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das Gesetz über die Rennwetten.

Einschränkung -er Wettlei-enschaft.

Der lange erwartete und schon vor seinem Erschei­nen zum Gegenstand eines lebhaften Widerstreits der Meinungen in den am meisten an der Sache interessier- ten Kreisen gemachte Entwurf eines neuen Gesetzes über die Rennwetten liegt jetzt vor. Er bringt eine ganze Reihe von einschneidenden Neuerungen, von de­nen allerdings die E nführung konzessionierter Buch­macher wohl die augenfälligste ist. Daneben können aber auch die neuen scharfen Strasbestimmungen für das Wetten bei anderen als den konzessionierten Buch­machern sowie für die Uebernahme und die Vermitt­lung solcher unerlaubten Wetten und die Zulassung der Einklagbarkeit von Forderungen aus erlaubten Renn­wetten besondere Beachtung heischen.

Mit den beiden Grundsätzen, auf denen sich der Ge­setzentwurf aufbaut, daß erstens der Ausbeutung der Spiel- und Wettlust des Publikums durch unlautere Elemente ein Riegel vorgeschoben werden soll, und daß zweitens aus den — wie die Begründung zu dem Ent- wurf sagt — „gewissermaßen legalisierten" Rennwetten Beträge gezogen werden sollen, die staatlichen Zwecken, in erster Lime der Hebung der Landespferdezucht, zu Gute kommen, kann man sich wohl einverstanden er­klären. Die Lust am Wetten gänzlich auszurotten, ist unmöglich, und wie der Staat mit der Einrichtung einer staatlichen Lotterie und der Zulassung von bestimmten privaten Lotterien der Spielleidenschaft eine Konzession gemacht hat, so hat er auch durch die Genehmigung des Totalisators bei Pferderennen der Wettlust ein Ventil geöffnet. Die Hauptsache ist, daß eine Ausbeutung die­ser Wettlust zu übermäßigen Wetten und durch betrüge­rische Maßnahmen der sogenanntem Winkelbuchmacher verhindert wird.

Darüber, welche Ausdehnung das Unwesen dieser Winkelbuchmacher heute bei uns gewonnen hat, geben die zahlreichen Prozesse, die gegen solche Leute ange­strengt werden, nur unvollkommen Aufschluß. Nicht ohne Absicht haben die Winkelbuchmacher sich die aus­ländischen Rennen, namentlich die französischen, als Hauptfeld erwählt, da die Kenntnis und die Kontrolle des großen Publikums ihnen hier die geringsten Hinder­nisse für das Scheren ihrer Schafe bereiten. Versierte Kreise vertreten denn auch wohl mit voller Berechtigung die Behauptung, daß jährlich viele Millionen deutschen Geldes für ausländische Wetten über unsere Grenzen gehen, und daß diese Millionen zum größten Teile aus den Taschen der weniger bemittelten Bevölkerung stam­men. Gerade durch die Auslandswetten ist die Wett- leidenschaft bei uns zu einer förmlichen Volkskrankheit geworden, der schon zahllose Existenzen zum Opfer ge­fallen sind. Ihr mit allen möglichen, d. h. tauglichen Mitteln entgegenzutreten, ist zweifellos eine der be­deutsamsten Aufgaben des Staates, des Gesetzgebers.

Ob die vorgeschlagenen Bestimmungen ausreichen, eine Heilung herbeizuführen, ist allerdings fraglich. Vielleicht wird man sich damit begnügen müssen, eine wesentliche Besserung zu erreichen. Aufgabe des Reichs­tages wird es sein, zu untersuchen, ob die Vorschläge des neuen Gesetzentwurfs nicht zu diesem Zwecke noch zu erweitern und auszugestalten sind. Das fiskalische Interesse darf dabei erst in zweiter Linie in Betracht kommen. Daß das neue Gesetz vermehrte Mittel für die Landespferdezucht liefern soll, ist gewiß anzuerken- nen. Eine andere Frage aber ist es, ob man daraus die nötigen Mittel für die Deckung der Kosten der beabsich­tigten Ausbesserung der Altpensionäre ziehen soll oder kann. Das finanzielle Erträgnis der Neuregelung wird in der Begründung des Gesetzentwurfs selbst als un­sicher hingestellt, und es ist immerhin mißlich, eine sichere Ausgabe auf eine sichere Einnahme zu basieren.

