Hers seid er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld
WWer Äreisölatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 64.
Dienstag, den 17. März
1914.
Bus der Heimat«
):( Hersfeld, 16. März. Die am Sonnabend nachmittag im Saale des Hotel zum Stern abgehaltene Haupt-Vereinsversammlung des Hers- felderLandwirtschaftlichenKreisvereins wurde gegen VaS Uhr durch den Vorsitzenden, Herrn Landrat v o n G r u n e l i u s, eröffnet. Derselbe gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er wiederum 17 Herren aus verschiedenen Orten des Kreises zur Aufnahme als Mitglieder des Landwirtschaftlichen Kreisvereins empfehlen könne, der Verein schreite dadurch der Zahl 400 immer mehr entgegen. Die Versammlung beschloß einstimmig die Aufnahme der Angemeldeten. Hierauf erteilte der Vorsitzende das Wort an Herrn Dr. Sprenger aus Cassel zu seinem Vortrage über Förderung der Rindviehzucht unter Berücksichtigung der Tätigkeit der Kontrollvereine, deren Organisation und Kosten. In fast einstündigen Ausführungen entledigte sich Redner seiner Aufgabe in recht verständlicher Weise, wobei er den Wert und die Vorteile der Kontrollvereine recht eingehend schilderte. Er führte aus, daß durch die vor ea. 15 Jahren von einigen Seiten aufgestellte Behauptung, die Nutzleistung des Rindviehs sei durch zu große Aufmerksamkeit auf äußerliche Formen zurückgeörängt worden und es müsse bei Prämierungen deshalb nicht nur auf äußerliche Formen gesehen werden, Milchleistungsversuche vorgenommen worden seien, die jedoch bewiesen hätten, daß durch die auf Entwicklung des Körpers gelegte Sorgfalt die Leistungen trotzdem nicht vergessen worden seien. Vielmehr habe diese mit der Körperentwicklung gleichen Schritt gehalten. Obwohl diese Leistungsprüfungen einen großen wissenschaftlichen Wert gehabt hätten, so konnten diese doch nicht dazu verwendet werden, um zu bestimmen, welche Rasse eben die geeignetste sei, ebenso konnte diese auch nicht zu Prämiierungszwecken Verwendung finden. So sei man nach und nach zur Organisation der Kontrollvereine übergegangen. In Preußen sei der Regierungsbezirk Cassel bei Einführung der Kontrollvereine der letzte gewesen. Zur Zeit bestehen solche in Fulda, Eschwege und Zierenberg, hinzu komme jetzt noch ein vierter für die frühere Grafschaft Schaumburg. Da ein Kontrollassistent ca. 350 Kühe kontrollieren könne, so würden auf eine Kuh ca. 3 Mark Kosten pro Jahr entfallen, denen jedoch enorme Vorteile, die aus praktischen Erfahrungen zusammengestellt würden, gegenüberständen. Die Kontrollen sollen nicht dazu verwendet werden, um Vergleiche von Wirtschaft zu Wirtschaft anzustellen, sondern sie sollen immer nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Verhältnisse feststellen, welcheKuh bei der gleichenFütterungdie größte Menge Milch gibt und welche Futtermengen nach ihren Nährwertbestandteilen zweckdienlich zu verwenden sind. — Der Herr Vorsitzende dankte für die so interessanten Ausführungen und bemerkte dazu, daß es jedenfalls auch für unsern Kreis recht vorteilhaft erscheine, der Frage zur Gründung eines Kontrollvereins näher zu treten, damit die Viehhalter durch den Kontrollassistenten aufmerksamgemachtwerden könnten, durch welche Fütterungsweise die größte Nutzleistung zu erzielen sei. Herr Winterschuldirektor F ür st teilte noch mit, daß er habe seststellen können, daß bei uns viel zn viel Geld für Futter nutzlos angelegt wird. Nachdem noch einige Herrn sich dazu geäußert hatten, wurde auf Vorschlag des Herrn Peter Steinweg-Hersfeld