Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- an
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
KreisblsN
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage'
§ernfprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 72
Donnerstag, den 26. März
1914
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
lieberzeugen Sie sich
durch ein Probeabonnement, welches wir bis zum 1. April gratis liefern, von der Reichhaltigkeit des Hersfelder Tageblatts und feiner Gratisbeilagen.
Bus der Heimat.
*(VomLehrlingswesen in der Dame n = schneid erei und Putzmacher ei.) Vielfach ist die irrige Ansicht verbreitet, daß weibliche Lehrlinge in der Damenschneiderei und Putzmacherei nicht unter die für die Handwerkslehrlinge geltenden Vorschriften fallen. Infolgedessen werden diese Vorschriften auch sehr häufig nicht beachtet und dadurch die Inhaber der betreffenden Betriebe in Unannehmlichkeiten und Strafen gebracht. Die Gewerbeordnung macht aber keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Lehrlingen. Folglich gelten alle bezüglichen Vorschriften für beide Arten von Lehrlingen. Für die Damenschneiderei und Putzmacherei ist die Mindestdauer der Lehrzeit von der zuständigen Handwerkskammer festgesetzt und darf nicht nach Willkür und vertraglichen Festsetzungen der Parteien verkürzt werden. Die schriftlichen Lehrverträge für die weiblichen Lehrlinge sind frist- und formgerecht (spätestens 4 Wochen nach Beginn der Lehre nach vorgeschriebenem Formular) abzuschließen und der Handwerkskammer bezw. dem Vorstand der Innung, in einem Exemplar einzureichen. Auch besteht für die weiblichen Lehrlinge die Verpflichtung zur Ablegung derGehilsinnenprüfung. Die Lehrherren und Lehrherrinnen haften gesetzlich bei Strafe für die richtige Einhaltung und Erfüllung der bestehenden Vorschriften.
):( Hersfeld, 25. März. In der am gestrigen Abend im Saale der Lullusquelle abgehaltenen Versammlung des Gewerbevereins stand die Frage zur Beratung, ob sich das hiesige Handwerk an der im Juli d. Js. hier ftattfinbenben großen Landwirtschaftlichen Ausstellung ebenfalls durch eine Gesamt- ausstellung beteiligen sollte. Der Vorsitzende der Handwerkskammer in Cassel hatte die Sache angeregt, indem er meinte, die sämtlichen hiesigen Handwerker könnten eine Collektivausstellung verunstalten. Obwohl der Vorsitzende des Gewerbevereins, Herr Jerome Schüßler, dies sehr befürwortete, wurde doch von Seiten der Vertreter der verschiedenen Gewerbszweige der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine derartige Ausstellung gegenüber den ausstellenden auswärtigen großen Firmen nicht recht zur Geltung komme. Die Versammlung beschloß deshalb nach längerer Aussprache sich nicht zu beteiligen. — Zu einer ausgiebigen Aussprache führte der nächste Punkt der Tagesordnung, welcher die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen betraf. Allgemein wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß für eine bessere Vertretung des Hand- werks in der städtischen Körperschaft gesorgt werden wuye, denn dasselbe sei von allen Ständen am 'wlechtesten vertreten. Als ein großer Fehler wurde a0eü?losigkeit unserer hiesigen Handwerker dw sich bei den Wahlen nicht so beteiligten, scheine Interesse dringend geboten er- ^«^'H^lung wählte nun eine Kom- anderen Vereinigungen zwecks setzen sollV°n Handwerkerkandidaten in Verbindung imrt*:L^^’ Der Beamtenverein abend eine Versammlung dlohl einen Vortrag halten wird. aufinretM^ no«llwW besondres darauf
. , N Hersfeld 25. März Die diesjährigen Früh- lahrskontrollversammlungen für die Stadt Hersfelö finden am Mittwoch, den 1. April vormittags um 9, 10 und 11 Uhr auf dem Platze hinter dem Bezirkskommando statt. Die näheren Bestimmungen befinden sich in der heutigen Nummer »es amtlichen Anzeigers, worauf wir ganz besonders aufmerksam machen möchten. Gleichzeitig sind auch ore Termine der im Kreise Hersfeld stattfindenden «ontrollverfammlungen angegeben.
Anlög» 24. März. Heute früh ereignete sich auf Baustelle des neuen Güterbahnhofs ein ensetz- ucher Unglücksfall. Der Tiefbauunternehmer Robert Wttbler aus Gelnhausen, der sich heute früh, wie
allmorgendlich auf die Baustelle zu seinen Arbeitern begeben hatte, um diesen seine Instruktionen zu erteilen, stand in der Nähe der Gummiwerke gegenüber der Stelle, wo dort der Bagger arbeitet, zwischen den Gleisen. Als ein Güterzug aus dem Bahnhof Fulda herausfuhr, tratFeindler in das zurückliegende Gleis dabei nicht gewahrend, daß auf diesem der Gersfelder Zug, der 7 Uhr 25 in Fulda eintrifft, daher gebraust kam. Der unglückliche Mann wurde von der Maschine erfaßt und so schwer am Kopf verletzt, sodaß der Tod sofort eintrat. Feindler steht im 50. Lebensjahre.
