Hers seid er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- aOia*
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^BTSluVU Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
Wlatt
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Zernsprech-Knfchlutz Nr. 8
Nr. 77. Mittwoch, den 1. April ”"” 1914.
Kontrollversammlungen in Hersfeld.
Morgen Mittwoch den 1. April, vormittags 9 Uhr, sämtliche Reservisten der Stadt Hersfeld, um 10 Uhr sämtliche Wehrleute ersten Aufgebots und die Ersatzreservisten der Stadt Hersfeld, um 11 Uhr sämtliche Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Oberrode, Petersberg, Kühnbach, Wilhelmshof, Sorga, Sölzerhöfe, Bingartes, Meisebach, Kalkvbes, Eichhof, Heenes und Hermannshof.
Die Kontrollversammlungen werden auf dem Platze hinter dem Bezirkskommando oder bei Regenwetter in der Turnhalle der Kriegsschule abgehalten.
Bus der Heimat#
-n- Hersseld, 31. März. Der April leitet das zweite Quartal des Jahres ein. Er ist ein wetterwendischer Gesell, und doch erwartet die frühlings- durstige Menschheit von ihm den Zauber des jugend- frischen Lenzes. Freilich wird einem manchmal auch ganz anders zumute, wenn der April, wie er es nur zu gern tut, nach lachendem Sonnenschein Schneegestöber und kalten Wind dazwischen wirft. Das sind eben die.berüchtigten Aprillaunen, wie man sie im übertragenen Sinn nicht selten auch bei den Menschen findet. Der Landmann wünscht sich im April nasses Wetter: denn eine alte Bauernregel sagt:
Dürrer April
Ist nicht des Bauern Will',- April naß Füllt Scheuer und Faß.
Mit dem April beginnt für viele Menschenkinder etwas Neues, und wenn es zunächst nur das Sich- einleben in die neue Wohnung wäre nach all dem unbehaglichen Umzugstrubel. Oder man hat ein neues Amt, eine neue Stellung angetreten, in die man sich erst eingewöhnen muß. Die Abc-Schützen rüsten sich zum ersten Schulgange, der für sie den ersten Schritt hinaus ins Leben bedeutet, das sie bisher nur von der heiteren, sorgenlosen Seite kennen gelernt hatten. Größere Kinder rücken in die nächsthöhere Klasse auf, manche freilich auch nicht. Die Abiturienten der höheren Schulen sind stattliche Muli geworden und können die akademische Herrlichkeit kaum noch erwarten. Und wie der April eigenartig anfängt, so klingt er auch eigenartig aus. Sein letzter Tag geht in die bekannte Spuk- und Zauberuacht über, in der die Walpurgisgeister lebendig werden, und ehe man sichs versieht, werden Maiklänge an die Stelle der April- phantasien treten. Doch vorläufig müssen wir uns schon mit dem etwas nnberechenbaren Vorläufer des Wonnemonats zu befreunden suchen, so gut es eben geht.
):( Hersfeld, 31. März. Morgen am 1. April werden die P o st s ch a l t e r bereits morgens u m 7 Uhrgeöffnet. Ebenso beginnt der Fernsprechdienst auch zur gleichen Zeit.
):( Hersfeld, 31. März. Bei der heute vormittag stattgefundenen Wahl zur Stadtverordneten- Versammlung in der zweiten Abteilung wurde Herr Rechtsanwalt und Notar Schafft mit 31 Stimmen gewählt. Herr Rentier Hrch. Gesing erhielt 17 Stimmen.
):( Hersfeld, 31. März. Für das vom nächsten Donnerstag ab im H e rs s e l d er L i ch t s ch a u s pi e l - , 5 . 8ur _ Vorführung kommende großartige Werk „Die Herrin des Nils" hat der Vorverkauf Bereits in dem Cigarrengeschäft des Herrn D. Lteinhauer begonnen. Es finden an den betreffenden Tagen jedesmal zwei Vorstellungen statt, und zwar um i/2? Uhr und um 9 Uhr. Da nur so viel Billets ausgegeben werden wie Sitzplätze vorhanden sind, wird ein Gedränge vermieden. Es ist aber angebracht sich bei zeiten die Karten zu den Vorstellungen zu besorgen.
