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Steigende Verwirrung in England.

Rücktritt des Feldmarschalls French.

Die Ulsteraffäre zeitigt ihre ersten Opfer. Gene- ralfeldmarschall Sir John French und ber Generalad- tutant Sir Ewarts haben ihren Abschied eingereicht. General French, der bisherige Generalstabschef nnd Vorsitzender des obersten Armeerates ist, gilt als schnei­diger Kavallerieführer und Stratege. Dem Ausland ist er bekannt durch seine Tätigkeit rm Burenkriege, und uns Deutschen ist er noch von der Marokkokrise her in guter Erinnerung. Damals kam er nach Frankreich, um die östlichen Befestigungen auf ihre Kriegsbereitschaft zu untersuchen. General French ist durch und durch Soldat, und so verurteilte er die Vorgänge in Ulster, die poli­tische Stellungnahme der Ofifziere auf das schärfste. Eine Ansicht, die und Deutschen, die wir von der Armee un­bedingten Gehorsam gegen die Regierungsbefehle er­warten, die einzig richtige erscheint, die in England aber offenbar nicht geteilt wird. In der Tat ist die rechtliche Stellung der englischen Armee von der der stehenden Heere der Kontinentalmächte grundverschieden.

Zunächst ist das Halten eines stehenden Heeres in England ungesetzlich, denn es gefährdet die Freiheit. Ein Grundsatz, den wir im Laufe der englischen Ge­schichte mehrfach im Unterhause, aber auch bei den Lords als herrschenden finden. Der Engländer will auch sei­nen Offizieren und Soldaten nicht die Möglichkeit neh­men, ihre durch Vernunftsüberlegung gewonnene An­sicht in die Tat umzusetzen und läßt sie deshalb schwö­ren, nur vernünftigen Befehlen zu gehorchen. Gehorcht er aber unvernünftigen Befehlen, d. h. solchen, die gegen die Gesetze Englands verstoßen — ob sie das tun, da­rüber entscheiden im Eventualfall die Zivilgerichte — so macht er sich schuldig und wird bestraft. Wer in England den Befehl gibt, auf seine Landsleute zu schießen und wer ihn ausführt, beide müssen einer Anklage und einer tatsächlichen Verurteilung wegen Mordes gewärtig sein. Lieber wegen Ungehorsams gegen seinen Vorgesetzten erschossen werden, als wegen Gesetzesübertretung ge­hängt — das ist der Leitsatz im Verhalten der englischen Offiziere. In Deutschland würde ein Soldat, der dem Befehl gemäß auf Eltern und Brüder schießt, sich nie­mals in Konflikt mit den Gesetzen bringen. Die Ver­antwortung trifft bei uns, wie auch in anderen Ländern mit Pflichtheeren einzig und allein die oberste leitende Person, von der der Befehl ausgeht.

So wird das englische Heer, seine Bewilligung und seine rechtliche Stellung zu einem politischen Kampfob- jeft, eine für uns Deutsche unverständliche Tatsache. Daß man Heeresvorlagen nicht bewilligt, das kennen auch wir. Daß man aber durch Nichtbewilligung des be­stehenden Heeres die Armee ihres rechtlichen Charakters entkleiden kann, ist uns vollkommen unverständlich. Und es scheint, daß wir es tatsächlich erleben werden, Eng­land ohne Heer zu sehen, wenigstens theoretisch. Denn es geht das Gerücht, daß die Lords in das Heeresgesetz die Klausel einstigen wollen, das Heer nicht gegen Ulster zu verwenden. Die liberale Mehrheit des Unterhauses wird dann wohl die Mittel für das Heer bewilligen, aber nicht das veränderte Gesetz. Damit wäre England vom Rechtsstandpunkt aus betrachtet ohne Armee.