Zumschikal, der „gelbe Napoleon".

Juanschikai, der am 6. Oktober 1913 a erwählte Präsident Chinas, wurde zum

auf fünf Jahre

, . ......Diktator auf Lebenszeit ernannt. Ein „gelber Napoleon" ist damit dem „Reiche der Mitte" entstanden, der ähnlich dem großen Korsen dieselbe Ausbildung, dieselbe Laufbahn, denselben Ehrgeiz besitzt, und wie dieser, ein Opportu­nist ist, der sein Handeln immer ausschließlich von sei­nem Willen zur Macht lenken läßt.

Ganz Europa war aufs höchste erstaunt, als in dem konservativsten aller Länder, China, die Revolu­tion ausbrach, die auf eine Verwirklichung des demo­kratischen Ideals hinauslief. Man stand vor einem Rät­sel. China, das Land, das nach Hegel überhaupt keine eigentliche Geschichte im Sinne einer fortschreitenden Entwickelung aufzuweisen hatte, schien eine völlige Um­gestaltung seines Staatslebens bis in die äußersten Konsequenzen durchsetzen zu wollen. Die Jahrtausende alte chinesische Monarchie hatte aufgehört zu existieren, und allgemein machte sich die Besorgnis geltend, das mündig gewordene Chinesenvolk werde, auf eigene Füße

Täuschender Schein.

Original-Roman von Ludwig Blümcke.

4) (Nachdruck verboten.)

Er würde oft und gern bei ihnen weilen, baß wußte er. Und dieser Blondkopf, der sich nun drüben scheu zurückzog, würde ihm noch viel zu schaffen machen in seinem Herzen, das spürte er, das fühlte er an dem un­gewöhnlichen Klopsen da tief drinnen in seiner Brust. — Wie gern wäre er gleich jetzt noch auf ein Weilchen bei Rolands geblieben, die ihn recht herzlich einluden, wenigstens eine Tasse Kasfee mit ihnen zu trinken! Aber das ging Nicht, denn der Heinrichswalder Wagen, der ihn vor drei Stunden hatte von der Station abholen sollen, hielt nun schon eine geraume Zeit auf dem Hof

^/wartete Wm Ein mürrischer, angetrunkener Kut- scher schaute recht offensichtlich auf seine Uhr und schüt­telte den roten Kopf. Aber sobald es ihm nur möglich fetoS1^ tmmm' 606 «r!E er

/^.H^Er Mensch," sagte Roland, als er nun allein mit seiner Tochter am Kaffeetisch saß. „Er hat wir ganz ausnehmend

Scheint auch sehr bescheiden zu sein. Schade, E^E, ^aß er den bunten Rock hat ausziehen müssen! Ich glaube, Vermögen besitzt er nicht mehr."

Agnes hörte mit roten Wangen hin. Auch ihr gefiel Erwin, wie ihr kaum zuvor ein junger Herr gefallen. Und sie wußte, was niemand sonst ahnte: Wie hochheL zig er an Heinz gehandelt. - Daß er doch Wort hielte und öfter zu ihnen käme!

Aber nun trat Johann Grundmüller, der Einsied­ler vom Katzenberg, mit seiner Not und Bedrängnis in den Vordergrund. Wie man ihm helfen könnte, die Frage beschäftigte Vater und Tochter vor allem. Stand der Alte auch nicht im besten Ruf, weil in seiner beweg­en BergangMeit manches recht dunkel war, so befand

gestellt, zielbewußt seine zahllose VolkSkraft zur Ver­treibung der europäischen Eindringlinge entfalten.

