Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Herrscher ^
für den Kreis Hersfeld
^ Kreisblatt
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Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 74. Sonnabend, den 28. März 1914.
Bus der Heimat«
* (Sie Aerzteschaft in der Provinz Hessen-Nassau.) Im Deutschen Reiche wurden am Schlüsse des Jahres 1913«insgesamt 34136 Aerzte gezählt. Diese Zahl bedeutet gegen das Vorjahr ein Mehr von 609 Aerzten. Ueber die Aerzteschaft in der Provinz Hessen-Nassau gibt nachstehende Zusammenstellung Aufschluß. Ende 1913 kamen auf 10 000 Einwohner in Ems 27,97 Aerzte, Wiesbaden 27,33 und Homburg v. d. Höhe 20,92. Diese hohe Zahl der Aerzte auf 10000 Einwohner erklärt sich daraus, daß es sich bei genannten Städten um Badeorte handelt. Wie die übrigen Universitätsstädte, so hat auch Marburg eine erhebliche Zahl von Aerzten aufzuweisen, nämlich 18,24 auf 10000 Einwohner. In einem größeren Abstande folgen dann Frankfurt a. M. mit 12,08, Cassel mit 9,98, Hanau 9,07, Limburg 7,28, Fulda 7,17 und Höchst a. M. 5,22. Sämtliche genannten Städte stehen also über dem Staatsdurchschnitt, der 5,17 beträgt. Der Zahl nach am stärksten war die Aerzteschaft in Frankfurt, wo sie 501 betrug; es folgen dann Wiesbaden mit 298 und Cassel mit 153 Aerzten; dann Marburg mit 49, Hanau mit 34, Homburg v. d. Höhe 30, Ems 19, Fulda 16, Höchst 9 und Limburg mit 8 Aerzten. Die Zahl der Aerzt- innen betrug Ende 1913 in der Provinz Hessen-Nassau 9, wovon 7 auf Frankfurt a. M. und 2 auf Wiesbaden entfallen. Die Zahl der Spezialärzte ist gegen das Vorjahr wiederum gestiegen, besonders die der Gynäkologen.
§ Hersfeld, 27. März. (Wie wird das Sommerwetter?) Einen Beitrag zu der inhaltsreichen Frage, wie der Sommer 1914 werden wird, gibt ein Pariser Blatt, indem es auf die diesjährigen Eisverhältnisse im Nordatlantischen Ozean hinweist. Bekanntlich ist das starke Auftreten von Eisbergen auf die Witterung nicht ohne Einfluß, und deshalb müßten wir für den Sommer allerlei Befürchtungen hegen, denn die Bedingungen seien viel weniger günstig als im vorigen Jahre. Auch 1913 hat man zwar Eisberge das ganze Jahr lang gesehen, aber sie erschienen in kleiner Zahl und geringer Größe auf den Schiffahrtswegen. Dieses Jahr treten sie viel zahlreicher und umfangreicher auf. So hat man viele Eisberge seit dem Januar bei Belle-Jsle zwischen Labrador und Neufundland gesehen- andere Eisbergmassen tauchten unter dem 46. Grad nördlicher Breite und zwischen dem 46. und 49. Grad östlicher Länge auf. Verschiedene Schiffe mußten auf dem Wege nach Kanada ihre Richtung ändern, um diesen Hindernissen auszuweichen. Außerdem gibt es sehr viel Eis an der Ostküste Islands. Wahrscheinlich wird sich das in der Witterung des Sommers unangenehm bemerkbar machen. So wenigstens meint das Pariser Blatt . . .
