Leulschlauds koloniale Mittelung.
Zur Verabschiedung des Kolonialetats.
Unter lebhaftem Beifall des Reichstages hat der Staatssekretär des Reichskolonialamtes jüngst im Reichstage eine Rede über unsere Kolonien gehalten, in der er einen klaren Abriß über ihre Entwicklung gab und gleichzeitig die Richtlinien festlegte, in denen sich auch künftig unsere Kolonialpolitik bewegen muß. So lang auch die Ausführungen notwendigerweise waren, und so trockene Dinge dabei zur Sprache kommen mußten, die Redekunst des Staatssekretärs vermochte bei aller strengen Sachlichkeit den behandelten Stoff so m- teressant und fesselnd darzustellen, daß die ganze Rede mit gespanntester Aufmerksamkeit und mit sichtlichem
Behagen ausgenommen wurde. r o s *
Staatssekretär Dr. Solf, dessen Lebensarbeit das Ko- lonialwesen war und ist, und der alle einschlägigen Verhältnisse aus der Praxis, teils sogar aus eigener Anschauung zu beurteilen vermag, stellte unseren Kolonien für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein durchweg günstiges Zeugnis aus. Dr. Solf teilt unsere Kolonien ein in Besiedelungskolonien und in tropische, d. h. solche, die sich nur bedingungsweise zur Niederlassung von Weißen eignen: zu den ersteren gehört nach seiner Ansicht Südwestafrika und vielleicht auch Samoa. Besiedelungssähig seien im allgemeinen tu tropischen Kolonien nur die Niederungen und Küstenstriche. Den Hochländern fehle vor allem Wasser, weshalb hiervon zunächst ihre nutzbringende Erschließung abhänge. Die zweite Bedingung sei, daß die Regierung ine Interessen der Eingeborenen abwäge gegen die Interessen der Ansiedler, drittens müßten die Farmen vor der Auflassung in ihrer Begrenzung vermessen werden. Vor einer unüberlegten Auswanderung nach den-Kolonien glaubte der Staatssekretär warnen zu müssen, zumal es ja noch gar nicht erwiesen sei, daß wir einen Bevölkerungsüber- schuß haben, der zur Besiedelung tropischer Länder zwinge.
Die Wünsche einzelner Kreise, ein einheitliches Bahnnetz in Ostafrika zu schaffen, hält der Staatssekretär nicht für so leicht realisierbar, daß man sich auf ein bestimmtes System festlegen solle. Die Vollendung der Tanganjikabahn, ein „Denkmal der deutschen Technik", begrüßte er mit lebhaftem Dank der Kolonialverwaltung an alle Mitarbeiter und Mitstreiter. Große Hoffnungen seien zu setzen auf die künftige Verwertung der kolonia- len Holzvorräte sowie auf den Plantagenbau, für den die deutsche Landwirtschaft mit ihren bewährten Erfahrungen und Arbeitsweisen die Lehrmeisterin sein njüffe. Der wettere Ausbau aller möglichen Arbeitereinrichtun- gen liege der Regierunr dauernd am Herzen. Treffend kennzeichnete der Staatssekretär das Wesen der noch' für kurze Zeit aufrecht zu erhaltenden Haussklaveret, die von „Sklaverei" lediglich den Namen habe und selbst von den „Sklaven" keineswegs als drückend empfunden werde.
Der Staatssekretär mahnte, sich vor Uebertreibungen in der Arbeiterfrage und Etngeborenenbehanölung zu hüten. Die Kolonialverwaltung habe doch nicht nur für die Eingeborenen, sondern auch für unsere deutschen Landsleute zu sorgen. Er hoffe, beim nächsten Etat einen genauen Ueberblick geben zu können, was Deutschland in den Schutzgebieten getan hat, und was wir unseren deutschen Mitbürgern in den Kolonien alles verdanken.
Ruölanö ist kriegsbereit.
Der Kampfruf hinter den Kulissen.
Die Petersburger „Börsenzeitung" veröffentlicht folgende aufsehenerregende Erklärungen eines hohen Militärbeamten, hinter dem man den Kriegsmini st er vermutet:
„Wir können stolz behaupten, daß die Zeit der Dro- hungen vorüber ist, daß Rußland keine fremden Drohungen mehr fürchten, und daß die russische öffentliche Meinung keinen Grund mehr hat. sich zu beunruhigen. Wir stellen hier im Vollbewußtsein der Macht unseres von der ausländischen Presse beleidigten Vaterlandes fest, daß das Hauptziel der Landesverteidirung erreicht ich. Bisher hatte der russische militärische Operations-
6ef<mfwen Charakter: heute weiß man, daß die russische Armee im Gegenteil eine a k t i v e R o l l e spie« len rvrrd. Gut befestigte Verteidigungslinien sind an die Stelle einer Reihe von Forts getreten, es sind die früheren defensiven Bahnen verlassen worden. Unser Offizierkorps ist beträchtlich vermehr worden und bildet ein homogenes Ganze. Unsere Artillerie besitzt Geschütze, die den fremden Modellen in nichts nachgeben. Unsere Küsten- und Festungsgeschütze sind sogar denjenigen an« derer Staaten überlegen. Unsere Artillerie wird sich nicht mehr über Mangel an Geschossen beklagen können.
