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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld Weiber Äreisblott

Der Anzeigenpreis betrügt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-^nschlutz Nr. 8

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Nr. 78. Donnerstag, den 2. April 1914.

Aus der Heimat.

*(VerhütungvonUnglücksfällenbeim Turne n.) Zur Verhütung von Unglücksfällen beim Turnen weist der preußische Kultusminister in einer neuen Verfügung darauf hin, daß das Abwärtsrutschen an den Kletterstangen oder Klettertauen nicht zu dulden fei; ebensowenig statthaft sei wegen der bannt verbundenen Gefahren das Abwärtsgleiten im Reitsitz auf der Oberseite einer schrägen Vetter. Auch das Abwärtsklettern an der Oberseite einer schrägen Leiter sei zu untersagen. Damit nun die Schüler nnd Schülerinnen nicht in Versuchung geraten, bei dem Herabkommen von den Stangen oder Tauen den Kletterschluß aufzugeben und mit Händen und Füßen herabzugleiten, sei darauf zu achten, daß das Anf- würtsklettern nur bis zu einer Höhe erlaubt werde, von der herab die Hebenden sicher und vorschrifts­mäßig abwärts klettern können.

* Anläßlich des K a i s e r ma v e r s werden die Bataillone der Infanterie, Jäger und Pioniere des 7., 8., 11. und 18. Armeekorps, soweit erforderlich, durch Einziehung von Reservisten auf 28 Tage auf je 700 Mann verstärkt.

* (Schützet die Vögel.) Es sei daralif auf­merksam gemacht, daß nach dem Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vorn 80. Mai 1908 in der Zeit vorn 1. März bis 1. Oktober das Fangen und Erlegen von Vögeln, sowie der Ankauf, der Verkauf und das Feil­bieten, die Vermittlung eines hiernach verbotenen An- und Verkaufs, die Ein-, Aus- nnd Durchfuhr von lebenden, sowie toten Vögeln die in Enropa ein­heimischen Arten überhaupt, ebenso der Transport solcher Vögel zu Handelszwecken untersagt ist. Dieses Verbot erstreckt sich für Meisen. Kleiber und Baum­läufer, Eulen, Turmfalken, Kiebitze aus das ganze Jahr. Dem Fangen im Sinne dieses Gesetzes wird jedes Nachstellen zum Zwecke des Fangens oder Tötens von Vögeln, insbesondere das Aufstellen von Netzen, Schlingen, Leimruten, oder anderen Fangvorrichtungen gleichgeachtet. Das Strafgesetz (§ 368) bedroht dies mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder mit Hast bis zu 14 Tagen.

):( Hersfeld, 1. April. Unter außerordentlich ge­ringer Beteiligung vollzog sich gestern in der ersten Klasse die Ersatzwahl zur Stadtverordnetenver­sammlung. Von 33 Wahlberechtigten übten zwei ihr Wahlrecht aus. Da diese Stimmen auf Herrn Manrer- meister Alfred W ö l b i n g fielen, fo war derselbe gewählt.

):( Hersfeld, 1. Avril. Im amtlichen Anzeiger der heutigen Nummer ist der Sommerfahrplan der Hersfelder Kreisbahn abgedruckt.

):( Hersfeld, 1. April. Zum 1. April sind die Oberpvstassistentcn E. Meyer und L. Hücker hier zu P o st s e k r e t ä r e n ernannt worden.

):( Hersfeld, 1. April. Auf die im heutigen amt= lichen Anzeiger befindliche Bekanntmachung betreffs Gesellenprüfung der Maurerlehrlinge des Kreises Hersfeld möchten wir besonders aufmerksam machen.