-r- Hersfeld, 27. März. (Jahreshauptversammlung des Ve r sch ö n er un g s- Vereins.) Gestern Abend fand im Hotel Stern die Jahreshauptversammlung des Verschönerungs-Vereins statt. Dieselbe wurde um 9 Uhr durch den Vorsitzenden Herrn Tierarzt Friedrich eröffnet. Er gedachte zunächst der in diesem Jahre verstorbenen langjährigen treuen Mitglieder der Herren Grebe, Pfaff und Rehn. Die Versammlung ehrte das Andenken derselben durch übliche Weise. Hierauf wurde der Jahresbericht er- stattet, aus welchem hervorging, daß auch im vergangenen Jahre eine lebhafte Tätigkeit entfaltet und manches Ersprießliche im Interesse der Anlagen unserer «tööt geichaffen worden ist. Die Rechnungsablagt^r- kleinen Ueberschuß. Auch für das neue Ge- s inö- ""eder verschiedene Anregungen ge- kleine Neuanlagen geplant worden. »Verschiedenes" fand eine rege Aus- "arnentlrch tn Bezug auf die Prämierung der un6 Vorgärten, die auch in diesem xiahre in das Programm des Vereins ausgenommen wurde, statt. Dre Vorstandswahl ergab die Wiederwahl lamtluber ausicheidender Mitglieder des Vor- standes. Für zwei verstorbene Mitglieder wurden die gewähltRentier L. Auel und Professor Schaaff neu-
§ Hersfeld, 27. März. In der gestern in Magdeburg stattgefundenen Generalversammlung der Mitteldeutschen Privatbank wurde der Verteilung einer Dividende von 7 Prozent znge- stimmt, die von heute an zur Auszahlung gelangt, r Breitcubach a. Herzb., 26. März. Gestern ver- UeßHerr Pfarrer Roos nach ca. 8jährigem Wirken ^Nieren Ort, um seinen neuen Posten an dem Dia- kvlmierrhaus Salem, in Berlin-Lichterode anzutreten. — sicherem Vernehmen nach soll die Bahnstrecke ^ciederaula—Schlitz am 1. Juli und ein Teil der Strecke Viederaula-Alsfeld, und zwar bis Grebenau oder schwarz am 1. Oktober ds. Js. dem Betrieb übergeben werden.
Hünfeld, 25. März. Eine Privatbahn-Baugesell- schaft befaßt sich z. Z. mit dem Projekt einer Bahn von Wernshausen über Roßdorf - Dermbach - Geisa - Hünfeld. Dieser Tage sind an die in Betracht kommenden Gemeinden und auch an eine Anzahl größerer landwirtschaftlicher und industrieller Betriebe Fragebogen gesandt worden, auf denen der Güterund Personenverkehr der Gemeinden und Werke soiveit als möglich angegeben werden soll.
Wabern, 26. März. Beim Verlassen des Packwagens wurde heute morgen vier Uhr der in Cassel wohnende Zugführer Marquard, der einen Güterzug begleitete, von einer vorbeifahrende-l Maschine getroffen und war sofort tot.
Heiligenstadt, 26. März. Das dreijährige Söhnchen des Bäckermeisters Funke in Hohengandern fiel in einem unbewachten Augenblick in einen Topf, in dem Fett erhitzt wurde. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es verstarb.
Von der Talsperre, 27. März. Auf Anvrduuug des Ministers sind jetzt die sämtlichen 12 Notdurchlässe an der Eddertalsperre in 30 Meter Höhe der Mauer geschlossen, um die Anstauung des Wassers im Edder- see fortzusetzen. Es scheinen somit alle Bedenken gegen die Festigkeit d.r Mauer in ihrem oberen Teile vollständig beseitigt zu sein. Die Menge des Wassers im Eddersee wurde gestern schon auf 100 Millionen Kubikmeter geschätzt. Für den Abfluß des Wassers sind einstweilen 4 Rohre geöffnet. Trotzdem ist der Wasserstand in der Edder unterhalb der Sperre noch immer ein ziemlich hoher.
Eschwege, 26. März. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich heute morgen gegen 11 Uhr auf Schloß Rothestein bei Allendorf a. W. Der bei der hiesigen Firma Ernst Greiner beschäftigte Dachdecker Otto Greiner von hier stürzte bei Reparaturarbetten von einem dreistöckigen Gebäude ab und brach das Genick. Der Verunglückte, der zwanzig Jahre lang bei der Firma beschäftigt war, galt als ein tüchtiger Arbeiter. Er hinterläßt eine Frau und drei unmündige Kinder.
Schlüchtern, 26. März. Am 27. März werden es 75 Jahre, daß der Dienstknecht Kvnrad Baus in Heubach in Diensten der Familie Vogler hierselbst steht. Baus steht im 90. Lebensjahre und verrichtet trotz des hohen Alters auch heute noch seine gewohnten Arbeiten mit großer Frische.