Bedeutungsvoller aber als diese nur in der Theorie vorhandene Nichtexistenz sind ihre praktischen Folgen. Mit der Nichtbewilligung des Gesetzes fällt auch das in ihr enthaltene Militärrecht. Damit aber ist es dem Be­lieben oes einzelnen Soldaten wie Offiziers anheimge- stellt, den ihnen erteilten Befehlen nachzukommen oder nicht. Er ist Staatsbürger und untersteht in diesem Fall nur dem bürgerlichen Gericht. Eine Aburteilung wegen Disziplinlosigkeit kann nicht erfolgen, denn es besteht für ihn keine rechtliche Verpflichtung zu gehorchen. Würde im Verlaufe des weiteren Kampfes die Regie­rung sich dennoch dieser Armee bedienen — so macht sie sich einer ungesetzlichen Handlung schuldig, die den Mi­nistern eine Anklage wegen Hochverrats eintragen kann, wenn ihnen nicht die nachzusuchende Indemnität ge­währt wird. Also im Grunde genommen für alle Be­teiligten nicht gerade angenehme Aussichten.

Es ist das Bestreben der Opposition, Neuwahlen zu erzwingen, in der Hoffnung, eine konservative Mehrheit zu erzielen. Drückt die Regierung aber dennoch mit entscheidender Gewalt das Homerule-Gesetz durch, so droht ein Bürgerkrieg. Gelingt dies aber nicht, so fällt das Kabinett, die Konservativen erlangen die Herrschaft und die Folge wäre — die Möglichkeit einer irischen Rebellion. So bringt jeglicher Ausgang Schwierigkeiten mit sich, deren Folgen unabsehbar sind. Zu alleüem schweigt der König, und es verlautet nur, daß seine Nei­gung den Konservativen gehört. Ihre Sache erscheint auch so aussichtsreich, daß man mit ziemlicher Sicherheit aus dieser ganzen verwirrten Lage nur das eine ent­nehmen kann: Das Kabinett Asquith befindet sich in einer Krise, aus der es wohl nicht siegreich hervorgehen wird.

Täuschender Schein.

Original-Roman von Ludwig B l ü m ck e.

8) (Nachdruck verboten.)

Und wenn er dann im öden Büro noch zu später Stunde über den Wirtschaftsbüchern saß, dann ließ zu seinen Häupten Fräulein Agathe Rehfelö ihre sehr durchdringende, aber keineswegs melodische Stimme er­schallen, um ihm nach ihrer Meinung eine besondere Wohltat zu erweisen, denn sie zweifelte nicht mehr daran, daß der schmucke Herr mit den interessanten Augen und dem vornehmen Gesicht auf dem besten Wege war, in ihr Garn zu laufen und schon jetzt alles entzückend fand, was von ihr kam und mit ihrer Per­son im Zusammenhang stand..

^b dabei hatte Erwin ihr auch nicht die geringste Veranlassung zu solchen Vermutungen gegeben. Er be­gegnete ihr stets nur, wie es ihm Kavalierspflicht und guter Ton geboten, nie anders. Ihre Mondscheinsere- naden aber verwünschte er in beu Höllengrund, denn sie brachten ihn schier zur Verzweiflung. Ach, und wäre es nur bei diesen Ergüssen ihres liebenden, poesievollen Herzens geblieben — sie dichtete und kornpouierte, so gut und so schlecht sie es verstand, selber ihre Lieder von und Minne —, dann hatte er das schließlich noch in Geduld ertragen, aber sie stellte ihm auch regelrecht nach und wußte es mit wahrer Virtuosität stets so ein- zurrchteu, daß sie ihm begegnen mußte, wenn er einmal allein und sein eigener Herr zu sein hoffte. Und baun entging er ihr nicht mehr: da war irgend eine sehr wichtige Mitteilung, die sie ihm mit größter Umständ- lichkeit zu machen hatte, etwas Neues im Park, das sie ihm zeigen mußte, ein kranker Papagei, dem gerade er, als 6er Geschickteste, etwas eingeben sollte, ober sonst xtwaS bringendes. Genug, sie ließ ihn gar nicht fort und MriS B# Mnach nsSrin, 6m gar zu bescheidenen, ihr

Der Anzug in Paris.

