Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld
Weiber Kreisblatt
Bszugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 63. (Erstes Blatt)
Bus der Heimat.
* (Diensthunde b e i der Eisenbahn.) Die Diensthunde bei der Eisenbahn haben sich, wie ein Erlaß des preußischen Eisenbahnministers an die Eisenbahndirektionen ausführt, durchaus bewährt. Ihre Anwesenheit allein hat in der Regel schon genügt, um lichtscheues Gesinde! usw. von den Bahnhöfen usw. fernzuhalten. Neben den deutschen Schäferhunden, die zuerst gehalten wurden, sind in neuerer Zeit auch Airedaleterrier und Dobermann-Pinscher beschafft worden. Es bleibt den Eisenbahndirektionen überlassen, auch fortan nach Bedarf Hunde der erwähnten Raffen zur Sicherheit des staatlichen Eigentums zu beschaffen.
)§( Hersfeld, 14. März. (Kirchliche s.) Herr Pastor Fliedner aus Madrid wird morgen abend V26 Uhr im Nachmittagsgottesdienst in unserer Kirche predigen unter besonderer Berücksichtigung der evangelischen Bewegung in Spanien.
):( Hersfeld, 14. März. Vor der S t r a f k a m m e r in Cassel hatten sich gestern' die drei s. Zt. hier festgenommenen Felldiebe zu verantworten. Während einer derselben freigesprochen wurde, erhielten die beiden anderen, die schon vielmals vorbestraft waren, jeder ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Einem der Angeklagten gelang es, bei der Abführung die Flucht zu ergreifen. In mächtigen Sätzen erreichte er das Freie und konnte trotz der Verfolgung durch mehrere Schutzleute nicht wieder eingefangen werden.
§ Hersfeld, 14. März. Vor dem Schwurgericht in Cassel hatte sich gestern der am 19. Mai 1877 hier geborene Fabrikarbeiter Johannes Glebe wegen vorsätzlicher Brand stiftungzuverantworten. Der Angeklagte ist beschuldigt, am 29. Januar d. I., abends, ein Stallgebäude der Tuchfabrik des Kom- merzienrats Rechberg hier in Brand gesteckt zu haben, und zwar unter dem erschwerenden Umstand, daß dieses Gebäude auch zur Wohnung von Menschen diente. Der Angeklagte, der seit dem 29. Januar d. J. in Untersuchungshaft sitzt, ist geständig. Der Angeklagte war 22 Jahre hindurch bei der Firma Rechberg hier tätig, zuerst als Kalfaktor, dann als Packer und zuletzt als Fabrikbote. Diese Stellung war für den Angeklagten mit wöchentlich höherem Lohnbezuge verbunden, brächte ihm außerdem noch ab und zu Trinkgelder ein, führte ihn aber, durch die vermehrte Gelegenheit, ohne Aufsicht in der Stadt die Botengänge auszuführen, dem Schnapsteufel in die Arme. Infolge der durch den zunehmenden Alkoholgenuß bedingten Unzuverlässigkeit des Angeklagten mußte er als Bote wieder abgesetzt und als gewöhnlicher Arbeiter verwendet werden. Die hiermit verbundene Einnahme- schmälerung veranlaßte den Angeklagten, erst recht zu trinken und so kam er wirtschaftlich immer weiter zurück. Da der Angeklagte Frau und vier Kinder im Alter von 11 bis 6 Jahren zu ernähren hatte, ließ er sich zu Unredlichkeiten verleiten und bestahl seinen Arbeitgeber, was später anläßlich der Untersuchung wegen dieser Brandstiftung bekannt wurde. Wegen dieser Tuchdiebstähle, die der Angeklagte seit den Monaten November 1913 bis Januar d. Js. ausgeführt hat, ist gegenwärtig ein Verfahren wegen Diebstahls gegen den Angeklagten anhängig gemacht. Einen eigentlichen Grund, warum er das Stallgebäude in Brand gesetzt habe, konnte der Angeklagte nicht angeben; er will an dem Tage sehr betrunken gewesen sein, schon am frühen Morgen, zwischen 5—6 Uhr, habe er in einem Bäckergeschäft für 15 Pfg. Schnaps fietrunfe« und sei dann