Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld
Melier SteisHatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. SS.
Aus der Heimat.
):( Hersfeld, 2. März. Am gestrigen Sonntag verstarb nach kurzem Leiden der Prokurist der Tuchfabrik Georg Braun, Herr Rudolf Bartholo- mäus. Mit ihm ist eine allgemein geachtete und beliebte Persönlichkeit dahingegangen, der sich sowohl bei den Inhabern der Firma und deren zahlreichen Beamten und Arbeitern wie auch in der Bürgerschaft größter Wertschätzung erfreute.
):( Hersfeld, 2. März. Am gestrigen Nachmittag überflogen zwei bemannte Freiballons unsere Stadt. Einer derselben landete gegen 5 Uhr in der Nähe von Kirchheim. Der Ballon war mit fünf Herren besetzt, die am Vormittag in Griesheim aufgestiegen waren. Der Ballon wurde verpackt und die Herren traten mit dem Abenözuge um 7 Uhr die Rückfahrt nach Frankfurt a. M. an.
):( Hersfeld, 2. März. Auf Einladung des Vorstandes des Hersfelder Landwirtschaftlichen Kreisvereins hatten sich am Sonnabend nachmittag im Saale des Hotel zum Stern eine große Anzahl Herren aus Stadt und Kreis Hersfeld, welche den aus Anlaß des im Sommer d. Js. hier stattfindenden großen landwirtschaftlichen Bezirks-Aus- st e l l u n g gebildeten Ausschüssen angehörten, eingefunden. Herr Landrat vonGrunelius, der Vor
ige vom 3. d Festplatz
sitzende des landwirtschaftlichen Kreisvereins begrüßte die zahlreiche Versammlung und dankte den Erschienenen für das Interesse, welches sie durch ihre bereitwillige Mitarbeit an der Veranstaltung bekundeten. Nachdem Herr Landrat von Grunelius kurz die Bedeutung einer derartigen Ausstellung besprochen hatte, gab er einen Ueberblick über den Verlauf des Festes. Vorgesehen sind die Tage vom 3. bis 5. Juli ü. Js., der Ausstellungs- und Festplatz wird auf dem sog. „Weerd" errichtet und zwar zwischen der Fulda und dem Bahndamm der Strecke nach Oberaula. Hier werden durch einen auswärtigen Unternehmer die Ausstellungszelte, das Festzelt usw. zur Aufstellung gelangen, die in wasserdichten Hallen bestehen, da das ausgestellte Vieh drei Tage lang in den Zelten bleibt. Ferner gab Herr Landrat von Grunelius noch die Mitglieder der verschiedenen Ausschüsse bekannt und skizzierte kurz deren Tätigkeit. Das Fest wird ungefähr folgenden Verlauf nehmen: Donnerstag, den 2. Juli 1914, von nachmittags 3 Uhr an Beginn des Auftriebes und Vorrichten, nachmittags 7 Uhr Versammlung der Richter und Ordner im Festzelt, 9 Uhr Begrüßungsabend in den Räumlichkeiten des Kurhotels St. Wigbertshöhe. Freitag, den 3. Juli 1914, vormittags 6 Uhr Eröffnung des Ausstellungsplatzes, vormittags 11 Uhr offizielle Eröffnung der Ausstellung, nachmittags 2 Uhr Festessen im Festzelt, nachmittags 5 Uhr Vorführung der preisgekrönten Pferde, Rinder und Ziegen, von 9 Uhr ab gemütliches Zusammensein in den Räumen der Gesellschaft „Verein". Sonnabend, den 4. Juli 1914, vormittags 7 Uhr Eröffnung des Ausstellungsplatzes, vormittags 8 Uhr Richten der Familien und Sammlungen, vormittags 10 Uhr Generalversammlung des Vereins-Ausschusses in den Räumen der Gesellschaft „Verein", vormittags 11 Uhr Vorführung der prämiierten Pferde, Rinder, Ziegen, nachmittags 2 Uhr Festzug, nachmittags 5 Uhr Vorführung der prämiierten Pferde, Rinder, Ziegen; nachmittags Konzert auf dem Festplatz und Abends evtl. Feuer- Sonntag, den 5. Juli 1914, vormittags 8 Uhr Ausstellungsplatzes, vormittags 11 "^^"9; nachmittags Konzert und Tanz -Festplatz, von 4 Uhr ab Verlosung. ^o^?etten des Herrn Schornsteinfegermeisters Vockroth ob es nicht möglich wäre, den Festzug am Sonntag stattfinden zu lassen, ^terdurch doch viel mehr Besucher erscheinen würden. fs ^^«?bttuber wurde vom Vorstände des Kreisvereins bemerkt, daß dre Deleglerten-Versammlung am Sonn- abenö ftattsande, und um diesen Herren, die Sonntags mcht mehr alle da ietn konnten, den Zug zu zeigen, fei der Festzug bereits für Sonnabend geplant. Nach weiteren Aussprachen wurde die Versammlung geschlossen und die einzelnen Ausschüsse werden nunmehr ihre Tätigkeit, die bei manchen recht viel Arbeit bringt, aufnehmen.