Bor 100 Jahren. (Zum 31. März.)

„Da ist er also endlich, der große Sündenpfuhl!" So sprach Gneisenau in tiefem Sinnen, als er am Abend des blutigen 30. März vom erstürmten Montmartre auf das dampfende und wimmelnde Paris niederblickte. Es hatte noch zuletzt heldenmütiger Anstrengung bedurft, um das große Ziel zu erreichen. Nachdem Blücher mit kühnem Entschluß den Marsch auf Paris begounen, war die Hauptarmee langsam nachgerückt,- doch entstand da­durch eine solche Versäumnis, daß es den beiden fran­zösischen Marschällen Mortier und Marmont gelang, ihre Truppen noch rechtzeitig nach Paris zu werfen. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Franzosen von dem Weg nach Paris abzuörüngen, und dann hätte sich die Haupt­stadt bei den geringen Kräften, die sie verteidigten, ohne Kampf übergeben müssen. Aber die Eitelkeit oes Zaren verhinderte einen raschen und energischen Vormarsch. Kaiser Alexander wollte als der erste in Paris einziehen, um sichtbarlich vor ganz Europa als „der Agamemnon dieses Krieges," als der Befreier vom Joch des Tyran- uen zu erscheinen. Deshalb mußte die Armee Blüchers die Straße räumen, auf der sie vor der Hauptarmee marschierte, und dieser den Vortritt lassen.

Trotzdem die Befestigungen von Paris nur schwach waren — des Kaisers Selbstgefühl hatte nie an eine Belagerung seiner Hauptstadt denken mögen — waren doch die Stellungen, in die die 38 000 Mann Verteidiger geführt werden konnten, sehr günstig, und so fam es am 30. März noch zu einem hartnäckigen Kampf. Zu­nächst geriet nur die Hauptarmee der Verbündeten an den Feind, die in der Mitte der Schlachtordnung stand: die Befehle an den rechten Flügel, den Blücher, und an den linken, den der Kronprinz von Württemberg bil­dete, wurden erst so spät ausgegeben, daß sie nicht mehr zur rechten Zeit eintrafen. Das Gefecht entbrannte zu­nächst um das hochgelegene Roumainville, das die Ver­bündeten nahmen und zu einem wichtigen Stützpunkt machten. Dann wogte der Kampf um verschiedene Vor­städte hin und her.

Die Blücherschen griffen erst kurz vor Mittag ein, und nun drängte die Uebermacht allmählich die sich mit dem letzten Aufgebot ihrer Tapferkeit wehrenden Fran­zosen zurück. Feldmarschall Blücher, der wieder beson­ders heftig an feinem Augenleiden litt, ließ sich in seinem gelben Wagen bis dicht an die Schlachtlinie heran- sahren, und an der gelben Kalesche, in der er träumend saß, hafteten viel Blicke, weil die entscheidenden Befehle von hier ausgingen. Da keine andere Rettung mehr möglich war, erteilte König Joseph schon um Mittag den beiden Marschällen die Vollmacht, mit den Verbündeten zu unterhandeln. Bald war der Waffenstillstand ge­schlossen: doch kam die Nachricht nach dem rechten Flügel zu spät: Blücher hatte schon den entscheidenden Vorstoß befohlen. Nach einer glänzenden Kavallerieattacke hatte der Sturm auf den Montmartre begonnen, da sprengten plötzlich Adjutanten mit wehenden weißen Tüchern da­her. Der Ruf erscholl: „Waffenstillstand! Friede!" „Den Eindruck zu beschreiben, den diese Worte ausübten, ist unmöglich," erzählt ein Mitkämpfer: „um ehrlich zu sein, muß ich gestehen, daß die erste Empfindung bei mir eine sonderbare Mischung der Gedanken war: Gottlob, daß es vorbei ist! und: „Schade, daß es vorbei ist! Das Feuer schwieg, und angeritten kamen Friedrich Wil­helm und Kaiser Alexander. Ein tansenfaches Hurrah aus freudig und bewegten Herzen begrüßte sie."

