Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^g^ für den Kreis Hersfeld
Melier Sreisilott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage
Zernsprech-Nnschluh Nr. 8
Nr. 76.
Dienstag, den 31. März
1914.
Hus der Heimat.
* (Preußische Klassenlotterie.) Am Freitag, den 3. April läuft die Erneuerungsfrist für die Lose vierter Klasse 230. Lotterie ab.
* Der Stand der W i n t e r s a a t e n von Weizen u n d R o g g e n ist in der letzten Woche nach dem heute ausgegebenen Bericht des Deutschen Landwirtschaftsrats allgemein befriedigend geblieben. Doch hat die andauernde Nässe die Entwicklung der Saaten besonders auf den schwereren und tieferen Böden mehrfach gehindert. Auch während der letzten Woche herrschte in Deutschland überwiegend trübes und regnerisches Wetter. Die Schäden durch Schnecken- und Mäusefraß sind größtenteils ausgeheilt,- man hofft, daß die Nässe im Frühjahr die Tiere vernichtet hat. Umpflügungen werden mit Ausnahme weniger Gebiete voraussichtlich nur in ganz geringem Umfange stattfinden. Hin und wieder wird berichtet, daß Um- pflttgungen der Kleefelder erforderlich sind. Die Frühjahrsbestellung leidet vielfach unter der Nässe und wird voraussichtlich in den Gebieten, in denen sie normaler Weise schon hätte stattfinden müssen, eine Verzögerung erfahren. Es wird deshalb fast allgemein trockenes Wetter herbeigesehnt.
):( Hersfeld, 30. März. Bei einem gestern nachmittag im kaufm. Lehrlingsheim stattgefundenen stenographischen W e t t s ch r e i b e n nach System Stolze—Schrey erhielt A u g u st Glas den ersten und Kurt D ö l l den zweiten Preis. Beide gehören dem Stenographenverein „Schriftheil" an.
):( Hersfeld, 30. März. Einen großen Menschenauf la u f verursachte gestern nachmittag eine Schlägerei, die sich zwischen Vater und Sohn in einem Hanse hinter der Kaiserstraße abspielte.
):( Hersfeld, 30. März. Am gestrigen Sonntage wurden in der Stadtkirche 82 Knaben und Mädchen des 1. und 3. Bezirks konfirmiert. — Die Prüfung de r K on firm a n d en des 2. und 4. Bezirks findet am kommenden Mittwoch vormittags ' 211 Uhr statt.
):( Hersfeld, 30. März. Nach der langen Regenzeit brächte der gestrige Sonntag zum ersten male schönes Wetter und lockte hierdurch Alt und Jung in die freie Natur, in der schon allenthalben die Zeichen des nahenden Frühlings zu finden sind.
):( Hersfeld, 30. März. Bei sehr schwacher Beteiligung fanden heute zwei Ersatzwahlen in der dritten Klasse zur Stadtverordneten- versammlung statt. Herr Gerichtsvollzieher Becker und Herr Magaziuverwalter Böttcher wurden mit je 73 Stimmen gewählt. Auf Herrn Metzgermeister Conrad Sander waren ca. 58 Stimmen entfallen. — Morgen finden die Wahlen zur ersten und zweiten Klasse statt.
-n- Mecklar, 28. März. Beim Auflegen eines Riemens auf die Transmission verunglückte gestern der 18 Jahre alte Sohn des Müllers Claus dahier. Die Transmission hatte ihn erfaßt und schwer verletzt.