):( Hersfeld, 31. März. Einen alten Fund machte man bei den augenblicklich im „Hotel Stern" stattfindenden Umbauten. Es ist bekannt, daß dies Haus bereits auf ein hohes Alter zurückblickt. Als man heute eine große Säule in dem seitherigen Gast- zunmer niederlegen wollte, stellte es sich heraus, daß oieselbe innen hohl war und eine ganze Anzahl Flaschen Wein in sich barg. Eine sofort vorgenommene inn^^“^- Ergab, daß der edle Tropfen mindestens
<lahre daselbst gelegen hat und von einem geradezu herrlichen Geschmack ist. Da Herr Hoflieferant Kniese '/sh^an dem gefundenen Tropfen nicht bereichern will, w hat er großmütig sich entschlossen, denselben morgen nachmittag und abend zum Gratisausschank zu
bringen. Kenner eines guten Tropfens dürften hierfür ganz besonders dankbar sein und es steht zu erwarten, daß es an Gästen nicht fehlen wird.
):( Hersfeld, 31. März. Der Sommerfahrplan SerHersfelderKreisbahn tritt bereits morgen am 1. April in Kraft. Derselbe zeigt gegen das Vorjahr insofern eine Aenderung, als den vielfach geäußerten Wünschen, den Sonntag-Abendzug etwas früher hier einlaufen zu lassen, in bereitwilligster Weise Rechnung getragen ist. Während derselbe an den Wochentagen um 9.25 Uhr abends hier ankommt, wird dies an Sonntagen bereits um 9.02 Uhr der Fall sein. Auch hieraus kann man wieder sehen, daß die Verwaltung der Kreisbahn in jeder Weise bemüht ist, den Wünschen des Publikums Rechnung zu tragen. Die dankenswerte Einrichtung der Sonntags- k a r t e n sowie die günstigen Zugverbindungen ermöglichen es, an Sonntagen lohnende Ausflüge nach dem herrlichen Landeckeramt und die interessante Werragegend zu machen. Die Abfahrtszeit des Sonntagnachmittagszuges um 2.23 Uhr ist wiederum beibehalten worden, um auch denen, welche geschäftlich nicht früher abkommen können, noch Gelegenheit zu Ausflügen zu geben. Nach der langen Winterszeit bietet die jetzt grünende Natur eine Quelle schönster Erholung, und gerade die jetzige Zeit ist zum Wandern am besten geschaffen, wird man doch dabei nicht durch Staub und große Hitze belästigt. Die von der Kreisbahn berührte Gegend bietet eine große Anzahl dankenswerter Touren, die Anschlüsse in Heimboldshausen machen es möglich, diese Touren auch in die benachbarten Gebiete auszudehnen, woselbst Vacha, der Oechsen, Bad Satzungen usw. bereits im vorigen Jahre beliebte Ausflugsorte waren. Früher war es infolge einer umständlichen Bahnfahrt gar nicht möglich, in einem Tage diese Gegenden bequem besuchen zu können. Mögen daher alle Freunde des Wanderns die jetzt so günstige Gelegenheit benutzen. In diesem Sinne ein fröhliches „Frisch auf".
):( Hersfeld, 81. März. Bei Tieferbohrung eiues Brunnens in einem Gehöft in der Hainstraße stieß man anscheinend auf eine war m e Quelle. Da das Wasser auch stark salzhaltig ist, wurden die Arbeiten polizeilich eingestellt, um erst ein sachv.r- ständiges Urteil über die jetzt noch nicht recht zu erklärende Erscheinung einzuholen. Wir werden über das Ergebnis der Untersuchung weiter berichten.