Lehren der Vergangenheit sind auf Lr^Marn Boden gefallen. Der militärische Au- tomvbllismus hat einen hohen Grad der Vervollkomm-
Nix.
Eine Herzensgeschichte von Walter Kabel.
15> „ (Nachdruck verboten.)
Hätte Frau Käthi ahnen können, welche Pläne da zu ihrem Besten geschmiedet wurden, — sie wäre sicher- lich weniger teilnahmslos gewesen. Soeben flüsterte -üa dem heute nicht nur infolge der bevorstehenden Trennung auffallend einsilbigen Referendar aufmnn- ternd zu:
. "^^'Jfö » wirflid) die feste Zuversicht, daß ^«^l^nters noch alles ein gutes Ende plötzliche Abfahrt ist doch nichts anderes » '^lhi fürchtet eben, daß sie dem inni- Ayessors nicht länger widerstehen kann. Und daraus iit am Besten zu sehen, wie sehr sie ihn lie- cv'r/n11^^ Bisher Ijat noch keiner von den vielen Herren, die sich ihr näherten, ihre Vorsätze und ihr Im geringsten erschüttern können. ' Clt ist sie mit derselben müden Gleichgültigkeit ent- fmn?t6cb^ ^d für Benters hatte sie doch sofort ein Jntereise — gerade so wie ich für Dick'" füate ^>> > ^r?^^ Hinzu. Und Jarotzki dankte ihr und eSÄÄ '& 'E^u Wetat« „Jedenfalls bleibt es also bei
kr,-^s,»^"salls bleibt es also bei unserer Verabredung, D? d'„Ihr beide — DU und Btx — müßt dafür sorgen, daß Kätbi ftäitbiA an Benters erinnert wird. UndwennDuaus iraend- welchen Anzeichen schließen zu können glaubst, daß sie anderen Sinnes geworden ist, so teilst Du es mir umgehend mit. Die beste Gelegenheit, Deine Schwester auf« susuchen, hatte er ja, wenn es mir wirklich glücken sollte, die Schmucksachen wieder herbeizuschaffen, wozu ich sehr begründete Aussichten habe, wie ich bereits erzählte. Er könnte sie Kathi dann zurückbringen. So wäre immerhin ein Grund für eine Fahrt nach Königsberg und für
nung erreicht. Alle unsere Einheiten besitzen telephonische Einrichtungen. Unsere Soldaten können im Bedarfsfälle das Eisenbahnpersonal ersetzen.
Unsere Luftdreadnoughts sind bekannt. Wir können daher Hoffett, daß, wenn die Umstände es erheischen, unsere russische Armee nicht nur stark erscheinen wird, sondern auch gut unterrichtet, wohl bewaffnet und mit allen techniichen Neuerungen versehen. Unsere Armee, die bisher in Feindesland zu kämpfen pflegte, wird die Grundsätze des Verteidigungssystems, in denen sie unterrichtet worden isi, nicht vergessen. Unsere Armee, deren Effektivstärke in der letzten Zeit um ein Drittel ver - m £ h r t worden ist, und aus homogenen Regimentern besteht, ist durch die Stärke ihrer Kavallerie und die Güte ihrer Ausrüstung an die e r st e Steile gerückt. Es ist wichtig, daß die russische öffentliche Meinung sich dessen bewußt ist, daß das Vaterland auf jede Möglichkeit gefaßt ist. Aber die militärische Macht eines Landes, dessen Herrscher in der Frage der Friedenskonferenz im Haag die Initiative ergriffen hat, kann nur den Staaten unangenehm sein, die aggressive Absichten haben. Niemand dars Gelüste auf irgendwelche Teile des russischen Reiches haben. Ebenso wie der Herrscher wünscht Rußland den Frieden, aber es ist i m Bedarfsfälle auch g e r ü st e t."
Das alles, klingt sehr drohend. Aber wir halten es mit dem Worte: Bange machen gilt nicht.
Eigenartige Petitionen im Reichstage.
