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Hie Mitteilung von einer geplanten Expedition nach den Südpolargegenden gemacht, die noch im Sommer 1915 ausgeführt werden soll. An der Expedition werden sich u. a. auch zwei englische Forscher beteiligen und die Kosten von schwedischen und englischen Instituten und dem britischen Museum getragen werden. Die Expe­dition soll fünf Jahre dauern. Die Sammlungen sollen zwischen Schweden und England geteilt werden.

>* Verzweifelte Tat einer Mutter. In Tichteuberg bei Berlin versuchte am Sonnabend die Arbeiterfrau Winter sich mit ihrem anöerhülbjährigeu Kinde zu ver­giften. Sie nahm Salzsäure und öffnete dann die Gas­hähne. Mutter und Kind wurden schwer verletzt aufge- funden. Der Grund soll in Nahrungssorgen zu suchen sein.

o-» Fünf Millionen Gold an Bord. $n Londoner Versicherungskreisen macht sich Unruhe über den Ver­bleib des Dampfers „Alvarodo" bemerkbar, oer am letz­ten Sonnabend von London nach Bilbao mit einer Goldtadung von fünf Millionen in See gegangen war. Das Schiff hätte bereits am Mittwoch am Bestimmungs- orte eintreffen müssen.__

Gericht und Recht»

Rasche Justiz in Straßburg. Die Strafkammer in Straßburg verhandelte am Freitag in sieben Sachen wegen Angriffs oder Beleidigung von Militär-personen durch Zivilisten. Gegen den Arbeiter Diemer hatte der Staatsanwalt wegen öffentlicher Beleidigung eines Ser­geanten sechs Wochen Gefängnis beantragt, weil die Be­leidigung grundlos und daher frivol war, und weil an­gesichts der Häufung solcher Angriffe eine strenge Be­strafung notwendig sei, wenn man in Elsaß-Lothringen Ruhe haben wolle. Das Gericht erkannte auf 40 Mark Geldstrafe. Der Mährige Tagelöhner Pfund, der in der Nacht zum 13. März den Posten vor der Hauptwache am Kleberplatz beschimpft hatte, wurde zu einer Woche Gefängnis und der Fuhrmann Johann Adrian wegen Beleidigung von Unteroffizieren des 8. württembergi- schen Infanterie-Regiments Nr. 126 zu 14 Tagen Ge­fängnis verurteilt.

Ungehorsam vor versammelter Mannschaft. Schwere Strafen stehen im Militärstrafgesetzbuch auf dem Unge­horsam, namentlich wenn er vor versammelter Mann­schaft bekundet wird. So wurde vom Kriegsgericht in Frankfurt ein Musketier des 81. Infanterie-Regiments, ein Soldat von sehr schlechter Führung, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er dem Befehl seines Ser­geanten, schneller zu laufen, nicht Folge leistete, und ein zweiter erhielt 43 Tage Gefängnis, weil er dem Unter­offizier der Kasernenwache, der ihn wegen „geklappter" Mütze zur Rede stellte, öavongelaufen war.

Vermischtes.

Wieviel Zeppeline haben mir? Diese Frage beant­wortet die „Tägl. Runösch." wie folgt: Nachdem der neueste Heeres-Zeppelin seine Abnahmefahrten erfolg­reich durchgeführt hat, ist auf der Friedrichshafener Werst der Kiel des „L. Z. 25" gestreckt worden: in An­betracht der Vorbereitungsarbeiten sind die ersten Pro­befahrten dieses Jubiläumsschiffes in wenigen Monaten zu erwarten. Von den 23 bisher in Friedrichshafen fer­tiggestellten Starrluftschiffen sind noch 11 vorhanden. „L. Z. 24" ist der für die kaiserliche Marine im Bau befindliche große Luftkreuzer, und „L. Z. 25" wurde so­eben auf Stapel gelegt, nachdem der für die Armee be­stimmte dreiundzwanzigste Zeppelin die Helling verlas­sen hatte.

