Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Kreirblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 68.
Sonnabend, den 581. März
1914.
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Bus der Heimat«
* (Me hr B e q u e m l ich ke i t i n üer 3. Kla s i e.) Die Eisenbahnverwaltung will nunmehr auch für die Bequemlichkeit der Reisenden dritter Klasse sorgen. Sie plant da erhebliche Verbesserungen. Zunächst werden alle neuen D-Wagen dritter Klasse größer als die bisherigen gebaut werden. Außerdem sollen zur Bequemlichkeit der Fahrgäste Armlehnen angebracht und die Sitzbänke gefälliger ausgestattet werden. Mit all diesen Dingen wird sich eine Konferenz der Wagenausschüsse der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen beschäftigen, welche in dieser Woche zusammentreten wird. Im Programm dieser Konferenz steht bereits eine Probefahrt zwischen Berlin und Halberstadt mit den neuen D-Zugwaren.
-a- Hersfeld, 20. März. (Frühlings Anfang.) Am 21. März tritt die Sonne in das Zeichen des Widders, und damit hält KönigLenz seinen offiziellen Einzug. Sein eigentlichstes Wesen und Willen bedeutet neues Leben, neue Kraft. In der dunklen Ackererde regt sich's und reckt sich's,' in Gärten und Wäldern lugt das erste zarte Grün hervor, und die kleinen Schneeglöckchen haben das alles schon eingeläutet. In den Lüften jubelt die Lerche ihre Willkommensgrüße, mit vielstimmigem Konzert begrüßen in den Wäldern die kleinen gefiederten Sänger den einziehenden Herrscher, und Frau Sonne lacht dazu und möchte alle verstaubten und verkühlten Menschenseelen mit starken, neuen Willenstrieben beglücken. Mit dem Frühling ist Frühlingshoffnung und Frühlingsglaube aufs engste verbunden. Novalis pries in solchem Zusammenhang den „stillen, weissagenden Geist unendlicher Hoffnungen, im Vorgefühl vieler frohen Tage, die Ahnung höherer ewiger Blüten und Früchte und die dunkle Sympathie mit der gesellig sich entfaltenden Welt." Zum Frühling gehört weiter dre Frühlingspoesie mit ihrem himmelblauen romanischen Zauber, und wer möchte sich ihr nicht auch und willig hingeben! Innerlich am ^Ht der Lenz natürlich der Jugend,' Ge- .?^benskraft ist ja seine Art. Aber wer n^uu auch die Jugend längst ver- "och jung, und frisch zu erhalten, der treut geb mit dem Frühling und geht seinen Weg weiter mit frohgemuten, weltoffenen Sinnen. So möge er denn einziehen, der holde Lenz! Wir wollen mtt seiner ganzen Poesie, in der so viel Wahrheit steckt.
m „Treysa, 19. März. Ein zweiundsiebzigjähriger Bräutigam ließ sich auf dem hiesigen Standesamt einschreiben. Der Heiratslustige war bis jetzt Junggeselle und freit eine dreißigjährige Jungfrau.
Fulda, 18. März. Die Gewerkschaft Ellers im Kreise Fulda hat fortgesetzt Pech beim Teufen des Schachtes, der schon ungeheure Summen verschlungen hat. Die Hoffnung, daß der Wassereinbruch endlich abgeschlossen sein werde, erwies sich als trügerisch. Es sind bis 303,65 Meter Bohrung Tübbings ein- gebaut. Beim Weitertäufen bis 320 Meter über- raschten nochmals nicht unerhebliche Zuflüsse aus einer Alust, dre bis dicht an den Schacht heranreicht. Die Arbeiten mußten ausgesetzt werden, um dem eingepreßten Zement Zeit zum Abbinden zu lassen.
Beim Nachbohren zeigten sich immer noch kleine Zuflüsse.
Unterliederbach, 18. März. Bauunternehmer Beinert hatte das Glück, am Tage vor der Wahl der Gemeindevertretung zur 3. Klasse zwei Häuser zu verkaufen. Da es den Sozialdemokraten nicht gelang, einen Vertreter zu bekommen, der nach der Landgemeindeordnung Grundbesitzer sein mußte, so wurden schnell zwei Häuser gekauft. Besitzer der Häuser wurden Kaufmann Bier und Bäcker Brönner. Kaufmann Bier zahlte 16 000 Mk. und Bäcker Brönner 20 000 Mk.
Göttingen, 19. März. Gegen mittag explodierte heute im physikalisch-chemischen Institut der Universität unter heftigem Knall ein Acetylenapparat. 2 Personen, Angestellte des Instituts, wurden verletzt, davon der Mechaniker Schlicht schwer im Gesicht, sodaß er in die Klinik transportiert werden mußte.
