Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Herrjelder

für den Kreis Hersfeld

KniMt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage0

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Sonntag, den K März 1814

Bus der Heimat«

-s- Hersfeld, 7. März. Vom hiesigen Obst- und Gartenbau-Verein erhalten wir noch folgende Zu­schrift: Mit Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Königlichen Landratsamts in Nr. 56 dieses Blattes betreff. Obstbaukursus in Hersfeld erlauben wir uns an dieser Stelle noch besonders aufmerksam zu machen. Da unser Kreis in obstbaulicher Beziehung fast noch in der letzten Reihe unseres Regierungs­bezirks steht, wäre es doch sehr erwünscht, wenn aus allen Ortschaften unseres Kreises der Veranstaltung ein großes Interesse entgegengebracht würde und dieselbe sich des größten Besuches erfreuen könnte, zumal Unkosten den Teilnehmern überhaupt nicht entstehen. An alle, die noch ein wenig Interesse am Obstbau haben, ergeht nochmals hierdurch die Ein­ladung unsere Bestrebungen zu unterstützen zum Segen unseres Kreises und Vaterlandes.

§ Hersfeld, 7. März. Morgen Sonntag abend findet in der neuen Turnhalle das Gastspiel der Neuen Frankfurter SchauspielbühneT o t e n t a n z" statt. Der Vorverkauf zu dieser Vorstellung ist ein so reger, daß wohl anzunehmen ist, daß morgen abend eine ausverkaufte Vorstellung stattfindet. Die Haupt­rollen sind besetzt mit: Frl. Romee (Metropoltheater Cöln) als Alice, Willy Weiland (früher Stadttheater Zwickau) als Kurt und Albert Münz (früheres Mit­glied des Hof- und Nationaltheaters Mannheim) als Edgar: Regie, ebenfalls Herr Münz. Alles Nähere ist aus dem heutigen Inserat und aus den Theater­zetteln ersichtlich.

-s- Hersfeld, 7. März. Vor kurzem fand im Auguste Viktoria Haus die Abschlußprüfung von 6 neu eingetretenen Mitgliedern der G e u o s s e n s chaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege statt. Zum erstenmale hier in Hersfeld hat Herr Dr. Barth sich der schweren Aufgabe unterzogen, Pfleger für die Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege auszubilden. Die Prüfung hat bewiesen, daß ihm dieses mit großer Geschicklichkeit in hervorragender Weise gelungen ist. Die theoretische Prüfung verriet eine erstaunlich große Kenntnis der Pfleger vom Bau des menschlichen Körpers, Behandlungen von Hieb-, Stich- und Schußwunden, erste Hilfe bei Unglücks­fällen, Kennzeichen der Krankheiten usw. Die prak­tische Vorführung zeigte, daß die Pfleger mit ihren Pflichten am Krankenbette, Handreichung bei Tätig­keiten des Arztes, erste Hilfe bei Unglücksfällen usw. genau unterrichtet waren. Der Dienst an der Trage wurde ebenfalls vorgeführt. Die Gesamtausbildungs- zeit hat fast ein Jahr gedauert. Herr Oberstleutnant von Rex, welcher mit seinem Herrn Adjutanten Leutnant von Otto der Prüfung beiwohnte, sprach nach Schluß der Prüfung seine ganz besondere Aner­kennung den ausgebildeten Pflegern aus für ihre vortreffliche Leistungen und fügte seinen herzlichen Dank für ihre Bereitwilligkeit und Pflichttreue hinzu. Der Führer der Genossenschaft Hersfeld dankte sodann auch im Namen des Verbandes den Teilnehmern für ihre Pflichttreue während des Ausbildungskursus. Sein besonderer Dank galt auch vor allen Dingen Herrn Dr. Barth für die große Arbeit und Mühe, welche er sich durch Uebernahme der Ausbildung bereitwilligst unterzogen hat. Auch Herr Dr. Lindner, Drrektor des hiesigen Landkrankenhauses gebührt yerzuchen Dank für das Entgegenkommen, welches er

praktischen Ausbildung unserer Mitglieder in »»s^"^^?/r,Ebeise bewiesen hat. Mögen nun alle

^W.neder zugreifen, wenn einer ihrer 59lit= Menschen bet einem Unglücksfall rascher Hilfe bedarf, mögen sie aber vor allen Dingen nicht fehlen, wenn m Kriegszerten freiwillige Pfleger bitter not sind.

dankenswerter Weise hat sich Herr Dr. Barth bereit erklärt, auch noch weitere Ausbildungskurse zu leiten. Voraussichtlich wird der nächste schon Juli oder August beginnen und werden Anmeldungen von dem Schriftführer des Verbandes Lehrer Hrch. Schäfer jederzeit entgegengenommen.

