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Kiel und Venedig.

Kaiser Wilhelms und König Viktors Begegnung.

Nicht das leiseste Wölkchen trübt den politischen Himmel — das ist die Auffassung der leitenden Berliner Staatsmänner, und da neben dem Grafen Witte auch der Vertreter des russischen auswärtigen Amtes, Sasa- now, die Erklärung abgegeben hat, daß dem Zaren, der die russische Politik sewst leite, jeder kriegerischer Ge­danke gegenüber Deutschland fernliege, so wird Kaiser Wilhelm mit Lenzesbeginn in die Baumblüte des Sü­dens fahren. Vom meerbespülten Miramare, wo der Monarch von dem österreichischen Thronfolger, dem Erz­herzog Franz Ferdinand, als mehrtägiger Gast bewill­kommnet sein wird, begibt sich der Kaiser direkt nach Venedig. Am 22. März reist König Viktor Emanuel von Rom nach der Lagunenstadt ab, und am Tage da­rauf erfolgt vor der dortigen Rede die Monarchenbegeg­nung, der selbstverständlich in Ansehung der gegenwär­tigen Weltlage und der französischen Erregung gegen Italien eine hohe politische Bedeutung beizumessen ist. Der italienische Königsbesuch in Kiel, der am 3. Juli des verflossenen Jahres die Blicke Europas auf sich lenkte, trug dazu bet, die engen Beziehungen, die inner­halb der Dreibundstaaten bestehen, noch vertrauens­voller zu gestalten. Als die italienische Königsjacht „Tri- nacria^ vor dem größten deutschen Kriegshafen lag, wurde deren Besatzung die herzlichste Aufnahme durch die deutschen Kameraden zuteil, und im ganzen Deutschen Reiche herrschte eine frohe Stimmung über das Ereig­nis der erneuten Freundschaftsversicherung zwischen den gekrönten Häuptern des südländischen und des nor­dischen Reiches.

Auch in Italien verkannte man'die Wichtigkeit der Begegnung nicht, denn alle dreibundfreundlichen Kreise stellten mit Befriedigung die Tatsache fest, daß niemals die Uebereinstimmung zwischen Rom, Wien und Berlin größer gewesen sei, als im Jahre 1913, wo der Drei­bund in voller Einigkeit und Geschlossenheit als Er­halter und Förderer des europäischen Friedens zu wir­ken bestrebt war. Im verflossenen Winter hat besonders das entschlossene Zusammenwirken von Oesterreich-Un­garn und Italien zur Durchführung der Londoner Be­schlüsse beigetragen, denn der viel angezweifelte alba­nische Staat ist Wirklichkeit geworden, und nunmehr hat ein Fürst aus deutschem Stamme den Thron in Durazzo bestiegen. Was im vorigen Sommer auch in Kiel reif­lich vorberaten und erwogen wurde, wird jetzt in Vene­dig als vollendete Tatsache gefeiert werden können.

Die Monarchenbegegnung in Venedig erweckt in Paris eigenartige Gefühle, denn in der Loslösung Ita­liens vom Dreibünde gipfelten Jahre hindurch die Be­rechnungen deutschlandfeindlicher Staatsmänner. Die Mittelmeerpolitik Italiens hat indes Italien und Deutschland fest aneinander geschmiedet. Frankreich will den Gedanken nicht aufgeben, daß ihm die Vormacht im Mittelmeer gebühre, und Italien will diese nimmermehr anerkennen. Die russisch-französische Uebermacht gegen Deutschland, von der jetzt soviel die Rede ist, wird auf­gehoben, sobald Italien im Kriegsfalle sein Heer über die Alpen in die Provence, in die Dauphine und in Savoyen einrücken läßt. Der Dreibund wird also nach wie vor Frieden gebieten, wenn Italien seinem nordi- chen Bundesgenossen treu zur Seite bleibt. Die bevor- tehende Monarchenbegegnung in Venedig kann ange- ichts der unbestrittenen gewaltigen Rüstungen im Drei­verbände nur als Dämpfung für Kriegsgelüste Seine und Newa wirken.

an der

Des deutschen Seiches Schicksalsstunde

Bon H. Frobenius, Oberstleutnant a. D.

nen. Duri

Dieser Tage ist eine Broschüre: „Des Deutschen Reiches Schicksalsstunde" von Oberstleutnant a. D. Fro­benius im Verlage von Carl Ccotius in Berlin erschte-

2...& das Entgegenkommen des Verlages ist uns das Schlußwort dieser Broschüre zugegangen, das wir unseren Lesern gekürzt wie folgt mitteilen:

