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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- - ,

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei 5)^151^16^1 Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Zernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 69. (Erstes Matt)

Sonntag, den 22. März

1914

Bus der Heimat.

* (Verbot öffentlicher ßuftbarfeiten in der Karwoche.) An dem Vorabend des Oster­festes und in der Karwoche (5. bis 11. April) dürfen nach Par. 13 der Bezirkspolizeiverordnung vom 7. Dezember 1907 weder öffentliche noch private Tanz­musiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten in öffent­lichen Lokalen veranstaltet werden. Am Karfreitag (10. April) dürfen außerdem auch öffentliche theatra­lische Vorstellungen, Schaustellungen und sonstige öffentliche Lustbarkeiten mit Ausnahme der Auf­führung ernster Musikstücke (Oratorien) usw. nicht stattsinden. Zu den Schaustellungen gehören auch Fußballspiele, sowie Lichtbilder- und Lichtspiel-Vor- stellungen, selbst religiösen Inhalts- sie sind daher am Karfreitag verboten.

§ Hersfeld, 21. März. (Besseres Wetter in Sicht.) Von der W e t t e r d i e n st st e l l e W e i l - bürg wird unter dem 20. ös. geschrieben: Die in den letzten Tagen vorübergehenden Tiefdruckwirbel waren nicht mehr so kräftig ausgebildet, als die vor­herigen, sodaß die starken Winde aufgehört hatten, wenn auch noch immer wolkig trübes Wetter und Niederschläge einsetzten. Heute lagerten jedoch beim Kanal ein zwar kleiner, aber sehr kräftig ausgebildeter Tiefdruckwirbel. Er bringt uns noch einmal unruhiges und stürmisches Wetter, doch gleichzeitig erweckt 'er die Hoffnung auf einen bald bevorstehenden wirklichen Witterungswechsel. Denn gewöhnlich ist ein so kräftiger Wirbelder allerletzte". Ihm pflegt ein neuer nicht zu folgen, sodaß wir jetzt Aussicht haben auf ruhiges und wahrscheinlich auch trockenes Wetter.

§ Hersfeld, 21. März. Im Monat Februar d. I. wurden beim hiesigen Standesamt 7 Ehen ge­schlossen. Zum Aushang gelangten Aufgebote 12. Die Zahl der Geburten belief sich auf 29 und zwar 15 männlichen und 14 weiblichen Geschlechts. Hiervon entfallen auf die Stadt Hersfeld 26 und auf die Ge­meinden Kalkobes und Heenes 3. Die Zahl der Sterbefälle belief sich auf 17 und zwar 12 männlichen Geschlechts und 5 weiblichen Geschlechts. Auf die Stadt Hersfeld entfielen 12, während im hiesigen Landkranken­hause 5 verstürben und auswärtigen Gemeinden angehören.

-f- Sorga, 21. März. Bei der am Freitag statt- gefundenen Bürgermeisterwahl wurde der seit­herige Bürgermeister Herr Heinz, welcher schon 33 Jahre seines Amtes gewaltet hat, auf die Dauer von 8 Jahren einstimmig wiedergewählt.

Fulda, 20. März. Nachdem am Mittwoch ein Augenscheinstermin auf Schloß Advlfseck stattgefunden, zu dem auch die Brandstifterin, das 16jährige. Dienst- mädchen vorgeführt war, legte das Mädchen gestern vor dem hiesigen Untersuchungsrichter ein umfassendes Geständnis ab.

Cassel, 21. März. Ein Kurpfuscher schlimmster Art, der die auswärtigen und auch schon die hiesigen Gerichte und Fahndungsbehörden unausgesetzt in nebelhafter Tätigkeit erhalten hat, indem er seine wahren Personalien in Dunkel hüllte und den Namen Ludwig Wilhelm an Stelle des richtigen Wilhelm Ludwig angenommen hatte, wurde in heutiger Ver­handlung vor der hiesigen Strafkammer völlig entlarvt. Wegen umfangreicher Schwindeleien mußte er sich in der Person des in Oelze (Thüringen) geborenen ..^^.Vwalers und angeblichen Heilkundigen Fried-

1 Karl Ludwig verantworten. Das Ge- yetrün^ Angeklagten wegen zahlreicher

Körperverletzung und intellektueller Aberkennung"« zu vier Jahren Gefängnis und &Cr "Ä Ehrenrechte auf die

Vei dem gestrigen Ersatz- em Rekrut zur Vorstellung, der das stattliche Längenmaß von 1,97 Mtr. aufwies. Der lange Mann, der aus Neustadt stammt, wurde zur Garde-Jnfantexie ausgehoben.

