ist meist weg, investiert. Ja doch, er wohnt in einem schönen Hause, fahrt in einem Automobil und nimmt, wenn er sich dazu imstande fühlt, drei Mahlzeiten den Tag zu sich. Ich fordere jeden heraus, mir zu beweisen, daß er viel vom Leben hat. Es ist nicht viel Glück in der Welt, am ehesten hat den berechtigten Anteil davon der Mann, der einen anständigen Charakter hat, eine Hütte auf dem Lande unb eine Familie."
Vermischtes.
Die Findigkeit unserer Reichspost hat sich wieder einmal bewährt. Ein bekannter Lustspieldichter richtete an seinen Schwiegersohn, den er in Venedig glaubte, eine Karte, auf der sich nichts anderes als sein Bild auf der Rückseite befand. Der Adressat, der schon längere Zeit nicht mehr in Venedig weilte, hatte sein nächstes Reiseziel nicht angegeben, und so wanderte die Karte, weil unbestellbar geworden, wieber nach ihrem Ursprungsort Berlin, der aus der Abstempelung zu er- e war, zurück. Hier traten die Weisen der Post zu- icu, sie stellten die Identität des photographierten Absenders fest, und sandten ihm die Karte. Stuf diese Weise kam der Adressat, wenn auch etwas verspätet, doch noch in den Besitz des für ihn bestimmten Konterfeis seines Schwiegervaters.
Wie ein Pogrom entsteht. In Lodz (Rufs. Polen) fand aus folgender Ursache eine Judenverfolgung statt. Ein 15jähriger Christenknabe versuchte im Laden des jüdischen Händlers Schneinmann einen Diebstahl. Der Eigentümer erwischte ihn dabei, doch der Bengel ritz sich los, lief auf die Stratze und erzählte, Schneinmann habe ihn ermorden wollen. Rasch entstand ein Auflauf: über tausend Personen zerstörten den Laden und die Wohnung des Beschuldigten. Schneinmann und seine Frau ivurden schwer mißhandelt und verwundet. Auch die Nachbarläden wurden angegriffen und beschädigt. Die Polizei verhaftete zwar die Rädelsführer, doch herrscht unter der jüdischen Bevölkerung große Besorgnis, daß neue Gewalttätigkeiten ausbrechen könnten.
Selbstmordversuch eines überraschten Einbrechers. Etn aufregender Vorfall spielte sich Mittwoch früh in der Komnmndantenstratze zu Berlin ab. Dort war der 48 Jahre alte stellungslose Kaufmann Paul Dickelt, der im tpaufe Kommandantenstratze 55 unangemeldet wohnte, in das Friseurgeschäft von Leidinger eingebrochen und stand gerade im Begriff, sich verschiedene Gegenstände anzueignen, als er von Passanten bemerkt wurde. Diese benachrichtigten Schutzleute, die hinzueilten, um den Einbrecher zu verhaften. Dickelt hatte aber bereits das Nahen der Beamten gesehen und knüpfte sich in feiner Verzweiflung im Laden an einer Schnur auf. Als es dann gelungen war, in den Laden zu gelangen, schnitten die Schutzleute den Selbstmorökandidaten ab, brachten ihn ins Bewußtsein zurück und schafften ihn nach der Polizeiwache. Von dort wurde er später der Kri- mnralpolizei zugeführt.
_ Flugzeuge als Miuenjäger. Ein interessanter Versuch mit Flugzeugen ist im Auftrag der amerikanischen Dtarineverwaltung im Hafen von Pensacola in Florida in diesen Tagen vorgenommen worden: es handelt sich um die Feststellung, ob vom Flugzeug aus im Hafen ausgelegte Minen wahrzunehmen sind oder nicht. Die Marmeverwaltung legte am Hafeneingauge an neun verriebenen Stellen Minen aus. Dann stieg der Ma- rrneleutnant Towers mit seinem Flugzeuge auf und begann über dem Hafen zu kreisen. Der Flieger, der weder bie Zahl noch die Lage der Minen kannte, vermachte in kurzer Zeit aus einer Höhe von 500 Metern nicht nur alle neun Minen genau zu lokalisieren, sondern sah deutlich sogar die Ketten, an denen die Mitien verankert waren.