Die Beerdigung des erschossenen Figaro-Direktors. Das Leichenbegängnis des von der Frau Caillaux er­schossenen Calmette hat Freitag mittag unter zahlreicher Beteiligung aus Kreisen der Literatur, Kunst und Poli­tik stattgefunöen. Unter den zahlreichen Kränzen trugen einige Schleifen mit Inschriften, die Calmettes Mut und Patriotismus rühmen. Eine große Volksmenge begrüßte den Trauerzug unterwegs. Nach dem Leichenbegängnis Calmettes entstanden Raufereien, die ein recht ernst­haftes Gepräge hatten. Ein Polizist, der sich bedroht glaubte, schoß seinen Revolver ab und verwundete einen der Kundgeber schwer am Unterleib. Trotz des starken polizeilichen Aufgebots gelang es einer starken Gruppe von Camelots du Rois, sich in geschlossenem Zuge nach dem Saint-Lazare-Gefängnis zu begeben, wo Frau Caillaux in Haft ist. Die Zugänge zum Gefängnis wur­den in aller Eile von der republikanischen Garde gesperrt. Unter den nach Paris zurückkehrenden Gruppen ent­standen zweimal Schlägereien, da einige Leute Rufe ge­gen Caillaux ausstießen. Ein Mann, der für Caillaux eintrat, wurde durch Stockhiebe verletzt. Die Polizei zer­streute die Streitenden und verhaftete mehrere.

Eine Weltreise um ei» Haarwuchsmittel. Aus Neuyork wird der „Ins." geschrieben: Der Fall, daß je­mand eine Weltreise unternimmt, um sich ein — Haar­wuchsmittel zu holen, dürfte wohl bisher einzig öa- stehen. Und doch ist es nicht etwa ein Scherz, den sich irgendein Spatzvogel erlaubt, um Presse und Publikum neuen Stoff zum Lachen zu bieten, nein, tatsächlich hat sich bereits Jerry Collins — so heißt dieser sonderbare Weltreisende — an Bord eines Dampfers eingeschifft, um seine große Reise nach Zentralamerika anzutreten. Alleiniger Zweck dieser Reise ist, wie Herr Collins ge­genüber den Berichterstattern mehrfach geäußert hat, ein seltenes kostbares Haarwuchsmittel zu erlangen, das sich im Besitze einiger weniger, sehr schwer zugänglicher zentralamerikanischer Jnöianerstämme befinden soll. Dieses bisher in der Kosmetik der gesamten zivilisierten Welt vollkommen unbekannte Haarwuchsmittel soll nach Aussage des Herrn Collins geradezu verblüffende Re- Wtate zeigen. Die kahlsten Platten, die wie Mond- l?^*^"^?, sollen innerhalb 60 Tagen auf den Häup- das Mittel Anwendenden einen urwaldähn- erzeugen. Die Bereitung dieses Mit- Weltreise ^?^n b^nnis der Jndianerstämme, das die nma Mafi^S Aallins eben ergründen will. Alles, -Drüber weiß, ist, daß es einen Extrakt ?M S Gebirgspflanze darstellt. Herr Col- lins will das Mittel zunächst an sich probieren: wir finden das sehr vorsichtig von ihm. Sollte ihm die Ent­deckung der „Wunderblume" gelingen, so dürfte sich machen t p elige Weltreise ja wohl mehr als bezahlt

Ei« Salvarsan-Todesfall in England. Die wissen­schaftliche Welt Englands wird durch einen Todesfall, der auf die Anwendung von Salvarsan zurückgefuhrt wird, in Atem gehalten. Im Guys-Hospital in South- wark starb ein junger Kaufmann Stanley White. Drei der ihn behandelnden Aerzte erklärten, daß der Tod in­folge Vergiftung durch Salvarsan eingetreten sei. Am Freitag fand die amtliche Leichenschau statt, in der der Richter, der die Untersuchung führte, zur näheren Auf­klärung des Falles Vertagung auf den 3. April anord- nete, um genaues Material über die den Tod begleiten- ben Nebenumstände herbeizuschaffen. Er erklärte den Zall Mr außerordentlich wichtig und gab an, daß nach

Staiifttf in den letzten sechs Jahren 87 Todes- SS-mJi1«? R^l^sta" verursacht worden seien. In der

gewiesen, daß Salvarsan durch Oxydation an der Luft außerordentlich an Giftigkeit gewinnt. Selbst auf bem Wege von der Spritze zur Jnjektionsstelle sei eine der­artige Oxydation möglich, besonders wenn sich in der Injektionsspritze Luft befunden haben sollte.