der Arbeit fern geblieben. T^^bem er den ganzen Tag über weiter getrunken ""h Bier, kam ihm abends plötzlich Hanke, das Stallgebäude in Brand zu stecken. Dreier Gedanke ließ ihn nicht mehr los,' der Ange- tlagte begab sich aus der Wirtschaft, in der er gerade 'aß, ichnurstracks zum Stallgebäude und zündete hier das Heu an. Im Nu brannte der ganze Dachstuhl, der auch vernrchtet wurde, so daß ein Schaden von etwa 5890 Mark entstand, der größtenteils durch die Versicherung gedeckt worden ist. Die Geschworenen bejahten die Schulöfrage nach vorsätzlicher Brandstiftung, aber nicht das erschwerende Moment, daß es sich um ein Haus gehandelt habe, das von Menschen bewohnt sei, billigten dem Angeklagten jedoch mildernde Umstände zu. Herr Gerichtsassessor Hadlich als Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte gegen den Angeklagten 3 Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust, das Gericht, unter Vorsitz des Herrn Landrichters Dr. Daltrop, erkannte auf 1 Jahr und 6 Ndonate Gefängnis, ohne dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte abzüsprechen. Der Angeklagte trat seine Strafe sofort an.
Fulda, 13. März. Nach dem neuen Fahrplan ist die bisher so wichtige, jedem Reisenden wohlbekannte
Sonntag, den 15 März
Station Elm aus dem Fahrplan der Hauptstrecke Bebra-Frankfurt verschwunden. Sie ist nur noch Zwischen-, nicht mehr Endstation der Strecke Elm- Gemünden, die den nächsten Weg nach Bayern bildet und von jetzt ab im Fahrplan in Schlüchtern- (resp. Bebra-Flieden) Elm-Gemlinden umgetauft worden ist. Die Streckenabkürzung in Kilometern ist durch den Distelrasentunnel nicht so bedeutend, es sind 6,7 Kilometer. Aber in der Fahrzeit macht sich der Vorteil des neuen Tunnels schon bemerkbar,- allerdings nur bei den Schnellzügen, da werden 13, 15, 25 (bei D 204) und gar 30 Minuten Fahrzeit (bei D 1) gespart. Bei den Personenzügen macht sich die Aenderung wenig bemerkbar, sie erhalten durch die Abkürzung der Strecke meist nur längere Aufenthalte auf ihren vielen Zwischenstationen. Eine erhöhte Bedeutung hat die Station Flieden erhalten, bei der jetzt vier Schnellzüge halten.
Schlüchtern, 12. März. Vor der Strafkammer in Hanau hatte sich ein Landwirt Heinrich Kreß aus Wallroth zu verantworten, der sich einen recht dummen Spaß erlaubt hatte. Er schickte einen Jungen mit einem Zettel zu einer Hebamme, die gebeten wurde, zur Hilfeleistung zu einer Frau zu kommen. Die Frau war durch den Besuch nicht wenig überrascht, die Hebamme jedoch durch die Irreführung verärgert und übergab den Zettel einem Gendarmen, der den Schreiber ermittelte. Vor Gericht stellte Kreß die ganze Sache als einen Spaß hin, der für ihn aber beinahe recht unangenehme Folgen gehabt hätte,- der Anklagevertreter erblickte in dem gefälschten Zettel eine Urkundenfälschung, die er mit 3 Monaten Gefängnis zu ahnden beantragte. Das Gericht jedoch war der Ansicht, daß der Angeklagte sich der Rechtswidrigkeit seines Handelns nicht bewußt war, nährn nur eine Beleidigung als vorliegend an und erkannte für diese auf eine Geldstrafe von 50 Mark.
Marburg, 13. März. Die Strafkammer verurteilte den Zigeuner Andreas Wagner, der vor einigen Jahren in Wittelsberg einen Landwirt angeschossen hatte, wegen Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis. Es ist dies derselbe Zigeuner, der in der Verhandlung gegen Ebender als Zeuge vernommen wurde. Er behauptete damals und auch heute, Meier zu heißen und stamme aus Lyon in Frankreich. Die ihm heute zur Last gelegte Tat stellte er in Abrede.
