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neu, was es ist, denn das Gefäß ist undurchsichtig. Jetzt kann man nicht mehr widerstehen, man erstickt fast und hustet furchtbar, bis der Vorgang vorüber ist. Wider Willen rinnen einem die Tränen aus den brennenden Augen. Schließlich zieht der Arzt mit einer kräftigen Bewegung das Rohr wieder heraus, die sich anfühlt, als bekäme man einen Peitschenschlag ins Gesicht, der Rest der Flüssigkeit spritzt einem über das Gesicht, der Arzt geht schnell davon, die Wärterinnen lassen los, keuchend, taumelnd und halb betäubt sucht man sich auf sich selbst zn besinnen, man bringt seine Kleidung wieder in Ord­nung und setzt sich, wenn man dazu noch die Kraft hat, vor die weiße Wand und wartet sieben Stunden, bis die Folter von neuem beginnt."

Eine Folter, die wie Mary Richardson hinzuzu- siigen vergißt die Suffragetten sich mit ihrem Hunger­streik freiwillig auferlegen!

Vermischtes.

Deutsche Turnerschaft und die Alkoholaegner. In einer vom Verband zur Bekämpfung des Alkoholismus in Stettin einberufenen Versammlung war beschlossen worden, den Ausschutz der Deutschen Turnerschaft zu er- suchen, die Ablehnung abstinenter Turnvereine in der Deutschen Turnerschaft zurückzunehmen. Dazu erklärt jetzt der Ausschutz der Deutschen Turnerschaft:Die Deutsche Turnerschaft hat nie die Aufnahme abstinenter Turnvereine zurückgewiesen. Sie tat vielmehr alles, was in ihrer Macht liegt, um ihre Mitglieder vor Un- mätzigkeit und Genutz geistiger Getränke zu bewahren. Einen Antrag aber, innerhalb der Deutschen Turner- schaft die Begründung eines abstinenten Turnverbandes zu genehmigen, hat der Ausschutz der Deutschen Turner- schaft ablehnen müssen, weil er von einem solchen inner­halb der Turnerschaft stehenden Verband Agitationen befürchtete, die den Frieden zu stören geeignet sind."

Von dem Massenmörder Wagner aus Degerloch hat Prof. Wollenberg kürzlich im Kolleg eine psychiatrische Zeichnung entworfen, die man nicht ohne Interesse lesen wird; er sagte den Studenten:Sie wissen alle, datz ich von jedweder Sentimentalität völlig frei bin. Aber ich muß doch zugestehen, daß ich beim Anblick dieses Man­nes, den ich mir nach all den Zeitungsberichten so ganz anders vorgestellt hatte, tief erschüttert war. Als etn feingebildeter, philosophischer Kopf stellte er sich dar, der als eine besonders sensible Natur auf feinste Stinnnun- gen reagierte. Rein äußerlich war der Vierzigjährige schlank und von zartem Körperbau, und besonders sta­chen die feinen Gesichtszüge hervor. Auffällig blieb nur das frühzeitige Ergrauen dieses Mannes. Sein Beneh­men war ruhig und höflich, und er beantwortete die an ihn gestellten Fragen mit großer Zuvorkommenheit. Von feiner Familie sprach er mit großer Wärme, und dieses Gesprächsthema versetzte ihn in große Trauer, die ihm eine Tränenflut auslöste. Nur dann, wenn auf denFall in Mühlhausen" die Sprache kam, geriet er in außeror­dentliche Erregung, die er kaum zurückzuhalten ver­mochte. Wagner lebte völlig interesselos an der Seite seiner ungebildeten Frau und war zufrieden, wenn er nur seiner dichterischen Neigung nachhängen konnte. Frau Wagner schätzte diese Tätigkeit ihres Mannes ge­wiß nicht hoch ein; sie hatte nur ein mitleidiges Achsel­zucken, wenn die Kinder ihr geheimnisvoll ins Ohr raun­ten:Mutter, 's Vatterle dichtet!" Im übrigen galt Wagner allgemein als guter Familienvater. Nacht für Stacht saß er über seinemWerk", für das er einen bis ins kleinste ausgearbeiteten Plan angelegt hatte. Es war der Plan,alles, was Wagner heißt", zu vertilgen."