Eine ergötzliche Jnventuraufnahme muß es ge­wesen sein, die nach dem Ergebnis einer Verhandlung vor dem Berliner Kaufmannsgericht bei einer Wein­firma stattfand. Die beklagte Weinfirma hatte töten Stammsitz am Rhein und unterhält in Berlin ein Zweiggeschäft mit einem großen Weinlager. Der Ge­schäftsinhaber der Berliner Filiale hielt auf Grund der letzten Jnventuraufnahme ein größeres Warenmanko für festgestellt und wollte den Lagerverwalter dafür verantwortlich machen. Dieser hingegen, der Klüger in dem Rechtsstreit, wandte ein, die Aufnahme der Lager- bestände könne nach keiner Richtung den Anspruch auf Vollständigkeit machen. Die „Inventur" sei nämlich un­ter eigentümlichen Begleiterscheinungen die ganze Nacht hindurch gemacht worden. Unter lebhafter Mitwirkung des Geschäftsführers hätte man die verschiedenen Lager­sorten zwischendurch „geprobt", und da sich unter den Proben recht „süffige" Sektmarken befanden, so mußte die Lageraufnahme bald eine halbe Stunde und länger „vertagt" werden. Den meisten Beteiligten war es am nächsten Tage überhaupt nicht recht klar, wie die nächt­liche Inventur im Weinkeller zustande kam. Der Ge­schäftsführer der Firma mußte in der Verhandlung auch zugeben, daß bet der Inventur von verschiedenen Wei­nen, auch von Schaumweinen, reichlich „geprobt" wurde, das sei aber darum notwendig gewesen, „um den Cha­rakter von Flaschenweinen festzustellen, die sich am La­ger befanden und nicht etikettiert waren". Das Kauf- mannsgericht entschied, daß eine solcherart zustandege- kommene Jnventuraufnahme keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit habe. Die Firma könne diese Lager­aufnahme nicht als Beweis für das angebliche Waren­manko verwenden.

Der Wert einer Unterlippe. Vor einigen Tagen hat das Pariser Seine-Tribunal der Sängerin Roussel eine Schadenersatzsumme von 25 000 Franken für eine Ver­letzung an der Unterlippe zugesprvchen. Fräulein Rvus- sel fuhr in einer Autodroschke, die durch die Ungeschick­lichkeit des Chauffeurs mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn zusammenstieß. Die Scheiben des Autos gingen in Trümmer und ein Splitter zerschnitt ziemlich tief die Unterlippe der schönen Künstlerin. Fräulein Roussel verklagte die Gesellschaft auf einen Betrag von 70 000 Franken wegen „ästhetischer Beschädigungen". Das Gericht erkannte an, daß Fräulein Roussel eine wirkliche Schmälerung ihrer physischen Schönheit davon- getragen habe, was für sie als Sängerin eine Einbuße auch ihrer künstlerischen Verwendbarkeit bedeutet. Das Gericht verurteilte daher die Automobilgesellschaft zur Zahlung von 25 000 Franken Schadenersatz an die Sän­gern: mit der gespalteten Unterlippe. Die Frage drängt sich auf: Wie hoch schätzt man in Paris den ganzen Mund einer hübschen Schauspielerin ein, wenn schon die Unterlippe allein 25 000 Franken wert ist?