Sein erstes Ziel. Ein hervorragender amerikanischer Universitätslehrer, der sich aus kleinsten Anfängen durch eigene Kraft zu seiner Stellung emporgearbeitet hat und auf diese Tatsache stolz ist, hielt eines Tages eine Ansprache vor einem Auditorium jugendlicher Zuhörer, denen er aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen allerlei mitteilen wollte. „Meine teuren jungen Freunde", begann er, „lassen Sie mich Ihnen zuerst in kurzen Zügen die mehr als bescheidenen Verhältnisse vor Augen führen, unter denen ich mein Leben begann. Ohne einen Dollar in der Tasche und ohne besondere Kenntnisse erworben zu haben, wurde ich doch durch meine alle Widerstände überwinöende Natur und durch die mir angeborene Fähigkeit, alle nur möglichen Vorteile auszunützen, in den Stand gesetzt, mir die Grurid- lage meiner Lausbahn zu schaffen. Aber sogar bei diesen bescheidenen Anfängen, was glauben Sie wohl, meine jungen Freunde, war das erste Ding, was ich suchte, das, wonach ich von Anbeginn meiner Lebens- laufbahn am ernsthaftesten strebte, am sehnlichsten verlangte?" Der Redner machte eine triumphierende Pause und sah sich stolz um. Doch ohne Zaudern schallte ihm aus der Versammlung als Antwort das eine Wort entgegen: „Milch!"
Eine sonderbare Liebhaberei. Vor einigen Wochen starb in einem größeren Orte am Bodensee der in weiten Kreisen der Ostschweiz bekannte und geschätzte Notar Dr. jur. S. I. In seinem Hause, so berichtet die Neue Züricher Zeitung, hatte er ein Zimmer, das nur ihm allein zugänglich war, nicht einmal seine Gattin durfte das Heiligtum betreten, worin sich nach seinen Angaben nur Militärsachen, die er selbst besorge, aufbewahrt würden. Nach seinem Ableben wurde das vorsorglich abgeschlossene Zimmer geöffnet, und groß war das Er- o।maw langen tau, il^ sie im geheimnisvollen
^n großes Schuhlager entdeckte, das Hunderte Paaren meist noch ungetragener Schuhe, und zwar hohem Werte, für Damen und Herren, enthielt. Daß ihr Mann ein großer Freund schöner das wußte sie allerdings, hatte er ihr doch
^^^n ^^.27 C "^ iwuMu tut umf)V4 ty^tuiiv |UjvitC4, nutzte sie allerdings, hatte er ihr doch Brautzeit drei Dutzend der geschenkt. Der Verstorbene selbst setzte sehnlich ben größten Stolz auf möglichst moderne und feine Schuhe und schon in feinen Schülerjahren lebte er dieser Neigung. Er wollte immer das Neueste bßben. Gefiel ihm in einer Schuhhandlung eine neue Schuhsorte ganz besonders so legte er sich gleich den ganzen Vorrat zu. Der Wert des im Laufe weniger Jahre angelegten Schuhlagers beziffert sich nach fachmännischer L-chatzung auf rund 30 000 Francs. Die Witwe des Verstorbenen gibt sich nun große Mühe, das Schuhlager wieder so rasch als möglich in größeren Partien los zu werden.
