Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Zerrselder
für den Kreis Hersfeld
Wlatt
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Zernsprech-slnschluh Nr. 8
Nr. 73.
Freitag, den 27. März
1914.
Bus der Heimat.
* Sommer uniformen für G e n d a r m e n. Für die preußischen Landgendarmen ist ein Sommerrock eingeführt worden, der jedoch mit den in der Armee und Marine erdienten Abzeichen nicht versehen wird. Zu Paraden und bei sonstigen feierlichen Veranstaltungen hat die Gendarmerie den dunkelgrünen Waffenrock anzulegen.
* (Die Zunahme der Abiturienten.) Man war bisher vielfach der Ansicht, daß die Realgymnasien und Oberrealschulen den Hauptanteil an der Gesamtzunahme der Abiturienten liefern. Eine von Professor Wermbter - Hildesheim aufgestellte Statistik für die Jahre 1901 bis 1912 zeigt jedoch, daß der Hauptanteil den Gymnasien zuzuschreiben ist, die von Untersekunda aufwärts unter diesen drei Anstaltsarten die größte verhältnismäßige Steigerung aufweisen. Bei der Reifeprüfung waren es 41 Prozent beim Gymnasium, gegen 32 und 26 Prozent bei den übrigen Anstalten.
*AusJägerkreisen wird darüber Klage geführt, daß infolge des starken, anhaltenden Regenwetters der erste Wurf der jungen Hasen fast ganz verloren gegangen sei.
):( Hersfeld, 26. März. Das Bestreben des Hers - selöer Lichtschauspielhauses dem hiesigen Publikum stets die hervorragendsten Erzeugnisse auf dem Gebiete der Filmkunst zu zeigen, kommt wieder einmal dadurch zum Ausdruck, daß vom nächsten Donnerstag ab der größte bis jetzt erschienene Kunstfilm „Die Herrin des Nils" zur Vorführung gelangt. Die nette Summe von 400 000 Mark hat allein die Ausstattung dieses Sensationsfilms gekostet. Nicht weniger als 3000 Personen wirken mit, und man schätzt sicher nicht zu hoch, wenn man die Gesamtkosten des Films mit mindestens einer halben Million Mark beziffert. In packender Weise wird da das abenteuerliche Leben der schönen Königin Cleopatra geschildert und des verweichlichten Marc Anton. Das üppige Treiben am römischen Hof kommt in gewaltigen Massenszenen zur Anschauung, die von einer meisterhaften Regie zeugen. Prunk und Pracht bilden den blendenden Rahmen zu den Darstellungen, von denen namentlich die Landung des römischen Heeres, die tobenden Schlachten, die Verurteilung Marc Antons im römischen Senat, der glanzvolle Einzug des Siegers Octavian, vor allem aber der schauerliche Tod der Cleopatra hervorzuheben sind. Es ist zweifellos, daß sich das Hersfelder Lichtschauspielhaus mit diesem Film einen starken Anziehungspunkt geschaffen hat, der seine Wirkung nicht versagen kann. Zu allen Vorführungen werden nur nummerierte Plätze ausgegeben, um eine Ueberfüllung des Saales zu verhüten.
§ Hersfeld, 26. März. Um Kaufanträgen des Publikums aufReichsan leihen undPreuß. Staatsanleihen jederzeit sofort entsprechen zu können, wird die hiesige Reichsbanknebenstelle von jetzt ab in allen Gattungen dieser Anleihen angemessene Vorräte halten.
§ Hersfeld, 26. März. Mit Rücksicht auf die diesjährigen Kaisermanöver soll der B a u d e r B a h n A i e d e r a u l a—S ch l i tz so beschleunigt werden, daß die Eröffnung möglichst schon im Juli erfolgen kann. Eine Bereifung der Neubaustrecke hat vor einigen Tagen stattgefunden.
urücknahme des
~ „Hersfeld, 26. März. Vor dem hiesigen ? $ 0 lt n 0 e r i cb t fand heute eine längere Sitzung Sache betraf eine Forststrafsache aus Hersfeld-Wippershain, im heutigen war niemand erschienen. - Ein SLrfLöei et wurde wegen Beleidigung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 15 Mk.
