Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Lszugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 58. Dienstag, den 10. März 1014.
Bus der Heimat«
* Eine größere Anzahl Offiziers- Aspir anten des 11. Armeekorps ist für den 12. ö. M. zu einer achtwöchigen Uebung einberufen worden und zwar zunächst aufvier Wochen nach Ohröruf, während der zweite Teil der Uebung bei den einzelnen Regimentern abgeleistet wird. Das Ausbildungspersonal fährt bereits am 11. d. M. nach Ohrdruf ab.
* Der Etat der Landwirtschaftskammer zu Cassel für 1914 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 445105 Mk. gegen 417 673 Mk. in 1913. Da die Einnahmen nur auf 437 396 Mk. berechnet sind, muß der Fehlbetrag von 7709 Mk. aus den Beständen gedeckt werden. Die Einnahmen setzen sich zusammen aus 163 660 Mk. Staatsbeihilfen, 57 375 Mk. sonstigen Beihilfen und 216 361 Mk. eigenen Einnahmen. Bei den Ausgaben sind vorgesehen 218 531 Mk. für wissenschaftliche und Lehrzwecke, 12 000 Mk. für das Veterinärwesen, 92 576 Mk. für Förderung der Viehzucht, 15 000 Mk. für Förderung der Waldkultur, 33 055 Mk. für Förderung des Obst-, Wein- und Gartenbaues, 31510 Mk. für Unterstützung der landwirtschaftlichen Vereine und Förderung der Landkultur im allgemeinen, für Verwaltungskosten 52 933 Mk. Ferner sind als einmaliger außerordentlicher Beitrag 3 000 Mk. Beihilfe für die Vezirks- ausstellung in Hersfeld in den Etat eingestellt.
§ Hersfeld, 9. März. Auf dem Rade um die Welt! Wir verweisen nochmals auf den mit 200 Lichtbildern verbundenen Vor trag des Weltreisenden W. Schwiegershausen aus Leipzig, den er diesen Montag im Saale des Hotel Stern über seine fünfjährige Radfahrt durch die 5 Erdteile halten wird. Ein Referent schreibt: „In lebensvollen Bildern führte uns der Reisende durch Wüsten und Steppen, Busch und Dschungel, durch fanatische, halb zivilisierte und wilde Völkerstämme. Mit Spannung lauscht man seinen Abenteuern in Asien, wo das Rad Teufels- pserd genannt wurde,' wo er seine Begleiter verlor und ihn das Geschick oft hart an dem Abgrunde des Todes vorüberführte. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete den lebendigen Schilderungen des gewandten Redners stürmischen Applaus." Nach den verschiedenen, uns vorliegenden Zeitungsauslassungen ist ein interessanter Abend zu erwarten, den sich Niemand entgehen lasse.
-d- Hersfeld, 9. März. Husaren Regiment KönigHumbert vonJtalien(1. Kurhessisches) Nr. 13 in Diedenhofen a. ö. Mosel stellt zum Herbst dieses Jahres noch Handwerker als dreijährig Freiwillige ein. Bevorzugt werden Sattler, Schuh- macher, Schneider, Schmiede usw. Meldungen unter Beifügung eines Meldescheines sind baldigst an das Regiments-Geschäftszimmer zu richten.
-b- Heringen, 9. März. Infolge der starken Regengüsse der letzten Tage und der auf der hohen Rhön eingetretenen Schneeschmelze ist die W e r r a aus den Ufern getreten und hat weite Strecken überschwemmt. Die vom Bahnhof nach dem Orte führende Straße steht vollständig unter Wasser, so daß ein Verkehr unmöglich ist. Das Wasser geht in einer Höhe von ca. 50 Zentimetern über die Straße. Diejenigen Bewohner unseres Ortes, die bei der Gewerkschaft Wintershall beschäftigt sind, konnten nur auf großem Umwege zu ihrer Arbeitsstätte gelangen.
e ^^^^' 7- März. Der geheimnisvolle Skelettfund auf dem Grundstücke der Firma Klein u. Stiefel hier
Aufklärung gefunden. Es handelt sich Januar 1910 spurlos verschwundenen Arbeiter Nikolaus Nix von Fulda.