Der General Juanfchikai, der alte Fremdenfeind von 1899, den die junge Reformbewegung als vermit­telndes Haupt zum höchsten Machtgipfel emporgetragen hatte, sah damals seine Rolle als Reformator Chinas ausgespielt. Doch er wußte, daß sein Tag noch kommen werde, ein Wahrsager hatte ihm das schon in Korea prophezeit. Die Wirrnisse im Innern und Sie Feinde von außen: England, das die Japaner gegen die Chine­sen zu hetzen und die Entwickelung so zu fügen suchte, daß künftig der Norden Chinas gegen den Süden stand, und Japan, das auf Korea lüstern war, erheischten zur Leitung der Geschicke Chinas einen Mann, der tat­kräftig das Staatssteuer zu führen verstand. Und Ju- anschikat wurde zum Präsidenten der jungen Republik gewählt.

Juanschikai ist ein Gewaltmensch, der, wie Napo­leon, nicht auf halbem Wege stehenbleibt. Als er die Regierung antrat, stand er einem Chaos gegenüber. Die Gouverneure in den Provinzen bekämpften sich gegen- feitig, die untergeordneten Städte erkannten nicht ihre Provinzialhauptstädte an, junge Burschen, die kaum der Schule entwachsen waren, hatten die Macht in den Händen und terrorisierten das Volk. Mißtrauen herrschte allenthalben. Räuberische Soldaten durchzogen raubend und sengend das Land und deuteten seine Be­wohner bis aufs Hemd aus. In diesen Wirrwarr sollte Juanschikai Ordnung und Zucht bringen. Aber nicht mit eisernem Besen ging er zu Anfang vor, sondern mit ruhigem Abwarten. Dadurch rettete er das Land. Ge­schick nutzte er jede Gelegenheit aus, die sich ihm bot. In alle sich öffnenden Lücken schob er seine Leute und gewann seine Feinde und Gegner durch Diplomatie für sich. Das Finanzwesen, das sehr darnieöerlag, brächte er wieder in die Höhe lind sorgte vor allen Dingen da­für, daß die Soldaten, die bis vor Kurzem noch infolge Geldmangels der Regierung ihren Unterhalt durch Raub und Plünderung sich zu verschaffen suchten, ausgelohnt und entlassen wurden.

Jetzt ist Juanschikai Diktator auf Lebenszeit über das „Reich der Mitte". Es bleibt abzuwarten, wie lange er sich in dieser Rolle gefällt, ob er nicht, wie ehe­dem der Korse, eines Tages nach lange genug dauern­dem Zusehen mit der Macht eines unumschränkten Herrschers auch den Titel eines solchen als Kaiser von China an sich nimmt. Die Dynastie der Mandschu ist im „Reiche der Sonne" untergegangen, die der Honaner erstrahlt im ausgehenden Glänze.

Politische Rundschau.

Gäste des Kaisers in Korfu. Als Gäste des Kaisers werden später Fürst zu Fürstenberg, der am Samstag abend bei der Abfahrt zugegen war, wwie Militär-Ober- pfarrer Goens in Korfu eintreffen. Die Ankunft des Reichskanzlers in Korfu ist für den 9. April, des Ma­rinemalers Professor Bohrdt für den 12. April und des Generalintendanten Grafen Hülsen-Hüseler für den 25. April vorgesehen. Die Rückkehr des Kaisers nach Berlin erfolgt am 18. Mai.

Teilnahme Kaiser Wilhelms an den österreichischen Manövern? Wie eine Wiener Korrespondenz aus mili­tärischen Kreisen erfahren haben will, wird Kaiser Wil­helm voraussichtlich den im Herbst dieses Jahres statt- findenden großen Manövern in Ungarn beiwohnen. Kaiser Franz Josef wird seinen Gast zu diesen Manö­vern einladen, die im Laufe des September unter Teil­nahme des Pretzburger, Grazer sowie Teilen des Agra- mer und Wiener Korps stattfinden werden. Den Over- befehl bei diesen Manövern wird Erzherzog Franz Fer­dinand führen. Ob auch Kaiser Franz Josef daran teil- nehmen wird, steht noch nicht fest. .

