Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
Hersfeldn Kreizblatt
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 75. (erstes Blatt)
Sonntag, den 39. März
1914.
Bus der Heimat.
Bon der Landwirtschaftlichen Bezirls- ausltellung.
Wie schon wiederholt bekannt gegeben wurde, veranstaltet der Hersfelder landwirtschaftliche Kreisverein in Gemeinschaft mit der Landwirtschaftskammer in Cassel in den Tagen vom 3.-5. Juli d. Js. in Hersfeld eine dreitägige Bezirks-Ausstellung. Die Tierausstellung erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Geflügel und Bienen. Außer Tieren können auch Erzeugnisse der Tierzucht, des Acker-, Garten- und Obstbaues, sowie landwirtschaftliche Maschinen und Geräte ausgestellt werden. Zur Beteiligung an der Tierausstellung sind Viehbesitzer berechtigt, welche im Regierungsbezirk Cassel Grundbesitz bewirtschaften oder Mitglied einer Zuchtgenossenschaft sind. Die auszustellenden Tiere müssen aber der von der Landwirtschaftskammer für die einzelnen Kreise festgesetzten Zuchtrichtung entsprechen. Die Landwirte des Kreises Hersfeld können demnach ausstellen in: Gruppe 1: Pferde, die dem Typus der Rheinischen Belgier resp, dem der Original-Belgier entsprechen; Gruppe 2: Rindvieh mitSimmentaler Charakter; Gruppe 3 : Schweine, die der Rasse des weißen Edelschweins oder der des veredelten Landschweines augehören,- Gruppe 4: weiße oder bunte hornlose Ziegen; Gruppe 5: schwarz- köpfige oder fuchsköpfige Rhönschafe,- Gruppe 6: Geflügel, das einer von der Landwirtschaftskammer anerkannten Rasse angehört. Für die Ausstellung von Kaninchen sind die Bestimmungen des Verbandes der Kaninchenzüchter für den Regierungsbezirk Cassel maßgebend. Prämiiert werden nur Pferde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen, die vom Aussteller selbst gezogen sind oder sich mindestens ein halbes Jahr im Besitz desselben befinden. Die Anmeldung der aus- znstellenden Tiere hat unter Benutzung der von der Landwirtschaftskammer vorgeschriebenen Formulare schriftlich und mit Angabe der Abstammung bis zum
1. April d. Js. an die Landwirtschaftskammer in Cassel, Weißenburgstr. 12, zu erfolgen. Um den Landwirten des Kreises Hersfeld die Anmeldung zu erleichtern, hat der Vorstand des landwirtschaftlichen Kreisvereins Anmeldeformulare in größerer Anzahl von der Landwirtschaftskammer bezogen und gibt diese an die Interessenten ab. Auf Wunsch ist der Direktor der landw. Schule, Herr Fürst, bei Ausfüllung der Formulare gerne behilflich und auch bereit, die ausgefüllten Formulare wieder in Empfang zu nehmen und sie gemeinsam der Landwirtschaftskammer zu übersenden.
Landwirte, die zunächst eine Besichtigung der von ihnen für die Ausstellung in Aussicht genommenen Tiere wünschen, können dies dem Bürgermeister ihrer Gemeinde mitteilen, der dann seinerseits die in Betracht kommende Besichtigungskommission benachrichtigt.
Es ist erwünscht, daß sich die Landwirte des Kreises Hersfeld recht zahlreich an der Ausstellung beteiligen.
* (Aufwandsentschädigungen f ü r Fam Uten Militärpflichtiger.) Nach dem Beschluß des Bundesrates erhalten Familien, von denen Söhne durch Ableistung ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht eine Gesamtdienstzeit $abren zurückgelegt haben, auf Verlaugen ^Ä-n^^bntichädigungen in Höhe von 240 Mark weitere Dienstjahr eines jeden seiner genügenden Sohnes in dem- Die Aufwandsentschädigungen sur die Zeit vom 1. Oktober 1913 bis Oft zahlen. Die Berechtigten tun gut, öer Gemeindebehörde ihres Aufenthaltsortes möglichst nachzuweisen.