Aus dem Werratale, 24. März. Das Hochwasser der Werra und ihrer Zuflüsse ist wieder gesunken. — Bei Ankunft des von Eisenach kommenden Werra- bahn-Nachtzuges stürzte der Arbeiter H. aus Förthe in Epichnellen auf den Bahnsteig und trug schwere Verletzungen davon, sodaß er ins Krankenhaus transportiert werden mußte. H. hatte die Wagentür schon während der Fahrt geöffnet und wurde so aus dem Wagen geschleudert. — Auf dem Arbeitsplätze der Kaligewerkschaft Dönges wurde der Arbeiter Albrecht aus Kieselbach durch einen Schuß aus einem Tesching so in den Kopf getroffen, daß der Tod bald darauf eintrat. Die Arbeiter übten sich in der Pause im Schießen, wobei sich das Unglück ereignete.
Schmalkalde«, 24. März. Nach amtlichen Angaben ist das Kapitalvermögen im Kreise um 81/2 Millionen Mark gestiegen, gegenüber der Veranlagung zur Ergänzungssteuer vor 3 Jahren. Das Vermögen, das infolge des Generalpardons mehr deklariert worden ist, wird auf 2 Millionen Mark geschätzt.
Niedervellmar, 24. März. Das 7 Monate alte Kind des Landwirts N. von hier hatte einen Topf mit kochender Milch vom Tische gezogen, sodaß sich der Inhalt über seinen Körper ergoß. Das Kind ist an den Folgen der schweren Brandwunden gestorben.
Falkenberg, 24. März. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern abend in unserem Ort. Das vierjährige Mädchen des Dienstknechts Weber kam in einem unbewachten Augenblick dem Feuer im Ofen der Wohnstube zu nahe, die Kleider singen Feuer, so daß das Kind schwere Brandwunden erlitt, was die Ueberführung nach Hephata bei Treysa notwendig machte. An dem Aufkommen des Kindes wird gezweifelt.
den Einbruchsdiebstahl im
Erfurt, 24. März. Die Persönlichkeit des Mannes, der am vorigen Sonnabend bei der hiesigen Filiale der Privatbank zu Gotha für 4000 Mk. gestohlene Preußische Konsols verkaufen wollte und dabei festgenommen wurde, ist jetzt festgestellt. Er heißt Gott- behttt, ist 34 Jahre und stammt aus Meiningen, hatte sich aber seit vielen Jahren im Ausland aufgehalten. Es bestätigt sich, daß er den Einbruchsdiebstahl im Landratsamt zu Meiningen verübt hat, dabei waren ihm die genannten Effekten und mehrere hundert Mark Bargeld in die Hände gefallen. Der Verhaftete ist als schwerer Einbrecher berüchtigt und hat auch schon wegen Kirchenraubes Zuchthausstrafen verbüßt. Er wurde bereits nach Meiningen transportiert, wo er seiner Aburteilung entgegensieht. Dort wurde inzwischen seine Geliebte ebenfalls in Haft genommen, da sie im Verdacht der Beihilfe steht.
iBIanfenSuro «. «, 24 Viar». Großes Änlichen erreat der finanzirlle Zusammenbruch des im ganzen Harzgebiet bekannten Zotterie-Hauptkollekte^s Jsaak Mener der sich in Halberstadt vergiftete. Dce Verbindlichkeiten Meyers werde» auf über ^Million Mark geschätzt - die Unterbilanz ist hauptsächlich aus verlustreiche Spekulationen in Wertpapieren zuruck- zuführen Ju Blankeuburg, das ein „Penstonopolis" für viele Rentner und Pensionäre ist, haben mehrere ältere im Ruhestand lebende Leute durch Meyer empfindliche Verluste erlitten.
Nortbeim (Hann.), 23. März. Dem hiesigen Schlacht- bausdirektor Dr. Helmich wurde nachts Pferd und Maaen aus den Stallungen gestohlen. Der Dieb, ein ^schwerer Junge, der sich gut bewaffnet zeigte, wurde bereits am folgenden Tage in Hannover ver- h^tet, als er das gestohlene Gut zu verkaufen suchte.
Abgeordnetenhaus.