Seit König Eduard von England im Wahne, des Deutschen Reiches wachsende Land- und Seemacht werde für des britischen Reiches Weltmachtstellung gefährlich, mit allen bisherigen Gegnern Großbritanniens ein Bündnis gegen uns schloß und keine Mühe scheute, uns nach Möglichkeit zu isolieren und rings durch feindliche Waffen einzukreifen, lebt Europa in steter Vorbereitung eines furchtbaren Entscheidungskampfes. Daß er nicht schon längst entbrannt ist, daß sogar eine so günstige Ge­legenheit wie der Kriegsbrand im Balkan nicht den Fun­ken in das Pulverfaß geschleudert hat, daß sogar gerade England es war, das immer noch die drängenden Genos­sen zurückhielt, das ist wohl hauptsächlich dem britischen kaltblütigen Geschäftssinn zu danken. England würde dagegen nichts einzuwenden haben, daß sich die Konti­nentalmächte gegenseitig in die Haare führen und schwer zu heilende Wunden beibrächten, aber sie könnten sich

Big.

Eine Herzengeschichte von Walter Kabel.

16)

(Nachdruck verboten.)

Benters hielt das hellgraue Kästchen lange in der Hand und starrte wie gebannt auf die blinkenden Gold- » *' beiden glatten Eheringe und die in allen Farben schillernden Brillanten. Seine Gedanken irrten zurück in die jüngste Vergangenheit, zurück in ein düm- ^^m ihm Frau Käthi die Geschichte unghtctH^en Ehe erzählt und auch von diesen Schmucksachen gesprochen hatte, die für sie nichts bedeu- die leidvollsten Jahre ihres ihm, als tauchte plötzlich wieder ihm auf, diese blassen, trauten tfnnVfefirpisft ^»s-^?^' ^öer jetzt schien ihr Mund öuzulacheln, glückverheißend, hingebenö.

das Etui wortlos zurück, begann auf und ab zil gehen, als ob er vor dem Sturme der ™^tiiÄ^ eracht war, flüchten Freunde stehen. Das,

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Besitz der Schmucksachen gelangt, Jarotzki? — Da scheinen Sie ja wirklick einen großen Erfolg als Amateurdetektiv Irrungenzu haben?"

Doch der Referendar ging zunächst auf diese Frage gar nicht ein. Seine Augen waren vorhin dem ruhelos auf und ab Wandernden mit einem Ausdruck stillen Mit- Leibs gefolgt. Und jetzt streckte er ihm herzlich die Hand hin und sagte in seiner treuen Art:

dann auch in die Kosten teilen. Wer auch in diesem Kriege den Sieg davontrüge, was hätte er für Vorteile? Verwüstete Länder und geleerte Kassen. Welches Land vermöchte, besiegt, die Kriegskostenentschädigungen zu bezahlen?

Doch — die du riefst, die Geister, wirst du nun nicht los — der angestachelte Rachedurst Frankreichs gegen das Deutsche Reich, der entflammte Haß Rußlands ge­gen das seinen Bestrebungen im Wege stehende Oester­reich-Ungarn haben beide Länder zu einer Steigerung ihrer Kriegsvorbereitung angetrieben, die sich nur aus kurze Zeit aufrecht erhalten läßt. Tatsächlich ist diese Vorbereitung bereits von einer Kriegsbereitschaft jetzt schon nicht wesentlich zu unterscheiden, und im Frühjahr 1915 wird diese so vollständig erreicht sein, daß man je­den Tag des Einmarsches so gewaltiger Heere gewärtig sein muß, wie sie auf Europas, wie sie auf der Erde Boden noch niemals gesehen worden sind. Und dann wird des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten Schicksalsstunde schlagen, dann werden wir schwerer als jemals zu kämpfen haben, aber dann wird auch die Be­geisterung, die Hingabe, der Opfermut größer und ge­waltiger der Welt sich zeigen, als es selbst in den Be­freiungskriegen der Fall war, denn niemals ist noch ein Volk mit größerem Unrecht angefallen worden als tu diesem bevorstehenden Kriege. Niemals hat noch eine große Nation so viel Geduld und Langmut bewiesen, wenn sie von allen Seiten übervorteilt und gereizt wurde, wie die deutsche in den vergangenen Jahren. Hat jemals ein Volk und ein Herrscher den festen Wil­len bewiesen, ein Hort des Friedens zu sein, so ist es Deutschland, so ist es Kaiser Wilhelm II. gewesen.

