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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger lAr den Kreis Hersfeld

Wlhet Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-stnschlutz Nr. 8

Nr. 56.

Sonnabend, den 7. März

1914.

Der heutigen Nummer Hegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* (Zahlungen an Postkassen durch Schecks.) Zur Förderung der bargeldlosen Zahlungen nehmen an Reichsbankplätzen die Postanstalten außer Post­schecks und Reichsbankschecks auch Schecks auf Banken, Genossenschaften und Sparkassen in Zahlung. Die Bank usw., auf die der Scheck gezogen ist, muß ihre Geschäftsstelle im Orte und ein Girokonto bei der Reichsbank haben. Die Schecks sind verwendbar bei Einzahlungen auf Postanweisungen und Zahlkarten, beim Einkauf von Briefmarken im Betrage von mindestens 20 Mk., bei Entrichtung von Fernsprech­gebühren, gestundeten Portobeträgen und Telegramm­gebühren, Zeitungsgeld, Schließfachgebühren. Die mit Scheck eingelieferten Postanweisungen und Zahlkarten werden von der Postanstalt abgesandt, sobald die Reichsbank den Betrag der Postkasse gutgeschrieben hat. Hat der Absender bei der Postanstalt eine Sicher­heit hinterlegt, so werden die Postanweisungen und Zahlkarten schon vorher abgesandt, ebenso werden die gewünschten Wertzeichen sogleich ausgehändigt. Von öffentlichen Behörden, Kassen und Anstalten, von Sparkassen der Kreise, der Stadt- und Landgemeinden wird eine Sicherheit nicht beansprucht, wenn sie mit der Postanstalt eine Verabredung über das ein für allemal zu beobachtende Einlieferungsverfahren ge­troffen haben.

):( Hersfeld, 6. März. In der gestrigen Sitzung des Kommunallandtages zu Cassel erstattete Herr Bürgermeister S t r a u ß-Hersfeld über den Voran­schlag der Einnahmen und Ausgaben des L a n d - krankenhauses zu Hersfeld für das Jahr 1914 Bericht. Wegen der andauernd zu starken Be­legung ist bestimmt worden, daß die Kranken des Amtsgerichtsbezirks Nentershausen und einige Ort­schaften des Amtsgerichtsbezirks Rotenburg von dem Bezirke des Landkrankenhauses Hersfelö abgetrennt und den Landkrankenhäusern Eschwege und Cassel zu­gewiesen worden sind. Hiergegen haben die Aerzte des Kreises Rotenburg in einer Eingabe an den Kommunallandtag Beschwerde eingelegt. Ueber diese Beschwerde berichtete gleichfalls Abg. Bürgermeister Strauß-Hersfeld. Er legte dar, daß es wiederholt zu Härten geführt habe, daß man Kranken aus dem Kreise Rotenburg die Aufnahme im Landkrankenhause Hers­feld verweigert, und selbst in Eilfällen, wenn die Auf­nahme erfolgen mußte, höhere Verpflegungssätze als wie sonst berechnet habe, um auf jeden Fall die Kranken zu zwingen, sich in Cassel oder Eschwege aufnehmen zu lassen, wo dann die gewöhnlichen Verpflegungssätze berechnet wurden. Abg. Landrat Tuercke-Rotenburg vertrat gleichfalls die Ansicht, daß hier Härten vor­liegen, wenn man die Anweisungen der Bezirksver­waltungen rigoros durchführe, wie das wiederholt der Fall gewesen sei, so daß selbst Schwerkranke ein­fach nicht ausgenommen wurden, wenn sie aus dem Kreise Rotenburg kamen. Das führe entschieden zu weit, und er stelle daher den Antrag, daß in dem Falle, wenn eine ärztliche Bescheinigung vorliege, daß es sich um einen Eilfall handele, eine Zurückweisung eines Kranken aus dem Kreise Rotenburg nicht mehr statthaft sei, und daß weiterhin auch eine höhere Be­rechnung der Verpflegungssätze als bei der Aufnahme Gaffel oder Eschwege nicht mehr zugelassen werden Herr Landeshauptmann Riedeset Frhr. zu Euenbach erklärte, daß diese Maßnahme erforderlich wurde, um der dauernden Ueberfüllung des Land­krankenhauses Hersfeld entgegenzuwirken. Hersfeld sei eben nicht imstande, auf die Dauer alle Kranken '^r^se Rotenburg aufnehmen zu können. Abg. Dr. v. Wild-Cassel unterstützte den Antrag Tuercke, daß tn Eilfällen eine ärztliche Verfügung genügen müßte, auch Kranken aus dem Kreise Roten­burg die Aufnahme bei vorhandenem Platz ohne Er­höhung der Verpflegungssätze zu gestatten,'denn oft sei der weitere Transport Schwerkranker ohne Gefähr­dung des Lebens nicht möglich. Der Vorsitzende, Kammerherr von Pappenheim-Liebenau, erkannte an, daß die Verfügnng der Landesverwaltung zwar be­rechtigt sei, denn die Landesverwaltung habe seiner­zeit nicht mehr übernommen, als für die Kranken ihres Bezirks nach Möglichkeit zu sorgen. Das geschehe auch jetzt, denn die einzelnen Landkrankenhäuser stehen allen unbemittelten Kranken des Bezirks frei zur Verfügung. Dafür müsse man anderseits aber ver­langen, daß sich diese Kranken auch berechtigten Wünschen der Verwaltung nicht entgegensetzen. Das geschehe aber, wenn man ohne weiteres einzelne Land­krankenhäuser so belasten wollte, daß sie ihren Auf­gaben nicht vollauf gerecht werden könnten. Herr Landesrat v. Hugo erklärte namens der Verwaltung, daß man im Landesausschuß prüfen wollte, inwieweit

