Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. SS. Mittwoch, den 4. März 1914.
Bus der Heimat«
Sitzung der Stadtverordneten.
):( Hersfeld, den 3. März.
Die am gestrigen Nachmittag im Rathaussaale abgehaltene Sitzung der Stadtverordnetenversammlung war von 16 Mitgliedern besucht. Ferner waren erschienen die Herren Beigeordneten Schimmelpfeng, Altenburg, sowie die Herren Magistratsmitglieder Hirschberger, Noll und Seelig.
Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die
Prüfung der Sparkafsen-Rechnung pro 1912.
Dieselbe schließt ab in Einnahme mit 5664761,96 Mk. und in Ausgabe mit 4518308,61 Mark, so daß ein Kassenbestand von 146453,35 Mk. verblieb. Der Einlagebestand betrug am Schlüsse des Jahres 1912 10195620 Mk. und der Reservefonds belief sich auf 403988 Mk. An Wertpapieren waren für 1181449 Mk. vorhanden, so daß nach dem neuen Sparkassengesetz, nach welchem alle Sparkassen mit einem Einlagen- bestand von über 10 Millionen Mark 25% desselben in Wertpapieren anlegen müssen, nur noch 1300 000 Mk. fehlen. Die Versammlung erteilte dem Rechnungsführer Entlastung.
Für Herrn Maschinenfabrikanten S e x a u e r, dessen Amtsperiode abgelaufen war, war die
Ergänzungswahl eines Magistratsmitgliedes vorzunehmen. Die Wahl fiel auf Herrn Fabrikant Hermann Braun, der die Wahl dankend an- nahm.
Es folgten sodann eine Reihe von
Kommissionsneuwahlen.
In die Schlachthauskommission wurde Herr Obermeister Ernst Her da, in die Friedhofskommission Herr Kaufmann Wilhelm Otto, in die Verkehrskommission Herr Fabrikant L u d w i g B r a u n, in die Statutenberatungskommission Herr A r t u r R e h n und in die Einquartierungskommission Herr Daniel Stern gewählt.
Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker schlug vor, bei den demnächst vorzunehmenden
Stadtverordnetenwahlen
für den in den Magistrat gewählten Herrn Fabrikanten Hermann Braun ebenfalls sofort eine Neuwahl vorzunehmen, die Stadtverordneten stimmten diesem Vorschläge zu. Es wurden sodann noch die bei den Wahlen nötigen Wahlvorsitzenden und deren Stellvertreter für alle drei Abteilungen gewählt.
Der bereits schon einmal vorgelegene
Fluchtlinienplan für das Gemarkungsgebiet am Wendeberg
stand abermals zur Beratung. Herr Jean Rech - b e r g hält diesen Plan jedoch noch nicht für vollständig genug und beantragt eine Zurückstellung zwecks genauerer Prüfung. Herr Daniel Stern ist derselben Ansicht und schlägt die Wahl einer Kommission vor, welche eine Besichtigung an Ort und Stelle vornehmen soll. Die Versammlung war hiermit einverstanden und wählte die Herren Jean Rechberg, Daniel Stern und Lehrer Löwer in diese Kommission.
Der Magistrat hat auf Antrag des Herrn Stadtrechners Käberich, ihm seine gestellte Dienstkaution zurückzugeben, beschlossen, diesem Wunsche nachzu- kommen und die Stadtverordneten schließen sichrem an.
Betreffs Beteiligung an der geplanten
Errichtung einer Kommunalbank
hatten die Stadtverordneten s. Zt. eine Kommission gewählt, welche diese Angelegenheit prüfen sollte. Die Kommiffron Ichlagt nun vor, daß sich die Stadt Hersfeld an der zu errichtenden Kommunalbank mit '000 Mark betellrgen wlle. Die Versammlung beschloß, den Magistrat m diesem Sinne zu ersuchen.