):( Hersfeld, 1. April. Infolge der günstigen Witterung waren zu dem heutigen O st e r m a r k t zahlreiche Landbwohner gekommen, so daß aus dem Krammarkt reges Leben herrschte. Dagegen ließ der Auftrieb auf dem Viehmarkt zu wünschen übrig. Es waren nur 82 Stück Rindvieh und 527 Schweine auf- Preisen" ®cr ^"bel war flau bei zurückgegangenen

Die Zahl der Fremden, wslche rm Monat März hier übernachtet haben, be-

HeringE 31. März. In den Gewerkenversamm- lllngen der ('ewerkichastenHerfa und Neurode, zwischen denen bekanntlich ein Gemeinschaftsvertrag besteht, teilte der Grubenvorstand mit, daß im laufenden Jahre ein Bankkredit von zus. 500 000 Mark in An- wruch genommen werden müsse, und außerdem bei der Deutschen Schachtbaugesellschaft noch ein Kredit von 400 000 Mk. bestehe. Bis zum 1. Okt. 1915 hoffe man soweit aufgeschlossen zu sein, daß dann die end- giltige Beteiligungsziffer beantragt werden könne. Der Absatz beider Werke habe im 1. Vierteljahr 1914 etwa 350 000 Mk. betragen und vor Abzug der Zinsen eineii Gewinn von 120 000 Mk. ergeben. In den ^^"^orstand von Herfa wurde Frhr. v. Thiele- Winckler neu gewählt. '

A März. Die Fuldaresidenz Cassel hat msneue Sterbe erhalten: Mit einem Kostenauf- ^00 000 Mark wurde in zwei Jahren eine richtet, die es wagen darf, den Stadt- ri,^?"oerer großstädtischer Gemeinwesen zur Teile treten. Die Casseler Architekten Hummel und

Rothe schufen auf dem Gelände eines kleinen, idyllischen Bergparks, des Floraparks, den Ball, der sich in seiner äußeren Architektur der Eigenart der Neukasseler Ge- bände anpaßt. Im Westen der Stadt, im Angesichte des eben zum Frühling erwachenden Habichtswaldes, den der Herkules krönt, erhebt sie sich an der Hohen- zollernsträße, derHauptverkehrsader des Westens. Der große Festsaal, der 2000 Besuchern Platz bietet, präsen­tiert sich in reichem Grün. Eine Orgel von 65 Stimm- Registern gibt den Abschluß des an einen Walddvm mahnenden Saales. Ihm schließt sich der Theatersaal an, ein in Blau unb Gold gehaltener Saal, der für 800 Personen berechnet ist, während der dritte Saal der Gesellschaftssaal, prachtvolle Fresken nnd Wand­gemälde von Professor Weber und Maler Scheffer enthält. Sämtliche drei Säle sind so gelegen, daß sie bei großen Gelegenheiten 311 einem einzigen Saale vereinigt werden können. Heute, am Mitwoch, erfolgt die feierliche Weihe der Halle in Gestalt einer Matinee und eines Bürgerkommerses.

Eafsel, 31. März. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern abend anf der Messe in der Leipziger Straße. Der Sohn des Schaffners August Becker, Kleiststraße 9, stand vor einer Bude, in der ein Assen- und Hundetheater Vorstellungen gibt. Vor der Vor­stellung wurde ein Affe zur Reklame zwischen dem Publikum umhergeführt. Das Tier parierte aber plötzlich nicht, weil es zu sehr an der Kette gezogen wurde, biß wütend um sich und biß dem Knaben die Sehnen der linken Hand durch. Der Junge wurde auf der Feuerwache verbunden und dann nach dem Landkrankenhause gebracht.

Naumburg, 31. März. Der Mörder des Försters Ludwig in Eckartsberga, der Arbeiter Morgenstern von dort, hat sich im Naumburger Gerichtsgefängnis, wo er in Untersuchungshaft 'F .rhängt. Morgenstern hatte den Förster Ludwig erschossen, als er von diesem beim Wildern ertappt worden war.

Rudolstadt, 31. März. Auf dem Wege »ach Eatharinau mürbe von einem hiesigen Briefträger der Sohn des Zimmermeisters Reich aus Naumdorf mit dem Fuße im Fahrrad hängend tot anfgefunden. Der Verunglückte ist zweifelsohne vorn Rade gestürzt und hat so den Tod gesunden.