Chikagos weibliche Polizei. Die weiblichen Polizisten von Chikago haben am letzten Donnerstag ihre Feuerprobe bestanden, als zwei von ihnen in ein Handgemenge streikender Kellnerinnen etngretfcn mußten. Pessimisten hatten prophezeit, die Polizistinnen würden in diesem Falle ihrer Amtspflicht untreu werden, aber die „Schutzleute" Frau Anna Louckes und Frau Mary Boyo, zwei hochgewachsene stämmige Polizistinnen, sprangen unerschrocken mitten in das Handgemenge der kämpfenden und kratzenden Mädchen, die mit Gewalt den neuengagierten Kellnerinnen, den Streikbrecherinnen, den Eintritt in das Restaurant und den Antritt ihr« «MM ^kitM Avvehrten. Im Handumdrehen
hatten die Polizistinnen zwei Rädelsführerinnen festgenommen. Im nächsten Augenblicke waren sie von den Freundinnen und Mitkämpferinnen der verhafteten Mädchen umringt, aber die Polizistinnen bewahrten ihre Kaltblütigkeit, verhafteten noch vier weitere Mädchen und führten die sechs Arrestantinnen sicher ins Polizeigewahrsam. Alle Versuche, die beiden weiblichen Schutzleute zur Parteinahme für ihr eigenes Geschlecht auszurufen, alle Mahnungen, daß „Frauen den Frauen beistehen müßten," fanden bei den Amazonen taube Ohren, und als Antwort nur ein rauhes „Vorwärts!", das durch echte derbe „Poltzistengriffe" sehr eindringlich unterstützt wurde. Denn bie Technik des Festnehmens und Packens scheinen die Polizistinnen von Chikago sich schnell und meisterhaft ungeeignet zu haben. Als die verhafteten Mädchen später auf der Polizei vernommen wurden, erklärter: sie inbezug auf die weiblichen Schutzleute tief enttäuscht: „Wir glaubten, sie würden uns zumindest zarter an fassen als die gewöhnlichen Schutzleute, aber Sie sind noch schlimmer als die Männer, das können wir Ihnen versichern..."
Ritz de Bombell. Eine allerliebste kleine nordfrie- fische Geschichte sei hier aus Glagau wiedergegeben, damit sie nicht versunken und vergessen sei mit den Werken oieses getreuen Mannes: Zu einer Zeit, als die Schweden in Schleswig bansten, wahrscheinlich 1713 unter Stenbock, diente beim derzeitigen Hofbesitzer zu Bom- büll Niß Jpsen, ein junger.kräftiger Bursche, und neben ihm das schöne sanfte Gretchen, seine Verlobte. Als Niß Jpsen eines Tages an der Kammer seiner Braut vorüberging, tönte ihm daraus ein Hilferuf entgegen, und wie er durch das Fenster blickte, sah er sie mit einem schwedischen Offizier ringen. Wie der Blitz war der Knecht in der Kammer, und ebensoschnell hatte er den Offizier erstochen. Das Leben stand auf dem Spiel, darum flüchtete er sich zunächst ohne Aufschub nach Hamburg und dann nach Amsterdam. Hier angekommen, entging er nur mit Not den Schlingen der sogenannten Seelenverkäufer, und trat als Matrose auf das Schiff eines Ostindienfahrers, mit welchem er mehrere Reisen machte. Später zeichnete er sich in verschiedenen Seegefechten aus und erschlug persönlich den großen Seeräuber Morgan. Nach solchen Taten stieg Nitz Jpsen von Stufe zu Stufe: er wurde Kapitän eines Kriegsschiffes und endlich sogar zum Admiral in holländischen Diensten ernannt. Inzwischen diente Gretchen immer noch auf dem Hofe zu Bombüll und trauerte um ihren Bräutigam, dem sie nach wie vor in treuer Liebe anhing, wenngleich sie seit all den Jahren nicht die geringste Nachricht von ihm erhalten hatte. Endlich kam ein Brief: er war von ihrem alten Liebsten, der ihr folgendermaßen schrieb: „Myn Grethe, As du nog van öe Gesynnung bist t'welk du weirst, do ick mit öy taglik op Bombell denöe: so kam to my na der Haag un war myn From. Jk bin tegenworbig Holländische Admiral. Niß de Bombell, vormalen Nitz Jpsen dyn getreue Brydi- gam." Zugleich mit diesem Briefe sandte der Admiral eine schmucke Jacht, die ihm die Geliebte zuführen sollte. Gretchen kam nach dem Haag, und wurde dort die glückliche Gattin des Admirals Nitz de Bombell, denn so nannte sich jetzt der ehemalige Knecht Niß Jpsen vom Hofe zu Bombüll.
Humor vor den IWpeler Schanzen.