(e) Hersfeld, 2. März. Bei stark überfülltem Saale feierte der Kaninchenzuchtverein Hersfeld im Hotel zum Stern gestern abend sein 8. Stiftungsfest. Nach einem flott gespielten Marsche begrüßte der Vorsitzende, Herr Otterbein, die Erschienenen und besprachin kurzen Worten den Werdegang des Vereins, wobei er der Gründer, die fast vollständig anwesend waren, gedachte. Das sehr reichhaltige, recht humoristische Programm wurde flott gezielt und erzielten die einzelnen Aufführungen wahre "achsalven. Wenn auch sämtliche Mitwirkende ihre
Dienstag, den 3. März
volle Schuldigkeit getan haben, so muß doch uoch besonders hervorgehoben werden, daß der Einakter, „Der gepfändete Bürgermeister" ganz vorzüglich gegeben wurde, ebenso die Posse „Nulpe vor Gericht." Auch das Duett „Schuster Sohle und sein Ideal" sowie „Das verliebte Trio" hatten guten Erfolg. Bei den am Schlüsse gegebenen komischen Pantomimen kamen die Zuschauer aus dem Lachen nicht heraus. Ein Tanz schloß die in allen Teilen wohl gelungene Feier, so daß der Verein mit dem Erfolg recht zufrieden sein kann.
):( Hersfeld, 2. März. Auf Wunsch wird im HersfelderLichtschauspielhausheute abend nochmals der Film „Endlich allein" vorgeführt. Dieser Film bietet dem Beschauer herzerfrischende humoristischeSzenen, verbunden mit prächtigen Winterlandschaftsbildern aus Garmisch-Partenkirchen, denn dort spielt sich die Haupthandlung des Stückes ab. Wir sehen vorzügliche Aufnahmen eines flotten Wintersportbetriebs. Selten wird ein Filmwerk in dieser vortrefflichen Zusammenstellung geboten, so daß ein Besuch sich lohnt.
):( Hersfeld, 2. März. Bei der heute Vormittag vor dem hiesigen Amtsgericht stattgefundenen V e r - steigerung des Hotels Deutsches Haus blieb die Brauerei W. Engelhardt mit 99000 Mark Höchstbietenüe. Der Zuschlag wird in ca. 14 Tagen erteilt.
):( Hersfeld, 2. März. Heute nachmittag gegen iM Uhr konnte man hier in östlicher Richtung ein in großer Höhe fahrendes Luftschiff beobachten. Welchem Typ das Luftschiff angehörte, ließ sich mit Sicherheit nicht feststellen. In der Richtung über der Wippershainer Höhe verschwand es in den Wolken.
-n- Dankmarshausen a. d. W., 28. Febr. (Nächtliches Feuer in der Dorfmühle.) In der Nacht zum Sonnabend, gegen 2 Uhr, wurden die hiesigen Bewohner durch den Schreckensruf: „Feuer!" jäh aus dem Schlafe gerissen. Es war nämlich in der zur Dorfmühle gehörigen Scheune des Landmüllers Reinhardt Feuer ausgebrochen, welches mit Blitzes- fchnelle sich auf die ganze Scheune nebst den Stallungen ausdehnte. Den hiesigen und von auswärts herbei- geeilten Feuerwehren gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Scheune und Stall brannten vollständig nieder. Der Schaden ist beträchtlich. Die Ursache des Entstehens ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt, jedoch wird Brandstiftung vermutet.