’ ^Hen Gefängnis verurteilt. — Die nächste c r?wtete ych gegen einen Hausierer aus Adelebsen, der sich wegen Beleidigung zu oerant= Worten hatte. D:e Verhandlung fand hinter ver- schloyenen Türen statt. Infolge Zurücknahme des strafantrages der Beteiligten erfolgte nach längerer Verhandlung Freisprechung bezw. Einstellung des Verfahrens. — Alsdann hatte sich ein Handelsmann aus Schenklengsfeld wegen Betrugs zu verantworten, das Gericht erkannte auf Freisprechung. — Botenfuhrmann aus Raboldshausen hatte gegen eme polizeiliche Strafverfügung, die ihm wegen einer Uebertretung zugegangen war, Einspruch eingelegt und gerichtliche Entscheidung beantragt. Das Gericht die Polizeistrafe von 9 Mark auf 5 Mark H^fi. — Weiter wurden noch eine Sache cgenKorperverletzung und4 Privatklagen verhandelt.
Cv^rü» ^chknklengsfeld, 25. März. Vom Tode des konnte heute nachmittag ein dreijähriger ^unge glücklicherweise noch gerettet werden. Derselbe
war in die stark angeschwollene Solz gefallen, und wurde, da der Unfall alsbald bemerkt worden war, wieder herausgezogen.
-n- Widdershausen, 23. März. (Blutiger Ausgang eines Wirtshausstreites.) Am Montag Abend gegen 11 Uhr kam es hier in der Gastwirtschaft der Wtw. Schäfer zwischen den beidenSchweinehändlern Georg Trieschmann und Friedrich Trieschmann zu einer blutigen Rauferei. Beide, die zunächst friedlich an einem Tische gesessen hatten, gerieten plötzlich in einen Wortwechsel, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Dabei wurden dem Fr. Trieschmann von seinem Gegner einige Biergläser an den Kopf geworfen, so- daß er stark blutende Verlegungen erlitt und die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen mußte. Ursache dieser traurigen Begebenheit ist natürlich wieder die leidige Bürgermeistergeschichte. Aus Meinungsverschiedenheiten in dieser Sache kamen sie bald auf persönliche Angelegenheiten zu sprechen, die ihren Ausgang in der oben erwähnten Weise nahmen. Wahrscheinlich wird diese Sache noch ein gerichtliches Nachspiel haben.
-n- Heringen, 24. März. (R e k t o r - W e ch s e l.) Rektor Wagemann, der seit l12 Jahren an der hiesigen Volksschule tätig ist, verläßt uns am 1. April und übernimmt die Rektorstelle in Bebra. Herr Rektor Wagemann, der hier anch die höhere Privatschule gegründet hat, erfreut sich großer Beliebtheit. Deshalb wird sein Scheiden allgemein bedauert.
-a- Niederaula, 25. März. Vor der Casseler Strafkammer hatte sich der bereits 22 mal vorbestrafte Arbeiter Philipp H. aus Hattenbach zu verantworten. H. genoß bei seinem bisherigen Freund und Zechkumpanen, dem Schuhmacher K. in Niederaula, des öfteren Gastfreundschaft. Eines Tages hatten die beiden wieder einmal gehörig dem Alkohol zugesprochen, hatten aber immer noch nicht genug, vielmehr wurde der Angeklagte mit dem Einkäufen von Schnaps betraut. Die ihm übergebene Geldbörse mit einem größeren Betrag des Schuhmachers nahm er an sich, blieb aber in der Wirtschaft sitzen und vertrank das ganze Geld allein. Das Gericht ahndete diesen „Vertrauensbruch" mit sechs Wochen Gefängnis.
Fulda, 25. März. Herr Oberstleutnant Landauer, Kommandeur des 2. Kurh. Feldart. Regt. Nr. 47 in Fulda ist zum Oberst ernannt worden.