Derelektrische Briefkasten". Ein merkwürdiges Erlebnis hatten am Dienstag in später Abendstunde die Passanten des Moritzplatzes zu Berlin. Dort ist an ei­nem Haus, auf dessen Dach sich eine große Lichtreklame befindet, ein Briefkasten angebracht. Als eine Frau einen Brief in den Kasten werfen wollte, erhielt sie einen leichten elektrischen Schlag. Ebenso erging es anderen Personen, die in die Nähe des Kastens kamen und über die Platten, die einem Schaufenster vorgelagert sind, Hinwegschritten. Bald stellte sich heraus, daß eine Ka­belleitung der Starkstromleitung für die Lichtreklame ruf dem Dach defekt geworden war, sodaß sich der Strom den eisernen Platten an den Souterrainfenstern des Hauses und dem Briefkasten mitteilte. Der Platz vor dem Hause war einige Zeit von Schutzleuten abgesperrt.

Was dasGesundbeten" kostet. Das Treiben der Gesundbeter, dem die beiden Berliner Künstlerinnen Nuscha Butze und Fräulein von Arnauld zum Opfer fie­len, wird von vielen Leuten als Ausfluß einer besonde­ren uneigennützigen Frömmigkeit angesehen. In Wirk­lichkeit aber machen dieGesundbeter" gar nicht so schlechte Geschäfte; sie lassen sich pro Gang mit mehre­ren Mark bezahlen; allerdings geben sie auch Abonne­ments für Woche und Monat. Dabei wird die unbe­dingte Hingabe an die Sekte, der vollkommene Bruch mit den früheren Freunden streng gefordert. Die Schwester" Oestreich forderte für die Behandlung der Nuscha Butze allein 70 MarkPflegegelder"; sie bean­spruchte nämlich außer freier Station monatlich 150 Mk. Die Honoraransprüche der ihr bei derPflege" behilf­lichen Damen Ahrens und Hüsgen dürften wohl eine ähnliche Höhe erreichen. Ueber die Art, wie Nuscha Butze zu den Gesundbetern kam, wird demB. Lok.- Anz." folgendes geschrieben: Die Künstlerin war be­kanntlich seit Jahren leidend und wurde ihres Grund- leidens, der Zuckerkrankheit, wegen von ihrem Haus­arzt durch strenge Diät behandelt. Sie befand sich nach einem fünfwöchigen Aufenthalt in Mergentheim m Württemberg sehr gekräftigt, als sie eines Tages in Berlin auf der Straße eine Dame traf, von der ihr .u»ar, daß diese wenige Monate vorher für gei- LErank erklärt worden war. Auf die Frage Nujcha

Ls^ Ihr gehe, erklärte die Dame, daß sie sich « Haß sie ihre Gesundheit derGe- ^-s?/IE verk^nke. Diese überraschende Heilung der fnn^hpr die Schauspielerin, sich eben- sallv derGesundbeterei" zuzuwenden.

Die Behörden

Brandt, dem eine Erbschaft von anderthalb Millionen zugefallen ist. Brandt ist 1878 ge- beren, hat seine Schulzeit in Maastricht in Holland ver-

MNg, zwanzigjährig, zur holländischen Ko- lonialarmee, aus der er wegen Widersetzlichkeit entlassen wurde. Er hielt sich dann bei Bekannten in Maastricht auf und erklärte, in den Kohlengruben bei Heerlen in der Nahe von Aachen Arbeit suchen zu wollen. Seitdem ist er verschwunden. Für Brandt hat ein in Nürnberg verstorbener Herr testamentarisch anderthalb Millionen Mark festgelegt. Alle Nachforschungen nach dem Erben sind bisher vergeblich gewesen.

Der Wert des Kommas. Ein Schulinspektor erschien bei dem Bürgermeister einer kleinen Stadt und bat denselben, ihn auf einer Jnspektionstour durch die Schu­len zu begleiten. Der Bürgermeister war schlechter Laune, und während er in das andere Zimmer trat, um sich zum Ausgehen bereit zu machen, hörte der Schul- inspektor ihn vor sich hinbrummen:Möchte wissen, was der alte Esel hier schon wieder will!" Der Inspektor sagte nichts, sondern wartete den geeigneten Moment M mrd beggb sich M tzM Bürgermeister auf die Tom.