Hersfeld,28. März. Ueber das herrliche Kunstfilm- werk „Dr e H errrn öes Nils",welchesvomnächsten Donnerstag ab imH e r s f e l ö e r Lichts cha us p ie l- ^L^ Vorführung gelangt, liegen aus allen Großstädten die glänzendsten Besprechungen vor. Ueberatl hat das Werk wahre Sensation erregt. So schreibt die Berliner Volksztg: Der Dramaturg hat das romanhafte Leben und Lieben der Kleopatra in eine Reihe von Bildern aufgelöst, deren jedes von unbegrenzten szenischen Mitteln des Filmdramas zeugt. Da sind Szenen von unmittelbarer Kraft, von Muhendem Farbenreichtum, Bilder, die als bloße allein zur Bewunderung zwingen. Die der römischen Truppen an den Ufern des Em Gemälde von bestrickendem Reiz. Ebenso >»J^ugend wie der Sturm auf den Palast des und wie früher schon, sieht man auch hier wder das wundervolle Farbenspiel des brennenden
Palastes. Die Darstellerin der Kleopatra hat Momente, die einen dauernden Eindruck hinterlassen, der Marc Anton, Oktavian, die Hagar, der letzte römische Soldat in diesem Film bilden ein lebendes Kolleg über Schauspielkunst.
§ Hersfeld, 28. März. Zur Wetterlage wirb von der Wetterdienststelle Weilburg unter dem 27. ds. Mts. geschrieben: Der in unserem letzten Bericht als wahrscheinlich „allerletzter Wirbel" bezeichnete Tiefdrnckwirbel ist tatsächlich der letzte gewesen, der vom Ozean heranzog. Seine Ausläufer haben uns allerdings in allen diesen Tage noch Niederschlüge gebracht, weil er bei Großbritannien liegen blieb und unsere Witterung daher immer noch beeinflußte. Jetzt ist er endlich im Abzug uach Rußland begriffen. Auf seiner Rückseite hat sich eine Hochdrnckbrücke ausge- bilöet, sodaß wir mit einem baldigen Aufhören der Niederschläge rechnen können. Freilich wird wohl das Wetter dann nicht sofort merklich wärmer werden, da zunächst noch westliche Winde einsetzen dürften.
Schlächtern, 27. März. Der Schlüchterner Tunnel wird in den nächsten Tagen vom preußischen Eisenbahnminister besichtigt werden. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß dieser Tunnel, der mit unendlichen Schwierigkeiten ausgeführt worden ist, schon zu Zeiten des letzten Kurfürsten von Hessen bei Erbauung der Bahnstrecke Hanau-Bebra geplant war. Schon damals waren sich die Techniker darüber klar, daß der Umweg über Elm für die Bahn banernb unangenehm sein werde und sie brachten es dahin, daß der Kurfürst, der allen Neuerungen mißtranisch gegen- überstand, seine Zustimmung zum Tunnel- und Bahnbau gab. Allerdings machte er zur Bedingung, daß seine Fasanerie Bronnzell Anschluß an die Bahn bekomme, was denn auch tatsächlich geschah. Aber den Tunnel mußte man aufgeben, weil er zu teuer geworden wäre, und man kann heute sagen, daß die damalige Technik nicht ansgercicht haben würde, ihn zu vollenden.
Fulda, 27. März. Durch die anhaltende Nässe der letzten Zeit haben sich unterhalb des Weges von der Schule in Margrethenhaun nach Armenhof, am Fuße des Margrethenberges, einige hundert Quadratmeter Erde losgelöst und bewegen sich mit den darauf befindlichen, z. T. schon sehr alten Obstbäumen ins Tal. Auf etwa 50 Meter Strecke sind am oberen Rande des Rutsches über 50 Zentimeter Senkung festzustellen. Wenn die Waffe nicht bald nachläßt, besteht Gefahr, daß der Mühlgraben der Mühle zu Margrethenhann eine ziemliche Strecke vollständig zngedrückt wird.