Von den „fünf Windmühlen" des Montmartre schau­ten die Bataillone, Gewehr bei Fuß, sehnsüchtig nach Paris herunter. Da setzt sich auf einmal der Oberst von Below mit seinem braven litauischen Dragonerregiment in Marsch, durchreitet in gemächlichem Zuge den ganzen Montmartre und zeigt seinen Leuten Paris. Als Yorck ihn wegen dieser Insubordination zur Rede stellt, ant­wortet er gelassen: das habe er seinen Leuten schon in Tilsit versprochen. Die große Befreiungstat, an der Mühle von Tauroggen begonnen, sie war an der Mühle des Montmartre beendet! Below hatte recht gehabt, sei­nen Litauern so mir nicht dir nichts Paris zu zeigen, denn bei dem feierlichen Einzug am nächsten Tage ka­men nur die schmucken Garden in die Stadt, während die ruhmreichen Korps der Blücherschen Armee sich hin­ter den Barieren herumschleichen mußten.

Hilse für Die ANpensionäre.

Wie der „Berl. Lok.-Anz." erfährt, soll nach dem vom Bundesrat dem Ausschutz überwiesenen Gesetzent­wurf betreffend Beihilfe für die Altpensionäre und bis zum 1. April pensionierten Beamten und Offizieren aus Antrag und im Falle des Bedürfnisses eine Pensionsbei­hilfe gewährt werden, die betragen soll: ,.

Bei Pensionen bis 1500 JC 20 Proz., bet Pensionen von 1500 JL bis 3000 .//. 15 Proz. und weiter bis 10 Prozent. Beihilfen und Pensionen zusammen sollen jedoch nicht über 6000 .^ hinausgehen. Wrtwen und Waisen der bezeichneten Personen erhalten gleiche Zu-

gegenüber so schüchternen Herrn einen riesigen Gefallen getan, ihn hoch beglückt zu haben.

Aber heute würde er Agnes, das süße Mädchen, nach dem sein ganzes Herz sich sehnte, endlich einmal Wie­dersehen und vielleicht sogar Gelegenheit finden, ihr die Gefühle seines Herzens etwas öentlicher zu verstehen zu geben. Die Herrschaften hatten nämlich vor, an die­sen! besonders schönen Sonntag nachmittag der Familie des Geheimrats von Miinchhoff in Neu-Bandelov, das eine Stunde entfernt lag, einen lange versprochenen Besuch abzustatten, alle drei: die Frau Oberst, Udo und Fräulein Rehfeld. Das patzte Erwin ganz vorzüglich. Sobald sie denn vom Hof gefahren waren in der neuen Staatsequipage mit den vier Vollblutschimmeln, machte er sich auf den Weg nach Waldwiese. Und Agnes hatte ihn mit Sehnsucht erwartet. Da ihr Vater gerade nicht zu Hause weilte, so schlug sie voll seliger Erwartung auf ihrem Nachmittagsspaziergang den Weg ein, den Erwin zu kommen pflegte. Vor dem jungen Schlotzherrn durfte sie ja sicher sein, da auch sie den stolzen Viererzug ge­sehen hatte.

Und nun stand der Geliebte auf einmal vor ihr, fest davon überzeugt, datz sie sich freute, ihn wieder zu sehen, und, von ihrem Liebreiz hingerissen, auch fest entschlos­sen, schon heute das bedeutungsvolle Wort zu sprechen. Kannten sie einander auch erst so sehr kurze Zeit, so sagte ihm doch sein Herz: „Säume nicht! Die allein soll bis 8um letzten Schlag in mir wohnen und über mich herrschen. Nur dieses Wesen kann ich lieben auf Erden."