In der ersten Schule wünschte er die Fortschritte der Schüler in der Interpunktion zu sehen.Wir fragen nicht viel nach dem Komma und solchen Kleinigkeiten," brummte der Bürgermeister. Der Schulinspektor schickte einen Knaben an die Wandtafel und befahl ihm, zu schreiben:Der Bürgermeister von Ritzebüttel sagt, der Jnsektor sei ein Esel." Dann befahl er dem Schüler, das Komma zu versetzen, indem er es hinter das Ritzebüttel setzen solle, und noch ein zweites nach dem WorteIn­spektor", worauf der Knabe schrieb:Der Bürgermeister von R., sagt der Inspektor, sei ein Esel." Wahrscheinlich änderte der Bürgermeister hierauf seine Ansicht über den Wert des Kommas und solcher Kleinigkeiten.

Das Heiligtum. Die Szene spielt in einem Omni­bus. Sieben einer vornehmen Dame sitzt ein kleiner Junge und schnaubt und schnaubt abscheulich, ohne sich eines Taschentuchs zu bedienen. Schließlich wird die Dame nervös, sie kann es nicht länger mit anhören. Zu dem kleinen Fahrgast gewandt, sagt sie:Junge, hast du kein Taschentuch?" Der Junge sieht sie eine Weile miß­trauisch von der Seite an; dann antwortet er nicht ohne Würde, aber doch ablehnend:Jawohl, ich habe eins, aber ich verborge es nicht an Fremde."

Schwerverbrecher als Nachtwächter. Zwei Privat- nachwächter, Vater und Sohn, fielen in Rom nachts aus offener Straße über einen Kameraden her und richteten ihn mit Stöcken und Totschlägern übel zu. Um sein Leben zu retten, zog der Ueberfallene seinen Revolver und schoß auf seine Angreifer, die beide, in die Schläfe getroffen, aus der Stelle tot niederfielen. Die Untersuchung ergab, daß Konkurrenzneid die Triebfeder des Ueberfalles war, und weiter stellte sich die verblüffende Tatsache heraus, daß alle drei Wärter die Toten sogar neunzehnmal vorbestraft und bei der Kriminalpolizei als höchst ge­fährlich vermerkt waren.

Znrückgegeben. A.:Mein Herr! Sie scheinen ab­solut nicht zu wissen, was sich gehört. Ich habe zu Hause KniggesUmgang mit Menschen"; ich will Ihnen das Buch auch acht Tage leihen!" B.:Sehr gütig! Kön­nen Sie es denn so lange entbehren? Ich würde gerne so lange warten, bis Sie es nicht mehr brauchen."

Der gebildete Lehrling. Lehrling:ne Empfehlung von meinem Meister an den Herrn Schlossermeister uno er ließ um den großen Hammer bitten." Die Meiste­rin:Da könnt uns jeder kommen! Js nich! Scher Dich 'raus!" Lehrling:Das ist nicht schlecht! Da hab' ich beim Gang zum Eisenhammer gleich 'n Kampf mit'm Drachen!"

Strenges Regiment. Aeltere Dame:Schwieger- mütterwitze finde ich albern. Ich habe fünf Schwieger- söhne, und noch keiner hat sich über mich lustig gemacht!"

Mit dem Tod um die Welle.

Die Krankenfahrt eines Dollarkönigs.