es möglich sein werde, den Wünschen des Abg. Tuercke- Rotenburg entgegenzukommen. Schließlich nahm der Landtag folgenden Antrag des Hauptausschusses auf Befürwortung des Abg. Bürgermeister Strauß-Hers- feld an:Die Eingabe der Aerzte aus dem Kreise Rotenburg dem Landesausschusse zur Prüfung und eventuellen Abstellung der vorhandenen Beschwerden zu überweisen."

):( Hersfeld, 6. März. Unter den 9 spruchreifen Anklagesachen, welche in der am nächsten Montag beginnenden Schwurgerichtsperiode zur Ver­handlung kommen, befindet sich auch die Anklage gegen den Fabrikarbeiter Johannes Glebe von hier wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Die Ver­handlung findet am 18. März in Cassel statt.

):( Hersfeld, 6. März. Am Sonnabend den 21. März d. Js. findet im Sitzungssaale des hiesigen Landratsamtsgebäudes eine Sitzung des Kreis­tag es statt. Die Tagesordnung ist im heutigen amtlichen Anzeiger abgedruckt.

):(Hersfeld, 6. März. DemZahlmeister Gun d el a ch von der hiesigen Kriegsschule wurde die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Ordens, und zwar des Ritterkreuzes zweiter Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens, erteilt.

):( Hersfeld, 6. März. Auf Veranlassung des Hersfelder Obst- und Gartenbauvereins findet am Freitag den 20. und Sonnabend den 21. d. Mts. ein Obstbaukursus unter Leitung des Herrn Garten­baumeisters O. Sonnenberg aus Witzenhausen statt. Der Kursus besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Zur praktischen Belehrung treffen sich die Teilnehmer an den genannten Tagen nachmittags 3 Uhr am ^Nenen Teich", der theoretische Unterricht findet an beiden Tagen abends 8 Uhr im Hotel Stern statt. Die Teilnahme an dem Kursus ist völlig kostenlos.

-s- Kathus, 5. März. Bei den heute stattgefunöenen Gemeindevertreterwahlen wurden in allen drei Ab­teilungen die seitherigen Vertreter, Fabrikarbeiter Johs. Seelig, Maurer DanielLotz und Fabrik­arbeiter Wilh. Heyer wiedergewählt. In einer notwendig gewordenen Ersatzwahl in der 3. Abteilung wurde der Bauhilfsarbeiter Andreas Lotz gewählt.

