen zur Seite, strauchelte und stürzte. Das Dogcart kippte nach vorn und der Prinz erhielt einen heftigen Stoß, wobei ihm seine Mütze vom Kopf fiel. Während der Prinz sich am Dogcartsitz festhalten konnte, erhielt sein Adjutant einen solch heftigen Stoß, daß er vom Wagen stürzte, wobei er mit den Füßen im Vordersitz hängen blieb. Kriminalbeamter Heise sprang sofort hinzu und half dem Adjutanten aus seiner Lage, während der Prinz vom Wagen selbst abspringen konnte. Lachend setzte er seine Kopf­bedeckung wieder auf, dankte den Schutzleuten für die Hilfeleistung und ging mit dem Adjutanten zum Bahn­hof. Hier lief Punkt 2 Uhr der aus 16 Achjen be­stehende Salonzug der Kaiserin ein. Die Kaiserin entstieg dem Salonwagen, begrüßte recht lebhaft und herzlich den Prinzen.

Cassel 1 April. Eine schwere Strafe verhängte gestern die Strafkammer über einen jungen Landwirt aus Dittershausen, der in einen Alimentativnsprozeß verwickelt war und versucht hatte, einen befreundeten Bäckergesellen zu einem ihm günstigen Zeugnis zu verleiten Dieser Versuch wurde bekannt und St. kam zur Anzeige. Wegen versuchter Verleitung zum Meineid verurteilte ihn die Strafkammer zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus, außerdem wurde auf Ehrverlust für die Da-ier von drei Jahren und auf sofortige Verhaftung des St. erkannt.

Cassel 1 April. Heute abend um 7 Uhr ereignete sich auf dem Bahnübergang der Frankfurter Straße oberhalb Oberzwehrens ein Zusammenstoß. Ein Mainzer Automobil, besetzt mit dem Besitzer Antonio Montana, einem Herrn Ludwig Keller, dem Kandr- daten Karl Usinger und dem Chauffeur, fuhr mit neunzig Kilometern Geschwindigkeit der:>rt befind­lichen steilen Abhang herab. Der Chauffeur konnte

der im letzten Augenblick bemerkten Schranke nicht mehr ausweichen und so überfuhr das Geführt die Schranke. Im gleichen Augenblick nahte mit 85 km Geschwindigkeit der D-Zug 187 Köln-Leipzig und fuhr auf das Automobil auf, von dessen Insassen einer aus dem Wagen geschleudert wurde, während die übrigen sich durch Abspringen retteten. Wunder- barerweise ist niemand zu Schade» gekommen. Der D-Zug eutgleiste. Der geistesgegenwärtige Lokomotiv­führer gab sofort Gegendampf, sodass der D-Zug nach etwa hundert Metern Weiterfahrt dicht am Rande der hohen Böschung zum Stehen gebracht wurde. Wäre die Fahrt einige Schritte weitergegangen, so wäre durch den Absturz ein großes Unglück passiert. Die Abfahrt der Kaiserin, die für 7 Uhr 15 Min. geplant war, erfuhr durch den gemeldeten Vorfall eine Verzögerung. Der Zug der Kaiserin mußte auf ein anderes Gleis rangiert werden und verließ dann Cassel um 7 Uhr 33 Min. Mit der Kaiserin fuhr Prinz Joachim ab.

Langensalza, 1. April. Von dem Aufenthalt des Kronprinzen in Langensalza werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: In der Nähe des fünf Kilo- meter von Langensalza gelegenen Dorfes Waldstedt war ein Straßenarbeiter auf der Chaussee beschäftigt, als das Auto des Kronprinzen vorbei kam. Der Arbeiter, als er das Königliche Wappen am Auto sah, legte sofort sein Arbeitszeug nieder, stand stramm und grüßte den vorüberfahrenden Kronprinzen militärisch. Sofort stoppte das Auto. Der Kronprinz stieg aus, ging zu dem Manne zurück und fragte nach dem Namen der umliegenden Ortschaften, deren Lage er mit der Karte verglich. Alsdann dankte er dem Mann in leutseligster Weise, drückte ihm die Hand, überreichte ihm ein 20-Markstück und fuhr weiter. Gegen 11 uyi nuf der Kronprinz mit den übrigen Generalstabsoffizieren zum Frühstück im Harthause ein, einem einsam an der Straße Langen- salza-Eisenach gelegenen einfachen Gasthause. Der alte Harthwirt war ob dieser Ehre ganz aus dem Häuschen und erklärte den Herren wiederholt, daß er es nicht für möglich gehalten habe, daß in seinem Lokale einmal der Kronprinz des Deutschen Reiches frühstücken würde. Die vorgesetzten gesottenen Eier und echte Thüringer selbstgeschlachtete Zervelatwurst mundeten dem hohen Gaste ganz vortrefflich, Photo­graph Hans Tellamann von Langensalza war zur photographischen Aufnahme nach der Harth befohlen und erhielt außerdem vom Kronprinzen Auftrag, sämtliche Denkmäler und sonstigen Erinnerungszeichen an die Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866 zu photographieren und einzusenden.

Göttingen, 1. April. Das südhannoversche Schwur- gericht ist zu seiner Frühjahrstagung zusammenge- treten. In der ersten Sitzung hatte sich der Student der Mathematik Eduard Gutbier zu verantworten, der des Versuchs beschuldigt wurde, in der Nacht zum

5. November den Wäschereibesitzer Töter und Zugführer Rettberg zu erschießen. Der Student hatte mit dem Wäschereibesitzer in einer Wirtschaft Streit bekommen, der unter dem Einfluß des Alkohols auf der Straße in Tätlichkeiten ausartete, in dessen Verlauf Gutbier auf Töter und dem ihm zu Hilfe kommenden Zug­führer mehrere Revolverschüsse abgab. Der Staats­anwalt beantragte die Bejahung der Schuldfrage und die Verneinung der Frage nach mildernden Umständen. Die Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen, auch die auf absichtliche und fahrlässige Körperver­letzung, worauf der Angeklagte freigesprochen wurde.

Saalfeld, 81. März. An der Eisenbahnstrecke Saalfeld-Pößneck wurde gestern morgen in der Nähe der hiesigen Stadt das Dienstmädchen Elsa Städtler erschossen ausgefunden. Man nahm zuerst an, daß das Mädchen Selbstmord verübt hätte. Jetzt ist der Land­wirtssohn Paul Kühn, der mit dem Mädchen ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, unter dem Ver­dacht verhaftet worden, seine Geliebte getötet zu haben.

Wiesbaden, 1. April. Die hiesige Strafkammer verurteilte nach mehrstündiger Verhandlung den Ge­schäftsführer Dr. Nikolaus Gaissenberg and Griesheim wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu 2 Jahren Gefängnis. Der Verurteilte hatte als Ge­schäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft der chemischen Fabrik Griesheim in den letzten 4 Jahren etwa 150 000 Mk. unterschlagen und die von ihm ver­übten Unterschlagungen durch Urkundenfälschungen zu verdecken gewußt.

Lichtenfels, 31. März. Auf dem Bahnhöfe Hoch­stadt wurde gestern der Wagenwärter Spindler von einem Güterzuge überfahren und eine Strecke weit mitgeschleift. Er wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit drei Kindern.

Wetteraussichten für Freitag den 5. April.

Wolkig, Niederschläge nicht ausgeschlossen, warm,