Ein schauriges Familiendrama. In einem Gehölz tn der Nähe von Fuentes (Spanien) wurde das Skelett eures Erhängten aufgefunden. Die Nachforschungen ha­ben letzt ergeben, daß der Tote ein Bürger des Ortes war, der mit seiner Familie in Uneinigkeit lebte. Im vorigen Jahre hatte er eine größere Summe geerbt, worauf sein Vater und seine beiden Brüder beschlossen, M verschwinden zu lassen, um sich in den Besitz der Erbschaft zu setzen. Sie luden ihn zu einem Bersöh- nungseßen zu sich ein und mischten ihm Gift in die Speise. Nach zweistündigem Todeskampfe starb der Un- gincktlche. Der Vater und die Brüder schafften die Leiche jvrt und knüpften sie an einem Baum auf, um einen ^.bstmord vorzutäuschen. Die Mörder wurden jetzt ver­haftet, sie haben ihre Tat bereits eingestanden.

Eine Freundschaft zwischen Katze und Maus. In dem kleinen ostpreußischen Städtchen Bartenstein wurde kürzlich eine Wohnung gründlich aufgeräumt. Dabei kam ein kleines Mäuschen aus seinem Versteck hervor. Die Scheuerfrauen gingen gleich auf die Jagd hinter der Maus her, als plötzlich die Hauskatze auf der Bild­fläche auftauchte. Alle warteten mit Spannung, was nun geschehen würde, jeder nahm als selbstverständlich an, daß die Katze der Maus den Garaus machen würde.

Aber da geschah das Unglaubliche. Das geängstigte Mäuschen sprang so schnell es konnte, auf die Katze zu und verkroch sich wie zum Schutz zwischen ihre Vorder­pfoten. Die Katze aber bedeckte das kleine Tierchen mit ihren Vorderpfoten und fauchte jeden wütend und pru­stend an, der sich dem Mäuschen nähern wollte. Dieses aber blickte mit verschmitzten Aeuglein aus seinem Schutzversteck hervor und fühlte sich im Schoß seines Feindes so sicher wie nur irgendwo, soöatz es sich nicht einmal durch die dicht davorstehendeu Menschen be­ängstigt fühlte. Nach Verlauf von zehn Minuten ent­lief es seinem Retter in das bergende Mäuseloch, wo es verschwand. Die Statue aber blickte ihrem Schützling wohlwollend nach und legte sich dann in die Nähe des Mäuseverstecks, wie um dort Schutzwache zu halten. Seither wollen die Mädchen im Hause diesen erstaun- lichen Vorgang zu wiederholten Malen beobachtet haben.

Las AlärchenschloS des Erzherzogs.

Kaiser Wilhelm wird seine Reise nach dem Süden diesmal nicht vorübergehen lassen, ohne seinem Freunde, dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand auf sei­nem Schloß Miramar einen Besuch abzustatten. Oft ist die Schönheit dieser wundervollen Besitzung beschrie­ben und besungen worden, und noch heute knüpfen sich an den lieblichen Namen „Miramar" Vorstellungen von einem Märchenschloß. In der Tat darf dieser Fürsten­sitz Anspruch darauf erheben, zu den schönsten europai- schen Schlössern zu zählen, ö:e nicht nur durch Reich­tum, fürstliche Pracht und Verschwendung, sondern auch durch zahlreiche mit ihnen verknüpfte historische Erinne­rungen ihren Wert für alle Zeilen bewahren.

Schloß Miramar, das „Schloß am Meer" wie man es genannt hat, ist eine Schöpfung des Architekten Karl Junker. 8 Klm. von Triest, .eicht erreichbar von der Stadt mit der Pferdebahn, erhebt sich das Wunderschloß in normannischem Stile auf emem in das Adriatische Meer vorspringenden Felsen. Sem Erbauer war jener Erzherzog Ferdinand Max, der hier am 12. April 1864 die Kaiserkrone von Mexiko anuaym. Jetzt ist es wohl die herrlichste Besitzung des, österreichischen Thronfol­gers, der hier im sonnigen Suden so manches Mal Er­holung gesucht und gefunden hat. Im allgemeinen halt sich in Miramar die Erzherzogin Maria Josem, die Schwägerin des österreichischen Thronfolgers, aus, der das Lustschloß an der Adria als Witwensitz zugewie- sen ist