Fulda, 4. März. Zur besseren Förderung der Grundstückszusammenlegungen in den Kreisen Fulda, Gersfeld und Schlüchtern ist zum 1. April d. J. die Spezialkommission zu Rotenburg a. F. nach Fulda verlegt, welche die BezeichnungKönigliche Spezial­kommission 2" führen soll. Mit der Leitung der Kommission 2 ist Regierungsrat Tuercke, z. Z. in Rotenburg a. F., beauftragt.

Cassel, 5. März. Die heutige Stadtverordneten­versammlung beschloß nach zweistündiger lebhafter Debatte den Bau einer neuen sechsstufigen Studien­anstalt (Oberlyceum) mit zehnstufigem Lyceum als Unterbau und als Frauenschule nach den Vorschriften des Unterrichtsministeriums eine neue neunstufige Mädchenmitttelschule, um den Abiturientmnen des Oberlyceums die Möglichkeit zu geben, rhr praktisches Lehrjahr an dieser Mittelschule unter Oberaufsicht eines akademisch gebildeten Lehrers zu machen. Für jeden Bau wurden an Grundstuckskosten 7a0.000 Mark bewilligt. Ferner wurde beschlossen, das alte städtische Lyceum und Oberlyceum am Standeplatz völlig umzubauen und für dreien Zweck abermals 350.000 Mark aus Anleihemrtteln aufznbrrngen. Diese neuen Schulbauten kann man als eine der ersten praktischen Taten des neuen Oberbürgermeisters Koch für die Umgestaltung der höheren Lehranstalten für Mädchen ansehen.

Cassel 5. März. Heute nachmittag hat sich der ^>uiar K der dem Husarenregiment Nr. 14 angehörte, ersassen. K. sollte wegen Urlaubsüberschreitung eine Arreststrafe erhalten. Man nimmt an, daß dies der Grund zur Tat war.

Hedemünden, 3. März. Tödlich übersahren wurde heute morgen zwischen Atzenhausen und Dahlenrode der Dachdecker Klinge aus Volkerode Er geret unter einen Wagen, der Holz nach Vockerode für Klinge fuhr. K, der in den besten Jahren stand hinterläßt Frau und Kinder. Er war auf der Stelle tot.

Erfurt 5 März. Als der Bursche eines in einem Hause der' Mainzerhofstraße wohnenden Leutnants sM abends nach Hause kam und die Haustür ver­schlossen fand, kletterte er am Regenrohr empor, um in seine Kammer zu gelangen. Am Dache angekommen riß die Dachrinne los, der Soldat (71er) sturzte ab und blieb tot liegen. Die Lerche wird nach Mulhausen im Elsaß, der Heimat des Verunglückten, gebracht.

Loudorf, 3. März. Der vierjährige Sohn des

Wachtmeisters Weitz fiel vor einigen Tagen in die offene Senkgrube und konnte nur als Leiche heraus­gezogen werden.

Abgeordnetenhaus.

Am Donnerstag erledigte das Haus den Gesetz­entwurf betr. Erweiterung des Stadtkreises Dortmund und Aenderung der Amtsbezirke Castrop undDortmund in zweiter und dritter Beratung nach kurzen Be­merkungen der Abgg. Dr. v. Gescher (tonf.) Hue (Soz), Schweckendieck (Natl.), Dr. Bredt (freik.), Gronowski (Ztr.), Traub (Fortschr. Vp.) und eines Regierungs­vertreters. Bei der Fortsetzung der Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung wünschte Dr. Pieper (Ztr.) zur Erledigung der schwebenden Handwerkerfragen jährliche Besprechungen zwischen den Handwerker-Vertretern und der Regierung, ferner die Errichtung einer Zentralstelle fttrdasVerdingungs- wesen, Abschaffung des § 100 q und s. f. Dem Antrag Hammer würden seine Freunde zustimmen. Für Üeberweisung dieses Antrages an die Kommission sprach sich Abg. Dr. Schroeder-Cassel (Natl.) aus. Die Konzentration großer Firmen der Elektrizitätsbranche sei sehr bedenklich. Unbedingt abgesehen werden müsse von der Einführung der reichsgesetzlichen Ar­beitslosenversicherung. Handelsminister Dr. Sydow bemerkte, daß die Kleinhandelsausschüsse und Handels­kammern in allen wichtigen Fragen zu Rate gezogen würden. Mit den Vertretern des Handwerks hätten im Reichsamt desJnnernVerhandlungen stattgefunden, ob alle Wünsche, so der Schutz des Gesellentitels und der Begriff des Lehrlings, erfüllt werden könnten, stehe dahin. Eine Denkschrift werde sich in Kürze dazu äußern. Abg. Kraufe-Waldenburg (freik.) war mit dem Antrag Hammer einverstanden und dankte dem Minister für sein verständnisvolles Eingehen auf die Wünsche des Handwerks. Abg. Wenke (Fortschr.) meinte, seine Freunde hätten schon lange vor oen Konservativen auf die Gefährlichkeit der Zusammen- ziehung der Elektrizitätsfirmen aufmerksam gemacht.