^^rz. Mit dem Bau des großen ^L^sentrale Deutschlands w rd in 'frf Arbeiten sollen derartig be- ^unigt werden daß der Turm noch vor Eintritt ^^rs rm Aufbau vollendet ist. Er kommt in öie ^jol)entnimmt, in öcr b^ä^E hp§ AeTrtfienen verzweigten Flußbettes der Fulda 8
. lisch 6- März. In Touristen- und Sommer- ?'!Ä^^blsen durfte die Nachricht interessieren, daß das Nudlrngsche Hotel am Fuße der Milseburg (Rhön) von dem seitherigen Pächter Goßmann käuflich erworben worden ist. — Mit dem Bau eines neuen Logierhauses auf der Wasserkuppe (Rhön) hat es trotz der geschenkten 30 000 Mark und des Baugeländes hoch gute Wege. Es stößt die Ausführung des Pro- tektes auf solche Schwierigkeiten, daß ein gänzliches Metern des Planes im Bereich der Möglichkeit liegt.
.Herleshausen, 6. März. Noch im letzten Augen- Uck durch seine Geistesgegenwart vom sicheren Tode .erettet wurde der Bahnarbeiter Caspar Böck aus ?erleshausen. Er war auf dem Bahnhof zu Gerstungen 'amrt beschäftigt, die Schrauben an der Verbindung
zweier Schienen fester anzuziehen und bemerkte nicht eher das Herannahen eines Güterzuges, bis dieser sich dicht vor ihm befand. Die Gefahr erkennend, warf sich B. noch im letzten Augenblick lang zwischen die Schienen und ließ den Zug über sich hinwegfahren. Glücklicherweise kam er wie durch ein Wunder mit einigen Verletzungen am Arm davon.
Gaffel, 7. März. Der Vorstand des hessischen Städtetages hat in seiner in Cassel abgehaltenen Tagung unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Gebeschus-Hanau beschlossen, den hessischen Städte- tag auf den 5. Juni nach Arolsen einzuberufen. Auf der Tagesordnung stehen u. a. die zweite Hypotheken- frage, ferner die Pflege des Heimatschutzes durch die Stadtverwaltungen und die Kinderfürsorge.
Göttingen, 8. März. Seit einem halben Jahre hat sich hier in Göttingen der Wunderdoktor Spieß vom Eichsfelde niedergelassen. Man war von vornherein gespannt, wie sich die Praxis des gelehrten Mannes entwickeln würde, und wer da glaubte, daß Göttingen für so etwas nicht zu haben sei, hat sich doch sehr getäuscht. Tagtäglich pilgern aus der Umgegend fünfzig bis sechzig Menschen zu dem Wundermanne, um sich hier „heilen" zu lassen. Einen stattlichen Teil der Patienten stellt auch Göttingen selbst.
Klein-Bodungen, 8. März. Die Nordhauser Strafkammer verurteilte den 46jährigen früheren Oberleutnant v. Müller von hier, der ein bewegtes Leben hinter sich hat, zu neun Monaten Gefängnis, von Müller hatte hohe Schulden gemacht und dabei widerrechtliche Mittel nicht gescheut.
Worbis, 6. März. Aus dem hiesigen Gefängnis ausgebrochen ist der 18jährige Heinrich Solf aus Neustadt Mr. Worbis), der sich wegen Verdachts des Totschlags, begangen an seiner Mutter, Hier in Untersuchungshaft befand. Die sofort aufgenommenen Nachforschungen blieben bislang ohne Erfolg.
Münden, 7. März. Heute durcheilte die Kunde von einem entsetzlichen Unglücksfall die Stadt. Der Lederwarenfabrikant W. war heute früh mit seinem etwa 18jährigen Sohn ausgeritten. Auf der Casseler Landstraße stürzte Herr W. vom Pferde und brach das Genick, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.
Erfurt, 6. März. Der Magistrat beschloß die Errichtung einer Stadthalle für l3/i Mill. Mk. und die Ausschreibung eines Wettbewerbs unter den Architekten Deutschlands.