Eine entsagungsvolle und schwierige Aufgabe war dem ersten preutzlichen Armeekorps gestellt, als es in der zweiten Hälfte des Februar 1864 sich vor den Düp- peler Schanzen festsetzte. Man sollte zunächst nur den Feind beschäftigen und durch kleine Vorstöße in Schach halten, bis durch den Bau starker Batterien und Befestigungen und. durch das Eintreffen der notwendigen Verstärkungen die nötigen Voraussetzungen für einen nachhaltigen Waffenerfolg gegeben waren. In diesen langen Wochen mußten die Preußen nicht nur Geduld zeigen, sondern auch alle Leiden des grimmigen nordischen Willters ertragen, sich eisige Winde um die Nase wehen lassen, im Schnee schwere Schanzarbeiten ausführen und im tiefen Morast stundenlang stehen, bis sich eine ganze Schmutzkruste um sie angesetzt hatte. Aus der Heimat kamen wohl freundliche Liebesbeweise, große Sendungen von Schafspelzen für die Vorposten, warme Decken und Handschuhe, Wein und Lebensmittel, alle Opfergaben, die das Volk gern für seine Landsleute tm fernen kalten Felde aufbrachte. Aber es hätte doch manchmal gar schlimm und düster im preußischen Lager ausgesehen, wenn nicht der glückliche, nie versagende Humor über alle Leiden und Geduldsproben hinweggeholfen hätte.
Wie es uns A. Trinius in seinen dichterisch geschauten Bildern aus dem Kriege so hübsch schildert, waren es vor allem die Berliner Jungen, die sich durch Witz
und gute Laune auszeichneten. Wenn einer bei einem Patrouillengang unversehends ins tiefe Wasser geriet, bann hieß es gleich: „Na, Sie wollen jetzt woll uff des Angeln ausjehen?" Oder ein anderer meinte: „Js JH- nen denn schon so heiß, bat Sie en Bad jenehmigen müssen?" Besonderen Spaß aber hatte man mit den „Dän- nekens", die im ganzen Heere den Spitznamen „Hanne- manns" erhalten hatten. Man mochte bei dieser Titulatur zunächst an jenen tapfersten der „sieben Schwaben" gedacht haben, an den die anderen ja die sprichwörtlich gewordene Aufforderung richten: „Hannemann, geh Du voran, Du hast die größten Stiefeln an!" Bald aber war diese Benennung ganz gang und gäbe und bot ebenso wie bie der „Danskes" zu ewigen Neckereien und Herausforderungen Anlaß, denen die Dänen eine unbegreifliche Gelassenheit entgegenietzten.
„Kusch Dich, Danske!" rief man, sobald man der Dänen ansichtig wurde, unb als Symbol diesesSpottes hatten preußische Pioniere in der Nahe der Buffettoppel eine große Strohpuppe ausgerichtet, bte den Namen „General Danske" erhielt. Wirklich machte die Vogelscheuche, von weitem gesehen, ganz den Eindruck, als stände hier ein Offizier bei einer Kanone und betrachte mit seinem Fernrohr auf das genaueste bie feindliche Stellung. Die Dänen fielen denn auch auf den Witz hinein und begannen auf diesen hartnäckigen Strategen,
Stellung an oer dieser stroherne Held
der Tag und Nacht in stets gleich
Chaussee stand, zu schießen. Aber d ...
war nicht tot zu kriegen. Ihn traf keine Kugel, und so stand „General Danske" viele Wochen stramm und steif auf der Wacht, zum größten Spaye der Preußen. Ueber- all erhielt er allmählich Gelahrten, und an den Wegkreuzungen, auf den Dorfplatzen und an den Brunnen tauchten nun solche ausgestopfte Figuren auf, die man „Hannemänner" oder auch „Pwtsche" nannte. Bisweilen wurde gar solch ein Strohmann auf ein altes Schaf gebunden, das nun unter schallendem-Gelacht^ der Truppen mit diesem kriegerischen Reiter querfeldein
'^^Auf allen Stratzen und allen Gassen aber, in allen Batterien und Laufgräben vor den Düppeler Schanzen sang man das neueste Spottlied auf Danemark, das diese strohernen Hannemänner verherrlichte. Es ist der eigentliche Gassenhauer des Dannchen Krieges gewesen, der nicht nur den Soldaten <mf den langen Märschen die Zeit verkürzte, sondern sich über ganz Deutschland verbreitete und auf allen Leierkasten gespielt wmZ&
Arankreich fleht überall Spione.