beschlossen,-den Vorstand zu beauftragen, die evtl. Beteiligung durch eine Umfrage festzustellen. — Herr Landrat von Grunelius brächte "och die Feldprämmiierung, die dieses Jahr vorgenommen werden soll, zur Erwähnung betonte, daß diese nicht nur den Wert hätten, suerlangen, sondern vor allem auch ge- öurch die örtlichen Besichtigungen prak- tuche I ^nahmen für die Wirtschaft zu erhalten. Eine zahlreiche Beteiligung sei deshalb recht wünschens- wert. Die Anmeldung muß spätestens bis zum 10. Mal d. Js. erfolgen. Sodann teilte der Herr Vor- Ntzende noch das Programm der vom -2.-5. Juli hier stattstndenden Bezirkstierschau mit und bat für eine gute Beschickung aus unserem Kreise Sorge tragen zu wollen. Sehr zweckdienlich sei es, wenn recht viel Vieh aus dem Kreise Hersfeld zur Ausstellung komme, damit man ein Bild über den Viehstand in unserem Kreise erlangen könne. Es sei dabei ganz nebensächlich, ob viel oder wenig Preise erzielt würden, die Hauptsache sei die, daß man Vergleiche mit Vieh aus anderen Gegenden anstellen könne. Er mache nochmals besonders darauf aufmerksam, daß die Ausstellung von allen Landwirten, gleichviel ob dieselben Mitglieder des Landwirtschaftlichen Kreisvereins seien oder nicht, beschickt werden darf. — Auf Vorschlag des Herrn Franz Roll- Hersfeld wurde beschlossen, fürjedenAmtsgerichtsbezirkeineKommission zu wählen, die eine Stallbesichtigung vornehmen soll, da
viele Viehbesitzer zu ängstlich seien ihr Vieh anzumelden. Nach längerer Aussprache wählte die Versammlung je zwei Herren und zwar für den Bezirk Hersfeld die Herren Hieronimus Bätz und Bürger, für Nieder- aula die Herren Hold und Eschstruth, für Friedewald die Herren Hoßbach und Setzkorn und für Schenk- lengsfeld die Herren Otto Reinhardt und Licht. Diese Stallbesichtigung ist für die Viebhalter völlig kostenlos und soll nur bezwecken, daß aus dem Kreise Hersfeld eine gute Beschickung der Bezirkstierschau zu stande kommt. Derjenige Viehbesitzer, der glaubt, ein Stück Vieh ausstellen zu können und darüber noch im Zweifel ist, soll dieses dem Bürgermeister seiner Gemeinde melden, welcher die Kommission benachrichtigt, die dann sofort eine Besichtigung und evtl. sofortige Ausfüllung des Anmeldeformulars vornimmt. Da bereits am 1. April Meldeschluß ist, tun die Viehbesitzer gut, sofort eine Besichtigung ihres Viehstandes vorzunehmen, damit die Kommission evtl. die Tiere noch begutachten kann. — Hierauf wurde die Versammlung gegen 5 Uhr geschlossen.
):( Hersfeld, 16. März. Der eine der drei Fell- d i e b e, welcher nach seiner Verurteilung durch die Casseler Strafkammer entflohen war, konnte am Sonnabend abend wieder festgenommen und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt werden.
Fulda, 15. März. In der letzten Nacht ging hier unter Schneetreiben und Regenschauern das erste Gewitter unter starken Blitzen und Donnern nieder. Die Regenmengen der letzten Tage bei orkanartigen Stürmen sind sv stark, daß die Fulda weite Strecken überschwemmte, aus denen die Hügel wie Inseln hervorschauen.
Fulda, 15. März. Die hiesige Strafkammer als Berufungsinstanz sprach gestern nach zweitägiger Verhandlung elf Rhöner Familienväter wegen des bekannten Finkenhainer Schulstreiks frei. Die Angeklagten wurden im September v. Js. vom hiesigen Schöffengericht auf Anzeige des Kreisschulinspektors Wulf zu Geldstrafen verurteilt, weil sie aus Besorgnis um die Gesundheit ihrer Kinder diese nachmittags bei schlechtem Rhönwetter nicht in die bis fünf Kilometer entfernte Schule geschickt hatten.