Hettenhausen, 24. März. Der Gastwirt Heun aus Hettenhausen ist bekanntlich verhaftet worden, weil er in dem Verdacht steht, den Tod des Sattlers Müller herbeigeführt zu haben. Heun, der zunächst den Verdacht entschieden bestritt und auch längere Zeit nach dem Todesfall noch auf freiem Fuße blieb, hat jetzt die Tat angesichts der schwer belastenden Ergebnisse der Untersuchung eingestanden. H. war auf den Sattler Müller erbittert, weilihmdiesereinige Schweine zu teuer verkauft hatte. Als M. den Gastwirt an dem fraglichen Abend in dessen Schlafzimmer aufsuchte, kam es zu einem Wortwechsel und zum Handgemenge. Auf der Treppe versetzte der Gastwirt dem Sattler so erhebliche Schläge, daß dieser besinnungslos wurde. An den Wunden ist M., der zunächst im Abort gelegen und dann auf die Treppe geschafft worden war, am zweiten Tage im Fuldaer Landkrankenhaus gestorben. Die Sache wird das nächste Schwurgericht beschäftigen.
Caffel 26. März. Bei beiden hiesigen Bataillonen des 1. Oberelsässischen Infanterie-Regiments Nr. 167 haben sich bis zum gestrigen Sage nicht weniger denn 128 Einjährig-Freiwillige zur Dienstleistung gemeldet, das ist nahezu doppelt )o viel, als jedesmal in den einzelnen früheren Jahren.
Hann.-Müuden, 24. März. Sem 12 jährigen Schüler Ludwig Martin der hiesigen katholischen
der am 29. Oktober v. Js. den Knaben Otto Götze bei eigener Lebensgefahr vom Ertrinkungstode rettete, wurde vom Kaiser die Rettungsmedaille am Bande verliehen, die dem Genannten bei Vollendung ,eines 18. Lebensjahres ausgehändrgt werden soll.
Lauaculelbold bei Hanau, 25. März. Heute nacht fuhr auf der hiesigen Station der kurz vor 8 Uhr aus Bebra abgefahrene Personenzug auf verschiedene tm Hauvtaleis stehende Güterwagen aus. Die Maschine des Aaes sowie mehrere Güterwagen wurden stark beschLigt und entKten. Das Gleis blieb gesperrt. Die Reisenden des Zuges kamen ^^m schrecken davon. Von Verletzungen ist nichts bekannt geworden. Der Materialschaden ist ziemlich erheblich. Der Zug traf mit 1=2 Stunden Verspätung in Frankfurt a. M. ein.
Aus der Rabena», 24. März. Das Kriegsgericht in Gießen beschäftigte nch mit einer Anklage gegen den Reservisten Joh. Keil von Allendorf a L., sowie Genossen Er hatte laut „Gieß. Anz." an den Feldwebel des Bezirkskommandos Gießen mit der Bitte
um Weitergabe an den Bezirksoffizier eine Eingabe gerichtet, worin er die Mitteilung machte, daß die Söhne von Besitzern in Allendorf, um sich von der aktiven Dienstpflicht zu drücken, häufig reklamierten, und dabei mit Scheingründen ihre Befreiung vom Heere durchsetzten. Keil hatte die Eingabe von acht Reservisten von Allendorf unterschreiben lassen. Er mit seinen Genossen sollten sich nach der Anklage dadurch strafbar gegen § 101 und 118 des MStG. gemacht haben. Der Gerichtshof sprach sämtliche Angeklagte frei, weil er der Ansicht war, daß die Leute sich die Sache nicht genau überlegt hätten. Ihre Absicht war, einen Mißstand aufzudecken, der nach ihrer Ansicht gegeben war. Die Eingabe erhält nur den nackten Tatbestand, ohne jede Kritik oder ein Urteil. Es ist den Angeklagten, die fast durchgängig gute Soldaten waren, zu glauben, daß sie nicht etwa das Bezirkskommando oder eine andere Behörde beschuldigen wollten, die Drückeberger begünstigt zu haben.