Das marmorweiße Schloß aus Kalkstein besitzt eine prachtvolle Bibliothek, eine Sammlung ägyptischer 2Ilter= tümer einen überraschend schönen Park mit exotischen Gewächsen und, was seinen höchsten Reiz ausmacht, Wiche Reliquien aus dem Leben des Kaisers Max von Mexiko. Noch heute hat man pietätvoll die Ar- öeitsMlwe des Kaisers Max, der drunten in Mexiko

den traurigen Tod durch Erschießen fand, im alten Zu­stande belassen. Seine Bibliothek beweist seinen erle­senen Geschmack. Neben der Bibliothek das Arbeits­kabinett des mexikanischen Kaisers, das eine vollkom­mene Nachbildung seiner Koje auf dem nun historisch gewordenen Schiff „Novara" zeigt. Ein Kruzifix in der Kapelle des Parks hält das Andenken an die „Novara" aufrecht, ist es doch aus ihrem Holze geschnitzt.

So schön Miramar auch ist, das Schönste an ihm ist sein Park, ein Wunderwerk der Gartenbaukunst. Man kann ihn kaum mit Gürten anderer Schlösser verglei­chen, denn der Park im Schlosse Miramar verbreitet eine ganz eigene Stimmung um sich. An Schönheit könnte sich mit ihm vielleicht nur noch der Garten der Villa Carlotta im Besitze des Herzogs von Sachsen- Meiningen, an den Ufern des Comersees oder der un­vergleichlich schöne Park des Schlosses auf der Jsola Bella im Lago Maggiore messen. Auch Kaiser Wilhelm wird gewiß von diesem wundervollsten aller österreichi­schen Schlösser die stärksten Eindrücke mit nach Hanse tragen.

FalscheVrinzenausdemLondonerMgplatze.

Eine lustige Köpenickiade.

Ganz England amüsiert sich über einen gelungenen Streich, den sich zwei Witzbolde mit Londoner Kava­lieren und Damen auf dem Flugfelde von Hendon ge­leistet haben. Graham-White absolvierte am vorver­gangenen Sonntag eben einige Schauflüge, und viele Damen und Herren der ersten Gesellschaft sahen ihm zu, als zwei elegant gekleidete Herren auf beu Flieger nach dessen Landung zutraten. Der eine der zwei Herren stellte sich als „Lord Stanton Hope, königlicher Adjutant Seiner Hoheit des Kronprinzen von Württemberg" vor und teilte ihm mit. daß ihn der Kronprinz kennen zu lernen wünsche. Hochbeglückt verbeugte sich Mr. Gra­ham-White mehrfach und sehr tief vor dem anderen, noch sehr jungen Herrn, dem angeblichen Kronprinzen, und noch geehrter fühlte er sich, als der Kronprinz den Wunsch aussprach, einen Flug als Passagier mitzu- machen. Lord Stanton Hope protestierte zwar laut und vernehmlich gegen diesen Flug, den, wie er sagte, Se. Majestät der König von Württemberg unter keiner Be­dingung dulden würde, aber der Kronprinz setzte natür­lich seinen Willen durch und der halbstündige Flug er­folgte.

Inzwischen hatte sich die Nachricht von der Anwesen­heit des hohen Gastes rasch verbreitet, und als Flieger unb Kronprinz wieder den Rasen betraten, entwickelte sich eine operettenhafte Szene. Lords und Ladies dräng­ten sich an den Adjutanten heran, um dem entzückenden deutschen Prinzen vorgestellt zu werden: sie wurden auch vorgestellt, und der Prinz war von fabelhafter Huld und behandelte die englischen Aristokraten ganz sv, als wären sie seinesgleichen. Da der Kronprinz von Würt­temberg den Wunsch aussprach, recht viel in der Lon­doner Society zu verkehren, so hagelte es sofort Ein­ladungen. Die beiden Herren wurden in die exklusiv­sten und vornehmsten Klubs geführt und waren am Freitag Gäste in einer hocharistokratischen Gesellschas- in Mayfair, wo sie mitten unter lauter Peers, Vis- counts, Herzogen und Herzoginnen saßen. Am selben Tage erschien der Kronprinz mit seinem Adjutanten nochmals auf dem Flugfelde, wo sich beide inmitten ihrer neugewonnenen Freunde photographieren ließen. Das Bild hing bald in allen Schaufenstern und wurde auch von den illustrierten Zeitungen veröffentlicht.