Nordhausen, 31. März. Wie dieNordh. Allge­meine Zeitung", das Amtsblatt für den Stadtkreis Nordhansen, hört, hat sich das versteuerbare Ver­mögen der Stadt Nordhansen nach den vorläufigen Feststellungen für die Wehrsteuer um 25 Millionen Mk. (von 106 aus 131 Millionen) erhöht. Diese Summe dürfte sich nicht unwesentlich erhöhen, da die De­klaration verschiedener größerer Vermögen noch aussteht.

Cronberg, 30. März. In einem Wirtschaftsgarten wurde heute früh der Fuhrmann Nikolaus Schäfer bewußtlos anfgefunden. Man brächte ihn in seine Wohnung, wo er bald darauf starb. Schäfer soll bei einem Streit einen Schlag auf den Kopf erhalten haben, es ist auch möglich, daß er einem Scylaganfall erlegen ist. Gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet.

Frankfurt a. M., 30. März. In Neu-Jsenburg ist man einem geheimnisvollen Gasthaus auf die Spur gekommen. Es wurden dort bei Ausschachtungsar­beiten an drei verschiedenen Stellen menschliche Skelette gefnnden, die sehr gut erhalten waren, nur bei einem fehlte der Kops. Man stieß anch nur bte Grundmauern eines Gebäudes. Wie festgestellt wurde, stand vor hundert Jahren an jener Stelle ein Gasthaus, und man nimmt an, daß die Skelette von Reisenden her- rühren, die in dem Gasthaus ermordet und beraubt worden sind.

ringen. Der Bote Hilfe. Es gelang,

Frankfurt a. M., 31. März. Heute nachmittag wurde der Kassenbote Kriebahle der Frankfurter Ostha fe n inühlenwerke auf oyener Straße von einem Mann überfallen. Der Räuber hatte offenbar in der Fabrik gesehen, daß der Bote 84000 Mark bekommen hatte, um sie aus Die Bank zu bringen setzte sich zur Wehr und rief um den flüchtenden Räuber emzuholen und zu verhaften. Er hatte Papiere bei sich, die auf den Namen George Ferdinande Aujardin aus ^uremburg lauten. In dem Verhör, das die Krimmalpolizei anstellte,aab er schließlich zu, der im Jahre 1880 m Lelpzrg geborene Buckbalter Euaen Adam zu teilt, der 1906 von der KaKrl chen Marine desertiert ist und sich seit dieser Zeit in Frankreich, Belgren und Luxemburg herum­getrieben hat. Er wird von einer ganzen Reihe von Behörden steckbrieflich gesucht.

Lauen örde -olling, U März. Beim Abladen von eisernen Masten für die Ueberlandzentrale fiel ett er der Masten dem Maurermeister Knüppel auf be» Körner Knüppel erlitt einen schweren Ober- schentelbruch und eine gefährliche Rückenquetschung, sodaß er in die Göttinger Klinik transportiert wurde.

Sport im Heer."

