Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 63.
Sonnabend, den 14. März
1914.
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Der amtliche Anzeiger, welcher alle Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes und zahlreicher anderer Behörden enthält, macht das Hersfelder Tageblatt besonders wertvoll für Jedermann.
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Bus der Heimat.
* (Die Führer imKaisermanöver 1914.) Bei den diesjährigen Kaisermanövern, die sich bekanntlich zum großen Teil in Hessen-Nassau abspielen, werden, auswärtigen Blättermeldungen zufolge, als Führer auf der einen Seite Kronprinz Rupprecht von Bayern, auf der anderen der General-Inspekteur der 7. Armeeinspektion, Exzellenz von Eichhorn, einer unserer bedeutendsten Heerführer, tätig sein.
§ Hersfeld, 13. März. Am 1. A p r i l d. Js. treten nachstehende Fahrplanänderungen in Kraft: Zug 2202 Vacha ab 4.44, Philippsthal Süd 4.51, Unterbreizbach 5.01, Pferdsdorf (Rhön) 5.11, Wenigen- taft-Mansbach an 5.18. — Zug 1021 nur Werktags von Geisa (ab 5.13) nach Tann (an 5.40) fällt fort, dafür verkehrt ein neuer Zug 246 Wenigentaft- Mansbach ab 5.32, Buttlar 5.37, Borsch 5.42, Geisa 5.46 bis 5.49, Schleid 5.56, Motzlar 6.02, Günthers 6.10, Tann an 6.16 mit Anschluß nach Hilders. — Z u g 1147 Vacha ab 5.40, Philippsthal Süd 5,46, Unterbreizbach 5.52, Pferdsdorf (Rhön) 5.59, Wenigentaft-Mansbach 6.05 bis 6.06, Buttlar 6.10, Borsch 6.15, Geisa an 6.19. — Zug 1148 Tann ab 8.55, Günthers 9.03, Motzlar 9.13, Schleid 9.20, Geisa an 9.26.
):( Hersfeld, 13. März. Wie uns ein Privat- telegramm aus Casfel meldet, wurde in der heutigen Sitzung des Schwurgerichts der Arbeiter Johannes G l e b e wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt.
111 März. Ein Schauspiel seltener Art hatte gestern nachmittag eine große, nach Hunderten zahlende Menschenmenge in die Nähe des Geländes der ehemaligen Zuckerfabrik gelockt. Sollte doch die Umlegung des ca. 40 Meter hohen Schornsteins er- solgen. Schon fert mehreren Tagen hatten fleißige Hände aus dem Unterbau desselben bis zur Hälfte ^^^nerichmttes die Steine ausgebrochen und dicke Balken eingestellt. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, wurde ein starkes Feuer an die Stützen gelegt, das noch durch Aufgießen von Petroleum belebt wurde. Als diese Träger stark angebrannt und teilweise durchgebrannt waren, stürzte unter donner- ähnlichem Krachen das letzte Denkmal früherer Zeiten unter Hinterlassung trübseliger Erinnerungen zusammen.
Schlitz, 11. März. Wie verlautet, ist die Inbetriebnahme und Einweihung der Bahnlinie Schlitz—Nieder- aula, die für den 1. Juli vorgesehen war, auf den 1. September verlegt worden. Während zwischen Niederaula und Queck der ganze Oberbau bereits vollständig zum Betrieb fertiggestellt ist, bedarf es die Herstellung der Linie zwischen Queck und Schlitz noch beträchtlicher Arbeiten.
Aus dem Werratale, 10. März. Die Kaliwerke Großherzog von Sachsen erzielten im abgelaufenen Jahre einen Reingewinn von 444 039 Mark im (Vorjahre 585 317 Mark.) Wegen der ungeklärten Lage des Kalimarktes und zur inneren Stärkung der Gesellschaft soll für 1913 keine Dividende gewährt werden. Vom Reingewinn sollen 400 000 Mk. als besondere Abschreibungen auf die Buchwerte verwendet werden. Im Vorjahre wurden 540 000 Mark Dividende (9°/o) verteilt. Das Aktienkapital beläuft sich auf 6 Millionen Mark, während die Bankschulden 221 Millionen Mark betragen.
Caffel, 13. März. Das Schwurgericht verhandelte gestern gegen den 20jährigen Dienstknecht Johannes Ebinger aus Asbach (Kr. Schmalkalden) wegen versuchter Notzucht. Der Angeklagte ist zweimal vorbestraft, einmal wegen Diebstahls recht erheblich. Er wird beschuldigt, am 20. Januar d. Js. zwischen Asbach und Weidenbach ein vom Markt kommendes junges Mädchen überfallen zu haben. Der Angeklagte versuchte das Mädchen zu vergewaltigen, als es sich aber energisch wehrte, schlug er blindlings mit einem dicken Knüttel auf das Mädchen ein, das schwer verletzt wurde. Der Angeklagte wurde der versuchten Notzucht, der gefährlichen Körperverletzung und des Diebstahls überführt und mit Rücksicht auf seine ehrlose Gesinnung und seine bestialische Handlungsweise zu 4 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.