-n- Heringen a. d. W., 6. März. Herr Lehrer Jakob N o l l, welcher seit vielen Jahren an der hiesigen Schule wirkt und sich in allen Kreisen außer­ordentlicher Beliebtheit erfreut, wird unseren Ort am 1. April d. J. verlassen, um eine Lehrerstelle in Schmalkalden zu übernehmen. Das Scheiden des Herrn Lehrer Noll wird allseits bedauert.

-h- Niederaula, 6. März. Bei der heutigen Wahl der Gemeinderats-Mitglieder wurden die ausgelosten Herren Conrad und Johs. Grenzebach in der 1. Klasse wreöergewählt. An Stelle des in der 2. Klasse aus­gelosten Herrn Karl Thomas wurde Herr Sattler- meister Heinrich Eichler und an Stelle des Herrn Hugo Plant wurde in der 3. Klasse Herr Landwirt Adam Schäfer gewählt.

Bebra, 5. März. Auf dem Lagerplatze der Dampf­schneidemühle Jfland stürzte der Stellenmachermeister Karl Schocke aus Straußfurt, der Holz kaufen wollte, beim Vermessen des Holzes rücklings von einem Holzstapel und erlitt einen Schädelbruch. Im Kranken­haus ist er seinen Verletzungen erlegen.

Fulda, 5. März. Durch die regnerische naßkalte Witterung der letzten Tage sind in unserer Stadt zahlreiche Schulkinder von der Diphtheritis befallen worden. Auch von umliegenden Ortschaften wurden an derselben Krankheit leidende Schulkinder dem hiesigen Landkrankenhause zugeführt.

Schlitz, 5. März. Hier hat sich dieser Tage eine neue Genossenschaft gebildet. Es handelt sich um die Brauereigenossenschaft e. G. m. b. H. zu Schlitz. Gegenstand der Genossenschaft ist die Pachtung oder der Erwerb und der Betrieb der Gräflichen Brauerei Schlitz. Als Vorstandsmitglieder sind gewählt worden : Hotelbesitzer Heinrich Hendrich hier als Direktor, sowie Braumeister Wilhelm Bongard daselbst.

Frankenberg, 6. März. Von einem sehr schweren Unfall wurde der Schmiedemeister Herm. Beyer hier heute früh beim Beschlagen eines Pferdes betroffen. Beim Abführen des Tieres wurde B. von demselben mit einem wuchtigen Hufschlag beider Hinterfüße vor den Leib unterhalb des Magens getroffen. B. brach ohnmächtig zusammen und wurde besinnungslos in seine Wohnung getragen. Wie der Arzt vermutet, muß der bedauernswerte Mann schwere innerliche Verletzungen erlitten haben.

Marburg, 6. März. Das hiesige Schwurgericht verurteilte heute den Zigeuner Ernst Ebender wegen Totschlagsversuchs zu 3V2 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Ebender hatte bei Bischhousen im August vorigen Jahres auf mehrere Zigeuner geschossen und sie verletzt.

Rhena, 5. März. Ein am hiesigen Bahnbau be­schäftigter Arbeiter (Kroate) war gestern nachmittag gegen 5 Uhr nach der Sprengung von Steinmassen mit Dynamit seitens des Schießmeisters an der Spreng- telle damit beschäftigt, die Steine mit der Spitzhacke örtzuräumen. Er schlug dabei auf eine im Wasser regende Dynamitpatrone, die dadurch zur Explosion ^am und ihn einige Meter in die Luft warf. Sämt­liche Kleidungsstücke wurden dem Unglücklichen vom Leibe gerissen und schwer verletzt im Gesicht, an Brust, Unterleib und Händen mußte der Bedauernswerte dem Corbacher Krankenhaus zugeführt werden. Es wird vermutet, daß eine nicht explodierte Dynamit­patrone durch den Druck einer anderen aus dem Bohr­loch in das Wasser geschleudert worden ist und so das Unheil anrichten konnte.