Unter diesem Titel erscheint jetzt eine Beilage zum Militär-Wochenblatt, die eine ständige sportliche Monatsschrift für die Armee darstellen soll nnd einen um so breiteren Resonanzboden finden wird, als das Militär-Wochenblatt in die Hände eines jeden Offiziers gelangt. Schon die erste Nummer läßt erkenne«, daß die sportliche Lebensbetätigung in der Armee auf ber ganzen Linie im Vordringen ist. Eine neue Welt tut sich auf. Wir sind jetzt da, wo die Engländer seit langem angelangt sind: Offizier nnd Mann können sich gleichermaßen durch konsequent dnrchgeführten Sport leiblich und seelisch für den Vorbereitungs­dienst zum Kriege wie für deu Ernstfall selbst trainieren. In diesem Zeichen wird viel Segen zu holen sein. Daß dem so ist, haben wir dem obersten Kriegsherrn, der das rechte Wort und die rechte Tat zur rechten Stnnde fand, zu danken. Bislang bestand nämlich vielfach das Bedenken, daß die Disziplin der Truppe Schaden erleiden könnte, wenn bei der Be­wegungsfreiheit, die mit den sportlichen Betätigungen verbunden ist, Offiziere und Mannschaften gemeinsam den Sport ausüben. Man hat dieses Bedenken zu­rückgestellt, wenn nicht ganz überwnnden, mctl ge­rade der Sport nnd seine Pflege in hervorragendem Maße geeignet ist, das Band des Vertrauens zwischen Offizier und Mann zu festigen. Aus dieser neuen fortgeschrittenen Erkenntnis heraus gab der Kaiser Befehl an das Kriegsministerium, die allgemeinen Bestimmungen über die militärische Teilnahme an den im Jahre 1916 in Berlin abzuhaltenden inter­nationalen Olympischen Wettkämpfer! zu erlassen. Ueber die Vorbereitung dazu heißt es in den Be­stimmungen, daß Vertreter der Armee eine erfolg­reiche Durchführung der Wettkämpfe anf deutschem Boden im vaterländischen Interesse fördern helfen müssen. Des weiteren w- rden im einzelnen zahlreiche Anordnungen getroffen, wie sie bisher für die Gymnastik der Armee noch nicht vorgesehen waren. Daneben hat das Kriegsministerium mit Genehmigung des Kaisers noch Ergänzungsbesttmmungen erlassen, die sich auf die Offiziers-Wettkämpse in diesem Jahre beziehen, über die der Kronprinz das Protektorat hat und die besonders geeignet erscheinen, neue Erfahr­ungen zur praktischen Verwertung in den Olympischen Spielen zu sammeln. Besonders wichtig ist an den Ergänzungsbestimmungen, daß zum Zweck der Er­weiterung des Verständnisses für die einzelnen Sport­zweige unter erfahrener Leitung Ausbildungskurse abgehalten werden sollen, wobei an erster Stelle auf Belehrung über die Lebensführung des Trainierenden Bedacht zu nehmen ist.

In der Tat liegt in diesem Punkt die Garantie für das Gelingen des Ganzen: sportliche Durch­dringung des Heeres zur körperlichen und ethischen Ertüchtigung nnd Starkerhaltung aller Glieder des­selben. Ungeeignete Lebensführung kann, worauf von fachmännischer Seite idnrch Generalleutnant z. D. von Reichenau) mit Recht hingewiesen wird, die trainierende Ausbildung illusorisch machen, schon deshalb, weil sie der Neigung zn kraftvoller Tätigkeit meist nicht günstig ist. Oberstes, allgemeinstes Prinzip der Lebensführung muß das derEinfachheit" sein. Wenn die modernen Millionenheere aufeinanderprallen, wird nicht selten Mangel an Proviant herrschen. Wem dann die Ein­fachheit zur Lebensgewohnheit geworden ist, der wird trotzdem nicht Schneid, Kraft nnd Humor verlieren. Und da soll der Offizier wieder, wie auch bei den Sportkämpfen an sich, burd) sein Beispiel anfeuern. Zeigt er sich frisch, genügsam, humorvoll auch im Mangel, ißt er etwa seinen Leuten ein Stück trockenes Brodvor", mit heiterer Miene, so werden sie des­gleichen tun. Wir sehen also, daß die sportliche Welle, die durch die erwähnten Erlasse erregt worden, wett über die olympischen Spiele hinaus sich wird in der gesamten Armee fortsetzen. Es kommt aber noch hin­zu, was schon in Friedenszeiten sehr ersprießlich ist: daß eine fortdauernde, angemessene Trainierung einen wirksamen Schutz gegen Erkrankungen bildet. Man denke da an die erkannt gewordenen Zustände in der französischen Armee, wo ganze Truppenteile durch Massenerkrankungen Abgänge erlitten haben in einem Maße, wie der Krieg sie kaum mit sich bringen könnte. Der trainierte Mann hat der Krank­heit ganz andere Widerstandskräfte entgegenzusetzen. Unter allen Umständen wird man vom ethischen, hygienischen und vaterländischen Standpunkte die Initiative des obersten Kriegsherrn begrüßen und ihr bald spürbare große Erfolge im Reich der all­gemeinen Wehrpflicht prophezeien dürfen.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.