Marburg, 15. März. Anläßlich des 60. Geburtstages von Exzellenz Behring waren heute zur Gratulation zahlreiche Deputationen erschienen. U. a. über- brachte der Oberbürgermeister der Stadt, Troje, einen Ehrenbürgerbrief nebst der künstlerischen, von dem hessischen Maler Ubbelohde hergestellten Urkunde. Von Seiten der" Universität war der Direktor der chirurgischen Klinik, Professor König, erschienen, der in einer Ansprache die Glückwünsche der Kollegen und der Studentenschaft überbrachte. Hunderte von Telegrammen, auch aus dem Auslande, sind eingelaufen. Besonders herzlich war der Glückwunsch seines Jugend- freundes Professor Ehrlich (Frankfurt a. M.) gehalten. Die Kapelle der Marbnrger Jäger brächte dem Geburtstagskinde eine Serenade dar.
Cassel, 14. März. Bei Sprengungsarbeiten im Gudensberger Steinbruch wurden sechs Arbeiter so schwer verletzt, daß sie nach Sand ins Krankenhaus zum Roten Kreuz gebracht werden mußten. Zwei der verwundeten Arbeiter befinden sich tn Lebensgefahr.
Herges-Vogtei, 13. März. Auf der Grube Mommel" ereignete sich am Donnerstag morgen ein Grubenunalück B Der Bergarbeiter Karl Trautvetter kon hUr stürzte in den 30^Meter tiefen Schacht und war sofort tot. Vor drei Jahren fand der ^chwreger- vater des Verunglückten ebenfalls durch ein Unglück in der Grube seinen Tod.
folgt, weil er in Difsen ein soll, das einem Herrn aus
Neuenbrunslar, 14. März. Heute nachmittag 1 HOr stürzte sich hier ein Unbekannter von etwa 20 Jahren in die Edder und ertrank. Der Mann wurde von mehreren Leuten verfolgt, weil er in Difsen ein ^abrrad aestoblen haben soll, das einem Herrn aus Gudensbe^ gehörte. Ein zweiter an dem Diebstahl Beteiligter wurde ergriffen.
Carlsbasen, 15. März. Auf der nahen Kruken- bura kam nachts der bissige Hund des Schäfers von der Kette im Schafstall los und zerfleischte fünfzehn Schafe.
Herborn 13 März. Gestern abend gegen 1/29 Uhr wurde der frühere Bäckermeister und Gastwirt Wily. M von hier im Hofe liegend tot aufgefunden. M. hatte sich in plötzlicher Geistesstörung mit einem Rasier- messer die Pulsier und die Halsschlagader ausgeschnitten und war dann zum Fenster hinaus tn den Hof gesprungen.
Wikkeubach 13. März. Auf der Chaussee zwischen hier und Eibelshausen wollte gestern ein Automobil mit dem nach Straßebersbach fahrenden Zuge an- SwimS um die Wette fahren, als es plötzlich einen
scheinend um die Wette fahren, als es plötzlich einen Knall gab und eine Feuersäule aus dem Auto auf-
stieg. Der Benzinbehälter war explodiert, und das Auto verbrannte bis auf das Gestell.
Medebach (Sauerland), 15. März. In der Bahn- Hofs-Maschinenwerkstatt wurden gestern dem Ober- lokomvtivführer August Schmidt, als er beim Reinigen eines leeren Benzolfasses mit einer Kerze in das Faß hineinleuchtete, durch Explosion der Gase von dem auseinanderfliegenden Fasse beide Beine an den Knieen abgeschlagen. Schmidt liegt im hiesigen Krankenhause hoffnungslos darnieder.
Jena, 18. März. Eine junge Berlinerin, die 20 Jahre alte Tochter eines Gerichtsbeamten, die sich in Jena bei Verwandten zu Besuch aufhielt, hat sich in der vergangenen Nacht durch einen Schuß in den Mund getötet. Was die junge Dame, die bereits verlobt war, in den Tod getrieben hat, ist unbekannt.
Gleichen, 12. März. Der Landwirt Bräutigam von hier hat eine angenehme Nachricht erhalten. Er hatte einen neuen Schweinestall erbaut. Die Landwirtschaftskammer hat diesen Ban besichtigen lassen und den Stall als mustergültig erklärt. Neben einer schmeichelhaften Anerkennung wurde dem tüchtigen Landwirt eine Beihilfe zu den nicht unbeträchtlichen Kosten des Neubaues in Höhe von 365 Mark zuerkannt.
Abgeordnetenhaus.