Ulrichstein sVogelsberg), 27. März. Hier wurde im Domanialwalde der Holzhauer Neeb aus Stumpen- rod von einer umstürzenden Fichte erschlagen.
Niederzmehren, 27. März. Dieser Tage verletzte sich hier ein jüngerer Arbeiter an einem rostigen Nagel. Die Wunde am Finger nahm anfangs eine gute Heilung. Plötzlich trat aber eine Geschwulst auf; der zu Rate gezogene Arzt stellte eine gefährliche Blutvergiftung fest und überwies den jungen Mann dem Krankenhaus.
Steinbach-Hallenberg, 27. März. In dem Garten des Lehrers L. in Welcherstal wurde in einer Regentonne die Leiche eines neugeborenen Kindes entdeckt. Nach den Feststellungen der Polizei ist das Kind dort vor etwa drei Wochen geboren und dann in dem Faye ertränkt worden. Von der Mutter des Kindes fehlt jede Spur.
Gießen, 26. März. Aus Furcht vor Strafe hat der Musketier Eisenbart von der 8 Kompagnie des Infanterieregiments „Kaiser Wilhelm" Nr. 110 einen Selbstmordversuch gemacht, indem er jlch mrt seinem Dienstgewehr eine Platzpatrone in den Mund schoß. Er wurde schwer verletzt ins Lazarett gebracht. Sein Zustand ist sehr ernst
Abgeordnetenhaus.
Bei der am Freitag fortgesetzten Aussprache über den Etat der Verwaltung der direkten Steuern nannte es Abg. v. d. Osten-Warnitz skons.) ein Märchen, daß die Agrarier Steuern hinterzögen. Die Steuerkommissare seien zu einseitig gebildet, daher eigneten sich die Landräte bester für die Steuerveranlagung im Interesse der Bevölkerung. Im Lande herrsche eine große Mißstimmung über die hohe Steuerlast, die nicht unbeachtet bleiben durft. Es erwiderte Finanzminister Dr. Lentze. Er muffe Widerspruch erheben gegen die Auffassung, als ob die Steuerkommissare ein Uebel wären. Die Vorwürfe, ine gegen die Kommissare, die sich durchaus bewährt hätten, erhoben werden, müsse er zurückweisen. Bei der Einschätzung würde nach Recht und Billigkeit verfahren, es lüge der Regierung fern, Steuern herauszupressen. Wenn über
Vielregiererei geklagt werde, so möchten die Herren Volksvertreter an die eigene Brust schlagen, denn sie brächten jedes Jahr neue Entwürfe ein. Ausführlich setzte der Wünifter sich dann mit der Rede des Abg. Ströbel auseinander. Viel höher als die staatlichen Steuern seien die der Svzialdemokratie. Die Steuern der Gewerkschaften seien sogar drei bis viermal so groß. Würde der Staat die niederen Einkommen rei lassen, so würden die Sozialdemokraten sofort diese Steuern für sich in Ansprnch nehmen. Schließlich lehnte er es ab, den Landrat wieder zum Vor- itzcuden der Veranlagnngskvmmission zu machen. Dann begründete Abgeordneter v. Strombeck sZtr.) einen Antrag, der Mißstünde bei der Veranlagung physischer Personell beseitigen will, Abgeordneter Dr. Levy (Watt) einen Antrag, der die Reservefonds gemeinnütziger iuitb künstlerischer Gesellschaften von der Steiler befreien will. Geueralsteuerdirektor Heincke: Die Regelung dieser Fragen könne erfolgen, wenn die neue Steuernooelle vorgelegt würde. Abg. Frhr. v. Zedlitz (Ions.) richtet seine Wünsche hanptsächlich auf das baldige Zustandekommen einer neuen Stener- novelle, besonders im Hinblick auf die Wiehrergebniffe durch den Wehrbeitrag. Nach einer Polemik des Abg. Cassel sFortschr.) gegen die Landräte, schloß die allgemeine Befprechung. Nach unwesentlicher Spezial- beratung wurden die von den Abgg. v. Srvmbeck und Dr. Levy begriinbeten Anträge der Regierung als Material überwiesen. Angenommen würbe eine Resolution der Budgetkommission über die Schätzung des Ertragswertes bei banernb land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken dienenden Grundstücken. In namentlicher Wbfttmnuing würbe ein Antrag Dr. Friedberg (natl.) auf Wiederherstellung der von der Budgetkommission gestrichenen sechs Veranlagungskommissionsvorsitzenden mit 192 gegen 114 Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt, ebenso abgelehnt wurden einige kleine Abänderungsanträge.