Schulunterhaltungskosten für das Jahr 1912/13 wurden der Gemeinde Kalkobes 1500 Mark und für das Jahr 1913/14 1800 Mark bewilligt, womit sich die Versammlung einverstanden erklärte. Für bauliche Veränderungen im Bezirkskommando wurden 180 Mark bewilligt.
Der Bericht der Kommission zur
Prüfung der Rechnung des städtischen Elektrizitätswerkes
stellt fest, daß das Werk im verflossenen Rechnungsjahre mit einem erheblichen Verlust gearbeitet habe und glaubt als Ursache Fehler in der Installation der Anlage suchen zu müssen. Der Stromverlust habe durchschnittlich 34,79% betragen und es sei dringend erforderlich, daß hier Abhilfe geschaffen werde. Weiter müsse ganz besonders dahin gestrebt werden, den Ab- Mtz des Werkes zu vergrößern und zwar unter Ver- billigung des Strompreises für Großabnehmer. Ferner
verlangt der Bericht die sachverständige Prüfung der gesamten Anlage, um festzustellen, ob die Einrichtungen allen modernen Anforderungen entsprechen. Wie Herr Fabrikant Ludwig Braun hierzu mit- teilte, sind inzwischen bereits die Transformatoren nachgesehen worden und hierbei habe sich herausgestellt, daß dieselben nicht ganz in Ordnung gewesen feien. Die sofort vorgenommene Aenderung habe schon eine beträchtliche Verminderung des Stromverlustes gezeitigt. Herr Artur Rehn fragt an, wie hoch die Stadt die Lampen einkaufe und ob es sich nicht empfehle den Lampenverkauf für die hiesigen Installateure freizugeben, worauf Herr Beigeordneter Schimmelpfeng bemerkt, daß Erwägungen hierüber angestellt würden. Nach weiterer Aussprache beschlossen die Stadtverordneten den Magistrat zu ersuchen, die gesamte Einrichtung des Elektrizitäts- werkes durch einen Sachverständigen prüfen und evtl. bestehende Mängel beseitigen zu lassen, damit die Rentabilität des Werkes sich bessere. Ferner soll mit den Firmen A. Rechberg und Georg Braun wegen Verbilligung des Stromes an Großabnehmer verhandelt werden.
Einen Antrag des Herrn Lupp, die Häuser an dem Wippershainer Weg telefonisch mit der Polizeiwache zu verbinden, um den dortigen Bewohnern gegebenen Falls schnelleren polizeilichen Schutz gewähren zu können, hatte der Magistrat abgelehnt, da ein Bedürfnis nicht anzuerkennen sei. Die Herren Färb- meister Wolfs und H i l s ch e r t baten jedoch, den Magistrat nochmals zu ersuchen, die Angelegenheit näher zu prüfen, was von der Versammlung unterstützt wurde.
Herr Stadtverordneter Stern hatte vor einiger Zeit beantragt die geplante
Erneuerung der Kirchenbänke schon jetzt zu vergeben, da das hiesige Schreinerhandwerk zur Zeit schlecht beschäftigt sei. Der Magistrat hat deshalb den Betrag von 6000 Mark in den diesjährigen Etat eingestellt und ersucht die Stadtverordneten, hierzu schon jetzt, ehe der Etat beraten sei, ihre Zustimmung zu geben, damit die Ausschreibung der Bänke sofort erfolgen könne. Die Versammlung stimmte diesem Anträge einstimmig zu.