Zunächst entschuldigte er sich, nachdem die Begrü­ßung wider seinen Willen formeller ausgefallen war, als es nach ihrem letzten Beieinandersein gerade nötig war, datz er sich so lange nicht hätte sehen lassen. „Alles ruht auf meinen Schultern. Wenn Junker Udo mir in der Wirtschaft auch nur ein klein wenig helfen würde, dann hätte ich die Abende wenigstens ein Stündchen

»e unter Zugrundelegung eines Witwengelder 00 bzw. 1200 X ober mehr, jedoch dürfen Beihil­fen und Witwengeld zusammen nicht 2400 „^ über­schreiten. Bei Vollwaisen bilöen 800 .^ und Halbwai­sen 480 .F. die oberste Grenze.

Wenn auch die Beihilfe von dem wirklich vorliegen­den Bedürfnis abhängig gemacht wird und daher einen außerordentlichen Charakter trägt, so soll doch die Frage des Bedürfnisnachweises von allen peinlichen Nachfor­schungen freigehalten werden. Es sollen daher im Ge­setzentwurf etliche Momente ausdrücklich angeführt wer­den, bei denen das Vorliegen des Bedürfnisses ohne wei­teres zu bejahen wäre, z. B. wenn ein Pensionär ver­heiratet ist oder Angehörige zu unterhalten hat oder über ein Gesamteinkommen von höchstens 3000 .// (Unlerbe- amte 1500 .^) zu verfügen hat. Der Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes ist noch nicht bestimmt.

Eine amtliche Bestätigung dieser Meldung liegt noch nicht vor.

Politische Rundschau.

Der Kaiserbrief an die Landgräfin. Die „Kölnische Volkszeitung" erklärt zu dem vielbesprochenen Kaiser­briefe an die Landgräfin von Hessen: Der Brief wurde seinerzeit dem Kardinal Kopp übergeben zu dem Zwecke, ihn dem Kaiser zu übergeben oder zu vernichten. Eines von beiden dürfte geschehen sein. Im übrigen Hat sich Kaiser Wilhelm mit der Landgräfin von Hessen schon vor einiger Zeit wieder ausgesöhnt.

Die Aufnahme einer Wehrbeitragsstatistik ist in ei­ner besonderen Borlage vorgesehen, die dem Bundesrat am Mittwoch angegangen ist. Sie bezweckt lediglich die Zusammenstellung von Uebersichten der Veranlagungs- behörden, um dadurch die nötigen Unterlagen für eine zuverlässige Vermögensstatistik im Deutschen Reiche zu geben.

Die Aufwandsentschädigungen an soldatenreiche Fa­milien. Nach dem Beschluß des Bundesrates erhalten Familien, von denen Söhne durch Ableistung ihrer ge= setzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht eine Ge- samtdienstzeit von sechs Jahren zurückgelegt haben, auf Verlangen Aufwandsentschädigungen in Höhe von 240 Mark jährlich, für jedes weitere Dienstjahr eines jeden seiner gesetzlichen Dienstpflicht genügenden Sohnes in demselben Dienstgrade. Die Aufwandsentschädigungen sind erstmalig für die Zeit vom 1. Oktober 1913 bis 31. März 1914 zu zahlen. Die Berechtigten tun gut, ihre Ansprüche bei der Gemeindebehörde ihres Aufenthalts­ortes möglichst bald nachzuweisen.

Lieberts Dank an die Wähler. Der in der Stichwahl in Borna-Pegau unterlegene Kandidat Generalleutnant von Liebert hat an seine Wähler ein Dankschreiben ge­richtet, in dem er sagt, ein Teil der liberalen Wähler habe nach dem Resultat der Hauptwahl den bürger­lichen Parteien zugehörigen Wahlkreis an die Sozialde- mokratie verraten. „Wir haben unsere Schuldigkeit ge- tau und haben uns nichts vorzuwerfen. Ich sage allen Wählern, die sich treu um einen bürgerlichen Vertreter bemüht, herzlichen Dank. Es lebe das Vaterland!"

