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Hers sei der Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 55.

Freitag, den 6. März

1914.

Aus der Heimat»

):( Hersfeld, 5. März. Der heutigen Schöffen- gerichtsverhandlung lagen vorwiegend An­klagen wegen Körperverletzung vor. Die erste Sache betraf Forstdiebstahl im Forstrevier Hersfeld. Im heutigen Einspruchstermin war jedoch niemand erschienen. Alsdann hatten sich vier jugendliche Burschen aus Friedlos wegen untereinander be­gangener Körperverletzung zu verantworten. Sie wurden sämtlich zu einer geringen Geldstrafe ver­urteilt. Ein hiesiger Schmied wurde wegen Körper­verletzung zu einer Geldstrafe von zwanzig Mark, eventuell vier Tagen Gefängnis, verurteilt. Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung hatten sich alsdann zwei Einwohner aus Biedebach zu verant­worten. Beide wurden wegen dieses Vergehens zu einer Geldstrafe von je 10 Mark verurteilt. Ein hiesiger Arbeiter, der wegen Diebstahls angeklagt war, wurde freigesprochen. Die letzte Strafsache richtete sich gegen einen hiesigen Handelsmann, der wegen Körperverletzung und öffentlicher Beleidigung angeklagt war. Das Gericht erkannte auf eine Ge- samtgefängnisstrafe von 5 Wochen.

-s- Kathus, 4. März. Die 13jährige Tochter des Bohrmeisters Otto Cregor kam auf dem Nach­hausewege von der Schule zu Fall und erlitt hier­bei ein Beinbruch.

Cassel, 4. März. Geh. Kommerzienrat Carl Henschel in Cassel hat für die Beamten und Arbeiter der Henrichshütte in Welper bei Hattingen die Summe von 150 000 Mark, und zwar 100 000 Mark als Grund­stock für eine Arbeiterpensionskasse und 50 000 Mark für eine Beamtenpenstonskasfe aestiftet. Dem Land­rat des Kreises Hattingen wurden ferner 15 000 Mark überwiesen, die als Grundstock für die Tuberkulose- und Säuglingsfürsorge dienen sollen. Die Stiftunge.n stehen im Zusammenhang mit dem 60jährigen Ju­biläum, das die Caffeler Lokomotivfabrik in diesem Monat feiert.

Eassel, 5. März. Einen Betrug gegen seine Krankenkasse hatte sich der Fahrbursche L. von hier dadurch zu schulden kommen lassen, daß er auf Grund eines Krankheitsattestes längere Zeit Krankengeld bezog, außerdem aber auch in gewohnter Weise seiner Arbeit nachging. Die betrogene Kasse erstattete gegen L. Anzeige, der heute unter Berücksichtigung seiner zahlreichen Vorstrafen von der Strafkammer zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt wurde.

Corbach, 4. März. In verflossener Nacht wurde bei der Bahnneubaustrecke Corbach-Ärilon ein Arbeiter eines Tiefbauunternehmers von einem Erdbagger gegen die Felswand gedrückt und zu Tode gequetscht.

Schmalkalden, 4. März. Die Strafkammer in Meiningen verurteilte heute den Bürgermeister Fitz aus Klein-Schmalkalden wegen Vergehens im Amte, Unterschlagung und Urkundenfälschung zu drei Jahren Gefängnis.

Büdingen, 4. März. Durch einen ganz eigenar­tigen Umstand kam in einem Nachbarorte von Büdingen in Oberhessen ein Landwirt ums Leben. Dieser hatte sich einen starken Schnupfen zugezogen und während dieser Zeit seinen Acker mit künstlichem Dünger be­streut. Dabei flog ihm etwas Düngerstaub an die entzündete Nase; er zog sich eine Blutvergiftung zu, er schon am nächsten Tage erlag. Der Mann hinterlässt eine Witwe mit sechs Kindern.

Gießen, 4. März. Der aus Frankfurt a. O. flammende Ingenieur Conrad wird seit Donnerstag von seinen Wirtsleuten vermißt. Jetzt ist das erste Lebenszerchen von ihm eingetroffen. Er hat nämlich emem ihm befreundeten Pfarrer aus Frankreich ge­schroben, daß er in die Fremdenlegion verschleppt worden 1 er. Conrad wollte noch in diesem Monat heiraten.