Beratung des Etats für die Ansiedlungs- MmmHfion für Westpreußen und Posen am Dienstag veranlaßte zunächst den Abg. v. Kessel «fanu die Er- ?alae der Ä anzuerkennen. Er nerlanate daß in der Ansiedlung etwas langsamer voraeaanaen werde und dan hauptsächlich Arbeiter ^M würden Zur Förderung des Schutzes des KÄcktumS in den SKI-tcn sei die G-währuua Leiter Hypotheken nötig. Vor allem wünschte er e^e stärkere Besitzbefestigung, Im ähnlichen Sinne sprach sich Ab? °. SarDoff (steif.) aus. Richt nur
spannfähigc Stellen müßten ansgelegt, sondern^in richtiger Stufenleiter Arbeiter, kleine und mittlere Bauern angesetzt werden. Die Bildung von Fidet- kommissen sei erstrebenswert. Abg. Kiinzer (Natl.) bekannte sich, wie die Vorredner, als Freund der Ansiedlungspolitik. Er führte aber Klage darüber, daß den Söhnen der Ansiedler nicht genügend bei der Landwirtschaft entgegengekommen würde. Man solle alles tun, um einheimische Elemente int Lande festzuhalten. Als erster Gegner' der Ostmarkenpolitik sprach dann Abg. Stnll (Ztr.). Bei den wachsenden Ausgaben des Staates könnten die Millionen besser aufgewendet werben, als für diese nutzlose Politik, für die im Volke nicht die Spur von Begeisterung vorhanden sei. Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer führte die verminderte Änsetzung von Ansiedlung in den letzten Jahren uns den Geldmangel zurück und auf die verminderte Wacbfragc, die in der Kriegsfurcht der Bevölkerung ihren Grund hatte. Völlig unzutreffend, itnb von keiner Sachkenntnis getrübt, nannte der Minister die an anderer Stelle gemachten Ausführungen des Abg. Wachhorst de Wente über die Aufteilung von Domänen in der Provinz Sachsen und die Arbeiteransiedelungen. Das Hauptgewicht bei der Ansiedlung müsse weniger auf die Zahl als auf ihre Tüchtigkeit und den Wert für das Deutschtum gelegt werden. Der Frage der Ansiedlung der Ansiedlersöhne solle näher getreten werden. Man habe bisher geglaubt, diese könnten sich selbst leicht Land beschaffen. Dem Deutschtum in den Städten solle Förderung durch Besserung der Kreditverhältnisse werden. Leider seien die Polen weit davon entfernt, loyale Staatsbürger zu werden. Die Regierung würde alles tun, um dem Deutschtum in Westpreußen und Posen die gebührende Stellung zu Abg. Leser (Fortschr.) bezeichnet die An- politik als einen verhängnisvollen Fehler,
tzcherrr. P .. ,.........
siedlungspolitik als einen verhäng _ ,
die seit 1898 in die Hand der Polen 100 000 Hektar deutsches Land gebracht habe. Dann warf Abg. o. Trampczynski (Pole) die Frage auf, ob sich die Ansiedlungspolitik gesetzlich rechtfertigen lasse. Abg. Braun (Soz.) nannte die Ansiedlungspolitik als ein Mittel zur Sanierung bankrotter deutscher Gutsbesitzer. Nachdem noch Unterstaatssekretär Küster die polnischen Abgeordneten zurück-
amtliche Gelder für den Ost:
Behauptung des p gewiesen hatte, daß markenverein verwendet würden, bemerkte Abg.
Wachhorst de Wente (natl.) der Landwirtschaftsminister habe seine Vorwürfe nicht entkräften können. Der Etat wurde bewilligt. Eine zurückgestellte Position des Domänen-Etats wurde nach unwesentlicher Aussprache erledigt. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 11 Uhr. Etat der direkten Steuern. Schluß 5 Uhr.
Deutscher Reichstag.
Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Dienstag standen zunächst kurze Anfragen. Abg. Baffermann (natl.) wünschte Auskunft über die Angelegenheit des in Perm verhafteten Deutschen Berliner. Geheimrat Kriege teilte mit, daß die Untersuchung darüber in den nächsten Tagen abgeschlossen fein werde. Auf die Frage des Abg. Frank (Soz.) nach dem Theatergesetz antwortete Ministerialdirektor Dr. Caspar, daß der Entwurf in nächster Zeit dem Bundesrat vorgelegt werde. Eine Anfrage des Abg. Dr. Junck (natl.) nach der Erhebung des Wehrbeitrags von Ausländern beantwortete Unterstaatssekretär Iahn dahin, daß dies nicht im Widerspruch mit den bestehenden Staatsverträgen stehe, da der Wehrbeitrag ja nicht für Kriegszwecke erhoben werde. Es folgte die Abstimmung über die am Sonnabend verhandelte Petition der Bäcker-Innung Germania. Sie wird mit 150 gegen 92 Stimmen durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Der Gesetzentwurf über die Verlegung der deutsch-russischen Landesgrenze wird in dritter Lesung angenommen. Es folgt der Etat von Kiautschou. Die Abgg. Nacken (Ztr.) und Dr. Paafche (natl.) gaben ihrer Freude über die günstige Entwickelung des Schutzgebiets Ausdruck. Staatssekretär v. Tripitz schilderte diese Entwicklung des Schutzgebiets, das sich gesund entwickelt habe. Der Etat wurde mit einer Resolution der Budgetkommission, die im nächsten Etat einen neuen Titel zur Verbreitung der deutschen Sprache verlangt, angenommen. Damit war die Tagesordnung erschöpft und das Haus vertagte sich aus Donnerstag: Wahlprüfung, Duellantrag.
Wetteraussichten für Donnerstag den 26. März.
Meist trübe, Niederschläge, keine Temperatur- änderung, westliche Winde.