Die endgiltige Regelung der Statthalterfrage, die irgend ein eifriger Nachrichtenerfinder am Sonnabend als vollzogene Tatsache gemeldet hat, ist in Wahrheit erst in einigen Wochen zu erwarten. Ob erst nach der Rück­kehr des Kaisers von Korfu, mag dahingestellt bleiben: denkbar wäre auch, daß die Kaiserliche Entscheidung bei Gelegenheit des Besuchs des Reichskanzlers erfolgte, den der Kaiser wie vor zwei Jahren für die Osterfeiertage nach Korfu eingeladen haben soll. Daß Herr von Dall- witz, der jetzige Minister des Innern, ausersehen ist, den Grafen Wedel in der ehemaligen „Präfektur" zu Straßburg zu ersetzen, wird aber nirgends mehr bestrit- ten oder bezweifelt. Damit würde der Statthalterposten zum ersten Male seit seiner Schaffung (am 1. Oktober 1879) einem Beamten der eigentlichen Staatsverwal­tung anvertraut. Der erste Statthalter war bekanntlich der Weneralfelömarschall Edwin von Manteuffel: ihm folgte 1885 der Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-L-chil- lingsfürst, diesem 1894 sein Vetter Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg, der im Grunde nur Dilettant war, und ihn löste am 1. November 1907 Graf Wedel ab, der die Eigenschaften des Militärs und des Diplomaten in sich vereinigte.

sich der „Einsiedler", der seinem mageren Boden nur in hartem Kainpf mühsam das tägliche Brot abzuringen vermochte, doch in größter Verlegenheit, wo er drei Kühe und alle Schweine außer dem Stall eingebüßt hatte, und darum mußte man ihm als Nachbar helfen, mochte er es verdienen oder nicht. So dachte der jederzeit hilfs­bereite, hochherzige Besitzer von Waldwiese wenigstens. Und Agnes mit ihrem weichen Kindergemüt stimmte ihm vollkommen bei, wie sie denn stets ein Herz und eine Seele mit dem Vater zu sein pflegte.

Derweil fuhr Erwin auf dem herrschaftlichen Wa­gen — es war keineswegs einer der besten — durch ein Stück herrlichen Laubwaldes, in dem viel hundert gefie­derte Sänger nach dem glücklich überstandenen Unwetter mit hellen Kehlen den Schöpfer priesen, der ihr Nest und ihre Brut vor Schaden bewahrt hatte. Das nasse Laub glänzte im hellen Sonnenschein, die langsam hinabrol­lenden Tropfen schillerten wie bunte Perlen, und ein köstlicher, würziger Duft wehte erquickend über das üp­pige Farnkraut, das sich zu beiden Seiten der Straße ausbreitete.

Da tauchte in einiger Entfernung ein Mann mit einem Gewehr über der Schulter auf, den der junge Volontär auf den ersten Blick für den biederen Roland hielt, in dessen gastlichem Hause er soeben geweilt. Der ihnen Entgegenschreitende mußte ebenso groß sein, trug ebenfalls einen Federhut und einen grünlichen Umhang und besaß sogar denselben mächtigen Schnauzbart.

„Nanu, hat denn der Herr von Waldwiese einen Doppelgänger?" fragte Erwin überrascht den Kutscher.

„Nee, dat is jo uns' jung Herr," antwortete dieser grinsend in seinem breiten Plattdeutsch, Haltung anneh­mend und die Zügel straffer fassend. Nun sah man auch, daß der Schnurrbart nicht grau, sondern blond und daß das Gesicht dieses Riesen dem des andern durchaus nicht ähnlich war.