Der Geburtstag des Fürsten von Albanien wurde in Durazzo am Donnerstag feierlich begangen. Die Stadt prangte tm Flaggenschmuck. In der Moschee so­wie in der katbolischen und der orthodoxen Kirche fan­den Festqottesdienste statt. Mittags wurde das diploma­tische Korps in gemeinsamer Audienz empfangen. Abends gab der Fürst ein Diner, zu dem zahlreiche Sim ladnngen ergangen waren, darunter an sämtliche diplo­matischen Vertreter. — Die Pariser Meldungen, daß in Durazzo völlige Anarchie herrsche, sind also unrichtig.

Kleine Dadiridifen.

Schwerer Unfall beim Heidelberger Bahnhofsbau. Auf dem Grundstück am neuen Bahnhof zu Heidelberg ereignete sich Freitag nachmittag ein schwerer Bauun­fall dadurch, daß ein Teil des Brückengerüstes abstürzte und 9 Arbeiter in die Tiefe riß. Einer war sofort tot, 6 andere Arbeiter wurden schwer verletzt.

Der Dampfer „Imperator" hat einen neuen deut­schen Rekord geschaffen. Das Schiff erzielte auf seiner Reise von Neuyork nach Cherbourg eine Durchschnitts­geschwindigkeit von 23% Seemeilen in der Stunde und landete seine für Paris bestimmten Passagiere in Cher­bourg nach einer Reise von 5% Tagen.

Eine beispiellose Korruption wurde innerhalb der Kiewer Polizeibehörde aufgedeckt. Nachdem ein Polizei­meister wegen gesetzwidriger Amtsführung entlassen worden war, entdeckte man nun noch, daß die Beamten der Polizei unter sich eine Bande von Erpressern gebildet hatten. Sie haben Inhaber von Geschäften, Theatern, Restaurants und Varietees förmlich terrorisiert und von ihnen fortgesetzt größere Geldbeträge erpreßt. Die Hälfte der Erpresser sitzt bereits hinter Schloß und Riegel.

frei," sagte er zur Erklärung. „Aber der stolze junge Herr lebt ganz seiner Jagdleidenschaft."

„So stolz ist er ja gar nicht," fiel Agnes ihm mit ihrem anmutigen Lächeln ins Wort, und dabei blitzten die kleinen, blendend weißen Zähne durch die roten Lippen, datz es eine Lust war, sie anzusehen. „Ich hielt den jungen Schultental bisher für einen wahren Bar­baren, Papa wohl auch, und nun haben wir ihn als einen recht liebenswürdigen Kavalier kennen gelernt."

Erwin erschrak ein wenig.

„Seit wann denn?" fragte er mit gepreßter Stimme.

„Nun seit fast zwei Wochen."

Noch immer lächelnd, erzählte sie, wie sie ihm bei­nahe in die Arme gelaufen und daß er mehrmals bei ihnen gewesen war. Da wurde des Volontärs Antlitz immer ernster, die ganzen schönen Gedanken, die er zu wohlgeordneter Rede in passende Worte gekleidet, drin­nen in seinem Hirn, flogen auf einmal wie lockere Vö­gel von bannen, er stellte sich recht hölzern an, wurde mißtrauisch gegen das harmlos plaudernde Mädchen und nannte sich hinterher den größten Tölpel von der Welt.

Es war ein Schatten in sein sonniges Liebesglück ge­fallen.

S(ld sie bann nun beide auf einsamem Wege so ne­beneinander herschritten, da tauchte plötzlich die Kutsche mit den vier Schimmeln wieder auf. Sie hatte auf hal­bem Wege Kehrt gemacht, da die Frau Oberst, wie das öfter vorfam, von einem Herzkrampf befallen worden war, der zwar schnell vorüberging, sie aber den Besuch doch lieber aufschieben ließ. Darum sah man den Vierer­zug schon jetzt wieder auf der Heimfahrt. Udo kutschierte und er traute seinen Augen kaum, als das liebliche Mägdlein, nach dem er soeben ausschaute, in Begleitung des Volontärs Rudorp auf einmal in dem der Chaussee parallel laufenden Waldwege erschien.

(Fortsetzung folgt.)