Gießen, 3. März. Ende der vorigen Woche weilte ein Generalstabsoffizier im Vogelsberg, der unter Führung eines Forstmeisters von Schotten aus den Oberwald besuchte, um sich über die auf den General­stabskarten noch nicht eingetragenen Aenderungen zu vergewissern. Daraus dürfte mit Sicherheit hervor­gehen, daß der wesentliche Teil der Kaisermanöver im Vogelsberge stattfinden wird.

Frankfurt a. M., 3. März. Vor der Strafkammer fand heute der fingierte Raub in dem Goldwaren­geschäft in der Kronprinzenstraße 30 seine Sühne. Am 12. November v. I. wurden dort mittags gegen 2 Uhr der Gehilfe und der Lehrling des Geschäfts ge­fesselt aufgefunden, und aus dem Geldschrank waren Gold- und Silberwaren für 16 000 Mark entwendet worden. Wie sich später herausstellte, hatte der Lehr­ling in dem Geschäft, Eduard Mann, zusammen mit seinem Freund Franz Fischbach den Raub verübt,

indem Fischbach den Gehilfen des Geschäfts überfiel und fesselte. Zum Schein wurde dann auch der Lehr­ling Mann von Fischbach gefesselt. Die Diebesbeute wurde im Frankfurter Stadtwald vergraben, wo sie später gefunden wurde. Das Urteil lautete gegen beide Angeklagte auf 2 Jahre Gefängnis.

Darmstadt, 3. März. Der Schuldiener Minier, der heute nacht mit seiner Familie auf einer Festlich­keit war, fand bei der Heimkehr in einem Zimmer seiner Wohnung seine allein zu Hause zurückgebliebene 88jährige Tante bis zur Unkenntlichkeit verkohlt neben einem ausgebrannten Schränk liegen. Die alte Frau hatte am Abend bereits ihr im oberen Stock­werk befindliches Schlafzimmer ausgesucht, sie muß dann aus irgend einem Anlaß mit einer Petroleum­lampe noch einmal in die unteren Räume gegangen sein. Es ist auffallend, daß der Brand nicht bemerkt wurde und ohne fremde Hilfe wieder verlöscht ist. Noch eigenartiger ist die Meldung, daß die Glied­maßen der Leiche ziemlich weit vom Rumpf entfernt im Zimmer gelegen haben sollen. Die staatsanwalt- schaftlichen Ermittelungen sind noch nicht abgeschlossen.

Eht Gemüse!

In denObstbaul. Mitt." für den Reg.-Bez. Cassel lesen wir:

Neben dem Obste haben wir in den Gemüsen die­jenigen Nahrungsmittel zu sehen, welche in bezug auf Zusammensetzung, Bekömmlichkeit und Billigkeit den zu stellenden Ansprüchen am vollkommensten ge­recht zu werden vermögen. Die große Mannigfaltig­keit in den Gemüsen macht es möglich, eine abwechs­lungsreiche Nahrung öarzubieten. Die so verschieden­artige Zusammensetzung bewahrt den Körper vor einer einseitigen Ueberfütterung. Der Wohlgeschmack gut zubereiteter Gemüse wirkt appetitanregend und damit verdauungsbefördernd. Der reiche Gehalt an Nährsalzen, zum Teil auch Säuren, und nicht zum mindesten auch die Holzfaserstoffe heben schädliche oder verdauungsstörende Wirkungen anderer Nahrungs­und Genußmittel wieder auf. Die Gemüse sind leicht verdaulich und befördern durch ihreorganischenSäuren, auch durch solche, welche, wie zum Beispiel die Milch­säure, sich erst durch Gärung in ihnen bilden, die Verdauung. Je jünger das Gemüse, um so leichter verdaulich ist es im allgemeinen. Während mäßige Holzfasermengen die Darmentleerung erleichtern, und reichlicher Gemüsegenuß deswegen älteren Personen und Menschen mit sitzender Lebensweise zu empfehlen ist, vermag der bei älteren Gemüsen stark zuneh­mende Gehalt an Holzfasern, wie wir solchen bei holzigem Rettich, Radieschen, Rüben und Kohlrabi kennen, die Verdauung zu erschweren. Es kommt dies aber schon deswegen weniger in Betracht, weil man solche holzig gewordenen Gemüse, schon ihres schlechten Geschmackes wegen, meist vom Genusse aus- schließt. Uebrigens wird von dem Holzstoff pflanz­licher Nahrungsmittel, jedenfalls unter Mitwirkung von Bakterien, mitunter bis zur Hälfte im Darm gelöst, in Zucker verwandelt und der Ernährung dienstbar gemacht. Gemüse mit hohem Eiweißgehalt, wie trockene Hülsenfrüchte, verursachen, für sich allein genossen, leicht Blähungen und Magenbeschwerden.