Niederkaufnngen, 19. März. Der in der Eisenbahnwerkstätte zu Cassel-R. beschäftigte, jung verheiratete Schlosser Kohlhaase stürzte bei der Arbeit von der Lokomotive herunter und zog sich schwere innere Verletzungen zu. Obschon er auf seinen Wunsch durch die Kriegersanitätskolonne in seine hiesige Wohnung gebracht wurde, wurden im Laufe der Nacht die Schmerzen so heftig, daß er heute morgen ins Krankenhaus nach Cassel gebracht werden mußte. Es ist wenig Hoffnung, sein Leben zu erhalten.
Mühlhausen bei Homberg, 18. März. Heute vormittag überflogen zwei Aviatik-Doppeldecker unser Dorf, von denen sich einer zur Landung auf den Wintersaatfeldern der Gemarkung Lembach entschloß. Von Nah und Fern waren große Menschenmengen । — r i i u
herbeigestrümt, um sich die st Seltenheit anzusehen. rlDQSOrClDBtßDOQUS«
Die Flieger-zwei Offiziere des Luftschifferbataillons e f ,
Darmstadt — hatten sich Cassel zum Ziele gesteckt, ver- Am Donnerstag setzte das Haus die Beratung des loren aber in Borken die Orientierung und sahen Eisenbahn-Etats fort. Abg. Wittrock (Forschr.) wünschte sich, zumal auch der Benzinvorrat auf die Neige ging, eine Erweiterung der Bahnhofsanlagen in Flensburg. zu einer Notlandung gezwungen. Dieselbe ging trotz I Ministerialdirektor Dörner teilte mit, daß der Ber- der schwierigen Terrainverhältnisse gut vonstatten. schiebebahnhof bereits offiziell genehmigt sei. Die Abgg.
Gießen, 19. März. Große Unwetterschäden sind ^^ in Oberhefsen, zu verzeichnen. Das Talgebiet des Tempelhof in Sie ühernKebei^ ^ Wagner (freik.) wünschte neue Eisenbahtthalte^tellcn
überall bedeutenden schaden anlichütc. tn Breslau, Abg. Wenke (Fortschr.) einen) Tunnelbau
Eisenach, 19. März. In dem aufsehenerregenden in Hirschberg. Für eine Verbesserung der Bahnhofs- Konkurs über das Vermögen der früheren Lotterie- anlagen in Görlitz sprach Abg. Haase (Fortschr.), in bank Gustav Seiffert in Eisenach belaufen sich nach Wilhelmshöhe Abg. Heins (Hosp. d. Kons.) in Grau- entgültiger Feststellung die Passiven auf 1700 000 Mk. I denz Abg. v. Conrad-Fronza (freik.). Aehnliche lokale Die Aktiven bestehen in der Hauptsache in Grund- Wünsche äußerten die Abgg. Marx (Ztr.), Eickhoff stücken mit Gebäuden, von denen allein vier in Cassel (Fortschr.), Dr. Cremer, Dr. Wendland, Wolff-Biebrich belegen sind. Die Höhe der Aktiven läßt sich erst (Natl.), Wohlfahrt (Natl.). Minister v. Breitenbach nach Verkauf der Gebäude sicher feststellen. erwiderte dem Abg. Oeser (Fortsch.), daß die Ver-
ia Ntär^ Nei dem anbaltenden I waltung auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Stadt R-o-nw°Ucr ist D» »ÄÄ ^^M^r^» SS S befferungen in Forst i. L„ Abg. Dr. Arendt (freik.)
geht brs «achtel das man^ eine Ueberdachung des Bahnhofs in Eisleben, Abg.