w Paris, 5. März. Ueber eine neue „schwere* Spionageaffäre weiß der „Exelsior aus Cherbourg zu berichten: Ende Oktober v .I. war in Cherbourg eine junge etwa 30 Jahre alte Deutsche angekommen, die sich unter dem Namen Eva für 14 Tage in einem Borst adthotel einmietete. Sie ging nur nachmittags aus und wühlte für ihre Spaziergänge stets die Gegend der Befestigungen und des Marinearsenals. Nachdem sie sich hier genügend orientiert hatte, wechselte sie ihren Wohnsitz. Bald machte sie die Bekanntschaft mehrerer Marineoffiziere, die sie hauptsächlich des Abends bet sich zu empfangen pflegte. Durch ihre verdächtigen Manieren und ihre häufigen Spaziergänge in der Nähe der Forts erweckte sie den Verdacht der Polizei, die eine scharfe Bewachung anordnete. Häufig empfing sie Briefe aus Nancy in deutscher Sprache von einer angeblichen Schwester. Seit dem 15. Februar bemerkte man an ihr eine gewisse Nervosität. An diesem Tage nämlich hatte sie von ihrer angeblichen Schwester einen Brief mit der Photographie des am 7. Februar in Toulon verhafteten Spions Theodor Burgard erhalten, der, wie erinnerlich, bet seiner Verhaftung d«i Plan eines Kriegshafens des Aermelkanals bet sich trug. Unter dem Vorwande, ihre Schwester in Nancy zu besuchen, bereitete sie sich zur Abreise vor. Sie wurde jedoch gestern früh von oer Polizei verhaftet, die sie noch im Bette liegend antraf und sie ersuchte, sich sofort anzukleiden und ihr zu folgen. Ihr Gepäck wurde einer peinlichen Durchsuchung unterworfen, deren Ergebnis geheimgehalten wird. Sicher ist, daß diese Affäre mit der in Tonlon in Verbindung steht, da Frau Eva mit zahlreichen Marineoffizieren Beziehungen unterhielt, die sämtlich in der Angelegenheit vernommen wurden.
e* neuestes vom Cage.
Der Kaiser au der Wasserkante.
o* Wilhelmshaven, 5. März. Der Kaiser verließ heute vormittag ^11 Uhr das Linienschiff „Deutschland" und fuhr auf dem Wasserwege zur Werft, wo er Besichtigungen vornahm.
Beileidstelegramme zum Tode Kopps.
0=#» Breslau, 5. März. Die „Schles. Volksztg." mel- bet aus Wilhelmshaven: Beim Domkapitel in Breslau ist ein Telegramm des Kaisers eingegangen, in dem er dem Domkapitel sein wärmstes Beileid zu dem Ableben des Kardinals von Kopp ausspricht und an dem schweren Verlust, den das Domkapitel durch den Tod des durch reiche Geistesgaben, einen starken Glauben, lauteren Charakter und ein warmes Empfinden für die Not der Zeit ausgezeichneten Entschlafenen erlitten. Ein ebenso herzliches Telegramm ist auch von der Kaiserin einge= laufen. Auch Kaiser Franz Josef richtete ein Beileidstelegramm an das Domkapitel. Als Vertreter des Kaisers Franz Josef nimmt Erzherzog Carl Franz Josef an der Beisetzung teil.
Neues Kapitalverbrechen in Berlin.
Berlin, 5. März. Ein schweres Verbrechen ist gestern im Hause Krefelderstratze 20 in Moabit entdeckt würben. In ihrer Wohnung wurde die 50 Jahre alte Frau Marie Netsch tot aufgefunden. Als Täter kommt ihr 35 Jahre alter aus erster Ehe stammender Sohn, Rudolf Güdicke, in Frage. Die gerichtsärztliche Untersuchung hat festgestellt, daß Frau Netsch durch einen Schutz über dem rechten Ohr getötet wurde. Frau Netsch hat seit sieben Jahren in ihren Kleidern auf dem Sofa schlafen aus Angst vor ihrem Sohne, der das einzu
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schlafen aus Angst vor ihrem Sohne, der das einzige Bett benutzte. Dieser führte ständig einen Revolver bet sich. In der Kleidung der Frau fand man ihr erspartes Geld in Höhe von 719 Mark eingenäht. Der Täter wurde heute morgen in einem Privatlogis verhaftet.