Gießen, 5. März. Heute stand das achtzehnjährige Dienstmädchen Anna Schönfeld aus Eberswalde wegen Giftmordversuchs vor dem Schwurgericht. Sie war in Ockstadt bei der Familie des Landwirts Meuser in Stellung. Hier hatte sie ein Verhältnis mit einem Knecht angefangen, das die Herrschaft nicht dulden wollte. Aus Rache verschaffte sie sich Salzsäure und mischte diese unter die Milch und sonstige Speisen. Es wurde sofort gemerkt. Das Mädchen wurde fest­genommen, und es gestand das Verbrechen ein. Sie wurde heute zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Strafmildernd kam ihre Jugend in Betracht.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag standen zunächst kleine Anfragen. Die Abgg Dr. Becker-Hessen (nl.), Dr. Gerlach (Ztr.) und Dr Struve (fortschr.) wünschten Auskunft über die Todesfälle in- folae der Salvarsanbehandlung Syphilitischer. Mini­sterialdirektor Dr. v. Joncquieres antwortete, daß es an amtlichen Mitteilungen über die Todesfälle , fehle. So bedauerlich solche Todesfälle feien, so muffe doch anerkannt werden, daß das Mittel bei einer großen Anzahl von Kranken ohne Schädigung angewendet worden sei. Auch bei anderen Heilmitteln blieben vereinzelte Todesfälle nicht aus. Ein Anlaß zu ein­schneidenden Maßnahmen gegen das Mittel liege nicht vor: jedoch werde die Reichsverwaltung der An- aeleaenbeit fortgesetzt größte Aufmerksamkeit widmen. Meine Anfrage des Abg. Baumann (Ztr.) betr. die Einfuhr von Weinen erwiderte Dr. v. Joncqttieres, daß ein Mißstand nicht bestehe, dan jedoch über die Seritelluna von Dessertweinen unter Zufatz von Alkohol eine letztinstanzliche Entscheidung demnächst ,Ur Entscheidung kommen werde. Auf eine Anfrage ^uortf Soz ) erwiderte Ministerialdirektor Dr. Caspar, Mb die einheitliche Regelung der Dienstvorschriften der Straßenbahner Landessache sei, der Reichsregierung eine Einwirkung deshalb nicht zustehe. Darauf wurde ohne wesentlich? Erörterung der Rest des Postetats genehmigt, und das Haus wandte sich der zweiten

Lesung des Postscheckgesetzes zu. Dazu lag ein Kompromißantrag Dr. Oertel (kons.) Beck (nl.) Nacken (Ztr.), Dove (fortschr.) vor, der einen Ausgleich zwischen der Regierungsvorlage und denKommissionsbeschlüssen anstrebte und eine Gebühr von 5 Pf. für Beträge bis 25 Mk. und von 10 Pf. bei höheren Beträgen forderte, der Postverwaltung die Aufhebung eines Kontos bei Mißbrauch einräumte und die Herstellung der For­mulare durch Privatindustrie zulassen wollte. Abg. Bogtherr (Soz.) lehnte diesen Antrag ab, trat für die Kommissionsbeschlüsse ein und beantragte ferner, erst von 100 Mk ab 10 Pf. Gebühr zu erheben und die Stammeinlage auf 25 Mk. anstatt 50 Mk. zu bemessen. Abg. Nacken (Ztr.) führte aus, seine Freunde hätten noch viel weitergehendere Wünsche, wollen aber als Realpolitiker das Erreichbare nehmen. Der Kompro­mißantrag bringe viele Vorteile und man müsse an­erkennen, daß die Verwaltung bestrebt gewesen sei, den bargeldlosen Verkehr zu fördern. Abg. Roland- Lücke (nl.) erkannte an, daß in der letzten schweren Geldperiode der Postscheckverkehr die geschäftliche Situation gemildert habe, dem Mittelstände werde durch den Scheckverkehr die Einbringung von unbe­zahlten Rechnungen ermöglicht werden. Abg. Frommer (kons.) trat für Errichtung eines Postscheckamtes in Königsberg ein und erklärte, dem Kompromißantraa bezw. der Kommissionsfassung zuzustimmen. Nach zustimmenden Ausführungen der Abgg. Schweickhardt (fortschr.) und Behrens (w. Vg.) sprach Staatssekretär Kraetke die Hoffnung aus, daß das Gesetz dem Scheck­verkehr zu neuer Blüte verhelfen werde. Damit schloß die allgemeine Aussprache. § 1 wurde ange- nommen, ebenso der Kompromißantrag. Auch der Rest der Vorlage wurde in der Kommissionsfassung genehmigt. Beim Etat der Reichsdruckerei be­mängelten die Abgg. Jrl (Ztr.) und Böttger (nl.) die den Privatbetrieben gemachte Konkurrenz. Abg. v. Winterfeld (kons.) schloß sich dem an, gab aber zu be- denken, daß die Reichsdruckerei mit dazu beigetragen habe, das Buchgewerbe so hoch zu stellen, wie es jetzt stehe. Im Buchgewerbe eines Volkes sei ein Kultur­barometer enthalten. Der Etat wurde genehmigt. Sonnabend: Kolontaletat.