Und, so wie die Regierung im vorigen Jahre der

war, denn niemals ist nych ein

drohenden Maßregel Frankreichs, der Wiedereinfüh­rung der dreijährigen Dienstzeit, sofort mit einer ge­waltigen Vermehrung unserer Streitkräfte geantwortet, wie das deutsche Volk ohne Murren, nein mit einem ge-

wissen Hochgefühl freudiger Hingabe fürs Vaterland die damit verbundenen Opfer an seinem Vermögen auf sich

______________ Vermögen auf sich genommen hat, so wird auch — detz' können wir gewiß sein — um der kommenden Gefahr zu begegnen, jedes Mittel bei Zeiten vorbereitet werden, nicht nur auf dem Gebiet der Kriegsmacht, sondern auch bezüglich der Für­sorge auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet.

Auch soll man sich nicht vorstellen, daß nun fünf oder sechs Millionen Soldaten auf einmal von allen Seiten unsere Grenzen überfluten und unsere Armeen einfach erdrücken könnten. Erstens kommt zunächst nur die ak­tive Armee zur Sprache, da die Aufstellung und Aus­rüstung der Reservearmeen geraume Zeit beansprucht. Zweitens bedürfen große Truppenmassen auch immer großer Bewegungsräume, sodaß auf einem gewissen Raum auch immer nur annähernd gleichstarke Armeen zur Verwendung kommen können. Also von einer über- wältigenden Masse, von einem Erdrücken dnrch die Uebermacht wird in den zu gewärtigenden Schlachten keine Rede sein können: deshalb wird auch in Zukunft wie bisher die moralische Qualität neben der körper­lichen Rüstigkeit, Gewandtheit und Schießfertigkett des einzelnen Soldaten den Ausschlag im Gesecht, die rich­tige Beurteilung des Feindes und seiner Maßnahmen sowie die Verwendung der Truppen zur rechten Zeit und am rechten Ort seitens der Führung den Ausschlag in der Schlacht geben.

vn-

Der französischen Armee wird die für die Kräfte des Landes übermäßige Steigerung der Mannschaftszahl umsoweniger von Vorteil sein, als dies Streben zur Einstellung nicht nur vollständig kriegsbrauchbarer^son- dern auch vielfach schwächlicher, wenig brauchbarer Men­schen geführt hat, die im Ernst für die Armee leicht zu einer schwer einzuschätzenden Last werden. Nicht zu leugnen ist aber, daß sowohl in der französischen Armee wie in der russischen die längere Dienstzeit bei zweckmä­ßiger Leitung des Dienstes die Mannschaften auf eine höhere Stufe der Ausbildung fördern kann, als es uns bei zweijähriger Dienstzeit möglich ist. Jedoch gehören dazu vor allen Dingen pflichtbewußte und opferfreudige Lehrmeister, also ein Offizier- und Unteroffizierkorps von hervorragender Qualität. Dies rnöchte aber nach den im japanischen Kriege gemachten Erfahrungen in der russischen Armee schwerlich anzutreffen sein, und in Frankreich wird die Qualität der Offiziere wie der Sol­daten durch die unselige Beteiligung an der Politik doch wesentlich beeinträchtigt. Auch kommt unserer Armee eine Eigenschaft des deutschen Soldaten zugute, die im allgemeinen bei den Romanen vermißt wird: der Reser­vist und selbst der Landwehrmann hält das im aktiven Dienst gelernte oft mit erstaunlicher Zähigkeit fest. Man muß eine Kompagnie von Landwehrleuten im Felde kennen gelernt haben, um den Wert dieser Eigenschaft richtig einzufchätzen.

Wenn es den Kampf gelten wird, werden wir ihm mit demselben Siegesbewutztsein und Siegeswillen ent- gegeMehen wie 1870 und dessen eingedenk sein, datz nicht die Massen an sich zum Siege berechtigen, daß aber der ihn davontragen wird, der den längsten Atem und den letzten Taler hat.

„Nicht dieses trübe Gesicht, Benters! Sie haben keinen Grund mehr dazu, wirklich nicht! Ich werde Ihnen nachher einen Brief von meiner Lisa vorlesen, der wird auch Sie wieder froh stimmen, glauben Sie mir!" Er drückte des Freundes Hand kräftiger und fuhr dann bedeutungsvoll fort: „Und morgen fahren nur beide dann sehr wahrscheinlich nach Königsberg. Der Erfolg dieser Reise wird nur von Ihnen abhängen, nur von Ihnen! — Bitte — bezähmen Sie Ihre Neugierde, ich bin erbarmungslos wie ein Stein, Sie können mich auch noch so flehend ansehen . . . Erst müssen Sie jetzt meinen Bericht anhören, der doch einigermaßen inter­essant werden dürfte. — Da, nehmen Sie hübsch artig Platz! Eins nach dem andern! Das Beste aber zuletzt — eben Lisas Brief . . ."