Die Petitionskommission des Reichstages hat eine schwere Arbeit zu leisten. Unter den bisher eingegan- genen 11000 Petitionen finden sich einige, die größere Aufgaben der deutschen Volksvertretung zugeöacht haben. So verlangt ein Petent aus Reval in Rußland die Bewilligung von nicht weniger als 40 Millionen Mark für Uebersetzung, Druck und Verbreitung seines Buches „An Jesu vorbei". Ein anderer Bittsteller bringt dem Reichstag ganz besonderes Vertrauen entgegen,' er will Balkankrisis, Kontroverse zwischen Dreibund und Dreiverband, den Krieg von 1917 usw. kurzerhand für längere Zeit beseitigen und ersucht deshalb, den Abschluß eines hundertjährigen Waffenstillstandes zwischen den europäischen Staaten herbeizufübren. Es wird von gewissem internationalen Interesse sein, ob der Reichstag seine Hand dazu bieten will, endlich die größte Frage des Jahrhunderts bald für ein Jahrhundert zu lösen. Einem Oberschlesier ist offenbar das Mi- litär im Wege: er beantragt deshalb kurz und bündig Abschaffung des Militärs und Errichtung von Turnhallen. Dieser Gedanke wird aus dem kleinen Ackerstädt- chen Bauerwitz dem Reichstage zugemutet. Im Kreise Wiesen haben sich Timm und Genossen zusammengetan, um dem Reichstage die Bitte vorzutragen, Mitglieder der „Gemeinde der 30 Jungfrauen" von der Ableistung eines Eides vor Gericht zu befreien. Bisher ist über die „Gemeinde der 30 Jungfrauen" nichts in die breite Oeffentlichkeit gedrungen, und man weiß deshalb auch nichts über die Gründe der Eidesscheu dieser dreißig. Alle diese eigenartigen Gedanken werden voraussichtlich von Reichs wegen im Papierkorb enden. „Alles zur Erörterung im Plenum ungeeignet" wird die offizielle Note lauten.
Politische Rundschau,
Des Kaisers Dank an den Kreuzer „Bremen". Der Kaiser hat an das Kommando des Kreuzers „Bremen" folgende Allerhöchste Order gerichtet: „Nach fast zehnjähriger Auslanbszeit ist Mein kleiner Kreuzer „Bre- men" in die Heimat zurückgekehrt. Ich entbiete hierzu der Besatzung Meinen Kaiserlichen Gruß. Mit Genugtuung habe Ich während des letzten Jahrzehnts verfolgt, wie das Schiff überall, wohin immer seine Aufgabe es führte, mit Ehren und Erfolg seineLlagge gezeigt hat. Mehr als anderen Schiffen Meiner Marine war es ihm vergönnt, zu Wasser und zu Land in Notlagen helfend einzugreifen, Anhänglichkeit an das alte Vaterland bet den Ausländsdeutschen zu wahren und zu erwecken, deutsches Ansehen, wo es bedroht schien, kräftig zu schützen und zu fördern, mit bewaffneter Hand für Leben und Gut bedrängter Deutschen einzustehen. Es ist Mir ein Bedürfnis, das noch einmal zum Ausdruck zu bringen und den Bemannungen des Schiffes, die sick in ^5^br Pflichterfüllung bewährt haben, Bieinen Kaiserlichen Dank und Meine Anerkennung auszusprechen."
Ueber eine Milliarde englischer Flottenetat. Premierminister Aschrith kündigte am Dormerstag im Unterhause an, daß der Flottenetat für 1914/15 am 17 März eingebracht werden würde. Dieser weise eine Gesamtausgabe von 1031000 000 JL auf. Das Vorprogramm für Neubauten verzeichne mer Schlachtschiffe vier kleine Kreuzer und zwölf Tvrpeöobootszerstörer.
Eine Proklamation des Fürsten von Albanien Fürst Wilhelm hat eine Proklamation erlassen, in der es heißt: „Heute tritt das freie und unabhängige Al- banien in einen neuen Abschnitt seiner Geschichte ein
einen Besuch bei ihr gegeben. Das Weitere wird sich dann schon von selbst finden. Ich komme natürlich sofort zu Deinen Eltern, Liebes, sobald ich diese geheimnisvolle Diebstahlsgeschichte erledigt habe. Bis dahin mußt Du Dich schon mit täglichen Briefen begnügen. An Deinen Vater schreibe ich gleich heute nachmittag, ebenso auch an die Meinen daheim. Und spätestens in einer Woche feiern wir dann Verlobung . . . hoffentlich eine Doppelverlobung. — Doch nun mußt Du einsteigen, Schatze! ... Es ist die höchste Zeit . . ."
