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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bszugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ^--------------------------

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für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeil^ 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 65

Mittwoch, den 18. März

1914

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* Die außerordentlichen Leistungen unserer Flieger in der letzten Zeit haben Deutschland auch im Flug­wesen mit in die erste Reihe gerückt. Um diesen Platz zu behaupten, gilt es jetzt vor Allem, einen tüchtigen, zuverlässigen Führersatz heranzubilden und zu erhalten. Dies kann nur geschehen, wenn man denen, die täglich und stündlich Leben uno Gesundheit einsetzen, durch geeignete Fürsorgeeinrichtungen die Gewißheit gibt, daß für sie und ihre Angehörigen im Fall des Unglücks und der Not gesorgt ist. Diese große nationale Auf­gabe einzuleiten, hat derLu f t f a h r e a n k" über­nommen, der zur Aufbringung der Mittel auf die Gebefreudigkeit des gesamten deutschen Volkes ange­wiesen ist. Der Luftfahrerdank versendet nun zur Zeit an alle bemittelten Kreise Wohlfahrtsmarken und bittet, seine Bestrebungen durch einen kleinen Beitrag zu unterstützen. Wir möchten andrerseits diese Bitte nur auf das wärmste befürworten und hoffen gern, daß unsere Leser an diesem sozialen und nationalen Werk mitarbeiten und ein Scherflein zur Unterstützung verunglückter Luftfahrer beitragen werden.

* (Das Alter der Kinder aufderEisen- b a hn.) Es ist eitle trotz aller Warnungen noch immer beliebte Sitte verschiedener Reisenden, das Alter ihrer Kinder zu verringern und so für deren Beförderung eine billige halbe Fahrkarte zu lösen. Daß sich der be­treffende Reisende dabei des Betruges schuldig macht, wird wohl in den wenigsten Fällen überdacht werden. So gab auch kürzlich die Frau eines Monteurs aus Liesdorf, die von Frankfurt nach Saarbrücken reiste, das Alter ihres Kindes nicht richtig an und schädigte dadurch die Eisenbahn um 3.75 Mark. Das Schöffen­gericht in Kreuznach verurteilte die Frau wegen Be­trugs zu eine Geldstrafe von 10 Mark eventuell 2 Tagen Gefängnis.

* (Fürsorge für die Schuljugend während der Ferien.) Ein soeben an die Regie­rungen ergangener Erlaß des Kultusministers be­schäftigt sich mit den Veranstaltungen zur Fürsorge für die Schuljugend während der Ferien, als da sind Ferienkolonien, Ferienspaziergänge, Wanderfahrten, Ferienspiele, Milchausschank, Verabreichung von Brötchen und dergleichen mehr. Der Minister erklärt es für dankenswert, daß sich diese Wohlfahrtsein­richtungen in den letzten Jahren gemehrt haben: er spricht allen denen seine volle Anerkennung aus, die sich bemüht haben, in möglichst weitem Umfange die Ferien zu einer Zeit wirksamer Erfrischung für Leib und Seele zu machen, und er wünscht, daß diese und ähnliche Maßnahmen zum Wohle der Schuljugend mit allen geeigneten Mitteln unterstützt und verbreitet werden möchten.

§ Hersfeld, 17. März. Auf einer Kirmesfeier in Obergeis (Kreis Hersfeld) erschien im Tanzsaal plötzlich der Arbeiter Ferdinand Braun aus Asbach in der Verkleidung eines Pfarrers. Mit einem dicken aufgeschlagenen Buche, das die Bibel dartun sollte, kniete der Pseudopfarrer mitten im Saale vor einem Stuhle nieder und sprach ein Gebet, dessen Text und Inhalt schwere Gotteslästerungen darstellten. Im Hinblick auf die allgemeine Kirmesstimmung sah die Casfeler Strafkammer in ihrer gestrigen Sitzung die Handlungsweise des Angeklagten milde an und erkannte nur auf drei Wochen Gefängnis.

):( Hersfeld, 17. März. Der Kanzleibeamte Er n st 6, z- Zt. beim Königl. Amtsgericht in Hersfeld, ist mit dem 1. April d. Js. an das Königl. Landgericht i. in Berlin v ersetzt.