Casfel, 12. März. Ein ergreifendes Bild von rührender Kindesliebe gibt folgender Polizeibericht: Mittwoch abend gegen 8 Uhr versuchte sich der 46jährige Schneidermeister K. und dessen 18jähriger Sohn an der Ecke Wilhelmshöher Allee—Virchowstraße zu vergiften. Der Vater hatte morgens gegen 9 Uhr in der Sonnenapotheke Hohenzollernstraße ein Fläschchen Salzsäure gekauft. Beide sind dann den ganzen Tag auf Wilhelmshöhe umhergeirrt. Da der Sohn merkte, was der Vater vor hatte, ging er trotz wiederholten Bittens des Vaters nicht nach Hause, sondern verblieb bei ihm. An der genannten Stelle trank der Vater daK Fläschchen bis über die Hälfte aus. Da der Sohn allein nicht am Leben bleiben wollte, entriß er das Fläschchen dem Vater und trank den Inhalt aus. Da die Schmerzen aber zu groß wurden begaben sich beide nach dem Roten Kreuz, schellten dort und wurden ausgenommen. Der Arzt, Professor Dr. Bertelsmann, leistete die erste Hilfe. Nach Aussage des Arztes besteht keine Lebensgefahr. Der Grund zur Tat sollen zerrüttete Familienverhältnisse und Schwermut sein.
Casfel, 12. März. Das Infanterieregiment Nr. 167 in Casfel und Mühlhausen (Thür.) bezieht den sächsischen Truppenübungsplatz Zeithain vom 19. Juni bis 11. Juli.
Corbach, 12. März. Bei Sprengungsarbeiten am Bahnbau Cvrbach-Brilon wurde hier ein ausländischer Arbeiter etwa vierzig Meter weit fortgeschleudert und furchtbar zugerichtet. Als man ihn aufhob, hatte er seinen Geist bereits aufgegeben.
Göttingen, 12. März. Dieser Tage wurde in.die hiesige Klinik die Frau des früheren Forstkasien- Rendanten Boß aus Jlfeld eingeliefert, bte infolge der Verfehlungen ihres Mannes geisteskrank geworden ist.
Hannoversch-Münden, 12. März. Im Jahre 1912 hatte sich ein Hofgeismarer Dragoner von seinem Regiment entfernt; er begab sich nach Frankreich und zwar nach Marseille. Seitdem hörte man nichts mehr von ihm. Am Dienstag nun befand er sich auf der Rückreise nach seiner Heimat Norten, mußte aber die Reise in Speele unterbrechen, weil ihm die Mittel zur Weiterfahrt fehlten. Er stellte sich nun m Speele dem Gendarmen, der ihn, auf Anordnung des MündenerLandratsamts dem hceßgenPwnrerbatarllon überwies, das seine Uebersuhrung nach seinem früheren Truppenteil Hofgeismar vollzog.
Hann. Münden, 12. März. In der Sitzung des Kommunallandiages für den Regierung bezirk Hildesheim wurde die infolge des Generalpardons vorgenommene Mehreinschätzung des Vermögens bei der Einkommensteuerveranschlagung bei den einzelnen Stadt- und Landgemeinden auf die Stadt Munden mit zwei Millionen, und den Kreis Münden mit drei Millionen mehr beziffert al* bisher.
Bauenden 11. März. Der Knecht August Wese- mannwollte bei öer Post auf ein Fuder Kluftholz sie1a?n kam dabei zu Fall und wurde von zwei Rädern des Wagens über den Kopf gefahren Ein gerade im Orte anwesender Arzt aus Göttingen konnte nur den Tod des Knechtes konftaticren.
Darmstadt, 12. März. Als gestern abend die Waaen des um 9,11 Uhr in Darmsiadt auf dem Haupt- babnbose eingetroffenen Personenzuges Nr. 971 revidiert wurden, entdeckte man im Abort eines Abteils
dritter Klasse die Leiche eines anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden Mannes. Die Türe des Aborts war von innen mit Bindfaden Angebunden. Der Unbekannte hat anscheinend Selbstmord durch Vergiftung begangen.