Deutscher Reichstag.

Im Reichstage begann am Donnerstag die Ein­zelberatung des Postetats. Auf die Wünsche der Abgg. Werner-Hersfeld (Resp.) und Neumann-Hofer (fortsch.) betr. Besserstellung der Postagenten erklärte Staatssekretär Kraetke, daß der vorliegende Etat er­höhte Mittel dafür fordere und daß bei Vergebung der Agenturen darauf gesehen werde, daß nur Per­sönlichkeiten, die im Orte Vertrauen haben, dazu ge­nommen würden. Das Haus wandte sich nunmehr dem Kapitel Ostmarkenzulagen zu, die der Haushalts­ausschuß abgelehnt hatte. Anträge der Konservativen, Reichspartei und Nationalliberalen wünschten die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Staats­sekretär Kraetke bat dringend um Wiederherstellung. Beamte, die jahrelang diese Zulage bekommen haben, sollen plötzlich 10 Prozent ihres Gehalts verlieren. Darin liege ein schwerer Eingriff in die wirtschaftliche Verhältnisse der Beamten. Eine jahrelang bezogene Zulage könne nicht korrumpierend wirken, wie man behaupte. Abg. Schlee (nl.) trat für die Bewilligung ein, ebenso Abg. Kopsch (fortsch.), während Abg. Noske (Soz.) sie ablehnte. Abg. Graf Westarp (kons.) hob hervor, daß bei Ablehnung der Zulagen bei den Be­amten Erbitterung Platz greifen müßte. An die Sozialdemokraten wende er sich bei ihrer grundsätz­lichen Gegnerschaft gegen nationale Bestrebungen nicht. Der weitere Antrag seiner Freunde, die Zu­lagen überhaupt in gemischtsprachigen Gegenden zu gewähren, beweise, daß es sich um keine politische Frage handle. (Beifall rechts.) Abg. Ledebour (Soz.) meinte, die Meinung des Grafen Westarp ehre seine Partei, die für Gesinnungskorruption nicht zu haben sei. Wenn bei Anstellung der Beamten nach ihrer Gesinnung gefragt werde, so liege darin die infamste Korruption. Vizepräsident Dr. Paasche rief den Redner deshalb zur Ordnung. Als der Redner erneut von einem System der Korruption sprach, rief ihn Vize­präsident Dr. Paasche unter großer Unruhe der Sozialdemokraten abermals zur Ordnung. Abg. Dr. Spähn erklärt namens seiner Fraktion, daß diese die Sulage ablehnen werde. Nachdem Staatssekretär raetke erneut um die Bewilligung gebeten hatte, schloß die Besprechung. In namentlicher Abstimmung wurde die Zulage mit 194 gegen 127 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Der konservative Antrag, die Zulage den Beamten in allen gemischtsprachigen Bezirken zu gewähren, wurde in namentlicher Ab­stimmung mit 188 gegen 121 Stimmen bei 3 Ent­haltungen abgelehnt. Im weiteren Verlaufe der Einzelberatung bedauerte Abg. Behrens (w. Byi dre Aufhebung der Familienhilfe bet den Postkranren­kassen.