Ein Vorgang, der einem amerikanischen nervenauf- wühlenden Sensations-Kinodrama nicht unähnlich ist, hielt vor kurzem die Kalifornier in atemloser Span­nung. Dies umsomehr, als es sich dabei um eine der populärsten Persönlichkeiten des schönen Südstaates handelte, der jedem Kalifornier eine bekannte Erschei­nung ist. Der totkranke Multimillionär von Battle Creek, C. W. Post durchrast die Bereinigten Staaten im eigens für ihn bereitgehaltenem Sonderzug, mit dem Tode um die Wette, um einem verhängnisvollen Ge­schick zu entgegen, ja Freund Hein lügen zu strafen. Die Aerzte von Santa Barbara haben den schwerkranken millionenreichen Mann bereits aufgegeben, nur eine be­schleunigte Operation, von der geschickten Hand des be­rühmtesten Spezialisten des Landes kann nach ihrem Urteil dem mit dem Tode Ringenden noch Hilfe bringen, und auch dies nur, wenn der chirurgische Eingriff inner­halb 24 Stunden ansgeführt wird.

Der Krösus von Battle Creek aber hängt zäh am Leben und will sich nicht so leichten Herzens in das Un­abwendbare fügen. Er bestellt einen Spezialzug für 25 000 Dollar, der alle Bequemlichkeiten aufweist, die für den Transport eines Schwerkranken erforderlich sind, Schlafwagen für die begleitenden Aerzte und die Krankenschwestern. Einzige Bedingung ist nur, daß der Zug mit der höchsten Geschwindigkeit, die er überhaupt aufbringen kann, durch das Land fliegt, denn hier geht es um den Tod. Rochester im Staate Minnesota mit der berühmten Klinik der Mayo Brothers ist das Ziel der grausigen Jagd.

Und wirklich, der Zug durcheilt mit Windeseile die Staaten. Unerhörte Schmerzen peinigen den totge­weihten Dollarfürsten, zu immer größerer Geschwindig­keit peitschen die Aerzte die Lokomotivführer, fast geben sie schon die Hoffnung auf, den Kranken noch lebend nach Rochester zu bringen. Aber das Wunder gelingt! In weniger als 22 Stunden hat der Zug die gewaltige Strecke hinter sich gebracht, die sonst fast das doppelte an Zeit erfordert. Am Bahnhof wartet schon das Auto­mobil der Klinik, das den Kranken aufnimmt. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren, denn die Blinddarment­zündung ist auf der Todesfahrt von Kalifornien her na­türlich weit vorgeschritten. Die Aerzte verhehlen sich kaum, daß eine Operation nur wenig Raum noch für eine Hoffnung läßt. Aber man will nichts unversucht lassen, und so nimmt denn der Chefarzt Dr. Mayo die

Operation vor

Nun das Erstaunliche, der Totkranke überstand dank einer starken Konstitution den Eingriff gut, verfällt in einen tiefen Schlummer, das erste Anzeichen für die überwundene Krisis, und noch einmal ist der Geld­magnat der würgenden Hand des Todes entrissen! Er befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung und dürfte bald die Klinik verlassen können. Fürstlich be­lohnt hat er die Lokomotivführer, dce eigentlich die recht­zeitige Vornahme der Operation erst ermöglicht hatten.

Die Schwindlerin in Schweslerlrachl.

In Hirschberg i. R. wurde eine Hochstaplerin ver­haftet, die es verstanden hatte, einem Berliner Rentier während anderthalb Jahren größere Summen, insge­samt etwa 21000 X aus der Ta che zu locken. Im Herbst 1912 lernte der in einem westlichen Berliner Vororte wohnende Rentner eine Dame in Schwesterntracht kennen, die durch ihr weltgewandtes Auftreten, ihre interessanten Erzählungen über Reisen nach England und Frankreich und die noKitantnge Beherrschung der Sprache dieser beiden Länder einen recht vertrauener­weckenden Eindruck machte.,L-chwester Erna" gehörte angeblich einem Krankenhause in Leipzig an, wollte aber versuchen sich an die Charttee nach Berlin versetzen zu lasten. Daß einer ihrer Brüder Offizier und sie selbst im Besitze eines Vermögens von über hunderttausend Mark sei das in Hypotheken angelegt sei und zum Som­mer 1914 flüssig werde, ließ sie nebenbei in die Unter- Haltung einflteßen. daher die gastlichen Pforten des Rentiers als sie vier Wochen später in seiner Woh­nung erschien und erzählte, ihr Wunsch, an die Charitee nach Berlin versetzt zu werden, sei erfüllt, und sie be­finde sich jetzt au der Wohnungssuche.Schwester Erna" mietete im selben Hause ein Zimmer, und eines Tages, im November, hatte sie ihren 25. Geburtstag, obwohl