Durch Beigabe von genügend Fett oder sauren Speisen kann man den Beschwerden erfolgreich ent­gegenwirken. Daß man dies, vielleicht des Zweckes unbewußt, schon seit langem bei der Zusammenstellung der Nahrung berücksichtigt, davon geben Speck und dicke Bohnen, Sauerkraut und Erbsenbrei, Löffel­erbsen mit Speck, eingesäuerte Bohnen mit trockenen Bohnen zusammen genossen, sowie ähnliche Zusammen­stellungen auf unserm Speisezettel die besten Ver­spiele. Auch zu Gemüsen aus frr,chem Kohl gibt man in gleicher Absicht eine reichliche Fettgabe bei der Zubereitung und bringt selbige auch«häufig mit fetteren Fleischspeisen auf den Tisch. Dre Beigabe von organischen Säuren, meist m Form von Zitronensaft gegeben, hat den gleichen Zweck. Alles rn allem habem wir also in dem Gemüse eines jener Nahrungsmittel zu sehen, welche für die Ernährung des Volkes, ab­gesehen von Brot und den eigentlich ja auch zu den Gemüsen zu rechnenden Kartoffeln, Reis, Körnern, Hülsenfrüchten, neben Obst, Milch und Kaie rn erster Linie zu nennen sind.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag nahm am Mittwoch zunächst die Erklärung des Kriegsministers v. Falkenhayn ent- aeaen daß die Zentrumsinterpellation betr. den flweikamvf zwischen zwei Leutnants in der nächsten Äche beantwortet werden würde und stimmte über einiae Etatskapitel ab, die noch nicht erledigt waren. ®er ablehnende Beschluß des Haushaltsausschuffes betr. den Neubau eines Offizierskasinos in Kiel