Frankenberg, 25. März. Heute morgen verunglückte der Knecht Leonhäuser aus Neukirchen «Waldeck) beim Schleifen von Fichtenstämmen aus dem Walde zur Straße im Distrikt „Gebrannte" bei Wangershausen tödlich.
Niederschelden, 25. März. Als gestern morgen kurz nach 6 Uhr ein Personenzug von hier nach Siegen fuhr, warf sich der 15jährige Bäckerlehrling Heinrich Neuser aus Beilstein bei der Ueberführung an der Oststraße vor die Lokomotive und wurde überfahren. Er war sofort tot.
Hanau, 26. März. In der Nähe des Hauptbahnhofs soll eine Kriegsverpflegungsanstalt errichtet werden, die die Möglichkeit bietet, innerhalb vierundzwanzig Stunden sechzehntausend Mann mit warmer und kalter Kost zu verpflegen. Man geht vielleicht nicht fehl, wenn man diese Neuanlage mit den diesjährigen großen Kaisermanövern in Verbindung bringt, da sich der Abtransport der großen Truppen- masseu zum Teil auch auf der Bahnstrecke Bebra- Frankfurt am Main abspielen wird. Die Anstalt soll dauernd bestehen bleiben. z
Naumburg, 24. März. Die Strafkammer verurteilte neun junge Burschen von hier, die geradezu bandenartig Diebstähle begangen haben, zu Gefängnisstrafen von 2 — 18 Monaten. Der Lehrling Rammelt, der in einem hiesigen Warenhause, wo er tätig war, nach und n7ch für etwa 1000 Mark Waren gestohlen hatte wurde mit 13 Monaten Gefängnis bestraft. Der Abnehmer des gestohlenen Gutes, der Maler Spindler, in Kösen, der zur Zeit feiner Verhaftung bewaffneten Widerstand gelenkt und durch einen Schuß hatte wehrlos gemacht werden munen, erhielt als Hehler 5 Jahre Zuchthaus.
Abgeordnetenhaus.
dritter Beratung nahm das Haus am Don- nerStag das (»-setz »' fi- K>irI0N-.E»i°»ung der Miuderiäbriaen unverändert an. Es folgte die Ve- ra ung d?s Etats der Verwaltung der direkten Steuern. Abg. v. Heuningö-TechllN lkons.) wandte sich ent- icliieden gegen das Bestreben, direkte Relchssteuern zu erh dem Die direkte-: Steuern müßten den Einzel- staaten erhalten bleiben. Bei der Einichatzung und Steuern sei weitgehende Rücksicht auf der Steuerzahler zu
Erhebung der Steuern sei die persönlichen Verhaltniye
nehmen. Die Borwürfe, daß Großgrundbesitzer Steuern hinterzögen, sei ungerecht. Finanzminister Dr. Lentze erklärte, daß die Regierung leider die Steuerzuschläge weder herabsetzerl nod) aufheben könne. Nur die Höhe sollte vorübergeheud sein, nicht die Zuschläge an sich, solange kein Ersatz vorhanden ist. Wenn die Hoffnungen, die auf den Generalpardon gesetzt würden, sich verwirklichten, dann würde eine Steuernooetk zu erwägen sein, jetzt sei es unmöglich, sie in Aussicht zu stellen. Durch das Wehrbeitragsund Vermögenszuwachssteuer-Gesetz würde es möglich sein, eine gerechtere Veranlagung herbeiznführen. Zur Veranlagung sei der Kommissar jedenfalls als besonders geschulter Beamter besser geeignet als der Landrat, keinesfalls sollten aber die nebenamtlichen Vorsitzenden der Veranlagungskommission nicht aus- geschaltet werden. Abg. Herold (Ztr.) war dagegen ebenso wie der erste Redner der Meinung, daß im allgemeinen die Landräte sich besser für die Veranlagung eigneten und bat den Kommissionsbeschluß anzunehmen, der sechs Veranlagungskommissare in Abstrich bringt. Die Steuerzuschläge dürften nicht zu einer dauernden Einrichtung werden. Dann bat Generalsteuerdirektor Heinke, eine Resolution der Budgetkommission abzulehnen über die Ausführungs- bestimmungeil zum Ergänzungssteuer- und Wehrbeitragsgesetz. Abg. von Kardorff (freif.) begründete einen Antrag: Vorlage eines Gesetzentwurfs zur Skuortmung und gerechten Veranlagung zugunsten des Mittelstandes und der ärmeren Steuerzahler. Wie die Konservativen, so würden auch seine Freunde keinesfalls die Hand zu einer Verdrängung der Landräte aus dem Veranlagungsgeschäfte bieten. Allen Versuchen, an den finanziellen Grundlagen Preußens zu rütteln, müsse die Regierung ein starres Nein entgegensetzen. Abg. Dr. v. Campe luatl.) sprach sich für die Aufhebung der Steuerzuschläge aus und gegen die Beteiligung der Landräte am Veranlagungsge- schäft. Im gleichen Sinne äußerte sich Abg. Dr. Pachnicke (Fortschr.). Ströbel lSoz.) bemerkte, da Millionen noch keine Steuern zahlten, sönne nicht von einem Steigen des Wohlstandes gesprochen werden. Die Steuerzuschläge müßten von 3000 Mk. an beibc- halten werden, die Einkommen bis zu 1500 Mk. ganz steuerfrei bleiben. Zur Fortberatung vertagte sich dann das Haus auf Freitag 11 Uhr. — Schluß 5 Uhr.