Eisenach, 6. März. Verbrannt ist heute vormittag die dreijährige Tochter des Arbeiters Knapp. In einem unbewachten Augenblick machte sich das Kind an dem brennenden Ofen zu schaffen, wobei zuerst die Haare und dann die Kleider des bedauernswerten Geschöpfes in Brand gerieten. Wie von ärztlicher Seite festgestellt wurde, ist der Tod durch Erstickung eingetreten.
Mainz, 6. März. Vom Pferde erschlagen wurde der Gefreite Schröder, der im dritten Jahre in der 4. Eskadron des Dragoner-Regiments Nr. 6 diente. Da gegenwärtig unter den Remonten der 3. und 4. Eskadron die Rotlaufseuche herrscht, mußten die jungen Pferde auf kurze Zeit in der Reitbahn umhergeftthrt werden. Hierbei geschah es, daß das von dem Gefreiten geführte Tier sich aufbäumte und ausschlug. Es traf den 23jährigen Soldaten mit solcher Heftigkeit auf die Magengegend, daß dieser sofort bewußtlos zusammenbrach und wenige Stunden darauf an Verblutung starb.
Deutscher Reichstag.
Am Sonnabend begann die allgemeine Erörterung des Kolonialetats. Abg, Dittmann (Soz) bezeichnete als Grundübel der Kolonialpolitik deren Kapitalismus und Unterdrückungscharakter. Alle Maßnahmen der Verwaltung dienten lediglich der Etablier ung der kavitalistischen Herrschaft. Die Anträge seiner Freunde auf Verhinderung weiterer Ausdehnung der Planten habe die Kommission in brüskester Weise abge- lebnt Präsident Dr. Kaempf rügte diesen Ausdruck. Als Redner bemerkte, ^ie Kolonialpolitik sei in dieser Äe^ieüuniI ein Stiles ou§ öem Zollamticz wuröt ci
Ordnung gerufen. - Abg. Erzberger (Ztr.) erkannte die Berechtigung mancher Bemerkungen des Vorredners am obwohl er nur: d e Schatten selten hervorgehoben habe. Seine Freunde, seien Anhänger einer MrUtlicken nationalen und jozralen Kolonial- votttik könnten aber nicht behaupten, daß diesen An- forderunaen immer entsprochen worden sei. Das ver- Sfe^ habe eine ruhige, friedliche Ent- wickluna'gebracht. Die Tanganjikaseebahn sei ein Meisterwerkdeutscher Technik. Die Behandlung der Eingeborenen bedeute eme Schattenseite unserer Kolonialpolitik, deren Abstellung dringend nötig sei.
Der Arbeitszwang müsse sofort beseitigt werden. Die Missionstätigkeit verdiene weitere Unterstützung. Abg. Keinath (nl.) begrüßte die wirtschaftliche Auf- wärtsbewegung der Kolonien, an der auch die deutsche Industrie und dereu Arbeiter großes Interesse haben und wünschte die Ueberweisung des Ertrages aus der Diamantenregie an die Schutzgebiete. Eine stetige Kolonialpolitik sei der Wunsch seiner Partei. — Abg. Gothein sfortschr.) bezeichnete es als Kinderkrankheit, daß in jedem Jahre festgestellt werde, Kolonien seien notwendig. Nach der Theorie der Sozialdemokraten würden die Vereinigten Staaten heute noch von Indianern bewohnt sein. Eine Regelung der Missionaren Tätigkeit müsse angestrebt werden. In den Kolonien werde Kulturpolitik geleistet trotz der hin und wieder vorgekommenen Sünden. Abg. Dr. Arendt (Rp.) führte aus, daß die Vollendung der ostafrikanischen Zentralbahn mit Stolz erfüllen könne, und trotzdem hatte der Abg. Dittmann weiter nichts zu sagen, als daß eine Firma Profit gemacht habe. Die Kolonien müssen zu einer neuen Quelle des wachsenden Nationalwohlstandes gemacht werden. Abg. Mumm (w. Vgg.) hielt es für notwendig, daß Deutschland sich die Erfahrungen der älteren Kolonial- völker zunutze mache. Die konfessionellen Schwierigkeiten der Missionstätigkeit könnten nicht im Reichstage gelöst werden. (Montag Fortsetzung.)