Waldeck, 13. März. Das Staubecken, das in den letzten regenreichen Tagen starken Zufluß erhalten hat, bildet schon einen großen See, der bereits bis Asel mit dem Motorboot befahrbar ist. Man schätzt die aufgespeicherte Wassermenge bereits auf 74>/s Millionen Kbm.. Dabei werden noch 32 Kbm. Wasser in der Sekunde durch die Grundablässe abgelassen. Seit gestern wird der Querverkehr über den Stausee, der bis jetzt durch Handkähne aufrecht erhalten werden mußte, durch das Motorboot „Delphin" besorgt.
Mühlhansen, 12. März. Ein Riesenfeuer hat in vergangener Nacht unser Nachbardorf Höngeda heimgesucht. Früh 3/42 Uhr wurde der Brand, der in einem Hintergebäude des Listemannschen Grundstücks zum Ausbruch kam, entdeckt. Das Feuer breitete sich vorn Winde getrieben, sehr schnell aus und legte im ganzen 4 Wohnhäuser und mindestens dre doppelte Zahl Scheunen und Stallungen rn Asche. Der Schaden ist sehr groß, doch durch Versicherung gedeckt. Auch eine Kuh, vier Schweine und viel Geflügel sind in den Flammen umgekommen.
Sanaerhausen, 13. März. Heute gegen 7-/4 Uhr morgens wurde auf dem hiesigen Bahnhof der Bahnunterhaltungsarbeiter Schröter aus Wallhausen vom ausfahrenden Personenzug 624 nberfahren und sofort getötet.
Göttingen, 13.März. Im Kalibergwerk„Napolevn" bei Nörten sind die Monteure Baezek aus Dortmund und Schnelle aus Suderhausen im Begriffe Feierabend zu machen, durch eine Oeffnung drerStock her abgestürzt und haben daber den Tod gesunden.
Bad Blaukeuburg, 13. März In Bad Blanken- burg brach heute nacht Feuer aus das sechs Scheunen in Asche legte. Der Schaden ist erheblich. Man vermutet Brandstiftung.
Frankfurt a. M., 12. März. Ein Leser teilt dem „G. A." das folgende Erlebnis von der Musterung mit- Ein junger Mann, der scheinbar wenig Lust nerfnürt unter die Vaterlandsverteidiger zu gehen, steht vor dem untersuchenden Stabsarzt und fürchtet schon mit ziemlicher Sicherheit, daß er aus Grund der UnteSÄ --"L^LL" S» & bak er von jeher ein bißchen schlecht „gehört" hat, und er teilt diere Wahrnehmung dem Arzt mit. Es beginnt also sofort ein B-rhor auss Gehör und der Arzt ruft aus etlicher Entsernung ziemlich leise: „34" Lr junge Mann regt sich uicht. Der Arzt noch leiser: „22". Der junge Mann verzieht noch keine Mrene.
1914.
Der Arzt noch leiser: „46". Der junge Mann muckt sich nicht. Der Arzt ganz laut: „Na verstehen Sie mich denn gar nicht?" — „Kein Wort," antwortete der junge Mann. Mit „Anstrengung" aller seiner Kräfte — flüstert und lispelt nun der Arzt, so leise er nur kann: „Abtreten!" — Und siehe da, schon war der junge Mann ganz enorm abgetreten, im Nu stand er draußen im anderen Zimmer. — Im nächsten Jahre wird er natürlich auf Kommandos hören, die erheblich lauter und verständlicher anf sein Trommelfell wirken werden."
Darmstadt, 13. März. Wegen umfangreicher Unterschlagungen und Betrügereien wurde der Verwalter des Offizierskasinos des hiesigen Trainbataillons, der Unteroffizier August Schmidt aus Rainrod bei Schotten in Oberhessen festgenommen und in das Militärgefängnis eingeliefert. Er ist beschuldigt, im Laufe der letzten Jahre bis zu 10,000 Mark unterschlagen und für sich verwendet zu haben. Schmidt stand im achten Jahre itiib wollte sich demnächst verheiraten. Die umfangreichen Untersuchungen dauern schon seit Wochen.