o**» Berlin, 5. März. (B. Ä) Der Hausdiener Gö- öicke hat eingestanden, seine Mutter am Sonnabend morgen erschossen zu haben. Er habe auch die Absicht gehabt, einen Dr. Großmann, der ihn vor sieben Jahren operiert hatte, sowie seine verheiratete Schwester ums Leben zu bringen.
Dem Potsdamer Frauen Mörder auf -er Spur?
stellt, zog wurde bu
o*#» Potsdam, 5. März. (B. Z.) In dem an der Wetzlarer Bahn gelegenen Dorfe Drewitz würbe gestern abend ein Mann gesehen, auf den die Beschreibung des Mörders vom Teufelssee patzt. Der Mann wurde ge= i aber einen Revolver und entkam. Der Wald e ganze Nacht ohne Erfolg durchsucht.
Das Fürstenpaar von Albanien in Triest.
■Oh* Triest, 5. März. Der Fürst und die Fürstin von Albanien sind heute vormittag 9,05 Uhr hier eingetroffen und mit fürstlichen Ehren empfangen würben. Die österreichischen und die fremden Kriegsschiffe, barunter das deutsche Kriegsschiff „Breslau", hatten Flaggen- schmuck angelegt und salutierten wiederholt beim Eintreffen und der Weiterfahrt des Fürstenpaares. Aus dem Bahnhöfe stand eine Ehrenkompagnie, deren Musik die albanische Hymne spielte. Der Fürst und die Fürstin wurden vom Statthalter überaus herzlich begrüßt.
Gefälschte Pässe für Militärpflichtige.
»s* Wien, 5. März. In Bruck an der Mur wurde auf Veranlassung der Militärbehörden ein Agent des Norddeutschen Lloyds namens Albert Renier unter der Anschuldigung verhaftet, zahlreichen Stellungspflich- tigen Schifsskarten nach Amerika verkauft zu yaben. Der Verhaftete hat bereits ein Geständnis abgelegt.
Feuer im Brester Marinearsenal.
oe* Brest, 5. März. Im Marine-Arsenal in der Nähe des im Bau begriffenen Panzerkreuzers „Flandern" entstand plötzlich Feuer. Die Marineseuerwehr wurde sofort mit Motorpumpen an die Brandstelle ge^ schickt. Ihren angestrengten Bemühungen gelang eS, den Brand nach kurzer Zeit zu löschen. Der Panzer selbst wurde nicht beschädigt.
20 Jahre Gefängnis für einen sechsfachen Mörder', o-o Paris, 5. März. Das Schwurgericht in Nantes hat den bei einem Gutsbesitzer beschäftigt gewesenen Burschen Redureau, der, um sich für eine Bestrafung »u rächen, sechs Personen ermordete, zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt.
Sechs Mann beim Kentern eines Bootes ertrunken.
o-o Paris, 5. März. Im Hafen von Arcachon kenterte das Beiboot eines Kriegsfahrzeuges. Sechs Mann von der aus neun Köpfen bestehenden Besatzung fanden den Tod in den Wellen.
Die revolutionäre Bewegung in Brastlie«.
o*o Rio de Janeiro, 5. März. (B. Z.) Gestern abend lief hier das Gerücht um, daß das auf Grund einer stürmisch verlaufenen Sitzung, die mit den militärischen Gruppen wegen der Lage im Staate Ceara stattfand, beschlossen wurde, den Belagerungszustand über Rio d« Janeiro zu verhängen. Die Nacht verlief unter Unge- öuld hierüber, da die Regierung die Nachricht nicht amtlich bestätigte und außerdem die Truppenbewegungen deutlich besondere Maßnahmen der Behörden erkennen ließen. Heute morgen wurde bekannt, daß der Belgae- rungszustand für Rio Nictberoo und Petropokts NPfw