Abgeordnetenhaus.
Zur Fortberatung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung war am Sonnabend ein Antrag Dr. Roesicke--Dr. Hahn (fünf.) eingegangen, der um Vorlage einer Denkschrift bat, über 1. die Tätigkeit des Königlichen Börsenkommissars; 2. die Entwicklung des Börfenhandels und der Emissionen an den preußischen Börsen,' 3. die Emissionen ausländischer Werte an den preußischen Börsen und die Anlage deutscher Kapitalien im Auslande. Vorher wurde der fortschrittliche Antrag, der der Bildung eines Privatmonopols der elektrischen Firmen entgegenwirken sollte, abgelehnt. Abg. Freiherr v. Maltzah» (kons.) dankte für die Vermehrung der etatsmäßigen Lotsenstellen. Dem Abg. Münfterberg (Fortschr.) erwiderte Ministerialdirektor Lusenski, daß Erwägungen schwebten, eine bessere Vorbildung von den Binnen- lotsen zu fordern. Die Neuordnung der Bezüge der Seelotsen bedeute eine erhebliche Verbesserung. Abg. Graef (kons.) äußerte Bedenken, daß den Gewerbeaufsichtsbeamten Polizeibefugnisse eingeräumt worden sind. Er forderte weiter die Handhabung der Bäckereiverordnung durch diese Beamten in sozialem Geiste zum Besten des Mittelstandes. Handelsminister Dr. Sydom erwiderte: 1905 hätten sich die Regierungspräsidenten dafür ausgesprochen, daß den Gewerbebeamten polizeiliche Befugnisse erteilt würden, diese Erteilung sei gerechtfertigt und geeignet, die Berufsfreudigkeit der Beamten zu heben. Die Bäckerverordnung solle in Zukunft human gehandhabt werden. Dann dankte der Minister dem Abg. Dr. Beumer für seine gestrigen goldenen Worte über den sittlichen Wert der Arbeit, die sich durchaus mit der Anschauung der Regierung deckten. Abg. Giesberts (Ztr.) verlangte, daß auch Arbeiter zu den Gewerbeinspektoren herangezogen würden, den freien Sonnabendnachmittag und Aufhebung der Ueberarbeit. Diefe Forderungen nannte Abg. v. Keffel (kons.) eine gewiffe Ueberfpannung des sozialen Gedankens. Im gleichen Sinne äußerte sich Abg. Dr. Cremer (natl.). Der Handelsminister verwies den Vorredner darauf, -aß seine Freunde im Reichstage entgegen dem Wunsch des Abg. Cremer sich für eine größere Beschränkung der Sonntagsruhe ausgesprochen hätten. Einzelne Mißgriffe der Gewerbeinspektoren änderten aber nichts an der Notwendigkeit, ihnen Polizeiaufsicht zu übertragen. Das begrüßte Abg. Hue (Soz.) freudig. Er forderte weiter die Einstellung von weiblichen Gewerbeinspektoren. Auf die Frage nach dem Unglück in der Rummelsburger Anilinfabrik erklärte ein Regierungsvertreter, die Untersuchung der Ursachen sei noch nicht abgeschlossen, von der es abhänge, ob Maßregeln ergriffen werden könnten zur Verhütung ähnlicher Fälle. Abg. Rosenow (Fortschr.) erklärte sich ebenfalls mit der Ueberlassung der Polizeigewalt an die Gewerbebeamten einverstanden. Ein Antrag der Sozialdemokraten auf Sachentschädigung der Anlieger bei Explosionen wurde abgelehnt. Abg. Heckenroth (kons.) forderte die Eichung der Förderwagen in der Hartsteinindustrie zur besseren Lohnfeststellung der Arbeiter. Abg. Marx (Ztr.) stimmte dem zu. Ein Regierungsvertreter erklärte, daß diesbezügliche Bestimmungen erlassen seien. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß V25 Uhr.
Wetteraussichten für Dienstag den 10. Mär^.
Unbeständig, zeitweise mild, Westwinde.