Worbis, 19. März. In Bitterfeld wollte Land- messer Klu^ von hier mit dem FreiballonBitterseld" einen Aufstieg unternehmen, um seine Führersahrt zu absolvieren. Beim Herausbringen der Ballonhülle aus der Halle schlug der Sturm die Tür der Halle plötzlich zu, wobei Kluge schwer verunglückte/ Er

"nen Oberschenkelbruch und mußte mit der Bahn nach seiner Heimat Jena übergeführt werden. Kluge hatte schon 5 Ballonfahrten mitgemacht.

ie Holzzerkleinerungs ollständig abgeschnitter

^alfhagen, 20. März. Heute hat sich hier ein ungluckssall zugetragen. Der Fuhrwerksbesitzer Block von hier geriet so unglücklich in die Holzzerkleinerungs- ntafdjine, daß ihm ein Finger vollständig abgeschnitten wurde. Vier andere Finger wurden ihm schwer verletzt.

Mühlhausen i. Thür., 19. März. In einer Breite von 15 Metern ist die ganze Straße zwischen Körner und Schlotheim eingesunken, ebenso ein bedeutendes Stück des angrenzenden Landes. Der Umfang des Loches beträgt 76 Schritt, die senkrechte Absturzwand ist 7 Meter tief. Ein großer Birnbaum, der dort stand, ist versunken, einige hundert Kubikmeter Erd­reich sind verschwunden. Woraus dieser Erdrutsch zurückzuführen ist, konnte noch nicht festgestellt werden, doch ist sicher, daß ihn das gegenwärtige Regenwetter nicht verschuldet hat, denn die Stelle liegt an einer trockenen Anhöhe. Jedenfalls wurde der Einbruch durch ein unterirdisches Gewässer verursacht. ,

Eisenach, 19. März. In Uetterode wurde die Frau eines Landwirts durch die Explosion einer in den Ofen gestellten Wärmflasche lebensgefährlich verletzt und nach Jena überliefert, wo ihr schon ein Auge entfernt werden mußte.

Erfurt, 19. März. Vom hiesigen Kriegsgericht wurde heute der Unteroffizier der 7. Kompagnie des Infanterie-Regimentes Nr. 96 in Rudolstadt Otto Hirsch aus Scheibe, der fortgesetzt und zwar in 20 Fällen Rekruten mißhandelt und sich des Mißbrauches der Dienstgewalt schuldig gemacht hatte, zu drei Monaten Gefängnis und zur Degradation verurteilt.

Frankfurt a. M., 18. März. In dem Streit um das Salvarsan ist heute eine aufsehenerregende Wen­dung eingetreten. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Herausgeber der Frankfurter WochenschriftDer Freigeist", Schriftsteller Karl Waßmann, und gegen denTürmer" nach abgeschlossener Voruntersuchung das Strafverfahren eingestellt und die Antragsteller, den Magistrat und die Krankenhausverwaltung zu Frankfurt, auf den Weg der Privatklage verwiesen. Die plötzliche Einstellung der Prozesse, für die bereits 70 Zeugen und 18 Sachverständige geladen waren, erregt hier das größte Aufsehen. Waßmann und der Türmer" wollen nunmehr gemeinsam vorgehen und mit Unterstützung der durch das Salvarsan geschädigten Personen Strafantrag gegen die betreffenden Stellen beantragen und damit zugleich die Gerichte zur Auf- rollung der ganzen Salvarsanfrage zwingen.