Gera, 10. März. Im benachbarten Langenberg nahm sich der angesehene Schuhmachermeister August Scheffel auf eigenartige Weise das Leben. Als seine Frau mit dem Sohn gestern zu einem Vergnügen gegangen war, füllte er den Waschkessel halb voll mit Wasser und stellte sich mit dem Kopf nach unten in das Wasser und fand so den gesuchten Tod. Da dem Mann keine Sorgen drückten, so kann man sich das Vorgehen nicht erklären.
Geseke, 12. März. Dieser Tage versuchte sich ein aus Hessen zugereister fremder Arbeiter mit einem Küchenmesser die Kehle zu durchschneiden. Mit einer schweren Schnittwunde wurde er im Krankenhause untergebracht. Hier hat sich der hartnäckige Selbstmörder in der Dunkelheit aus dem dritten Stock in die Tiefe gestürzt, wo er mit tödlichen Schädelbrüchen aufgefunden wurde.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Donnerstag zunächst das Kleinwohnungsgesetz, das nach kurzer Erörterung der Wohnungskommission überwiesen wurde. Bei der dritten Beratung des Postsckeckgesetzes bezeichnete Abg. Dr. Südekum (Soz.) die Vorlage als so mangelhaft, daß sie unmöglich als ein Abschluß bezeichnet werden könne. Abg. Beck-Heidelberg (nl.) gab zu, daß das Gesetz nicht vollkommen sei, aber es bringe doch wesentliche Verbesserungen. Nach weiterer kurzer Erörterung wurde das Gefetz genehmigt mit dem Beginn der Gültigkeit vom 1. Juli 1914. Die Vorlage über die Verhinderung Wechsel- und scheckrechtlicher Handlungen im Auslande wurde in zweiter Lesung ohne Erörterung angenommen. Es folgte die erste Lesung des Luftverkehrsgesetzes. Ministerialdirektor Dr. Lewald führte zur Begründung aus, daß die gesetzliche Regelung durch die Entwicklung der Luftschiffahrt bedingt wurde. Die Zerstörung des Zeppelinschiffes in Echterdingen löste eine starke nationale Bewegung aus, und seitdem sei die Frage zu so hoher Bedeutung gelangt, daß eine gesetzliche Regelung notwendig wurde. Eine internationale Regelung konnte nur mit Frankreich getroffen werden. Die nationale Regelung geschehe im Interesse der Flieger, wie in dem des Publikums. Weitere Opfer an Leben sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Der Haftpflicht ziehe der Entwurf sehr enge Grenzen, für die sich auch Graf Zeppelin ausgesprochen habe. Es sei zu wünschen und zu hoffen, daß auf der vorhandenen Grundlage Deutschland auch auf diesem Gebiet voran- gehe. Abg. Landsberg (Soz.) bedauerte, daß noch keine internationale Regelung durchgeführt worden sei, bezeichnete die Frage der Haftpflicht als nicht genügend geklärt und beantragte Kommissionsberatung. Abg. Dr. Belzer (Ztr.) sah in der Vorlage eine gute Grundlage für die internationale Regelung, gab jedoch zu, daß die Bestimmungen über die Haftpflicht nicht genügten. Auch Abg. Quarck-Coburg (nl.) stand der Vorlage sympathisch gegenüber, wollte aber der Kommission einzelne Abänderungen überlassen. Abg. Dr. Oertel (kons.) begrüßte die Vorlage als einen großen Fortschritt. Bei aller Begeisterung müsse man jedoch die Vorlage nüchtern und sachlich prüfen. Anerkannt sollte werden, daß wenigstens eine nationale Regelung herbeigeführt werde. Die Sicherheit des Vaterlandes wie die Verteidigung der Grenzen sei der springende Punkt des Gesetzes. In der Haft- pflichttsrage müsse allerdings die Kommission eine gründliche Aenderung vornehmen. Besonders die Haftpflicht bei Notlandungen, die der Landwirtschaft schweren Schaden bringen, bedürfe einer gründlichen Aenderung. Die Landwirtschaft müsse vor schwerem Schaden geschütztwerden.—Freitag: Duellinterpellation des Zentrums.
Wandervorschläge für Sonntag.
a. Tagestvur: Hersfeld-Niederaula (6.52 Uhr vorm. mit der Bahn) -Warteküppel-Hof Otters- bach-Breitenbach-Schloß Herzberg-Gehau-Rim- berg-Machtlos-Auelskoppe-Kleba. (Von Hier Rückfahrt mit der Bahn. 6 bis 7 Std.)
b. i/2 Tagestour: Hersfeld-Wehneberg-Haukuppe- Allmershausen - Hählgans - Reckeröder Straße - Meisebach-Hersfeld. (4 bis 5 Std.)
Wetteraussichten für Sonnabend den 14. März.
Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, mild, westliche Winde.