Wiesbaden, 12. März. Der Eilzug Frankfurt- Wiesbaden wurde gestern abend von einer Dame aus Wiesbaden in der Wagenabteilung 2. Klasse mit der Notbremse unweit der Station Flörsheim aus voller Fahrt zum Stehen gebracht. Der Grund hierzu war, daß ein nebenan sitzender griechischer Major bei den Damen — es waren mehrere in der Wagenabteilung — sich erkundigte, wann der Eilzug auf der Endstation eintreffe. Aus Angst griff die Dame zur Notbremse.
Frankfurt a. M., 12. März. Nachdem schon gestern früh etwa 900 Arbeitslose in einer Versammlung scharf gegen die Aufhebung der Arbettslosen-Unter- stützung protestiert hatten, zogen gestern nachmittag kurz vor Beginn der Stadtverordnetenversammlung Hunderte von arbeitslosen Männern auf den Römer- berg, der bald bis ins letzte Winkelchen besetzt war. Ein starkes Schutzmanns-Aufgebot sperrte sofort den Platz nach jeder Richtung hin ab, sodaß ein weiterer Zuzug von Demonstranten verhindert werden konnte. Zu besonderen Zwischenfällen kam es nicht. Nach längerer Anwesenheit auf dem Platze entfernten sich die Leute uach den verschiedensten Richtungen.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag führte beim Titel „Löhne" das Haus die Beratung des Bergetats fort. Abg. Dr. Bell (Ztr.) begründete einen Antrag auf eine Reform des Bergeschädenrechts. Die Abgg. Hasenclever iNatl.) und v. Hasset (Kons.) beantragten Ueberweisung des Antrages an die Kommission für Handel und Gewerbe. Handelsminister Dr. Sydow gab zu, daß eine Reform dieser Frage angebracht erscheine, doch sei sie sehr schwierig. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Hue (Soz.), Korfanty (Pole), Baerwald (Fortschr.) ging der Antrag an die vorgeschlagene Kommission. Abg. Delius (Fortschr.) forderte erhöhte und von den Konjunkturschwankungen unabhängige Arbeiterlöhne. Abg. Korfanty (Pole) stellte die hohen Gewinne der iskalischen Gruben den geringen Löhnen der ober- chlesischen Arbeiter gegenüber. Abg. Hue (Soz.) orderte gleichfalls eine Lohnerhöhung und griff das Prämiensystem an, das die Arbeiter der Willkür der Beamten ausliefere. Oberberghauptmann v. Velsen wies darauf hin, daß die fiskalischen Werke nicht gleich bei schlechtem Geschäftsgang mit Arbeiterentlassungen vorgingen. Hungerlöhne würden nicht gezahlt, das beweise die Statistik. Die Verhältnisse erlaubten nicht, höhere Löhne zu zahlen, doch habe man deshalb niemals über Arbeitermangel zu klagen gehabt. Abg. Herwig (Natl.) bemerkte, daß die geringeren Löhne im Saarrevier auf die gesamten Verhältnisse zurück- zuführen seien. Abg. Glattfelter (Ztr.) dagegen meinte, die Zustände seien nicht derart, daß keine Lohnerhöhung möglich wäre. Abg. Althoff (Natl.) betonte, daß im Bezirk Dortmund in vier Jahren die Löhne um 50 Prozent gestiegen seien. Abg. v. Jacobi (tonf.) trat für eine Entschädigung der Leute ein, die in Staßfurt durch die Bodensenkungen Nachteil erlitten haben. Abg. Jmbusch tZtr.j behandelte verschiedene Knappschaftsfragen. Er bedauerte, daß die Knappschaftskaffen den Wünschen der Arbeiter nach Pensionserhöhung zu wenig Entgegenkommen zeigten. Ein Regierungsvertreter erläuterte die Beitragspflicht zu den Knappschaftskassen, die gesetzlich geregelt sei. Den Vereinen stände die Möglichkeit offen, ihre Wünsche beim Oberbergamt vorzubringen. Eine Reform des Knappschaftswesens sei jetzt nicht angebracht.
Wetteraussichten für Sountag den 15. März.
Meist trüb, zeitweise Niederschläge, mild, fr-lwe westliche Winde.