Zella (Schwalm), 28. Februar. Am gestrigen Abend ereignete sich ein Unglücksfall. Der Butterhändler und Landwirt Knauf hatte, um einen Neubau aufzuführen,eine hohe SchichtBacksteine angefahren. Trotz Warnung waren sechs Jungen im Alter von sechs bis sieben Jahren in das Grundstück eingedrungen, um zu spielen. Sie hatten den hohen Backsteinstoß erklettert, der plötzlich zusammenfiel und die Kinder unter sich begrub. Fünf von ihnen kamen mit dem Schreck und leichten Hautabschürfungen davon. Leider erlitt der 7jährige Sohn des Landwirts Riebe- ling so schwere innere Verletzungen, daß er auf Anordnung eines Arztes in die Heilanstalt Hephata bei Treysa gebracht werden mußte.
Friedberg, 27. Februar. Gestern abend ereignete sich zwischen dem Südausgang des Stadtteils Fauer- bach und dem dortigen Friedhof auf der Landstraße gegen 9 Uhr ein schwerer Unfall. Der Bäcker Friedrich Schnabel von Assenheim wollte, auf der Heimfahrt begriffen, einem entgegenkormnenden Fuhrwerk ausweichen. Hierbei geriet sein Wagen mrt zwer Rädern auf die dort liegenden Blocksteine. Dadurch schlug der Wagen um. Schnabel wurde herabgeworfen und kam unter den Wagen zu liegen, der ihn erdrückte. Der Tod trat infolge Zerreißung des Herzbeutels etn.
Abgeordnetenhaus.
Das Preußische Abgeordnetenhaus beendete am Sonnabend die Beratung des Bau-Etats, zu dem ein Antrag Dr. Hahn (kons.) imd Flathmann (natl) ein- aeaanaen war, der um Mittel ersuchte zum Erweiterungsbau der Fischerei-Pachthallen am Hafen Geeste- münde. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) forderte Erleichterungen für die Schiffer bei der Entrichtung des Schleusengeldes. Unterstaatssekretar Freiherr Coels v. d. Brüggen bemerkte, daß Beschwerden, rote sie Abg. Liebknecht vorgebracht habe, bei der Verwaltung nicht eingegangen seien. Abg. Dr. Liebknecht erwiderte das käme daher, weil die Schiffer immer unterwegs wären und keine Zeit zu Reklamationen hatten Abg. Just (natl.) trat für die Fischer der unteren Elbe ein. Aba Dr. Hahn (kons.) wandte sich gegen die ham- buraische Politik, die die preußischen Anlieger der unteren Elbe schädige. Ein Regierungsvertreter gab bekannt, daß Hamburg 3»0000 Mk. als einmalige Ab-
1914.
sindung für diese Schädigungen geboten habe. Dies erklärt Abg. Dr. Hahn (kons.) für unzureichend. Ge« Heimrat Eich bemerkte, daß, wenn der Wasserstand der unteren Elbe dauernd sinken sollte, die Regierung den früheren Stand herstellen würde. Die Abgg. Dr. Hahn (kons.) und Flathmann (natl.) traten dann für den Antrag ein. Der Unterstaatssekretär hielt diesen Antrag für unnötig. Sollte ein Erweiterungsbau der Pachthallen notwendig werden, so würde die Regierung selbst dazu schreiten. Abg. Ad. Hoffmann (Soz.) stimmte dem Anträge zu, griff dann aber die Konservativen an. Abg. Dr. Hahn (kons.) antwortete: Auch die Genossen Calwer und Schippel hätten die Notwendigkeit der Zölle anerkannt. Der Heringszoll sei notwendig gewesen, um die Fischer vor der unlauteren Konkurrenz des Auslandes zu schützen. Schließlich wurde der Antrag der Budgetkommission überwiesen und der Bau-Etat genehmigt. Es folgte die Beratung des Gesetzentwurfes über die Einziehung staatlicher Schiffahrtsabgaben durch Gemeinden nnb Private. Abg. von Loos (kons.) hielt es nicht für richtig, daß den Gemeinden eine neue Aufgabe aufgebürdet werden solle. Nach kurzer Debatte wurde der Entwurf an die Kommunalabgaben-Kommission verwiesen. Beim Ausgrabungsgesetz bat Kultusminister