-u- Widdershausen, 27. März. Endlich hat hier die Bürgermeisterangelegenheit eine vorläufige Lösung gefunden. Nachdem auch vom Herrn Regierungspräsidenten der hier gewählte Landwirt Konrad Trieschmann vin. zum hiesigen Bürgermeister nicht be- ^s.6t worden ist, ist der frühere Bürgermeister Achat er vom Kgl. Landratsamt in Hersfeld mit der Bersehung der Bürgermeistergeschäfte bis zur ordent- wordeu ^ s'tzung dieses Postens beauftragt
Aus dem Werratale, 26. März. Wie verlautet, frnd letzt Zwischen der preußischen, gothaischen und weunarrjchen Regrerungneue Austauschverhandlungen emgelettet worden, um die Zweiherrschaft in Ruhla und in Schnellmannshausen zu beseitigen. Der letztere Ort ist halb weimarisch und halb preußisch: er' soll aber möglicherweise ganz weimarisch werden und es soll Preußen als Austauschobjekt das gothaische Dorf Haltungen erhalten. Außerdem hört man, daß Ruhla, das jetzt halb gothaisch und halb weimarisch ist, ganz gothaisch werden soll, wofür die Gemeinden Nazza, Ebenshausen, Frankenroda, Lauterbach und Neukirchen von Gotha an Weimar abgetreten werden sollen. Dadurch würde sich der weimarische Besitz im Werratal wesentlich erweitern. Auch würde Mihla oder Creuz- burg dann ein eigenes Amtsgericht erhalten. Man steht den Austauschverhandlungen mit der größten Spannung entgegen.
Aus dem Werratale, 26. März. In Gerstungen oll am 1. April ds. Js. mit Rücksicht auf den gesteigerten Verkehr ein Postamt 2. Klasse errichtet werben. Zum Postmeister wurde Postsekretär Trapp
in Eisenach ernannt. — Für den zweigleisigen Ausbau der Strecke Vacha-Gerstungeu, die durch das Kaligebiet führt, werden im Anleiheetat 3 820 000 Mark gefordert.
Vebra, 27. März. In der Nürnbergerstraße stürzte infolge Entkräftung ein zugereister Kaufmann aus Bonn zusammen. Derselbe war ganz mittellos und hatte in 3 Tagen nichts gegessen. Er wurde in das Krankenzimmer des Gemeindehauses gebracht, wo der Arzt und die Gemeindeschwester sich um ihn bemühten.
Fulda, 25. März. Nette Submissionsblüten zeitigte die Ausschreibung des Gruppenwasserwerkes der Gemeinden Oberrode, Mittelrode, Heimbach und Neuenberg. Im ganzen waren elf Offerten für die in 8 Losen geteilten Arbeiten eingegangen. Bei Los 1 betrug das Höchstgebot 17777 Mk. das niedrigste 12 312 Mk., somit eine Differenz um 5465 Mk. Los 2 brächte ein Höchstgebot von 40 938 Mark, während das niedrigste 23382 Mk. betrug, sodaß sich eine Differenz von 17 556 Mk. ergab. Endlich wurde für Los 3 das niedrigste Gebot mit 29 399 Mk. abgegeben, das höchste mit 50180 Mk. Hier erreichte die Differenz sogar die erstaunliche Höhe von 20 781,80 Mark!
Gersfeld, 27. März. Unsere Berghäupter trageu von neuem weiße Schneemützen. Der Frühling hat diesmal schwer um die Herrschaft über den Winter zu kämpfen. — Am Mittwoch nachmittag ist die 11jährige Schülerin Jda Böhm von Schmalnau bei Hettenhausen in die hochgehende Fulda gestürzt und ertrunken. Ihr 9jähriger Bruder Eduard wäre bei dem Rettungsversuche beinahe mit ertrunken.
Hanau, 28. März. Hier erschoß sich mit seinem Dienstgewehr der Unteroffizier Cyganeck vom zweiten Eisenbahnerregiment in der Kaserne. Da dienstlich nichts vorliegt, ist die Annahme aufgetaucht, daß das Motiv in Liebeskummer Zu suchen ist Cyganeck soll in letzter Zeit des öfteren ein gedrücktes Wesen zur Schau getragen, sich aber niemals zu irgend jemand ausgesprochen haben.
Hanau, 27. März. Nachdem die Ordnung über die Deckung der Kosten der Grnnöstücksentwässerung im Stadtkreise Hanau auf Einspruch des Haus- und Grundbesitzer-Vereins für ungültig erklärt worden ist, haben die Stadtverordneten in ihrer heutigen Sitzung ein neues Statut genehmigt, nach dem die Unterhaltungs- und Verwaltungskosten von den Mietern, die Verzinsung und Tilgung von den Hausbesitzern mit Vorschüssen aus der Stadtkasse getragen werden.