Immer entzückter war man von dem jungen deut­schen Prinzen, der ein so vortreffliches Englisch sprach. Die schönsten Frauen und Mädchen warfen ihm die feurigsten Blicke zu, und schon begann man von einer bevorstehenden Verlobung des Prinzen mit einer hoch­stehenden englischen Erbin zu munkeln. Auf den Ad­jutanten, Lord Stanton Hope, erstreckten sich die Sym­pathien nicht so sehr. Er renommierte den vornehmen Engländern denn doch etwas zu stark. In Gesellschaft und im Klub erzählte er, daß er noch vor einem Jahr nur 12 000 Mark jährlich bezogen habe, jetzt aber über ein Einkommen von sechs Millionen im Jahr verfüge und seiner Mutter, die auf ungeheuren Besitzungen in Schottland wohne, jährlich ein Taschengeld von 400 000 Mark zugewendet habe. Und dabei hatte der Lord nie­mals Geld bei sich, ließ sich von der Frau eines her­vorragenden englischen Politikers, die er zur Heimfahrt von Hendon nach der City einlud, das Automobil be­zahlen, und gab einem Dutzend Herren ein fürstlich >--> Diner, um zum Schluß zu erklären, daß er sein Scheck­buch nicht bei sich habe, sodaß einer der Gaste die er­hebliche Zeche bezahlte.

Inzwischen soll, wie Londoner Zeitungen erzählen, die deutsche Botschaft in London in Berlin telegraphisch um eine Erklärung ersucht haben, warum der Prinz sie nicht von seiner Anwesenheit verständigt habe. Und mit einem Schlage waren der Kronprinz und Lord Stanton Hope spurlos verschwunden, und ganz London wälzte sich vor Vergnügen, als man erfuhr, daß sich zwei Spaßvögel erfolgreich als württembergischer Kron­prinz und dessen Adjutant ausgegeben und die vor­nehmste Gesellschaft zum Narren gehalten hatten.

Seue Schießversuche aus Ballons.

Am 23. und 24. März werden in der Nähe von Brö- sen bei Danzig Schießversuche in großem Maßstabe auf Ballons vorgenommen. Die Beschießung der Ballons soll je von einer Haubitzbatterie und einer Maschinen­gewehr-Kompagnie durchgeführt werden. Und zivar sind als Zeitdauer mindestens 5 Stunden für das Schie­ßen vorgesehen. Interessant sind die Sicherheitsmaß­nahmen, die das große Ballonschießen im Interesse der gefährdeten Gebiete und der Bevölkerung hervorgerufen hat. Während der ganzen Dauer des Schießens wird der Strand bis auf acht Seemeilen abgesperrt, da eine Gefährdung mindestens in diesem Umkreis vorliegt. Lotsendampser werden für die Freihaltung des gefähr­deten Gebietes sorgen. Alle Hausbesitzer siud streng­stens angewiesen, während der Dauer des Schießens alle gebotenen Sicherheitsmaßnahmen nicht einen Au­genblick außer acht zu lassen, so vor allem die Fenster zu öffnen.

Was infolge von Zerstörung durch die Schüsse von Ballonteilen in die See fällt und aufgefischt oder an den Strand geworfen wird, gilt auch 14 Tage nach dem Schießen in keinem Falle als Strandgut. Die größte Vorsicht aber ist bei der Auffindung einzelner Zünder­teile oder blindgegangener Geschosse zu beobachten. Je­der Finder ist, auch wenn er von der Ungefährlichkeit seines Fundes überzeugt ist, strikt gehalten, aufacfischte oder gefundene Geichosie und Zünder ohne jede Be­rührung wieder in die See zu versenken. Er hat ferner Fundort oder Verienkungsort unverzüglich bekannt zu geben.

Im Rahmen dieser Jusaedehnten Sicherheitsmaß­regeln steht natürlich keinerlei Gefährdung von Land und Bevölkerung durch die große Schießübung zu er­warten, man darf daher umsomehr ihren Ergebnissen mit gespannter Erwartung entgegensehen.