Deutscher Reichstag.
Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag stand die zweite Lesung des Entwurfs zur Aenderung des Handelsgesetzbuches (Bestimmungen über die Konkurrenzklausel). Staatssekretär Dr. Lisco erklärte, daß die Regierung sich mit der Bestimmung, daß die den Handlungsgehilfen für die Dauer des Wettbewerbsverbots zu zahlende Entschädigung auf ein Drittel bemessen werde, einverstanden erkläre, daß hingegen die Erhöhung der Gehaltsgrenze von 1500 auf 1800 Mark unannehmbar sei. Ein Bedürfnis für Festsetzung einer Gehaltsgrenze könne überhanpt nicht anerkannt werden. Das Gesetz enthalte sv viele Erschwerungen der Konkurrenzklausel, daß sie nur noch eine seltene Ausnahme bilden werde. Das Nicht- zustandekommen des Entwurfs würde die Regierung bedauern und den Reichstag würde bte Verantwortung treffen. Die Regierung sei soweit entgegengekommen, als sie es mit den Interessen der Prinzipale für vereinbar hielte. Ueber diese Erklärung entspann sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte. Abg. Trimborn (Ztr.) beantragte die Vertagung der Beratung.bts nach Ostern, da Gelegenheit sein müsse, dazn Stellung zu nehmen. Abg. Haase sSoz.) widersprach und warf ber Mehrheit vor sie wolle die bescheidenen Kom- missionsbeschlüsse 'rückwärts revidieren. Die Abg. Weinhausen sFortschr.), Bassermann lnatl.), Frommer skons.) u. a. sprachen für die Vertagung, die denn auch beschlossen wurde. Bei nur noch schwacher Besetzung begann die Beratung von Petitionen. Die Grenzbewohner im Bezirk Aurich baten um Wiedergestattung der zollfreien Herübernahme von Waren über die holländifche Grenze. Die Kommission beantragte Berücksichtigung, Abg. v. Gräfe skons.) dagegen Uebergang zur Tagesordnung. Geheimrat v. Trautvetter erklärte, daß ein Bedürfnis für Erfüllung der Bitte nicht vorhanden sei. Schließlich wurde die Petition zur Berücksichtigung überwiesen. Eine Petition des Verbandes der Rabattsparvereine forderte Maßnahmen gegen den heimlichen Warenhandel. Die Kommission beantragte Uebergang zur Tagesordnung, die Konservativen Ueberweisung als Material. Nach kurzer Erörterung wurde der konservative Antrag abgelehnt. Zur Geschäftsordnung stellte Abg. Erzberger sZtr.) die Bezweifelung der Beschlußfähigkeit des Hauses, in dem nur noch 40 Mitglieder anwesend seien, in Aussicht, hatte aber gegen die Beschlußfassung über diese Petition nichts einznwenden. Als Vizepräsident Dove zur Abstimmung schreiten wollte, bezweifelte Abg. Dr. Oertel skons.) bte Beschlußfähigkeit und das Haus mußte seine Beratungen abbrechen. Präsident Dr. Kaempf beräumte die nächste Sitzung auf den 28. April an (Petitionen) und wünschte ein frohes Osterfest.
Wetteraussichten für Sonntag den 29. März.
Zunächst heiter, trocken, nachts kühl, Nordwinde, später erneute Trübung.