sie im Mai vor 28 Jahren das Licht der Welt erblickt hatte. Sie feierte den Tag bei ihrem Hausherrn. Das Ergebnis war, daßSchwester Erna" gegen Weihnachten von ihrem 75 Jahre alten Wirt tausend Mark erbat. Weitere 1500 JL waren znur Erholung in einem Sana­torium erforderlich. Nach ihrer Rückkehr kränkelte sie jedoch unausgesetzt, sodaß Kuren auf Kuren notwendig wurden. Und da die großen Hypotheken erst zum näch­sten Jahre gekündigt waren, mußte der Rentier immer häufiger Beträge vorstrecken, die schließlich auf etwa fünfzehntauseud Mark anwuchsen.

Ende des Jahres traf aus Hamburg ein Brief einer anderenSchwester" ein, in dem diese mitteilte, sie habe vor Jahresfrist eine Operation an Schwester Erna vorge- nommen. Das sei jetzt bekannt geworden, sie habe darauf­hin ihre Stellung verloren und müsse nun über den gro­ßen Teich. Kostenpunkt: 5000 Mark. Als dann aber kurz vor Weihnachten Erna abermals tausend Mark für ein Sanatorium in Hirschberg verlangte und nach Er­halt unter Mitnahme ihrer sämtlichen sie belastenden Briefe verschwand und von dem nachreisenden Betro­genen zwar in Hirschberg, aber nicht im Sanatorium, sondern rodelnd angetroffen wurde, erstattete letzterer Anzeige. Man entlarvte sie jetzt als die 2Pührige Ehe­frau eines Oesterreichers namens Zeschko. Das Ehepaar wohnte in Rochlitz in Sachsen mit vier Kindern und hatte von dem ergaunerten Gelde ein Häuschen gekauft.

Schissskalaslrophe in der Nordsee.

Zusammenstoß eines Lloyddampfers mit einem Segler.

Der SchnelldampferKaiser Wilhelm der Große" des Norddeutschen Lloyd trat am Mittwoch zum ersten­mal nach seiner Neueinrichtung, die durch seine kürzlich beschlossene ausschließliche Verwendung im dritter Klasse- und Zwischendecksverkehr erforderlich geworden ist, mit über 000 Passagieren dritter Klasse und über 1500 Zwtschendeckspassagieren seine Reise nach Neuyork an. In der Nordsee hatte der Dampfer eine Kollision mit einem Dreimaster, wobei letzterer sank. Der Draht meldet dazu:

Mb Bremen, 19. März. Der DampferKaiser Wilhelm der Große" stieß gestern nachmittag in der Nordsee in der Nähe von Haaks-Feuerschiff mit einem Dreimastschoner zusammen. Das Segelschiff sank in fünfzig Minuten. Der Dampfer hielt sich etwa zwei Stunden lang in der Nähe des Schoners auf und suchte die Uiifaüftene ab, ohne etwas von der Mannschaft des gesunkenen Schiffes zu entdecken. Der Dampfer hat keine Beschädigung erlitten und setzte seine Reise fort. Der Name des Seglers ist noch nicht festgestellt.

yianhereieu des Grasen Wille.

Das frühere Projekt eines beutsch-russisch-französtscheu Bündnisses.

Mb Petersburg, 19. März, ©in hoher Staatswür- öenträger, in dem Graf Witte nicht schwer zu erkennen ist, hat einem Mitarbeiter derNowvje Wremja", dem bekannten deutsch-feindlichen Blatte, erklärt, er habe zweimal mit Kaiser Wilhelm über das Projekt eines detttsch-russisch-französischeu Bündnisses gesprochen. Bet einem Besuch in Petersburg habe Kaiser Wilhelm ihm erklärt, er wolle vor allem gute Beziehungen zu Eng­land aufrecht erhalten. Die Hauptgefahr bilde Amerika. Nach dem Abschluß des Friedens von Portsmouth sei der Kaiser für den Bündnisgedanken gewesen, habe aber gesagt, Frankreich müsse dazu von Rußland gezwungen werden, womit Witte nicht einverstanden war. Witte hoffte jedoch, feinen Gedanken zu verwirklichen. Js- wolskt schloß dann aber das Abkommen mit England. An dem von dem Blatte gestern prophezeiten Verfall Oesterreichs glaubt Witte nicht.