K «V Ä Dr- Jrmer (kons.) den Ausbau des Bahnhofs in Dessau,
Kubikmeter WasierlmTatzperrveck^ ElN Abg. Dr. Band (kons.) den Ausbau der Bahn bei
m™91 Ä der S r ?um Ersten Dobrilugk und Finsterwalde im Interesse der dortigen
Berge Gestern wurden. an der Mauer zum^ersten 3ubuftrie. Nach weiterer, kurzer Debatte, an der sich Mal die oberen Durchlaiw ge^ bte Abgg. Dr. v. Campe (Natl.), Rehren (freik.) Peter
?n£Ui&MÖ^ ^as Wasie?^Mauer herab lZtr.) Graf Praschma (Ztr.), v. Wenden (fonfO be-
noch hören kann, schießt da^ lasier dre Mauer herab. tetligten, war der Eisenbahn-Etat erledigt. Es folgte
Biedenkopf, 17. März. Auf der Grube Bauten- die Beratung des Grundteilungsgesetzes in Verbin- berg im Siegerland wurde gestern der Bergmann W. dung mit den Anträgen Freiherr von Zedlitz (freik.) Roth aus Wilgersdorf durch abstürzendes Gestein zur Erhaltung des Bauernstandes und eines ähn- getötet. lichen nationalliberalen Antrages Boisly, ferner den
______________________ nationalliberalen Anträgen auf Landarbeiteransie-
~ belangen und Schaffung von Allmenden, Schaffung
Deutscher KeiCDStaCL von klein- und Mittelbäuerlichen Betrieben, Förderung
3 der inneren Kolonisation, die zusammen 800 Millionen
An der Donnerstagssitzung gedachte Präsident Dr. für diese Zwecke verlangen, und schließlich ein fort- Kaempf zunächst der Geburt des Erbprinzen von schrittlicher Antrag, der auf einmal 300 Millionen zur Braunschweig und erbat und erhielt die Ermächtigung, Förderung der inneren Kolonisation fordert. Land- die Glückwünsche des Reichstages auszudrücken. Auf wirtschaftsminister von Schorlemer begründete den der Tagesordnung stand der Etat für Ostafrika. Abg. Entwurf, der schwerwiegende und weitgehende Be- Erzberger (Rtr.) wies die Angriffe zurück, die man stimmungen bringe. Er solle in erster Linie der an ihn wegen seiner Haltung gegen die Plantagen- inneren Kolonisation dienen. Es gelte, den unheil- besitzer in der Presse gerichtet hatte und betonte, daß voll wirkenden Güterparzellanten einen Riegel vor- er lediglich amtliches Material über die Behandlung zuschieben, der reelle Vermittler solle aber nicht ge- der Schwarzen auf den Plantagen benützt habe. Des troffen werden. Der Entvölkerung des platten Landes weiteren fragte er, ob der Grugerlaß des früheren müsse durch Ansetzung von ländlichen Arbeitern und Gouverneurs v. Wrochem noch in Kraft sei. Staats- Vermehrung der bäuerlichen Stellen entgegengewirkt sekrctär Dr Solf verneinte dies und betonte, daß den werden. Das Verkaufsrecht stelle keinen Eingriff in Schulfragen volle Aufmerk, am kett zuteil werde, das private Eigentum dar. Das gerade befürchtete Sklavenraub und Handel seien m,t Erfolg unterdrückt Abg. Dr. v. Kries (kons.), der die Bedenken seiner worden. Schwierig sei es, dre richtige Arbeitsform Freunde gegen manchen Punkt des Entwnrfs zum für ganz Afrika zu sinden Die Abfchaffung der Ausdruck brächte. So sei besonders auch das Rück- Sklaverei zum Jahre 1920 halte der Gouverneur im trittsrecht zu prüfen. Er schlug eine Kommission von Gegensätze zum Reichstage nicht für durchführbar. 28 Mitgliedern vor und gab der Hoffnung Raum, daß Hoyentlich lasse sich ein Ausgleich finden. Abg. sich eine Mehrheit finden möge, um dem Entwurf m Keinath (nl.) sah in der Tanganfikabahn ein Kampf- annehmbarer Form Gesetzeskraft zu geben. Nächste Mittel für die wirtschaftliche Eroberung Zentralafrikas, I Sitzung Freitag 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß ^ Uhr.
während Abg. Bruckhoff (fortschr.) vermehrte Fürsorge für die Lehrer in den Kolonien wünschte. Der Etat wurde schließlich genehmigt und die 3tefolutionen der Budgetkommission betr. Erlaß von Arbeiterschutzbestimmungen und Herausgabe einer Uebersicht der Besitz- und Pachtverhältnisse wurden angenommen. Es folgte der Etat für Südwestafrika. Im Mittelpunkte der Erörterung stand die Diamantenfrage. Abg. Hoch (Soz.) verlangte eine öffentliche Ausschreibung der Diamantenförderung unb die Aufnahme von Fachleuten, besonders eines Vertreters der Diamantenarbeiter in die Regie. Des Redners Anschuldigung, die jetzigen Leiter der Kvlonialverwaltnng haben betrügerische Manipulationen geduldet, wies Staatssekretär Dr. Solf energisch zurück und bezeichnete sie unter großer Unruhe der Sozialdemokraten als Verleumdung. Der Abg. Hoch habe trotz seiner (des Redners) entgegengesetzten Erklärungen in der Kommission derartige Behauptungen aufgestellt. Ehe der Abg. Hoch behaupte, daß er (Redner) mit dem Aufsichtsrat der Regie in betrügerischer Weise unter einer Decke stecke, sollte er einmal das Geschäft kennen lernen. Die Regierung habe mit den Förderen einen fchweren Kampf gekämpft, der aber zur Versöhnung geführt habe. Daher sollte der Frieden nicht von neuem gestört werden. Abg. Erzberger (Ztr.) bat den alten Streit ruhen zu lassen und verlangte die Heranziehung der Konzessionsgesellschaften. Staatssekretär Dr. Solf nahm noch einmal das Wort und erklärte, daß er nach Einsicht in das Stenogramm der Rede des Abg. Hoch das Wort Verleumdung nicht anfrecht- erhalten könne, da die Rede lediglich hypothetische Form hatte. — Freitag Fortsetzung.