, ):( Hersfeld, 31. März. Um den Bestrebungen nach Einführung einer d e u t sch e n B e k l e i d u n g s m o d e auch in den kleinen Städten mehr Geltung zu verschaffen, wird morgen auf dem Krammarkt eine Schaubude mit modernen Kleidungsstücken, die besonders in Berlin großen Anklang gefunden haben, zu sehen sein. Auch sind Schnittmuster an Ort und Stelle zu haben.
Fulda, 30. März. Im hiesigen Landkrankenhame verstarb, wie die „Fuld. Ztg." meldet, ein Landwirt aus Neuwirtshaus, Kr. Hünseld. Seine vermeintliche Leiche wurde von den Angehörigen am Sonnabend hier abgeholt. Vor der Beerdigung gestern aus dem Friedhof zu Kirchhasel wollte nun die jüngste Tochter, die in Westfalen verheiratet ist, den Vater noch einmal sehen. Sie behauptete sofort, daß das der Vater gar nicht sei. Auch den anderen Geschwistern war die ganz merkwürdige Veränderung, welche mit dem Vater vorgegangen war, schon ausgefallen, doch meinten sie, daß dies aus der Krankheit und dem Tode des Vaters zu erklären sei. Es wurde also die Leiche dem Grabe übergeben. Als die Angehörigen von der Beerdigung zurückgekehrt waren, traf ein Telegramm ans Fulda ein, daß eine Leichenverwechselung stattgefunden habe und daß, falls die Leiche nicht schon beerdigt fei, dies auch nicht geschehen möchte. In Kirchhasel hatte man einen zur selben Zeit verstorbenen Mann aus Fulda beerdigt, während hier die ^eiche des Verstorbenen aus Kirchhasel zurückgehalten worden war.
Cafsel, 31. März. Heute, mittag kurz nach 12 Uhr ereignete sich in Waldau ein schwerer Unglücksfall. Dort Überfuhr ein mit Brettern beladener Wagen den etwa dreijährigen Knaben Wilhelm H. Das Kind soll direkt vor den Wagen gelaufen fein Es trug fo schwere Verletzungen davon, das; es bald baianf verstorben ist.
Alsfeld, 29. März. Im benachbarten Seimerts- Hausen wurde durch einen Hund ein Sackchen aus dem Holze^d^s auf einem Hof lagerte, heransgeholt. Beim Oeffnen des Söckchens fand man die Leiche eines neu- geborenenKnabem wurde ein von auswärts stammendes Dicmtmädchcn ermittelt und verhaftet.
Marbura. 20r März. In Endbach bei Gladenbach geriet ein 13jähriger Schüler aus Schlierbach unter die Räder eines Zuges und wurde gragnch zerstückelt.
Themar, 28. März. Der in Erlau stationierte Gendarm stürzte im benachbarten Bischofrod im Gehöfte des Schulzen Fr. in einen Keller, wo er bewußtlos aufgefunden wurde. Der herbeigeholte Arzt sonnte nur noch den Tod feststellen.
Eisenach, 30. März. Gestern wurde das neue Wartburghotel dem Verkehr übergeben. Das Gebäude ist nach den Plänen von Professor Bodo Eb- Hardt erbaut. Das neue Hotel, das im Stile der Wartburg errichtet worden ist, verursacht einen Kostenaufwand von zirka 1 Million Mark.
Ronneburg, 27. März. Beim Abladen von buchenen Blocken wurde am Montag nachmittag der Handarbeiter Reinhold Müller im Trömelschen Dampfsägewerk von einem abfallenden Stamm an den Kopf getroffen. In der vergangenen Nacht starb der 48 Jahre alte Mann an den erlittenen Verletzungen.
Niedersachswerfen, 28. März. In den GipSstein- brüchen stürzte der Steinbrecher Günther anS Salza infolge eines Fehltrittes von einem 5 Nieter hohen Felsen herab und blieb schwer verletzt und besinnungslos liegen. Der Tod trat bald infolge eines Schädel- brnches ein.