Kleine Iladirlcftfen*

Die Tragödie eines Berliner Professors. Montag nachmittag hat ein 47jähriger Professor aus Langwitz bet Berlin seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe selbst ein Ziel gesetzt. Schon vor einigen Jahren hatte er infolge eines nervösen Leidens seine Tätigkeit als Oberlehrer bei einem Berliner Gymnasium auf= geben müssen. Wiederholt suchte er Sanatorien auf, um von seinem Leiden Heilung zu finden. Montag nach­mittag verließ er seine Wohnung in Berlin und schlief in einem Hotel. Er schrieb an seine Gattin und seine Bekannten und Verwandten Abschiedsbriefe. Dann brächte er sich den tödlichen Schutz auf einer Toilette des Potsdamer Ringbahnhofes bei.

Tödlicher Sturz eines Fensterputzers aus der drit­te« Etage. Am Montagnachmittag stürzte in Hannover ein Fensterputzer aus der dritten Etage eines Hauses an der Ecke Prinzen- und Joachimstratze ab. Er wurde schwer verletzt in das .Krankenhaus gebracht, wo er bald darauf seinen Verletzungen erlag.

Die Schießübungen der Frau Caillaux. Der Waf- fenhändler Gastonne Renette, bei dem Frau Caillaux ihren Revolver gekauft hat, erzählte einem Berichterstat­ter des „Petit Parisien", daß Frau Caillaux auf seinem Schietzstande die Waffe ausprobiert und die sechs Kugeln, mit denen der Revolver geladen war, abgefeuert habe. 3u seinem Geschäft fei es eben üblich, daß den Käufern der Vorschlag gemacht werde, die Waffen zu versuchen, damit sie deren Handhabung besser kennen lernten.

Wegen Gattenmordverdachts verhaftet. Im Heil- bronner Vorort Böckingen wurde die Frau des 23 Jahre alten Eisenhoblers Gustav Wurst erwürgt im Bett auf- gefunden. Der Ehemann wurde unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhaftet.

Einem grausigen Verbrechen auf der Spur. In Alt­wasser (Schlesien) wurde der Kopf eines Mannes aufge­funden. Der Ermordete ist der aus Liegnitz stammende Bergpraktikant Kurt Konrad. Der Arbeiter Liebock, der mit ihm zusammen in Myslowitz gearbeitet hatte, wohnte unter dem Namen Konraös in einem Weiß­steiner Gasthause. Er erhielt dort den Besuch Konrads, verließ bald darauf das Gasthaus und kehrte nicht wie­der zurück. In einem hinterlassenen Koffer wurde der Rumpf des Bergpraktikanten gefunden.

Ein großer Gemälöeraub wurde in der Nacht zum Sonntag in dem unbewohnten Schlosse des Grafen Ca- vazo in San Martino bei Bologna verübt. Diebe dran­gen vom Dach her in das Schloß ein und nahmen, wäh­rend der Kastellan in tiefem Schlafe lag, alle Gemälde von den Wänden. Nicht weniger als dreizehn Gemälde von hohem Wert sind geraubt worden. Es wird aus verschiedenen Umständen geschlossen, daß die Diebe Ken­ner waren.

Kampf zwischen Streikenden und Arbeitswilligen. In Buffalo griffen 700 Streikende einen Bahnzug an, der Arbeiter brächte. Die Detektivs erwiderten das von den Angreifern abgegebene Gewehrfeuer. Es wurden ein Toter und viele Verwundete gezählt.

Bilder aus der Neichshauplsladl.

Jm Warenhaus und auf der Straßenbahn.