Trott zu Solz um Annahme des Gesetzes, das im wesentlichen den vorjährigen Beschlüssen des Abgeordnetenhauses entspreche. Abg. Lippmann (Fortsch.) führte aus, die sofortige Annahme des Gesetzes diene den historischen und Kulturinteressen. Abg. Weissermel (kons.) hielt den Schutz unserer Bodenschätze und die Verhinderung ihrer Ausfuhr für dringend erforderlich. Im ähnlichen Sinne sprachen sich die Abgg. Schreiner (Ztr.), Gottschalk (natl.) und Dr. Liebknecht (Soz.) aus. Der Kultusminister l"gte sY:^ nt die Wichtigkeit des Gesetzes dar, doch lehnte es Abg. Freiherr v. Loee (Ztr.) ab, da es bei der vorgeschrittenen Volksaufklärung überflüssig sei. Abg. Dr. v. Zakrzemski (Pole) erklärte sich für das Gesetz. Nach weiterer unwesentlicher Aussprache wird das Gesetz über die Ausdehnung des Moorschutzes auf Pommern und Schleswig-Holstein angenommen. Beim Etat der Münzverwaltung übte Abg. Linz (Ztr.) Kritik an den preußischen Münzen, die recht unkünstlerisch wirkten. Der Kultusminister war gegenteiliger Meinung und hielt Angriffe in dieser Sache für ungerechtfertigt.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag führte am Sonnabend die Erörterung des Etats der Reichseisenbahnen zu Ende. Minister v. Breitenbach nahm noch einmal das Wort und bezog sich auf die Ausführungen seines Vorredners, des Abg. Weill (Soz.s der anerkannt hatte, daß auf dem Gebiete der Betriebssicherheit die deutschen Bahnen an erster Stelle von allen anderen stehen. Die neue Lohnordnung für die Arbeiter habe bet ihnen volle Anerkennung gefunden und die Rechtslage auf eine sichere Grundlage gestellt. Er (der Minister) versehe im übrigen sein Amt mit der gleichen Sorgfalt wie das des preußischen Ministers. Nach kurzen Bemerkungen des Abgg. Dr. Schatz (Lothr.) und Jckler (natl.) schloß die allgemeine Aussprache. Bei den Einnahmen aus Personen- und Güterverkehr gelangte die Mosel- und Saarkanalisierung zur Besprechung. Abg. Dr. Weill (Soz.) hielt die Kanalisierung für notwendig, ebenso Abg. Bassermann (natl.). der den Widerstand des Ministers bedauerte und hoffte, daß der nationale und wirtschaftliche Gedanke zum Siege gelangen werde. Minister v. Breitenbach stellte erneut fest, daß die preußische Staatsregierung nach wie vor auf dem Standpunkt stehe, daß aus wirt- schaftspolitischen Rücksichten die Mosel-Saarkanali- sierung nicht in Aussicht genommen werden könne. Das Stillschweigen großer Parteigruppen im Abgeordnetenhause bei Erörterung dieser Frage bedeute nur, daß sie ein Aufgeben des Regierungsstandpunktes nicht wünschen. Große Interessentenkreise haben auf die unheilvollen Folgen der Kanalisierung hingewiesen. Wenn man ein leistungsfähiges Eisenbahnnetz zur Verfügung habe, dann könne man dasselbe erreichen wie mit der Kanalisation. Immerhin sei er (der Minister) überzeugt, daß er noch öfter Gelegenheit haben werde, im Hause über diese Frage zu verhandeln. Bundesbevollmächtigter Dr. Nobis bezeichnete die Kanalisierung als im Interesse des Landes liegend und erhoffte, die Verwirklichung deS Projekts, die sich vor allem auch darauf gründe, daß man gewohnt sei, daß der preußische Staat nach dem Grundsatz noblesse oblige handle. Abg. Dr. Oertel (kons.) betonte, daß es sich hier lediglich um eine wirtschaftliche Frage handle. Die Gründe der Regierung seien aber durchaus überzeugend und durchschlagend. Nach weiterer kurzer Erörterung schloß die Besprechung und der Etat wurde genehmigt. Montag Petitionen, Postetat.