Zu der am Sonnabend fortgesetzten Beratung des Berg-Etats lag ein Antrag Faltin (Ztr.) vor, der die Regierung ersucht, im oberschlesischen Jndustriebeztrk in größerem Umfange Bauprämien und unverzinsliche Darlehen für Arbeiter zu gewähren oder auf abgebauten Kohlenfeldern staatseigene Wohnhäuser zu bauen, um dem Mangel an Arbeiterwohnhäusern ab- zuhelfen. Abg. Gronowski (Ztr.) führte Klagen über die im rheinisch-westfälischen Industriegebiet errichteten Knappschaftskrankenhäuser, die den älteren konfessionellen Krankenhäusern, die nie versagt hätten, Abbruch täten. Abg. Delius (Fortschr.) beklagte die Herabsetzung der Krankenrenten im Saarrevier. Abg. Hue (Soz.) verlangte, daß den Arbeitern mehr Einfluß auf die Verwaltung auf die Knappschaftskrankenhäuser eingeräumt würde. Abg. Faltin (Ztr.) wies auf die hohen Mieten und schlechten Wohnräume in Ober- schlesien hin und bat, den Antrag des Zentrums an- zunehmen. Oberberghauptmann v. Welsen bemerkte, daß die Bergverwaltung mit der Gewährung von Baudarlehen und Prämien in Oberschlesien sehr schlechte Erfahrungen gemacht hätte. Wo ein Bedürfnis vorliege, da baue die Verwaltung schon aus eignem Interesse. Abg. v. Hasset (fonf.) nannte es durchaus notwendig, den Bergarbeitern gute Wohnungen zu schaffen, denn das schaffe zufriedene Menschen. Handelsminister Dr. Sydow erklärte, die neuen Krankenhäuser müßten gebaut werden, da die vorhandenen nicht mehr ausreichten. In diesem Sinne trat auch Abg. Althoff (natl.) für den Bau der neuen Knappschaftskrankenhäuser ein. Um die Ar- beiter nicht in die Abhängigkeit des Fiskus zu bringen, lehnte Abg. Korsanty (Pole) den Antrag des Zentrums ab, der nach kurzen Bemerkungen des Abg. Gronowski (3trJ auch vom Plenum abgelehnt wurde.
Dann begründete Abg. Brust (Ztr.) einen Antrag, durch den der Amtssitz der Bergrevierbeamten möglichst in den Mittelpunkt der Bergreviere gelegt werden sollte. Oberberghauptmann v. Welsen hielt die etwaigen Entfernungen zu den Gruben für nicht so bedeutend, doch solle, wie es der Antrag wünsche, nach Möglichkeit der Amtssitz in den Mittelpunkt gelegt werden. Abgeordneter Jmbusch (Ztr.) wies anf die steigenden Gefahren des Bergbaues hin und wünschte bessere Unterstützung der Sicherheitsmänner. Als eine ständige Gefahrenquelle bezeichnete Abg. Korsanty (Pole) die hohe Zahl der jugendlichen Arbeiter. Abg. Hue (Soz.) erwähnte die in den Bergwerken beschäftigten Frauen. Die Frauen- und Kinderarbeit in den Gruben sollte ganz verboten werden. Abg. von Hasset (fonf.) gab der Befürchtung über eine Verlegung der Oberbergämter in Claustal und Goßlar Ausdruck und lehnte den Antrag des Abg. Brust ab, da die Frage von der Regierung entschieden werden müsse. Notwendig sei, daß die Werke, die Braunkohlengruben errichten, die wertvolle Muttererde nicht verkommen lassen. Handelsminister v. Sydow teilte mit, daß eine Verlegung der genannten Oberbergämter nicht beabsichtigt sei. Ein Regierungsvertreter erwiderte dem Abg. Korsanty, daß von einer Schika- nierung der Sicherheitsmänner keine Rede sein könne. Die Zahl der jugendlichen Arbeiter gehe ständig zurück. Abg. Hasenclever (nl.) meinte, die Unfälle tm Bergbau seien meist selbst verschuldet. Nach kurzer, unwesentlicher Debatte wird der Antrag Brust abgelehnt, damit war der Bergetat erledigt. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. Eisenbahnetat. Schluß ' ••' "br.