M £^l^lc^I 17; März. Infolge der anhaltenden Regenfalle der letzten Zeit sind H a un e und Fulda u &er die Ufer getreten und haben weite Strecken überschwemmt.

§ Hersfeld, 17. März. Am Freitag fand für das Gruppenwafferwerk der benachbarten Orte Bodes, Eitra, Sieglos und Oberhaun die Oeffnung der Offerten in Bodes statt. Die Beteiligung war eine reichliche. Der Zuschlag für die Arbeiten und Lie­ferungen wurde der Firma Schäfer & Neuert-Sontra erteilt, die Hochbehälter für Bodes, Eitra und Sieglos baut Maurermeister Wölbing-Hersfeld und den Hoch­behälter für die Gemeinde Oberhaun Maurermeister Schulz-Hersfeld.

-n- Widdershausen, 16. März. Hier war für den 19. März d. J. die Ergänzungswahl zur Gemeinde­vertretung angefetzt. Voraussichtlich wird sie an dresem Tage nicht stattfinden können, da in derWähler- uste verschiedene Unregelmäßigkeiten festgestellt

wurden. So ergab sich, daß mehr als 20 Wahl­berechtigte nicht eingetragen waren. Auch wurde ent­gegen den Bestimmungen der Landgemeinde-Ordnung den Wählern nur gestattet, sich zu überzeugen, ob sie in der Wählerliste eingetragen waren. Die Fest­stellung dagegen, ob sie auch der Reihenfolge nach am richtigen Platze standen, wurde ihnen teilweise ver­weigert. Wie man hört, soll aber nicht allen die ge­nauere Einsicht in die Liste verweigert worden sein. Auf Anordnung des Kgl. Landratsamtes muß nun eine nochmalige Auslegung der Liste erfolgen.

-n- Goßmannsrode, 17. März. Die Arbeiten und Lieferungen für unser neu zu erbauendes Wasserwerk wurde der Firma W. Karl Rosenberg-Hersfeld über­tragen und sollen sofort begonnen werden.

Fulda, 16. März. In der Sommerresidenz der Landgräfin von Hessen, auf Schloß Adolfseck, brach heute in einem der Oekonomiegebäude Feuer aus, das bei starkem Wind und reichlicher Nahrung schnell an Ausdehnung zunahm. Die Feuerwehren aus Fulda und den umliegenden Ortschaften be­kämpften den Brand, der leicht dem Mittelbau des kostbar eingerichteten Schlosses zum Verhängnis hätte werden können. Eine der Brandstiftung verdächtige 19jährige Magd des Wirtes Stock ist verhaftet.

Cassel, 16. März. Die Handwerkskammer für Hessen und Waldeck hielt heute ihre diesjährige Voll­versammlung im Sitzungssaale der Versicherungsan­stalt ab. Der Vorsitzende der Kammer, Herr Ober­meister Zimmermann warf in seiner Begrüßungs­ansprache einen Rückblick auf den geschäftlichen Verlauf des letztverflossenen Berichtsjahres, das trotz der zweifellos guten Ernte für das Handwerk ein sehr ungünstiges gewesen sei. Das Handwerk sei sehr schwach beschäftigt gewesen. Ueberäll habe in Europa sowohl wie in Amerika große Geldknappheit ge­herrscht. Kriegsnot und Kriegsgefahr hätten überall lähmend gewirkt. Redner gedachte des geschlossenen Auftretens des heimischen Handwerks bei der Jahr­tausendfeier der Stadt Cassel und der Erinnerungs­feier von Leipzig. Es habe bei beiden Gelegenheiten gezeigt, was es könne. Trete es mit der gleichen Entschlossenheit und Einmütigkeit auch im wirtschaft­lichen Kampfe auf, müsse es auch wieder seinen goldenen Boden finden. Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß bei den gewerblichen Arbeiten, die durch die Heeresvermehrung erforderlich würden, auch das Handwerk zu angemessenen Preisen in ent­sprechendem Umfange bedacht würde. Redner schloß mit einem Hoch aus unsere deutschen Fürsten, die es verstanden, die drohende Kriegsgefahr des Vorjahres abzuwenden.