Frankfurt a. M., 30. März. Beim Generalkommando des 18. Armeekorps ist ein wichtiges Schriftstück spurlos verschwunden. Bei mehreren Militär- personen, die auf dem Generalkommando beschäftigt sind, haben Haussuchungen stattgefunden, die aber ergebnislos verlaufen sind.
Frankfurt a. M. 30. März. Die hiesige Universität imrd am 20. Oktober d. Js. eröffnet werden.
Göttiugeu, 30. Mirz. Von der Dreschmaschine das Bein abgequetscht wurde einem polnischer! Arbeiter, der auf dem Vorwerk des Gutsbesitzers v. G. auf der Königsallee beschäftigt war. Der Verunglückte wurde in die Chirurgische Klinik überführt. Es mußte ihm das Bein amputiert werden. Nach dem Anlegen des Verbandes starb der Verletzte.
Hanau, 29. März. Zwei schwere Selbstmordfälle sind kurz hintereinander hier vorgekommen. Die Frau des städtischen Assistenten Hagemann, welche nerven- leidend ist, legte sich in die Badewanne, tränkte ihre Kleider mit Petroleum und zündete diese an. Nahezu verkohlt wurde sie von ihren Angehörigen ausgefunden. — Die im St. Vinzenzkrankenhausc untergebrachte Ehefrau Haas aus Bergen durchschnitt sich in unbewachtem Augenblick die Halsschlagader.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Gemüsebaues.
Keine andere ländliche Bodennutzung ist so wie der Gemüsebau befähigt, den Wohlstand des Einzelnen zu fördern. Während der Ertrag des Ackerbaues in erster Linie abhängig ist von der Größe des Betriebes, von Gunst und Ungunst der Witterung und dem Klima, tritt bei intensiv betriebenem Gemüsebau der vermehrte Arbeitsaufwand, die Verbesserung der vorhandenen Anbauverhältnisse und die Durchführung der Bewirtschaftung mehr in den Vordergrund und ermöglicht die vollendetste Ausnutzung des Bodens. Dadurch, daß der Gemüsebauer sich nicht damit begnügt, alljährlich mit einer Ernte des Bodens vor- lieb zu nehmen, sondern deren mehrere erringt, schafft er die Möglichkeit auf einer Bodensläche von bestimmter Größe für eine größere Zahl von Menschen die Lebensmittel oder doch einen Teil derselben zu erzeugen. Andrerseits ist es dem Züchter selbst hierdurch möglich, auf einer kleineren Fläche, auf einem Stück Land, das nur einen Bruchteil desjenigen dar- stellt, welches bei dem landwirtschaftlichen Großbetrieb zu gleichem Zwecke gebraucht wird, sein Auskommen zu finden. Hierin liegt die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des Gemüsebaues, die um so mehr ins Gewicht fällt, je mehr die Bevölkerung eines Landes wächst.
Durch den Gemüsebau werden, und hierin steht er wieder im Gegensatz zu dem eigentlichen Feldbau, während des größten Teils des Jahres Ernten geliefert und damit dem Züchter selbst regelmäßig Einnahmen geboten. Dies sowie die im Gemüsebau eigentlich nie versagende Arbeitsgelegenheiten ermöglichen die regelmäßige Beschäftigung einer gleich- bleibenden Zahl von Arbeitskräften. Die sogenannte Saisonarbeit, deren Durchführung in einer Zeit die Kräfte über Gebühr in Anspruch nimmt, während man zu anderen Zeiten nicht weiß, was man mit den Arbeitern machen soll, tritt wesentlich in den Hintergrund, und auch dies ist ein volkswirtschaftlicher Vorteil des Gemüsebaues.
Wetteraussichten für Mittwoch den 1. April.
Wolkig, noch meist trocken, mild, südwestliche Winde.