Cassel, 30. März. Ein gewissenloser Schütze hat am Sonnabend mittag die Tischgäste einer Pension im Hause Karlstraße 16 in großen Schrecken versetzt. Als dort etwa 40 Personen beim Essen sahen, durchschlug unter lautem Klirren eine Kugel die Fensterscheibe. Von dem Schützen, nach dem die Kriminalpolizei eifrig sucht, konnte man noch keine Spur entdecken. Auch die Kugel suchte man lange vergebens. Endlich fand man sie — in dem auf dem Tische stehenden Rindsbraten.
Niedervellmar, 27. März. Ein 7 Monate altes Kind des Landwirts R. von hier, das einen Topf mit kochender Milch vom Tische gezogen hatte, so daß sich der Inhalt über seinen ganzen Körper ergoß, ist an den erlittenen Brandwunden gestorben.
Frauensee, 26. März. Hier ereignete sich aus dem Gelände des Schachtes Dönges ein Unglücks fall. Verschiedene Arbeiter vergnügten sich mit Schießen mittels Teschings nach der Scheibe. „Als derIHahrige Arbeiter Albrecht auch schießen wollte, lud ihm en, Elektromonteur, der Besitzer der Waffe, das Teichmg, hielt es dabei aber unglücklicherweise mit der Mundung nach vorn, wobei es zur Entladung kam. Die Kugel drang Albrecht durch das Auge ins Gehirn; er ist bald darauf im Krankenhaus zu Meiningen verschieden.
Eisenach 27 März. Die Glühlampenfabrik von Franz Hohmann hier, welche über 80 Arbeiter beschäftigt, wurde heute geschlossen nachdem der Besitzer unter dem Verdachte der Verleitung zum Meineid und wegen Steuerhinterziehung ^ großem Maßstabe verhaftet worden ist. Hohmann hat vielfach die in» In and z^verzollenden Birnen für Glühlampen nicht »erStun^ 1501,11 «e 20 000
Mark betrogen.
27 März Gestern abend wurden die hiesigen Beraleute K. und N., die aus der Schicht kommend, sich mit dem Fahrrade auf dem Wege von Berka a. M nach Same befanden, kurz hinter Berka beim Babnüberaang plötzlich vom Rade geworfen und mit Stöcken und^tefsern bearbeitet. N. fuhr schnell nach Berka zurück um Hilfe zu holen, die er auch tn mehreren bekannten Bergleuten bereitwillig fand. An die Ueberfallsstelle zuruckgekehrt, fanden ste K sehr übel zugerichtet vor, das Gesicht war ihm ganz I
zerstochen worden, von den Tätern aber war nichts zu sehen. Nachdem für K. notdürftig gesorgt war, klang Gesang in der Richtung von Obersuhl her, mehrere Leute nahmen in dieser Richtung auch die Verfolgung auf und stellten kurz vor Obersuhl die Arbeiter K. unb die Arbeiter Gebrüder M. aus Obersuhl und Bosserode. Zur Rede gestellt rief der eine auch gleich: „Ich habe ihn nicht gestochen, die anderen beiden waren es." Daß es sich um die wirklichen Täter handelte, darüber bestand nun kein Zweifel mehr. Sie wurden wieder mit zurück nach Berka genommen, dem dortigen Gendarmen vorgeführt und zur Anzeige gebracht. Bei dem einen Täter wurde ein noch geöffnetes Messer in der Tasche vorgefunden. Die Untersuchung ist eingelettet.
Deutsche Eisenbahustatiftil.