Deutscher Reichstag.
Das Haus erledigte am Donnerstag das Etats- uotgesetz in dritter Lesung und nahm sodann zwei Wahlprüfungen vor. Die Wahl des Abg. v. Brederlow (fonf.) wurde für gültig erklärt. Bei der Wahl des Abg. Hoesch (tonf.) beantragte die Kommission die Ungültigkeit. Sie hatte festgestellt, daß ein Wahlaufruf von Amts- und Gemeindevorstehern mit ihrem Amtstitel unterschrieben wurde und beschloß deshalb, alle in diesen Bezirken abgegebenen Stimmen, 2329, dem Gewählten abzuziehen, der damit die Mehrheit verlor. Abg. Frommer lkons.) beantragte die Gültigkeit. Fraglich seien nur 36 Stimmen. Bei der Wahl des Abg. von Kroecher lag es ganz ähnlich und die Kommission hat ganz anders beschlossen. Abg. Schmidt-Meißen lSoz.) forderte die Ungültigkeit der Wahl. Abg. Stupp «Ztr.) trat für die Gültigkeit ein, da die Wähler, 'die den Wahlaufruf unterschrieben haben, als nicht beeinflußt angesehen werden müßten. Abg. Dr. Bollert lnatl.) hielt den Vorwurf der Parteilichkeit für unberechtigt. Die Kommission hat mit vollem Recht gehandelt. Abg. Dr. Neumann-Hofer lFortschr.) meinte, man wisse ja, wie die Unterschriften unter Wahlaufrufen zustande kämen. Oft seien mehr Unterschriften unter einem konservativen Aufruf, als Stimme» abgegeben werden. Die Ungültigkeit der Wahl des Abg. Hoesch müsse ausgesprochen werden. Abg. v. Veit lkons.) betonte, daß die Unterzeichner des Aufrufes wohl wußten, was sie damit taten. Auch Abg. Dr. Arendt (Rp.) forderte Gültigkeit der Wahl. Die namentliche Abstimmung ergab schließlich die Ablehnung des konservativen Antrages auf «Gültigkeit mit 176 gegen 149 Stimmen bei 9 Enthaltungen. Es folgte die erste Beratung des Gesetzes auf Aenderung des Strafgesetzbuchs lBestimuDugen über den Zweikampf). Staatssekretär Dr. Liseo erklärte, daß der Reichskanzler nach dem Abschlüsse der Verhandlungen sich mit den beteiligten Stellen in Verbindung setzen und Abänderungen der jetzigen Bestimmungen erwägen werde. Abg. Stadthagen lSoz.) stimmte dem Entwürfe zu. Abg. Gröber (Ztr.) stimmte ebenfalls zu, behielt sich aber eine weitergehende Stellungnahme für spätere Zeit vor. Abg. v. Brockhausen lkons.) erklärte im Namen seiner Freunde, daß sie trotz großer Bedenken dem Entwürfe zustimmen, hoffte aber auf eingehende Prüfung seitens der Verbündete» Regierungen und eine allseitig befriedigende Lösung.