Abgeordnetenhaus.

Die Beratung des Etats der Handels- und Ge­werbeverwaltung wurde am Freitag fortgesetzt. Abg. Leinert (Soz.) verlangt von der Staatsregierung die ernsthafte Lösung der Arbeitslosen-Versicherungsfrage. Dem Generallandschaftsdirektor Kapp von der öffent­lich-rechtlichen Volksversicherung sagte Abg. Leinert nach, er habe gelogen. Wegen dieser Beleidigung eines Staatsbeamten rief Präsident Graf v. Schwerin den Redner zur Ordnung und schließlich zur Sache, als er Terrorismusfälle zu behandeln suchte. Ein Regierungsvertreter erklärte, die Innungen hätten das Recht zu beschließen, daß ihre Mitglieder aus­schließlich deu Jnnungsarbeitsnachweis zu benützen haben. Als ein Verstoß gegen den Gemeingeist erachte der Minister es, wenn Jnnunasmitglieoer, die in Lohnkämpfen besondere Vereinbarungen mit Ar­beiterorganisationen abgeschlossen haben, dies öffent­lich bekannt geben. Abg. Conradt-Breslau (kons.) wies auf die schweren Schädigungen hin, die der Mittelstand durch die Hausierer, die Wanderlager und den heimlichen Warenhandel der Beamten erleide. Zur Gesundung des Verdingungswesens sei die Schaffung von Kalkulationsbureaus nötig. Die sozial­demokratischen Konsumvereine schädigten ebenfalls den Mittelstand, der erst ruiniert und dann revo­lutioniert werden solle. Alle Behauptungen, daß der Bund der Landwirte mit Warenhäusern in Verbin­dung stehe oder solche unterhalte, seien falsche Unter­stellungen. Abg. Cohans (Ztr.) wünschte ebenfalls eine Regelung des Wanderlager- und Zugabe-Un­wesens. Abg. Dr. Beumer (natl.) trat für die Schaffung eines eigenen Nachrichtendienstes ein, um den un­wahren Ausstreuungen der ausländischen Presse er- erfolgreich zu begegnen. Abg. Dr. v. Woyna (freik.) forderte eine Besteuerung der Warenhäuser nach dem Quadratmeter des Verkaufsraumes und eine För­derung der landwirtschaftlichen Winterschulen. Abg. Dr. Ehlers (Fortschr.» hielt die Warenhaussteuer mit der Einteilung der Waren in vier Gruppen für eine Beschränkung der Spezialgeschäfte. Bei der Abstim­mung wurde der Antrag auf Schutz der deutschen wirtschaftlichen Interessen auf Grund unserer be­währten Wirtschaftspolitik angenommen, desgleichen der Antrag Hammer über die Geschäftsgebarung der Elektrizitätsfirmen. Ein ähnlicher fortschrittlicher Antrag machte namentliche Abstimmung nötig. Da diese die Beschlußunfähigkeit des Hauses ergab, trat Vertagung ein. Nächste Sitzung Sonnabend.

Wetteranssichten für Sonntag den 8. März.

Unbeständig, wechselnde Bewölkung, zettwene Regenschauer, kälter, westliche Winde.