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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hsrsfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 60

Donnerstag, den 13. März

1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

§ Hersfeld, 11. März. Wir wollen heute noch be­sonders darauf hinweisen, daß das hier gastierende NeueBerlinerOperetten-Ensemble nicht mit minderwertigen reisenden Gesellschaften zu ver­wechseln ist. Es handelt sich hier um ein aus nur besten Gesangskräften zusammengestelltes großes Operetten-Ensemble,welches das alleinige Aufführungs­recht der Operetten NovitätDie Tango Prinzessin" für unsere Stadt erworben hat. Die Solomitglieder entstammen ersten Opern und Operettentheatern. So zählt die Vertreterin der Hauptpartie Fräulein Gustel Freund bis vor Kurzem noch zu den Lieblingen des Neuen Berliner Operetten-Theaters auch der Tenor- buffo des Ensembles gehörte diesem Theaterverbanöe mehrere Jahre an. Die erste Soubrette Fräulein Lisa Wehn war drei Jahre als erste Soubrette am Hamburger Operetten-Theater engagiert. Der erste Tenor Herr Hans Gollmer war zwei Jahre Mitglied der komischen Oper. Die erste Sängerin Fräulein Lotte Schröder tritt mit dem 15. April als Operetten- sängerin in den Verband des Breslauer Stadttheaters. Daß die Gesellschaft in allen Städten, wo sie bereits gespielt hat, vom Publikum glänzend beurteilt wird, versteht sich nach oben erwähntem wohl von selbst. Wir können daher den Besuch dieser Gastspielvor­stellung nur aufs beste empfehlen und wünschen dem Ensemble ein recht volles Haus.

):l Hersfeld, 11. März. Wie die Gau-Zeitung für den Oberfulda-Werra-Gau bekannt gibt, findet am Sonntag den 26. April für die Turnbezirke Hersfeld, Heringen und Vacha ein größeres Kriegsfpiel in dem Gelände Schenklengsfeld-Mansbach statt. Die Ausarbeitung des Spieles hat Herr Gymnasialober- lehrer Dr. Klauer übernommen. Die näheren Einzel­heiten werden noch später bekannt gegeben. Der Oberfulda-Werra-Gau ist nunmehr in 7 Turnbezirke eingeteilt worden, die wie folgt benannt sind: 1. Turnbezirk Fulda, 2. Hersfeld, 3. Bebra, 4. Gersfeld, 5. Heringen, 6. Rotenburg, 7. Vacha. Zum Turnbezirk Hersfeld gehören die Turn­vereine Hersfeld und Iahn, ferner Eitra, Friedlos, Kalkobes, Niederaula, Raboldshausen, Unterhaun, Mecklar, Meckbach, Niederjosfa, Breitenbach a. H., Buchenau und Wehrda. Zum Turnbezirk Heringen gehören die Turnvereine Friedewald, Schenklengsfeld, Ransbach, Widdershausen, Heringen, Wölfershausen, Heimboldshausen und Lengers. Bezirksturnwart für den Bezirk Hersfeld ist Herr Bernh. Andree-Hersfeld und für den Bezirk Heringen Herr Kautsch-Neurode- Herfa.

):( Hersfeld, 11. März. Herr Gerichtsaktuar S ch m i t t von hier, z. Zt. in Fulda, wurde vom 1. April ab an das hiesige Amtsgericht versetzt.

§ Hersfeld. 11. März. Zur Wetterlage wird von der Wetteroienststelle Weilburg unter dem 10.ö.Mts. geschrieben: Es scheint jetzt eine Aenderung der Wetterlage bevorzustehen, über Mitteleuropa hat sich der zuletzt vom Ozean herangezogene Tiefdruck­wirbel zusammengezogen, sodaß wir augenblicklich noch sehr unruhiges Wetter haben. Doch scheint jetzt vom Ozean kein neuer Wirbel zu folgen. Wir würden dann auf der Rückseite des oben genannten Wirbels wltsl? allgemeinen Winddrehung nach Westen und su rechnen haben. Niederschläge sind dabei in Aussicht, doch dürften sie und allmahltch auch> die Bewölkung langsam abnehmen. $l* Winde werden uns dann, da sie ^^^iand her stammen, wahrscheinlich in den nächsten ^6en etwas kälteres Wetter bringen, wenn auch vorläufig höchstens ganz vereinzelt leichte Nachtfröste.