Frankfurt a. M., 16. März. In einem Hause der Allerheiligenstraße entdeckte die Polizei eine gut ein­gerichtete Werkstätte für die Herstellung falscher Zwei­markstücke. Als Verfertiger des Falschgelds wurde Konrad Winterstein aus Langenselbold ermittelt, während als Verbreiter des Geldes in Langenselbold der Weißbinder Wilhelm Fuchs ermittelt und sestge- nommen wurde.

Frankfurt a. M., 20. März. Von einem Auto­mobil totgefahren wurde gestern nachmittag in der Hanauer Landstraße der Sohn des Bahnarbeiters Deppenschmidt. Der Unfall passierte, als der Knabe die Straße überschreiten wollte. Die Rüder gingen ihm I über die Brust, der Tod trat auf der Stelle ein. Der Chauffeur fuhr eiligst davon und konnte noch nicht er­mittelt werden. Kurz bevor dieser tödliche Unfall sich ereignete, wurde auf dem Sandweg in der Nähe der Königswarterstraße ein etwa 4 Jahre alter Knabe von einem Automobil umgefahren und mehrere Meter weit geschleift. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopf und wurde zunächst in die elterliche Wohnung verbracht In der Schule eines Vororts behandelte der Lehrer dieser Tage das Steuerwesen. Als er die Frage an die Klaffe richtete: welchen Zettel nimmst Du mit, wenn Du die Steuern an die Kasse bezahlst, antwortete ein Schüler prompt:Den Mahnzettel!"

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag setzte das Haus die Beratung des Grundteilungsgesetzes mit den dazu in Verbindung gestellten Anträgen fort. Abg. Frhr. v. Re.tzensteln- Pilgramsdorf (Ztr.) erklärte, ferne Freunde seien mit der inneren Kolonisation einverstanden, doch durfte sie nicht nach konfessionellen Grundsätzen durchgeführt und mit politischen Momenten belastet fern. Dre Be­stimmungen gegen die gewerbsmäßigen Guterhandler und das Genehmigungsrecht gaben zu Bedenken Anlaß. Seine Freunde wurden aber in der vorge- schlagenenKommiffionmitarbeiten. Abg Ecker-Winsen (natl.) beschäftigte sich ebenfalls eingehend mit dem Entwurf in den er die drei nattonaüiberalen An- träa? hineingearbeitet fehen wollte. Das Vorkaufs­recht des Staates billigten ferne Freunde im Prinzip. Es würde in der Ostmark eine dankenswerte Hand­habe inr Festigung des nationalen Besitzes bieten und se? doch kein Ausnahmegesetz, da es in allen Provinzen Geltung bekame. Von erheblich staats- erhaltender Bedeutung nannte Abg. Frhr. v. Zedlitz (freik.) die Beschränkung des gewerbsmäßigen Güter­handels. Das würde der Mobilisierung entgeaen- wirken und die Preise wieder auf das normale Maß

zurückführen. Besonders wünschte der Redner mög­lichst billige Preise für Allsiedlerstellen und Schaffung von Allmenden, weil sonst alle innere Kolonisation ohne Erfolg bleiben müsse. Auf diese Fragen ging der Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer ein. Er stehe diesen Wünschen dnrchaus sympathisch gegenüber. Besonders müsse den angesetzten An­siedlern die Möglichkeit gegeben werden, wenn sie prosperien, Land zu kaufen, sonst wanderten sie wieder ab. Der Minister rechtfertigte dann die Bestimmungen über die Beschränkung des gewerbsmäßigen Güter­handels, sie seien nötig, um nicht zu Zuständen zu kommen, wie sie in Hessen und Bayern geherrscht hatten. Das Vorkaufsrecht sei geeignet, der Preis­treiberei entgegenzuwirken. Ernsthafte Reflektanten würden durch dies Recht doch kaufen können. An den Grundlagen des Eigentums solle nicht gerüttelt werden, es gelte aber hohen Zielen, nur der Besitz solle in Anspruch genommen werden, dessen sich der Besitzer gerade entledigt habe. Gegen das Gesetz wandte sich Abg. Baerwald (Fortschr.). Politische