Für die wirtschaftliche und kulturelle (Sntwictlung unseres deutschen Vaterlandes dürften die Ergebnisse, wie sie in der soeben vorn Reichsetsenbahnamt bearbeiteten Statistik für das Rechnungsjahr 1912 veröffentlicht morden sind, von allgemeinem Interesse sein. Die Ergebniszahlen des Werks gewinnen noch an Bedeutung, wenn man ihnen die entsprechenden Eingaben aus dem vor 10 Jahren erschienenen Band gegenüberstellt. Die Eigentumslänge der deutschen vollspurigen Eisenbahnen ist von 52004 Kilometer im Jahre 1902 auf 60 751 Kilometer im Jahre 1912 ge- gestiegen, was einem Wachstum von 16,8 v. H. entspricht. Von dieser Länge entfielen 1902 auf die Staatsbahnen 91,2 v. H. und auf die Privatbahnen 8,8 v. H. Dieses Verhältnis hat sich nach 10 Jahren trotz der Steigerung der Kilometerzahl zugunsten der Staatsbahnen verändert: 94,2 m H. für die Staatsbahnen und 5^T für bü MtvDoahneü. Die dem öffentlichen Verkehr dienenden Schmalspurbahnen — ausschließlich der Kleinbahnen — wiesen 1902 eine Eigentumslänge von 1879 Kilometer auf; 1912 war diese um 334 Kilometer oder 17,8 v. H. auf 2213 Kilometer gestiegen. Wenn wir uns ferner den hauptsächlich in Betracht kommenden vollspurigen deutschen Eisenbahnen zuwenden, so finden wir zumeist gewaltige Fortschritte. So haben sich die Beschaffungskosten der Fahrzeuge von 2572,32 auf 4435,41 Millionen, d. h. um 72,4 v. H. erhöht. An Zügen entfielen 1902 auf das Betriebskilometer 9800 oder pro Tag 26,85 Züge. Für 1912 lautet diese Zahl 12,533 oder 34,39 Züge täglich. Auch ist gegen das Jahr 1902 ein Wachstum zu verzeichnen: bei den Wagenachskilometern im ganzen um 66,1 v. H., bei den Personenwagen um 93,9 v. H., bei den Gepäck- und Güterwagen um 58,0 v. H. und bei den Postwagen um 46,6 v. H. Eine geradezu immense Steigerung hat auch die beförderte Nutzlast, die sich aus dem Gewicht der Personen nebst Handgepäck (zu 75 Kilogramm gerechnet) des Gepäcks, der Hunde, des Viehs und der Güter aller Art zusammensetzt, erfahren. Sie ist in den 10 Jahren von zirka 38 303 Millionen auf zirka 68 968 Millionen Tonnenkilometer, also um etwa 80 v. H. gestiegen.
Auch der Personenverkehr hat in dem Zeitraum von 1902 bis 1912 einen weiteren Aufschwung genommen. Im Jahre 1912 wurde eine Einnahme von zirka 984 gegen 577 Millionen Mark im Jahre 1902, mithin ein Mehr von etwa 70 v. H. erzielt. Bei den Einnahmen aus der Personenbeförderung wird die Feststellung des Anteils der verschiedenen Wagen- klassen besondere Beachtung verdienen. So fuhren von 100 Reisenden im Jahre 1912 knapp 3 in der 1. Wagenklasse, ungefähr 17 benutzten die 2. Klaffe, während fast 44 die 3. Klasse bevorzugten unb etwa 35 in der 4. Klasse reisten. Knapp 2 v. H. entfallen auf die Militärbeförderung. Wie der Personenverkehr hat auch der Güterverkehr hinsichtlich des Umfangs und der Erträgnisse in dem angezogenen zehnjährigen Zeitabschnitt eine erhebliche Steigerung erfahren. 1912 betrug die Einnahme 2252 Millionen Mark gegenüber 1298 Millionen im Jahre 1902, was einer Zunahme von fast 74 v. H. gleichkommt. Die gesamten Betriebseinnahmen ausschließlich des Pachtzinses sind von ea. 2021 Millionen im Jahre 1902 auf 3473 Millionen Mark im Jahre 1912 gestiegen. In allerdings noch höherem Grade haben die Betriebsausgaben zugenommen, sie betrugen 1902 1286 Millionen Mart, 1912 dagegen 2304 Millionen. Es zeigt somit, daß die Einnahmen zwar um 71 v. H., die Ausgaben aber in noch höherem Maße, nämlich um etwa 79 v. H., zugenommen haben. So zeigt sich, daß die Betriebseinnahmen unter Ausscheidung der Kosten erheblicher Ergänzungen, Erweiterungen und Verbesserungen sowie der Pachtzinse im Jahre 1902 nur 734 Millionen, 1912 dagegen 1169 Millionen Mark Ueberschuß ergeben haben, ber also um etwa 59 v. H. gewachsen ist. Jm Verhältnis zu der Gesamteinnahme nach Ausscheidnng des Pachtzinses ist der Ueberschuß allerdings von 86,34 auf 33,65 v. H. gesunken.