In der „Köln. Volksztg." ist folgendes zu lesen: Neulich begleitete ich eine Dame, die einige Karten mit Ansichten aus der Umgegend Berlins kaufen wollte, in ein Warenhaus. Die Verkäuferin hatte zahlreiche Kar­tons, in denen die Karten nach ihrem Gegenstände grup­piert waren. Während wir noch mit der Auswahl be­schäftigt waren, kam in schwerer Seide eine jener Damen herangerauscht, die in der Wahl ihres Ratten sehr vor­sichtig gewesen sind. Sehr viele von ihnen tun nichts, «E da sie auch vorn Haushalt nichts verstehen, widmen sie einen Teil ihrer Zeit der Betrachtung der Neuigkeiten in den Warenhäusern. Also die erwähnte Dame stürzte auf die Ansichtskarten zu und begann darin zu wühlen. Nur aus Neugierde, denn sie wollte augenscheinlich nichts kaufen.

Ich stand vor dem Ladentisch, und sie drängte sich ganz nahe an mich heran, offenbar in der Absicht, mich vom Ladentische fortzustoßen, wenn ich nicht freiwillig fortging. Sie wollte das sehen, was vor mir lag, und dachte wohl, ich würde unwillkürlich oder aus Höflichkeit ihr den Platz räumen. Darauf biß ich aber nicht an, son­dern sagte ihr in ruhigem Tone: „Bitte, lassen Sie mir Platz." Nun tat sie, als ob sie das überhöre und starrte wie ein Taubstummer in die Luft. Dann griff sie nach den Postkarten, und in kurzer Zeit hatte sie alle Kar­tons umgestülpt und die Karten kunterbunt üurchein- andergeworfen, worauf sie fortging. Die Verkäuferin weinte fast und sagte: „Jetzt brauche ich wohl ein bis zwei Stunden, um die Karten wieder zu ordnen." Auf meine Frage, ob fo etwas wohl öfter vorkomme, ant­wortete sie: „Wohl jede Woche, aber eine einfache Frau tut's nie und ein Herr tut's auch nie, es sind immer nur die ganz feinen Damen."

Nicht minder empörende Szenen sieht man fast täg-

Ein Monokle ans Auge klemmend, trat der junge Schlotzherr Udo von Schultental an die Seite, gab dem Kutscher ein Zeichen, zu halten, lüftete auf des Volontär- Verwalters achtungsvollen Gruß nur so nach gnädiger Herren Manier herablassend ein wenig seinen grünen Federhut, zog dann seine goldene Uhr mit der schweren Kette, und schaute auf das Zifferblatt, als müßte er es sich erst ganz genau ansehen, ehe er klug daraus wurde.

Erwin war derweil vom Wagen gesprungen und hatte sich vorgestellt. „Ich bitte meine Verspätung zu entschuldigen," sagte er dann, durch das Gebühren des offenbar sehr hochnäsigen Junkers recht unangenehm be­rührt. „Habe mich inzwischen bereits beim Feuerlöschen auf dem Katzenberg betätigt."

„Wäre keineswegs nötig gewesen," schnarrte Udo v. Schultental darauf, das Monokle wieder fallen lassend, seine grauen, kalten Augen weit aufreißend und den Schnurrbart drehend. „Hoffentlich ist der ganze Kram trotz Ihrer Hilfe niedergebrannt. Der Kerl ver­diente es."

„Gott sei Dank nur der Kuhstall, Herr von Schulten­tal. Aber drei Kühe und wohl sechs Schweine hat der arme Mensch außerdem verloren," sagte Erwin darauf, seinen Widerwillen gegen den Menschen, den er fortan als Sohn seiner Herrin respektieren sollte, nur mit Mühe verbergend.

„Wenn ich sage, der Kerl verdiente es, daß er um Haus und Hof käme, dann dürfen Sie mir schon glauben, Herrrr — Ru—feld."

„Ruöorp," verbesserte der Volontär.

„Oder auch so. — Kerl hat nämlich schon im Zucht­haus gesessen und ist ein Spitzbube. Gibt ohnehin Lum­pengesindel genug in der Gegend. Aber nun fahren Sie nur zu. Im Schloß wartet alles seit vier Stunden aus Sie. — Muß noch auf einen Rehbock. Warte nachher — Adieu!" —

(Fortsetzung folgt.)