, W Hersfeld, 11. März. Zu der gestern in Bebra stattgefundenen Oeffnung der Angebote auf Ver­stellung der an der Umgehungsbahn nötigen G e - l ä n d e r waren 27 Offerten eingegangen. Die Höchst- forderung mit 5981,25 Mk. hatte die Firma Chr. Kaiser, Bebra abgegeben, während die niedrigste Forderung nur 2357,00 Mk. betrug, welche die Firma Trautvetter- Hersfeld abgegeben hatte, den gleichen Betrag ver- verlangte die Firma Faupel-Frielingen. Die dann folgenden Angebote betrugen 2551,20, 2849,00, 2940,08, während sich alle anderen Offerten zwischen 3300 und oOOO Mk. bewegten. Da zwischen dem höchsten und 'uedrigsten Angebot ein Unterschied von rund 3624 liegt, so muß man sich doch fragen, wer hier nchtrg gerechnet hat. Bei einem so kleinen Objekt ooch eine sehr große Differenz!

. ):( Hersfeld, 11. März. Nach einer Bekanntmachung ves hiesigen Bezirkskommandos können sich Mann­

schaften des Beurlaubten standes, welche zu freiwilligen Uebungen als B a l l o n s ü h r e r ge­eignet und bereit sind, sich bis zum 15. März bei dem hiesigen Hauptmeldeamt melden. Näheres hierüber befindet sich in dem heutigen amtlichen Anzeiger.

Aus dem Kreise Ziegenhain, 10. März. In der Versammlung des konservativen Vereins für Hessen, die am vergangenen Freitag in Cassel stattfand, wurde auch die Reichstagskandidatur des Herrn v. Gehren für den Wahlkreis Fritzlar-Ziegenhain-Homberg be- fprochen. Die Versammlung beschloß, an der Kandi­datur v. Gehren sestzuhalten.

Rotenburg, 9. März. Einen groben Vertrauens­bruch sollen einige Arbeiter einer hiesigen Fabrik be­gangen haben. Wertvolles Kupfermaterial wurde entwendet und an einen Althändler in Cassel abgesetzt. Der Versand wurde in Bebra unter falschem Namen und unter falscher Deklaration bewerkstelligt. Die letzte Sendung erfolgte am Freitag und wurde be­schlagnahmt. Die gerichtliche Untersuchung ist im Gange.

Fulda, 10. März. Der am Sonntag im Bahnhofs­hotel hier abgehaltene Rhönturntag bestimmte den 9. August zur Abhaltung des heurigen Rhönturnfestes auf der Wasserkuppe und stellte eine Unterbilanz fest, mit der voriges Jahr wegen des schlechten Wetters gearbeitet werden mußte. Dennoch sind 1267 Mk. an Barmitteln vorhanden. Für den Vierkampf, an dem sich alle Mitglieder der deutschen Turnerschaft, das Militär und über 17 Jahre alte Schüler beteiligen können, sind maßgebend: Stabhoch, Steinstoßen, Drei­sprung und 400 Meterlauf (zusammmen 48 Punkte berechtigen zu einem Preis). Im Sonderkampf hat Schleuöerballweitwerfen stattzufinden. Für das Jugenöturnen im Dreikampf ist festgelegt, 100 Meter­lauf, Kugelstoßen (10 Pfund) und Weithochsprung.

Breitenbach a. Herzb., 9. März. Der Regen der letzten Wochen hat auch seine Spuren am Bahndamme deutlich hinterlassen. Im Einschnitt auf der Kammer zwischen Breitenbach a. H. und Oberjossa, wo schon im Winter eine Rutschung der Böschung vorgekommen war, zeigt sich jetzt wieder eine starke Bewegung der Erdmassen. Man fürchtet, daß ungefähr 1000 Kbm. Erde abrutschen werden. Nachdem der hier herführende Feldweg an dieser Stelle schon verschwunden ist, ist jetzt das anliegende Grundstück schon stark in Mitleiden­schaft gezogen. Es haben sich, abgesehen von den abgerutschten Massen, tiefe Risse gebildet, die noch weiteres Nachfolgen von Erdmassen befürchten lassen. Ob unter diesen Umständen die Linie bis Grebenau am 1. Oktober d. J. eröffnet werden kann, erscheint höchst zweifelhaft.