Höxter a. d. Weser, 23. März. Erschossen hat sich hier unterhalb des Felsenketters der Feldwebel Henze von der 3. Kompagnie mit seinem Dienstgewehr. H. hat einen Untergebenen geschlagen und war deshalb wegen Soldatenmißhandlung gemeldet worden. Auf vorgestern war Termin zu einem Verhör angesetzt. Am Abend zuvor nun nahm er sich, um der Strafe zu entgehen, das Leben. H. diente im 12. Jahre und stammt aus Boffzen au der Weser.
Darmstadt, 25. März. Die Strafkammer verurteilte heute den 41jährigen Kaufmann Franz Höhn aus Heppenheim, der nach Unterschlagung von 210 000 Mk. vor zwei Jahren nach Amerika flüchtete und wegen der von ihm begangenen Urkundenfälschung ausgeliefert worden war, zu drei Jahren Gefängnis. Sechs Wochen Untersuchungshaft wurden in Anrechnung gebracht. Wegen der Unterschlagung der Gelder, die inzwischen ersetzt worden sind, konnte er nicht abge- urteilt werden, da die Auslieferung nur wegen der Urkundenfälschung erfolgt war.
Aßlar (Kreis Wetzlar), 25. März. In der hiesigen Drahtzieherei von Berkendorf & Drebes geriet gestern mittag der 17jährige Drahtzieher Wilhelm Schanb von hier mit seiner Schürze in die Transmissionswelle. Der Unglückliche wurde mehrmals mit herumgeschleudert und auf der Stelle getötet.
Wiesbaden, 25. März. Ein seit Jahren in Wiesbaden tätiger Rechtsanwalt infizierte sich beim Hühneraugenschneiden. Die dadurch herbeigeführte Blutvergiftung nahm derartige Formen an, daß, um das Leben zu retten, eine Amputation des ganzen Beines nötig wurde.
Gemüuden, 23. März. In seiner Wohnung verübte Selbstmord dnrch Erschießen der kürzlich vom Landgericht Würzburg zu drei Monaten Gefängnis verurteilte hiesige Konditoreibesitzer Madlon.
Wiesbaden, 25. März. Wie die Intendanz der Königlichen Schauspiele mitteilt, ist der Aufenthalt des Kaisers in Wiesbaden definitiv auf die Zeit vom 13. bis 18. Mai festgesetzt worden, während welcher Zeit die alljährlichen Maifestspiele im hiesigen Hof- Theater stattsinden werden.
Kronach, 24. März. Im benachbarten Wüstung gerieten wegen Familienangelegenheiten zwei Schwäger in einer Wirtschaft miteinander in Streit, wobei sich beide mit Messern traktierten. Der eine wurde dabei getötet und der andere so schwer verletzt, daß er nach Kronach in das Krankenhaus eingeliefert werden mußte.
Vacha (Rhön), 24. März. Aus Anlaß seines 50= jährigen Bestehens hält der Gewerbeverein Vacha eine Gewerbe-, Industrie- und Landwtrtschasts-Aus- stellung vom 18. bis 28. Juli d. I. ab, an welcher sich das gesamte Eisenacher Oberland beteiligen wird. Die Ausstellung soll ein Bild geben von der Entwickelung und der Leistungsfähigkeit des Gewerbe- und Handwerkerstandes in einem Teile der auch heute noch so oft verkannten Rhön. Auch die im Werratale und in der Rhön seit Jahren heimische Kaliindustrie wird sich in weitgehendster Weise an der Ausstellung beteiligen.
Gr.-Rohrheim, 25. März. Gestern nachmittag wurde das 20 Jahre alte Dienstmädchen des Milchhändlers Georg Rück 3. beim Ueberschreiten der Geleise von der Maschine eines Personenzugs erfaßt und derart schwer verletzt, daß es nach einigen Stunden in der Wohnung seines Dienstherrn verstarb.
Wetteraussichten für Freitag den 27. März.
Wolkig, nur noch vereinzelte Niederschläge, kühles östliche Winde.