Herr Beigeordneter S ch i m m e l p f e n g bemerkte, daß Herr Bürgermeister Strauß zu seinem Bedauern nicht anwesend sein könne, um den Verwaltungsbericht selbst zu erstatten, da er zur Tagung des Kommunallandtages in Cassel anwesend sein müsse. Er habe ihn daher beauftragt deu Bericht zu erstatten. Aus dem Bericht ist hervorzuheben, daß im laufenden Jahre keine Steuererhöhung stattfindet, obwohl die Ausgaben um 19000 Mk. höher sind wie die Einnahmen. Der Magistrat habe jedoch mit Rücksicht auf den hiesigen schlechten Geschäftsgang beschlossen, dieses Defizit aus Ersparnissen zu decken. Es darf jedoch für das kommende Jahr eine Besserung in allen geschäftlichen Betrieben erwartet werden, die dann auch den städtischen Finanzen zu gute kommen wird. Ferner sei hervorzuheben, daß tue Haltestelle Hersfeld- Bad in diesem Jahre in Betrieb genommen werden könne und daß nach einer Mitteilung des Krregs- ministeriums die Verstärkung unserer Kriegsschule nicht nur eine vorübergehende ser, sondern daß auch in Zukunft die Etatsstärke unserer Kriegs,chule erhöht würde. Der Bericht schloß mit der Hoffnung, daß sich die allgemeine wirtschaftliche Lage bepern werde
Hierauf trat die Versammlung noch in die Etats- beratung ein und machte damit bei dem Etat des Gaswerkes den Anfang. Gegen 7 Uhr wurde die Sitzung alsdann geschloffen.
*l^ahlenvomRiesen-Kaisermanöver 1914 , Nicht weniger als 6 Armeekorps, nämlich das 7 iMünster , 8. (Coblenz), 11. (Cassel), 18. (Frankfurt a. MJdas? bayerische Kürzburg) und das 3. bayerische iNürnbera) sollen bekanntlich an dem diesjährigen Kaiier-Manöver teilnehmen. Von den einzelnen Waffena attungen sind beteiligt: 51 Infanterie-Regimenter? 24 L 24 Feldartillerie- Reaimenter 6 Fuß-Artillerie-Regimenter, 3 Jager-
Maschinengewehr-Abteilungen, <>1 Ma,chinenKom- vaanien 10 Pionier-Bataillone, dazu kommen o Scheinwerferzüge, 1 Telegraphen-Bataillon, 6 Train- Luftschiffer-Bataillon, 1 Flreger-^taillon, 1 Unter- offiUersckule seitlich), 2 Eijenbahn-Regimenter; ferner ÄÄ£ nLflU^n die übriaen nicht am Kaster-Manöver beteiligten Armeekorps außrdem noch besondere Kavallerie-Divisionen auf Man wird also nicht zu hoch schätzen, wenn man die am Kaisermanöver beteiligten Truppenmassen auf rund eine Viertelmillion Kopse und 50 000 Pferde schätzt. Um sich einen Begriff von dieser Heeresmacht zu machen, sei bemerkt, daß dieselbe, in Marsch gesetzt,
mit 350 Kilometern Länge zu veranschlagen ist. Dies entspricht der Entfernung von Marburg bis Saar-
entspricht der Entfernung von Marburg
brücken. Die endlosen Truppen würden, täglich 50 Kilometer zurücklegend, eine volle Woche zum Durchmarsch irgeud eines Ortes gebrauchen, während mindestens sechshundert starke Sonderzüge zum
Rücktransport nötig wären.
):( Hersfeld, 8. März. Am heutigen Tage begeht Herr Wirklicher Geheimer Ober-Regiernngsrat Eisenbahndirektionspräsident a. D. Franz U l l r i ch, ein gegorener Hersfelder und Ehrenbürger unserer Stadt, aH seinem Ruhesitz auf Wilhelmshöhe seinen 7 0. Geburtstag.
):( Hersfeld, 3. März. Das gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr hier beobachtete Luftschiff war der „Z. 4." Der Zeppelin war gestern früh in Cöln zur Fahrt nach Gotha aufgestiegen, wo er nachmittags gegen 5 Uhr glatt landete.