Cassel, 17. März. Die gestrige Schwurgerichtsver­handlung gegen denBankier" Alexander Schnell nahm insofern einen etwas überraschenden Ausgang, als der Angeklagte, obwohl er der schweren Urkunden­fälschung in Verbindung mit versuchten Betruges unter Versagung der mildernden Umstände für schuldig befunden worden war, doch nur zu 6 Monaten Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe oder je einen weiteren Tag Gefängnis für je 5 Mark verurteilt werden konnte. Wie der Herr Vorsitzende in der kurzen Urteilsbegründung ausführte, hätte der An­geklagte nach diesem Spruche der Herren Ge­schworenen Zuchthaus verwirkt und ihm wären mit Rücksicht auf seine ehrlose Gesinnung, die er bei der Tat bekundet hatte, auch die bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen worden, allein, da das Urteil des Schöffengerichts, das ihn am 30 September 1913 zu 6 Monaten Gefängnis und zu ->00 Mark Geldstrafe wegen einfacher Urkundenfälschung und wegen ver­suchten Betruges verurteilt hatte, noch vorlag, so konnte da seitens der Staatsanwaltschaft damals eine Berufung gleich dem Angeklagten nicht eingelegt worden war, auf eine höhere Strafe als die vom Schöffengericht erkannte gegen den Angeklagten nicht erkannt werden.

Gudensberg, 14. März. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich, wie schon kurz gemeldet, gestern gegen Abend im Wegnerschen Steinbruche. Die beiden Sprengmeister Dilcher aus Rtaden und denen ^ci- waWr Schaumlöffel aus

pulver gelegt, um eine steiumane zu losen. Da die Explosion nicht erfolgte, wollten sienacheiniger Zeit nachsehen, im selben Augenblick entlud sich der Lchuß und beide wurden ea. * Ritr. hoch geschleudert. -Lie erhielten schwere Verletzungen. D. hat das Rückgrat gebrochen und Verletzungen am ganzen Körper davvnaetraaen: bei beiden sind die Augen lehr in Äben® gezogen Nach Anlegung eines Not­verbandes wurden sie ins Rote Kretiz ge>chant.

Eisenach, 16. März. Im Eisenbahntunnel bei Marksubl würde der Tunnelwarter Gesang von einem Personenzug erfaßt, überfahren und furchtbar ver­stümmelt. Der Tod trat auf der ^teile ein.

Schmalkalden, 14. März. Gestern vergnügten sich auf der Queste eine Anzahl Jungens mit Räuber und Gendarmenspielen. Einer von ihnen, der 13= jährige R., hatte ein Pistvlet. Mit diesem schoß er den gleichaltrigen Kameraden Sch. in den Hals. Hätte der Schuß eine Idee weiter seitlich getroffen, so wäre die Ader durchschlagen worden und der Tod des Jungen wäre sicher gewesen. Der Junge wurde sofort ins Landkrankenhaus gebracht, wo die Kugel, die noch im Halse steckt, auf operativem Wege entfernt werden soll. Eine direkte Lebensgefahr besteht nicht.

Wiesbaden, 16. März. Am 8. Februar hatte man den 54jährigen Rentier August Lipp mit einem Schuß im Kopfe aufgefunden. Als mutmaßlicher Täter war der 34 Jahre alte Artist Stranzfeld verhaftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil Lipp angegeben hatte, sich selbst den Schuß beigebracht zu haben. Gestern hatte Stranzfeld, vermutlich um Er­pressungen zu verüben, die Wohnung Lipps aufgesucht. Dieser schrie um Hilfe, worauf Stranzfeld flüchtete. Als er sich von Polizei und Passanten verfolgt sah, erschoß er sich.

Abgeordnetenhaus.