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„Jarotzki, bitte etwas weniger wild und ohne Tü- renzuknallen! . . . Oder hat Sie Ihre Reise so nervös gemacht?" rief Benters fast unwillig, da der Referendar soeben mit allen Anzeichen freudiger Erregung und den überflüssig oft wiederholten, rätselhaften Worten: „Ich hab' sie . . . ich hab' fiel" in des Assessors Wohnzimmer gestürmt war und diesen so höchst unsanft aus dem Mtttagsschlafe geweckt hatte. — Der wenig freundliche Empfang konnte Jarotzki die gute Laune jedoch nicht verderben. Er warf sich aufatmend in den breiten Klubsessel und zwinkerte dem Freunde, der ihn von seinem Divan aus forschend musterte, nur vielsagend zu.
„Strengen Sie Ihr Köpfchen etwas an, Verehrte- ster!" meinte er mit seinem alten Uebermut. „Hier sitzt des Rätsels Lösung!" Und dabei legte er die rechte Hand auf die Stelle seirres hellgrauen Rockes, unter der sich ungefähr das Herz befinden mußte.
Benters schloß mit einem ärgerlichen Achselzucken die Augen und drehte sich mit einem Ruck wieder der zu. Er befand sich in diesen vier Tagen, die seit der Abrerse Frau Trauts verstrichen waren, schon ohne- Hiu stets in sehr reizbarer Stimmung, und dieser verliebte Jarotzki, der doch sicherlich wieder einen Brief von i" H^ Tasche hatte, nahm auf seine nieder- auch nicht die geringste Rück-
- mehr, zeigte ihm vielmehr bei jeder Gelegenheit,
Das Geschick des Vaterlandes ist von nun an ven Händen seines Königs, der Weisheit der Regierung und der Tüchtigkeit der Vaterlandsfreunde anvertraut. Der Weg, der vor uns liegt, ist lang — voll von Hindernissen —, aber kein Hindernis ist unüberwindlich für ein Volk mit ruhmreichen Ueberlieferungen und altehrwürdiger Geschichte, für ein Volk, das, wie Ihr, den festen Willen bat, zu arbeiten und fortzuschrerten. Unsere Pflicht und diejenige unserer Nachfolger wird es immer sein, auf das Wohlergehen der Nation mit allen unseren Kräften bedacht zu sein. In dem Augenblick, wo wir den Thron besteigen, erwarten wir, daß Ihr Euch alle um Eueren König schart und mit uns an der Erfüllung unserer nationalen Bestrebungen arbeitet."
Kleine Iladiridifen.
Der deutsche Kronprinz und -er Invalide. Als sich der deutsche Kronprinz ant Donnerstagvormittag in Berlin zum Generalstab am Königsplatz begab, kam in der Nähe des Gebäudes ein Invalide auf ihn zu und hielt ihm eine Bittschrift entgegen. Der Kronprinz nahm das Schreiben entgegen, überflog es — der Invalide bat darin um eine Anstellung — und sagte dem Bittsteller, daß er suchen werde, ihm zu helfen.
Die Wirkung -es Generalpardons. Infolge des Generalpardons werden in der Stadt Bonn nach vorsichtiger Schätzung dreiviertel Millionen Mark Einkommensteuer für Staat und Stadt mehr eingehen, 200 000 Mark im Landkreise Bonn und 150 000 Mark im Siegkreise.
Ein französischer Eindecker über deutschem Gebiet. Von Belfort kommend, überflog am Donnerstag nachmittag ein Eindecker in beträchtlicher Höhe Altmünsterol in Oberelsatz und verschwand dann wieder in der Richtung auf Belfort.
Cöln durch einen Wasserrohrbruch überschwemmt. Donnerstag nachmittag ereignete sich in Cöln ein Bruch des Hauptwasserrohrs. Im Nu war die ganze Umgebung unter Wasser gesetzt. Zwischen Dom und Bahnhof stand das Wasser futzhoch in den Straßen. Die sämtlichen Keller der Umgebung sind unterspült. Pflaster und Stampfasphalt der Straße sind auf eine Strecke von 100 Metern gehoben und verworfen. Die Bürgersteige sind gesenkt und die Schienen der Straßenbahn gebogen. Die Gefahr wurde durch die Absperrung des Hauptwasserrohrs beseitigt.