~ neuestes vom Cage.

Der Kaiser beim Marinestaatssekretär.

m Berlin, 19. März. Der Kaiser besuchte heute vormittag den Großadmiral von Tirpitz, der heute set- tten 65. Geburtstag feiert.

Schwerer Reitnufall eines Oberstleutnants.

_ m> Berlin, 19. März. (B. Z.) Der Direktor der Militäreisenbahn Oberstleutnant Alberti ritt heute vor- mittag über eine Brücke, als das Pferd ausglitt und sich überschlug. Alberti erlitt schwere Verletzungen am Kopf außerdem wurde ihm ein Arm ausgerenkt.

Der verhängnisvolle Steinwurf.

m> Halle, 19. März. Vor etwa 8 Tagen wurde, wie dasVolksblatt" meldet, der 7jährige Junge einer Familie in Nietleben von einem anderen Knaben durch einen Stein derartig an die Nase getroffen, daß das Nasenbein und mehrere Blutgefäße verletzt wurden. Vor einigen Tagen klagte der Kleine über heftige Kopf­schmerzen, sodaß er einem Halleschen Krankenhause zu­geführt werden mußte, woselbst er jetzt infolge dieser Verletzung verstorben ist.

Die Todesfahrt im Motorboot.

m> Hamburg, 19. März. (B. Z.) Der Vertreter der Levantelmie in Cavalla namens Schlerf machte gestern eine Probefahrt mit einem Boote, das ihm auf seine Bitten vom DampferParnassos" zur Verfügung ge­stellt war, nach der Insel Tasos. Ihn begleitete ein Mechaniker. Auf der Fahrt explodierte der Motor und beide Insassen erstickten und verbrannten.

Ein Todesfall an schwarzen Pocken.

m> Hameln, 19. März. Auf der Domäne Schieder bei Blomberg in Lippe sind unter den polnischen Ar­beitern die schwarzen Pocken ausgebrochen. Einer der Erkrankten ist gestern abend gestorben und sofort be­erdigt worden. Ein anderer Erkrankter ist in das Det- molder Krankenhaus überführt worden.

Elsaß und Altdentschland.

«> Straßburg, 19. März. In der gestrigen Sitzung der Ersten Kammer erklärte der Straßburger Bürger­meister Dr. Schwander:Wir haben von unserem Ur­teil über Zabern nichts zurückzunehmen. Auch von der A"en Remerung verlangen wir, daß sie uns vor Will- kUr schützt. Wir protestieren gegen die Aufnahme, die die Resolution des Hames in Altdeutschland gesunden hat. Wrr müßen Front dagegen machen, daß alles, was hier geschieht in Altdeutschland als Hochverrat, Phrasen- dreicherei und als Ausfluß antinatiorcaler Gesinnung ge- brandmarkt wird."

Die Füße einer Tänzerin.

_ Neuyork 19. März. Nach einem Telegramm aus St. Louis hat sich die berühmte russische Tänzerin Anna Pawlowna gestern abend beim Tanze den Knöchel ge­brochen. Die Aerzte hoffen, den Fuß wieder gänzlich ^.Uen zu können. - Jeder Fuß der Tänzerin ist mit 500 000 Mark versichert.

Massenhinrichtuna mexikanischer Rebellen.

Mb Nenyork, 19. März. DieEvening Sun" meldet aus Mexiko, daß in Jojutla bei Juarez 149 Meuterer gestern früh aus der Kaserne der Bundestruppen auf freies Feld geführt und erschossen worden sind. Die Massenexekution dauerte nur eine halbe Stunde. Die Leute wurden in Abteilungen von 12 Mann vor einen Sandhaufen geführt und erschossen. Die Leichen wurden alsdann in ein gemeinsames Grab geworfen.