Fulda, 9. März. Bei dem jüngsten Musterungs­geschäft im Kreise Fulda, dem sich etwa 900 Ge­stellungspflichtige zu unterziehen hatten, wurden kaum 300 Jünglinge als zum Heeresdienst brauchbar be­funden.

Frankfurt a. M., 10. März. Der Direktor der Chemischen Fabrik Griesheim, Dr Geisenberger ist nach Unterschlagungen von angebllch 100 000 Mark geflüchtet.

Vorhalle (Sauerland), 10. März. Traurige Folgen hatte ein schlechter Scherz eines jugendlichen Arbeiters, der in einem hiesigen Betriebe die Starkstromleitung mit der Fabriktür verband, um dem ersten Arbeiter einen Schreck einzujagen. Der zur Arbeit kommende Gießer Klein erhielt, als er die Klinke ergriff, einen solch furchtbaren Schlag, daß er sofort tot zusammen- stürzte. Klein, der verheiratet war, wohnte tn Wetter.

Lichteuhagen, 9. März. Ein bedauerlicher Un- alücksfall ereignete sich hier. Wahrend der Fruhstucks- pause der ^hiesigen Separationsarbeiter hantierte der 22jährige W. Heede mit einem Revolver. Als ihm der Versuch, loszudrücken, nicht gelang, verbuchte es der ^jährige M Hasel. Der Schnß ging los und traf den W Heede in den Leib. Der telephonisch lierbeiaerufene Arzt aus Homberg stellte fest, daß die KumtS Heber und Nieren durchgedrungen e"Äd überw es den Verletzten nach Treysa, woselbst ihm die Kuael entfernt wurde. Der unvorsichtige Schütze hkt zwei Jahre in Fulda bei der Artillerie gedient.

Eschbach iKr. Usingen), 10. März. Bei einer Re­vision der Svar- und Tarlehnskasse wurde ein Fehl- betraa von 36 056 Mark fcftgcftedt. Es ergab sich, dan der frühere Rechner, Landwirt Johann Wilhelm Rebner fett 9 Jahren alljährlich der Kasse Geld ent­nommen und für sich verwandt hatte. Die Unter­schlagungen hat er durch falsche Buchungen verdeckt. Rebner bat seinem Leben am 20. Januar durch Er- bänaen freiwillig ein Ende gemacht. Man kann sich «?»£' »0 dar Geld g«b«cbkN ist, da Rehner sehr solid gelebt hat.

Abgeordnetenhaus.