Der Assessor wollte noch etwas einwenden, aber Ja- rotzki ließ sich nicht erweichen, sondern schnitt ihm ein­fach jedes weitere Wort ab, indem er mit erhöhter Stimme seine Ausführungen begann:

„Die allgemeinen Umstände des Diebstahls kennen Sie. Ich brauche daher nicht darauf zurückzukommen. Gehen wir jetzt zunächst mehr auf einige wichtige Einzel­heiten ein, die Ihnen das Verständnis für meine späte­ren Kombinationen erleichtern sollen. — Meine Schwä­gerin wollte die Abendstunde noch wie gewöhnlich dazu benutzen, um Klavier zu spielen, legte ihre Schmucksa­chen in ein kleines Henkelkörbchen, das auf einem Tisch­chen dicht vor dem offenen Veraudafenster stand. Ich betone — ein aus Rohrstäbchen geflochtenes Körbchen mit einem Henkel, mit roter Seide gefüttert, wie es die Damen als Nähkörbchen benutzen, und... ein offenes Berandafenster! Das ist wichtig, wie Sie später sehen werden. — Weiter nun. Die Veranda liegt in der ersten Etage des Hauses, geht bis zum zweiten Stock hindurch, wo sich dieselben Räumlichkeiten befinden, die ebenfalls

.Wernerschen Pensionat gehören. Beachten Sie, was ich sage: Dieselben Räumlichkeiten im zweiten Stock,

Politische Rundschau

Kaiser und Zar. Die von der französischen Presse verbreitete Meldung, Kaiser Wilhelm habe dem Zaren den Wunsch nach einer Zusammenkunft mit ihm aus-

den Wunsch nach einer Zusammenkunft mit ihm aus- gedrückt, der Zar habe aber abgelehnt, wird jetzt in den Berliner diplomatischen Kreisen als ein letzter Verstrch von französisch-chauvinistischer Seite bezeichnet, eine Be­gegnung des Kaisers mit dem Zaren zu hintertreiben. In Wirklichkeit hat der Zar schon bei seiner letzten An­wesenheit in Berlin Rücksprache mit dem Kaiser wegen

einer Begegnung im Laufe dieses Sommers genommen, und wie verlautet, gewinnt die Annahme, daß diese Be­gegnung im Anschluß an die Nordlandreise des Kaisers wiederum in den Finnischen Schären stattfinöet, an Wahrscheinlichkeit, wenn auch eine Entscheidung darüber wie üblich erst kurz vor der Zusammenkunft bekannt ge­geben werden dürfte.

Die Zweite elsässtsche Kammer beendete am Freitag die dritte Lesung des Landeshaushaltsetats für das Rech­nungsjahr 1914. Der Etat balanziert nach den Be­schlüssen der zweiten Kammer in Einnahme und Aus­gabe mit rund 61 Millionen Mark und deckt sich damit im wesentlichen mit der von der Regierung vorgeschla­genen Summe. Besonders hervorzuheben ist, daß damit auch der Gnadenfonds des Kaisers und der Dispositions­fonds des Statthalters endgültig genehmigt ist. Der Etat wurde mit allen Stimmen gegen die der Sozial- Semokraten angenommen.

Die neue österreichische Wehrvorlage leitete der Lan­desverteidigungsminister im Abgeordnetenhause mit einer Rede ein, in der er erklärte, es sei ein wichtiger und ernster Augenblick, in welchem er vor das Hohe Haus trete. Die Verhältnisse auf dem Balkan seien nicht so fest geordnet, daß es ausgeschlossen wäre, daß Oesterreich-Ungarn einmal ganz plötzlich. ungewollt und sogar gegen seinen Willen in einen Krieg verwickelt werden könnte. Daß Oesterreich-Ungarn friedensliebend fei und nicht ohne Grund einen anderen Staat angreife, habe es vielfach während der letzten Krise bewiesen. Aber man dürfe die Friedensliebe Oesterreich-Ungarns nicht als Schwäche ansehen. Es müsse Klarheit geschaffen werden, und es dürfe kein Zweifel darüber bestehen, daß Oesterreich-Ungarn vollkommen bereit und fest entschlos­sen sei, jeden Angriff mit einer Gegenoffensive zu er­widern, wenn es dazu gezwungen werde.

Die Verhandlungen zwischen den Bundesregiernu- gen über die Regelung des Waffengebranchs des Mili­tärs in Friedenszeiten sind, ,öem „B. L.-A." zufolge noch nicht endgültig abgeschlossen, es gelte aber bereits als nahezu ausgeschlossen, daß es zu einer einheitlichen Regelung für das ganze Reich kommen werde.