Treysa, 1, März. Heute tagte unter dem Vorsitz des Herrn Amtsrichters Heußner aus Niederaula die alljährlich hier im Winter abgehaltene Wanderver- sammlung des Knüllklubs. Die einzelnen Ortsgruppen waren durch Delegierte vertreten. Eine reichhaltige Tagesordnung lag zur Erledigung vor: Nach Rechnungsablage über den im vorigen Jahre fertiggestellten und eingeweihten Aussichtsturm auf dem Eisenberge, dem höchsten Punkte des Knülls, belaufen sich die Gesamtkosten auf 13 400 Mk. Die Hauptsumme ist bereits gedeckt, doch sind noch 3000 Mk. in Ziegeuhain geliehen und 1800 Mk. an Maurermeister'Weppler in Oberaula zu zahlen. Die letztere Schuld hofft man in diesem Jahre zu tilgen. Durch Separation hofft man kostenlos in den Besitz von Wege- und Wassergerechtsame zu kommen. Damit das Knüllköpfchen ganz in den Besitz des Vereins übergeht, sollen mit den Herren von Dittfurth und Liebermann Verhandlungen zwecks Umtausch von Grundstücken in die Wege geleitet werden. Der Förderung des Fremdenzuzuges soll im Knüllzimmer die reichhaltige Ausstattung des Heimatmuseums dienen. Ein diesbezüglicher Vertrag mit Wirt Liebermann wird im Entwurf vorgelegt und gutgeheißen. Dem Vorschlag des Vorstandes, daß der Touristenklub Hersfeld mit 258 Mitgliedern auch im Vorstände vertreten sein soll, wurde zugestimmt. Damit an Sonntagen oben Betrieb ist, wird mit einem Wirte zunächst auf ein Jahr ein Vertrag abgeschlossen. Für die von einer Seite gewünschte Verlegung des Herzbergfestes konnte sich die Versammlung nicht erwärmen. Zum Schluß lag noch der Antrag des Knüllklubs und des Touristenklubs Hersfeld vor, zu bewerkstelligen, den Verbandstag der Gebirgs- und Wandervereine im Jahre 1916 in Hersfeld abzuhalten.
Cassel, 2. März. In dem Braunkohlenwerk zu Jhringshauseu hat sich während der Nachtschicht zum Montag ein schwerer Unfall ereignet. Während der Arbeit in einem Stollen des Bergwerks entwickelten sich plötzlich giftige Gase, wodurch der Bergmann I. Rühl aus Frommershausen den Erstickungstod fand. Seine Arbeitsgenossen konnten sich rechtzeitig retten. .
Hanau, 1. März. Auf schreckliche Weise verunglückt ist gestern nachmittag die Witwe Kreß, welche in ihrer Wohnung zum Anfacheu des Feuers Petroleum benutzte. Hierdurch gerieten ibre Kleider in Brand und einer Feuersäule gleichend, stürzte sie auf die Straße. Herbeieilende Leute warfen Tücher auf die brennende Frau und erstickten die Flammen. In hoffnungslosem Zustande wurde die Frau in das katholische Schwesternhaus gebracht, woselbst sie einige Stunden später gestorben ist.
Caffel, 28. Februar. Die diesjährige Obstausstellung des Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Cassel soll in Marburg am 2., 3., 4 und 5. Oktober d. I. stattfinden. Aus Antrag einiger Mitglieder wurde beschlossen, daß die Wanderversammlung im Sommer 1914 in Niederzwehren abgehalten werden soll. Hieran wird sich ein Besuch der Obstbauanstalt in Oberzwehren anschließen.
Marburg, 28. Februar. Die Witwe M. von hier hatte im Winter die Witwe H., mit der sie auf dem Kriegsfuße lebte, eingesperrt, indem sie den Kohlen- keller, in dem die H. sich aufhielt, kurzerhand abschloß. Erst nach langen Stunden befreite ein vorübergehender Mann die Gefangene aus ihrem Verließ. Die Pader- borner Strafkammer beschloß nun, die resolute Witwe M. eine Woche lang über den Scherz in sicherem Gewahrsam nachdenken zu lassen.
Ilmenau, 28. Februar. Bei einem Streit zwischen zwei hiesigen Schulknaben schlug der eine Knabe den anderen so derb in das Gesicht, daß das Auge schwer verletzt wurde und in der Klinik zu Jena herausgenommen werden mußte. . M
Wolkig, höchstens vereinzelt Niederschläge, Nachts kühl, Tags mild, westliche Winde.