Am Dienstag wurde die Beratung des Etats der Handels- nnd Gewerbeverwaltung zu Ende geführt. Abg. Dr. Liepmann (Natl.) wünschte eine noch stärkere Förderung der nichtgewerbsmäßigen Stellenvermitt­lung und der Rechtsberatungsstellen für die minder­bemittelte Bevölkerung. Abg. Dr. Flesch (Fortschr.) verlangt für die Arbeitsnachweise in erster Linie die paritätische Grundlage. Ein Regierungsvertreter wies erneut darauf hin, daß die Innungen das Recht hätten, ihren Mitgliedern die Benutzung der Junungs- nachweise zur Pflicht zu machen. Abg. Leinert (Soz.) nahm die Facharbeitsnachweise in Schutz gegen den Vorwurf der Parteilichkeit. Abg. Dr. Crttger-Hagen (Fortschr.) bat den Minister um Vorlage einer Denk- schrift über die Entwicklung des gewerblichen Ge­nossenschaftswesens. Handelsminister Dr. Sydow ant­wortete, es sei nicht Sache der Staatsregierung, eine Denkschrift als Werbeschrift herauszugeben. Die Regierung könne nicht in den Streit über den Wert der Genossenschaften eingreifen. Auf kurze Wünsche der Abgg. Veltin lZtr.), Dr. Schroedter-Caffel lNatl.), Leinert lSoz.) antwortete Geheimrat Frankel, daß die Kgl. Porzellanmanufaktur schon seit den 90er Jahren einen kaufmännisch geregelten Betrieb erhalten habe. Sie solle aber nicht ein Erwerbs-Jnstitut, sondern ein Institut zur Förderung des Kunstgewerbes sein. Jährlich liefere aber trotzdem die Porzellanmanufaktur etwa 100 000 Mark an die Staatskasse ab. Arbeiter­klagen seien der Verwaltung nicht zugegangen. Abg. Leinert müsse falsch unterrichtet sein. Nach weiteren unwesentlichen Bemerkungen des Abg. Leinert (Soz.) schloß die Debatte. Damit war der Etat der Handels­verwaltung erledigt. Bei Beratgug des Bergetats stellte Abg. v. Hasse! (kons.) fest, daß Rußland und Frankreich neuerdings mehr deutsche Kohlen beziehen. Er wünschte, daß das Kohlensyuoikat unter Betei­ligung des Staates wieder zustande kommen möchte. Für das Leben und die Gesundheit der Arbeiter müßte das Möglichste getan werden. Abg. Brust lZtr.) wünschte, daß der Staat bei der Preisbildung des Kohlensyndikats Mitwirken möchte und die Interessen der Konsumenten berücksichtige. Abg. Althoff (natl.) hielt es nicht für erwiesen, daß Zechen ftiügelegt worden wären, die noch rentabel gewesen seien. Abg. GantertlFortschr.) erklärte, seine Freunde seien Gegner des Syndikats. Das Ausland dürfe selbstverständlich die Kohlen nicht billiger erhalten als das Inland. Oberberghauptmann v. Velsen bemerkte, daß die Re­gierung nicht ein neues Gesetz über die Stillegung der Zechen einzubringen geben te. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr Fortsetzung. Schluß Vi5 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Dienstag die allgemeine Erörterung des Kolonialetats fort. Abg. Schwarze- Lippstadt lZtr.) führte aus, die Behauptungen des Abg. Henke vom Montag seien beweislose Verall­gemeinerungen von Einzelfällen. Die gute Entwick­lung der Kolonien sei zum erheblichen Teile der Fürsorgetätigkeit der Missionen zu danken, denn sie haben die Eingeborenen zu praktischer Arbeit erzogen. Zu verlangen sei eine bessere Behandlung der Einge­borenen. Abg. Dr. Paasche (nl.) hielt den Eisenbahn­bau schon aus menschlichem Interesse für geboten, damit der eingeborene Arbeiter Frau und Kinder zur Arbeitsstätte mitnehmen könne. Daher sei auch eine weitgehende Arbeiterfürsorge, aber auch ein Zwang zur Arbeit nötig. Gesorgt müsse auch für einen weiteren Rückgang des Alkoholkonsums werden. Abg. Naumann lFortschr.) wies dem Reichstage die Pflicht zu, die Frage zu beantworten, ob er die Kolonial- ausgaben auch verantworten könne. Bei der Schilde­rung der Bahnbauten habe man immer ihre energische Förderung durch Herrn Dernburg vergessen, der auch viel zur Belebung der einheimischen Stimmung ge­tan habe. Seine ldes Redners) Freunde seien Freunde der Kolonien, aber nicht des Vorhandenen, sondern dessen, was werde und komme. Abg. Noske lSoz.) nahm für seine Partei in Anspruch, an der Besserung der Verhältnisse durch scharfe Kritik mitgewirkt zu haben und forderte Einschränkung der Prügelstrafe, die er eine Scheußlichkeit nannte. Der Bahnbau ver­größere nur die Aufstandsgefahr, deshalb könne seine Partei nicht für ihn eintreten. Abg. Erzberger lZtr.) erklärte das Einverständnis seiner Freunde mit der Rede des Staatssekretärs, lehnte aber eine Verteilung des Tätigkeitsgebiets zwischen den Konfessionen ab, weil dies einen Gewissenszwang bedeuten würde. Mittwoch Fortsetzung.

Wetterausfichten für Donnerstag den 12. März.

Wolkig, meist trocken, Nachts kalt, westliche l nordwestliche Winde.