Die Schullasten der Gemeinden. Die Budgetkom­mission des preußischen Abgeordnetenhauses hat einen Kompromißantrag der Nationalliberalen, des Zen­trums, der Konservativen und Freikonservativen ange­nommen, der die Regierung ersucht, schleunigst ein Ge­setz vorzulegen zur Beseitigung des unerträglichen Druk- kes, welchen die Schullasten teils wegen ihrer Höhe, teils wegen ihrer Ungleichmäßigkeit auf eine große Anzahl von preußischen Gemeinden und Gutsbezirken ausüben.

Die neuesten russischen Angriffe. In den Berliner diplomatischen Kreisen gibt man angesichts der in der offiziösen „Rossija" vorliegenden Auslassungen über die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland der Auffassung Ausdruck, daß die kriegerischen Ausführungen in der „Petersburger Börsenzeitung" keineswegs auf amtliche russische Stellen zurückzuführen seien. Man nimmt vielmehr an, daß die Auslassungen des letztge­nannten Blattes lediglich militär-panslavistischen Ur­sprunges seien und keinerlei weitergehende Bedeutung beanspruchen könnten. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Annahme zuträfe.

Kleine nadiridifen.

Der Kleine Kreuzer „Seeadler" ist Freitag vormit­tag nach 15jähriger Äuslandstätigkeit in den ostafrika- nischen und asiatischen Gewässern in Wilhelmshaven ein­getroffen und im Werfthafen eingelaufen. Zum Em­pfange hatten Admiral von Heeringen, Konteradmiral Schultz, zahlreiche Offiziere der Marine und Vertreter der Bürgerschaft eingefunden.

Das Pulver in der Bierflasche. In dem bergischen Orte Hohlkeppel brachten zwei Schüler eine mit Pulver gefüllte Flasche in dem Augenblicke zur Explosion, als ein Landwirt seine Wohnung betreten wollte. Alle drei Personen wurden schwer verletzt.

Ueber die Ermordung des norwegischen Missionars Froyland in China durch eine Bande des „Weißen Wolfs" wird aus Schanghai gemeldet: Die Banditen wollten Froyland zwingen, ihren verwundeten Genossen beizustehen. Als der Missionar zunächst dem ebenfalls verwundeten Missionar Sama Hilfe brächte, erschossen sie ihn. Die übrigen norwegischen Missionare, einschließlich Samas, sind entkommen.

auch eine gleiche Veranda wie im ersten, und beide liegen übereinander. — Ahnen Sie schon etwas . .

Doch Benters schüttelte nur verneinend den Kopf.

„Nicht?! — Nun, dann muß ich deutlicher werden. — Erinnern Sie sich noch an jenen Vormittag, als wir zum ersten Male mit Bix und der Kinderfrau am Strande zusammen waren und Sie für die Kleine so eifrig Sandtürme bauten, während ich die brave Müllern vorsichtig über die sonstigen Bewohner des Wernerschen Hauses ausholte . . .? Ich erzählte Ihnen ja noch an demselben Tage nach Tisch auf der Terrasse des Strand- Hotels einige Einzelheiten aus meiner Unterhaltung mit der Alten. Sie waren damals allerdings in sehr trüber Stimmung, hatten kurz vorher von Ihrer ersten Verlo­bung gesprochen und haben daher wohl kaum sehr auf­merksam zugehört."

Benters nickte eifrig. „Ja, ich besinne mich ... Es handelte es sich in der Hauptsache um eine lange Dienst- botenklatschgeschichte über ein russisches Ehepaar. DöH die Einzelheiten sind mir längst wieder entfallen . . ."

„Und diese . . . Klatschgeschichte, lieber Benters, — denken Sie! — hat mich auf die Spur des Täters ge­bracht. Nach der Erzählung der Müllern mußten die Rusien sich trotz der Mengen großer Reisekoffer und der auffallend eleganten Toiletten der Gnädigen in steter Geldverlegenheit befinden, da der wöchentlich zu entrich­tende Pensionspreis immer sehr unregelmäßig von Seil Leuten bezahlt und auch bei den Kaufleuten alles auf Borg genommen wurde, was zur Folge hatte, daß Sie Pensionsinhaberin den Leuten des öfteren mit Kündi­gung drohte und auch die Lieferanten mit Rechnungen das Haus stürmten, wobei es dann häufig zu recht leb­haften Szenen kam, die dem Dienstpersonal natürlich reichlich Stoff zu allerlei Erörterungen gaben.

(Fortsetzung folgt.)