Am Montag begann das Haus die Beratung des Eisenbahnetats. Abg. Graf von der Groeben (kons.) erklärte die Bereitwilligkeit seiner Freunde das 1909 geschaffene Finanzabkommen, das die Eisenbahnfinanzen von den allgemeinen Staatssinanzen trennt, auf zwei Jahre zu verlängern. Eine allgemeine Gütertarif­ermäßigung könne bedenklich wirken. Schon eine allgemeine Herabsetzung von 2 Pf. würde einen Aus­fall von 60 Millionen Mark bringen. Die Frage müsse daher von Fall zu Fall entschieden werden. In der zu starken Ausgabe der Arbeiterfahrkarten liege die Gefahr einer Entvölkerung des platten Landes. Eisenbahnminister v. Breitenbach bemerkte, daß eine allgemeine Tarifermäßigung nicht geplant sei, nach Bedürfnis sollten aber in den verschiedenen Landes­teilen Ausnahmetarife in Kraft treten. Die Tarif­ermäßigungen stellten Opfer des Staates zu Lasten der Allgemeinheit dar, denn die großen Summen gingen dadurch dem Ausgleichsfonds verloren. Der Uebergang zum größeren Güterwagentyp habe starke Erfolge gebracht, die Interessen der Kleinhändler seien dadurch beeinträchtigt worden, wenngleich nicht in bedeutendem Maße. Eine Entvölkerung des flachen Landes sei durch die Arbeiterfahrkarten nicht zu be­fürchten, denn im allgemeinen blieben sie auf eine Entfernung von 15 Kilometer beschränkt. Abg. Schmedding (Ztr.) begründete einen Antrag, das Ab­kommen nur auf ein Jahr zu verlängern, weil man die weitere Entwicklung doch nicht übersehen könne. In keinem Falle dürften mehr als 2,10 Prozent des statistischen Anlagekapitals allgemeinen Staatszwecken zugeführt werden. Die Abschaffung der 10-Tonnen- Wagen würde zu einer Schädigung der Landwirtschaft führen. Finanzminister Dr. Lentze betonte, daß der im Jahre 1909 geschaffene Ausgleichsfonds seine Schul­digkeit getan habe. Wie sich die Verhältnisse im Jahre 1915 gestalten werden, hänge von der wirtschaftlichen Lage ab. Der Wunsch, den Ausgleichsfonds zu Tarif­herabsetzungen zu verwenden, könne nicht erfüllt werden, da er dann seine Schuldigkeit in Zeiten des Niederganges nicht tun könne. Zu warnen sei auch davor, den Ausgleichsfonds alsMädchen für alles" zu verwenden, z. B. zur Aufhebung der Steuerzu­schläge. Das würde ihn auf eine schwankende Basis stellen, so daß man mit ihm überhaupt nicht mehr rechnen könne. Es treten an den Staat so große An­forderungen heran, daß die Eisenbahneinnahmen eine große Rolle spielen. Deshalb müsse die Finanzver- waltung genügende Sicherheiten erhalten. Abg. Dr. Maeco (nl.) sprach sich dafür aus, den Ausgleichsfonds stets genügend zu speisen und erkannte an, daß die Zentralverwaltung allen berechtigten Wünschen ihrer Angestellten entgegengekommen sei und der Minister sich bestrebt habe, die Unabhängigkeit der Eisen­bahnen festzustellen. Minister v. Breitenbach betonte, daß das Verhältnis zwischen Verwaltung und Pub­likum gut sei. Die Verwaltung verfolge nur das allgemeine Wohl. Die Entwicklung des wirtschaftlichen Levens zeige, daß die Tarifpolitik im großen und ganzen richtig gewesen sei. In bezug auf die Unfall­ziffer stehe Preußen günstiger da als andere Staaten. Abg. Graf Moltke (frfonf.) erkannte an, daß die Ver­waltung bemüht gewesen sei, allen Anforderungen gerecht zu werden. Eine Tarifänderung sei von größtem Einfluß auf die Einnahmen, so daß man sich's sehr überlegen solle. Abg. Dr. Pachnickc (fortschr.) erkannte die Leistungen der preußischen Eisenbahnen an. Ob das Abkommen vom Jahre 1909 sich bewährt habe, sei fraglich. Dienstag: Fortsetzung. . J

Wetteraussichten für Mittwoch den 18. März.

Wolkig, zeitweise Negenfälle, wärmer, erfrischenoe westliche Winde.