Eine Bande internationaler Geldschrankknacker, die von Berlin zugereist war, wurde auf dem Magdeburger Güterbahnhof im Kontor einer großen Speditionsfirma von Angestellten der Wach- und Schließgesellschaft bei der „Arbeit" ertappt. Als die Beamten mit der berbei- gerufenen Polizei eindringen wollten, wurden sie mit Schüssen empfangen. Dann ergriffen die Einbrecher die Flucht, wobei sie immer auf die Verfolger schössen. Ein Rangierer und ein Schutzmann wurden durch Revolver- schütze schwer verletzt. Die Verbrecher entkamen.
146 000 Mark von einem Kassenrendanten unterschlagen. Wegen Unterschlagung von Genossenschafts/- gelöern wurde dieser Tage in der westfälischen Ortschaft Allagen der Rendant Dierks von der dortigen Genossenschaftsbank verhaftet. Wie die Untersuchung inzwischen ergeben Hat, beläuft sich die Summe der veruntreuten Gelder auf 146 000 Mark.
Eine Gemäldegalerie für Dresden. Die Stadtverordneten zu Dresden bewilligten mit 40 gegen 39 Stimmen die von der Regierung geforderten Mittel zur Errichtung einer Galerie für moderne Gemälde im Betrage von 450 000 Mark. Der Bau kommt trotz des Widerstandes eines Teiles der Bevölkerung in den Zwingeranlagen zu stehen.
Der Flieger Linnekogel, der erst vor wenigen Wochen den deutschen Höhenrekord mit Passagier aus 4300 Meter brächte, hat Donnerstag mittag seine eigene Leistung um 600 Meier verbessert. Es gelang ihm, mit einem Passagier, Oberleutnant z. S. Plyschow, auf einem Rumpler-Einöecker mit Mercedes-Motor 4900 Meter zu erreichen.
Gericht und Recht«
KinderutitzhanSlungen vor Gericht. Der zum Glück seltene Fall, daß sich eine Strafkammer mit zwei aufeinanderfolgenden Kindermitzhandlungsprozessen zu beschäftigen hat, trug sich in dem Moabiter Kriminalgericht zu. In dem ersten Fall hatte die 2. Strafkammer des Landgerichts gegen die Schlosserfrau Therese Kühl aus Neukölln wegen gefährlicher und mittels grausamer Quälerei verübter Mißhandlung ihres vierjährigen Kin- öes zu verhandeln. Die Angeklagte hatte im August 1912 zum zweiten Male geheiratet und ihre beiden aus der ersten Ehe stammenden Kinder im Alter von zwei und vier Jahren mitgebracht, die bald in der Ehe der ständige Stein des Anstoßes wurden. Sie äußerte, sie ekle sich vor den Kindern, da sie krank seien, sie würde sich auch mit ihrem Btann besser vertragen, wenn oie Kinder nicht wären. Wie die Hausbewohner wahrnah-
wie unglaublich glücklich er und seine Lisa waren, ohne daran zu denken, daß er durch die steten Lobpreisungen der Geliebten und die ebenso häufige Erwähnung der neuen Schwägerin und Btxens die noch ganz frische Herzenswunde des Freundes wieder zum Bluten bringen mußte. — Der Referendar ahnte sehr wohl, welcher Art die Gedanken waren, die Benters jetzt beschäftigten. Trotzdem schaute er seelenruhtg mit einem behaglichen Lächeln zu ihm hinüber. Wußte er doch genau: wenige Worte der Aufklärung, und des Assessors Benehmen würde sich im Augenblick ändern.
~, "^1 Interesse scheinen Sie für die gestohlenen Schmucksachen meiner Schwägerin allerdings nicht zu VEN, sagte er dann möglichst gleichgültig. — Diese
Der Assessor schnellte aus seiner
N/nden Stellung mit fast komischer Hast auf, saß jetzt fragendan^ 06 ^^ blickte sein Gegenüber unsicher
Schmucksachen . . . Schwägerin? __
| zum
Narren. — Oder . . . sollten Sie denn wirklich herausbekommen haben, wo die Schmucksachen geblieben sind?" letzte er zweifelnd hinzu, da er dem Freunde einen so geschmacklosen Scherz nicht zutrauen mochte.
r "Nicht. . . „sollte", Benters, nicht . . . „sollte"!" Referendar triumphierend. „Ich habe sie tat« sachlich wiedergefunden, — nein, um mich genau auszu- fie mir so „halb zog es ihn, halb sank er hin wieder ausgehandigt. Und hier sind sie..!" Dabel holte er möglichst umständlich aus seiner Rock- tasche ein flaches Etui hervor, das er aufklappte und dem Assesior hinstreckte. In dem Etui aber lagen auf dem weißen Seidenkissen all die auf so geheimnisvolle Weise vor mehr als sechs Wochen verschwundenen Kostbarkeiten. '
(Fortsetzung folgt.)