wurde bestätigt, die Summen für Verbesserungen bei den retchsländischen Eisenbahnen bewilligt. Darauf konnte das Haus die allgemeine Erörterung des Postetats fortsetzen. Abg. Diez-Konstanz (Ztr.) wünschte Einschränkung des Postlagerverkehrs und Beschaffung billiger Wohnungen für Unterbeamte. Staatssekretär Kraetke erwiderte, daß die Reichspostverwaltung an der Verfügung über die vom Reichsamt des Innern bewilligten Summen an gemeinnützige Baugenossen­schaften beteiligt sei. Eine Aenderung der Druck- sachenporti könne er nicht zusagen. Abg. Jckler (natl.) bezeichnete einen Reichsarbeiterausschuß und eine einheitliche Betriebskrankenkasse. Abg. Hubrich (fortschr.) erkannte an, daß die deutsche Post an der Spitze aller Verwaltungen stehe, lehnte aber die Ver­antwortung seiner Partei für das Scheitern der Fernsprechnovelle ab. Eine neue Novelle möge dem platten Lande geben, was ihm gebühre, aber den Städten lassen, was sie haben. fRebiter befaßte sich in zweistündiger Rede mit zahlreichen Beamten- wünschen. Abg. Dr. Haegy lEls.j bestritt, daß die Zaberner Postbeamten bewußt gefehlt haben und fragte nach dem Stande der Untersuchung darüber. Staatssekretär Kraetke verwies auf seine frühere Er­klärung, daß Versehen vorgekommen sein und teilte mit, daß im Elsaß Beamte aus dem ganzen Reiche beschäftigt würden. Abg. Noske lSoz.j sah gar keine Veranlassung, der Postverwaltung besondere Loblieder zu singen und wiedersprach einer Einschränkung des Postlagerverkehrs. Abg. Kuckhoff (Ztr.) bedauerte die fortwährende Besprechung von Besoldungsfragen, die erst bei Beratung der Besoldungsnovelle zur Sprache kommen sollten. Seine Freunde werden dabei sich für die Wünsche der Beamten einsetzen. Donnerstag Fortsetzung.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch bemerkte Abg. Winkler (fünf.) bei der dritten Beratung des Ausgrabungsgesetzes, daß es wünschenswert sei, bei Gelegenheitsfunden im Interesse der Heimatforschung nicht zu schroff vorzu- gehen. Nach kurzen, befürwortenden Ausführungen der Abgg. Eickhoff (Fortschr.) und Dr. Kaufmann lZtr.) wurde das Gesetz angenommen, ebenso das Gesetz auf Ausdehnung des Moorschutzes auf Pommern und Schleswig-Holstein. Bei der fortgesetzten Beratung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung ging Abg. Hoesch (fünf.) auf die dankenswerte Rede des Abg. Dr. Beumer für den Abschluß neuer Handels­verträge ein. Bei diesen Abschlüssen dürfe man sich im Interesse der Landwirtschaft nicht beeinflussen lassen von den Ergebnissen der Notjahre 1911 und 1913. Den industriellen Wünschen brächten die Konservativen volles Verständnis entgegen und ernst­haft würden sie die Vorschläge der Industrie prüfen. Beizeiten müsse Deutschland für genügende Kompen­sationen zum Abschluß neuer Handelsverträge sorgen. Der Einfuhr fremdländischer Futtermittel sei mit Energie entgegenzuarbeiten. Eine ernste Frage sei, wie sich der unter der ParoleStramm gegen rechts" zustande gekommene Reichstag bei den neuen Handels­verträgen bewähren werde. Namens der Staats­regierung erklärte Handelsminister Dr. Sydow, daß an dem bewährten Zolltarif von 1902 nichts geändert werden solle. Es könne weder von einem Abbau, noch von einer Verstärkung des Zollschutzes gesprochen werden. Erst wenn andere Vertragsstaaten an eine Aenderung der Tarifverträge gehen würden, dann würde die deutsche Regierung an die Schaffung einer neuen Zolltarifnovelle herangehen und Mängel des alten Tarifs beseitigen. Unter allen Umständen würde die Regierung aber an der bisher erfolgten Zoll- und Handelspolitik festhalten und darauf bedacht sein, den Zusammenschluß der schaffenden Stände in Gewerbe und Landwirtschaft zu fördern. (Lebh. Beifall.) Abg. Herold (Ztr.) begründete einen Zusatzantrag zu dem Antrag der Nationalliberalen auf Schutz der deutschen wirtschaftlichen Interessenauf Grund der bisherigen Wirtschaftspolitik". Abg. Freiherr v. Zedlitz und Neukirch (freif.) gab der Hoffnung Ausdruck, daß der heutige Tag durch Annahme des Antrages eine wirk­same Kundgebung für Inland und Ausland sein möge zugunsten der Fortführung unserer nationalen Wirtschaftspolitik. Abg. Pachnicke (Fortschr.) lehnte den Antrag ab, der einen Zollkrieg ermögliche und Deutschland schweren Schaden bringen könne. Abg. Leinert (Soz.) sah in der ganzen Aktion nur einen Versuch die Regierung scharf zu machen für die Jn- teressen der Großgrundbesitzer. Abg. Dr. Schifferer (natl.) erklärte die Zustimmung seiner Freunde zu dem Anträge und den Ausführungen des Ministers. In der Einzelberatung besprach Abg. Hammer (fünf.) die Lage der verschiedenen Gewerbe.

Meist trüb, zeitweise Regenfälle, westliche Winde, Temperatur wenig geändert.