ir die Polen den Entwurf ganz ab,

Momente seien maßgebend, und in der Hauptsache richte es sich gegen die Polen. Trotz aller Einwen­dungen wollten aber seine Freunde in der Kommission mitarbeiten. Abg. v. TrampczyUski (Pole) lehnte aus Befürchtungen für die Polen den Entwurf ganz ab, da er seine Landsleute berauben solle. Justizminister Dr. Beseler erläuterte die'juristischen Grundlagen des Entwurfs. Nicht der Verkäufer, sondern der Er- werber könne durch das Vorkaufsrecht behindert werden. Abg. Braun (Sozn erklärte, seine Freunde ließen sich von dem Taumel $er inneren Kolonisation nicht mit fortreiben. Da der Redner weitschweifig die Unfallziffern auf dem Lande besprach, ersuchte ihn Präsident Graf v. Schwerin, mehr zur Sache zu reden.

Deutscher Reichstag.

Das Haus erledigte am Freitag zunächst kurze Anfragen. Abg. Hoff (fortschr.) wünschte Auskunft darüber, ob es sich bewahrheitet, daß Söhne von Volks- schullehrern als Offiziersaspiranten der Marine nicht angenommen werden. Kontreadmiral Dehnhardt ver­neinte dies. Bestimmungen darüber gäbe es nicht. Tatsächlich dienten auch eine Anzahl von Seeoffizieren oder Anwärtern aus dem Volksschullehrerstande. Die Zurückweisung solcher Anwärter, die übrigens allen Ständen angehörten, geschehe lediglich, wenn die Zahl erreicht sei. Abg. Schiffer-Magdeburg (ul.) fragte nach der Entscheidung des Kammergerichts, wonach der I Generalpardon des Wehrbeitragsgesetzes auch in den Steuersachen Anwendung finde, in denen ein Straf­verfahren schon eingeleitet war. Unterstaatssekretär Iahn erwiderte, daß die Frage geprüft werde. Es könne aber schon jetzt bemerkt werden, daß die Ein­leitung eines Strafverfahrens nach Abgabe der Ver­mögens- und Einkommenserklärung nicht für zulässig zu halten sei. Nunmehr setzte das Haus die Erörterung des Etats für Südwestafrika fort. Abg. Oueffel (Soz.) lehnte den Bahnbau ab, weil die Re­gierung sich weigere, die geringen Forderungen zum Schutze der Eingeborenen und Arbeiter zu erfüllen. Das in der Kolonie herrschende System laufe auf eine Ausrottung der Farbigen hinaus. Abg. Keinath (nl.) empfahl das englische System der Selbstverwaltung, das die Einzelheiten des Etats ihr überlassen werden und das Mutterland nur die Kontrolle habe. Abg. Dr. Oertel (fonf.) bat, die Diamantenfrage endlich ruhen zu lassen, empfahl aber dem Staatssekretär, bei der Verwertung der Diamanten eine Dosis Gerissen­heit aufzubringen. Neben den Diamanten sollte man aber die Farmer nicht vergessen, die das zukünftige Rückgrat der Kolonien seien. An eine Viehausfuhr könne vorläufig noch nicht gedacht werden und käme wohl nur nach den benachbarten Kolonien in Frage. Eine Wassererschließung großen Stiles sei zur Boden­kultur notwendig. Die Konzessionsgesellschaften, die seine Freunde stets bekämpft haben, müssen zur Er­füllung ihrer Pflichten angehalten werden. Den Farmern aber müsse zum Ausdruck gebracht werden, daß man auch im Reichstage ein Herz für sie habe. Südwest werde noch einmal die schönste Perle der Kolonien werden, jedoch müsse dafür auch etwas ge­tan werden. (Beifall rechts.) Abg. Ahlhorn (fortschr.» wünschte die Errichtung eines Diamantenmarktes in Berlin. Staatssekretär Dr. Solf lehnte dies ab und sagte Abhilfe bei manchen Mißständen zu. Eine Denk­schrift über das Schulwesen werde vorbereitet. Eine Versorgung des heimischen Schlachtviehmarktes sei nicht zu erwarten. Der natürliche Absatzmarkt sei Südafrika.

Wetteraussichten für Sonntag den 22. März.

Bewölkung abnehmend, trocken, tags mild, nachts kühler, südwestliche bis südliche Winde.